Ausbildung Coaching: Abzocke oder Unterstützung?
Coaching ist vor allem für hoch qualifizierte Fachkräfte sinnvoll. Diese These herrscht - oft unausgesprochen - in zahlreichen Unternehmen und bei noch mehr Führungskräften vor. Doch ist dem wirklich so? Könnten nicht auch Auszubildende von einem professionellen Coaching profitieren? Oder wäre das nur Geldverschwendung? Die Antwort ist nicht ganz einfach, da sie von verschiedensten Faktoren abhängt. Eines ist jedoch sicher: Ausschließen sollten Unternehmen und Azubis Coaching in der Ausbildung nicht...

Coaching in der Ausbildung: Übertriebener Aufwand?

Häufig wird bei diesem Thema argumentiert, dass Coaching primär Studenten und Führungskräften vorbehalten sein sollte. Die individuelle Betreuung sei für Azubis, so das Argument, schlicht übertrieben, da diese viel weniger Druck und daher keinen Bedarf an einer individuellen Begleitung hätten.

Ein Blick in die Praxis vieler Azubis zeigt jedoch, dass diese Annahme etwas naiv ist. Zwar übernehmen Azubis während der Ausbildung andere Aufgaben als (Werks)Studenten. Auch die individuell übertragene Verantwortung mag von außen betrachtet geringer sein.

Subjektiv kann das jedoch ganz anders aussehen. Wenn in der Ausbildung mit teuren Maschinen gearbeitet wird und Entscheidung in Projekten und zu Aufgaben anstehen, stehen Auszubildende ebenfalls unter Druck. Auch sie spüren die Anforderungen und die Verantwortung der Arbeit.

Die Frage nach Sinn oder Unsinn eines Coachings in der Ausbildung lässt sich jedoch auch durch die Aufgaben und Ziele des Coaching-Prozesses beantworten. Professionelles Coaching kann...

  • ... bei der persönlichen und fachlichen Reflexion helfen.
  • ... den individuellen Lern- und Entwicklungsprozess unterstützen.
  • ... bei der Klärung von Fragen helfen.
  • ... die Bewältigung von Problemen - auch am Arbeitsplatz - unterstützen.
  • ... wichtige Impulse und Methoden für die Stressbewältigung bieten.
  • ... bei der individuellen Karriereplanung, Ziel- und Prioritätensetzung unterstützen.

Ein Blick auf diese Aspekte zeigt, dass auch Azubis von einem professionellen Coaching profitieren können. Für Azubis und Unternehmen, die Coachings durchaus mit finanzieren können, stellen sich jedoch zwei Fragen:

Wann lohnt sich ein Coaching aus fachlicher Sicht? Und wann stehen Kosten und Nutzen in einem positiven Verhältnis?

Coaching in der Ausbildung: Wann es sich für wen lohnt

Ollyy/shutterstock.com Auszubildende profitieren von einem Coaching vor allem dann, wenn sie sich in der Ausbildung überfordert oder unter großem Druck fühlen. Auch wenn sich regelmäßig Zweifel am Sinn der Ausbildung einstellen oder die Auszubildenden ihre Berufswahl grundsätzlich in Frage stellen, kann die Arbeit mit einem Coach Klarheit bringen.

Es müssen jedoch nicht immer Stress an der Grenze zum Burnout oder existenzielle Zweifel sein. Auch wenn Azubis Probleme bei der Organisation der Ausbildung oder im Umgang mit ihren Kollegen haben, kann sich ein Coaching lohnen.

Hier spielt die Bandbreite des Coachings eine entscheidende Rolle. Denn professionelles Coaching kann verschiedenste Bereiche und Themen umfassen, dazu gehören...

  • ... Karriereplanung und Berufswahl.
  • ... Selbstorganisation und Zeitmanagement.
  • ... Selbstreflexion und persönliche Entwicklung.
  • ... Kommunikations- und Präsentationscoaching.
  • ... der Umgang mit Geld und den persönlichen Finanzen.

Die Liste lässt sich sicherlich noch fortsetzen, doch die Aufzählung macht die Möglichkeiten des Coachings deutlich. Verschiedene Coaches bringen verschiedene Spezialisierungen und Stärken mit. Welcher sich individuell lohnt, hängt von den konkreten Themen ab.

Voraussetzungen für Coaching im Unternehmen

Ollyy/shutterstock.comEntscheiden sich Unternehmen dafür, Coaching für Azubis - und vermutlich auch andere Mitarbeiter - anzubieten, sollten einige Voraussetzungen geschaffen und beachtet werden. Neben dem individuellen Umfang des Coachings und den organisatorischen Rahmenbedingungen sind hier vor allem die Themen Vertraulichkeit und Diskretion relevant.

Azubis, Studenten und Mitarbeiter müssen sicher sein, dass alle Coaching-Gespräche und deren Inhalt zu 100 Prozent vertraulich behandelt werden. Nur in einem klar geschützten Rahmen kann das nötige Vertrauensverhältnis von Coach und Coachee enstehen und die Arbeit erfolgreich sein.

Auch kann es sinnvoll - wenn auch aufwändig - sein, mehrere Coaches einzubeziehen. Coaching ist ein sehr persönlicher Prozess. Daher spielt auch die persönliche Sympathie oder Antipathie eine Rolle. Eine Auswahl an Coaches erhöht die Chance, Mitarbeiter und Azubis den passenden Sparringspartner bieten zu können.

Neben den individuellen Themen spielt der Kostenfaktor vermutlich die größte Rolle für Azubis. Coaching ist in der Regel nicht günstig, Honorare beginnen im Schnitt ab 100 Euro und mehr pro Stunde.

Allerdings gibt es auch Coaches, die spezielle Tarife für Studenten und Auszubildende anbieten. Hier liegen Stundenhonorare dann zwischen 50 und 70 Euro. Immer noch nicht günstig, jedoch finanzierbar.

Eine solche Investition lohnt sich allerdings erst, wenn die Probleme, Fragen und Zweifel über einen längeren Zeitraum auftreten und sich auch durch Gespräche mit Freunden, Familie, Mentoren und Ausbildern nicht lösen lassen.

Coaching ist definitiv kein Allheilmittel und schon gar nicht bei jedem Problem oder jedem Zweifel nötig. Gute Coaches werden potenzielle Coachees auch darauf hinweisen, wenn ein Coaching unnötig oder sinnlos ist. Schwarze Schafe gibt es jedoch auch in dieser Branche.

Wie profitieren Unternehmen vom Coaching in der Ausbildung?

Neben der Eigenfinanzierung können jedoch auch Unternehmen ihren Auszubildenden ein gewisses Kontingent an Coaching-Stunden finanzieren oder anbieten. Für Studenten und Fachkräfte ist das in einigen Branchen und - meist größeren - Unternehmen bereits üblich.

Neben den eingangs genannten Argumenten und Vorteilen können Unternehmen von einem solchen Coaching-Angebot und der damit verbundenen finanziellen Investition auf vielfältige Art und Weise profitieren:

  • Azubis kommen besser mit den Anforderungen und dem Stress der Ausbildung zurecht. Für das Unternehmen resultiert die bessere Stressbewältigung in weniger Krankheitstagen und produktiveren Azubis.
  • Selbst wenn die meisten Azubis das Coaching-Angebot nicht annehmen, ist die Botschaft eindeutig: Das Unternehmen kümmert sich um seine Mitarbeiter und ihr Wohlergehen. Das schafft Loyalität und stärkt die Motivation.
  • Azubis können selbstbewusster und persönlich gefestigt werden - und so Teams bereichern. Professionelles Coaching kann die persönliche Entwicklung Unterstützen und so auch das professionelle Wachstum der Azubis fördern.
  • Last but not least kann das Coaching-Angebot auch als Argument im Employer Branding dienen. Ergänzt um O-Töne von zufriedenen Azubis kann es die Entscheidung potenzieller Bewerber durchaus positiv beeinflussen.

Trotz dieser Chancen ist klar, dass ein Coaching-Angebot für Azubis nicht zu einem direkt messbaren finanziellen Vorteil für Unternehmen führt. Wer ein Coaching-Angebot aus rein finanziellen Gründen implementieren und am gesteigerten Umsatz messen will, kann und sollte sich den Aufwand sparen.

Coaching in der Ausbildung bietet zwar sowohl Unternehmen als auch Azubis Vorteile, es sollte jedoch immer in erster Linie dem Wohl der Azubis dienen. Und ja, in Ausnahmen kann ein Coaching auch dazu führen, dass Azubis sich neu orientieren und das Unternehmen verlassen. Doch dieses Risiko ist bei allen Fortbildung und Fördermaßnahmen für Mitarbeiter gegeben. Hier passt der bekannte Dialog:

Frage: Was, wenn wir unsere Mitarbeiter fördern und sie dann gehen?
Antwort: Was, wenn wir unsere Mitarbeiter nicht fördern und sie dann bleiben?

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[Bildnachweis: racorn, Olly by Shutterstock.com]

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