Ausbildung in Teilzeit: Ja, das gibt's und geht wirklich. Das Instrument, das vor zehn Jahren ins Leben gerufen wurde, soll vor allem jungen Eltern mehr Flexbilität in der Berufsausbildung bringen. Welche Vorteile haben Teilzeit-Azubis? Und welche Nachteile? Wir haben die wichtigsten Fakten für Interessenten zusammengetragen.

Ausbildung in Teilzeit: Kennen Sie schon?

Seit einigen Tagen wissen wir: Deutschland ist das Land mit der niedrigsten Geburtenrate weltweit. Das sollte eigentlich Anlass genug sein, um sich auch über die hiesige Arbeits- und Unternehmenskultur einmal grundlegende Gedanken zu machen. Wo bleiben eigentlich die Initiativen der Wirtschaft, die uns vor dem demographischen Kollaps bewahren (wenn man mal von dem ständigen Ruf nach mehr Einwanderung absieht)?

Dabei gibt es durchaus schon das eine oder andere Familienförderungs-Instrument, das nur darauf wartet, in die Realität überführt zu werden. Dazu zählt auch die Teilzeitausbildung, die der Bund vor zehn Jahren ins Leben gerufen hat, die aber in der Öffentlichkeit noch weitgehend unbekannt ist. Sie richtet sich hauptsächlich an junge Eltern, die sich (vor allem auch aus zeitlichen Gründen) schwer tun, einen adäquaten Ausbildungsplatz zu erhaschen.

Teilzeitausbildung: Was ist das?

Den rechtlichen Rahmen gibt das Berufsbildungsgesetz von 2005 vor. Demnach kann „sich bei berechtigtem Interesse der Antrag auch auf die Verkürzung der täglichen oder wöchentlichen Ausbildungszeit richten.“

In der Praxis ist damit eine Reduzierung der Arbeitszeit auf 20 bis 35 Stunden pro Woche verbunden, oft sind es 30 Stunden, auf die sich Arbeitgeber und Azubi einigen. Die Zeit in der Berufsschule bleibt dabei unangetastet. Beispiel: Bei einer Teilzeitausbildug mit 25 Wochenstunden entfallen acht Stunden (ein Tag) auf die Berufsschule, die restlichen 17 Stunden arbeitet der Azubi ganz normal im Betrieb. Dass sich im Gegenzug die gesamte Ausbildungsdauer von (meist) drei Jahren erhöht, ist prinzipiell nicht vorgesehen, aber vom Einzelfall abhängig.

Azubi-Teilzeit: Für wen?

Eine Teilzeitausbildung richtet sich speziell und NUR an Personen, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Das Gesetz spricht vom „berechtigten Interesse“, das vor allem in diesen Fällen vorliegt:

  • Betreuung eigener Kinder
  • Betreuung eines pflegebedürftigen Angehörigen, zum Beispiel der Eltern
  • Gesundheitliche Einschränkung oder Behinderung
  • Teilnahme am Leistungssport

Nach den aktuellen Zahlen des Bundesbildungsministeriums sind 93 Prozent der Teilzeitazubis Frauen, viele davon mit gutem Schulabschluss. Insgesamt wurden 1.638 Teilzeitverträge im Jahr 2013 geschlossen - angesichts von über 525.000 Azubi-Verträgen insgesamt ein bescheidener Wert und eine Quote von nicht einmal 0,3 Prozent. Der Trend aber zeigt immerhin nach oben, denn 2012 gab es erst 1.344, 2011 waren es 1.173 neue Teilzeit-Verträge. Am höchsten ist die Quote im Übrigen in Schleswig-Holstein, Bremen und dem Saarland (aber auch dort sehr niedrig).

Wer bietet sie an?

Grundsätzlich gibt es die Möglichkeit auf Teilzeitausbildung nach Angaben des Bundesbildungsministeriums in allen Berufen, die im dualen System, also im Betrieb und in der Berufsschule gelehrt werden. Vor allem in diesen Bereichen und Berufen gibt es Teilzeit-Lehrstellen:

  • Gesundheitsbranche, z.B. Altenpflegekräfte in Kliniken
  • Kaufmännische Berufe, z.B. Industriekaufleute
  • Freie Berufe, z.B. Physiotherapeuten, Krankengymnasten oder Hebammen
  • Handwerkliche Berufe, z.B. Friseure
  • Berufe im Öffentlichen Dienst, z.B. Verwaltungsfachangestellte
  • Landwirte
  • Hauswirtschafter

Welche Vorteile hat die Teilzeit-Ausbildung?

Für junge Menschen vor allem diese:

  • Bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf
  • Mehr (zeitliche) Flexibilität im Alltag
  • Vollwertiger Abschluss

Aus der Teilzeit-Ausbildung verabschiedet man sich also hinterher keineswegs mit einem B-Abschluss, die Berufsausbildung ist absolut vollwertig. Zudem ist auch mittendrin durchaus ein Umstieg von Teil- auf Vollzeit möglich, nach Absprache mit dem Arbeitgeber, wenn zum Beispiel ein Kita-Platz für das Kind gefunden wurde.

Unternehmen, die Teilzeit-Lehrstellen anbieten, erschließen im Gegenzug völlig neue Bewerberkreise: Junge Mütter, die häufig über einen guten Schulabschluss verfügen und denen oftmals ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein, eine hohe Team- und Leistungsorientierung bescheinigt werden.

Welche Nachteile hat sie?

Vor allem finanzielle. Zwar weisen offizielle Stellen immer wieder darauf hin, dass das (ohnehin oft spärliche) Azubi-Gehalt bei Teilzeit nicht zwingend gekürzt werden muss und auch nicht von allen Unternehmen gekürzt wird. In der Realität aber müssen sich Teilzeit-Azubis oft mit einem entsprechend niedrigeren, anteilig gekürzten Gehalt zufriedengeben.

Für Azubis gilt daher: Unbedingt bei der Arbeitsagentur nach einer Ausbildungsbeihilfe anfragen. Die Chancen auf Ausbildungsbeihilfe sind besonders gut für junge Eltern und Langstrecken-Pendler. Angerechnet werden allerdings die Einkommen vom Ehepartner und auch der Eltern. Rechnen Sie Ihr persönliches Szenario einfach mal durch, die Bundesagentur bietet im Netz einen Rechner an.

Azubis, die besonders klamm bei Kasse sind und zuvor Hartz IV bezogen haben, haben sogar die Chance, für den Übergangsmonat einen Hartz-IV-Satz als Darlehen zu erhalten. Auch haben Sie möglicherweise Anspruch auf einen Zuschuss zu den ungedeckten Kosten für Wohnung und Heizung, sogar bei gleichzeitigem Bezug der Berufsausbildungsbeihilfe. Sprechen Sie die Arbeitsagentur in jedem Fall auf finanzielle Fördermöglichkeiten an.

Zweiter Nachteil für Teilzeit-Azubis: Da die Ausbildungsdauer nicht verlängert werden soll, muss mehr Stoff in kürzerer Zeit gepaukt werden. Das Pensum sollten Teilzeitler also nicht unterschätzen, Selbstmanagement und Zeitplanung sind wichtig. Auch kann es zu Spannungen im Team kommen, denn für Teilzeit-Azubis gibt es nun einmal Extra-Würste. Das ist das Prinzip.

Fazit

Für junge Menschen ist die Teilzeit-Ausbildung auf jeden Fall eine sehr bedenkenswerte Option. Womit wir aber wieder am Anfang sind: Denn das Unternehmen, das Ihnen eine Teilzeit-Lehrstelle anbietet, müssen Sie erst noch finden. Den Zahlen zufolge haben sonderlich viele Unternehmen diese Form der Mitarbeiterbindung und Familienförderung jedenfalls noch nicht für sich entdeckt.

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[Bildnachweis: Jeanette Dietl by Shutterstock.com]

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