Ausbildungsberufe mit Abitur: Bezahlung, Liste, Tipps

Die Ausbildung ist eine Alternative zum Studium. Doch werden die schulischen Anforderungen auch zwischen Friseursalon und Bankfiliale immer größer. Viele Lehrstellen sind Abiturienten vorenthalten, darunter einige der beliebtesten. Welche Ausbildung kann ich ausschließlich mit Abitur absolvieren? Welche Alternativen habe ich? Und wo gibt es das beste Gehalt? Karrierebibel hat alle Infos und Tipps.

Ausbildungsberufe mit Abitur: Bezahlung, Liste, Tipps

Ausbildungsberufe mit Abitur: Gute Perspektiven

Die wichtigste Nachricht vorweg: Abiturienten, die mit einer Ausbildung liebäugeln – als Alternative oder Vorspiel zum Studium – halten beste Karten in der Hand.

Nach Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) haben im vergangenen Jahr weniger junge Menschen eine Ausbildung begonnen als im Jahr zuvor – 520.300. Insgesamt waren 600.900 Menschen auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz – ebenfalls weniger als im Vorjahr.

Die Nachfrage ging dabei stärker zurück als das Angebot an Ausbildungsplätzen. Das müsste eigentlich schwächeren Bewerbern zugute kommen – tut es aber nicht. Weil viele Betriebe lieber gar keinen als einen (mutmaßlich) schlechten Azubi einstellen, hat auch die Zahl der unbesetzten Plätze zugenommen.

Parallel steigt der Anteil der Abiturienten immer weiter an. Hatte im Jahr 2009 erst jeder fünfte Azubi ein Abi-Zeugnis in der Tasche, waren es 2015 schon 27,7 Prozent. In dieser Zeit ist der Anteil Jahr für Jahr gestiegen – eine Entwicklung, die sich wahrscheinlich fortsetzen wird. Es sei denn, ein großer Teil junger Flüchtlinge ohne Hochschulreife (bzw. vergleichbaren Abschluss) kommt in Ausbildung und drückt diesen Wert wieder nach unten.

Die beliebtesten Ausbildungsberufe von Abiturienten

Abiturienten zieht es hauptsächlich in die kaufmännischen Berufe. In vielen Ausbildungsberufen ist das Abi-Zeugnis gar – inoffizielle – Einstellungsvoraussetzung. Für Real- und Hauptschüler oder Schulabbrecher bedeutet das: Sie haben geringe bis gar keine Chancen, eine Lehrstelle zu finden.

Für die Abiturienten selbst bedeutet das: Sie stehen zwar vor offenen Türen, werden aber auch mit einer qualitativ und zahlenmäßig starken Konkurrenz konfrontiert (siehe auch ganz unten).

In diesen Ausbildungsberufen ist der Anteil der Abiturienten am größten:

[Quelle: BIBB]


Die beliebtesten Branchen von Abiturienten

Unter Handwerkern ist das Abitur noch immer eine Rarität. Doch haben auch Schreiner, Dachdecker oder Mechatroniker vor ihrem Berufseinstieg immer häufiger das Gymnasium besucht. Im Jahr 2009 verfügten nur 6,3 Prozent der neuen Lehrlinge im Handwerk über die Hochschulreife, 2015 waren es immerhin schon 12,5 Prozent.

Ganz anders im Öffentlichen Dienst. Hier hat bereits über die Hälfte der neuen Azubis das Abitur – 52,6 Prozent. Auch in Industrie und Handel (33,9 Prozent) und in der Landwirtschaft (20,9 Prozent) stieg der Abiturientenanteil in den vergangenen Jahren deutlich an.

In den freien Berufen ist das Plus etwas geringer – von 2009 bis 2015 stieg der Abi-Anteil von 23,8 auf 27,9 Prozent. Zu den freien Berufen zählen zum Beispiel Physiotherapeuten, Hebammen oder Podologen.

Nur die Hauswirtschaft ist weiterhin Abi-freie Zone. 2009 hatten ganze 1,3 Prozent der neuen Hauswirtschafts-Azubis das Abi in der Tasche, mittlerweile sind es mit drei Prozent nicht viel mehr.

Ausbildungsberufe: Diese bringen am meisten Geld

Die beliebtesten sind nicht automatisch die bestbezahlten Ausbildungsberufe. Laut BIBB gibt es in folgenden Ausbildungsberufen – vor allem in Westdeutschland – die dicksten Gehälter.

Aber Achtung: Bitte nicht das Azubi-Gehalt mit den langfristigen Gehaltsperspektiven vermischen. So kann die Vergütung nach dem Ende der Ausbildung und einigen Jahren Berufserfahrung schon wieder ganz anders aussehen – und der Beruf im Gehaltsranking eine ungleich schlechtere Position einnehmen.

In diesen Ausbildungsberufen verdient man am besten:

  • Binnenschiffer: 1072 Euro
  • Maurer, Beton-, Kanal-Rohrleitungs- und Straßenbauer, Trockenbaumonteure, Zimmerer und Wärme-, Kälte- und Schallschutzisolierer: 1057 Euro (Westen)
  • Gleisbauer: 1006 Euro (Westen)
  • Konstruktionsmechaniker: 1005 Euro (Westen)
  • Elektroniker für Maschinen- und Antriebstechnik: 1004 Euro (Westen)
  • Fluggerätemechaniker: 1003 Euro (Westen)
[Quelle: BIBB]


Ausbildung: Hier gibt’s sie nur mit Abitur

Ohne Abitur keine Ausbildung zum Bankkaufmann oder zur Bankkauffrau. Das ist in vielen Finanzinstituten ein ungeschriebenes Gesetz. Auch in vielen kaufmännischen Berufen ist die Hochschulreife de-facto die Eintrittskarte. Als formelle Einstellungsvoraussetzung aber ist das Abi eher selten.

Doch gibt es auch Ausbildungen, die von vornherein nur absolvieren darf, wer die Hochschulreife vorzeigen kann. Zum Beispiel diese:

  1. Polizei

    Die Polizei fällt in den politischen Zuständigkeitsbereich der Länder. Folgerichtig sind die Anforderungen deutschlandweit nicht einheitlich. Die Polizei Niedersachsen zum Beispiel stellt niemanden ein, der am Tag der Einstellung älter als 31 Jahre alt ist. Bei der Hamburger Polizei liegt die Obergrenze dagegen bei 34 Jahren.

    Und auch beim Schulabschluss sind die Hamburger großzügiger. Um am Auswahlverfahren für die Ausbildung teilnehmen zu können, müssen Bewerber nicht mehr als einen Hauptschulabschluss mit abgeschlossener Berufausbildung vorlegen. In Niedersachsen hingegen ist Abitur, Fachhochschulreife oder ein „gleichwertig anerkannter Bildungsabschluss“ vonnöten.

    Noch anders hält es das Land Baden-Württemberg: Im Südwesten liegt die Latte für Azubis bei einem mittleren Bildungsabschluss mit der Durchschnittsnote 3,2.


  2. Bundespolizei

    Die Bundespolizei hat ihre Einstellungsvoraussetzungen abgestuft. Für die zweieinhalbjährige Ausbildung im mittleren Dienst benötigt man zumindest einen Hauptschulabschluss mit abgeschlossener Ausbildung.

    Eine Karriere im gehobenen Dienst steht hingegen nur Abiturienten offen. Mehr noch: In Deutsch und Englisch muss mindestens die Note 4 auf dem Zeugnis stehen, in Sport sogar die Note 3. Und für den höheren Dienst rekrutiert die Bundespolizei ausschließlich Uni-Absolventen.


  3. Zoll

    Beim Zoll geht nichts ohne die Hochschulreife. Abitur, Fachabi oder ein gleichwertiger Schulabschluss sind Einstellungsvoraussetzungen.

    Doch das reicht noch nicht aus. Bewerber, die sich in einem der Hauptzollämter ausbilden lassen wollen, müssen zudem das schriftliche Auswahlverfahren bestehen. Gefragt sind mathematische Fähigkeiten, Sprachverständnis, analytische Fähigkeiten und Allgemeinbildung. Wer hinterher auch noch das mündliche Auswahlverfahren meistert, hat gute Chancen.


  4. Pilot

    Piloten winkt Reputation und ein Top-Gehalt, ohne dass dafür akademische Meriten vonnöten wären. Einfach ist der Weg bis ins Cockpit aber nicht. Ohne Abitur oder Fachabi verweigert jede Flugschule den Einlass.

    Wer sich zum Piloten ausbilden lassen möchte, braucht außerdem gute Englischkenntnisse und Adleraugen. Das gilt zum Beispiel für die deutschen Airlines Lufthansa und Air Berlin.


  5. Fluglotse

    Auch Fluglotsen wird der Ausbildungsplatz nicht geschenkt. Sie benötigen ähnlich wie Piloten eine gute Sehkraft, Englischkenntnisse – und das Abitur.

    Wer das harte Auswahlverfahren übersteht, kann seine Ausbildung bei der Deutschen Flugsicherung beginnen – und in überirdische Gehaltssklassen aufsteigen.

Ausbildungsberufe: Alternativen für Abiturienten

„Das Berufswahlverhalten der ausbildungsinteressierten Personen mit Studienberechtigung konzentriert sich immer noch relativ stark auf ein begrenztes Segment von besonders beliebten Berufen, die jedoch zum Teil nicht mehr in der Lage sind, der wachsenden Nachfrage studienberechtigter Ausbildungsinteressenten zu ent­sprechen“, schreibt das BIBB im Berufsbildungsbericht 2017.

Und weiter: „Um die daraus resultierenden Passungsprobleme mindern zu können, müsste das Interesse der Studienberechtigten an den von ihnen bislang wenig beachteten Berufen noch deutlich stärker als bislang gesteigert werden.“

Im Klartext: Abiturienten sollen doch bitte über den kaufmännischen Tellerrand blicken und auch andere Ausbildungsberufe in Betracht ziehen. Im Hinterkopf dürften die Autoren vor allem das Handwerk haben. Hier ist die Problematik, Ausbildungsplätze zu besetzen, am größten.

Beispiel Koch: Von 11.166 Ausbildungsplätzen konnten 2.244 Plätze zum 30. September 2016 nicht besetzt werden – also jeder fünfte. Auch diese Ausbildungsberufe bieten viele freie Plätze:

  • Restaurantfachleute
  • Fleischer
  • Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk
  • Fachleute für Systemgastronomie
  • Klempner
  • Bäcker
  • Beton- und Stahlbetonbauer
  • Gerüstbauer
  • Hotelkaufleute
  • Gebäudereiniger
  • Fachkräfte für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice
  • Steinmetze und Steinbildhauer
  • Köche
  • Tierwirt
  • Glaser
[Bildnachweis: Burben by shutterstock.com]
22. April 2017 Autor: Sebastian Wolking

Sebastian Wolking ist Redakteur der Karrierebibel. Er hat Geschichte, Politikwissenschaften und Germanistik studiert und als Online-Redakteur gearbeitet. Sein Interesse gilt den Veränderungen des Arbeitsmarktes durch die digitale Revolution.

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