Azubi Abmahnung: Wie Sie jetzt reagieren
Abmahnung - bereits das Wort lässt viele Arbeitnehmer zusammenzucken, ist es doch unweigerlich mit Schwierigkeiten und Ärger verbunden. Für Azubis kann sich eine Abmahnung wie ein Schlag in die Magengrube und nach dem Ende der Ausbildung anfühlen. Doch das ist es keineswegs. Auch als Azubi müssen Sie eine Abmahnung nicht unwidersprochen hinnehmen und das Ende Ihrer Ausbildung stellt sie ebenfalls nicht dar. Mit einer angemessenen Reaktion und bewährten Strategien können Sie sinnvoll mit einer Abmahnung umgehen.

Azubi Abmahnung: Bewahren Sie Ruhe

Nach dem ersten Schock folgen in vielen Fällen Emotionen wir Frustration, Wut oder Entrüstung. Das ist verständlich und normal, doch in diesem emotionalen Zustand sollten Sie weder als Azubi noch als Arbeitnehmer auf eine Abmahnung reagieren. So schwer es auch fällt: Treten Sie einen Schritt zurück, schlafen Sie eine Nacht darüber und betrachten Sie die Abmahnung dann möglichst rational und gelassen.

Mit einer emotionalen Reaktion fühlen Sie sich vielleicht kurzfristig besser, sie wird Ihnen jedoch fast immer mehr Probleme verursachen als lösen. Haben sich die Emotionen gelegt und können Sie die Abmahnung ruhig betrachten, sind zwei Fragen entscheidend. Bei der Suche nach den Antworten sollten Sie sich die Meinung Dritter einholen und vielleicht auch einen Anwalt für Arbeitsrecht konsultieren.

  1. Ist die Abmahnung berechtigt?

    Diese Frage ist für die meisten Azubis, und Arbeitnehmer, nur schwer objektiv zu beantworten. Sich selbst Fehlverhalten und Pflichtverletzungen einzugestehen, ist alles andere als leicht. Hier kann Ihnen die Perspektive einer anderen Person, die sich vielleicht auch fachlich mit Ihrem Beruf auskennt, helfen.

  2. Wie reagieren Sie am besten?

    Ihre Reaktion auf die Abmahnung hängt direkt von Ihrer Antwort auf die erste Frage ab. Ist eine Abmahnung berechtigt, sollten Sie sich Ihren Fehler eingestehen und daraus lernen. Je nach Fehler und dem Verhältnis zu Ihrem Chef ist es möglicherweise sinnvoll, das Gespräch zu suchen, sich zu entschuldigen und deutlich zu machen, dass Sie aus der Situation lernen.

Ist die Abmahnung allerdings nicht berechtigt - die Rücksprache mit einem Fachanwalt kann Ihnen hier Sicherheit bieten - haben Sie mehrer Reaktionsmöglichkeiten. Die beiden wichtigsten stellen wir im Folgenden dar.

Azubi Abmahnung: Wie viele Abmahnungen bis zur Kündigung?

Ollyy/shutterstock.comImmer wieder wird von Azubis die Frage gestellt, wie oft der Arbeitgeber vor einer Kündigung denn abmahnen muss. Die Antwort ist leider nicht ganz so einfach, wie sich mancher wünschen würde. Grundsätzlich gilt zwar, dass zwei Abmahnungen einer Kündigung vorausgehen sollten. Doch das ist kein in Stein gemeißelter Grundsatz.

Denn erstens müssen beide Abmahnungen für die gleiche oder zumindest eine ähnliche Pflichtverletzung erfolgen. Das gilt zumindest dann, wenn die Kündigung verhaltensbedingt erfolgen soll.

Das ist jedoch ausdrücklich keine Freifahrtsschein für Azubis. In besonders schweren Fällen der Pflichtverletzung kann eine Kündigung auch ohne vorherige Abmahnung erfolgen. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn Azubis Geld veruntreuen, den Arbeitgeber bestehlen oder das Vertrauensverhältnis anderweitig schwerwiegend beeinträchtigen.

Ob eine Kündigung mit oder ohne vorausgehende Abmahnungen gültig ist, kann nur im Einzelfall entschieden werden. Und diese Frage sollten Sie unbedingt zusammen mit einem Fachanwalt für Arbeitsrecht klären.

So reagieren Azubis auf unberechtigte Abmahnungen

IVY PHOTOS/shutterstock.comIst die Abmahnung Ihrer Meinung nach unberechtigt, sollten Sie im ersten Schritt das Gespräch mit Ihrem Chef suchen. Wichtig: Vereinbaren Sie dazu unbedingt einen Termin und führen Sie das Gespräch nicht zwischen Tür und Angel. Ein so wichtiges Gespräch sollten Sie strukturiert angehen und entsprechend vorbereiten. Das bedeutet für Sie:

  • Notieren Sie sich alle Ihre Argumente, die aus Ihrer Sicht gegen die Abmahnung sprechen.
  • Rechtfertigen Sie sich keinesfalls! Stellen Sie ruhig und sachlich Ihre Argumente und Gründe dar und gehen Sie die Argumentation im Vorfeld durch.
  • Unterbrechen Sie Ihren Chef keinesfalls, sondern lassen Sie ihn zu Wort kommen, hören Sie sich alle Aussagen an und reagieren Sie sachlich darauf.
  • Dokumentieren Sie die Ergebnisse und den Verlauf des Gesprächs. Entscheiden Sie erst mit etwas zeitlichem Abstand, wie sie nach dem Gespräch reagieren und weiter verfahren.

Sollte das Gespräch nicht das gewünschte Ergebnis erzielen, sollten Sie anderweitig aktiv werden. Konkret besteht der nächste Schritt darin, eine schriftliche Gegendarstellung zu verfassen. Diese muss nicht zwingend zur Zurücknahme der Abmahnung führen. Dennoch sollten Sie darauf bestehen, dass diese Gegendarstellung in Ihrer Personalakte landet und als Ergänzung aufgenommen wird. Damit beugen Sie Missverständnissen vor und verhindern, dass spätere Chefs die Abmahnung unkommentiert sehen und entsprechend interpretieren.

Damit Ihre Gegendarstellung diese Zweck erfüllt, sollten Sie darauf dass...

  • ... Ihre Argumentation schlüssig und nachvollziehbar ist.
  • ... Sie auf Schuldzuweisungen verzichten.
  • ... Sie darin keine Vorwürfe machen.
  • ... der Tonfall keinesfalls rechtfertigend ist.
  • ... die Gegendarstellung auch für Personen verständlich ist, die die Ausgangssituation nur aus der Abmahnung kennen.

Im besten Fall ist Ihre Gegendarstellung so überzeugend, dass Ihr Chef sich dadurch nochmal Gedanken über die Abmahnung macht. Selbst wenn er seine Meinung nicht ändert und sie nicht zurücknimmt, können Sie dadurch Ihre Situation im Unternehmen verbessern.

Grundsätzlich können Sie natürlich auch gerichtlich gegen eine Abmahnung vorgehen. Da darunter jedoch das Verhältnis zu Ihrem Arbeitgeber leider, sollte dies der letzte Schritt sein.

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[Bildnachweis: wavebreakmediam, Ollyy, IVY PHOTOS by Shutterstock.com]

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