Bei der Jobsuche erwischt: Was jetzt tun?

Wie unendlich peinlich – der Chef erwischt Sie bei der Jobsuche im Büro! Eigentlich wollen Sie einfach nur mal Ihren Marktwert testen. Oder tatsächlich in nächster Zukunft die Stelle wechseln. Warum also nicht schnell mal die Pause in der Mittagszeit nutzen? Oder eben auf Xing das eigene Profil aktualisieren und optimieren. Blöd nur, wenn der Vorgesetzte ausgerechnet das in Echtzeit mitbekommt – etwa, weil er ins Büro gestürmt kommt und zufällig auf den Bildschirm schaut. Wie gesagt: peinlich. Und höchst unangenehm. In einer solchen Situation gilt es die Fassung zu wahren und das Beste daraus zu machen. Wie Sie sich klug aus der Affäre manövrieren, wenn Sie aufgeflogen sind…

Bei der Jobsuche erwischt: Was jetzt tun?

Bei der Jobsuche auf frischer Tat ertappt: Was nun?

Erwischt – Sie waren gerade in der Jobbörse Karrieresprung.de und haben nach passenden Stellenanzeigen gesucht, als Ihr Chef hereinstürmt und einen Blick über die Schulter wirft… Oder Sie haben Ihr aktualisiertes Bewerbungsanschreiben im Drucker vergessen… Oder Ihr Vorgesetzter kriegt noch die letzten Fetzen einer Unterhaltung am Telefon mit, die sich eindeutig um eine interessante Stelle und einen Headhunter dreht…

Bei den meisten Menschen wird sich vermutlich augenblicklich ein Schuldbewusstsein einstellen. Es ist eine unangenehme Situation, schließlich signalisiert sie dem Arbeitgeber: Ich bin nicht mehr zufrieden, ich will weg.

Aber statt es ihm direkt ins Gesicht zu sagen, erfährt er es hintenherum. Das belastet natürlich das Vertrauensverhältnis enorm.

Wie kommen Sie da jetzt aus der Nummer wieder heraus?

Letztlich sind verschiedene Szenarien vorstellbar. Abhängig ist das unter anderem von der sozialen Kompetenz Ihres Vorgesetzten beziehungsweise vom generellen Betriebsklima. Aber Ihre eigene Ausgangslage spielt natürlich auch eine Rolle: Fühlen Sie sich an Ihrem derzeitigen Arbeitplatz grundsätzlich noch wohl oder fehlen Ihnen die Perspektiven?

Aber der Reihe nach:

  1. Bei der Jobsuche erwischt: Ihr Chef bittet anschließend um ein Gespräch

    Kurz nachdem Sie aufgeflogen sind, werden Sie vermutlich mit einem Grummeln in der Magengegend ins Büro des Chefs gehen. Aber: Vielleicht besteht seinerseits ernsthaftes Interesse an Ihren Beweggründen? Möglicherweise will Ihr Arbeitgeber in diesem Gespräch in Erfahrung bringen, wieso Sie sich nach einer anderen Stelle umschauen. Gibt es vielleicht etwas, was er tun kann, um Sie umzustimmen und zu halten?

    Was Sie tun können:

    Letztlich ist dies eine gute Gelegenheit zu einem offenen und konstruktiven Gespräch. Wenn Sie tatsächlich unzufrieden sind, haben Sie nun die Chance, dies offen zu kommunizieren. Sagen Sie ehrlich, wenn Sie beispielsweise…

    • sich nicht wertgeschätzt fühlen,
    • keine Möglichkeiten sehen, sich beruflich weiterzuentwickeln,
    • sich nach besser bezahlten Stellen umsehen,
    • Schwierigkeiten mit Kollegen haben oder
    • eine neue Herausforderung suchen.

    Achten Sie während des Gesprächs aber unbedingt darauf, einen ruhigen und souveränen Tonfall beizubehalten und keine Vorwürfe zu machen. Nicht hilfreich sind Aussagen wie:

    Ich bin bereits seit drei Jahren in diesem Unternehmen und wurde immer noch nicht befördert.

    oder

    Ich habe noch keine Gehaltserhöhung bekommen, seit ich vor drei Jahren hier angefangen habe.

    Stattdessen wäre es besser, zu sagen:

    Ich bin an einem Punkt, an dem ich meine berufliche Karriere weiter voranbringen und die nächste Stufe erreichen möchte. Ich möchte mich weiterentwickeln und mehr Verantwortung übernehmen. Leider sehe ich auf meiner aktuellen Position keine Möglichkeit, diese Ziele zu erreichen.

  2. Bei der Jobsuche erwischt: Sie werden befördert

    Kaum ein Chef möchte qualifizierte Arbeitskräfte verlieren. Falls Ihr Chef also mitbekommt, dass Sie anderweitig interessiert sind und Sie zu seinen Leistungsträgern gehören, könnte das den Stein für eine Beförderung ins Rollen bringen. Das ist zumindest der Idealfall.

    Allerdings hängt es eben von Ihren ursprünglichen Beweggründen ab, ob so ein Angebot tatsächlich überzeugend ist. Sind Sie vielleicht auf Jobsuche, weil Sie an Ihrem derzeitigen Arbeitsplatz von toxischen Menschen umgeben sind? Und wieso braucht es eigentlich einen solchen Anlass, dass Ihr Chef erkennt, welchen Wert Sie für Ihn haben? Sollte ersteres der Fall sein, wird auch eine Gehaltserhöhung oder Beförderung Ihr Problem nicht lösen.

    Was Sie tun können:

    Sollten zu wenig Geld oder mangelnde Aufstiegschancen tatsächlich Ihr Hauptmotiv sein, dann ist dies natürlich eine gute Gelegenheit zuzuschlagen. Akzeptieren Sie das Angebot, wenn Sie ansonsten mehr oder weniger zufrieden waren.

    Aber wenn Sie immer noch auf etwas Größeres hinaus wollen, ist es verständlich, wenn Sie sich nach etwas Neuem umschauen. Letztlich wird auch eine Beförderung oder ein paar Kröten mehr auf dem Konto Sie nicht davon abhalten.

  3. Bei der Jobsuche erwischt: Sie stehen unter strenger Beobachtung

    Jetzt wird es unangenehm. Im Normalfall beobachtet der Arbeitgeber vielleicht nicht unbedingt jeden einzelnen Schritt, kontrolliert nicht automatisch, auf welchen Seiten der Angestellte im Internet surft. Wenn nun aber eine mögliche Kündigung Ihrerseits ins Haus steht, dürfte das Misstrauen geweckt sein.

    Das kann dazu führen, dass Ihre Arztbesuche ab sofort infrage gestellt werden. Oder man sich wundert, ob Ihre Mittagspause länger als üblich dauert. Ihrem Arbeitgeber obliegt nun mal die Aufgabe, sicherzustellen, dass Sie auch wirklich arbeiten. Allerdings arbeiten zufriedene Arbeitnehmer bekanntermaßen deutlich engagierter als unzufriedene. Ausgehend davon, dass Sie offenbar unzufrieden sind, muss Ihr Chef eine sinkende Arbeitsmoral befürchten.

    Was Sie tun können:

    Wenn Sie letztlich noch bleiben wollen, zerstreuen Sie diese Befürchtungen und reparieren Sie das Vertrauensverhältnis wieder, indem Sie sich in die Arbeit wieder mehr einbringen. Bei Teammeetings sich zu Wort melden, Ihre Arbeit pünktlich und anstandsfrei abliefern und allgemeines Interesse an der Arbeit zu zeigen – all das signalisiert Ihrem Chef, dass Sie Ihre Aufgabe ernst nehmen, auch wenn Sie vielleicht auf dem Absprung sind.

  4. Bei der Jobsuche erwischt: Ihnen wird gekündigt

    Zugegebenermaßen die unschönste Situation, aber denkbar: Ihr Arbeitgeber ist über den Loyalitätsbruch so verärgert, dass er Ihnen kündigt. In der Probezeit geht das sowieso ohne Angabe von Gründen. Aber auch so gibt es natürlich die Möglichkeit, jemanden unter bestimmten Voraussetzungen innerhalb von ein paar Wochen zu entlassen und irgendwelche Gründe zu finden. Im Zweifel gibt es halt eine Änderungskündigung oder Versetzung. Hauptsache, schön unangenehm.

    Wenn das bisherige Verhalten Anlass zu Unmut seitens des Arbeitgebers gibt, ist der vorzeitige Weg aus diesem Arbeitsverhältnis nicht unwahrscheinlich. Betrachten Sie es einmal von der Warte: Würden Sie als Arbeitgeber einen vermeintlich illoyalen Mitarbeiter oder in seinen Augen „Minderleister“ noch mit einer Fortbildungsmaßnahme fördern wollen? Eben.

    Was Sie tun können:

    Unterschreiben Sie nichts, was Sie nicht sorgfältig geprüft haben. Sollte der Kündigungsgrund bei einem normalen Arbeitsverhältnis erfunden sein, gilt es dagegen vorzugehen. Das kann über den Betriebsrat oder eine Gewerkschaft erfolgen. Wenn Sie kein Mitglied einer Gewerkschaft sind, steht Ihnen immer noch der Weg zu einem Fachanwalt für Arbeitsrecht offen.

  5. Bei der Jobsuche erwischt: Gar nichts passiert

    Auch das ist eine Option: Ihr Chef hat vielleicht keine Lust, sich mit Ihnen auseinanderzusetzen und thematisiert die ganze Angelegenheit nicht. Das kann nichts bedeuten – vielleicht arbeitet es in seinem Hinterkopf aber auch weiter. Entweder tritt er künftig besonders freundlich auf, um sich über Ihre Arbeit einen Überblick zu verschaffen oder aber er lässt Sie links liegen.

    Was Sie tun können:

    So oder so sollten Sie Professionalität an den Tag legen. Wenn die Stimmung sich verschlechtert, ist es an der Zeit Klartext zu reden. Machen Sie Ihrem Vorgesetzten deutlich, dass Sie absolut engagiert Ihrer Arbeit nachgehen. Sagen Sie ihm, dass Sie lediglich neugierig sind auf zukünftige Entwicklungen und sich bestimmte Möglichkeiten offen halten wollen. In der Zwischenzeit solle er Ihnen das Vertrauen entgegen bringen, dass Sie gute Arbeit abliefern werden.

Jobsuche am Arbeitsplatz: Ihre Rechte

Jobsuche am Arbeitsplatz: Ihre RechteWenn ein Jobwechsel – aus welchen Gründen auch immer – ansteht, dann muss sich der Arbeitnehmer zeitig darum kümmern. Sanktionen durchs Arbeitsamt bei zeitlicher Verzögerung begünstigen letztendlich ein Verhalten, bei dem noch während eines bestehenden Arbeitsverhältnisses bereits nach Alternativen geschaut wird.

Natürlich kann die Recherche als solches in der Freizeit, also auch am Wochenende erfolgen. Aber Personalverantwortliche wird man in dieser Zeit nur schwerlich ans Telefon bekommen. Ergo: Gerade wenn es um Telefonate geht, werden die häufig zur Arbeitszeit stattfinden müssen.

Daher hier ein kurzer Überblick Ihrer Rechte:

  • Arbeits-PC für die Jobsuche

    Arbeitsrechtliche Konsequenzen könnten dann auf den Mitarbeiter hinzukommen, wenn beispielsweise im Arbeitsvertrag festgelegt ist, dass während der Arbeitszeit nicht privat im Internet gesurft werden darf. Dann kann daraus eine Abmahnung oder schlimmstenfalls sogar Kündigung erfolgen.

  • Telefonat mit dem potenziellen Arbeitgeber

    Auch das private Telefonieren im Job darf Ihr Arbeitgeber verbieten. Umgekehrt dürfen Sie allerdings angerufen werden: Laut Bundesgerichtshof sind kurze Gespräche zwecks Vereinbarung eines Gesprächstermins absolut in Ordnung. Aber nur solange, wie solche Gespräche nicht Überhand nehmen. Ansonsten kann Ihr Arbeitgeber gegen den Wettbewerber vorgehen.

  • Vorstellungsgespräch mit dem potenziellen Arbeitgeber

    Wenn Sie einen Termin für ein Vorstellungsgespräch haben, müssen Sie sich freischaufeln. Das gilt erst recht, wenn das Gespräch in einer anderen Stadt als Ihrem derzeitigen Arbeitsplatz stattfindet.

    Doch hier liegt auch die Gefahr: Lassen Sie sich nicht einfach krankschreiben! Erfinden Sie keine Ausreden à la Meine Großmutter ist gestorben. Lügen haben kurze Beine! Ganz zu schweigen davon, dass manch einer sich wundern könnte, wie viele Großmütter Sie haben – es kommt doch irgendwann heraus.

    Wenn auffliegt, dass Sie eine Krankheit oder einen Notfall vorgetäuscht haben, kann das weitreichende Konsequenzen haben. Ihr Verhalten wird als Arbeitszeitbetrug eingeschätzt und das kann zur Abmahnung oder auch zur fristlosen Kündigung führen. Daher ist es besser, Sie nehmen sich für ein Vorstellungsgespräch Urlaub.

    Anders sieht es bei befristeten Arbeitsverträgen aus: Hier haben Sie vier Wochen vor Auslaufen des Vertrages Anspruch auf Freistellung für die Jobsuche.

Testen Sie Ihren Marktwert und die Marktchancen

Wie auch immer Ihr Arbeitgeber sich verhalten wird: Letzten Endes sind Sie es sich selbst schuldig, Ihre berufliche Entwicklung voranzutreiben. Es ist Ihr Leben und sich einen Überblick darüber zu verschaffen, was für Möglichkeiten der Stellenmarkt bietet, ist ganz normal.

Solange Sie sich arbeitstechnisch nichts zu Schulden kommen lassen, sollte das in den meisten Fällen auch kein Problem darstellen. Wenn es im Bestfall sogar dazu führt, dass Sie befördert werden oder eine Gehaltserhöhung bekommen – noch besser! Sollte sich das Klima allerdings deutlich verschlechtern oder bereits zuvor der Grund für Ihre Jobsuche gewesen sein, dann dürfte Sie das in Ihrem Vorhaben noch bestätigen.

Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.
[Bildnachweis: Kaspars Grinvalds by Shutterstock.com]
14. November 2016 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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