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Schüler und Studenten kennen das: Während sie lernen und sich konzentrieren wollen, schwirren ihnen ganz andere, unbedeutende Gedanken im Kopf herum: Was gibt es wohl heute in der Mensa? Wie komme ich gleich nach Hause? Was muss ich morgen noch alles machen? Lassen Sie sich auch häufig beim Lernen ablenken? Eine aktuelle Studie hat herausgefunden, warum Ablenkungen so mächtig sind - und was sich dagegen tun lässt...

Süße Ablenkung: Wozu soll ich das Lernen?

Mangelnde Motivation oder geringe Selbstbeherrschung sind kein Phänomen von Schülern oder Studenten allein – auch Erwachsene sind häufig im Job unmotiviert und lustlos, jede Ablenkung ist dabei willkommen.

Aber woran liegt das genau? Drei Hauptursachen stehen dem Lernen in der Regel im Weg:

  • Unsichtbare Ziele: Sie sehen nicht, was die Anstrengung eigentlich bringt – viele Schüler denken: Warum soll ich Geometrie lernen? Das brauche ich später nie wieder! Erkennen Sie aber, dass sich hinter Flächen und Winkeln allerlei nützliche Alltagsregeln verbergen, lernen Sie viel bereitwilliger.
  • Fehlende Selbstdisziplin: Lernen in Form von Büffeln und Auswendiglernen macht keinen Spaß, muss aber manchmal trotzdem sein. Da helfen dann nur Biss (Fachjargon: Volition) und gutes Zeitmanagement. Ganz ohne Plan und Selbstdisziplin aber schafft kaum einer sein Lernpensum.
  • Fehlende Willenskraft: Es ist in der Tat nicht leicht, sich nach einem harten Tag auch noch hinzusetzen und zu lernen. Meist überwiegt dann das Bedürfnis nach Ruhe und Entspannung, das Lernen wird auf den nächsten Tag verschoben. Nur sieht es da kaum besser aus.

Ist Willenskraft nur Einstellungssache?

In der Forschung gibt es unterschiedliche Meinungen dazu, ob unsere Willenskraft von Natur aus begrenzt ist oder trainiert werden kann. Im Jahre 2011 stellte Roy Baumeister in seinem Buch Willpower: Rediscovering the Greatest Human Strength die These auf, dass jeder Mensch nur eine begrenzte Menge an Willenskraft besitzt – ist sie erschöpft, fällt die Arbeitsleistung stark ab.

Diese These wiederlegten im selben Jahr Greg Walton und Carol Dweck, die anhand Ihrer Beobachtungen von Stundeten zeigen konnten, dass die Leistung eines Menschen von seiner Einstellung abhängt: Denkt er, dass seine Willenskraft irgendwann endet, gibt er auch schneller auf. Glaubt er aber an sein Leistungsvermögen und überwindet einen Tiefpunkt, bringt er nicht nur bessere Leistung - auch die Ausdauer steigt mit der Zeit.

Lernstoff: Warum sich Schüler beim Lernen ablenken lassen?

Nun könnte es natürlich sein, dass das Obige auf Sie nicht zutrifft. Sie haben sich überwunden und hingesetzt, das Buch aufgeschlagen und angefangen, zu lesen und zu lernen. Trotzdem will sich die nötige Konzentration partout nicht einstellen – die Gedanken schweifen dennoch ständig ab, und Sie müssen einen Satz drei Mal lesen, bevor Sie ihn verstehen...

Geben Sie nicht auf, und verzweifeln Sie nicht: Das hat womöglich noch einen anderen Grund.

Ein aktuelles Experiment von Judy Xu und Janet Metcalfe konnte kürzlich zeigen, warum unsere Gedanken immer wieder vom Lernstoff abgleiten. Kurz gesagt: Es liegt am Stoff und den Lernmaterialien selbst – entweder sind diese zu leicht oder zu schwer.

Laut den Untersuchungen wird die optimale Lernfähigkeit und Konzentrationsfähigkeit nur erreicht, wenn auch der Lernstoff ihrem Sweet Spot entspricht. Heißt: Ihren individuellen und optimalen Schwierigkeitsgrad hat.

Bei dem Experiment wurden 26 Schüler darum gebeten, 179 englische Worte ins Spanische zu übersetzen. Zuvor allerdings baten die Wissenschaftlerinnen die Schüler einzuschätzen, welche Worte sie schon kannten oder eine Ahnung hatten, was sie bedeuten. Auf Basis dieser Aussagen stellten sie für jeden Teilnehmer eine individuelle Vokabel- und Lernliste zusammen - mit bekannten, mit unbekannten und erkannten, aber nicht gelernten Vokabeln. In regelmäßigen Abständen wurden die Schüler nun am PC gefragt, ob sie gerade konzentriert seien oder ihre Gedanken abschweifen.

Ergebnis: Bei schwierigen Vokabeln waren die Schüler mehr abgelenkt als bei leichten, während sie bei mittelschweren Vokabeln und unbekannten Wortpaaren in das Lernen versunken waren.

Es ist also nicht immer die mangelnde Motivation oder die geringe Intelligenz, an denen der Lernerfolg scheitert, sondern die unpassende Balance des Lernstoffs mit Blick auf die Komplexität und das Know-How des Lernenden.

Volle Konzentration: Nie mehr ablenken lassen

Um konzentriert und effektiv lernen zu können, bedarf es oft nur weniger Veränderungen im Lernprozess. Wie das geht, zeigen wir hier...

  • Finden Sie Ihre Balance

    Zugegeben, auf den Stoff oder auf die Materialen der Vorlesung oder des Seminars haben Sie nur wenig Einfluss - Sie wissen aber wahrscheinlich, welche Aufgaben Ihnen leichter fallen und welche Ihnen Schwierigkeiten bereiten werden. Finden Sie hierbei Ihre eigene Balance beim Lernstoff. Erkennen Sie, wo Sie tendenziell Ablenkungsfaktoren fürchten und vermeiden müssen, können Sie Ihre Lernumgebung entsprechend anpassen.

  • Vermeiden Sie Störquellen

    Das können Kommilitonen oder störende Geräusche im Raum sein. Zur Störquelle kann sich aber auch das Smartphone entwickeln. Und sobald diese sogar nerven, ist an Lernen gar nicht mehr zu denken. Daher: Alles abschalten, was potenziell stören kann - und im Zweifel einen anderen Raum aufsuchen.

  • Managen Sie Ihre Zeit

    Führen Sie sich die Termine und Deadlines vor Augen: Welche Aufgaben müssen Sie bis wann abgeben und welche davon benötigen die meiste Zeit? Teilen Sie sich die Zeit so ein, dass möglichst keine Überschneidungen unter den Aufgaben entstehen. Falls Sie zum Beispiel eine Präsentation vorbereiten müssen, sollten Sie sich im Vorfeld überlegen, bis wann die Recherche fertig sein soll, bis wann das Konzept feststeht und bis wann die Präsentation bereit ist – auf diese Weise haben Sie sich eigene Deadlines gesetzt, an die Sie sich auch halten können. Legen Sie nun Prioritäten fest und konzentrieren Sie sich dann jeweils bewusst auf eine Aufgabe.

  • Machen Sie Pausen

    Pausen-Programm-Tipps

    Unterteilen Sie den Tag in 60- bis 90-Minuten-Blöcke. Wann der Zeitpunkt für eine Pause gekommen ist, werden Sie selbst erkennen. Versuchen Sie hingegen länger zu lernen, als es Ihnen gut tut, wenden Sie die gesamte Energie auf Ihre Willenskraft, statt auf den Lernstoff. Wie lange die Pause sein soll, können Sie durchaus selbst bestimmen – diese sollte allerdings nicht länger als eine halbe Stunde dauern. Meist reichen schon einige Minuten aus, in denen Sie den Gedanken freien Lauf lassen und sich an die frische Luft begeben.

    Pausen sind allerdings keine Rechtfertigung zum Prokrastinieren.

[Bildnachweis: alphaspirit by Shutterstock.com]

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