Influencer: Aufgaben, Ausbildung, Verdienst

Ob Bibi, Gronkh oder Lisa und Lena – sie sind nicht nur Online-Stars, sondern Influencer. Längst haben Internet und Social Media ein völlig neues Berufsbild geschaffen: von Beruf Influncer. So können immer mehr – meist junge – Menschen antworten, wenn sie danach gefragt werden, was sie auf Youtube, Instagram oder Pinterest bitteschön so treiben. Ihre Reichweiten lassen so manchen Fernsehsender erblassen, ihr Monatseinkommen reicht bis zu 50.000 Euro. Teilweise sogar über 100.000 Euro. Ruhm und Reichtum – das ist der Stoff aus dem Karriereträume entstehen. Der Traum geht allerdings nur für wenige Menschen in Erfüllung. Und er birgt Gefahren…

Influencer: Aufgaben, Ausbildung, Verdienst

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Influencer Aufgaben

Der Begriff Influencer stammt aus dem Englischen (to influence = beeinflussen) und bezeichnet Menschen, die aufgrund ihrer Popularität, einer starken Internet-Präsenz und hoher Beliebtheit andere in deren Meinungen und Kaufentscheidungen beeinflussen (können). Daher sind Influencer vor allem für die Werbung und Vermarktung von Produkten interessant (Fachbegriff: Influencer-Marketing). Erstmals in Erscheinung trat der Begriff im Jahr 2001. Der renommierte US-Psychologe und Verhaltensforscher Robert Cialdini beschäftigte sich in seinem Bestseller „Influence: Science and Practice“ mit den wichtigsten Eigenschaften zur Einflussnahme. Dazu zählen seinen Studien zufolge:

  • Soziale Autorität
  • Vertrauenswürdigkeit
  • Hingabe
  • Konsistentes Verhalten
  • Popularität (viele Fans und Follower)

Verschiedenen Studien zufolge erreichen und beeinflussen Influencer ein viel breiteres Publikum als klassische Werbung. Aufgrund ihres Ansehens, ihrer Reichweite und Vernetzung können sie die Reputation einer Marke verbessern, Produkte bekannter machen oder ihnen zum schnelleren Durchbruch verhelfen. Der Mechanismus dahinter ist zwar uralt, deswegen aber nicht weniger effektiv: Mundpropaganda.

Ihre Tätigkeiten variieren je nachdem, in welche berufliche Kategorie sie fallen. Influencer können Blogger, Youtuber, Instagrammer, Politiker, Sportler, Journalisten, Schauspieler, Musiker und generell Prominente sein. Ein Wissenschaftsblogger hat zwar andere Inhalte als ein Beauty-Influencer. Weitestgehend identisch sind aber die Aufgaben, die rund um die Inhalte entstehen. Als Influencer verpacken Sie Ihre Botschaften in Videos, Bilder, Storys und Blogbeiträge und posten diese auf einen Kanal. Ständiger Begleiter sind dabei Ihr Handy oder eine Kamera.

Jobs für Influencer

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Influencer Ausbildung

Der Beruf Influencer ist als Berufsbezeichnung nicht geschützt, es gibt keine direkte Ausbildung. In Berlin gibt es eine Influencer Marketing Akademie, die dort nicht nur Know-how rund um das Thema Influencer-Marketing vermittelt, sondern auch künftige Markenbotschafter ausbildet. In „sechs Phasen“ lernen die baldigen Online-Stars angeblich Dinge wie Potentialanalyse, Influencer-Konzeption, Online Marketing inklusive WordPress und Businessplanung.

Schaut man sich aber die aktuellen Einfluss-Profis an, stellt man bald fest: Keiner davon hatte je eine gezielte Ausbildung. Es sind überwiegend talentierte Autodidakten, die ihr Talent und Konzept im Laufe der Zeit immer weiterentwickelt und als Geschäftsmodell perfektioniert haben. Allen gemein aber ist: Sie besitzen heute eine hohe Reichweite – sprich viele treue Fans und Follower auf meist mehreren Social Networks. Nur so erreichen sie tagtäglich mehrere zig tausend Menschen mit ihren Posts.

Und eben diese Reichweite gilt es erst einmal aufzubauen. Idealerweise in einer interessanten Nische, die noch nicht so umkämpft ist und in der man wirklich glänzen kann – durch seine Persönlichkeit, sein Talent, seine Eloquenz und Expertise und teilweise auch sein Aussehen.

Voraussetzungen für Influencer

Gerade in bildlastigen Netzen wie Instagram, Youtube, Snapchat oder Tiktok ist äußere Attraktivität jedenfalls kein Nachteil. Ob man seine Nische unter Cupcake-Köchen, Auto-Schraubern oder Super-Mamis findet, ist dagegen eher zweitrangig. Entscheidender sind die schon angesprochenen Einflussfaktoren von Cialdini: Vertrauenswürdigkeit, Hingabe, konsistentes Verhalten. Also viel Arbeit. Viele influencer in spe verwechseln hierbei – leider – Ursache und Wirkung: Popularität, Autorität und Reichweite sind Folge von Persönlichkeit, erkennbarer Leidenschaft (für sein Thema) und einem entsprechenden Durchhaltevermögen (Fachjargon: Volition).

Um 1000 oder 10.000 Follower zu gewinnen, müssen regelmäßig ebenso relevante wie interessante Posts veröffentlicht werden. Und das über einen gewissen Zeitraum, sodass für die Gefolgschaft überhaupt erst einmal erkennbar wird, wofür die Person steht, und warum es sich lohnt, ihr zu folgen. Gerade dieser erste Aufbau einer vitalen Community lässt sich noch am ehesten mit „Klinkenputzen“ umschreiben: Neben den eigenen Posts müssen sich die künftigen Markenbotschafter erst einmal in Selbstmarketing üben und bekannt machen. Durch Likes und Kommentare bei anderen Bloggern und Influencern. Durch Netzwerken (auch offline) und dem Teilen relevanter Beiträge (von anderen Experten).

Echte Expertise entsteht allerdings erst dann, wenn Wissen und Erfahrung zusammenkommen. Schon deshalb sollten sich Menschen mit dem Berufswunsch Influencer genügend Zeit nehmen und erst einmal an ihrer Glaubwürdigkeit und Profession arbeiten, bevor sie an das große Geld denken. Letzteres ist – wie gesagt – Folge von Fachkunde und Fleiß. Nicht Ursache.

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Influencer Verdienst

Tatsächlich kann der Verdienst von Influencern mit großer Reichweite kann im Monat problemlos fünfstellig sein. Online Kohle scheffeln, ein passives Einkommen erzielen, Travelblogger-Social-Media-Star werden… Den Traum träumen aktuell viele – und übersehen dabei die harte, lange Arbeit, die hinter nahezu allen wirklich erfolgreichen Influencern liegt.

Feste Arbeitszeiten und eine Absicherung gibt es nicht – hauptberufliche Influencer sind Selbständige. Bei Berufen mit klassisch dualer Ausbildung oder Studium wirken sich die Branche, Region, Berufserfahrung, Position und Unternehmensgröße auf das Gehalt aus. Solche Faktoren fallen im Internet teilweise weg oder schlichtweg nicht ins Gewicht. Analog zur Position spielt beim Verdienst von Influencern allerdings ihre Reichweite eine Rolle. Je nachdem wird zwischen Nano-, Micro-, Midi-, Macro- und Mega-Influencern (auch Super-Influencer genannt) unterschieden:

  • Nano-Influencer: 1 bis 500 Follower
  • Micro-Influencer: 501 bis 10.000 Follower
  • Midi-Influencer: 10.001 bis 100.000 Follower
  • Macro-Influencer: 100.001 bis 1 Million Follower
  • Mega-Influencer: Über eine Million Follower

Andere wiederum unterscheiden nicht zwischen Nano- und Micro-Influencern beziehungsweise ziehen die Grenze erst ab 100.000 Followern. Für Micro-Influencer kann pro Post ein Verdienst von 500 bis 1.000 Euro drin sein, für „normale“ Influencer mit 100.000 Followern und mehr sitzen auch schon mal 5.000 Euro drin. Abhängig ist dies nicht nur vom gewählten Kanal, sondern auch ob der Bildpost beispielsweise noch durch eine Story oder Video ergänzt wird.

Vergleicht man das Einkommen von Influencern mit anderen Berufsgruppen, die ebenfalls in der Öffentlichkeit stehen, zeigen sich folgende Durchschnittswerte.

Influencer Verdienst Gehalt Vergleich

Wohlgemerkt: Auch unter Schauspielern gibt es natürlich absolute Superstars, die mal eben 28 Millionen Euro im Jahr verdienen. Aber darüber können Influencer wie Kylie Jenner mit über 200 Millionen Follower nur müde lächeln: Laut dem US-Magazin Forbes verdiente sie letztes Jahr knapp 500 Millionen Euro mit dem Verkauf von 51 Prozent ihres Kosmetikunternehmens. Solche Einkommen sind unter Influencern aber eher Extreme.

Gender Pay Gap auch bei Influencern

Auffällig allerdings, dass selbst bei einem so neuen Berufsbild ganz alte Probleme auftreten. Der amerikanischen Studie der Influencer-Analytics-Firma Hype Auditor zufolge zeigt sich beim Verdienst von Influencern der Gender Gap:

Frauen verdienen demnach deutlich weniger als Männer – zumindest auf Instagram. Während Männer umgerechnet 1.272 Euro pro Post erhalten, verdienen Influencerinnen umgerechnet nur 1.185 Euro. Noch deutlicher treten die Unterschiede bei Influencern mit mehr als 100.000 Followern zutage. Hier verdienen Männer umgerechnet 2.175 Euro pro Post, Frauen nur 1.992 Euro. Diese Verdienstunterschiede sind für verschiedene Follower-Klassen belegt. Einzig bei den Influencern mit der geringsten Followerzahl der Studie (5.000 bis 20.000) lagen die Frauen geringfügig vorne.

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Influencer werden: Karrieretipps + Aussichten

Die Aussichten von Influencern sind nach wie vor gut. Selbst Nano-Influencern werden gute Perspektiven prognostiziert. Entscheidend ist, dass Sie Ihre Nische finden. Die Fachliteratur unterscheidet drei Arten von Influencern:

  • Key Influencer: Die vielleicht älteste Influencer-Art (in den neuen Medien): Blogger, Journalisten oder Markenbotschafter, die über ihr Blog, Online-Magazin oder Social-Media-Profil eine hohe Follower- oder Leserzahl aufgebaut haben. Sie besitzen hohe Glaubwürdigkeit und Wertschätzung und gelten daher oft als Experten.
  • Social Influencer: Menschen, die vor allem in sozialen Online-Netzen (Facebook, Twitter, Youtube, Instagram, Pinterest) Einfluss auf Meinungen und Kaufentscheidungen ihrer Gefolgschaft nehmen.
  • Peer Influencer: Mitarbeiter und Geschäftspartner eines Unternehmens, die aufgrund ihrer Erfahrung oder ihres Expertenwissens Einfluss auf andere ausüben.

Mit Brillanz es zu Ruhm, Ehre und großer Popularität zu bringen, ist der schwerste Weg. Eine Alternative ist überdurchschnittliche Attraktivität. Allen anderen, denen dieses Glück nicht in die Wiege gelegt wurde, bleiben zumindest – das ist die gute Nachricht – noch ein paar andere Optionen. Die sind vielleicht nicht allzu edel, haben sich aber in der Vergangenheit immer wieder bewährt. Von uns nicht wirklich empfohlen, seien sie an dieser Stelle aber zumindest erwähnt – die Tricks für mehr mediale Aufmerksamkeit:

Seien Sie vehement – egal, ob Sie falsch liegen

Die Menschen lieben Selbstsicherheit. In einer Welt voller Variablen und Unwägbarkeiten, sehnen wir uns insgeheim nach Menschen, die uns Orientierung geben. Dass diese Sicherheit trügerisch und mehr mit Gefühlen als mit Logik zu tun hat, ignorieren wir geflissentlich.

Es gibt psychologische Experimente, die zeigen, dass Menschen den Rat von scheinbaren Sachverständigen selbst dann noch suchen, wenn sich deren Urteile in der Vergangenheit als nicht allzu verlässlich erwiesen haben. Warum aber sitzen ihnen viele trotzdem immer wieder auf? Richtig: Es ist ihre Vehemenz. Je bestimmter jemand auftritt, desto mehr Glauben schenken wir ihm. Und sind wir einmal von jemandem überzeugt, werden wir Vieles unternehmen, dessen Autorität zu stützen – denn das Eingeständnis, einem Quacksalber aufgesessen zu sein, wäre noch viel blamabler. Seien Sie sich Ihrer Sache also unbedingt sicher. Außerdem könnte es ja sein, dass Sie nur fälschlicherweise annehmen, falsch zu liegen.

Betonen Sie, ein Experte zu sein

Sobald wir uns bei einer Entscheidung unsicher sind, suchen wir den Rat anderer – vorzugsweise, den von einem Experten. Interessanterweise passiert dann in der Regel das: Sobald die Leute eine solche vermeintlich fundierte und einleuchtende (!) Empfehlung erhalten haben, schalten sie ihr Hirn ab.

Es macht also kaum einen Unterschied, ob Sie bei den Recherchen zu Ihren sachdienlichen Hinweisen zuvor Pfeile auf eine Dartscheibe geworfen oder wirklich geforscht haben. Solange Ihre Expertise glaubwürdig genug klingt, reicht den meisten Menschen das (So und jetzt nehmen Sie diese Erkenntnis und fragen Sie sich, wie wohl diese Punkte hier entstanden sind… Fieses Dilemma!)

Differenzieren Sie sich von der Masse

Auch wenn Sie so meistens recht behalten und geschmeidig bleiben – Sie langweilen Ihr Publikum nur, wenn Sie nirgendwo anecken oder polarisieren. Bevor Sie am Ende in den Fußstapfen anderer Vordenker stapfen, stellen Sie lieber eine ganz neue Theorie auf. Im Extrem behaupten Sie einfach das genaue Gegenteil von dem, was gerade so an Konsens herrscht.

Journalisten kennen dieses Prinzip zu gut, im Fachjargon heißt das, den Stoff gegen den Strich bürsten. Das Resultat muss am Ende nicht stimmen, aber wenigstens ist es neu und interessant. Wichtig bei dieser Strategie ist allerdings, dass Sie sich ein paar Hintertürchen offen lassen:

  1. Machen Sie nur Aussagen, die sich schwer verifizieren lassen. Idealerweise bleiben Sie vage bei Angaben zu Zeit, Ort und Ausmaß Ihrer Voraussagen. Noch besser: Sie packen Ihre steilen Thesen in Szenarios. Eine Definition über unscharfe Annahmen hat den Charme, dass Sie später immer sagen können: „Aber es hätte so kommen können, wenn…“
  2. Begründen Sie Ihre These mit vergleichbaren Szenarien aus der Vergangenheit. Schon bei der Einführung des Fernsehens haben die Leute den Untergang des Abendlandes und das Ende des Buchs heraufbeschworen. Heute passiert dasselbe mit dem Internet. Klingt einleuchtend, nicht wahr? Sehen Sie!
  3. Beim derzeitigen Stand der Erkenntnisse können Sie zu nur einem Schluss kommen. Heißt aber umgekehrt auch: Sobald Sie neue Erkenntnisse gewinnen, können Sie auch etwas ganz anderes behaupten. Das ist gleich ein ganzes Hinterscheunentor.
  4. Nicht ganz so überzeugend, aber manchmal ein ebenso guter Heldennotausgang ist die Behauptung, der Zeit weit voraus zu sein. Was können Sie schon dafür, dass die Entwicklung mit Ihrer Weitsicht nicht Schritt halten kann? Aber es wird so kommen, wie Sie behaupten – ganz sicher. Irgendwann.

Erinnern Sie sich bloß nie an Ihre Fehler

Die anderen werden es auch nicht tun. Denn in der Retrospektive sieht sowieso immer alles ganz anders aus. Und wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein und so. Was kümmert Sie schon Ihr Geschwätz von gestern! Solange Sie schon wieder eine attraktive Empfehlung für die Zukunft parat haben (irgendwas Kühnes, Einfaches, den schnellen Erfolg Versprechendes), beschäftigen sich die Leute ohnehin lieber damit, als mit der anstrengenden Verifizierung Ihres Snakeoils.


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[Bildnachweis: Roman Samborskyi by Shutterstock]

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