Berufsprofil: Was macht ein UX Researcher?

Ein Gastbeitrag von Jennifer Kirschniok

Es ist noch nicht all zu lange her. Noch vor wenigen Jahren luden Unternehmen potenzielle Kunden zum Produkttest lediglich in firmeneigene oder gemietete Umfragelabors ein. Ob Kaffeemaschine, Lippenstift oder Autokarosserien – neue oder verbesserte Produkte wurden von den Testern auf Ihre Benutzerfreundlichkeit und das Produkterlebnis geprüft. Bei einigen lief ein Interviewer nebenher und stellte nach ausgearbeiteten Skript und Umfragebogen gefertigte Fragen. Wieder andere waren Teil einer Gruppenbefragung mit Moderator. Das gibt es auch heute noch. Aber in Zeiten, in denen die meisten Firmen Produkte im Netz anbieten oder als E-Commerce-Anbieter vom reinen Internetgeschäft leben, braucht es einen neuen Beruf: den UX Researcher

Berufsprofil: Was macht ein UX Researcher?

UX Researcher: Webforscher und Netzoptimierer

Im Internet ist aus der Benutzerfreundlichkeit Usability und aus dem Produkterlebnis User Experience (kurz UX) geworden. Und zuständig für Nutzertests sind in den meisten Fällen heute sogenannte UX Researcher oder UX Designer.

Wenn sie Teil eines firmeninternen UX Teams sind, erarbeiten sie mit Kollegen aus verschiedenen Bereichen Prototypen für neue Webprodukte wie Apps, Updates für den Webshop oder einen Relaunch ihrer Internetpräsenz.

Zwar bitten auch heute noch Webforscher Nutzer zum Test ins Labor, um die Usability und User Experience Ihrer Online-Ideen durch qualitative Studien zu validieren. Prototypen, Design oder Navigationskonzepte werden aber im Idealfall noch vor einem Launch optimiert und bekommen den letzten UX-Schliff. Nur so wird gewährleistet, dass Webprodukte zum Nutzerliebling werden. Je besser sich ein User beispielsweise in einem Shop zurechtfindet und wohlfühlt, umso eher verlässt er das Internetgeschäft mit einem gut gefüllten Warenkorb.

Onlinebasierte Tests für den Realitätscheck

Der Haken am Usability Labor ist derselbe wie am Labor im Vor-Internet-Zeitalter: Ein Kunde kauft und nutzt ein Produkt normalerweise nicht im Testlabor. Es fehlt der Wahre-Leben-Faktor oder reale Nutzungskontext.

UXler bevorzugen deshalb eine Mischung aus Labortests und onlinebasierten Umfragen. Für Onlinetests werden Nutzer per E-Mail eingeladen oder über ein Online-Panel rekrutiert. Sie testen ein Produkt zuhause mit dem Tablet, am PC oder unterwegs auf dem Smartphone – meist ohne Hilfe eines Moderators (kurz „remote“ – „fernbedient“).

Arbeitet ein Usability-Team für eine internationale Firma, kann es mit dieser Technik des Remote Usability Testing Internetprodukte quantitativ in verschiedenen Ländern gleichzeitig testen, noch bevor ihr Projekt live geht.

UX Research: Wie Nutzer eine Website testen

Doch was machen Tester genau, wenn Sie eine Website auf Herz und Nieren prüfen?

Welche UX Research Methode für die Umfragen verwendet wird, kommt auf das Ziel des UX Researchers an: Will er wissen, ob ein Nutzer die Navigations- oder Informationsstruktur einer Website versteht, lässt er User in einem Tree Test die zuvor erarbeitete Seitennavigation ausprobieren. Oder er bittet Tester, Produkte oder Oberbegriffe mithilfe eines Card Sortings selbst in Kategorien einzuteilen.

Vielleicht möchte er auch herausfinden, ob User den Zahlungsprozess nachvollziehen können oder als Warenkorbabbrecher den Einkauf vorzeitig beenden.

Ein Nutzer sucht dann in einem Webshop ein bestimmtes Produkt und spielt den Kauf exemplarisch durch. Im Anschluss wird er um Feedback gebeten. Nur so findet ein UX Team heraus, ob ein Außenstehender Ihr Produkt versteht und was Nutzer verbessern würden.

UX Ausbildung: Ein bunter Mix an Webwissen

Viele UX Beauftragte stammen ursprünglich aus dem Graphik- oder Webdesign, haben einen IT oder Marktforschungsbackground oder kommen aus der Psychologie und dem Online Marketing.

Die bunte Mischung an Ausbildungen und Netz-Erfahrungen gibt es vor allem, weil es in Deutschland noch keine einheitliche Ausbildung oder Studium für Usability und User Experience gibt.

Jedoch bieten verschiedene Universitäten bereits auf den User fokusierte sogenannte „nutzerzentrierte“ Studiengänge wie…

Informationen rund um das Thema finden Interessierte aber auch beim Berufsverband der Deutschen Usability und User Experience Professionals (GUPA) sowie beim internationalen UX Dachverband UXPA.

Über die Autorin

Jennifer KirschniokJennifer Kirschniok blickt auf langjährige Erfahrung im Digital Marketing zurück. Nach Positionen in internationalen Onlinefirmen führte sie ihr Interesse an Web Design und User Experience zum Softwareanbieter und Usability-Berater UserZoom. Für das seit 2001 bestehende Unternehmen mit Büros in München, London und Silicon Valley arbeitet sie in Barcelona als Marketing Manager im europäischen UX Research und Marketing Team.

[Bildnachweis: Sentavio by Shutterstock.com, Jennifer Kirschniok]
7. November 2013 Autor: Redaktion

Dieser Artikel wurde von der Redaktion lediglich bearbeitet und minimal redigiert, um ihm dem Redaktionssystem anzupassen. Verantwortlich für den Inhalt und die Richtigkeit der darin gemachten Aussagen und Links ist allein der genannte (Gast)Autor.

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