Berufstätige Eltern müssen Familie und Job unter einen Hut kriegen. Das ist generell nicht immer leicht, in manchen Städten und Regionen aber noch weitaus schwerer als in anderen. Neue Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen, wie gut die einzelnen Städte und Regionen in Deutschland den Bedarf an Betreuungsplätzen abdecken - und dass es noch immer gigantisch große regionale Unterschiede gibt. Wir sagen Ihnen, wo die Situation für berufstätige Eltern vergleichsweise gut und wo sie noch immer miserabel ist.

Berufstätige Eltern: Go East

Viele berufstätige Eltern könnten das jetzt als Hohn empfinden. Aber: Die Betreuungsituation für kleine Kinder wird in Deutschland immer besser. Vor allem die westdeutschen Kommunen stellen beständig mehr Kita-Plätze zur Verfügung - was angesichts ihres Rückstandes aber auch zwingend erforderlich ist.

2,6 Millionen Kinder unter sechs Jahren besuchen in Deutschland nach den jüngsten Erhebungen eine Kindertagesstätte oder werden von einer Tagesmutter betreut. Davon sind rund 660.000 jünger als drei Jahre alt. Mittlerweile werden 32 Prozent aller Kinder in dieser Altersgruppe betreut, davon wiederum 85 Prozent in einer Kindertageseinrichtung. Das sagen die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Demnach stieg die Betreuungsquote der Kinder bis 3 von 27,6 Prozent (2012) über 29,3 Prozent (2013) auf nunmehr 32 Prozent (2014) an.

Noch immer sind die sechs östlichen den zehn westlichen Bundesländern in dieser Beziehung meilenweit voraus. Während in Ostdeutschland 52 Prozent der Unter-Dreijährigen betreut werden, sind es im Westen nur 27,4 Prozent, also nicht einmal jedes dritte Kind.

Alle Bundesländer im Vergleich

Rang Bundesland Betreuungsquote
1. Sachsen-Anhalt 58,1%
2. Brandenburg 57,8%
3. Mecklenburg-Vorpommern 56,1%
4. Thüringen 52,4%
5. Sachsen 49,9%
6. Berlin 46,0%
7. Hamburg 43,0%
8. Rheinland-Pfalz 30,6%
9. Schleswig-Holstein 30,3%
10. Hessen 28,8%
11. Niedersachsen 27,9%
12. Baden-Württemberg 27,8%
13. Bayern 27,1%
14. Saarland 27,0%
15. Bremen 26,9%
16. Nordrhein-Westfalen 23,8%
[Quelle: Statistisches Bundesamt]


Fairerweise muss betont werden: Eine gute Betreuungsquote allein ist für eine Region oder Stadt noch kein heiliger Ritterschlag. Denn die Quote sagt zunächst einmal nichts über die Qualität der Betreuung aus. Wie viele Kinder kommen auf einen Betreuer? Wie gut ist die Ausstattung der Einrichtung? Welche Betreuungszeiten werden angeboten?

Die besten Städte für Eltern?

Auch hängt die Betreuungsquote stets nicht nur vom Angebot, sondern auch von der Nachfrage ab. Wenn also in einer Stadt überdurchschnittlich viele Eltern ihre Kinder trotz eines guten Kita-Angebots lieber zuhause betreuen (und das Betreuungsgeld mitnehmen) wollen, steht die Stadt in der Statistik schlecht da. Dafür können persönliche Gründe, aber auch der Mangel an entsprechenden Job-Optionen vor Ort verantwortlich sein. Die gibt es schließlich in ländlichen Regionen und abgehängten Städten nicht in der gleichen Hülle und Fülle wie in prosperierenden Metropolen.

Nicht zuletzt dürfte auch der Migrantenanteil ein Faktor sein, der die Betreuungsquote beeinflusst. So weisen Städte mit einem sehr hohen Migrantenanteil, zum Beispiel Duisburg, Wuppertal, Offenbach oder Ludwigshafen, auffallend niedrige Betreuungsquoten auf. Nichtsdestotrotz: Einen gewissen Bedarf für professionelle Kinderbetreuung gibt es nahezu überall. Eine Quote wie 15 Prozent in Duisburg dürfte mit wirtschaftlichen oder kulturellen Faktoren allein nicht erklärbar sein. Hier stellt sich die Frage, ob die Stadt genügend für den Ausbau der Kinderbetreuung tut (oder tun kann).

Die Betreuungsquote hängt also von vielen Faktoren ab, ist aber trotzdem ein wichtiger Indikator für die kinderfreundlichen Rahmenbedingungen in einer Stadt. Außer Acht lassen sollten berufstätige Eltern sie jedenfalls nicht. Wir haben uns daher die Mühe gemacht und die Betreuungsquoten aller (!) Großstädte Deutschlands, die auf Grundlage des Zensus 2011 in diese Kategorie fallen, gesammelt und daraus eine Städte-Rangliste erstellt.

Die Betreuungsquoten...

  • geben Ihnen eine Orientierung: Wie ist es eigentlich um die Kinderbetreuung in Ihrer Stadt bestellt? Wie steht sie im Vergleich zu anderen Städten da?
  • können Ihnen die Entscheidung erleichtern: Wenn Sie zum Beispiel zwei kleine Kinder zuhause und zwei gleich gute Jobofferten auf dem Tisch liegen haben, eine aus Heidelberg und eine aus Heilbronn, dann könnte die ungleich bessere Betreuungssituation den Ausschlag für die Romantiker-Stadt geben.
  • sollten Sie mit oben genannten Faktoren im Hinterkopf genießen. Denken Sie grundsätzlich hieran: Jedes Kind ab dem vollendeten ersten Lebensjahr hat seit dem 1. August 2013 einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz, auf den Eltern auch pochen sollten. Dennoch ist die Suche nach einem guten Kita-Platz oft qualvoll und lang. Die Quote könnte zumindest Hinweise liefern, wo die Suche ein kleines bisschen weniger lang und qualvoll ist (hoffentlich).

Wenn man sich die Werte nun einmal genau anschaut und analysiert, können durchaus ein paar klare Gewinner und Verlierer herausgefiltert werden. Hier sind sie ...

Berufstätige Eltern: Hier ist es leichter

  • Ostdeutschland: Der Vorsprung der östlichen Bundesländer ist weiterhin beträchtlich. In Sachsen-Anhalt ist die Betreuungsquote am höchsten, hier werden fast zwei Drittel der Unter-Dreijährigen in einer Kita oder von einer Tagesmutter betreut. Im Vergleich aller 402 Kreise in Deutschland hat Franfurt/Oder mit 63 Prozent die höchste Betreuungsquote, gefolgt vom Landkreis Wittenberg (62,8 Prozent).
  • Großstädte: In den Großstädten ist die Quote fast überall besser als auf dem Land. So liegen beispielsweise München, Stuttgart, Frankfurt am Main oder Düsseldorf deutlich über ihrem jeweiligen Landesdurchschnitt (siehe Tabellen). Gleichzeitig ist aber auch der Bedarf nach Kita-Plätzen in den Metropolen meist deutlich größer.
  • Uni-Städte: Vor allem Heidelberg tut sich hervor, aber auch andere typische Universitätsstädte wie Freiburg, Erlangen, Trier und Göttingen haben ihr Angebot massiv ausgebaut.
  • Hamburg: Die Hansestadt hat ihre Situation deutlich verbessert und innerhalb eines Jahres ihre Betreuungsquote um über vier Prozent gesteigert. Mit 43 Prozent erreicht Hamburg schon fast ostdeutsche Dimensionen. Von allen westdeutschen Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnern liegt Hamburg deutlich vorne.
  • Kiel: Die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt weist mit 28,1 Prozent die höchste Ganztagsbetreuungsquote bei den unter 3-Jährigen in Westdeutschland auf. Dahinter folgt Frankfurt am Main (27,9 Prozent). Diese Differenzierung ist nicht ganz unwichtig. Eine vernünftige Ganztagsbetreuung gehört längst nicht zum Standard, macht es Eltern aber leichter, wieder in reguläre Vollzeit-Jobs einzusteigen (und eben nicht nur in Teilzeit-Jobs).
  • Landkreis Coburg: Der Kreis in Oberfranken hat mit 42,4 Prozent die drittbeste Quote in ganz Westdeutschland und die beste eines ländlich geprägten Raumes.

Berufstätige Eltern: Hier ist es schwerer

  • Nordrhein-Westfalen: NRW ist trauriges Schlusslicht in der Statistik, dabei hätte es eine bessere Kinderbetreuung weitaus nötiger als andere. Lichtblick: Im vergangenen Jahr stieg die Quote mit 3,9 Prozent überdurchschnittlich stark an.
  • Ruhrgebiet: Nicht mal innerhalb von NRW kann der Ruhrpott auch nur annähernd mithalten. Bitter: Städte wie Oberhausen, Essen, Gelsenkirchen oder Duisburg leiden unter hoher Arbeitslosigkeit, Überschuldung, Strukturschwäche und bieten folgerichtig auch berufstätigen Eltern schlechte Rahmenbedingungen. Ausreißer nach oben in der Statistik: Dortmund.
  • Mittelfranken: In den größeren Städten gibt es generell mehr Kita-Plätze als auf dem Land. Anders in Franken: Hier hecheln die Leuchttürme Nürnberg und Fürth sogar hinter dem ohnehin bescheidenen bayerischen Landesdurchschnitt hinterher.
  • Ostfriesland: In der strukturschwachen Region genießt das Thema Kinderbetreuung offenbar keinen sonderlich hohen Stellenwert. Hier gibt es die niedrigsten Betreuungsquoten in Niedersachsen (und ganz Deutschland): Das gilt durch die Bank für Emden (21,1%), Aurich (19,5%), Leer (18,8%) und Wilhelmshaven (15,6%).
  • Landkreis Berchtesgadener Land: Hier gibt es die niedrigste Betreuungsquote in ganz Deutschland: 13,9 Prozent.

Alle Großstädte im Vergleich

Rang Stadt Betreuungsquote Rang Stadt Betreuungsquote
1. Rostock 58,8% 41. Reutlingen 29,0%
2. Potsdam 58,1% 42. Hildesheim 28,8%
3. Jena 56,7% 43. Bremen 28,2%
4. Cottbus 56,6% 44. Mainz 28,1%
5. Magdeburg 56,0% 45. Mannheim 27,8%
6. Halle (Saale) 53,2% 46. Köln 26,9%
7. Dresden 51,9% Ingolstadt 26,9%
8. Chemnitz 47,9% 48. Nürnberg 26,5%
9. Heidelberg 46,9% 49. Koblenz 26,0%
10. Leipzig 46,4% 50. Offenbach 25,8%
11. Berlin 46,0% 51. Dortmund 25,1%
12. Erfurt 46,0% 52. Paderborn 25,0%
13. Hamburg 43,0% 53. Leverkusen 24,7%
14. Rheinisch-Bergischer Kreis (Bergisch Gladbach) 41,8% 54. Solingen 24,6%
15. Freiburg 41,8% 55. Aachen 24,3%
16. Erlangen 40,4% 56. Rhein-Kreis Neuss (Neuss) 24,2%
17. Trier 36,4% 57. Bochum 24,0%
18. Göttingen 36,1% Augsburg 24,0%
19. Kiel 35,3% 59. Essen 23,9%
20. Darmstadt 35,0% 60. Fürth 23,5%
21. Braunschweig 34,9% 61. Mülheim/Ruhr 23,0%
22. Frankfurt/Main 34,9% Krefeld 23,0%
23. Stuttgart 34,2% 63. Siegen-Wittgenstein (Siegen) 22,7%
24. Karlsruhe 33,6% 64. Recklinghausen 22,4%
25. Münster 33,3% 65. Bremerhaven 20,8%
26. Oldenburg 33,1% Herne 20,8%
27. Regensburg 32,5% Ludwigshafen 20,8%
28. München 32,5% 68. Gelsenkirchen 20,7%
29. Lübeck 32,2% 69. Heilbronn 20,6%
30. Würzburg 31,7% 70. Bottrop 20,1%
31. Kassel 30,9% 71. Kreis Wesel (Moers) 19,7%
Wiesbaden 30,9% Pforzheim 19,7%
33. Bonn 30,8% 73. Hamm 19,5%
34. Wolfsburg 30,7% 74. Hagen 18,5%
Düsseldorf 30,7% 75. Salzgitter 18,1%
36. Osnabrück 30,6% 76. Remscheid 17,7%
37. Region Hannover 29,8% Oberhausen 17,7%
Bielefeld 29,8% 78. Mönchengladbach 16,2%
Saarbrücken 29,8% 79. Wuppertal 16,1%
40. Ulm 29,4% 80. Duisburg 15,3%
[Quelle: Statistisches Bundesamt]

Hinweis: In manchen Fällen gibt es vom Statistischen Bundesamt nur die Daten des jeweiligen Kreises (zum Beispiel Hannover, Bergisch Gladbach und Neuss). Daher ist eine exakte Angabe, die ausschließlich für die gesuchte Stadt gilt, nicht zu treffen.

[Bildnachweis: Pressmaster by Shutterstock.com]

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