Bewegung im Büro: Treten Sie in die Pedale!

Wir arbeiten im Sitzen. Immer mehr, immer häufiger, immer länger. Das ist einerseits komfortabel, andererseits ungesund. Was aber, wenn ich keine andere Wahl habe? Vielleicht kann Ihnen Bethany Lambeth aus North Carolina helfen. Die Lehrerin aus North Carolina hatte eine Idee: Ein kleines Trainingsgerät unter dem Tisch, das den unbändigen Bewegungsdrang ihrer Schüler befriedigen sollte. Funktioniert das auch im Büro?

Bewegung im Büro: Treten Sie in die Pedale!

Immer schön in Bewegung bleiben!

Für James Levine sind „Walking Meetings“ die Lösung. „Es ist eine ganz einfache Sache und sie kostet nichts“, sagt der Ernährungswissenschaftler von der Mayo Clinic in Phoenix. Ein als Spaziergang getarntes Meeting, das tue nicht nur dem Körper gut, sondern führe auch zu besseren Ergebnissen. Immerhin spornt Bewegung erwiesenermaßen unsere Hirnfunktion – und Kreativität – an.

Optimal seien eine Länge von 30 Minuten und zwei bis drei Teilnehmer, dann könne man sich auch im Gehen noch gut verständigen. Können Walking Meetings also dazu beitragen, den Druck vom Hinterteil zu nehmen? Denn dass Sitzen das neue Rauchen ist, hat sich in einer Welt von Sitzarbeiterin als allgemeiner Konsens mittlerweile – mehr oder weniger – durchgesetzt.

Zu viel Sitzen kann tödlich sein

Eine Meta-Studie der Universität Leicester mit insgesamt 800.000 Probanden kam vor einigen Jahren zu dem Ergebnis, dass übermäßiges Sitzen das Risiko für Diabetes und Herzkreislauferkrankungen erhöht, die Lebenserwartung insgesamt verringert. Um das Zweifache höher sei die Gefahr für Langsitzer – sogar dann, wenn sie versuchen, mit viel Bewegung und Sport gegenzusteuern. Die eindeutige Botschaft: Wer sitzt, stirbt.

„Es gibt viele Wege, wie wir die Zeit, die wir im Sitzen verbringen, reduzieren können, zum Beispiel, indem wir unsere Laptops auf einem Schrank platzieren. Wir können Meetings im Stehen abhalten, wir können während der Mittagspause einen Gang machen und wir könnten abends weniger Fernsehen gucken“, sagt Professor Stuart Biddle von der Loughborough Universität und Co-Autor der Studie.

Ein neuer, erfrischender Ansatz kommt nun aus der Martin Middle School in North Carolina, USA. Die betrübliche Nachricht vorweg: Er wird Ihre Sitzzeit keineswegs verringern. Aber er wird Sie – hoffentlich – produktiver, ausgeglichener und vielleicht sogar gesünder machen.

Pedale unter dem Tisch: Aufmerksamer, konzentrierter, besser

Lehrerin Bethany Lambeth hat mit den typischen Problemen ihres Berufsstandes zu kämpfen: gelangweilte Schüler, demotiviert und unaufmerksam.

Vor allem aber konnten ihre Pennäler während des Unterrichts nicht stillsitzen, waren notorisch hibbelig, zappelten unentwegt herum. „Weil sie den ganzen Tag sitzen, fangen sie irgendwann an, unruhig zu werden, auf die Tische zu klopfen und mit ihren Füßen herumzuspielen“, sagte Lambeth der britischen BBC.

„Sie tun es nicht, um aufmüpfig zu sein – es geht einfach nur darum, sich bewegen zu können.“ Ihre Lösung: Sie stellte ihren 11- bis 14-jährigen Schützlingen kurzerhand Pedale unter die Tische.

„Ich sagte den Schülern nicht, wofür sie waren, sondern stellte sie einfach unter die Tische und sagte: Schaut, was ihr daraus macht“.

Schon nach einer Woche kamen die ersten Reaktionen: Manche Schüler gaben an, sie seien fokussierter. Auch die Lehrerin stellte fest, dass die Beteiligung im Klassenraum besser, intensiver wurde. „Sie waren in der Lage, sich viel mehr von dem zu merken, was ich Ihnen sagte und weil sie sich stärker beteiligten, verstanden sie mehr und schnitten auch in den Tests besser ab.“

Seitdem die Pedal-Trainigsgeräte den Einzug in die Klassenräume gefunden haben, das war im April, seien die Klausuren erheblich besser ausgefallen. Eine Bewertung, die vom Kollegium offenbar geteilt wird. Eine Aussage war: Die Schüler würden sich generell viel lieber im Klassenraum aufhalten.

Bewegung im Büro: Auch für mich?

Nun handelt es sich hierbei um keine abgesicherte Studie, auch waren die Nutznießer der Aktion Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 14, die ohnehin hibbeliger sein dürften als der Durchschnitts-Büroarbeiter.

Aber sollten Sie sich im Büro bisweilen unausgeglichen und träge fühlen und während der Arbeitszeit wenig Bewegung finden, könnten Sie nach Absprache mit Ihrem Chef ja eventuell mal einen Testlauf – beziehungsweise Testtritt – wagen. Für Heimarbeiter, Selbstständige und Freiberufler bietet sich die Pedal-Power unterm Tisch ebenfalls an.

Der Haken: Umsonst ist der vermeintliche Produktivitätsboost natürlich nicht. Die Amerikaner haben ihre Pedalen angeblich sogar für 180 Dollar pro Stück angeschafft. Aber ein Klick in die hiesigen Online-Shops offenbart: Die meisten Pedal-Trainer findet man in der Preisspanne zwischen 20 und 70 Euro.

Aber: Lassen Sie sich von Ihrem neuen Pedalenfreund auf keinen Fall dazu verleiten, noch mehr zu sitzen als nötig!

[Bildnachweis: Galgoczy Gabriel by Shutterstock.com]
28. September 2016 Autor: Sebastian Wolking

Sebastian Wolking ist Redakteur der Karrierebibel. Er hat Geschichte, Politikwissenschaften und Germanistik studiert und als Online-Redakteur gearbeitet. Sein Interesse gilt den Veränderungen des Arbeitsmarktes durch die digitale Revolution.

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