Bewerbung vorher anrufen fragen
"Guten Tag, ich rufe wegen Ihrer Stellenanzeige an." - "Ja, was möchten Sie denn wissen?" - "Eeeehmmm ..." Das ist Alltag für viele Personaler, die als Ansprechpartner mit Durchwahlnummer unter den Stellenanzeigen ihres Arbeitgebers genannt werden. "Eeeehmmm ..." ist allerdings kein guter Start und verschafft dem Anrufer keine Pluspunkte für seine Bewerbung - anders als eine sinnvolle Frage, die der Personaler jederzeit gern beantwortet. Vor der Bewerbung anrufen und fragen - das ist natürlich erlaubt. Aber einen guten Eindruck macht es nur, wenn Sie als Bewerber eine relevante Information benötigen, die sich weder aus der Stellenanzeige noch über die Website des Unternehmens klären lässt. Bei welchen Fragen ein Vorab-Telefonat sich lohnt und wann Sie es besser bleiben lassen sollten, zeigen Ihnen die folgenden Tipps...

Personaler: Kontakt eher unerwünscht

Bewerbung vorab fragen und anrufenDie meisten Personalabteilungen sind gut ausgelastet. Da nach Meinung vieler Controller in der Personalabteilung kein Geld verdient, sondern nur welches ausgegeben wird, lässt die personelle Besetzung häufig zu wünschen übrig. Die telefonische Beantwortung von Bewerberfragen kommt so zu den zahlreichen anderen Aufgaben hinzu, ein Zeitbudget dafür gibt es eigentlich nicht. Kein Wunder, dass viele Firmen unter ihren Stellenanzeigen überhaupt keine Telefonnummern mehr angeben und den Kontakt nur noch per E-Mail oder über das Online-Bewerbungsformular zulassen.

Wenn also eine Firma gegen den Mainstream weiterhin den Bewerbern die Möglichkeit bietet, einen namentlich genannten Ansprechpartner telefonisch zu erreichen, sollten Sie als Bewerber gut darüber nachdenken, wann und wie Sie diesen Service nutzen. Und wenn Sie sich für einen Anruf entscheiden, sollten Sie diesen sehr gut vorbereiten.

Anrufvorbereitung in drei Schritten

  1. Lesen Sie die Stellenanzeige gründlich und analysieren Sie die Anforderungen an den gesuchten Mitarbeiter.
  2. Studieren Sie auch die Website des Unternehmens und suchen Sie dort nach den eventuell fehlenden Informationen. Machen Sie sich ein umfassendes Bild der ausgeschriebenen Position.
  3. Wenn Sie dann immer noch nicht die Angaben gefunden haben, die Sie für Ihre Bewerbung benötigen, dann machen Sie sich eine Liste mit den Fragen für Ihr Telefonat.

Und... Ihre erste Frage lautet selbstverständlich immer (oder ähnlich):

Störe ich? Passt es gerade?

Anrufen vor der Bewerbung: 5 mal NEIN

Hier lassen Sie den Anruf vorab besser bleiben:

  1. Daumenrunter_tGerade montags laufen in der Personalabteilung die Telefone heiß. Da machen Sie sich keine Freunde, wenn Sie anfragen, ob die gerade erst in der Samstagsausgabe inserierte Stelle noch frei ist. Normalerweise dauert die Phase, in der Bewerbungen gesammelt und Kandidaten für Vorstellungsgespräche ausgewählt werden, etwa zwei Wochen. Während dieser Zeitspanne können Sie sich bedenkenlos bewerben, ohne vorher anzurufen. Nur in sehr seltenen Fällen und bei sehr bekannten Unternehmen kommt es vor, dass Bewerberlisten vor Ablauf von zwei Wochen geschlossen werden, weil man der Bewerberflut sonst nicht mehr nicht mehr Herr wird.
  2. Rufen Sie bitte auch nicht an, um zu fragen, ob Sie für die Stelle zu alt sind. In den Unternehmen ist durchaus bekannt, dass Altersdiskriminierung gegen das Gesetz verstößt. Gerade da, wo eigentlich ein Jüngerer gesucht wird, können Sie also kaum mit einer ehrlichen Antwort rechnen. Versuchen Sie das Wunschalter des Bewerbers lieber zwischen den Zeilen herauszulesen.
  3. Wenn Sie eine Teilzeitstelle suchen, macht es wenig Sinn, telefonisch anzufragen, ob Sie die ausgeschriebene Vollzeitstelle in Teilzeit ausüben können (oder umgekehrt). Normalerweise hat sich das Unternehmen vorher gut überlegt, ob es eine Vollzeit- oder Teilzeitstelle ausschreibt, und wird sich durch Ihren Telefonanruf nicht einfach umstimmen lassen.
  4. Die allgemeine Aufforderung an den Personaler "Erzählen Sie mir doch etwas (mehr) über die Stelle" wirkt ebenfalls nicht unbedingt positiv. Das aus Sicht der Firma Wichtige steht ja in der Anzeige und auf der Firmenwebsite. Als Bewerber punkten Sie eher mit gezielten Fragen. Wenn Sie diese geschickt stellen, kommt der Personaler vielleicht ganz von selbst ins Erzählen.
  5. Ein Thema, das Sie in der Regel überhaupt nicht weiter bringt, sind spezifische fachliche Fragen. Die kann die Personalabteilung meist gar nicht beantworten. Wenn Ihre Entscheidung, ob Sie sich überhaupt bewerben, nicht von diesen Fragen abhängt, dann sparen Sie sie lieber fürs Vorstellungsgespräch auf.

Anrufen vor der Bewerbung: 7 mal JA

Hier lohnt sich ein Vorab-Telefonat:

  1. Unklare Frist

    Daumenhoch_tWenn Ihnen die Anzeige später als zwei Wochen nach Erscheinen in die Hände gefallen ist, hat es vor dem Absenden einer Bewerbung Sinn nachzufragen, ob die Stelle noch frei ist.

    Hinweis

    Alle weiteren Beispiele gelten ausschließlich für den Fall, dass die benötigte Information weder aus der Anzeige noch aus der Website des Unternehmens hervorgeht.

  2. Standort

    In Anzeigen von Personalberatern kommt es gelegentlich vor, dass der Standort des suchenden Unternehmens nicht genannt wird, um keine Rückschlüsse auf die Identität zuzulassen. Wenn Sie nicht mobil sind, dürfen Sie telefonisch den Berater wenigstens um eine räumliche Eingrenzung bitten.

  3. Sprachkenntnisse

    Nehmen wir an, in der Anzeige wird verhandlungssicheres Englisch verlangt. Sie müssten aber noch einen Sprachkurs besuchen, um dieses Niveau zu erreichen. Aus dem Kontext lässt sich nicht erschließen, wozu genau das verhandlungssichere Englisch gebraucht wird. Dann dürfen Sie anrufen und nachfragen - natürlich nicht ohne Ihre Bereitschaft zu betonen, Ihr Englisch in Eigeniniative zu verbessern.

  4. Arbeitszeit

    Wenn Sie nicht in Schichten arbeiten können oder wollen und aus der Anzeige nicht zu ersehen ist, ob es sich um Schichtarbeit handelt, ist ein Anruf ebenfalls sinnvoll.

  5. Home Office

    Nur wenn ein Experte mit seltenem Spezialwissen gesucht wird und Sie zu dieser Spezies gehören, dürfen Sie bei einem weit von Ihrer Heimat gelegenen Unternehmen fragen, ob Sie die Tätigkeit eventuell zum Teil im Home Office ausüben können.

  6. Spezialfragen

    Aus individuellen Gegebenheiten, die Ihre persönliche Situation und/oder die Art der zu besetzenden Stelle betreffen, können sich sehr spezielle Fragen ergeben. Hier ein paar Beispiele für solche Einzelfälle, in denen sich ein Vorabtelefonat lohnt:

    • Innen- oder Außendienst: Bei der Anzeige für einen Technischen Assistenten Maschinenbau im Bereich Service ist unklar, ob es sich um Innen- oder Außendienst handelt. Sie möchten aber nur im Innendienst arbeiten, also erkundigen Sie sich telefonisch.
    • Einzelkämpfer oder Teamarbeiter: Sie haben erst anderthalb Jahre Berufserfahrung in der Marketingkommunikation und möchten gern in Ihrem neuen Unternehmen noch mehr über die Praxis lernen. Daher wünschen Sie sich die Mitarbeit in einem Expertenteam oder zumindest mit einem fachlich versierten Chef. Wenn die organisatorische Einbindung aus der Stellenanzeige Fachreferent Marketingkommunikation nicht hervorgeht, fragen Sie nach.
    • Kein Studium: Sie möchten sich für eine Tätigkeit bewerben, die Sie bereits seit zehn Jahren in Ihrem jetzigen Unternehmen ausüben. Die Bewerbung bei der Zielfirma ist ausdrücklich nur via Online-Formular gewünscht. Das System blockiert aber die Absendung Ihrer Bewerbung, weil Sie beim Feld für den in der Anzeige geforderten Hochschulabschluss nichts eintragen konnten. In diesem Fall klären Sie am besten mit der Personalabteilung das weitere Vorgehen.
  7. Software

    Wenn Sie Probleme mit dem Online-Bewerbungssystem haben, dürfen Sie immer anrufen.

Anrufen vor der Bewerbung: 1 mal VIELLEICHT

Daumenquer_tNicht ganz leicht zu beantworten ist die Frage, ob Sie als Bewerber vorher anrufen sollten, wenn Ihnen eine in der Stellenanzeige geforderte Qualifikation fehlt. Das richtige Verhalten hängt hier sehr von den Umständen ab, beispielsweise:

  • Welche Chancen hat das Unternehmen, einen Bewerber zu finden, der die Anforderungen zu 100 Prozent erfüllt?
  • Können Sie eine nahezu gleichwertige Kompensation anbieten?

Bei einem Großkonzern fallen Sie mit einer fehlenden Qualifikation eher durch die Maschen - egal ob mit oder ohne vorgeschalteten Anruf. Bei einer kleineren Firma oder einem Personalberater kann ein Vorab-Telefonat jedoch durchaus sinnvoll sein und bringt vielleicht beide Seiten auf neue Ideen.

Sonderfall: Bei einer Initiativbewerbung vorher anrufen?

Extra-Tipp-IconAuch bei Initiativbewerbungen ist es wenig empfehlenswert, vorab telefonisch anzufragen, ob jemand mit Ihrer Qualifikation gebraucht wird. Das hat ganz praktische Gründe:

  • Ihr Anruf bei der Personalabteilung wird meist mit einem Nein beschieden, denn die Personalabteilung beginnt erst dann mit der Suche, wenn eine konkrete Stellenausschreibung aus einer Fachabteilung vorliegt.
  • Ob Ihr Know-how als Bewerber trotz fehlender Ausschreibung für das Unternehmen interessant sein könnte, kann normalerweise nur der Fachvorgesetzte beurteilen. Den bekommen Sie aber gewöhnlich nicht ans Telefon.
  • Falls Letzteres doch gelingen sollte, können Sie nicht sicher sein, ob Sie ihn vielleicht zwischen zwei Meetings auf dem sprichwörtlichen linken Fuß erwischen. Und mir nichts, dir nichts werden Sie - aus purer Zeitnot - abgewimmelt.
  • Ihre aussagefähigen Bewerbungsunterlagen hingegen kann der Fachvorgesetzte studieren, wenn er Zeit hat. Was er sich nicht ad hoc gemerkt hat, kann er noch einmal nachlesen. So haben Sie weitaus bessere Chancen - wer schreibt, der bleibt.
[Bildnachweis: Goran Bogicevic, Monkey Business Images by Shutterstock.com]

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