Borderline: Symptome, Ursachen, Therapie

Bei dem kleinsten Missgeschick aus der Haut fahren, den Partner vergöttern und ihm gleichzeitig misstrauen – das sind Symptome einer Persönlichkeitsstörung, die unter dem Namen Borderline bekannt ist. Für Patienten, aber auch Familienangehörige und Kollegen kann die Erkrankung ernste Folgen haben. Doch es gibt eine gute Nachricht: Borderline-Betroffene können auf ganz verschiedene Weise Hilfe bekommen…

Borderline: Symptome, Ursachen, Therapie

Borderline Definition: Eine Erkrankung mit vielen Gesichtern

Borderline Definition Therapie Ursachen SymptomeBei Borderline – so der umgangssprachliche Begriff – handelt es sich um eine psychische Erkrankung. Häufig wird von einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) oder dem Borderline-Syndrom gesprochen, weil sie zusammen mit anderen Persönlichkeitsstörungen auftritt (Komorbidität). Sie ist eine Form der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung. Die Betroffenen selbst bezeichnen sich teilweise als Borderliner oder auch abgekürzt „Bordi“.

Der englische Begriff Borderline hat im Deutschen keine direkte Übersetzung. Entstanden ist er aus der ursprünglichen Annahme, dass die Krankheit offenbar eine Art Übergangsbereich zwischen Neurose und Psychose sei, da die Erkrankten Symptome beider Erkrankungen zeigen. Diese Persönlichkeitsstörung ist also nach psychoanalytischem Verständnis auf der Grenzlinie, englisch borderline.

Bei einer Borderline-Störung haben die Betroffenen Probleme, ihre Gefühle zu kontrollieren. Extreme Stimmungsschwankungen und Störungen des Selbsterlebens führen zu einem großen Leidensdruck, häufig empfinden viele Erkrankte eine Leere.

Menschen mit Borderline fühlen sich häufig innerlich zerrissen und voller Anspannungen. Durch autoaggressives Verhalten, das sich auf vielerlei Arten äußert, versuchen die Betroffenen, diese Anspannungen erträglich zu machen.

Borderline: Symptome, die auf die Erkrankung hindeuten

Die Schwierigkeit bei einer Einordnung von Borderline ist, dass die Erkrankung selten allein, sondern meist mit Begleiterkrankungen auftaucht. Solche Begleiterkrankungen können Depressionen, ADHS und Essstörungen wie beispielsweise Magersucht sein. Auch wenn es einige Anzeichen für Borderline gibt, so sind die Symptome sehr vielfältig und zeigen sich häufig bereits bei Jugendlichen.

Betroffenen fällt die Einordnung ihrer Gefühle so schwer, dass sie häufig gar nicht merken, wenn sie traurig oder verärgert sind. So kann sich eine innere Anspannung aufbauen, die sich bei minimalen Anlässen in Wut, Angst, Panikattacken oder auch absoluter Verzweiflung entlädt.

Vergleichsweise harmlose Situationen wie Anrempeln oder umgekippter Kaffee ziehen auffallende Gefühlsausbrüche nach sich. Es wundert nicht, dass diese mangelnde Impulskontrolle auf Außenstehende merkwürdig wirkt. Menschen mit Borderline werden Attribute wie diese nachgesagt:

  • aggressiv
  • launisch
  • unberechenbar
  • reizbar
  • unüberlegt
  • impulsiv
  • zwanghaft
  • unausgeglichen

Kurzum, Menschen mit Borderline haben ein gestörtes emotionales Gleichgewicht.

Wer BPS hat, hat Probleme, sich zu spüren. Das Verhältnis zum eigenen Körper, aber auch Emotionen ist derart gestört, dass manche Betroffene sich selbst schädigen. Autoaggressives Verhalten ist häufig die Folge.

So fügen sich manche Boderliner mit Rasierklingen, Messern oder Zigaretten Verletzungen zu; eins von vielen Merkmalen sind aufgeritzte/vernarbte Unterarme oder Beine.

Durch die Selbstverletzung möchten Betroffene ihren Körper wieder wahrnehmen und vor allem ihr Gefühlschaos in geregelte Bahnen lenken. Das klappt jedoch nur eine gewisse Zeit lang.

Mit dem Ritzen oder einen anderen Art der Selbstverletzung kann mit der Zeit nicht mehr die gewünschte Erleichterung herbeigeführt werden. Die Folge: Patienten verletzen sich immer schlimmer und nachhaltiger. Das kann sogar so weit gehen, dass das Leben in Gefahr gerät.

Diese Selbstverletzungen sind allerdings von Suizidversuchen zu trennen. Selbstverletzungen dienen dem Spannungsabbau und der Selbstregulierung, können aber auch ein Hilferuf an Familie und Freunde sein. Ein Selbstmord wird mit einer Selbstverletzung nicht versucht.

Trotzdem unternehmen auch Menschen mit der Borderline-Störung Selbstmordversuche – ungefähr fünf Prozent der Patienten sterben sogar durch Suizid, sofern sie keine rechtzeitige Therapie erhalten.

Aber auch anderweitig riskantes Verhalten – etwa durch schnelles Fahren oder gefährliche Sportarten, kann ein Zeichen für eine Borderline-Störung sein, ebenso wie Glücksspiel, riskante Sexualkontakte oder Alkohol- und Drogenmissbrauch.

Was oberflächlich betrachtet vielleicht das Verhalten eines Exzentrikers sein könnte, dient in diesem Fall dem Wunsch, die unerträgliche Anspannung loswerden zu können. Im Unterschied zu Exzentrikern verspüren Borderliner einen Leidensdruck. Jemand, der einfach nur gerne rasant fährt, hat dagegen nicht automatisch Borderline.

Borderline Persönlichkeitsstörung Test

Borderline Persönlichkeitsstörung Test Ursachen Therapie Symptome Beziehung AngehörigeWenn Sie sich dafür interessieren, ob Sie oder jemand aus Ihrem näheren Umfeld womöglich unter einer Borderline-Persönlichkeitsstörung leidet, lesen Sie diese Fragen und beantworten Sie sie recht zügig ohne längeres Grübeln.

Natürlich kann so ein Test niemals eine fundierte ärztliche oder psychologische Diagnose ersetzen, sondern dient lediglich einer ersten Selbsteinschätzung.

  • Fühlen Sie oft eine innere Anspannung?
  • Hatten Sie schon den Gedanken (oder haben Sie es in die Tat umgesetzt), sich selbst zu verletzen, um diese Anspannungen zu verringern?
  • Sind Sie häufiger genervt von Ihren Stimmungsschwankungen, die zwischen Extremen hin- und herpendeln?
  • Haben Sie oft Angst allein zu sein?
  • Finden Ihre Mitmenschen Sie häufig anstrengend und wenden viel Geduld mit Ihnen auf?
  • Flüchten Sie sich häufig in Beziehungen, nur um dem Alleinsein zu entgehen?
  • Hatten Sie bereits viele verschiedene Partner/Partnerinnen?
  • Haben Sie eine sehr geringe Impulskontrolle?
  • Leiden Sie unter häufigen Fressattacken?
  • Betreiben Sie hoch riskante Sportarten?
  • Greifen Sie gerne zu Drogen, um dem Hier und Jetzt zu entfliehen?
  • Rasen Sie gerne über die Autobahn?
  • Sind Sie ein sehr eifersüchtiger Mensch?
  • Klettern Sie auf hohe Geländer oder Brücken, bei denen Absturzgefahr besteht?
  • Haben Sie häufiger starke Wutausbrüche?
  • Empfinden Sie Ihr Leben als leer und sinnlos?
  • Hatten Sie bereits mehrfach Gedanken an Suizid?
  • Haben Sie als Kind Missbrauch erfahren?
  • Sind Sie streitsüchtig?
  • Empfinden Sie Ihren Körper meist als zu dick oder zu dünn?
  • Klammern Sie in einer Beziehung?
  • Waren Sie bereits in Konflikt mit dem Gesetz, beispielsweise wegen Ladendiebstahls?
  • Sind Sie depressiv?
  • Wurden Sie durch Ihre Eltern vernachlässigt oder zur Adoption freigegeben?
  • Fällt es Ihnen schwer, Langeweile auszuhalten?
  • Haben Sie bereits mehrfach die Schule oder Ausbildungen angefangen und wieder abgebrochen?

Sollten Sie mehr als zwei Drittel der Fragen uneingeschränkt mit JA beantworten können und den für Borderliner typischen Leidensdruck empfinden, empfehlen wir einen Arzt und/oder Therapeuten aufzusuchen.

Borderline und die Beziehung zu Partnern, Angehörigen und Kollegen

Menschen mit Borderline schwanken auch in Bezug auf ihre Partner zwischen den Extremen: Entweder wird die Person völlig verklärt oder sie wird verachtet. Auf der einen Seite steht der Wunsch nach Nähe und Geborgenheit, auf der anderen Seite die Angst davor.

Umgekehrt führen auch Probleme am Arbeitsplatz zu Beeinträchtigungen sozialen Verhaltens. Solche Stimmungs- und Gefühlsschwankungen sind für einige Partner tatsächlich auf Dauer schwer auszuhalten und sie trennen sich.

Ganz ähnlich verhält es sich am Arbeitsplatz: Ein Job kann mit großer Begeisterung angefangen werden, der Chef und die Kollegen werden idealisiert und plötzlich kippt das Ganze wegen einer Nichtigkeit:

Der Borderliner ist wegen einer (tatsächlichen oder eingebildeten) Kritik stark gekränkt und fängt an, die Kollegen, den Chef abzuwerten. Das Ganze kann zu einer Spirale von Fehltagen führen, die sich häufen und mündet schließlich in einer Kündigung.

Borderline: Ursachen für die Erkrankung

Auch wenn genetische Faktoren die Herausbildung von Borderline offenbar stark beeinflussen, so haben Borderliner in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle schwere Traumata in ihrer Kindheit erlitten. Als Ursachen gelten:

  • sexuelle Gewalterfahrungen
  • körperliche Gewalterfahrungen
  • schwere Vernachlässigung
  • emotionale Kälte

Nur in wenigen Fällen lassen sich gar keine Ursachen ermitteln – und selbst hier könnte der Grund in einer dissoziativen Amnesie liegen. Das bedeutet, dass die Traumata psychisch so abgespalten werden, dass sich die betroffene Person nicht mehr daran erinnern kann.

In den allermeisten Fällen (75-90 Prozent) berichten die Betroffenen von sexualisierter und/oder körperlicher Gewalt in der Kindheit. Vermutet wird, dass die Störungen im emotionalen Bereich vor allem damit zusammenhängen, dass ausgerechnet die Person, die einem am nächsten steht, Täter ist.

Zumeist reichen die Misshandlungen in eine Zeit der Kindheit zurück, in der sich das Gehirn noch entwickelt. Der Widerspruch, dass die Person, die einen eigentlich schützen sollte gleichzeitig diejenige ist, vor der man sich selbst schützen muss, scheint letztlich auch zu diesem überaus widersprüchlichen Verhalten von Borderlinern zu führen.

Borderline Therapie: Hilfe ist möglich

Bei der Behandlung gibt es zwei widerstreitende Ansichten: Die eine Gruppe hält eine Heilung für nicht möglich während die anderen eine Heilung oder zumindest eine erfolgreiche Linderung der Symptome für absolut machbar halten.

Eine Schwierigkeit gibt es während der Therapie: Das schwierige Beziehungsmuster der Patienten, das zwischen Ablehnung und Idealisierung schwankt, überträgt sich auch auf den Therapeuten. Die Folge: Patienten brechen die Therapie häufig ab.

Dennoch gibt es vielversprechende Therapiekonzepte und nicht zuletzt auch Medikamente, die die Symptome lindern können. Medikamentös kann an der eigentlichen Krankheit nichts gemacht werden.

In den meisten Fällen wird Borderline mit einer Psychotherapie (übertragungsfokussierte Psychotherapie (TFP) oder einer Verhaltenstherapie (dialektisch-behaviorale Therapie (DBT)) behandelt. Auch Strategien zur Achtsamkeit kommen immer wieder zum Einsatz.

In der Therapie erlernen die Borderline Patienten Strategien, wie sie Stress und die kaum auszuhaltende Anspannung lindern können.

Die gute Nachricht: Die meisten Personen mit Borderline können ambulant behandelt werden. Lediglich dann, wenn die Gefahr eines Suizidversuchs droht, werden die Patienten stationär aufgenommen.

[Bildnachweis: Hayk_Shalunts by Shutterstock.com]
10. Februar 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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