Das Bundesurlaubsgesetz meint es gut mit den Arbeitnehmern in Deutschland. Es gewährt jedem Beschäftigten einen Mindestanspruch und stellt sogar seine persönliche Präferenzen in den Vordergrund. Alle Wünsche erfüllt es aber natürlich nicht. Was zum Beispiel, wenn sich mehrere Arbeitnehmer gleichzeitig in den Urlaub verabschieden wollen? Oder wenn ich mir Urlaubstage für eine lange Reise aufsparen will?

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Bundesurlaubsgesetz: Was regelt es?

Das Bundesurlaubsgesetz trat zum 1. Januar 1963 in Kraft und besteht bis heute in nahezu unveränderter Form fort.

Hauptaussage des Gesetzes: "Jeder Arbeitnehmer hat in jedem Kalenderjahr Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub." So viel also ist klar: Kein Arbeitgeber hat das Recht, Ihnen den Urlaub zu verweigern.

Das gilt für Arbeiter, Angestellte, Auszubildende und sogenannte arbeitnehmerähnliche Personen. Das sind in der Regel selbstständige Unternehmer, die von einem Auftraggeber wirtschaftlich abhängig, aber in ihren Entscheidungen nicht weisungsgebunden sind. Es handelt sich in diesem Fall also nicht - auch rechtlich betrachtet - um Scheinselbstständige.

Bundesurlaubsgesetz: Welchen Urlaubsanspruch haben Arbeitnehmer?

"Der Urlaub beträgt jährlich mindestens 24 Werktage." So steht es im Bundesurlaubsgesetz. Werktage sind alle Tage, die keine Sonntage oder gesetzlichen Feiertage sind, also auch Samstage. Bei einer Fünf-Tage-Woche beträgt der gesetzliche Urlaubsanspruch daher nur 20 Tage.

Das ist wohlgemerkt nur der Mindestanspruch. Jedem Arbeitnehmer steht es frei, eine höhere Zahl an Urlaubstagen zu verhandeln und vertraglich zu vereinbaren. Oftmals regeln auch die Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen den (weitergehenden) Urlaubsanspruch. 30 Tage Urlaub sind in Deutschland durchaus üblich.

Das Prinzip der Unabdingbarkeit besagt, dass von den gesetzlichen Bestimmungen zwar abgewichen werden darf - aber nicht zu Ungunsten des Arbeitnehmers. Kein Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarungen darf unter die gesetzliche Mindestzahl gehen. Es handelt sich um ein "einseitig zwingendes Recht".

Einen vollen Urlaubsanspruch haben Arbeitnehmer aber erst, wenn ihr Arbeitsverhältnis mit dem Unternehmen sechs Monate lang Bestand hat.

Und wichtig zu wissen: Erkrankt ein Arbeitnehmer während seines Urlaubs, dann werden die Krankheitstage nicht auf den Jahresurlaub angerechnet. Denn die Intention des Bundesurlaubsgesetzes besteht nicht darin, dass der Arbeitnehmer "nur" frei hat, sondern vielmehr, dass er sich erholt. Ihre Krankheit müssen Sie aber durch ein ärztliches Attest nachweisen.

Bundesurlaubsgesetz: Welchen Anspruch haben Teilzeit-Kräfte?

Bundesurlaubsgesetz: Welchen Anspruch haben Teilzeit-Kräfte?Auch Arbeitnehmer in Teilzeit haben grundsätzlich den vollen Urlaubsanspruch.

Es spielt keine Rolle, ob der Beschäftigte voll- oder teilzeitbeschäfigt ist - und übrigens auch nicht, wie viele Stunden er pro Tag arbeitet. Ob Sie massiv Überstunden schieben oder nur bis mittags im Büro sind - unerheblich. Der Urlaubsanspruch bemisst sich am Arbeits- bzw. Werktag, nicht an den geleisteten Arbeitsstunden.

Aber: Für den vollen Urlaubsanspruch muss der Teilzeitbeschäftigte auch an jedem Werktag ins Büro kommen. Andernfalls reduziert sich der Urlaub entsprechend.

Beispiel: Der reguläre Urlaubsanspruch in Ihrem Unternehmen beträgt 30 Tage bei einer Fünf-Tage-Woche. Sie arbeiten als Teilzeitkraft an drei Tagen in der Woche. Die Rechnung geht so: 30 Urlaubstage multipliziert mit drei 3 Arbeitstagen und geteilt durch 5 Werktage = 18 Urlaubstage.

Kündigung: Was passiert mit meinem Resturlaub?

Ein häufiger Streitpunkt: Dem Arbeitnehmer wird gekündigt, zum Beispiel zum Ende der Probezeit. Was passiert mit seinem Resturlaub? Sofern möglich, muss der Arbeitnehmer seinen Resturlaub noch nehmen. Ist das nicht mehr möglich, muss ihm der Arbeitgeber ein Urlaubsentgelt zahlen.

Als Grundlage für die Berechnung des Urlaubsentgelts gilt der Verdienst, den der Arbeitnehmer in den letzten 13 Wochen vor Beginn des Urlaubs erhalten hat. Und auch, wenn der Arbeitnehmer von sich aus kündigt, gibt er damit seinen Anspruch auf einen möglichen Resturlaub nicht auf.

Ein anderes Szenario: Angenommen, Sie haben bei Ihrem Arbeitgeber schon bis Ende Februar den vollen Jahresurlaub in Anspruch genommen. Danach kündigen Sie und fangen drei Monate später bei einem anderen Unternehmen an. Für das laufende Jahr haben Sie keinerlei Urlaubsansprüche mehr. Ihr Urlaubsanspruch bezieht sich auf das Kalenderjahr, nicht auf den Arbeitgeber. Der Gesetzgeber will so Doppelansprüche vermeiden.

Andererseits gilt: Wenn Sie noch Urlaub "übrig" haben, nehmen Sie ihn auch mit zum neuen Arbeitgeber. Tipp: Lassen Sie sich von Ihrem alten Arbeitgeber eine Bescheinigung über den im laufenden Kalenderjahr gewährten oder abgegoltenen Urlaub ausstellen. Er ist per Gesetz dazu verpflichtet.

Bundesurlaubsgesetz: Muss mir der Arbeitgeber meine Urlaubswünsche gewähren?

Im Bundesurlaubsgesetz heißt es: "Bei der zeitlichen Festlegung des Urlaubs sind die Urlaubswünsche des Arbeitnehmers zu berücksichtigen, es sei denn, daß ihrer Berücksichtigung dringende betriebliche Belange oder Urlaubswünsche anderer Arbeitnehmer, die unter sozialen Gesichtspunkten den Vorrang verdienen, entgegenstehen."

Bei den betrieblichen Belangen muss es sich aber um erhebliche Beeinträchtigungen im Betriebsablauf handeln, eine Störung reicht nicht aus. Konkret können das drohende Produktionsausfälle sein - oder Personalengpässe in der Hochsaison oder während einer Messe.

Hier drohen Reibereien. Grundsätzlicher Rat: Arbeitnehmer, die ihren Urlaubsanspruch ohne Rücksicht auf den Arbeitgeber durchboxen wollen, handeln unklug. Stimmen Sie den Urlaub möglichst frühzeitig ab - und seien Sie nur in Ausnahmefällen rigoros. Beispiel: Ihr Kind ist krank.

Ein Recht zur Selbstbeurlaubung haben Arbeitnehmer aber nicht. Das wäre ein Grund für eine fristlose Kündigung - sogar ohne vorherige Abmahnung.

Bei vielen Arbeitnehmern geht der Trend mittlerweile zu mehreren Kurzurlauben statt eines langen. Trotzdem: Sie haben laut Bundesurlaubsgesetz Anspruch auf Urlaub an mindestens zwölf aufeinanderfolgenden Werktagen. Der Arbeitgeber hat also nicht das Recht, Ihren Urlaub in viele Mini-Einheiten zu zerstückeln.

Und noch etwas: Es könnte ja auch passieren, dass mehrere Arbeitnehmer gleichzeitig Urlaub nehmen wollen - während der Schulferien etwa - der Betrieb aber nicht allen gleichzeitig frei geben kann. In diesem Szenario findet eine Interessenabwägung statt.

Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Zahl und Schulpflicht der Kinder, Berufstätigkeit des Ehegatten oder die Krankheit des Arbeitnehmers sind Faktoren, die einfließen. Sprich: Dem langjährigen Mitarbeiter mit drei schulpflichtigen Kindern wird der Urlaub während der Sommerferien eher gewährt als dem kinderlosen Single.

Bundesurlaubsgesetz: Kann ich meinen Urlaub mit ins nächste Jahr nehmen?

Eine Übernahme des Urlaubs ins nächste Jahr sieht das Bundesurlaubsgesetz eigentlich nicht vor - mit Betonung auf eigentlich. Sie ist aber "statthaft, wenn dringende betriebliche oder in der Person des Arbeitnehmers liegende Gründe dies rechtfertigen." Erfahrungsgemäß liegt diese Hürde nicht sehr hoch. In den meisten Fällen kann der Urlaub also sehr wohl mit ins neue Jahr rutschen.

Aber: Im Fall der Übertragung muß der Urlaub in den ersten drei Monaten des folgenden Kalenderjahrs gewährt und genommen werden. Sie können ihn nicht beliebig nach hinten schieben.

Darf ich während meines Urlaubs arbeiten?

Darf ich während meines Urlaubs arbeiten?Unmissverständliche Antwort: Nein. "Während des Urlaubs darf der Arbeitnehmer keine dem Urlaubszweck widersprechende Erwerbstätigkeit leisten", sagt das Bundesarbeitsgesetz.

Für Geld oder geldwerte Vorteile dürfen Sie zwar nicht arbeiten. Was Sie aber sehr wohl dürfen: Ehrenamtlich tätig sein, gemeinnützige Tätigkeiten übernehmen, Gefälligkeitsarbeiten erledigen oder im eigenen Garten Hand anlegen.

[Bildnachweis: Stockforlife by Shutterstock.com]

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