Corona Depression: Hilfe und Tipps aus dem Tief heraus

Ausgangssperren, Kurzarbeit, Jobverlust – ehedem gesunde Menschen stürzt die Corona Pandemie in die psychische Krise. Als Corona Depression werden die emotional belastenden Auswirkungen bezeichnet, die nahezu jeden ergreifen. Ist daher jedermann gleichermaßen betroffen? Nein. Auch wenn die jeweiligen Quarantäne-, Abstands und Ausgangsreglungen für alle gelten: Nicht jeder reagiert gleichermaßen auf Einschränkungen im Alltag. Und von individuellen Persönlichkeitsmerkmalen abgesehen erfasst die Corona Krise auch nicht jeden gleichermaßen heftig. Die persönlichen Rahmenbedingungen sind entscheidend dafür, ob jemand Gefahr läuft, an einer Corona Depression zu leiden oder nicht. Welche Faktoren maßgeblich sind und was Sie dagegen tun können…

Corona Depression: Hilfe und Tipps aus dem Tief heraus

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Kurzfristige Verstimmung oder Corona Depression?

Jeder hat mal einen schlechten Tag, womöglich sogar eine schlechte Phase. Gründe dafür gibt es zur Genüge: Die Freundin hat einen verlassen, die Katze ist gestorben, die Prüfung wurde versemmelt – alles kommt vor und alles hat seine Berechtigung. Manchmal ist es sogar die Jahreszeit: Werden die Tage wieder kürzer und trüber, sind wir weniger an der Sonne, wird das wichtige Vitamin D nicht in ausreichender Menge gebildet. Stattdessen wird vermehrt Melatonin ausgeschüttet. Die Folge: Wir fühlen uns häufiger müde und schlapp, das Immunsystem läuft nicht rund. So etwas kann sich in einer Herbst– oder Winterdepression niederschlagen. Im Gegensatz zur herkömmlichen Depression handelt sich um saisonale Depressionen, deren Ursache vor allem im Lichtmangel liegt und die vorübergehend sind.

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Merkmale einer Depression

Nach der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, ICD-10, liegen bei einer Depression je mindestens zwei Haupt- und zwei Zusatzsymptome der folgenden Symptome vor:

Hauptsymptome

  • Starker Antriebsmangel und geringe Energie
  • Alltägliche Erledigungen sind kaum zu bewältigen
  • Enorme bleierne Müdigkeit
  • Große Interesselosigkeit, keine Freude an früheren Aktivitäten
  • Abnahme sozialer Kontakte als Folge dessen
  • Massive Niedergeschlagenheit und gedrückte Stimmung
  • Schwierigkeiten, eigene Gefühle wahrzunehmen, Gefühlskälte
  • Hoffnungslosigkeit

Zusatzsymptome

  • Geringe Aufmerksamkeitsspanne, Vergesslichkeit und Konzentrationsschwierigkeiten
  • Minderwertigkeitsgefühl und starke Selbstzweifel
  • Schuldgefühle, Schuldzuweisungen an die eigene Person und Selbstvorwürfe
  • Ausgeprägter Pessimismus und Gefühl der Ausweglosigkeit
  • Verharren im Gedankenkarussell, Suizidgedanken
  • Schlechtes Einschlafen, kaum Durchschlafen
  • Verminderter Appetit, Gewichtsabnahme

Für die Einschätzung des derzeitigen Seelenzustands einer Person als depressiv reicht es allerdings nicht, die obigen Symptome bei sich zu beobachten. Vielmehr ist die Dauer ein weiteres entscheidendes Kriterium. Sollten Sie bei sich über mehr als zwei Wochen insgesamt vier der Symptome (darunter zwei Hauptsymptome wie Antriebslosigkeit, Interessensverlust oder Niedergeschlagenheit) beobachten, sollten Sie in jedem Fall einen Arzt aufsuchen.

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Merkmale einer depressiven Verstimmung

Unterschieden wird die Depression von der depressiven Verstimmung. Die oben aufgeführten Merkmale sind im Prinzip dieselben und tauchen auch bei Menschen mit Corona Depression auf. Die Unterschiede zu einer Depression liegen zum einen in der Dauer: Sind Sie vorübergehend niedergeschlagen und deprimiert, schlapp und desinteressiert an allem, was Ihnen sonst Spaß machte, so sind die Ursachen dafür sehr wahrscheinlich in der gegenwärtigen Situation zu suchen. Solange Sie prinzipiell Lebensfreude empfinden und Ihr Selbstwertgefühl generell intakt ist, brauchen Sie sich keine ernsthaften Sorgen zu machen. Mit unseren Tipps (siehe unten) können Sie dieses Gefühl wieder in den Griff bekommen.

Machen Sie den Selbsttest

Wenn Sie unsicher sind, ob Sie an einer Corona Depression leiden oder diese vielleicht bereits zu einer schwerwiegenden Depression ausgeartet ist, können Sie unseren kostenlosen Selbsttest machen. Er kann Ihnen erste Hinweise liefern. Im Falle konkreter Hinweise suchen Sie bitte außerdem das Gespräch mit Ihrem Arzt.

SELBSTTEST DEPRESSION


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Was verstärkt die Corona Depression?

Was oft vergessen wird: eine „normale“ Depression ist eine ernsthafte Erkrankung, die sich von ein „bisschen Traurigsein“ nicht nur durch die Dauer und Schwere der Symptome unterscheidet. Bei einer Depression ist außerdem das biochemische Gleichgewicht im Gehirn gestört. Sie kann bedingt durch Veranlagung angeboren sein, ist aber mit therapeutischer und/oder medikamentöser Behandlung gut in den Griff zu bekommen. Ob Corona eigenständig eine Depression auslösen kann, ist für Professor Ulrich Hegerl, Vorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, umstritten. Aber selbst wenn die Corona Depression bei genauerer Betrachtung eine Form der depressiven Verstimmung ist, lässt sich klar eine Zunahme der psychischen Beschwerden aufgrund der Pandemie beobachten. Die Gründe dafür sind vielfältig:

  • Kontaktbeschränkungen
    Freunde und Familie nicht im gewohnten Maß sehen und treffen zu können, beschränkt einen Großteil der Freizeitgestaltung. Das kann zu Lagerkoller und Vereinsamung führen.
  • Homeoffice
    Homeoffice ist Fluch und Segen zugleich. Für diejenigen, die Ihre Arbeit mühelos ins Homeoffice verlagern konnten, ist es definitiv Letzteres. Gleichzeitig kann Homeoffice zur Belastungsprobe für Paare und Familien werden – plötzlich sind alle auf engstem Raum, Kinderbetreuung muss neben der Arbeit stattfinden.
  • Kurzarbeit
    Die Kurzarbeit ist ein Instrument zur Vermeidung von Kündigungen und als solches das kleinere Übel. Dennoch leiden viele Arbeitnehmer darunter, ihre Kollegen nicht zu sehen, ihrer sinnstiftenden Tätigkeit beraubt zu werden.
  • Jobverlust
    Eine Corona Depression infolge von Jobverlust wäre nicht ungewöhnlich. Viele Menschen identifizieren sich mit der Arbeit. Zusätzlich entstehen existenzielle Sorgen: Auch wenn Anspruch auf Arbeitslosengeld besteht, ist die Phase der Arbeitslosigkeit für viele Menschen extrem belastend.
  • Kontrollverlust
    Maßgeblicher Begleiter in der Corona Depression ist das Gefühl von Kontrollverlust: Man hatte Pläne und Ziele und plötzlich muss alles auf Eis gelegt werden. Statt selbständig entscheiden zu können, ist die Bewegungsfreiheit wie wir sie kannten eingeschränkt.
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So kommen Sie aus der Corona Depression raus

Wie stark sich die derzeitige Corona Krise auswirkt, hängt von den individuellen Rahmenbedingungen ab. Sie haben auch schon vorher im Homeoffice gearbeitet? Glückwunsch, für Sie hat sich vermutlich wenig geändert. Für eine Corona Depression anfällig sind vor allem jene, die weniger Glück hatten. Die in Branchen arbeiten oder gearbeitet haben, die massiv von der Pandemie betroffen sind. Dazu gehören die Tourismus- und Gastronomiebranche, aber vor allem viele Künstler in der Kreativ-, Kultur- und Veranstaltungsbranche. Da viele Menschen dort ohnehin nicht in einem Normalarbeitsverhältnis arbeiten, sondern befristete Arbeitsverträge haben oder selbständig sind, stehen ihnen nicht immer im gleichen Umfang staatliche Hilfen zur Verfügung wie dem durchschnittlichen Arbeitnehmer.

Neben dem sozioökonomischen Status spielen die persönlichen Umstände eine Rolle. Partner und Kinder können zwar extrem nerven, wenn man ständig aufeinander hockt. Gleichzeitig leiden Singles in der Corona Krise am stärksten, da ihnen oft das soziale Netz fehlt. Wie auch immer Ihre konkrete Situation aussehen mag: Wenn Sie bei sich Anzeichen für eine depressive Verstimmung oder Corona Depression beobachten, haben wir folgende Tipps für Sie.

Hinterfragen Sie Ihre Ideale

Wie erwähnt, ist Kontrollverlust ein zentrales Problem im Empfinden der derzeitigen Krise. Nicht im gewohnten Maße verreisen können, vielleicht eine große Familienfeier absagen müssen – wir sind es nicht mehr gewohnt, uns einzuschränken. Die Maxime des „Anything goes“ hat sich in den letzten Jahren ganz selbstverständlich ausgebreitet. Ein bisschen mehr Reflexion schadet nicht. Zumal bei nüchterner Betrachtung nach wie vor sehr viel möglich ist – allerdings müssen gegebenenfalls Konsequenzen getragen werden. Der Staat als Vollkaskoversicherung für alle, die ohne Rücksicht auf Verluste unnötige Risiken eingehen, muss nicht sein. Eine Gesellschaft ist auch immer ein Stück weit Solidargemeinschaft.

Nehmen Sie Kleinigkeiten wahr

Es kann nicht schaden, von Zeit zu Zeit auch wieder Kleinigkeiten wahrzunehmen. Es ist wie mit der Gesundheit: Fühlen wir uns gut, ist sie selbstverständlich. Nach überstandener Krankheit sind wir hingegen froh, wieder problemlos durch die Nase atmen zu können. Schärfen Sie Ihren Realitätssinn und nehmen Sie auch die ganzen Dinge wahr, die vielleicht nicht auf demselben Level wie ein Urlaub in der Karibik rangieren, aber trotzdem schön sind.

Tauschen Sie sich mit anderen aus

Der Austausch mit anderen zeigt, dass wir nicht allein sind. Allerdings geht es nicht nur darum, sich gegenseitig darin zu bekräftigen, was alles verkehrt läuft und was man selbst besser gemacht hätte anstelle verantwortlicher Behörden und Institutionen. So würde eher die Opferrolle eingenommen. Stattdessen geht es darum zu schauen, wie andere beispielsweise mit der Situation umgehen und daraus zu lernen. Durch Gespräche mit anderen können wertvolle Tipps ausgetauscht werden, etwa Informationen über staatliche Hilfen oder anderweitige Unterstützungsprogramme.

Fokussieren Sie sich auf das Positive

Sie können natürlich schauen, was alles NICHT geht und wie die Pandemie Ihre Pläne zerstört hat. So wird eine Corona Depression eher gefördert. Richten Sie stattdessen den Fokus darauf, was noch alles möglich ist.

Schränken Sie Ihren Medienkonsum ein

Sich nachrichtentechnisch auf dem Laufenden zu halten, ist eine Sache. Machen Sie sich aber nicht verrückt. Vermeiden Sie, jegliche erdenkliche Quelle zum Thema zu konsumieren. Eine spanische Umfrage der Wissenschaftlerinnen Rocío Rodríguez-Rey, Helena Garrido-Hernansaiz und Silvia Collado hat gezeigt, dass mäßiger Medienkonsum sich auf die mentale Stabilität auszahlt und eher gegen eine Corona Depression arbeitet.

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[Bildnachweis: Prostock-studio by Shutterstock.com]
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13. September 2020 Anja Rassek Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der WWU in Münster. Sie arbeitete beim Bürgerfunk und einem Verlag. Hier widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.


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