Denkste! 4 falsche Web-Mythen

Mal ehrlich: Lesen Sie alles, was Sie anklicken oder gar teilen? Die Mehrheit macht es nicht. Nicht gerade wenige Nutzer schenken gerade mal der Überschrift ihre Aufmerksamkeit, vielleicht noch dem ersten Absatz eines Artikels, aber nach 15 Sekunden ist Schluss mit der Lektüre. Also ganau……. jetzt.

Na? Immer noch da?? Schön. Damit verweilen Sie schon länger als der Durchschnitt, wie jetzt eine Untersuchung zu klassischen Web-Mythen festgestellt hat…

Denkste! 4 falsche Web-Mythen

4 Web-Mythen enthüllt

Höchste Zeit also mit ein paar klassischen Web-Mythen aufzuräumen – gleich ganzen vier:

  1. Wer klickt, liest auch.

    Falsch! Es ist ein Irrglaube, die Leute würden auch lesen, was sie alles klicken. Im Chartbeat-Blog schreibt Tony Haile, dass erstaunliche 55 Prozent der Besucher einer Seite dort weniger als 15 Sekunden verbringen; jeder Dritte liest (oder besser gesagt: überfliegt) sogar weniger als in dieser Zeitspanne den jeweiligen Artikel.

    Böse könnte man fast sagen: Die Leser denken nur, sie lesen. Geteilt werden die Artikel allerdings teils trotzdem. Was direkt zum zweiten Mythos führt…

  2. Je mehr die Menschen teilen, desto mehr lesen sie.

    Falsch! Auch das konnten die Analysten von Chartbeat widerlegen. Sicher, Facebook-Likes oder Twitter-Retweets zählen heute mehr denn je. Sie sind eine wichtige Währung für Popularität und Qualität. Jedenfalls glauben das viele. Aber kann das stimmen, wenn die Mehrheit gar nicht liest, was da geteilt, geliked, geplusst wird?

    Zwar steigt die Reichweite eines Artikels mit der Anzahl der Shares und Retweets enorm an, was sich auch in den Klickzahlen spiegelt. Aber auch hier gilt: Wer einen Artikel retweetet oder teilt muss ihn nicht zwingend gelesen haben.

    Als die Analysten rund 10.000 virtuell geteilte Artikel untersuchten, stellten sie fest: Zwischen echtem Leserengagement (Verweildauer) und der Anzahl der sogenannten Social Signals gab es keinen Zusammenhang:

    • Artikel mit der größten echten Leserzahl und Verweildauer kamen auf weniger als 100 Likes und 50 Tweets.
    • Umgekehrt: Artikel mit den meisten Likes, Shares und Tweets erzielten allenfalls 20 Prozent der Aufmerksamkeit der tatsächlich gelesenen Artikel.

    Oder zusammengefasst: Sichtbare Interaktion muss nicht dem wahren Interesse entsprechen. Die Zahlen täuschen sogar eher.

  3. Bannerwerbung wirkt nicht.

    Falsch! Derzeit gilt sogenannte Native Werbung als der Heilige Gral im Marketing. Gemeint sind damit in der Regel Artikel, die nicht nach Werbung aussehen, aber letztlich dazu dienen, Aufmerksamkeit für ein Produkt oder eine Marke zu generieren. Oder wie es auch genannt wird: Content Marketing.

    Tatsächlich erzielen solche Sponsored Posts zum Beispiel bei der Huffington Post stattliche Reichweiten (wenn sie gut geschrieben sind). Laut der Studie gilt das aber nicht generell: Während ein typischer Artikel eben rund 45 Prozent der Leser dazu bringt, mehr als 15 Sekunden zu verweilen (Apropos: Immer noch da? Wow! Danke!), scrollen nur noch 24 Prozent der Leser bei nativer Werbung überhaupt weiter.

    Jetzt werden manche vielleicht sagen: Na, immer noch besser als in Werbebanner zu investieren, die eh kaum einer wahrnimmt! Von „Bannerblindheit“ sprechen deshalb einige und von Klickzahlen um die 0,1 Prozent.

    Aber auch das stimmt laut Untersuchung nicht. Werbung wirkt – und hat sogar einen positiven Einfluss auf die Verweildauer. So steigt diese von 15 auf durchschnittliche 20 Sekunden, sobald Werbung dort zu sehen ist. Und 20 bis 30 Prozent der Leser erinnern diese nach der Lektüre gar noch.

  4. Am höchsten ist die Aufmerksamkeit im Kopf einer Seite.

    Falsch! Auch das ist bemerkenswert: Das Aufmerksamkeitszentrum liegt eben nicht im oberen Bereich einer Website (der Fachmann spricht hier von above the fold) oder am Anfang eines Artikels – wie etwa diese Heatmap zeigt:

    Seitenaufmerksamkeit-Heatmap

    Tatsächlich finden rund 66 Prozent der Aufmerksamkeit below the fold statt, also eher in der Mitte eines Artikels.

PS: Und wenn Sie bis hierhin gelesen haben, bedanken wir uns bei Ihnen nicht nur für das überdurchschnittliche Interesse – Sie können zugleich auch den Beweis antreten, dass Inhalte, die gelesen werden, auch geteilt, getwittert, geplusst, gepinnt werden…

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[Bildnachweis: StockLite by Shutterstock.com]
19. März 2014 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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