Depression Symptome: Das sollten Sie wissen

Wussten Sie, dass fast jeder Dritte in Deutschland im Alter von 18 bis 65 Jahren unter einer psychischen Störung leidet? Depressionen sind darunter die häufigsten. Die Wahrscheinlichkeit, einmal im Leben daran zu erkranken, liegt gemäß des Verbandes Pro Psychotherapie bei etwa 15 bis 20 Prozent. Umso wichtiger erscheint es, die Symptome einer Depression zu erkennen. Das erst recht, weil die Depression immer noch zu einer stark tabuisierten Krankheit gehört. Das liegt nicht zuletzt daran, dass so wenig darüber geredet wird. Zeit, darüber zu informieren, damit Sie im Ernstfall wissen, was zu tun ist…

Depression Symptome: Das sollten Sie wissen

Definition: Was ist eine Depression?

Depression Symptome Liste Test körperlich Mann typische Anzeichen Behandlung UrsachenJeder Mensch hat von Zeit zu Zeit Phasen, in denen er nicht besonders glücklich oder sogar traurig ist. Ein Misserfolg auf der Arbeit, eine vergeigte Klausur, das Semester, das wiederholt werden muss:

Alles kein Beinbruch und Dinge, die sich normalerweise nicht dauerhaft auf die Stimmung auswirken müssen. Selbst das schlechte Wetter oder Streit mit einer Freundin können sich in gedrückter Stimmung niederschlagen und werden schnell umgangssprachlich als „depressiv“ gekennzeichnet.

Dies entspricht allerdings nicht der medizinisch-therapeutischen Definition, die mit Depression mehr als ein vorübergehendes Stimmungstief meint. Bei einer Depression handelt es sich um eine ernsthafte psychische Erkrankung, die vielfältige Ursachen haben kann und sich ebenso unterschiedlich äußert.

Die Symptome bei Depression reichen von einem verminderten Antrieb und gedrückter Stimmung über Schlaflosigkeit und negativen Gedanken in einer Endlosschleife. Diese gehen häufig mit weiteren körperlichen Beschwerden einher und tragen zum schlechten Befinden des Betroffenen bei.

Anmerkung: Nicht alle hier geschilderten typischen Anzeichen müssen zwingend auf eine Depression hinweisen. Vielmehr kommt es auf die Häufigkeit und die Dauer der Symptome an. Es wird also anders herum ein Schuh daraus: Wer eine Depression hat, wird sehr wahrscheinlich diese Symptome zeigen.

Dieser Artikel kann jedoch weder das Gespräch mit einem Arzt, noch einem Psychiater oder Psychologen ersetzen. Wer fürchtet, betroffen zu sein oder jemanden kennt, der solche Depressionssymptome zeigt, sollte sich an einen Experten wenden.

Test: Symptome einer Depression?

Depression Symptome Liste Test körperlich Mann typische Anzeichen Behandlung UrsachenSind Sie unsicher, ob es sich lediglich um eine momentane Verstimmung handelt oder vielleicht eine Depression? Der bekannte amerikanische Psychiater Ivan Kenneth Goldberg entwickelte ein anerkanntes Diagnosetestverfahren, das für eine erste Einschätzung helfen kann.

Einen solchen Online-Test finden Sie HIER.

Auch hier gilt: Das Ergebnis des Tests stellt keine endgültige Diagnose dar. Bitte wenden Sie sich unabhängig vom Ergebnis an einen Arzt, falls Sie das Gefühl haben, an einer Depression zu leiden.

Depression: Liste der typischen Symptome

Depressionen zeigen eine Vielzahl von Symptomen, die für sich allein genommen noch nichts bedeuten müssen. Wie immer kommt es auf die Quantität und die Qualität, das heißt, die empfundene Schwere der Symptome an. Es macht einen Unterschied, ob man einfach nur mal etwas traurig ist oder sich am liebsten gleich von der nächsten Brücke stürzen möchte.

Und die Dauer spielt bei der Diagnose eine große Rolle: Wenn über zwei Wochen oder länger mindestens zwei der drei Hauptsymptome und mindestens zwei der Zusatzsymptome erkennbar sind, wird von einer Depression ausgegangen.

Bei der Diagnose wird unterschieden zwischen Haupt- und Zusatzsymptomen, daneben gibt es eine Reihe weiterer charakteristischer Symptome bei Depressionen:

Hauptsymptome gemäß internationalem Klassifikationssystem ICD-10

  • Antriebslosigkeit

    Ein stark verminderter Antrieb infolge von geringer Energie macht sich bei den Betroffenen breit. Völlig alltägliche Erledigungen wie das Aufstehen aus dem Bett, sich waschen und einkaufen, geschweige denn arbeiten zu gehen kosten immense Energie und sind kaum zu bewältigen. Stattdessen macht sich eine bleierne Müdigkeit breit.

  • Interessenslosigkeit

    Wer an einer Depression leidet, hat plötzlich keine Freude mehr an Dingen, die früher noch Spaß machten. Das Interesse und der Spaß an Aktivitäten, die immer gern mit Freunden unternommen wurden, ist verschwunden. Der Wegfall gemeinsamer Unternehmungen führt in letzter Konsequenz dazu, dass der Kontakt zu Freunden und Familie ebenfalls immer dünner wird und schließlich sogar abbrechen kann.

  • Niedergeschlagenheit

    Typisches Anzeichen einer Depression ist eine niedergeschlagene, gedrückte Stimmung. Die Betroffenen haben Schwierigkeiten, die eigenen Gefühle wahrzunehmen. Eine innere Leere macht sich breit, die von einigen Betroffenen als Gefühlskälte beschrieben wird. Die eigene Situation wird als auswegs- und hoffnungslos gesehen, gutes Zusprechen von Menschen aus dem sozialen Umfeld bewirkt keinerlei Änderung in der Wahrnehmung.

Zusatzsymptome gemäß internationalem Klassifikationssystem ICD-10

  • Konzentrationsschwierigkeiten

    Das Konzentrationsvermögen und die Aufmerksamkeitsspanne von Betroffenen ist stark eingeschränkt. Die Gedanken schweifen ständig ab, weshalb sie neue Informationen nicht mehr richtig aufnehmen können und vergesslich sind.

  • Minderwertigkeitsgefühl

    Das Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen von Depressiven ist häufig am Boden. Stattdessen überwiegen Selbstzweifel und die Ansicht, alles falsch zu machen.

  • Schuldgefühle

    Ein häufiges Symptom von Depression ist die ständige Schuldzuweisung der eigenen Person. Nie können andere Menschen oder gar Umstände Auslöser für Unglücke oder Missgeschicke sein. Selbstvorwürfe werden auch in solchen Fällen gemacht, die anderen Menschen völlig unverständlich sind. Die Betroffenen fühlen sich wert- und nutzlos, verstehen gar nicht, warum andere noch mit ihnen befreundet sind.

  • Pessimismus

    Ein Gefühl von Auswegslosigkeit macht sich breit. Die Betroffenen sind häufig nicht in der Lage, positiv in die Zukunft zu blicken. Stattdessen erwächst das Gefühl, dass die gegenwärtige Situation das Leben auf ewig bestimmen wird. Diese negative Grundhaltung legt sich wie ein Filter auf alles – rückblickend wird alles negativ eingestuft, der Blick für das Realistische geht völlig verloren.

  • Suizidgedanken

    Bei schweren Formen der Depression tauchen in ein Gedankenkarussell ein, aus dem sie fürchten nicht mehr hinauszukommen. Wird das Leben derart furchtbar und aussichtslos empfunden, entstehen Gedanken an Selbstmord. Das kann bis zu konkreten Überlegungen gehen, den Gedanken auf bestimmte Art und Weise auszuführen. Der Selbstmord wird als Erlösung aus der auswegslosen Situation gesehen. Bei manisch-depressiv Erkrankten ist das Risiko eines Suizidversuches extrem hoch.

  • Schlafstörungen

    Ebenfalls typisch sind Schlafstörungen. Meist äußern sie sich darin, dass der Erkrankte schlecht einschlafen kann. Auch Aufwachen mitten in der Nacht und nicht wieder einschlafen zu können gehört dazu.

  • Appetitlosigkeit

    Die Betroffenen haben häufig einen verminderten Appetit. Weil sie infolge des gedrosselten Appetits weniger essen, nehmen sie meist unbeabsichtigt ab.

Weitere charakteristische Symptome

  • Gefühllosigkeit

    Manche Betroffenen haben das Gefühl der Gefühllosigkeit. Selbst positive Ereignisse können nicht wahrgenommen werden, stattdessen macht sich Teilnahmslosigkeit breit. Dies spiegelt sich in ihrer Mimik und Körpersprache wider, die sie nicht situationsbedingt einsetzen können.

  • Libidoverlust

    Das Interesse an Sexualität lässt nach. Neben dem Desinteresse an Sex zeigen sich sexuelle Funktionsstörungen wie Erektionsprobleme oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.

  • Grübeln

    Von Depressionen Betroffene sind unentwegt am Grübeln und haben Schwierigkeiten, kleinste Entscheidungen zu treffen. Selbst das Entscheiden, zu welchem Lebensmittel im Regal gegriffen wird, stellt eine große Herausforderung dar, so dass schlimmstenfalls keine Ergebnisse erreicht werden.

  • Unruhe

    Manche Depressiven erleben ihre Erkrankung als krassen Gegensatz zur Antriebslosigkeit und sind von einer immerwährenden Unruhe und Rastlosigkeit getrieben.

  • Körperliche Symptome

    Daneben gibt es eine Vielzahl weiterer, körperlicher Symptome, die für sich betrachtet völlig unverdächtig wirken. Es gibt kaum einen Bereich, der nicht bei einer Depression beeinträchtigt sein könnte. Dieses Unspezifische macht eine genaue Einordnung der Symptome als Depression eben so schwer.

    Meist wird bei einer Untersuchung dieser Beschwerden keine Ursache gefunden, dennoch leiden die Betroffenen sehr darunter. In Kombination mit anderen Haupt- und Zusatzsymptomen können sie einen Hinweis für eine Depression geben:

    • Atemstörungen
    • Durchfall
    • Herzschmerzen
    • Kopfschmerzen
    • Nackenschmerzen
    • Magen-Darmprobleme
    • Menstruationsprobleme
    • Rückenschmerzen
    • Schluckstörungen
    • Schwindel
    • Übelkeit

Geschlechtspezifische Unterschiede bei Mann und Frau

Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht davon aus, dass bis 2020 weltweit Depressionen die zweithäufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit darstellen werden. Manche Wissenschaftler wie etwa der Schweizer Psychiater Raymond Battegay gehen sogar dafür aus, dass in jedem Menschen die Anlage zur Depression verankert ist.

Grundsätzlich sind die Symptome einer Depression Männern und Frauen nicht völlig unterschiedlich. Allerdings verhalten Männer sich anders als Frauen: Während Frauen deutlich offener mit psychischen Problemen umgehen, ziehen Männer sich zurück, verhalten sich aggressiv und riskant.

Ein vermehrter Alkoholkonsum kann ein Indiz für eine Depression beim Mann sein. Als Grund für das abweichende Verhalten werden rollentypische Muster vermutet – weinen gilt oftmals als schwach und unmännlich. Betrachtet man die reinen Zahlen derer, die in psychotherapeutischer Behandlung sind, sind Frauen doppelt so häufig von Depressionen betroffen wie Männer.

Also als Mann alles in Butter? Leider nein. In einigen Ländern – etwa Russland – ist die Selbstmordrate von Männern fünfmal höher als die von Frauen. In Deutschland ist sie dreimal höher, ab einem Alter von 65 Jahren steigt sie jedoch derart, dass auf eine Frau, die sich das Leben nimmt, fünf Männer kommen, die Suizid begehen.

Grund dafür: Offenbar verkraften gerade Männer den Verlust ihrer Partnerin und anderer geliebter Menschen nur schlecht. Häufig ist die Partnerin die einzige Person, der gegenüber sie sich öffnen. Fällt die weg, haben viele Männer Schwierigkeiten, ihre Gefühle zu benennen – das wiederum erschwert eine Therapie.

Behandlung depressiver Erkrankungen

Das Hauptproblem bei Depressionen ist nicht, dass sie nicht heilbar wären, sondern dass so wenige Menschen sich in Therapie begeben. Zwar sind Schätzungen zufolge 15 von 100 Menschen im Laufe ihres Lebens wenigstens einmal von einer Depression betroffen, aber nur die Hälfte von ihnen sucht einen Therapeuten auf.

Dabei sind die Erfolgsaussichten sehr gut. Voraussetzung dafür ist natürlich die eigene Erkenntnis und Mitarbeit – am besten so früh wie möglich, damit nichts chronisch wird, was noch gut ohne Medikamente behandelt werden könnte.

Je nach Ausprägung werden diese Therapieansätze bei Depressionen verfolgt:

  • Psychotherapie – meist in Form einer kognitiven Verhaltenstherapie. Gemeinsam mit einem Therapeuten werden schädliche Verhaltensmuster identifiziert und Handlungsoptionen entwickelt.
  • Medikamente – bei mittelschweren und schweren Depressionen erfolgt häufig neben einer Psychotherapie die Gabe von Antidepressiva.
  • Bewegungstherapie – kommt meist in Kombination mit anderen Therapieformen zum Einsatz. Durch den Sport wird Serotonin ausgeschüttet, was bei einer leichten Form der Depression bereits hilfreich ist.
[Bildnachweis: Photographee.eu by Shutterstock.com]
4. Juli 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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