Dienstreise ablehnen: Geht das und was droht dann?

Die ein oder andere Dienstreise gehört für viele Arbeitnehmer dazu, in manchen Branchen und Berufen ist es sogar absoluter Arbeitsalltag, dass die Mitarbeiter beruflich für einige Tage oder auch einen längeren Zeitraum unterwegs sind, Kunden oder andere Standorte besuchen und vor Ort Projekte betreuen. Schwierigkeiten kann es jedoch geben, wenn ein Angestellter die geschäftliche Reise nicht antreten will. Aber können Sie eine Dienstreise ablehnen? Oder sind Sie dazu verpflichtet, selbst längere Geschäftsreisen anzutreten, wenn Ihr Job dies erforderlich macht? Wer mit dem Gedanken spielt, eine Dienstreise abzulehnen, sollte sich vorher gründlich darüber informieren, denn bei Pflichtverletzungen im Beruf können arbeitsrechtliche Konsequenzen drohen…

Dienstreise ablehnen: Geht das und was droht dann?

Können Sie eine Dienstreise ablehnen?

Ihr Chef kommt zu Ihnen ins Büro und eröffnet Ihnen, dass ein großes Projekt im Ausland ansteht und Sie deshalb für voraussichtlich vier Wochen eine Dienstreise antreten müssen. In dieser Zeit sollen Sie den Start und die ersten Entwicklungen kontrollieren und dafür sorgen, dass das Vorhaben gut anläuft. Das war keine Frage, sondern eine Feststellung, dass Sie dort eingeplant sind und die Reise ansteht.

Dabei gibt es nur den kleinen Haken, dass Sie die Reise nicht antreten wollen oder können und deshalb die Dienstreise ablehnen wollen. Nun stehen Sie jedoch vor der Frage, ob Sie dies überhaupt können oder ob Ihr Chef das Recht auf seiner Seite hat und Sie zu einer Dienstreise verpflichten kann.

Zunächst sollten Sie einen Blick in Ihren Arbeitsvertrag werfen. Hier kann explizit geregelt sein, dass ein Mitarbeiter auch Dienstreisen anzutreten hat, wenn dies für die Ausübung der Arbeit erforderlich ist. Ist eine solche Klausel in Ihrem Vertrag festgehalten, haben Sie definitiv ein Problem, wenn Sie eine Dienstreise ablehnen wollen. Wenn Ihr Chef und Arbeitgeber darauf besteht, dann ist es auch Ihre arbeitsrechtliche Pflicht, die Reise anzutreten, zu der Sie aufgefordert wurden.

Bevor Sie sich nun aber freuen, dass dies nicht in Ihrem Arbeitsvertrag steht und Sie deshalb eine Dienstreise ablehnen können: Auch ohne den Verweis im schriftlichen Arbeitsvertrag steht es Ihrem Unternehmen grundsätzlich zu, Sie zu einer Dienstreise zu schicken. Dahinter steht das sogenannte Direktions- oder auch Weisungsrecht.

Durch dieses Recht ist es Ihrem Chef möglich, Ihnen konkretere und genauere Arbeitsanweisungen zu geben und Ihnen damit vorzuschreiben, wie oder eben auch wo Sie Ihre Arbeit erledigen müssen, wenn es im Interesse des Unternehmens ist. So kann im Einklang mit dem Weisungsrecht Ihr Arbeitsort vorübergehend im Sinne des Unternehmens an einen anderen Standort verlegt werden – auch in diesem Fall sind Sie also zur Dienstreise verpflichtet und können diese nicht ohne weiteres ablehnen.

Die ernüchternde Antwort, auf die eingangs gestellte Frage, lautet deshalb: Nein, es liegt nicht in Ihrem Ermessen als Mitarbeiter, eine Dienstreise ablehnen zu können.

Welche Gründe gibt es, eine Dienstreise abzulehnen?

Dienstreise ablehnen Recht Pflicht Gründe Konsequenzen Folgen ArbeitsrechtSie sind dazu verpflichtet, Ihre Arbeitsleistungen zu erbringen – das gilt auch, wenn Sie auf eine Geschäftsreise geschickt werden. Um eine solche Dienstreise ablehnen zu können, brauchen Sie daher einen wirklich triftigen Grund. Eine Chance, um rechtmäßig die Dienstreise ablehnen zu können, sind dabei gesundheitliche Gründe.

Lässt Ihre Gesundheit es nicht zu, dass Sie die Reise antreten und Sie haben eine ärztliche Bescheinigung, die dies nachweist, kann sich Ihr Arbeitgeber nicht einfach darüber hinweg setzen und Sie zwingen, Ihre Gesundheit zu riskieren.

Auch andere Gründe werden von Unternehmen aber durchaus akzeptiert, wenn Sie sachlich und plausibel erklären, warum Sie eine Dienstreise ablehnen wollen. Kinderbetreuung oder auch die Pflege eines Angehörigen können solche Erklärungen sein.

Wenn Sie nachvollziehbare Begründungen haben, warum Sie eine Dienstreise ablehnen wollen, sollten Sie deshalb möglichst zeitnah das offene und ehrliche Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten suchen. Gerade wenn eine Dienstreise nicht zu Ihren regelmäßigen Aufgaben im Job zählt, sondern eher eine Ausnahme ist, können Sie auf Verständnis hoffen.

Diese Konsequenzen drohen, wenn Sie eine Dienstreise ablehnen

Sollten Sie keinen wirklichen Grund aufführen können, warum Sie die Dienstreise nicht machen können oder wenn Ihr Chef stur bleibt und darauf besteht, dass Sie die Reise antreten, sollten Sie dies wenn irgendwie möglich auch tun. Wenn Sie direkt durch den Arbeitsvertrag und Ihre beruflichen Aufgaben oder durch das Direktionsrecht dazu verpflichtet sind und sich dennoch weigern, kann Ihr Arbeitgeber entsprechend darauf reagieren.

Eine abgelehnte Dienstreise kann in diesem Fall wie eine Arbeitsverweigerung gesehen werden, da Sie die Leistung, die Sie Ihrem Unternehmen aus arbeitsrechtlicher Sicht schulden, nicht erbringen.

Das mindeste, was Ihnen als Konsequenz droht, wenn Sie unrechtmäßig eine Dienstreise ablehnen, ist damit eine Abmahnung durch Ihren Chef. Damit macht dieser deutlich und auch offiziell, dass Ihr Verhalten nicht geduldet wird und eine Änderung erwartet wird. Außerdem wird es voraussichtlich das Arbeitsklima und das Verhältnis zu Ihrem Chef nachhaltig beeinflussen, wenn Sie sich schlichtweg weigern, den Anweisungen zu folgen.

Sollte sich das Thema noch weiter hochschaukeln oder sogar wiederholen, könnten Sie im schlimmsten Fall sogar gekündigt werden. Wurden Sie bereits abgemahnt, weil Sie eine Dienstreise abgelehnt haben, obwohl Sie dazu kein Recht hatten, kann Ihr Arbeitgeber Sie für Ihr wiederholtes Fehlverhalten und die anhaltende Verweigerung der Leistungserbringung kündigen.

[Bildnachweis: Roman Samborskyi by Shutterstock.com]
13. April 2018 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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