Falsche Versprechungen: Das erzählen Personaler

Manche Arbeitgeber erscheinen einfach zu schön, um wahr zu sein. Die ernüchternde Wahrheit: Leider trifft genau das in einigen Fällen zu, denn Personaler versprechen sowohl in der Stellenausschreibung als auch in einem möglichen Vorstellungsgespräch das Blaue vom Himmel, nur um qualifizierte Kandidaten in ihr Unternehmen zu locken. Häufig stellt sich dann nach kurzer Zeit heraus, dass all die falschen Versprechungen nicht gehalten werden können. Für den Bewerber eine frustrierende Situation, da er an seinem neuen Arbeitsplatz nicht glücklich wird, sich nach einer neuen Stelle umsehen muss und das Gefühl entsteht, er hätte wertvolle Zeit verschwendet. Wir zeigen, welche falschen Versprechungen Personaler erzählen, um Talente anzulocken…

Falsche Versprechungen: Das erzählen Personaler

Auf dem Arbeitsmarkt geht es nicht immer ehrlich zu

Der Arbeitsmarkt ist bekanntermaßen hart umkämpft. Die Konkurrenz geht mittlerweile so weit, dass immer häufiger geschummelt, getrickst und gelogen wird. So zeigte kürzlich eine Studie, dass 29 Prozent der Bewerber regelmäßig bei ihren Bewerbungen lügen und weitere 14 Prozent immerhin gelegentlich bei Anschreiben oder Lebenslauf nachhelfen, um einen besseren Eindruck zu hinterlassen.

Doch auch auf Seiten der Arbeitgeber geht es leider nicht immer ehrlich zu. Gerade Top Talente und Young Professionals werden auf dem Arbeitsmarkt umworben, da Personaler sie gerne in den Reihen ihres Unternehmens sehen würden. Für Bewerber kann dies eine schöne Ausgangssituation sein, die viele Türen und Möglichkeiten öffnet. Doch werden dabei auch immer wieder falsche Versprechungen von Personalern gemacht, um das eigene Unternehmen attraktiver erscheinen zu lassen, als es vielleicht ist.

Sie könnten sich geschmeichelt fühlen, dass ein Personaler Sie unbedingt gewinnen möchte. Doch in der Realität sind solche falschen Versprechungen meist nur ein Auslöser für Ärger und Frust. Der Grund dafür ist relativ simpel: Sie fühlen sich betrogen.

  • Ihnen wurden falsche Hoffnungen gemacht. Ein neuer Job bringt immer auch Hoffnungen und Erwartungen mit. Werden diese erst vom Personaler nach oben geschraubt, nur um beim Einstieg in den Job nicht eingehalten zu werden, sind Bewerber verständlicherweise enttäuscht und verärgert.
  • Ihnen wurden Möglichkeiten genommen. Hätten Sie sich für einen anderen Arbeitgeber entschieden, wäre vielleicht alles anders gekommen. Dieser hat aber bereits einen anderen Kandidaten eingestellt und Ihre Chance ist vergangen, weil Sie einer Lüge auf den Leim gegangen sind.
  • Ihnen wurde Zeit gestohlen. Selbst wenn sich herausstellt, dass die Versprechungen nichts weiter waren als Lügen und Übertreibungen, ist dennoch einige Zeit vergangen – Monate oder vielleicht sogar Jahre, die man lieber an der richtigen Stelle investiert hätte.

Warum werden Bewerbern falsche Versprechungen aufgetischt?

Schwer vorstellbar, dass Unternehmen und Personaler wirklich glauben, dass die falschen Versprechungen langfristig unentdeckt bleiben. Spätestens nach einiger Zeit im Job bemerkt jeder, ob es sich wirklich um den hoch angepriesenen Traumjob oder doch eher um eine gewöhnliche 0815-Stelle handelt.

Dennoch gibt es einige Gründe, warum Bewerber mit falschen Versprechungen konfrontiert werden:

  • Die Konkurrenz schläft nicht. Mitarbeiter und deren Know-How sind eine der wichtigsten Ressourcen jedes Unternehmens und somit können sie auch über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Bei vielen konkurrierenden Unternehmen in der Branche ist der Druck groß, die besten Bewerber anzuwerben und selbst zu beschäftigen.
  • Das Geld ist knapp. Rekrutierungsprozesse kosten Geld, noch viel mehr, wenn Headhunter damit beauftragt werden, die passenden Talente zu finden und möglicherweise abzuwerben. Da dieses Geld nicht immer da ist, greifen manche auf andere Mittel und Wege zurück, um die gewünschten Mitarbeiter zu finden.
  • Es geht um das Image. Unternehmen bauen sich mit der Zeit ein bestimmtes Image auf – sowohl gegenüber den eigenen Mitarbeitern, als auch gegenüber neuen Bewerbern. Im Vorstellungsgespräch werden also Informationen verbreitet, die diesem Image entsprechen. Auch wenn diese vielleicht nicht die ganze Wahrheit zeigen.

Fallen Sie nicht auf falsche Versprechungen herein

Ziel dieses Artikels ist nicht, dass Sie paranoid und voreingenommen in jedes Vorstellungsgespräch gehen und jede Aussage Ihres Gesprächspartners für eine dreiste Lüge halten. Selbstverständlich gibt es auch zahlreiche ehrliche Personaler und gute Arbeitgeber, die ihre Versprechen halten und ihnen große Chancen zum persönlichen und beruflichen Wachstum bieten. Während des Vorstellungsgesprächs kommt es auf ein gesundes Mittelmaß an: Legen Sie nicht jedes Wort auf die Goldwaage, aber verhalten Sie sich auch nicht leichtgläubig. Halten Sie sich immer vor Augen, ob das, was der Personaler Ihnen verspricht, zu Ihrem Gesamtbild des Unternehmens passt. Wir haben vier falsche Versprechungen für Sie zusammengefasst, mit denen Personaler einen Arbeitsplatz beschönigen.

  1. Es bestehen große Chancen für beruflichen Aufstieg

    Bereits beim Vorstellungsgespräch von möglichen Beförderungen zu sprechen, erzeugt bei vielen Bewerbern ein gutes Gefühl. Wer könnte einem Arbeitgeber widerstehen, bei dem der Aufstieg auf der Karriereleiter scheinbar so leicht zu realisieren ist? Für Beförderungen muss allerdings auch das Unternehmen erfolgreich wachsen. Informieren Sie sich daher über die Branche und die Entwicklungen, um herauszufinden, wie groß Ihre Chancen auf die erhoffte Beförderung wirklich sind.

  2. Wir bieten flexible Arbeitszeiten

    Dieser Satz ist Musik in den Ohren vieler Bewerber. Flexible Arbeitszeiten oder vielleicht sogar die Chance, einen Teil der Arbeit im Home Office zu erledigen – gerade für Arbeitnehmer mit Familie sind das tolle Aussichten. Einige Arbeitgeber können genau das bieten, aber leider nicht alle. So finden sich Arbeitnehmer plötzlich doch täglich von 9 bis 17 Uhr im Büro wieder und die Arbeit von Zuhause aus ist auch kein Thema mehr. Sprechen Sie beispielsweise bei einem Probearbeitstag mit den Kollegen und fragen nach, wie flexibel die Arbeitszeit tatsächlich gestaltet wird.

  3. In Zukunft stehen viele spannende Projekte an

    Das ist gut möglich, doch welche genau sind das? Und wie sind Sie daran beteiligt? Arbeitgeber wollen die Tätigkeiten besonders interessant und aufregend präsentieren, doch das ist nicht immer die Wahrheit. Fragen Sie konkret nach und lassen Sie sich genauer von den Projekten berichten. So finden Sie schnell heraus, ob der Personaler nur mit einer Floskel jongliert hat oder ob tatsächlich bereits feste Planungen zu neuen Projekten anstehen, die in den Aufgabenbereich Ihres neuen Jobs fallen würden.

  4. Wir melden uns dann bei Ihnen

    Eine besonders frustrierende und entmutigende Versprechung, wenn sie nicht eingehalten wird. Nach dem Vorstellungsgespräch macht man sich Hoffnungen und wartet meist sehnsüchtig auf den erlösenden Anruf – ob nun positiv oder negativ. Wurde ein Zeitrahmen gesetzt und dieser wird nicht eingehalten, kostet es eine Menge Nerven.

  5. Ihr Gehalt wird sich schnell erhöhen

    Die Bezahlung ist für viele Bewerber ein wichtiger Faktor bei der Entscheidung für oder gegen ein Jobangebot. Um die Stelle schmackhafter zu machen, versprechen Personaler daher auch manchmal, dass Ihr Gehalt sich vermutlich sehr schnell erhöhen wird. Wird dies aber nicht schriftlich im Arbeitsvertrag festgehalten, haben Sie keine Garantie dafür. Gehaltserhöhungen kommen nur selten kurzfristig und noch seltener ohne harte Arbeit. Die Aussicht auf ein höheres Gehalt ist verlockend, doch lassen Sie sich davon nicht blenden.

[Bildnachweis: nito by Shutterstock.com]

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26. September 2016 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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