Familienstand: In der Bewerbung angeben?

Durch Online-Profile und die Recherche von Personalern werden Jobsuchende zunehmend zu gläsernen Bewerbern. Kaum eine Information, keine Fähigkeit und keine Details aus dem Lebenslauf, die bei der Auswahl von Mitarbeitern nicht analysiert und beachtet werden. Dennoch sind gibt es Aspekte in der Bewerbung, bei denen Unsicherheit unter Bewerbern herrscht. Ein großes Fragezeichen ist dabei der Familienstand. Ob nun verheiratet, ledig oder auch geschieden – müssen Sie in Ihren Unterlagen auf diese privaten Informationen eingehen, die nichts mit dem Job zu tun haben? Was Sie zum Familienstand in der Bewerbung wissen müssen, warum es so ein heikles Thema ist und wie Sie damit umgehen können…

Familienstand: In der Bewerbung angeben?

Ist der Familienstand eine Pflichtangabe in der Bewerbung?

Sind Kandidaten verheiratet oder ledig? Sind sie vielleicht geschieden oder haben Sie Kinder? Lange Zeit war es in Bewerbungsunterlagen Standard, diese Angaben zu machen. Schließlich gehören Sie zu den persönlichen Daten eines Bewerbers. Allerdings sollten Sie sich bei der Erstellung von Lebenslauf und Anschreiben nicht an diesen alten Bräuchen orientieren, so war es beispielsweise auch üblich, Eltern und (falls vorhanden) die Geschwister im Lebenslauf anzugeben. Auch das wird heute jedoch nicht mehr gemacht.

So gilt zum Familienstand zunächst einmal: Es gibt keine Pflicht, diesen zu nennen und einen potenziellen Arbeitgeber über Ihre private Situation zu informieren. Dahinter stehen die Regelungen des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG), das besagt, dass niemand aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität benachteiligt werden darf. Und so gilt eben auch, dass der Familienstand die Entscheidung für oder gegen einen Bewerber nicht beeinflussen darf.

Es soll nach Qualifikation, Fähigkeit, Ausbildung und beruflichem Werdegang entschieden werden, welcher Kandidat den Job bekommt. Aus diesem Grund ist auch das Bewerbungsfoto kein Pflichtbestandteil in den Unterlagen mehr, um zu verhindern, dass das Aussehen oder die Herkunft eines Kandidaten die Auswahl beeinflussen kann.

Leider ist genau das aber auch beim Familienstand möglich und immer wieder der Fall. So wurde bereits oft der Ratschlag für Bewerber laut, den Familienstand einfach ganz aus dem Lebenslauf zu streichen. So soll möglichen negativen Implikationen vorgebeugt werden, die einige Personalverantwortlichen in den Angaben sehen.

Mögliche negative Implikationen bei Angabe des Familienstands

Ob ein möglicher Mitarbeiter verheiratet oder Single ist, scheint auf den ersten Blick wenig bis gar nichts mit der beruflichen Situation und seiner Qualifikation für eine offene Stelle zu tun zu haben. Personaler würden dieser Ansicht wohl widersprechen, denn tatsächlich kann in der Angabe des Familienstands eine Menge Subtext enthalten sein, der interpretiert wird und somit auch für die Entscheidung eine Rolle spielen kann.

Für Sie als Kandidat ist das Problem, dass die meisten davon negativ sind und nicht zu Ihren Gunsten ausgelegt werden. Nicht ohne Grund ist der Familienstand durch das AGG keine Pflichtangabe, um allen Bewerbern die gleiche Chance auf den Job einzuräumen.

Falls Sie sich noch nicht vorstellen können, welche Vorurteile und Implikationen der Familienstand mitbringen kann, haben wir zwei klassische Beispiele aufgelistet:

  • Familienstand: Ledig

    Singles scheinen über besonders gute Voraussetzungen zu verfügen. Sie sind flexibel, noch nicht fest an einen Ort gebunden und haben eine entsprechend große Mobilität. Das lässt sich jedoch auch von der anderen Seite aus sehen: Singles sind möglicherweise weniger loyal und sobald sich eine andere Gelegenheit bietet, könnte der Kandidat diese wahrnehmen.

    Noch schwieriger wird es bei ledigen Bewerbern mit Kindern. Alleinerziehende tragen besonders große Verantwortung, die Flexibilität geht hier gänzlich verloren und die Betreuung von Kindern bedeutet aus Sicht des Arbeitgebers immer auch Tage, an denen der Mitarbeiter fehlt und ersetzt werden muss.


  • Familienstand: Verheiratet

    Auf der positiven Seite erwecken verheiratete Bewerber zunächst einmal den Eindruck von Stabilität und damit möglicherweise auch langfristiger Zusammenarbeit mit dem Unternehmen. Anders als Singles sind Ehepaare enger an einen Ort gebunden, da auch der Partner in der Regel einen festen Job hat. Ebenso kann dieser Familienstand aber implizieren, dass dieser Mitarbeiter keine Überstunden machen kann und will und auch nicht für längere Zeit auf Geschäftsreisen geschickt werden möchte, weil seine Familie zuhause wartet.

    Dies gilt umso mehr, wenn bereits Kinder vorhanden sind. Ist die Ehe kinderlos, gehen die meisten Personaler davon aus, dass es noch so ist. Soll heißen: Gerade bei verheirateten Frauen rechnen Unternehmen damit, dass diese auf kurz oder lang schwanger werden und in Elternzeit gehen.

So kann jeder Familienstand und die jeweils individuelle Situation unterschiedliche Auswirkungen auf den Bewerbungserfolg haben. Wer hingegen gleich gänzlich auf die Angabe in der Bewerbung verzichtet, geht erst gar nicht das Risiko ein, an einen Personaler zu geraten, der sich auf mögliche negative Dinge konzentriert und die Unterlagen vielleicht vorzeitig aus dem Auswahlprozess aussortiert.

Möglich ist dies auf jeden Fall und da die Information über den Familienstand eben keine Pflicht ist, sind Sie bei diesem Vorgehen auch auf der sicheren Seite. Allerdings gibt es einige Argumente, warum es durchaus besser sein kann, den Familienstand eben doch anzugeben.

So können Sie mit dem Familienstand in der Bewerbung umgehen

Wenn der Familienstand sich möglicherweise negativ auf die Jobsuche auswirken kann, warum sollte ich ihn dann trotzdem angeben? Die Sorgen von Bewerbern sind nachvollziehbar, doch tatsächlich ist es in vielen Fällen sinnvoll, die Informationen über die private Situation zu machen, auch wenn diese nicht verpflichtend sind.

Der erste Grund: Ein möglicher Arbeitgeber wird ohnehin über Ihre familiäre Situation informiert werden. Selbst wenn Sie in der Bewerbung noch dazu Schweigen, kommt Ihr Familienstand spätestens dann ans Licht, wenn Sie einen Arbeitsvertrag unterzeichnen und das Unternehmen Ihre Steuerklasse erfährt. Auch das Argument Dann habe ich den Job ja schon in der Tasche zieht nur bedingt, denn wenn ein Arbeitgeber es wirklich darauf anlegt, hat er noch die gesamte Probezeit, um die Zusammenarbeit unkompliziert wieder zu beenden.

Hinzu kommt als zweiter Grund, dass gesunde und gut funktionierende Arbeitsverhältnisse auf gegenseitigem Vertrauen beruhen sollten. Beginnt bereits alles damit, dass Sie etwas verschweigen, weil Sie befürchten, den Job aufgrund vollständiger Informationen nicht zu bekommen, ist bereits das Fundament der Zusammenarbeit sehr wackelig. Zudem sollten Sie sich fragen: Wollen Sie überhaupt bei einem Unternehmen arbeiten, dass sich aufgrund des Familienstands gegen Sie entscheidet?

Ohnehin würden hier in Zukunft viele Probleme anstehen, die aus dem fehlenden Verständnis gegenüber der Situation des Mitarbeiters resultieren. Dann besser gleich mit offenen Karten spielen, lieber zwei Bewerbungen mehr schreiben, dafür aber mit Ehrlichkeit und einem guten Gefühl in den neuen Job starten.

[Bildnachweis: Stokkete by Shutterstock.com]

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30. Januar 2018 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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