Frauenrechte am Arbeitsplatz: Was Sie wo (nicht) dürfen

Frauen nehmen die Pendlerpauschale genauso in Anspruch wie Männer. Immer mehr von ihnen studieren Ingenieurwissenschaften und Informatik. Sie beantragen ihren Personalausweis beim Einwohnermeldeamt, eröffnen ein Bankkonto, melden ein Gewerbe an und reisen alleine ins Ausland. Na klar, was soll das? Ist doch ganz selbstverständlich. Leider nein. Wir zeigen Ihnen mal, was Frauen auf Planet Erde im Arbeitsleben alles so NICHT dürfen. Bitte anschnallen!

Frauenrechte am Arbeitsplatz: Was Sie wo (nicht) dürfen

Frauenrechte am Arbeitsplatz: Hier nicht

In einigen Tagen ist es soweit: Ab dem 1. Januar 2016 gilt die Frauenquote für DAX-Unternehmen. 30 Prozent ihrer Aufsichtsräte sollen alsbald weiblich sein. Die Quote muss ab kommendem Jahr sukzessive umgesetzt werden, kommt immer dann ins Spiel, wenn neue Aufsichtsratsposten zu besetzen sind. Manche werten die Regelung als Fortschritt oder zumindest notwendiges Übel, andere als Gängelung und Bürokratiemonster.

Egal, wie man zur Frauenquote steht: Bis zur praktischen Gleichstellung der Geschlechter ist es in Deutschland noch ein weiter Weg. Rechtlich ist sie dagegen schon sehr weit vorangeschritten, das dürfte niemand bestreiten, der seine sieben Sinne noch beisammen hat. Selbstverständlich ist das keineswegs. Ein Report der Weltbank hat genau aufgeschlüsselt, welche Restriktionen Frauen weltweit im Berufsleben auferlegt werden.

Frauen: Rechtlos?

Ergebnis: In 155 von 173 untersuchten Volkswirtschaften gibt es mindestens eine Einschränkung für Frauen, die es für Männer nicht gibt.

  • In 30 Ländern können Frauen ihren Pass nicht selbst beantragen, zum Beispiel in Ägypten und den Philippinen.
  • In 30 Ländern können sie nicht frei entscheiden, wo sie wohnen, in Bahrain und Katar beispielsweise.
  • In vier Ländern können sie kein eigenes Gewerbe anmelden: in Bhutan, der Demokratischen Republik Kongo, Pakistan und Surinam.
  • Im Kongo dürfen sie zudem kein Bankkonto eröffnen und keinen Verträge unterschreiben.

Viele dieser Ungleichheiten, die die Weltbank identifiziert hat, betreffen zwar nicht direkt „Frauenrechte am Arbeitsplatz“, indirekt aber schon. Sie schränken die Geschäfts- und Arbeitsfähigkeit massiv ein, machen es Frauen schwerer, einen Job zu ergreifen und ein selbstständiges (Berufs-)Leben zu führen.

Aber das ist längst nicht alles: In 18 Ländern können Männer ihren Frauen sogar direkt untersagen, einen Job anzunehmen, darunter in so unterschiedlichen Kulturen wie Bahrain, Kamerun, Bolivien oder dem Iran. Derlei Gängelungen sind aber keineswegs auf Entwicklungs- oder konservative islamische Länder beschränkt. Insgesamt 100 Staaten kennen laut Weltbank Gesetze, die es Frauen verbieten, in bestimmten Branchen und Berufen oder zu bestimmten Uhrzeiten zu arbeiten. Darunter sind auch acht der 32 OECD-Staaten: Chile, Tschechien, Frankreich, Israel, Japan, Südkorea, Polen und Slowenien.

Hier sind ein paar (teilweise) skurrile, aber dennoch bezeichnende Beispiele. Folgende Tätigkeiten dürfen Frauen qua Gesetz nicht ausüben …

Diese Tätigkeiten dürfen Frauen nicht ausüben

  • Argentinien

    Frauen dürfen nicht mit explosiven oder leicht entflammbaren Materialien arbeiten, zum Beispiel als Maschinistin. Sie dürfen keine Kräne be- oder entladen und keine glühenden Materialien transportieren. Frauen dürfen keine sich bewegenden Maschinen ölen und reinigen. Sie dürfen nicht in einer Arbeitsumgebung arbeiten, die Staub oder giftige Dämpfe enthält. Sie dürfen keinen Alkohol brennen und generell keine alkoholischen Getränke produzieren.

  • Madagaskar

    Frauen dürfen keine Literatur, Poster, Bilder und andere Gegenstände anfertigen, transportieren oder verkaufen, deren Zurschaustellung gegen Gesetze verstößt oder unabhängig von Gesetzen gegen die Moral verstößt.

  • Pakistan

    Frauen dürfen in einer Fabrik nicht im gleichen Raum mit baumwollverarbeitenden Maschinen arbeiten. Sie dürfen in einer Fabrik keine Maschinen, die in Betrieb sind, säubern, ölen oder einstellen, und sie dürfen nicht zwischen sich bewegenden Teilen von Maschinen arbeiten.

  • Vereinigte Arabische Emirate

    Frauen ist die Arbeit in Gerbereien und Bars verboten. Sie dürfen nicht mit Düngemitteln arbeiten, die Tierkot oder Tierblut enthalten. Frauen dürfen keine mechanischen Maschinen bedienen, reparieren oder säubern und keine Schweißarbeiten durchführen. Sie dürfen Tieren nicht die Haut abziehen, sie zerhacken und enthaaren.

  • Frankreich

    Frauen ist es untersagt, Lasten von mehr als 25 Kilogramm zu transportieren oder – mit einer Schubkarre – von mehr als 45 Kilogramm.

  • Russland

    Frauen ist unter anderem die Tätigkeit als LKW-Fahrer in der Landwirtschaft, Führer von Güterzügen, Hafen- und Deckarbeiter, Holzarbeiter, Fahrer von Planierraupen, Klempner, Metallschmelzer und Antennen-Installateur in großen Höhen untersagt. Inegsamt gibt es in Russland 456 Berufsbilder, die Frauen nicht ausüben dürfen. 2009 hatte sich eine Frau in St. Petersburg als Fahrerin für die Metro beworben und wurde abgelehnt, weil es das Gesetz nicht zuließ. Sie zog vor Gericht, der Oberste Gerichtshof aber bestätigte das Urteil mit der Begründung, es sei Aufgabe des Staates, die Gesundheit von Frauen zu schützen.

[Quelle: Women, Business and the Law Database, Weltbank]

Reformen für Frauenrechte im Beruf

In gerade einmal 18 Ländern sind die rechtlichen Rahmenbedingungen für beide Geschlechter in den untersuchten Rechtsbereichen völlig identisch: Nein, Deutschland gehört nicht dazu. Dafür aber Armenien, Kanada, die Dominikanische Republik, Estland, Ungarn, Kosovo, Malta, Mexiko, Namibia, Niederlande, Neuseeland, Peru, Puerto Rico, Serbien, Slowakei, Südafrika, Spanien und Taiwan.

Und darüber hinaus bewegt sich etwas. Insgesamt sind in den letzten zwei Jahren in 65 Ländern 94 Reformen für Frauenrechte im Beruf durchgesetzt worden, davon 19 in Europa. So hat Weißrussland jüngst die Zahl der Berufe, in denen Frauen nicht arbeiten dürfen, verringert – von 252 auf 181. Ägypten stellt sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz künftig unter Strafe. Und in Serbien müssen Arbeitgeber Müttern in der Stillphase bald Pausen einräumen – zum Stillen.

Die Gleichstellung der Geschlechter ist auf diesem Planeten aber noch sehr weit entfernt. Deutschland scheint da mit seiner Frauenquote auf gar keinem schlechten Weg zu sein …

[Bildnachweis: LDWYTN by Shutterstock.com]
17. Dezember 2015 Autor: Sebastian Wolking

Sebastian Wolking ist Redakteur der Karrierebibel. Er hat Geschichte, Politikwissenschaften und Germanistik studiert und als Online-Redakteur gearbeitet. Sein Interesse gilt den Veränderungen des Arbeitsmarktes durch die digitale Revolution.

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