Gallup Index: Zwei Drittel schieben Dienst nach Vorschrift

Verbessert hat sich die Stimmung in den Unternehmen nicht. Knapp sieben von zehn Arbeitnehmern (67 Prozent) spulen tagsüber nur eine Standardprozedur ab und schieben Dienst nach Vorschrift. Eine hohe emotionale Bindung an das Unternehmen verspüren gerade einmal 16 Prozent. Die anderen 17 Prozent haben bereits innerlich gekündigt und suchen womöglich schon nach einem neuen Job. Das ist das Ergebnis der jährlich wiederkehrenden Umfrage des Gallup-Instituts, dem sogenannten Engagement-Index oder Gallup-Index. Immerhin: Die Zahl der innerlich Gekündigten sank jetzt um 6 Prozentpunkte, im Vorjahr waren es noch 24 Prozent.

Gallup Index: Zwei Drittel schieben Dienst nach Vorschrift

Kaum Engagement im Job

Die Betroffen schleppen sich meist schon am Montag mit der Frage ins Büro: Wann ist endlich wieder Wochenende? Allerdings unterscheidet sich die Lage laut Umfrage durchaus zwischen Ost und West: In Westdeutschland haben nur 15 Prozent innerlich gekündigt, im Osten sind es 24 Prozent.

Die Bezahlung könnte hierfür ein Grund sein: Nur rund jeder Zweite (53 Prozent) sagt, er sei mit der Bezahlung zufrieden. Der zweite Grund: Stress. 58 Prozent der frustrierten Belegschaft sagten, sie hätten das Gefühl durch den Arbeitsstress innerlich ausgebrannt zu sein.

Der Chef, sonst ein klassischer Grund, den Job zu hassen oder zu kündigen, scheint als Auslöser auszuscheiden: Rund zwei Drittel (67 Prozent) bescheinigen ihren Vorgesetzten gute Führungsqualitäten.

Die Auswirkungen der geringen Bindung sind trotzdem dramatisch: Die Mitarbeiterfluktuation steigt. 66 Prozent der innerlich Gekündigten haben vor, im laufenden Jahr den Job zu wechseln. Nur 21 Prozent von ihnen wollen hier überhaupt noch Karriere machen. Umgekehrt: Von den emotional verbundenen Mitarbeitern sagen das 65 Prozent.

Und diese ungewollte Fluktuation kostet. Dadurch entstehen Kosten für Neueinstellungen, Stellenausschreibungen, Auswahlverfahren, Einarbeitung bis hin zu Wissensverlust und Kundenabwanderungen.

Laut den Hochrechnungen des Gallup-Instituts könnten Unternehmen mit 2000 Mitarbeitern bis zu 420.000 Euro sparen, wenn Sie allein den Anteil der frustrierten um fünf Prozent senken und den Anteil der loyalen Mitarbeiter im gleichen Verhältnis steigern würden.

Der Gallup Engagement Index im Jahresvergleich

Wie ist das Ergebnis zu werten? Schaut man sich den Gallup-Index an, ob und wie er sich im Laufe der Jahre verändert hat, stellt man jedoch fest, dass sich die Werte seit Jahren kaum verändern – oder wenn, dann eben nur marginal. Die Zahl jener, die Dienst nach Vorschrift schieben ist zwar in rund zehn Jahren ebenfalls um rund zehn Prozent gestiegen. Aber eine dramatische Veränderung sieht anders aus:

Tabellarische Übersicht des Index

JAHRGeringe BindungInnerlich gekündigtLoyal
2013671716
2012612415
2011632314
2010662113
2009662311
2008672013
2007682012
2006681913
2005691813
2004691813
2003701812
2002691615
2001691516

Das lässt durchaus einige Kritik am Gallup-Index zu. Vor allem muss man sich fragen: Warum sind die Unternehmen nicht längst pleite, wenn seit Jahren rund jeder Fünfte (innerlich) gekündigt hat?

Tatsächlich lässt sich leicht alle Verantwortung den Chefs aufbürden. Und ich meine, an der Stelle wird die Studie der Situation in den Unternehmen auch nicht gerecht. Dort gibt es einfach auch viele Frustrierte, die nach der Möhre vor der Nase verlangen, damit sie überhaupt mal lostraben. Und wenn dem Chef irgendwann das Zuckerbrot ausgeht und nur noch die Peitsche wirkt, dann klagen sie erst recht und gehen in den inneren Ruhestand. Solche Mitarbeiter suchen in allen anderen die Ursache und delegieren Verantwortung weit von sich. Und das sind – wie man aus dem Gallup-Index ebenso ablesen könnte – seit Jahren rund ein Viertel der Belegschaft.

Machen Sie schon Dienst nach Vorschrift?

Aber: Es gibt eben auch die anderen. Jene, die einmal hochmotiviert angefangen haben und dann von ihren minderbegabten Führungskräften ausgebremst und demotiviert werden: Das geht ganz leicht: Einfach loben, anerkennen, wertschätzen aussetzen – schon wächst der Frust.

Man muss sich fragen: Ist es wirklich so schwer oder zu viel verlangt, Mitarbeitern regelmäßig offene Ohren zu schenken, sie zu loben und individuell zu führen? Das Klopfen auf die Schulter liegt zwar nur ein paar Rückenwirbel über dem Tritt in den Steiß – in Sachen Effizienz ist es diesem aber deutlich überlegen.

[Bildnachweis: Photographee.eu by Shutterstock.com]
31. März 2014 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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