Google News Feed | karrierebibel.de https://karrierebibel.de Alle Tipps zu Bewerbung, Ausbildung, Studium, Job und Arbeitsrecht Tue, 16 Jul 2019 18:23:14 +0000 hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.10 4 Karrierefragen, die sich jeder stellen muss https://karrierebibel.de/karrierefragen/ Tue, 16 Jul 2019 16:00:35 +0000 Nils Warkentin http://karrierebibel.de/?p=60602 Wir tun gerne so, als würden wir alles wissen. Welcher Beruf zu uns passt, was wir mit unserem Leben anfangen wollen und wohin der Weg uns führen wird. Eine Illusion, die wir dadurch aufrecht erhalten, dass wir uns die wichtigen Fragen nicht einmal stellen. Eine Mentalität und Strategie des Selbstbetrugs, die viele Risiken birgt. Ehrlichkeit zu sich selbst wäre ein besserer – wenn auch manchmal unangenehmerer – Weg. Wir zeigen vier Karrierefragen, die sich jeder stellen muss…

Diese vier Karrierefragen muss sich jeder stellen

Freunde und Familie sind oft gute Ratgeber, wenn es Schwierigkeiten gibt und man selbst nicht weiter weiß. Das gilt auch für Fragen bezüglich der Karriere, doch am Ende des Tages müssen Sie selbst wissen, was am besten für Sie ist. Das gelingt nur, indem Sie in sich gehen und sich einige Fragen stellen. Denken Sie aber bitte daran, dass es hier darum geht, ein ehrliches Selbstbild zu erhalten. Nehmen Sie sich deshalb die nötige Zeit, um sich mit den Fragen auseinanderzusetzen, sich ernsthafte Gedanken zu machen und eine aufrichtige Reaktion darauf zu finden.

  1. Was sind Ihre Fähigkeiten und Talente?

    Eine absolut essenzielle Frage, die bereits am Anfang jedes beruflichen Werdegangs beantwortet werden muss. Worin sind Sie gut? In welchem Bereich verbessern Sie sich schnell? Wenn Sie wissen, wo Ihre Stärken liegen, können Sie diese bei der Auswahl Ihres Berufes berücksichtigen und steigern damit nicht nur die Chancen auf beruflichen Erfolg.

    Gleichzeitig werden Sie glücklicher und zufriedener, da Sie sich in einem Job wiederfinden, der zu Ihrer Persönlichkeit passt, Ihnen neue Herausforderungen und die Möglichkeit zur Entwicklung gibt. Daher ist Ehrlichkeit in diesem Punkt besonders wichtig. Es bringt nichts, sich selbst zu belügen oder sich vorzumachen, man würde über diese oder jede Fähigkeit verfügen.

  2. Wie stellen Sie sich Ihren Beruf vor?

    Jeder Mensch hat seine individuelle Arbeitsweise. Die einen brauchen den ständigen Austausch im Team, um kreativ zu bleiben, andere ziehen sich vollkommen zurück und dürfen nicht gestört werden. Manche sind immer auf Achse, andere arbeiten gerne an einem zentralen Ort. Die einen draußen, die anderen drinnen…

    Wer bei der Berufswahl seine eigenen Arbeitsstil unbeachtet lässt, wird dies früher oder später bereuen. Anfangs mag man sich vielleicht mit der Situation arrangieren können – gerade wenn die Bezahlung stimmt – kommt dann aber noch Stress dazu, bricht das Kartenhaus schnell zusammen.

    Anstatt sich nur auf die Kernpunkte des Gehaltes und der Arbeitszeit zu konzentrieren, sollte der Fokus auch auf den damit verbundenen Arbeitsbedingungen liegen. Was bringt eine gute Bezahlung, wenn man jeden Tag unzufrieden zur Arbeit trottet?

  3. Welchen Stellenwert hat die Arbeit in Ihrem Leben?

    Ja, wir alle müssen arbeiten, um Geld zu verdienen, Rechnungen zu bezahlen und uns die schönen Dinge leisten zu können, von denen wir lange geträumt haben. Doch manchmal hat Arbeit noch einen ganz anderen Stellenwert.

    Manch einer geht regelrecht in seiner Tätigkeit auf, findet darin sein persönliches Glück und möchte um nichts auf der Welt darauf verzichten. Auf der anderen Seite gibt es Familienmenschen, die sich lieber um Ihre Kinder kümmern und und die Arbeit nur als Mittel zum Zweck und großen Zeitverlust betrachten.

    Schon das Wissen, zu welcher Kategorie man selbst zählt, kann helfen, Probleme frühzeitig zu erkennen, etwa wenn ein Familienmensch vor die Wahl gestellt wird, eine besser bezahlte Stelle anzunehmen, für die er jedoch die gesamte Woche unterwegs wäre und nur noch am Wochenende Zuhause sein könnte.

  4. Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus?

    Auf kurz oder lang kommt niemand an dieser Karrierefrage vorbei, die bereits in Vorstellungsgesprächen häufig gestellt wird: Wo sehen Sie sich in fünf, zehn oder auch zwanzig Jahren? Was jetzt noch Zukunftsmusik zu sein scheint, hat ganz konkrete Auswirkungen in der Gegenwart.

    Wer nicht weiß, wohin er sich entwickeln möchte, läuft Gefahr, nur auf der Stelle zu treten und schnell überholt zu werden. Gerade in der schnelllebigen Zeit, in der wir uns befinden, ist es unerlässlich, auf Veränderungen eingestellt zu sein und zu wissen, was man in Zukunft erreichen möchte.

    Ein langfristiges Ziel macht dazu nicht nur glücklicher, weil man weiß, worauf man hinarbeitet, sondern gibt auch eine Richtung vor, die bei zukünftigen Entscheidungen ausschlaggebend sein kann. Auch die Motivation steigt, wenn man weiß, wofür man die Strapazen auf sich nimmt.

Kennen Sie schon unser Schwesterportal Karrierefragen.de?

Kennen Sie schon unser Schwesterportal Karrierefragen.de?Apropos Karrierefragen: Wenn Sie selbst sehr konkrete Fragen haben – zur Bewerbung, zur Jobsuche, zur Karriere -, dann schauen Sie sich doch mal auf unserem Schwesterportal Karrierefragen.de um.

Weil wir hier auf der Karrierebibel – schon aus Zeitgründen – keine Einzelfall-Beratung leisten können, haben wir Karrierefragen gestartet. Dahinter verbirgt sich eine Community-Seite für Menschen, die Rat suchen und Rat geben – rund um die Themen Ausbildung, Bewerbung, Berufswahl, Arbeitgeber, Gehalt & Karriere. Sie lebt davon, dass alle, die mitmachen, Wissen teilen, Spaß haben und sich gegenseitig respektieren und unterstützen.

Die Teilnahme und das Nutzen der Seite ist natürlich 100 Prozent kostenlos. Einfach anmelden und mitmachen.

[Bildnachweis: ImageFlow by Shutterstock.com]
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Wir tun gerne so, als würden wir alles wissen. Welcher Beruf zu uns passt, was wir mit unserem Leben anfangen wollen und wohin der Weg uns führen wird. Eine Illusion, die wir dadurch aufrecht erhalten, dass wir uns die wichtigen Fragen nicht einmal stellen. Eine Mentalität und Strategie des Selbstbetrugs, die viele Risiken birgt. Ehrlichkeit zu sich selbst wäre ein besserer – wenn auch manchmal unangenehmerer – Weg. Wir zeigen vier Karrierefragen, die sich jeder stellen muss…

Diese vier Karrierefragen muss sich jeder stellen

Freunde und Familie sind oft gute Ratgeber, wenn es Schwierigkeiten gibt und man selbst nicht weiter weiß. Das gilt auch für Fragen bezüglich der Karriere, doch am Ende des Tages müssen Sie selbst wissen, was am besten für Sie ist. Das gelingt nur, indem Sie in sich gehen und sich einige Fragen stellen. Denken Sie aber bitte daran, dass es hier darum geht, ein ehrliches Selbstbild zu erhalten. Nehmen Sie sich deshalb die nötige Zeit, um sich mit den Fragen auseinanderzusetzen, sich ernsthafte Gedanken zu machen und eine aufrichtige Reaktion darauf zu finden.

  1. Was sind Ihre Fähigkeiten und Talente?

    Eine absolut essenzielle Frage, die bereits am Anfang jedes beruflichen Werdegangs beantwortet werden muss. Worin sind Sie gut? In welchem Bereich verbessern Sie sich schnell? Wenn Sie wissen, wo Ihre Stärken liegen, können Sie diese bei der Auswahl Ihres Berufes berücksichtigen und steigern damit nicht nur die Chancen auf beruflichen Erfolg.

    Gleichzeitig werden Sie glücklicher und zufriedener, da Sie sich in einem Job wiederfinden, der zu Ihrer Persönlichkeit passt, Ihnen neue Herausforderungen und die Möglichkeit zur Entwicklung gibt. Daher ist Ehrlichkeit in diesem Punkt besonders wichtig. Es bringt nichts, sich selbst zu belügen oder sich vorzumachen, man würde über diese oder jede Fähigkeit verfügen.

  2. Wie stellen Sie sich Ihren Beruf vor?

    Jeder Mensch hat seine individuelle Arbeitsweise. Die einen brauchen den ständigen Austausch im Team, um kreativ zu bleiben, andere ziehen sich vollkommen zurück und dürfen nicht gestört werden. Manche sind immer auf Achse, andere arbeiten gerne an einem zentralen Ort. Die einen draußen, die anderen drinnen…

    Wer bei der Berufswahl seine eigenen Arbeitsstil unbeachtet lässt, wird dies früher oder später bereuen. Anfangs mag man sich vielleicht mit der Situation arrangieren können – gerade wenn die Bezahlung stimmt – kommt dann aber noch Stress dazu, bricht das Kartenhaus schnell zusammen.

    Anstatt sich nur auf die Kernpunkte des Gehaltes und der Arbeitszeit zu konzentrieren, sollte der Fokus auch auf den damit verbundenen Arbeitsbedingungen liegen. Was bringt eine gute Bezahlung, wenn man jeden Tag unzufrieden zur Arbeit trottet?

  3. Welchen Stellenwert hat die Arbeit in Ihrem Leben?

    Ja, wir alle müssen arbeiten, um Geld zu verdienen, Rechnungen zu bezahlen und uns die schönen Dinge leisten zu können, von denen wir lange geträumt haben. Doch manchmal hat Arbeit noch einen ganz anderen Stellenwert.

    Manch einer geht regelrecht in seiner Tätigkeit auf, findet darin sein persönliches Glück und möchte um nichts auf der Welt darauf verzichten. Auf der anderen Seite gibt es Familienmenschen, die sich lieber um Ihre Kinder kümmern und und die Arbeit nur als Mittel zum Zweck und großen Zeitverlust betrachten.

    Schon das Wissen, zu welcher Kategorie man selbst zählt, kann helfen, Probleme frühzeitig zu erkennen, etwa wenn ein Familienmensch vor die Wahl gestellt wird, eine besser bezahlte Stelle anzunehmen, für die er jedoch die gesamte Woche unterwegs wäre und nur noch am Wochenende Zuhause sein könnte.

  4. Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus?

    Auf kurz oder lang kommt niemand an dieser Karrierefrage vorbei, die bereits in Vorstellungsgesprächen häufig gestellt wird: Wo sehen Sie sich in fünf, zehn oder auch zwanzig Jahren? Was jetzt noch Zukunftsmusik zu sein scheint, hat ganz konkrete Auswirkungen in der Gegenwart.

    Wer nicht weiß, wohin er sich entwickeln möchte, läuft Gefahr, nur auf der Stelle zu treten und schnell überholt zu werden. Gerade in der schnelllebigen Zeit, in der wir uns befinden, ist es unerlässlich, auf Veränderungen eingestellt zu sein und zu wissen, was man in Zukunft erreichen möchte.

    Ein langfristiges Ziel macht dazu nicht nur glücklicher, weil man weiß, worauf man hinarbeitet, sondern gibt auch eine Richtung vor, die bei zukünftigen Entscheidungen ausschlaggebend sein kann. Auch die Motivation steigt, wenn man weiß, wofür man die Strapazen auf sich nimmt.

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Freizeit: Freizeitgestaltung richtig nutzen – bei jedem Wetter https://karrierebibel.de/freizeit/ Tue, 16 Jul 2019 11:00:07 +0000 Anja Rassek http://karrierebibel.de/?p=71371 Endlich Freizeit! Das schießt vermutlich vielen Arbeitnehmern durch den Kopf, wenn sie die Arbeit nach einem anstrengenden Arbeitstag beiseite legen können. Dass es einen Ausgleich zu anstrengenden Tätigkeiten geben muss, ist unbestritten. Weniger klar ist, was Freizeit eigentlich genau bedeutet: Ist das die Zeit nach der Arbeit? Zählt Hausarbeit dann auch mit dazu? Und wie sollten wir eigentlich unsere Freizeit am besten gestalten, und wie wird sie am häufigsten genutzt? Wir sind den Fragen nachgegangen…

Wieso ist Freizeit so wichtig?

Wenn Arbeit als etwas begriffen wird, dem wir verpflichtet sind und bei dem Bestleistung erbracht wird, dann ist verständlich, dass nicht sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag die gleiche Leistung möglich ist. Der Mensch braucht Regenerationsphasen, nicht nur in der Nacht.

Das ist ja letztlich auch der Gedanke, der dem Erholungsurlaub zugrunde liegt: Der Arbeitnehmer hat sich zu erholen, anderenfalls ist eine dauerhaft gute Arbeitsleistung nicht gewährleistet.

Wer einen Ausgleich zu kräftezehrender, stressiger Arbeit hat, empfindet Lebensqualität, gewinnt neue Eindrücke. Und das schlägt sich unmittelbar positiv auf die Arbeit nieder – sei es, dass die Motivation eine andere ist, sei es, dass mit mehr Kreativität frisch ans Werk gegangen wird.

Vor allem bedeutet Freizeit unmittelbare Vorbeugung gegen alle die unangenehmen Begleiterscheinungen, die mit Überlastung einhergehen:

In der Summe kann ein Mangel an Freizeit zu Burnout und Depression führen, in jedem Fall treibt jemand Raubbau mit seinem Körper und vernachlässigt die sozialen Kontakte aufs Sträflichste.

Freizeitaktivitäten: Das wird in der Freizeit gemacht

FreizeitaktivitätenQuer durch alle Altersgruppen ist Untersuchungen zufolge der Deutschen liebstes Hobby das Fernsehen, dicht gefolgt vom Internet. Das hat bereits zu einem veränderten Freizeitverhalten geführt, denn auch Ältere nutzen immer häufiger soziale Netzwerke.

Mit der Nutzung neuer Medien geht auch eine verkürzte Aufmerksamkeitsspanne einher: Wissenschaftler beobachten, dass die Benutzer häufiger von einer Aktivität zur nächsten springen. Das wirkt sich besonders auf Jugendliche schädlich aus: die haben immer weniger Lust, sich festzulegen, Verlässlichkeit nimmt ab.

Gleichzeitig führt die ständige Erreichbarkeit und die Smartphonenutzung bei vielen immer häufiger zu Stress, so dass sich entsprechende Gegenbewegungen beobachten lassen, bewusst zu entschleunigen. Erkennbar ist dies an Freizeitaktivitäten wie Wandern, spirituelle Freizeiten oder aber auch dem Digital Detox: dem bewussten Verzicht auf elektronische Medien.

Freizeitgestaltung bei jedem Wetter

Wie bereits oben ausgeführt, gehören Fernsehen und Internet zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen. Sie haben den großen Vorteil, dass man sie weitgehend ortsunabhängig und wetterunabhängig nutzen kann. Allerdings haben sie einen großen Nachteil: Wer diese Medien benutzt, sitzt weitestgehend passiv davor, konsumiert und ist wenig interaktiv – jedenfalls deutlich anders als im „analogen Leben“.

Gerade wenn das Wetter es im Sommer zulässt, sollten Freizeitaktivitäten draußen bevorzugt werden, zum Beispiel:

  • Schwimmen

    Egal ob im Freibad, in Talsperren oder im Badesee: Schwimmen gehört mit zu den gesündesten Sportarten und kühlt gerade bei hohen Temperaturen ab. Je nach Wahl (zum Beispiel das Panoramabad Rüngsdorf in Bonn) genießen Sie einen wundervollen Ausblick auf die Landschaft oder haben vielfältige Wassersportmöglichkeiten (Rursee in der Eifel).

  • Festivals

    Bis in den Spätsommer hinein finden verschiedene Festivals statt, die sowohl Musik, Tanz, Theater und Performance bieten – mal mitten in der Stadt, mal vor Industriekulisse. Viele Festivals wie das jährlich stattfindende Rock am Ring sind auf drei Tage ausgelegt, das in Ungarn beheimatete Sziget-Festival dauert sogar eine Woche. Es ist für jeden Geschmack etwas dabei – lediglich die Bezeichnung variiert; bei Opernfestivals ist eher von Festspielen die Rede. Aber auch Jazzfans und Fans von Metal und Indie kommen nicht zu kurz.

  • Open-Air-Kino

    Wer doch lieber bei einem gemütlichen Film entspannen will, kann das zur Abwechslung vor neuer Kulisse tun. Häufig sind historische Gemäuer wie Schlösser Locations für Open-Air-Kino, beispielsweise das Münsteraner Schloss, bei dem Blockbuster, Arthouse- und Kultfilme gezeigt werden. Oder Sie wählen den Düsseldorfer Flughafen als Kulisse: Über Funkkopfhörer können Sie hier sogar Filme nach Wunsch im Originalton sehen.

Manchmal spielt aber auch im Sommer das Wetter nicht mit. Und für die übrigen drei Jahreszeiten gibt es auch viele Möglichkeiten, zum Beispiel:

  • Skydiving

    Wer schwindelfrei ist und schon immer mal Fallschirmspringen praktizieren wollte, muss dafür nicht weit reisen, sondern kann dies auch in Bottrop machen. Und zwar ganz ohne in ein Flugzeug zu steigen. Hier können Sie dem Traum vom Fliegen in einem Windkanal nachgehen; geeignet ist das für Anfänger wie Profis gleichermaßen. www.indoor-skydiving.com

  • Lasertag

    Noch mehr Adrenalin wird ausgestoßen, wenn Sie in der Lasertag Arena in Düsseldorf durch einen Irrgarten rennen, der mit Schwarzlicht illuminiert ist. Sie versuchen dabei mit Ihrem Lasergerät den Gegner zu treffen, ohne selbst getroffen zu werden. Ein Spiel dauert 15 Minuten, als Anfänger empfiehlt es sich im Team zu spielen. www.laserplex-duesseldorf.de

  • Kartbahn

    Einmal wie ein Weltmeister im Rennsport unterwegs sein – das können Sie in Kerpen auf der Indoor-Kartstrecke. Hier können Anfänger wie Fortgeschrittene neue Geschwindigkeitsrekorde aufstellen. Bei schönem Wetter wird die 600 Meter lange Indoorbahn noch um weitere 710 Meter im Outdoorbereich erweitert. www.ms-kartcenter.de

Freizeit mit Kindern gestalten

Je nach Alter sind unterschiedliche Freizeitaktivitäten denkbar. Was in den letzten Jahrzehnten allerdings häufig zu kurz kommt, ist die Bewegung. In manchen Familien werden Kinder regelrecht vor dem Fernseher oder Computer „geparkt“ – mit schlimmen Konsequenzen: Sie entwickeln bereits in jungen Jahren Übergewicht und die motorischen Fähigkeiten sowie der Gleichgewichtssinn verkümmern.

Freizeit mit Kindern sollte daher nach Möglichkeit körperliche Aktivität einschließen. Denkbar sind:

  • Fahrrad/Inlineskates/Skateboard fahren
  • Wandern
  • Klettern
  • Minigolf
  • Segeln

Idealerweise schließen solche Freizeitangebote Bewegung in der Natur ein. Soziale Kompetenz wird beispielsweise gefördert, wenn Sie mit einem Hund aus dem Tierheim spazieren gehen. Wissensvermittlung – und gut bei schlechtem Wetter – steht beim Besuch in einem (Allwetter-)Zoo, Museum oder Planetarium im Vordergrund.

Ist es draußen eher ungemütlich – und steht eine bestimmte Festzeit wie etwa die Oster- oder Weihnachtszeit an, eignen sich Nachmittage, an denen gebacken oder gebastelt wird. Grundsätzlich sind solche Angebote natürlich auch für Erwachsene denkbar.

Alte Hobbys aufgreifen, neue erkunden

Je nachdem, wie viel Freizeit Ihnen zur Verfügung steht, lohnt es sich, ein altes Hobby wieder aufzugreifen und zu verfeinern oder sich neue hinzuzunehmen. Dabei sollte das Hauptaugenmerk auf Spaß und Abwechslung liegen. In dem Moment, in dem Sie Ihre Freizeit mit fachlichen Fortbildungen vollstopfen, obwohl Sie ohnehin heillos überarbeitet sind, handeln Sie kontraproduktiv.

  • Handwerkliche Fertigkeiten fördern

    Wer im Beruf besonders geistig gefordert ist, wird als Ausgleich häufig körperliche und handwerkliche Tätigkeiten zu schätzen wissen. Da wird mit Feuereifer der eigene Garten umgegraben, die tollsten Kochrezepte ausprobiert – kurz: alles, was die Sinne anregt. Dazu gehören auch folgende Tätigkeiten:

    • Malen
    • Möbel restaurieren
    • Basteln
    • Musizieren
    • Fotografieren

  • Sportliche Fitness stärken

    Gerade Bewegung in der Freizeit schafft einen Ausgleich zu sitzenden Tätigkeiten, die häufig Rückenbeschwerden verursachen. Das ständige Lesen am Monitor kann sich negativ auf die Sehstärke auswirken, weshalb bereits zwei gute Gründe für Freizeit im Grünen sprechen, zumal das Grün der Natur den Stresslevel nachweislich senkt. Stressreduktion ohne Natur geht natürlich auch, etwa durch Meditation. Weiterhin mögliche Sportarten sind:

    • Joggen
    • Walking
    • Yoga
    • Badminton
    • Tanzen

  • Kognitive Fähigkeiten unterstützen

    Andere haben einen schier unstillbaren Wissensdurst. Vor allem, wer im Beruf körperlich gefordert ist, ist froh, auch mal fünfe gerade sein lassen und sitzen zu können. Dazu eignen sich vor allem diese Freizeitaktivitäten:

    • Fremdsprache lernen
    • Fach- und Sachbücher lesen
    • Puzzle zusammenfügen
    • Kreuzworträtsel lösen
    • Schach spielen

Übrigens: Wer in der Freizeit seinen Hobbys nachgeht, kann ganz ohne Druck neue Fertigkeiten erlernen, die sich fürs Berufsleben auszahlen – so mancher Arbeitnehmer hat schließlich sein Hobby zum Beruf gemacht.

Freizeitaktivitäten haben unterschiedliche Funktionen

Die persönliche Freizeit kann sehr unterschiedlich gefüllt werden. Sei es, dass man sich einen gewissen Zeitraum wöchentlich oder monatlich freihält, um einer regelmäßigen Tätigkeit in Form eines Ehrenamts nachzugehen oder die zur Verfügung stehende Zeit mit wechselnden Aktivitäten verbringt.

Mit dem Mehr an Freizeit haben auch die Ansichten darüber zugenommen, wie eine sinnvolle Nutzung aussehen kann. Neben der gesetzlichen Verpflichtung, sich von Arbeit und Stress zu erholen (gesetzlicher Urlaubsanspruch), interpretieren zunehmend mehr Menschen das so, dass sie alle Aktivitäten in Ihre Freizeit hineinpressen, was wiederum in Freizeitstress ausartet.

Mittlerweile eignet sich Freizeit zudem hervorragend als Prestigeobjekt, denn sie ist stark an den Konsum geknüpft. Das führt zusätzlich dazu, dass Erholung und Regeneration eine zunehmend untergeordnete Rolle in der Freizeit spielen.

Bedeutet Freizeit Zeit für Muße?

FreizeitaktivitätenSchon Theodor Fontane wusste:

Ruhe, Stille, Sofa und eine Tasse Tee gehen über alles!

Und vermutlich viele, die eine mühevolle Woche hinter sich und vielleicht körperlich geschuftet haben oder viel unterwegs waren, finden sich in diesem Zitat wieder. Synonym zu Freizeit wird gerne von Muße oder Müßiggang gesprochen, je nach zeitlicher Lage und Dauer können damit auch…

bezeichnet werden. Andere verstehen sogar Arbeitslosigkeit als Freizeit.

Nur: Entspricht das tatsächlich der Realität? Freizeit (englisch = spare time, leisure, leisure time) sind Wikipedia zufolge die „im Sinne von arbeitsfreier Zeit gelten Zeitphasen, über die der Einzelne frei verfügen kann und in denen er frei von bindenden Verpflichtungen ist.“

In der Soziologie konkurrieren ein negativer und ein positiver Definitionsansatz von Freizeit miteinander:

  • Freizeit als Restzeit

    In der negativen Definition wird Freizeit häufig als der Rest verstanden, der übrigbleibt, wenn die Arbeit geleistet wurde. Arbeit und Freizeit stehen sich bei dieser Definition wie zwei gegensätzliche Pole gegenüber. Stellvertretend für diese Sichtweise steht Andries Sternheim: „Als Freizeit wird hier diejenige Zeit betrachtet, welche nach der normalen Arbeitsperiode übrig bleibt.“

  • Freizeit als Zeit zur Selbstgestaltung

    Kritiker der ersten Deutung halten entgegen, dass bei jener Definition die notwenigen Erledigungen in einen Topf mit der Zeit geworfen werden, die wirklich zur freien Verfügung übrig bliebe. Dazu kommt, dass sowohl die Arbeitswelt als auch das Freizeitverhalten sich im Laufe der letzten Jahrzehnte drastisch verändert haben und wenig gemein haben mit der Zeit der Industrialisierung.

Heutzutage gibt es so viele unterschiedliche Formen der Arbeit durch flexible Arbeitszeitmodelle, dass die ursprünglich gegensätzlichen Pole oftmals keine mehr sind – weshalb einige auch den Begriff Work-Life-Balance ablehnen.

Der renommierte Zukunftsforscher Horst Opaschowski vertritt eine positive Definition von Freizeit, in der er die Möglichkeit der Selbstbestimmung betont. Er lehnt eine Aufteilung in Arbeitswelt auf der einen und Freizeitwelt auf der anderen Seite ab, da hierbei wesentliche Bereiche wie Familie, Kultur, Schule und Öffentlichkeit ignoriert würden.

Freizeit früher und heute

Im Zuge der um 1800 einsetzenden Industrialisierung stieg die Arbeitszeit deutlich. In Fabriken und Manufakturen arbeiteten die Angestellten bis zu 16 Stunden am Tag. Der Einsatz von künstlichen Lichtquellen, Uhren und Maschinen ermöglichte ausgedehnte Arbeitszeiten dort, wo zuvor mangels Licht und entsprechender Mittel die Arbeit natürlich begrenzt war.

Das führte zu einer Ausbeutung der menschlichen Ressourcen. Mitte des 19. Jahrhunderts waren es zunächst fürs Militär eingezogene Rekruten, deren schlechter gesundheitlicher Zustand Aufmerksamkeit erregte. Im Zuge technischer Neuerungen in der Produktion und einer erstarkenden Arbeiterbewegung nahm die Arbeitszeit langsam wieder ab.

Mit Freizeit verbinden viele Urlaub und dieser Gedanke kommt nicht von ungefähr: „erlauben“ stammt tatsächlich auch von Urlaub und so bedeutete Urlaub ursprünglich einmal die Erlaubnis, sich (von der Arbeit) zu entfernen. In Deutschland entstanden die ersten Urlaubsregelungen erst Ende des 19. Jahrhunderts.

Diese berücksichtigten allerdings längst nicht die arbeitende Bevölkerung in ihrer Gesamtheit: sie galten nur für Beamte und Angestellte. Die Gleichstellung von Arbeitern mit Beamten und Angestellten hat in vielen Bereichen lange gebraucht, etwa auch beim Kündigungsschutz.

Es ist nicht pure Menschenliebe, dass Arbeitnehmer mittlerweile annähernd wieder so viel Freizeit wie vor der Industrialisierung haben. Es ist letztlich die Erkenntnis, dass überarbeitete Angestellte irgendwann nicht mehr leistungsfähig sind. Von der persönlichen Entfaltung und Entwicklung ganz zu schweigen, denn soziale Kontakte oder Fortbildungen bleiben ebenfalls auf der Strecke.

Freizeit: Zitate und Sprüche

  • Die schönste Seite der Freizeit ist der Müßiggang der Gedanken. Erwin Koch
  • Die meiste Freizeit hat, wer eine Arbeit hat, die Spaß macht. Paul Mommertz
  • Freizeit besteht nicht im Nichtstun, sondern in dem, was wir sonst nicht tun. Unbekannt
  • Gewähre Erholung; der Acker, der sich erholt, gibt reichlich, was er dir schuldet, zurück. Ovid
  • Mehr Freizeit bedeutet verstärkten Arbeitskampf gegen die Lebensleere. Elmar Kupke
  • Nirgends strapaziert sich der Mensch mehr als bei der Jagd nach Erholung. Laurence Sterne
  • Das köstlichste Gut, das ein vernünftiger Mensch besitzt, ist seine freie Zeit. Paul Ernst
  • Kann denn Freiheit in der Freizeit liegen? Michael Marie Jung

Was andere Leser noch gelesen haben

[Bildnachweis: Pressmaster by Shutterstock.com]
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Endlich Freizeit! Das schießt vermutlich vielen Arbeitnehmern durch den Kopf, wenn sie die Arbeit nach einem anstrengenden Arbeitstag beiseite legen können. Dass es einen Ausgleich zu anstrengenden Tätigkeiten geben muss, ist unbestritten. Weniger klar ist, was Freizeit eigentlich genau bedeutet: Ist das die Zeit nach der Arbeit? Zählt Hausarbeit dann auch mit dazu? Und wie sollten wir eigentlich unsere Freizeit am besten gestalten, und wie wird sie am häufigsten genutzt? Wir sind den Fragen nachgegangen…

Wieso ist Freizeit so wichtig?

Wenn Arbeit als etwas begriffen wird, dem wir verpflichtet sind und bei dem Bestleistung erbracht wird, dann ist verständlich, dass nicht sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag die gleiche Leistung möglich ist. Der Mensch braucht Regenerationsphasen, nicht nur in der Nacht.

Das ist ja letztlich auch der Gedanke, der dem Erholungsurlaub zugrunde liegt: Der Arbeitnehmer hat sich zu erholen, anderenfalls ist eine dauerhaft gute Arbeitsleistung nicht gewährleistet.

Wer einen Ausgleich zu kräftezehrender, stressiger Arbeit hat, empfindet Lebensqualität, gewinnt neue Eindrücke. Und das schlägt sich unmittelbar positiv auf die Arbeit nieder – sei es, dass die Motivation eine andere ist, sei es, dass mit mehr Kreativität frisch ans Werk gegangen wird.

Vor allem bedeutet Freizeit unmittelbare Vorbeugung gegen alle die unangenehmen Begleiterscheinungen, die mit Überlastung einhergehen:

In der Summe kann ein Mangel an Freizeit zu Burnout und Depression führen, in jedem Fall treibt jemand Raubbau mit seinem Körper und vernachlässigt die sozialen Kontakte aufs Sträflichste.

Freizeitaktivitäten: Das wird in der Freizeit gemacht

FreizeitaktivitätenQuer durch alle Altersgruppen ist Untersuchungen zufolge der Deutschen liebstes Hobby das Fernsehen, dicht gefolgt vom Internet. Das hat bereits zu einem veränderten Freizeitverhalten geführt, denn auch Ältere nutzen immer häufiger soziale Netzwerke.

Mit der Nutzung neuer Medien geht auch eine verkürzte Aufmerksamkeitsspanne einher: Wissenschaftler beobachten, dass die Benutzer häufiger von einer Aktivität zur nächsten springen. Das wirkt sich besonders auf Jugendliche schädlich aus: die haben immer weniger Lust, sich festzulegen, Verlässlichkeit nimmt ab.

Gleichzeitig führt die ständige Erreichbarkeit und die Smartphonenutzung bei vielen immer häufiger zu Stress, so dass sich entsprechende Gegenbewegungen beobachten lassen, bewusst zu entschleunigen. Erkennbar ist dies an Freizeitaktivitäten wie Wandern, spirituelle Freizeiten oder aber auch dem Digital Detox: dem bewussten Verzicht auf elektronische Medien.

Freizeitgestaltung bei jedem Wetter

Wie bereits oben ausgeführt, gehören Fernsehen und Internet zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen. Sie haben den großen Vorteil, dass man sie weitgehend ortsunabhängig und wetterunabhängig nutzen kann. Allerdings haben sie einen großen Nachteil: Wer diese Medien benutzt, sitzt weitestgehend passiv davor, konsumiert und ist wenig interaktiv – jedenfalls deutlich anders als im „analogen Leben“.

Gerade wenn das Wetter es im Sommer zulässt, sollten Freizeitaktivitäten draußen bevorzugt werden, zum Beispiel:

  • Schwimmen

    Egal ob im Freibad, in Talsperren oder im Badesee: Schwimmen gehört mit zu den gesündesten Sportarten und kühlt gerade bei hohen Temperaturen ab. Je nach Wahl (zum Beispiel das Panoramabad Rüngsdorf in Bonn) genießen Sie einen wundervollen Ausblick auf die Landschaft oder haben vielfältige Wassersportmöglichkeiten (Rursee in der Eifel).

  • Festivals

    Bis in den Spätsommer hinein finden verschiedene Festivals statt, die sowohl Musik, Tanz, Theater und Performance bieten – mal mitten in der Stadt, mal vor Industriekulisse. Viele Festivals wie das jährlich stattfindende Rock am Ring sind auf drei Tage ausgelegt, das in Ungarn beheimatete Sziget-Festival dauert sogar eine Woche. Es ist für jeden Geschmack etwas dabei – lediglich die Bezeichnung variiert; bei Opernfestivals ist eher von Festspielen die Rede. Aber auch Jazzfans und Fans von Metal und Indie kommen nicht zu kurz.

  • Open-Air-Kino

    Wer doch lieber bei einem gemütlichen Film entspannen will, kann das zur Abwechslung vor neuer Kulisse tun. Häufig sind historische Gemäuer wie Schlösser Locations für Open-Air-Kino, beispielsweise das Münsteraner Schloss, bei dem Blockbuster, Arthouse- und Kultfilme gezeigt werden. Oder Sie wählen den Düsseldorfer Flughafen als Kulisse: Über Funkkopfhörer können Sie hier sogar Filme nach Wunsch im Originalton sehen.

Manchmal spielt aber auch im Sommer das Wetter nicht mit. Und für die übrigen drei Jahreszeiten gibt es auch viele Möglichkeiten, zum Beispiel:

  • Skydiving

    Wer schwindelfrei ist und schon immer mal Fallschirmspringen praktizieren wollte, muss dafür nicht weit reisen, sondern kann dies auch in Bottrop machen. Und zwar ganz ohne in ein Flugzeug zu steigen. Hier können Sie dem Traum vom Fliegen in einem Windkanal nachgehen; geeignet ist das für Anfänger wie Profis gleichermaßen. www.indoor-skydiving.com

  • Lasertag

    Noch mehr Adrenalin wird ausgestoßen, wenn Sie in der Lasertag Arena in Düsseldorf durch einen Irrgarten rennen, der mit Schwarzlicht illuminiert ist. Sie versuchen dabei mit Ihrem Lasergerät den Gegner zu treffen, ohne selbst getroffen zu werden. Ein Spiel dauert 15 Minuten, als Anfänger empfiehlt es sich im Team zu spielen. www.laserplex-duesseldorf.de

  • Kartbahn

    Einmal wie ein Weltmeister im Rennsport unterwegs sein – das können Sie in Kerpen auf der Indoor-Kartstrecke. Hier können Anfänger wie Fortgeschrittene neue Geschwindigkeitsrekorde aufstellen. Bei schönem Wetter wird die 600 Meter lange Indoorbahn noch um weitere 710 Meter im Outdoorbereich erweitert. www.ms-kartcenter.de

Freizeit mit Kindern gestalten

Je nach Alter sind unterschiedliche Freizeitaktivitäten denkbar. Was in den letzten Jahrzehnten allerdings häufig zu kurz kommt, ist die Bewegung. In manchen Familien werden Kinder regelrecht vor dem Fernseher oder Computer „geparkt“ – mit schlimmen Konsequenzen: Sie entwickeln bereits in jungen Jahren Übergewicht und die motorischen Fähigkeiten sowie der Gleichgewichtssinn verkümmern.

Freizeit mit Kindern sollte daher nach Möglichkeit körperliche Aktivität einschließen. Denkbar sind:

  • Fahrrad/Inlineskates/Skateboard fahren
  • Wandern
  • Klettern
  • Minigolf
  • Segeln

Idealerweise schließen solche Freizeitangebote Bewegung in der Natur ein. Soziale Kompetenz wird beispielsweise gefördert, wenn Sie mit einem Hund aus dem Tierheim spazieren gehen. Wissensvermittlung – und gut bei schlechtem Wetter – steht beim Besuch in einem (Allwetter-)Zoo, Museum oder Planetarium im Vordergrund.

Ist es draußen eher ungemütlich – und steht eine bestimmte Festzeit wie etwa die Oster- oder Weihnachtszeit an, eignen sich Nachmittage, an denen gebacken oder gebastelt wird. Grundsätzlich sind solche Angebote natürlich auch für Erwachsene denkbar.

Alte Hobbys aufgreifen, neue erkunden

Je nachdem, wie viel Freizeit Ihnen zur Verfügung steht, lohnt es sich, ein altes Hobby wieder aufzugreifen und zu verfeinern oder sich neue hinzuzunehmen. Dabei sollte das Hauptaugenmerk auf Spaß und Abwechslung liegen. In dem Moment, in dem Sie Ihre Freizeit mit fachlichen Fortbildungen vollstopfen, obwohl Sie ohnehin heillos überarbeitet sind, handeln Sie kontraproduktiv.

  • Handwerkliche Fertigkeiten fördern

    Wer im Beruf besonders geistig gefordert ist, wird als Ausgleich häufig körperliche und handwerkliche Tätigkeiten zu schätzen wissen. Da wird mit Feuereifer der eigene Garten umgegraben, die tollsten Kochrezepte ausprobiert – kurz: alles, was die Sinne anregt. Dazu gehören auch folgende Tätigkeiten:

    • Malen
    • Möbel restaurieren
    • Basteln
    • Musizieren
    • Fotografieren

  • Sportliche Fitness stärken

    Gerade Bewegung in der Freizeit schafft einen Ausgleich zu sitzenden Tätigkeiten, die häufig Rückenbeschwerden verursachen. Das ständige Lesen am Monitor kann sich negativ auf die Sehstärke auswirken, weshalb bereits zwei gute Gründe für Freizeit im Grünen sprechen, zumal das Grün der Natur den Stresslevel nachweislich senkt. Stressreduktion ohne Natur geht natürlich auch, etwa durch Meditation. Weiterhin mögliche Sportarten sind:

    • Joggen
    • Walking
    • Yoga
    • Badminton
    • Tanzen

  • Kognitive Fähigkeiten unterstützen

    Andere haben einen schier unstillbaren Wissensdurst. Vor allem, wer im Beruf körperlich gefordert ist, ist froh, auch mal fünfe gerade sein lassen und sitzen zu können. Dazu eignen sich vor allem diese Freizeitaktivitäten:

    • Fremdsprache lernen
    • Fach- und Sachbücher lesen
    • Puzzle zusammenfügen
    • Kreuzworträtsel lösen
    • Schach spielen

Übrigens: Wer in der Freizeit seinen Hobbys nachgeht, kann ganz ohne Druck neue Fertigkeiten erlernen, die sich fürs Berufsleben auszahlen – so mancher Arbeitnehmer hat schließlich sein Hobby zum Beruf gemacht.

Freizeitaktivitäten haben unterschiedliche Funktionen

Die persönliche Freizeit kann sehr unterschiedlich gefüllt werden. Sei es, dass man sich einen gewissen Zeitraum wöchentlich oder monatlich freihält, um einer regelmäßigen Tätigkeit in Form eines Ehrenamts nachzugehen oder die zur Verfügung stehende Zeit mit wechselnden Aktivitäten verbringt.

Mit dem Mehr an Freizeit haben auch die Ansichten darüber zugenommen, wie eine sinnvolle Nutzung aussehen kann. Neben der gesetzlichen Verpflichtung, sich von Arbeit und Stress zu erholen (gesetzlicher Urlaubsanspruch), interpretieren zunehmend mehr Menschen das so, dass sie alle Aktivitäten in Ihre Freizeit hineinpressen, was wiederum in Freizeitstress ausartet.

Mittlerweile eignet sich Freizeit zudem hervorragend als Prestigeobjekt, denn sie ist stark an den Konsum geknüpft. Das führt zusätzlich dazu, dass Erholung und Regeneration eine zunehmend untergeordnete Rolle in der Freizeit spielen.

Bedeutet Freizeit Zeit für Muße?

FreizeitaktivitätenSchon Theodor Fontane wusste:

Ruhe, Stille, Sofa und eine Tasse Tee gehen über alles!

Und vermutlich viele, die eine mühevolle Woche hinter sich und vielleicht körperlich geschuftet haben oder viel unterwegs waren, finden sich in diesem Zitat wieder. Synonym zu Freizeit wird gerne von Muße oder Müßiggang gesprochen, je nach zeitlicher Lage und Dauer können damit auch…

bezeichnet werden. Andere verstehen sogar Arbeitslosigkeit als Freizeit.

Nur: Entspricht das tatsächlich der Realität? Freizeit (englisch = spare time, leisure, leisure time) sind Wikipedia zufolge die „im Sinne von arbeitsfreier Zeit gelten Zeitphasen, über die der Einzelne frei verfügen kann und in denen er frei von bindenden Verpflichtungen ist.“

In der Soziologie konkurrieren ein negativer und ein positiver Definitionsansatz von Freizeit miteinander:

  • Freizeit als Restzeit

    In der negativen Definition wird Freizeit häufig als der Rest verstanden, der übrigbleibt, wenn die Arbeit geleistet wurde. Arbeit und Freizeit stehen sich bei dieser Definition wie zwei gegensätzliche Pole gegenüber. Stellvertretend für diese Sichtweise steht Andries Sternheim: „Als Freizeit wird hier diejenige Zeit betrachtet, welche nach der normalen Arbeitsperiode übrig bleibt.“

  • Freizeit als Zeit zur Selbstgestaltung

    Kritiker der ersten Deutung halten entgegen, dass bei jener Definition die notwenigen Erledigungen in einen Topf mit der Zeit geworfen werden, die wirklich zur freien Verfügung übrig bliebe. Dazu kommt, dass sowohl die Arbeitswelt als auch das Freizeitverhalten sich im Laufe der letzten Jahrzehnte drastisch verändert haben und wenig gemein haben mit der Zeit der Industrialisierung.

Heutzutage gibt es so viele unterschiedliche Formen der Arbeit durch flexible Arbeitszeitmodelle, dass die ursprünglich gegensätzlichen Pole oftmals keine mehr sind – weshalb einige auch den Begriff Work-Life-Balance ablehnen.

Der renommierte Zukunftsforscher Horst Opaschowski vertritt eine positive Definition von Freizeit, in der er die Möglichkeit der Selbstbestimmung betont. Er lehnt eine Aufteilung in Arbeitswelt auf der einen und Freizeitwelt auf der anderen Seite ab, da hierbei wesentliche Bereiche wie Familie, Kultur, Schule und Öffentlichkeit ignoriert würden.

Freizeit früher und heute

Im Zuge der um 1800 einsetzenden Industrialisierung stieg die Arbeitszeit deutlich. In Fabriken und Manufakturen arbeiteten die Angestellten bis zu 16 Stunden am Tag. Der Einsatz von künstlichen Lichtquellen, Uhren und Maschinen ermöglichte ausgedehnte Arbeitszeiten dort, wo zuvor mangels Licht und entsprechender Mittel die Arbeit natürlich begrenzt war.

Das führte zu einer Ausbeutung der menschlichen Ressourcen. Mitte des 19. Jahrhunderts waren es zunächst fürs Militär eingezogene Rekruten, deren schlechter gesundheitlicher Zustand Aufmerksamkeit erregte. Im Zuge technischer Neuerungen in der Produktion und einer erstarkenden Arbeiterbewegung nahm die Arbeitszeit langsam wieder ab.

Mit Freizeit verbinden viele Urlaub und dieser Gedanke kommt nicht von ungefähr: „erlauben“ stammt tatsächlich auch von Urlaub und so bedeutete Urlaub ursprünglich einmal die Erlaubnis, sich (von der Arbeit) zu entfernen. In Deutschland entstanden die ersten Urlaubsregelungen erst Ende des 19. Jahrhunderts.

Diese berücksichtigten allerdings längst nicht die arbeitende Bevölkerung in ihrer Gesamtheit: sie galten nur für Beamte und Angestellte. Die Gleichstellung von Arbeitern mit Beamten und Angestellten hat in vielen Bereichen lange gebraucht, etwa auch beim Kündigungsschutz.

Es ist nicht pure Menschenliebe, dass Arbeitnehmer mittlerweile annähernd wieder so viel Freizeit wie vor der Industrialisierung haben. Es ist letztlich die Erkenntnis, dass überarbeitete Angestellte irgendwann nicht mehr leistungsfähig sind. Von der persönlichen Entfaltung und Entwicklung ganz zu schweigen, denn soziale Kontakte oder Fortbildungen bleiben ebenfalls auf der Strecke.

Freizeit: Zitate und Sprüche

  • Die schönste Seite der Freizeit ist der Müßiggang der Gedanken. Erwin Koch
  • Die meiste Freizeit hat, wer eine Arbeit hat, die Spaß macht. Paul Mommertz
  • Freizeit besteht nicht im Nichtstun, sondern in dem, was wir sonst nicht tun. Unbekannt
  • Gewähre Erholung; der Acker, der sich erholt, gibt reichlich, was er dir schuldet, zurück. Ovid
  • Mehr Freizeit bedeutet verstärkten Arbeitskampf gegen die Lebensleere. Elmar Kupke
  • Nirgends strapaziert sich der Mensch mehr als bei der Jagd nach Erholung. Laurence Sterne
  • Das köstlichste Gut, das ein vernünftiger Mensch besitzt, ist seine freie Zeit. Paul Ernst
  • Kann denn Freiheit in der Freizeit liegen? Michael Marie Jung

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Ambidextrie: Zweigleisig zum Erfolg https://karrierebibel.de/ambidextrie/ Tue, 16 Jul 2019 07:00:58 +0000 Anja Rassek https://karrierebibel.de/?p=111632 Komplexe Anforderungen erfordern komplexe Ansätze. Das bedeutet, dass Unternehmen zukünftig deutlich mehr Ambidextrie als Organisations- und Führungsprinzip verinnerlichen müssen. Die Fähigkeit zur Ambidextrie bedeutet nichts weniger als zwei beziehungsweise mehrere Herausforderungen gleichzeitig zu managen. Die eine besteht darin, seine Produkte an die Kundschaft zu bringen. Die andere, diese Kundschaft genau zu definieren und ihre Wünsche zu erkennen – und das alles vor dem Hintergrund rasanter Entwicklungen und Veränderungen. Dies bleibt auch nicht ohne Konsequenzen für die eigene Belegschaft. Wie Unternehmen mit Ambidextrie die Zukunft meistern…

Ambidextrie Definition: Was ist darunter zu verstehen?

Ambidextrie DefinitionDer Begriff Ambidextrie leitet sich vom lateinischen ambo (= beide) und dexter (= rechte Hand) ab. Er stammt ursprünglich aus der Medizin und bedeutet Beidhändigkeit.

So nennt man die Fähigkeit von Menschen, deren Geschicklichkeit in beiden Händen gleichermaßen gut ausgeprägt ist – eine Besonderheit, denn meistens sind wir von Natur aus Rechtshänder, in selteneren Fällen (etwa 10 bis 15 Prozent) Linkshänder.

Die beiden Amerikaner Michael L. Tushman und Charles A. O’Reilly III, Unternehmensberater beziehungsweise Organisationstheoretiker wandten den Begriff 1976 auf die Wirtschaft an: Gemeint ist damit die Fähigkeit eines Unternehmens, gleichzeitig Exploration und Exploitation zu betreiben:

Indem einerseits an Neuem geforscht wird, muss das Alte weiterbetrieben und optimiert werden – nur so ist die notwendige Flexibilität gewährleistet.

Wenn von Ambidextrie bezogen auf den Arbeitsmarkt die Rede ist, dann ist häufig organisationale Ambidextrie gemeint: Von Unternehmen wird erwartet, dass sie einerseits das operative Geschäft beherrschen, sich also ihrem Unternehmenszweck widmen. Gleichzeitig müssen sie sich weiterentwickeln und Innovationen vorantreiben.

Noch genauer lässt sich die organisationale Ambidextrie in zwei weitere Bereiche unterteilen:

  • Strukturelle Ambidextrie meint die organisatorische Trennung zwischen dem Bereich, der sich der kontinuierlichen Verbesserung des bestehenden Produkts kümmert und dem Bereich, der sich der Erschließung neuer Produkte widmet.
  • Kontextuelle Ambidextrie heißt, dass innerhalb eines bestimmten Bereiches situationsabhängig gehandelt wird.

Zweigleisigkeit jetzt gefordert

Auf den ersten Blick wirkt Ambidextrie wie ein Widerspruch, der all das konterkariert, was jahrelang gepredigt wurde. Wir denken etwa an Ambivalenz – keine genaue Zuordnung ist möglich. Oder die Tatsache, dass immer das Monotasking gepredigt wird, weil Multitasking nur dazu führt, dass man sich verzettelt.

Ambidextrie erfordert jetzt genau das von einem Unternehmen: zweigleisiges beziehungsweise mehrgleisiges Vorgehen. Statt sich nur und ausschließlich auf eine Sache zu konzentrieren, werden neue Wege beschritten – in völlig anderen Bereichen.

Zweigleisigkeit hat immer etwas von „sich nicht entscheiden können“: nicht Fisch, nicht Fleisch. Für Unternehmen in vielerlei Hinsicht eine eher schädliche Haltung. Ganz gleich, ob es dabei um ein nach außen kommuniziertes Image geht oder interne Anweisungen. Werden falsche Signale gesendet, hat das Konsequenzen für die weitere Entwicklung.

Die Notwendigkeit von Ambidextrie bringt es aber mit sich, dass zunehmend genau diese Beidhändigkeit von Unternehmen erwartet wird. Kein Entweder-Oder mehr, sondern ein Auch lässt sich bereits an etlichen Stellen beobachten.

Beispiele für Ambidextrie in Unternehmen

Ressourcenknappheit und ein verändertes Verbraucherbewusstsein führen zu sich wandelnden Märkten. Im Zeitalter der Digitalisierung, wo alles deutlich schneller läuft, bedeutet das für Unternehmen vor allem eins: mehr Flexibilität ist notwendig.

Statt sich nur noch auf das vermeintliche Kerngeschäft und die Kernkompetenz zu konzentrieren, werden nun Bereiche erschlossen, die vorher nicht zum Unternehmen zu passen schienen. Beispiele für Ambidextrie sind:

  • Die Automobilindustrie

    Fossile Brennstoffe sind begrenzt. Dazu kommt, dass ihr Vorkommen oft in politisch schwierigen Regionen liegt, so dass nie sicher absehbar ist, inwieweit ihre Verfügbarkeit gewährleistet ist. Der klassische Verbrennungsmotor in Fortbewegungsmitteln der Automobilindustrie ist auf genau diese Ressource ausgelegt.

    Das Wissen um schädliche Ausstoße bei der Verbrennung von Diesel und Benzin so wie ein gestiegenes Umweltbewusstsein führen dazu, dass Automobilkonzerne in der Pflicht sind, dem alten Produkt etwas Neues entgegenzusetzen. Zunehmend mehr Elektrofahrzeuge befahren nun die Straßen.

    Gleichzeitig sind diese sowohl in der Reichweite als auch in den Anschaffungskosten den alten Fahrzeugen oftmals unterlegen, weshalb die Automobilindustrie einerseits noch mit klassischen Fahrzeugen den Markt versorgen, gleichzeitig die Forderungen an höhere Leistungsfähigkeit bei niedrigeren Produktkosten bedienen soll.

  • Die Lebensmittelindustrie

    Wer Fleisch isst, ist kein Vegetarier. Gerade bei der Ernährung existieren teilweise ideologische Gräben. Lange schien klar, dass Produkte für Vegetarier und Fleischesser somit nicht aus einer Hand kommen können.

    Solange die vegetarische Ernährung eher einen kleinen Teil der Bevölkerung betraf, sind sich fleischproduzierende Betriebe und solche, die vegetarische Lebensmittel als Kerngeschäft haben, nicht in die Quere gekommen. Unzählige Tierskandale bezogen auf Antibiotika, Tierhaltung und Hygienestandards, tragen dazu bei, dass immer mehr Menschen ihren Fleischkonsum überdenken.

    Hinzu kommt auch hier der Nachhaltigkeitsaspekt, denn für Massentierhaltung wird ausgerechnet die Ressource vernichtet, die gleichzeitig eine bessere Luftqualität und Schutz vor Überhitzung bietet: Bäume. Für Unternehmen, die von der Fleischproduktion abhängig sind, ist Umdenken gefragt: Wie können wir den veränderten Ansprüchen der Kunden gerecht werden?

Wie können Unternehmen Ambidextrie umsetzen?

Ambidextrie ist ein Thema, das Unternehmen, Führungskräfte und Mitarbeiter gleichermaßen betrifft. Disruptive Geschäftsmodelle verändern den Markt – mit Effizienz allein gewinnen Unternehmen mittlerweile keinen Blumenpott mehr. Der einst ausgebaute Wettbewerbsvorsprung schmilzt nun binnen kürzester Zeit.

Wie können Unternehmen diesen Herausforderungen begegnen? Zumal die Schwierigkeit darin liegt, die Weichen für neue Wege zu stellen und alle ins Boot zu holen.

  • Mindset

    Für Ambidextrie braucht es die richtige Belegschaft. Ein Denken in „Das haben wir immer schon so gemacht“-Strukturen ist wenig zielführend. Stattdessen braucht es von der Spitze bis zur Basis Leute, die sich auf Neuerungen einstellen wollen und können. Hilfreich sind hier Fortbildungen, die notwendige Fähigkeiten und Kenntnisse vermitteln.

  • Entscheidungswege

    Im Rahmen von Exploration und Exploitation muss einerseits die Stabilität eines Unternehmens gewährleistet sein, heißt: Bestimmte Entscheidungswege und Hierarchien bleiben unangetastet, gleichzeitig gibt es Bereiche, in denen den Mitarbeitern freie Hand gelassen wird. Wichtig ist hierbei, dass Innovation Labs nicht ausgelagert werden: Dann weiß nämlich eine Hand nicht, was die andere tut und der betriebliche Zusammenhalt ist nicht gewährleistet. Vielmehr müssen beide Bereiche untereinander vernetzt sein und kommunizieren.

  • Führungsstil

    Große Unternehmen sind häufig schwerfällig. Starre Hierarchien verhindern, dass auf Veränderungen am Markt kurzfristig reagiert werden kann. Während Start-ups noch wesentlich experimentierfreudiger sind und ihren Mitarbeitern genügend Spielraum für die Entwicklung kreativer und innovativer Konzepte lassen, sind in gesetzteren Unternehmen Entscheidungswege zementiert. Ganz ohne Hierarchie geht es wie erwähnt nicht. Andererseits ist im Rahmen von Ambidextrie Digital Leadership gefragt: Führungskräfte bringen selbst die notwendige digitale Kompetenz in vielen Bereichen mit und sind in der Lage, diverse Teams zu gründen und zu führen.

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Komplexe Anforderungen erfordern komplexe Ansätze. Das bedeutet, dass Unternehmen zukünftig deutlich mehr Ambidextrie als Organisations- und Führungsprinzip verinnerlichen müssen. Die Fähigkeit zur Ambidextrie bedeutet nichts weniger als zwei beziehungsweise mehrere Herausforderungen gleichzeitig zu managen. Die eine besteht darin, seine Produkte an die Kundschaft zu bringen. Die andere, diese Kundschaft genau zu definieren und ihre Wünsche zu erkennen – und das alles vor dem Hintergrund rasanter Entwicklungen und Veränderungen. Dies bleibt auch nicht ohne Konsequenzen für die eigene Belegschaft. Wie Unternehmen mit Ambidextrie die Zukunft meistern…

Ambidextrie Definition: Was ist darunter zu verstehen?

Ambidextrie DefinitionDer Begriff Ambidextrie leitet sich vom lateinischen ambo (= beide) und dexter (= rechte Hand) ab. Er stammt ursprünglich aus der Medizin und bedeutet Beidhändigkeit.

So nennt man die Fähigkeit von Menschen, deren Geschicklichkeit in beiden Händen gleichermaßen gut ausgeprägt ist – eine Besonderheit, denn meistens sind wir von Natur aus Rechtshänder, in selteneren Fällen (etwa 10 bis 15 Prozent) Linkshänder.

Die beiden Amerikaner Michael L. Tushman und Charles A. O’Reilly III, Unternehmensberater beziehungsweise Organisationstheoretiker wandten den Begriff 1976 auf die Wirtschaft an: Gemeint ist damit die Fähigkeit eines Unternehmens, gleichzeitig Exploration und Exploitation zu betreiben:

Indem einerseits an Neuem geforscht wird, muss das Alte weiterbetrieben und optimiert werden – nur so ist die notwendige Flexibilität gewährleistet.

Wenn von Ambidextrie bezogen auf den Arbeitsmarkt die Rede ist, dann ist häufig organisationale Ambidextrie gemeint: Von Unternehmen wird erwartet, dass sie einerseits das operative Geschäft beherrschen, sich also ihrem Unternehmenszweck widmen. Gleichzeitig müssen sie sich weiterentwickeln und Innovationen vorantreiben.

Noch genauer lässt sich die organisationale Ambidextrie in zwei weitere Bereiche unterteilen:

  • Strukturelle Ambidextrie meint die organisatorische Trennung zwischen dem Bereich, der sich der kontinuierlichen Verbesserung des bestehenden Produkts kümmert und dem Bereich, der sich der Erschließung neuer Produkte widmet.
  • Kontextuelle Ambidextrie heißt, dass innerhalb eines bestimmten Bereiches situationsabhängig gehandelt wird.

Zweigleisigkeit jetzt gefordert

Auf den ersten Blick wirkt Ambidextrie wie ein Widerspruch, der all das konterkariert, was jahrelang gepredigt wurde. Wir denken etwa an Ambivalenz – keine genaue Zuordnung ist möglich. Oder die Tatsache, dass immer das Monotasking gepredigt wird, weil Multitasking nur dazu führt, dass man sich verzettelt.

Ambidextrie erfordert jetzt genau das von einem Unternehmen: zweigleisiges beziehungsweise mehrgleisiges Vorgehen. Statt sich nur und ausschließlich auf eine Sache zu konzentrieren, werden neue Wege beschritten – in völlig anderen Bereichen.

Zweigleisigkeit hat immer etwas von „sich nicht entscheiden können“: nicht Fisch, nicht Fleisch. Für Unternehmen in vielerlei Hinsicht eine eher schädliche Haltung. Ganz gleich, ob es dabei um ein nach außen kommuniziertes Image geht oder interne Anweisungen. Werden falsche Signale gesendet, hat das Konsequenzen für die weitere Entwicklung.

Die Notwendigkeit von Ambidextrie bringt es aber mit sich, dass zunehmend genau diese Beidhändigkeit von Unternehmen erwartet wird. Kein Entweder-Oder mehr, sondern ein Auch lässt sich bereits an etlichen Stellen beobachten.

Beispiele für Ambidextrie in Unternehmen

Ressourcenknappheit und ein verändertes Verbraucherbewusstsein führen zu sich wandelnden Märkten. Im Zeitalter der Digitalisierung, wo alles deutlich schneller läuft, bedeutet das für Unternehmen vor allem eins: mehr Flexibilität ist notwendig.

Statt sich nur noch auf das vermeintliche Kerngeschäft und die Kernkompetenz zu konzentrieren, werden nun Bereiche erschlossen, die vorher nicht zum Unternehmen zu passen schienen. Beispiele für Ambidextrie sind:

  • Die Automobilindustrie

    Fossile Brennstoffe sind begrenzt. Dazu kommt, dass ihr Vorkommen oft in politisch schwierigen Regionen liegt, so dass nie sicher absehbar ist, inwieweit ihre Verfügbarkeit gewährleistet ist. Der klassische Verbrennungsmotor in Fortbewegungsmitteln der Automobilindustrie ist auf genau diese Ressource ausgelegt.

    Das Wissen um schädliche Ausstoße bei der Verbrennung von Diesel und Benzin so wie ein gestiegenes Umweltbewusstsein führen dazu, dass Automobilkonzerne in der Pflicht sind, dem alten Produkt etwas Neues entgegenzusetzen. Zunehmend mehr Elektrofahrzeuge befahren nun die Straßen.

    Gleichzeitig sind diese sowohl in der Reichweite als auch in den Anschaffungskosten den alten Fahrzeugen oftmals unterlegen, weshalb die Automobilindustrie einerseits noch mit klassischen Fahrzeugen den Markt versorgen, gleichzeitig die Forderungen an höhere Leistungsfähigkeit bei niedrigeren Produktkosten bedienen soll.

  • Die Lebensmittelindustrie

    Wer Fleisch isst, ist kein Vegetarier. Gerade bei der Ernährung existieren teilweise ideologische Gräben. Lange schien klar, dass Produkte für Vegetarier und Fleischesser somit nicht aus einer Hand kommen können.

    Solange die vegetarische Ernährung eher einen kleinen Teil der Bevölkerung betraf, sind sich fleischproduzierende Betriebe und solche, die vegetarische Lebensmittel als Kerngeschäft haben, nicht in die Quere gekommen. Unzählige Tierskandale bezogen auf Antibiotika, Tierhaltung und Hygienestandards, tragen dazu bei, dass immer mehr Menschen ihren Fleischkonsum überdenken.

    Hinzu kommt auch hier der Nachhaltigkeitsaspekt, denn für Massentierhaltung wird ausgerechnet die Ressource vernichtet, die gleichzeitig eine bessere Luftqualität und Schutz vor Überhitzung bietet: Bäume. Für Unternehmen, die von der Fleischproduktion abhängig sind, ist Umdenken gefragt: Wie können wir den veränderten Ansprüchen der Kunden gerecht werden?

Wie können Unternehmen Ambidextrie umsetzen?

Ambidextrie ist ein Thema, das Unternehmen, Führungskräfte und Mitarbeiter gleichermaßen betrifft. Disruptive Geschäftsmodelle verändern den Markt – mit Effizienz allein gewinnen Unternehmen mittlerweile keinen Blumenpott mehr. Der einst ausgebaute Wettbewerbsvorsprung schmilzt nun binnen kürzester Zeit.

Wie können Unternehmen diesen Herausforderungen begegnen? Zumal die Schwierigkeit darin liegt, die Weichen für neue Wege zu stellen und alle ins Boot zu holen.

  • Mindset

    Für Ambidextrie braucht es die richtige Belegschaft. Ein Denken in „Das haben wir immer schon so gemacht“-Strukturen ist wenig zielführend. Stattdessen braucht es von der Spitze bis zur Basis Leute, die sich auf Neuerungen einstellen wollen und können. Hilfreich sind hier Fortbildungen, die notwendige Fähigkeiten und Kenntnisse vermitteln.

  • Entscheidungswege

    Im Rahmen von Exploration und Exploitation muss einerseits die Stabilität eines Unternehmens gewährleistet sein, heißt: Bestimmte Entscheidungswege und Hierarchien bleiben unangetastet, gleichzeitig gibt es Bereiche, in denen den Mitarbeitern freie Hand gelassen wird. Wichtig ist hierbei, dass Innovation Labs nicht ausgelagert werden: Dann weiß nämlich eine Hand nicht, was die andere tut und der betriebliche Zusammenhalt ist nicht gewährleistet. Vielmehr müssen beide Bereiche untereinander vernetzt sein und kommunizieren.

  • Führungsstil

    Große Unternehmen sind häufig schwerfällig. Starre Hierarchien verhindern, dass auf Veränderungen am Markt kurzfristig reagiert werden kann. Während Start-ups noch wesentlich experimentierfreudiger sind und ihren Mitarbeitern genügend Spielraum für die Entwicklung kreativer und innovativer Konzepte lassen, sind in gesetzteren Unternehmen Entscheidungswege zementiert. Ganz ohne Hierarchie geht es wie erwähnt nicht. Andererseits ist im Rahmen von Ambidextrie Digital Leadership gefragt: Führungskräfte bringen selbst die notwendige digitale Kompetenz in vielen Bereichen mit und sind in der Lage, diverse Teams zu gründen und zu führen.

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Rollen im Job: Welche übernehmen Sie? https://karrierebibel.de/rollen-im-job/ Mon, 15 Jul 2019 16:00:47 +0000 Nils Warkentin http://karrierebibel.de/?p=55382 Die Aufgabenbereiche, die Sie am Arbeitsplatz übernehmen sollen, sind genau in Ihrem Arbeitsvertrag geregelt. Doch mal ehrlich: Meist dauert es nicht lange, bis die unterschiedlichsten Dinge hinzukommen. Einige davon beruflicher Natur, andere übernehmen Sie freiwillig, da sie Ihrer Persönlichkeit entsprechen. Gemeint sind die Rollen, in die jeder einzelne im Job schlüpft. Diese können positiv sein und Ihren Ruf bei Kollegen und Chefetage steigern. Oder dafür sorgen, dass sich Ihre Karriere auf einem absteigenden Ast befindet. Welche Rollen Sie im Job übernehmen, liegt in Ihrer Hand. Unsere Typologie zeigt Ihnen die häufigsten Rollen, denen Sie im Berufsleben begegnen werden…

Rollen im Job: Nicht immer nur positiv

Im Job zeigt sich jeder am liebsten von seiner besten Seite. Man möchte von den Kollegen gemocht und geschätzt werden, mit dem Büronachbarn möchte man ein freundschaftliches Verhältnis pflegen und der Chef soll die eigenen Leitungen erkennen.

Nicht selten schlüpfen Arbeitnehmer deshalb im Job in verschiedene Rollen. Der engagierte Mitarbeiter, der verständnisvolle Freund, die starke Schulter oder wenn es sein muss auch mal der Sündenbock. Wer es mit diesen Rollen nicht übertreibt und auch seine eigene Persönlichkeit beibehält, kann am Arbeitsplatz viele Verbindungen knüpfen.

Einige Rollen werden vom Umfeld auch erwartet. In den Köpfen existiert ein konkretes Bild davon, wie sich beispielsweise ein Arbeitnehmer im Büro zu verhalten hat. Weicht ein Kollege von diesen Vorstellungen ab, entspricht er also nicht mehr der erwarteten Rolle, wird das Verhalten meist als unangemessen empfunden.

Sich im Job nur hinter gespielten Rollen zu verstecken, hat aber auch Nachteile:

  • Es ist anstrengend. Es brauch eine Menge Energie, um immer den Erwartungen aller anderen zu entsprechen. Dazu kann es auch gehören, sich selbst zu verstellen. Gleichzeitig befürchten viele, dass sie den Erwartungen nicht gerecht werden, was zu einem großen Druck führen kann.
  • Es ist unglaubwürdig. Viele Menschen haben ein gutes Gespür dafür, ob ihr Gegenüber es ehrlich mit ihnen meint. Ist die Glaubwürdigkeit einmal verloren, lässt sie sich kaum wiederherstellen.
  • Es ist heuchlerisch. Wer von seinen Mitmenschen Ehrlichkeit erwartet, sollte sich selbst auch ehrlich geben. Alles andere führt zu einer heuchlerischen Doppelmoral. Kurz gesagt: Wer anderen etwas vorspielt, darf sich nicht beschweren, wenn auch ihm gegenüber eine Fassade aufgebaut wird.

Rollen im Job: Typologie bekannter Charaktere

Im Job werden nicht nur Rollen übernommen, die etwas mit dem Beruf zu tun haben. Ganz im Gegenteil. Täglich treffen Sie im Büro auf die unterschiedlichsten Rollen, die in den meisten Fällen überhaupt nichts mit den beruflichen Aufgaben zu tun haben. Doch auch Sie übernehmen an Ihrem Arbeitsplatz verschiedene Rollen – bewusst oder unbewusst. Wir haben eine Typologie zusammengestellt, in der Sie wahrscheinlich einige Ihrer Kollegen – und wenn Sie ehrlich sind vielleicht auch sich selbst – wiedererkennen werden.

  1. Die Mutter

    Sie sorgt für Ordnung, räumt auch mal den Müll weg, den ein anderer hinterlassen hat und erklärt neuen Mitarbeitern, wie die Arbeit im Team abläuft. Die Kollegen schätzen sie für ihre Gutmütigkeit und Hilfsbereitschaft. Wenn es angebracht ist, kann die Mutter aber auch wütend werden und eine ordentliche Standpauke halten. Eigentlich hat sie zu allen ein gutes Verhältnis. Der einzige Weg, es sich mit ihr wirklich zu verscherzen, sind Lügen und Intrigen.

  2. Der Meisterkoch

    Einen Meisterkoch zu erkennen, ist in der Tat nicht schwer: Es ist der, der regelmäßig selbstgemachte Leckereien mit zur Arbeit bringt und das gesamte Team versorgt. Besonders freut er sich darüber, wenn es den Kollegen schmeckt. Natürlich ist der Meisterkoch bei seinen Kollegen beliebt, denn er sorgt für gute Laune und durch das gemeinsame Essen für einen stärkeren Zusammenhalt. Was er hingegen gar nicht mag, ist das Gefühl ausgenutzt zu werden.

  3. Die Lehrerin

    Völlig egal, worum es geht: Die Lehrerin weiß es besser – und das lässt sie auch gerne raushängen. Sie mischt sich in Diskussionen ein und gibt ungefragt ihren Senf dazu. Kurz gesagt: Sie belehrt andere. Bei Kollegen kommt diese Art nicht immer gut an. Die einen sehen eine Chance zur Verbesserung, die anderen sind von der Besserwisserei nur genervt. Um sich mit der Lehrerin gut zu stellen, sollte man sie bei wichtigen Entscheidungen um Rat fragen. Denn trotz ihrer aufdringlichen Art, hat sie meistens gute Ideen.

  4. Der Nerd

    Wenn es um Computer, das Internet oder technische Dinge geht, ist der Nerd einfach nicht zu überbieten. Wenn ein Computer streikt, reichen ihm fünf Minuten für die Reparatur und auch die neuesten Online-Trends kennt er bereits seit geraumer Zeit. Im Büro wird er vor allem für seine Intelligenz und Problemlösungen geschätzt. Eine Freude können Sie ihm machen, wenn Sie über die neuesten Apps fachsimpeln können.

  5. Die Klatschtante

    An jedem Arbeitsplatz gibt es sie und wenn von der Klatschtante gesprochen wird, weiß sofort jeder Angestellte, wer gemeint ist. Ihre Lieblingsbeschäftigung auf der Arbeit sind die neuesten Informationen. Sie kennt die neuen Pläne für die Abteilung schon vor dem Chef und weiß auch, welche Kollegen sich nach Feierabend bei einem Glas Rotwein getroffen haben. Wenn es um berufliche Neuigkeiten geht, sollten Sie der Klatschtante zuhören. Bei allen anderen Gerüchten gilt aber: Halten Sie sich zurück und tratschen Sie nicht mit.

  6. Der Handwerker

    Der Stuhl quietscht, der Schreibtisch wackelt oder im Kopierer herrscht mal wieder ein endloser Papierstau – für den Handwerker kein Problem. Er sorgt dafür, dass im Büro immer alles funktioniert und am richtigen Platz liegt. Dafür mögen ihn die Kollegen, denn sobald ein Problem auftaucht, kann man sich auf den Handwerker verlassen. Vorsicht ist allerdings geboten, wenn Sie seine Fähigkeiten in Frage stellen. Ein zweifelndes „Bist du sicher, dass du das kannst?“ beleidigt ihn in seiner Handwerker-Ehre.

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Die Aufgabenbereiche, die Sie am Arbeitsplatz übernehmen sollen, sind genau in Ihrem Arbeitsvertrag geregelt. Doch mal ehrlich: Meist dauert es nicht lange, bis die unterschiedlichsten Dinge hinzukommen. Einige davon beruflicher Natur, andere übernehmen Sie freiwillig, da sie Ihrer Persönlichkeit entsprechen. Gemeint sind die Rollen, in die jeder einzelne im Job schlüpft. Diese können positiv sein und Ihren Ruf bei Kollegen und Chefetage steigern. Oder dafür sorgen, dass sich Ihre Karriere auf einem absteigenden Ast befindet. Welche Rollen Sie im Job übernehmen, liegt in Ihrer Hand. Unsere Typologie zeigt Ihnen die häufigsten Rollen, denen Sie im Berufsleben begegnen werden…

Rollen im Job: Nicht immer nur positiv

Im Job zeigt sich jeder am liebsten von seiner besten Seite. Man möchte von den Kollegen gemocht und geschätzt werden, mit dem Büronachbarn möchte man ein freundschaftliches Verhältnis pflegen und der Chef soll die eigenen Leitungen erkennen.

Nicht selten schlüpfen Arbeitnehmer deshalb im Job in verschiedene Rollen. Der engagierte Mitarbeiter, der verständnisvolle Freund, die starke Schulter oder wenn es sein muss auch mal der Sündenbock. Wer es mit diesen Rollen nicht übertreibt und auch seine eigene Persönlichkeit beibehält, kann am Arbeitsplatz viele Verbindungen knüpfen.

Einige Rollen werden vom Umfeld auch erwartet. In den Köpfen existiert ein konkretes Bild davon, wie sich beispielsweise ein Arbeitnehmer im Büro zu verhalten hat. Weicht ein Kollege von diesen Vorstellungen ab, entspricht er also nicht mehr der erwarteten Rolle, wird das Verhalten meist als unangemessen empfunden.

Sich im Job nur hinter gespielten Rollen zu verstecken, hat aber auch Nachteile:

  • Es ist anstrengend. Es brauch eine Menge Energie, um immer den Erwartungen aller anderen zu entsprechen. Dazu kann es auch gehören, sich selbst zu verstellen. Gleichzeitig befürchten viele, dass sie den Erwartungen nicht gerecht werden, was zu einem großen Druck führen kann.
  • Es ist unglaubwürdig. Viele Menschen haben ein gutes Gespür dafür, ob ihr Gegenüber es ehrlich mit ihnen meint. Ist die Glaubwürdigkeit einmal verloren, lässt sie sich kaum wiederherstellen.
  • Es ist heuchlerisch. Wer von seinen Mitmenschen Ehrlichkeit erwartet, sollte sich selbst auch ehrlich geben. Alles andere führt zu einer heuchlerischen Doppelmoral. Kurz gesagt: Wer anderen etwas vorspielt, darf sich nicht beschweren, wenn auch ihm gegenüber eine Fassade aufgebaut wird.

Rollen im Job: Typologie bekannter Charaktere

Im Job werden nicht nur Rollen übernommen, die etwas mit dem Beruf zu tun haben. Ganz im Gegenteil. Täglich treffen Sie im Büro auf die unterschiedlichsten Rollen, die in den meisten Fällen überhaupt nichts mit den beruflichen Aufgaben zu tun haben. Doch auch Sie übernehmen an Ihrem Arbeitsplatz verschiedene Rollen – bewusst oder unbewusst. Wir haben eine Typologie zusammengestellt, in der Sie wahrscheinlich einige Ihrer Kollegen – und wenn Sie ehrlich sind vielleicht auch sich selbst – wiedererkennen werden.

  1. Die Mutter

    Sie sorgt für Ordnung, räumt auch mal den Müll weg, den ein anderer hinterlassen hat und erklärt neuen Mitarbeitern, wie die Arbeit im Team abläuft. Die Kollegen schätzen sie für ihre Gutmütigkeit und Hilfsbereitschaft. Wenn es angebracht ist, kann die Mutter aber auch wütend werden und eine ordentliche Standpauke halten. Eigentlich hat sie zu allen ein gutes Verhältnis. Der einzige Weg, es sich mit ihr wirklich zu verscherzen, sind Lügen und Intrigen.

  2. Der Meisterkoch

    Einen Meisterkoch zu erkennen, ist in der Tat nicht schwer: Es ist der, der regelmäßig selbstgemachte Leckereien mit zur Arbeit bringt und das gesamte Team versorgt. Besonders freut er sich darüber, wenn es den Kollegen schmeckt. Natürlich ist der Meisterkoch bei seinen Kollegen beliebt, denn er sorgt für gute Laune und durch das gemeinsame Essen für einen stärkeren Zusammenhalt. Was er hingegen gar nicht mag, ist das Gefühl ausgenutzt zu werden.

  3. Die Lehrerin

    Völlig egal, worum es geht: Die Lehrerin weiß es besser – und das lässt sie auch gerne raushängen. Sie mischt sich in Diskussionen ein und gibt ungefragt ihren Senf dazu. Kurz gesagt: Sie belehrt andere. Bei Kollegen kommt diese Art nicht immer gut an. Die einen sehen eine Chance zur Verbesserung, die anderen sind von der Besserwisserei nur genervt. Um sich mit der Lehrerin gut zu stellen, sollte man sie bei wichtigen Entscheidungen um Rat fragen. Denn trotz ihrer aufdringlichen Art, hat sie meistens gute Ideen.

  4. Der Nerd

    Wenn es um Computer, das Internet oder technische Dinge geht, ist der Nerd einfach nicht zu überbieten. Wenn ein Computer streikt, reichen ihm fünf Minuten für die Reparatur und auch die neuesten Online-Trends kennt er bereits seit geraumer Zeit. Im Büro wird er vor allem für seine Intelligenz und Problemlösungen geschätzt. Eine Freude können Sie ihm machen, wenn Sie über die neuesten Apps fachsimpeln können.

  5. Die Klatschtante

    An jedem Arbeitsplatz gibt es sie und wenn von der Klatschtante gesprochen wird, weiß sofort jeder Angestellte, wer gemeint ist. Ihre Lieblingsbeschäftigung auf der Arbeit sind die neuesten Informationen. Sie kennt die neuen Pläne für die Abteilung schon vor dem Chef und weiß auch, welche Kollegen sich nach Feierabend bei einem Glas Rotwein getroffen haben. Wenn es um berufliche Neuigkeiten geht, sollten Sie der Klatschtante zuhören. Bei allen anderen Gerüchten gilt aber: Halten Sie sich zurück und tratschen Sie nicht mit.

  6. Der Handwerker

    Der Stuhl quietscht, der Schreibtisch wackelt oder im Kopierer herrscht mal wieder ein endloser Papierstau – für den Handwerker kein Problem. Er sorgt dafür, dass im Büro immer alles funktioniert und am richtigen Platz liegt. Dafür mögen ihn die Kollegen, denn sobald ein Problem auftaucht, kann man sich auf den Handwerker verlassen. Vorsicht ist allerdings geboten, wenn Sie seine Fähigkeiten in Frage stellen. Ein zweifelndes „Bist du sicher, dass du das kannst?“ beleidigt ihn in seiner Handwerker-Ehre.

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Überforderung: Auslöser, Symptome, Hilfe https://karrierebibel.de/ueberforderung/ Mon, 15 Jul 2019 11:00:31 +0000 Nils Warkentin http://karrierebibel.de/?p=53885 Überforderung ist inzwischen ein in fast allen Branchen und Berufen verbreitetes Phänomen. Ein großer Teil der Arbeitnehmer hat kurzzeitig oder sogar dauerhaft das Gefühl, den Anforderungen und der Arbeitslast nicht mehr gewachsen zu sein. Die Folge ist meist eine noch größere Belastung, da falsch auf die Situation reagiert wird. Wir zeigen, woran Sie erkennen, dass Sie überfordert sind und mit welchen Maßnahmen Sie etwas dagegen unternehmen können…

Definition Überforderung: Was ist darunter zu verstehen?

psychische Überforderung DefinitionVon Überforderung wird gesprochen, wenn dem subjektiven Empfinden nach die eigenen Ressourcen und Kapazitäten nicht mehr ausreichen, um eine der Situation entsprechende Leistung zu erbringen. Es gibt unterschiedliche Formen – beispielsweise die kognitive oder die psychische Überforderung -, die sich auf verschiedene Lebensbereiche beziehen können.

Wer sich überfordert fühlt, empfindet ein hohes Maß an Stress – wobei dies heutzutage meist negativ interpretiert wird. Die Psychologie unterscheidet da etwas genauer zwischen Distress (negativem Stress) und Eustress (positivem Stress).

  • Eustress

    Bei positivem Stress sind wir sehr beschäftigt, empfinden das aber nicht zwangsläufig als unangenehm, da wir wissen, was zu tun ist. Wer Eustress hat, ist motiviert und arbeitet die Aufgaben der Reihe nach ab, beispielsweise, wenn er im Flow ist. Als positiven Effekt steigert Eustress die Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit der jeweiligen Person. Negativ wirkt sich diese Form des Stresses erst aus, wenn sie zum Dauerzustand wird und die Kompensationsmöglichkeiten fehlen.

  • Distress

    Die psychische Überforderung ist vor allem eine Frage des gefühlten Stresses, heißt: Der oder die Betroffene hat selbst das Empfinden, keinerlei Handlungsspielraum zu haben und fühlt sich den Aufgaben nicht gewachsen. Dabei spielt es keine Rolle, ob andere Personen in derselben Situation zu einem anderen Ergebnis kämen. Wer beispielsweise keine Zeit oder nicht die notwendigen Kenntnisse hatte, seine Powerpoint-Präsentation fürs Meeting vorzubereiten, wird sich gestresst fühlen – mit mehr Zeit und den entsprechenden Kenntnissen würde die gleiche Situation anders bewertet.

Stress ist zu einem Massenphänomen geworden. Fast sechs von zehn Deutschen empfinden ihr Leben als stressig. Besonders Angestellte stehen unter Dauerdruck. Häufige Stressfaktoren:

Berufstätige zwischen 30 und 40 Jahren leiden unter einer Doppelbelastung, weil sie sich in einer Lebensphase befinden, in der die Familiengründung mit wichtigen Karriereschritten zusammenfällt.

Viele Arbeitnehmer sehen sich unter Druck

Schnell entsteht aus Stress Unzufriedenheit im Job: Sie fühlen sich in dem aktuellen Arbeitsumfeld nicht mehr wohl, die Arbeit macht keinen Spaß mehr, sondern wird zunehmend zur Belastung.

Ein Zustand dauerhafter Unzufriedenheit hinterlässt seine Spuren in der Psyche. Depressionen können die Folge sein.

Eine Studie der Bertelsmann Stiftung, die sich mit den Folgen von zu hohen Anforderungen an Arbeitnehmer beschäftigt, kommt gar zu dem erschreckenden Ergebnis: Die steigende Überforderung im Beruf führt neben Stress auch zu selbstgefährdendem Verhalten unter den Mitarbeitern.

Von den 1000 Erwerbstätigen gaben viele an, überfordert zu sein. Gleichzeitig stehen sie so sehr unter Druck, dass sie ihre eigene Gesundheit gefährden, um den Leistungsvorgaben gerecht zu werden. Genauer:

  • Knapp 25 Prozent glauben nicht, dass sie das derzeitige Arbeitstempo langfristig durchhalten können.
  • 18 Prozent stoßen regelmäßig an ihre Leistungsgrenze.
  • Um das Pensum zu schaffen, verzichten 23 Prozent gänzlich auf Pausen.

Jeder Achte erscheint sogar krank zur Arbeit, um die Erwartungen zu erfüllen. Dass ein solches Verhalten dauerhafte Schäden für die eigene Gesundheit nach sich ziehen kann, wird dabei in Kauf genommen. 42 Prozent der Befragten sagten, dass ihr Arbeitsumfeld durch steigende Leistungsziele geprägt ist. Gleichzeitig weiß aber jeder Dritte nicht mehr, wie er die wachsenden Ansprüche bewältigen soll.

Das große Problem: Mitarbeiter überfordern sich und ihre Gesundheit, um Vorgaben umzusetzen. Werden die Ziele dann allerdings erreicht, gelten diese als neuer Maßstab. Für Mitarbeiter ist es besonders schwer, aus diesem Kreis zu entkommen. Denn 51 Prozent der Befragten gaben in der Studie an, keinen oder nur geringen Einfluss auf das Arbeitsvolumen zu haben.

Symptome bei Überforderung

Viele Arbeitnehmer schieben den Gedanken an eine mögliche Überforderung weg, da sie es als Zeichen von Schwäche deuten. Gleichzeitig reden sie sich ein, dass die Schuld bei ihnen läge und setzen darauf, dass es nach kurzer Zeit besser wird.

Richtig ist, dass nicht jede stressige berufliche Phase gleichzeitig mit einer Belastung einhergeht, die sofortiges Handeln erfordert. Andererseits ist es unerlässlich, dass Sie die Anzeichen einer drohenden oder bereits akuten Überforderung erkennen, um darauf reagieren zu können.

Klassische Symptome der Überforderung:

  • Sie fühlen sich schlaff, erschöpft, müde, frustriert und haben keine Lust, etwas zu unternehmen.
  • Sie sind häufig krank und fühlen sich nicht in der Lage, zur Arbeit zu gehen.
  • Sie wissen nicht, wie Sie sich selbst helfen können, wollen aber auch nur ungern darüber sprechen.
  • Sie müssen sich aufraffen und überwinden, um zur Arbeit zu gehen.
  • Sie müssen immer mehr Überstunden machen, da die vorgesehene Arbeitszeit nicht ausreicht, um Ihre Aufgaben zu erfüllen.
  • Die Fehler am Arbeitsplatz häufen sich, obwohl Sie sich weiterhin bemühen.
  • Sie leiden auch im Privatleben zunehmend unter der beruflichen Situation.
  • Sie haben Angst vor neuen Aufgaben.

Überfordertsein und Stress als Machtstrategie

Überforderung als MachtstrategieKaum jemand würde es zugeben, aber tatsächlich ist Überforderung nicht nur eine Zivilisationskrankheit, sondern auch eine Strategie. Anders ausgedrückt: Nicht jeder, der vorgibt Stress zu haben, hat ihn tatsächlich. Ganz häufig wird damit manipuliert.

Stress ist nicht nur Ausdruck von Überforderung, Ohnmachtgefühlen oder narzisstischen Verletzungen. Oft ist er nichts weiter als eine Unterwerfungsgeste – und damit eine subtile Machtstrategie:

  • Durch Stress signalisiert der Rangniedrigere, dass er den höheren Status des Chefs anerkennt (Du darfst mir Stress machen!). Ergo wird er weiterhin geduldet, vielleicht sogar befördert.
  • Oder der Stress moralisiert Fehlverhalten (Das war zu viel!). Dabei werden Erwartungen hin und her geschoben, Schuld zugewiesen und ein schlechtes Gewissen gemacht.

Soziologen sagen: Ohne ein solches Verhaltensrepertoire würden Gruppen nicht funktionieren.

So ist es auch kein Wunder, dass der Stresspegel weltweit in den Unternehmen steigt: Der Arbeitsalltag ist mehr und mehr geprägt von Unsicherheit, von prekären Verhältnissen, von Projektarbeit. Ständig setzen sich neue Teams zusammen, darin müssen die Mitglieder ständig neue Rollen und Rangordnungen finden. Sie erinnern sich: Gruppenstress.

Dabei ein bisschen Stress zu zeigen, macht unverdächtig, weckt bei anderen Sympathien und lullt dominante Alpha-Typen ein.

Umgekehrt gilt allerdings auch: Je höher Sie in der Hierarchie steigen, desto weniger Stress dürfen Sie zeigen. Denn wer führt, der fürchtet (offiziell) nicht – nicht einmal Druck.

Hilfe bei Überforderung: Was Sie tun können

Ein erster Schritt zur Besserung ist Akzeptanz. Es wird Sie nicht weiterbringen, so zu tun, als wäre alles in bester Ordnung. Machen Sie sich keine Vorwürfe, denn diese sind unbegründet und führen nur zu mehr Problemen. Stattdessen sollten Sie Ihre eigenen Grenzen wahrnehmen und entsprechend handeln.

Um die Überforderung zu bekämpfen, gibt es verschiedene Wege:

  • Reduzieren Sie Ihre Aufgaben

    Ein wichtiger Schritt, um die Überforderung zu beenden, ist eine geringere Last auf Ihren Schultern. Allein ist dies für Angestellte kaum umzusetzen, sprechen Sie daher mit Ihrem Chef. Erklären Sie ihm die Situation und Ihre Probleme mit den hohen Anforderungen. Gemeinsam lassen sich Lösungen erarbeiten, um Aufgaben anders zu verteilen oder Ihre Verantwortung zu reduzieren.

  • Reflektieren Sie Ihre Tätigkeit

    Nicht immer ist es das reine Arbeitspensum, manchmal ist es schlichtweg die falsche Arbeit: Macht Ihnen Ihr Job grundsätzlich Spaß? Ist das die Tätigkeit, für die Sie ausgebildet wurden und die Sie machen möchten? Manchmal haben sich im Laufe der Zeit die Interessen oder das Aufgabengebiet verändert. In solchen Fällen sollten Sie die Stellschraube nicht am Pensum ansetzen, sondern eine eine berufliche Neuorientierung oder einen Jobwechsel in Erwägung ziehen.

  • Konzentrieren Sie sich auf die wichtigsten Dinge

    Manchmal nimmt man sich einfach zu viel gleichzeitig vor – sowohl beruflich als auch privat. Streichen Sie einige Dinge von Ihrer To-do-Liste und fragen Sie sich, was momentan Ihr wichtigstes Anliegen ist. Mit klaren Prioritäten wissen Sie, in welchen Bereichen Sie Ihre Energie investieren sollten.

  • Machen Sie regelmäßige Pausen

    Pausen sind unerlässlich, um die eigenen Akkus wieder aufzuladen, Stress abzubauen und neue Motivation zu schöpfen. Machen Sie nicht den Fehler, Ihre Pausen zu opfern, um mehr zu arbeiten. Bereits nach kurzer Zeit geht dieser Versuch nach hinten los. Machen Sie Ihre Pausen stattdessen zu einem Ritual, das Sie pflegen.

  • Sorgen Sie für Ausgleich

    Hier geht es nicht um Verdrängung oder Vogel-Strauß-Politik. Aber damit Sie den Spaß an Ihrer Arbeit behalten, brauchen Sie Auszeiten und Abwechslung. Sich Tag für Tag mit denselben Inhalten (und Problemen) zu beschäftigen, ist irgendwann ermüdend und öde. Wer in der Zwischenzeit für körperliche und soziale Aktivitäten sorgt, ist zum Wochenbeginn wieder ganz anders mental anwesend und bringt sich entsprechend ein.

  • Suchen Sie das Gespräch

    Für eine erfolgreiche Bewältigung der anstehenden Aufgaben ist es wichtig, dass realistische Arbeitsziele gesetzt werden. In einigen Fällen hat der Vorgesetzte keine konkreten Vorstellungen davon, was seine Mitarbeiter im Einzelnen leisten. Ein Gespräch kann diesbezüglich Klarheit auf beiden Seiten schaffen: Was wird erwartet, was ist umsetzbar, welche Ideen und Vorstellungen sind für die Zukunft geplant. Solche verbindlichen und vor allem realistischen Zielvereinbarungsgespräche tragen dazu bei, selbstgefährdendes Verhalten zu minimieren.

Überforderung: 7 Dinge, die alles nur schlimmer machen

Einige Reaktionen, die ebenfalls weit verbreitet sind, tragen überhaupt nicht zur Besserung bei, sondern führen eher dazu, dass die Situation noch schlimmer wird. Wir zeigen sieben typische Verhaltensweisen, auf die Sie verzichten und was Sie stattdessen tun sollten:

  • Das Herunterspielen

    Ist doch alles nicht so schlimm – versuchen Sie sich selbst Ihre Situation schön zu reden. Dabei denken Sie an Freunde und Bekannte, die in unterbezahlten Jobs festhängen oder gar keinen Job haben. Obwohl Ihnen die Arbeit keinen Spaß mehr macht und sich an der Situation nichts ändert, halten Sie an Ihrem Job fest. Dass Sie dauernd Überstunden machen und heillos überfordert sind, wollen Sie nicht wahrhaben.

    Was Sie stattdessen tun sollten

    Versuchen Sie ehrlich zu sich selbst zu sein und sich einzugestehen, was schief läuft. Mit der Einstellung Ist doch nicht so schlimm verschließen Sie die Augen und verharren in einer unglücklichen Lage. Auch wenn es unangenehm ist festzustellen, dass der Job einen unglücklich macht, nur so können Sie etwas daran ändern.

  • Die Ablenkung

    Sie versuchen so wenig wie möglich über Ihre Situation im Job nachzudenken. Nach Feierabend packen Sie Ihre Sachen zusammen, widmen sich Ihren Hobbys oder treiben Sport. Ihre ganze Energie stecken Sie beispielsweise in die Umgestaltung Ihres Zuhauses. Montag bis Freitag schleppen Sie sich zur Arbeit und können es kaum erwarten, dass die Woche um ist.

    Was Sie stattdessen tun sollten

    Gehen Sie den Problemen im Job nicht aus dem Weg. Fragen Sie sich: Wieso bin ich unzufrieden? Was überfordert mich? Was kann ich tun, um die Situation zu verbessern? Kurz: Nehmen Sie es nicht einfach hin, sondern werden Sie aktiv, um etwas zu ändern.

  • Das Selbstmitleid

    Ihr Arbeitsumfeld macht Ihnen zu schaffen. In der Arbeit stehen Sie unter enormen Leistungsdruck. Nervlich sind Sie dadurch stark angespannt. Ihnen ist bewusst, dass Sie in Ihrem aktuellen Job nicht glücklich sind. Sie fühlen sich von Ihrem Chef und Ihren Kollegen ungerecht behandelt. Doch Selbstmitleid bringt Sie da auch nicht weiter.

    Was Sie stattdessen tun sollten

    Momentan leiden Sie still für sich selbst, aber Sie tun nichts, was zu einer Veränderung führen könnte. Sprechen Sie Ihre Probleme an und erklären Sie dem Chef, welche Anforderungen und Erwartungen zu Ihrer Überforderung führen.

  • Die Isolierung

    Ihnen wird das alles zu viel, doch Sie sagen nichts. Sie wollen vor Ihren Kollegen nicht zugeben, dass Sie überfordert sind. Sie wollen keine Schwäche zeigen und arbeiten stattdessen alleine. Sie sind zum Einzelgänger geworden und versuchen sich möglichst von den anderen abzuschotten.

    Was Sie stattdessen tun sollten

    Wer alles alleine macht, verliert auf Dauer die Fähigkeit, im Team zu arbeiten. Das wird auch Ihrem Chef auffallen und dieser wird an Ihrer Sozialkompetenz zweifeln. Jeder kommt mal an einen Punkt, an dem er Unterstützung braucht. Das ist keine Schwäche. Im Gegenteil: Durch den Input von außen können Sie Ihre Arbeit noch verbessern und können Aufgaben und Verantwortung teilen.

  • Die Lähmung

    Sie sehen den Berg von Arbeit vor sich, doch können nicht loslegen. Sie wissen nicht, wo Sie anfangen sollen. Das führt zu einer Schockstarre, in der Sie nur beobachten, wie der Berg größer und größer wird, ohne etwas dagegen zu unternehmen.

    Was Sie stattdessen tun sollten:

    Gehen Sie systematisch an die Sache heran. Verschaffen Sie sich einen Überblick über die zu erledigenden Aufgaben. Beginnen Sie dann Schritt für Schritt die Aufgaben abzuarbeiten.

  • Die Selbstgeißelung

    In der Arbeit läuft es nicht so, wie Sie sich das gewünscht haben. Dafür geben Sie sich die Schuld. Wenn ich doch nur… – mit diesem Gedanken halten Sie sich all Ihre Fehler vor und setzen sich unter Druck. Sie vergleichen sich mit Ihren Kollegen und haben das Gefühl, dass es diesen leichter fällt, mit dem Stress und dem Arbeitspensum fertig zu werden.

    Was Sie stattdessen tun sollten

    Der Vergleich mit Ihren Kollegen schadet Ihnen nur. Jeder Mensch hat ein anderes Stressempfinden und ist zu einem anderen Zeitpunkt überfordert. Konzentrieren Sie sich darauf, Ihr eigenes Arbeitstempo zu finden.

  • Der Übereifer

    Sie begegnen Ihrer Überforderung, indem Sie versuchen, alles auf einmal zu machen. Die Arbeit wächst Ihnen zwar langsam über den Kopf, doch Sie versuchen krampfhaft Schritt zu halten. Anliegen des Chefs und der Kollegen übernehmen Sie, obwohl Sie dafür keine freien Kapazitäten haben. Ihnen fällt es schwer Nein zu sagen und Grenzen zu setzen. Dabei überfordern Sie sich selbst immer weiter.

    Was Sie stattdessen tun sollten

    Sagen Sie Ihren Kollegen und Ihrem Chef offen, dass es Ihnen zu viel wird. Bitten Sie Ihre Kollegen um Hilfe und kehren Sie wieder zu einem Arbeitspensum zurück, bei dem Sie sich wohlfühlen.

[Bildnachweis: KieferPix by Shutterstock.com]
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Überforderung ist inzwischen ein in fast allen Branchen und Berufen verbreitetes Phänomen. Ein großer Teil der Arbeitnehmer hat kurzzeitig oder sogar dauerhaft das Gefühl, den Anforderungen und der Arbeitslast nicht mehr gewachsen zu sein. Die Folge ist meist eine noch größere Belastung, da falsch auf die Situation reagiert wird. Wir zeigen, woran Sie erkennen, dass Sie überfordert sind und mit welchen Maßnahmen Sie etwas dagegen unternehmen können…

Definition Überforderung: Was ist darunter zu verstehen?

psychische Überforderung DefinitionVon Überforderung wird gesprochen, wenn dem subjektiven Empfinden nach die eigenen Ressourcen und Kapazitäten nicht mehr ausreichen, um eine der Situation entsprechende Leistung zu erbringen. Es gibt unterschiedliche Formen – beispielsweise die kognitive oder die psychische Überforderung -, die sich auf verschiedene Lebensbereiche beziehen können.

Wer sich überfordert fühlt, empfindet ein hohes Maß an Stress – wobei dies heutzutage meist negativ interpretiert wird. Die Psychologie unterscheidet da etwas genauer zwischen Distress (negativem Stress) und Eustress (positivem Stress).

  • Eustress

    Bei positivem Stress sind wir sehr beschäftigt, empfinden das aber nicht zwangsläufig als unangenehm, da wir wissen, was zu tun ist. Wer Eustress hat, ist motiviert und arbeitet die Aufgaben der Reihe nach ab, beispielsweise, wenn er im Flow ist. Als positiven Effekt steigert Eustress die Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit der jeweiligen Person. Negativ wirkt sich diese Form des Stresses erst aus, wenn sie zum Dauerzustand wird und die Kompensationsmöglichkeiten fehlen.

  • Distress

    Die psychische Überforderung ist vor allem eine Frage des gefühlten Stresses, heißt: Der oder die Betroffene hat selbst das Empfinden, keinerlei Handlungsspielraum zu haben und fühlt sich den Aufgaben nicht gewachsen. Dabei spielt es keine Rolle, ob andere Personen in derselben Situation zu einem anderen Ergebnis kämen. Wer beispielsweise keine Zeit oder nicht die notwendigen Kenntnisse hatte, seine Powerpoint-Präsentation fürs Meeting vorzubereiten, wird sich gestresst fühlen – mit mehr Zeit und den entsprechenden Kenntnissen würde die gleiche Situation anders bewertet.

Stress ist zu einem Massenphänomen geworden. Fast sechs von zehn Deutschen empfinden ihr Leben als stressig. Besonders Angestellte stehen unter Dauerdruck. Häufige Stressfaktoren:

Berufstätige zwischen 30 und 40 Jahren leiden unter einer Doppelbelastung, weil sie sich in einer Lebensphase befinden, in der die Familiengründung mit wichtigen Karriereschritten zusammenfällt.

Viele Arbeitnehmer sehen sich unter Druck

Schnell entsteht aus Stress Unzufriedenheit im Job: Sie fühlen sich in dem aktuellen Arbeitsumfeld nicht mehr wohl, die Arbeit macht keinen Spaß mehr, sondern wird zunehmend zur Belastung.

Ein Zustand dauerhafter Unzufriedenheit hinterlässt seine Spuren in der Psyche. Depressionen können die Folge sein.

Eine Studie der Bertelsmann Stiftung, die sich mit den Folgen von zu hohen Anforderungen an Arbeitnehmer beschäftigt, kommt gar zu dem erschreckenden Ergebnis: Die steigende Überforderung im Beruf führt neben Stress auch zu selbstgefährdendem Verhalten unter den Mitarbeitern.

Von den 1000 Erwerbstätigen gaben viele an, überfordert zu sein. Gleichzeitig stehen sie so sehr unter Druck, dass sie ihre eigene Gesundheit gefährden, um den Leistungsvorgaben gerecht zu werden. Genauer:

  • Knapp 25 Prozent glauben nicht, dass sie das derzeitige Arbeitstempo langfristig durchhalten können.
  • 18 Prozent stoßen regelmäßig an ihre Leistungsgrenze.
  • Um das Pensum zu schaffen, verzichten 23 Prozent gänzlich auf Pausen.

Jeder Achte erscheint sogar krank zur Arbeit, um die Erwartungen zu erfüllen. Dass ein solches Verhalten dauerhafte Schäden für die eigene Gesundheit nach sich ziehen kann, wird dabei in Kauf genommen. 42 Prozent der Befragten sagten, dass ihr Arbeitsumfeld durch steigende Leistungsziele geprägt ist. Gleichzeitig weiß aber jeder Dritte nicht mehr, wie er die wachsenden Ansprüche bewältigen soll.

Das große Problem: Mitarbeiter überfordern sich und ihre Gesundheit, um Vorgaben umzusetzen. Werden die Ziele dann allerdings erreicht, gelten diese als neuer Maßstab. Für Mitarbeiter ist es besonders schwer, aus diesem Kreis zu entkommen. Denn 51 Prozent der Befragten gaben in der Studie an, keinen oder nur geringen Einfluss auf das Arbeitsvolumen zu haben.

Symptome bei Überforderung

Viele Arbeitnehmer schieben den Gedanken an eine mögliche Überforderung weg, da sie es als Zeichen von Schwäche deuten. Gleichzeitig reden sie sich ein, dass die Schuld bei ihnen läge und setzen darauf, dass es nach kurzer Zeit besser wird.

Richtig ist, dass nicht jede stressige berufliche Phase gleichzeitig mit einer Belastung einhergeht, die sofortiges Handeln erfordert. Andererseits ist es unerlässlich, dass Sie die Anzeichen einer drohenden oder bereits akuten Überforderung erkennen, um darauf reagieren zu können.

Klassische Symptome der Überforderung:

  • Sie fühlen sich schlaff, erschöpft, müde, frustriert und haben keine Lust, etwas zu unternehmen.
  • Sie sind häufig krank und fühlen sich nicht in der Lage, zur Arbeit zu gehen.
  • Sie wissen nicht, wie Sie sich selbst helfen können, wollen aber auch nur ungern darüber sprechen.
  • Sie müssen sich aufraffen und überwinden, um zur Arbeit zu gehen.
  • Sie müssen immer mehr Überstunden machen, da die vorgesehene Arbeitszeit nicht ausreicht, um Ihre Aufgaben zu erfüllen.
  • Die Fehler am Arbeitsplatz häufen sich, obwohl Sie sich weiterhin bemühen.
  • Sie leiden auch im Privatleben zunehmend unter der beruflichen Situation.
  • Sie haben Angst vor neuen Aufgaben.

Überfordertsein und Stress als Machtstrategie

Überforderung als MachtstrategieKaum jemand würde es zugeben, aber tatsächlich ist Überforderung nicht nur eine Zivilisationskrankheit, sondern auch eine Strategie. Anders ausgedrückt: Nicht jeder, der vorgibt Stress zu haben, hat ihn tatsächlich. Ganz häufig wird damit manipuliert.

Stress ist nicht nur Ausdruck von Überforderung, Ohnmachtgefühlen oder narzisstischen Verletzungen. Oft ist er nichts weiter als eine Unterwerfungsgeste – und damit eine subtile Machtstrategie:

  • Durch Stress signalisiert der Rangniedrigere, dass er den höheren Status des Chefs anerkennt (Du darfst mir Stress machen!). Ergo wird er weiterhin geduldet, vielleicht sogar befördert.
  • Oder der Stress moralisiert Fehlverhalten (Das war zu viel!). Dabei werden Erwartungen hin und her geschoben, Schuld zugewiesen und ein schlechtes Gewissen gemacht.

Soziologen sagen: Ohne ein solches Verhaltensrepertoire würden Gruppen nicht funktionieren.

So ist es auch kein Wunder, dass der Stresspegel weltweit in den Unternehmen steigt: Der Arbeitsalltag ist mehr und mehr geprägt von Unsicherheit, von prekären Verhältnissen, von Projektarbeit. Ständig setzen sich neue Teams zusammen, darin müssen die Mitglieder ständig neue Rollen und Rangordnungen finden. Sie erinnern sich: Gruppenstress.

Dabei ein bisschen Stress zu zeigen, macht unverdächtig, weckt bei anderen Sympathien und lullt dominante Alpha-Typen ein.

Umgekehrt gilt allerdings auch: Je höher Sie in der Hierarchie steigen, desto weniger Stress dürfen Sie zeigen. Denn wer führt, der fürchtet (offiziell) nicht – nicht einmal Druck.

Hilfe bei Überforderung: Was Sie tun können

Ein erster Schritt zur Besserung ist Akzeptanz. Es wird Sie nicht weiterbringen, so zu tun, als wäre alles in bester Ordnung. Machen Sie sich keine Vorwürfe, denn diese sind unbegründet und führen nur zu mehr Problemen. Stattdessen sollten Sie Ihre eigenen Grenzen wahrnehmen und entsprechend handeln.

Um die Überforderung zu bekämpfen, gibt es verschiedene Wege:

  • Reduzieren Sie Ihre Aufgaben

    Ein wichtiger Schritt, um die Überforderung zu beenden, ist eine geringere Last auf Ihren Schultern. Allein ist dies für Angestellte kaum umzusetzen, sprechen Sie daher mit Ihrem Chef. Erklären Sie ihm die Situation und Ihre Probleme mit den hohen Anforderungen. Gemeinsam lassen sich Lösungen erarbeiten, um Aufgaben anders zu verteilen oder Ihre Verantwortung zu reduzieren.

  • Reflektieren Sie Ihre Tätigkeit

    Nicht immer ist es das reine Arbeitspensum, manchmal ist es schlichtweg die falsche Arbeit: Macht Ihnen Ihr Job grundsätzlich Spaß? Ist das die Tätigkeit, für die Sie ausgebildet wurden und die Sie machen möchten? Manchmal haben sich im Laufe der Zeit die Interessen oder das Aufgabengebiet verändert. In solchen Fällen sollten Sie die Stellschraube nicht am Pensum ansetzen, sondern eine eine berufliche Neuorientierung oder einen Jobwechsel in Erwägung ziehen.

  • Konzentrieren Sie sich auf die wichtigsten Dinge

    Manchmal nimmt man sich einfach zu viel gleichzeitig vor – sowohl beruflich als auch privat. Streichen Sie einige Dinge von Ihrer To-do-Liste und fragen Sie sich, was momentan Ihr wichtigstes Anliegen ist. Mit klaren Prioritäten wissen Sie, in welchen Bereichen Sie Ihre Energie investieren sollten.

  • Machen Sie regelmäßige Pausen

    Pausen sind unerlässlich, um die eigenen Akkus wieder aufzuladen, Stress abzubauen und neue Motivation zu schöpfen. Machen Sie nicht den Fehler, Ihre Pausen zu opfern, um mehr zu arbeiten. Bereits nach kurzer Zeit geht dieser Versuch nach hinten los. Machen Sie Ihre Pausen stattdessen zu einem Ritual, das Sie pflegen.

  • Sorgen Sie für Ausgleich

    Hier geht es nicht um Verdrängung oder Vogel-Strauß-Politik. Aber damit Sie den Spaß an Ihrer Arbeit behalten, brauchen Sie Auszeiten und Abwechslung. Sich Tag für Tag mit denselben Inhalten (und Problemen) zu beschäftigen, ist irgendwann ermüdend und öde. Wer in der Zwischenzeit für körperliche und soziale Aktivitäten sorgt, ist zum Wochenbeginn wieder ganz anders mental anwesend und bringt sich entsprechend ein.

  • Suchen Sie das Gespräch

    Für eine erfolgreiche Bewältigung der anstehenden Aufgaben ist es wichtig, dass realistische Arbeitsziele gesetzt werden. In einigen Fällen hat der Vorgesetzte keine konkreten Vorstellungen davon, was seine Mitarbeiter im Einzelnen leisten. Ein Gespräch kann diesbezüglich Klarheit auf beiden Seiten schaffen: Was wird erwartet, was ist umsetzbar, welche Ideen und Vorstellungen sind für die Zukunft geplant. Solche verbindlichen und vor allem realistischen Zielvereinbarungsgespräche tragen dazu bei, selbstgefährdendes Verhalten zu minimieren.

Überforderung: 7 Dinge, die alles nur schlimmer machen

Einige Reaktionen, die ebenfalls weit verbreitet sind, tragen überhaupt nicht zur Besserung bei, sondern führen eher dazu, dass die Situation noch schlimmer wird. Wir zeigen sieben typische Verhaltensweisen, auf die Sie verzichten und was Sie stattdessen tun sollten:

  • Das Herunterspielen

    Ist doch alles nicht so schlimm – versuchen Sie sich selbst Ihre Situation schön zu reden. Dabei denken Sie an Freunde und Bekannte, die in unterbezahlten Jobs festhängen oder gar keinen Job haben. Obwohl Ihnen die Arbeit keinen Spaß mehr macht und sich an der Situation nichts ändert, halten Sie an Ihrem Job fest. Dass Sie dauernd Überstunden machen und heillos überfordert sind, wollen Sie nicht wahrhaben.

    Was Sie stattdessen tun sollten

    Versuchen Sie ehrlich zu sich selbst zu sein und sich einzugestehen, was schief läuft. Mit der Einstellung Ist doch nicht so schlimm verschließen Sie die Augen und verharren in einer unglücklichen Lage. Auch wenn es unangenehm ist festzustellen, dass der Job einen unglücklich macht, nur so können Sie etwas daran ändern.

  • Die Ablenkung

    Sie versuchen so wenig wie möglich über Ihre Situation im Job nachzudenken. Nach Feierabend packen Sie Ihre Sachen zusammen, widmen sich Ihren Hobbys oder treiben Sport. Ihre ganze Energie stecken Sie beispielsweise in die Umgestaltung Ihres Zuhauses. Montag bis Freitag schleppen Sie sich zur Arbeit und können es kaum erwarten, dass die Woche um ist.

    Was Sie stattdessen tun sollten

    Gehen Sie den Problemen im Job nicht aus dem Weg. Fragen Sie sich: Wieso bin ich unzufrieden? Was überfordert mich? Was kann ich tun, um die Situation zu verbessern? Kurz: Nehmen Sie es nicht einfach hin, sondern werden Sie aktiv, um etwas zu ändern.

  • Das Selbstmitleid

    Ihr Arbeitsumfeld macht Ihnen zu schaffen. In der Arbeit stehen Sie unter enormen Leistungsdruck. Nervlich sind Sie dadurch stark angespannt. Ihnen ist bewusst, dass Sie in Ihrem aktuellen Job nicht glücklich sind. Sie fühlen sich von Ihrem Chef und Ihren Kollegen ungerecht behandelt. Doch Selbstmitleid bringt Sie da auch nicht weiter.

    Was Sie stattdessen tun sollten

    Momentan leiden Sie still für sich selbst, aber Sie tun nichts, was zu einer Veränderung führen könnte. Sprechen Sie Ihre Probleme an und erklären Sie dem Chef, welche Anforderungen und Erwartungen zu Ihrer Überforderung führen.

  • Die Isolierung

    Ihnen wird das alles zu viel, doch Sie sagen nichts. Sie wollen vor Ihren Kollegen nicht zugeben, dass Sie überfordert sind. Sie wollen keine Schwäche zeigen und arbeiten stattdessen alleine. Sie sind zum Einzelgänger geworden und versuchen sich möglichst von den anderen abzuschotten.

    Was Sie stattdessen tun sollten

    Wer alles alleine macht, verliert auf Dauer die Fähigkeit, im Team zu arbeiten. Das wird auch Ihrem Chef auffallen und dieser wird an Ihrer Sozialkompetenz zweifeln. Jeder kommt mal an einen Punkt, an dem er Unterstützung braucht. Das ist keine Schwäche. Im Gegenteil: Durch den Input von außen können Sie Ihre Arbeit noch verbessern und können Aufgaben und Verantwortung teilen.

  • Die Lähmung

    Sie sehen den Berg von Arbeit vor sich, doch können nicht loslegen. Sie wissen nicht, wo Sie anfangen sollen. Das führt zu einer Schockstarre, in der Sie nur beobachten, wie der Berg größer und größer wird, ohne etwas dagegen zu unternehmen.

    Was Sie stattdessen tun sollten:

    Gehen Sie systematisch an die Sache heran. Verschaffen Sie sich einen Überblick über die zu erledigenden Aufgaben. Beginnen Sie dann Schritt für Schritt die Aufgaben abzuarbeiten.

  • Die Selbstgeißelung

    In der Arbeit läuft es nicht so, wie Sie sich das gewünscht haben. Dafür geben Sie sich die Schuld. Wenn ich doch nur… – mit diesem Gedanken halten Sie sich all Ihre Fehler vor und setzen sich unter Druck. Sie vergleichen sich mit Ihren Kollegen und haben das Gefühl, dass es diesen leichter fällt, mit dem Stress und dem Arbeitspensum fertig zu werden.

    Was Sie stattdessen tun sollten

    Der Vergleich mit Ihren Kollegen schadet Ihnen nur. Jeder Mensch hat ein anderes Stressempfinden und ist zu einem anderen Zeitpunkt überfordert. Konzentrieren Sie sich darauf, Ihr eigenes Arbeitstempo zu finden.

  • Der Übereifer

    Sie begegnen Ihrer Überforderung, indem Sie versuchen, alles auf einmal zu machen. Die Arbeit wächst Ihnen zwar langsam über den Kopf, doch Sie versuchen krampfhaft Schritt zu halten. Anliegen des Chefs und der Kollegen übernehmen Sie, obwohl Sie dafür keine freien Kapazitäten haben. Ihnen fällt es schwer Nein zu sagen und Grenzen zu setzen. Dabei überfordern Sie sich selbst immer weiter.

    Was Sie stattdessen tun sollten

    Sagen Sie Ihren Kollegen und Ihrem Chef offen, dass es Ihnen zu viel wird. Bitten Sie Ihre Kollegen um Hilfe und kehren Sie wieder zu einem Arbeitspensum zurück, bei dem Sie sich wohlfühlen.

[Bildnachweis: KieferPix by Shutterstock.com]
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Salamitaktik: So kommen Sie ans Ziel https://karrierebibel.de/salamitaktik/ Mon, 15 Jul 2019 09:00:53 +0000 Anja Rassek https://karrierebibel.de/?p=107147 Wenig ist so frustrierend wie Ziele, die scheitern, obwohl das Potenzial vorhanden wäre. Aber manchmal ist das große Ganze furchteinflößend und führt dazu, dass wir Dinge erst gar nicht anpacken. Mit der Salamitaktik haben Sie die Methode unter den Zeitmanagementmethoden an der Hand, die immer klappt. Stück für Stück arbeiten Sie sich voran. Warum sie so erfolgreich ist und wie Sie mit der Salamitaktik Ihre Ziele umsetzen…

Was ist die Salamitaktik und woher kommt sie?

Salamitaktik Zeitmanagement Projektmanagement KommunikationDer Begriff Salamitaktik beschreibt bildlich das Vorgehen bei einer Sache: Statt alles auf einmal anzugehen, unterteilen Sie Ihr Vorhaben in lauter kleinere Teilschritte.

So wie man eben auch eine Salami essen würde. Niemand käme auf die Idee, die Wurst als Ganzes hinunterzuschlingen, sondern Scheibchen für Scheibchen wird sie verzehrt. Übernommen wurde dieser Begriff aus dem Ungarischen, wo er das Vorgehen der kommunistischen Partei nach den Wahlen von 1947 beschrieb. Diese eignete sich unter Zuhilfenahme diverser Tricks eben Stück für Stück immer mehr Macht an.

Die Salamitaktik findet in verschiedenen Bereichen Verwendung:

  • Projektmanagement

    Ganz gleich, welcher Art Ihr Projekt ist: Viele sehen zu Beginn nur das, was am Ende dabei herauskommen soll und den langen Weg dahin. Die Salamitaktik als Methode des Zeitmanagements hilft dabei, große Aufgaben in kleine, weniger anstrengende Tätigkeiten zu unterteilen.

  • Verhandlungen

    Ebenso ist von Salamitaktik die Rede, wenn bei Verhandlungen ein Verhandlungspartner dem anderen gegenüber immer nur minimale Zugeständnisse macht. Hierbei handelt es sich um eine Zermürbetaktik.

  • Kommunikation

    Salamitaktik kann auch eine Beschreibung für Krisen-PR sein. Ein Unternehmen will größeren Schaden – beispielsweise bei Bekanntgabe eines Produktfehlers – abwenden und kommuniziert nur das Nötigste, was ohnehin bereits durch Recherchen aufgedeckt wurde.

Gerade in der Krisenkommunikation oder wenn es um juristisch zu ahnende Sachverhalte geht, hat sich die Salamitaktik zumeist als schlechtes Vorgehen erwiesen. Transparenz im Umgang mit eigenen Fehlern wird allgemein hoch geschätzt, dennoch bauen viele Unternehmen auf Zeit und hoffen, dass ein Skandal sich nicht weiter auswächst – und handeln genau entgegengesetzt.

Uneingeschränkt vorteilhaft hingegen ist die Salamitaktik im erstgenannten Beispiel und genau darum soll es hier gehen.

Zeitmanagement versus Selbstmanagement

Wenngleich hier unter anderem von Zeitmanagement die Rede ist, sei auf einen Unterschied hingewiesen. Die Erwähnung ist der Tatsache geschuldet, dass in der Ratgeberliteratur häufig von Zeitmanagement gesprochen wird.

Strenggenommen handelt es sich um Selbstmanagement, denn meist geht es darum, die Zeit, die für eine Aufgabe zur Verfügung steht, sinnvoll einzuteilen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, damit die Erledigung realistisch ist.

Die Zeit vergeht für jeden Menschen gleich schnell, der Tag hat immer 24 Stunden, auch wenn der subjektive Eindruck etwas anderes vorgaukelt. Unbestritten ist hingegen, dass manche Menschen viel Arbeit haben und andere weniger. Ebenso ist zu beobachten, dass manche Menschen mit weniger Zeit für ein- und dieselbe Sache auskommen als andere.

Und genau hier setzt Selbstmanagement an: Wo kann ich etwas verändern? Ein erster Ansatz ist die Kenntnis verschiedener Tricks und Methoden, wie eben der Salamitaktik.

Salamitaktik hilft gegen die größten Probleme

Ob es um die eigene Fitness, Gewichtsverlust, das Examen oder die Entwicklung eines neuen Produktes geht, das große Ganze wirkt häufig kaum bewältigbar. Die Unterteilung in kleinere Ziele hilft dabei, dem großen Ziel seinen Schrecken zu nehmen. Es macht einfach einen Unterschied, ob Sie…

  • 15 statt 45 Minuten anfangen zu joggen,
  • fünf statt 15 Kilo Gewichtsverlust anpeilen,
  • für ein Klausurthema lernen statt für drei oder
  • sich erst einmal eine Schublade zum Aufräumen vornehmen, bevor Sie den ganzen Schrank ausräumen.

Warum macht das einen Unterschied? Weil die Salamitaktik Ihre größten Feinde im Kampf um das Ziel besiegt. Wenn es um unangenehme Aufgaben geht, sind wir häufig antriebslos. Wir neigen dazu, Aufgaben aufzuschieben. Das Ziel scheint kaum erreichbar, weil noch so viele Dinge auf dem Weg dorthin erledigt werden müssen.

Manche Menschen kostet allein der Anfang schon derartige Überwindung, dass sie bereits scheitern, bevor sie begonnen haben. Schnell wird auf die nötige Selbstdisziplin verwiesen, aber die ist nur die halbe Miete. Viele stellen sich unter Selbstdisziplin vor, dass man nur hart genug arbeiten müsse, um entsprechende Erfolge vorweisen zu können.

Demnach wären alle diejenigen, bei denen der Erfolg ausbleibt, nicht in der Lage, hart zu arbeiten, ergo: faul. So einfach ist es natürlich nicht. Fleiß ist zwar grundsätzlich förderlich. Das Wissen um Methoden wie die Salamitaktik trägt allerdings enorm zum Gelingen dabei.

Teilschritte bringen etliche Vorteile

Die Salamitaktik hat verschiedene Vorteile:

Wir können uns leichter zu einer Aufgabe motivieren, denn sie ist klein und überschaubar. So wird die Antriebsschwäche ausgetrickst. Meist nimmt sie deshalb nicht so viel Zeit in Anspruch und das Erledigen der einzelnen Aufgabe trägt bereits zur Zufriedenheit bei.

Das reduziert gleichzeitig den Stress und lässt uns leichter zum nächsten Teilschritt übergehen. Und schnell werden so mehrere kleine Aufgaben erledigt, die Sie Ihrem großen Ziel bereits ein gehöriges Stück näher gebracht haben, als Sie zuvor gedacht hätten.

Dasselbe Prinzip wie die Salamitaktik machen sich übrigens auch die Pomodoro-Technik und die 2-Minuten-Regel zunutze: Sie unterteilen die Stunde in mehrere „Zeithäppchen“ à 25 Minuten und arbeiten diese am Stück.

Angesichts derartig kurzer Zeitintervalle oder noch kürzerer wie bei der 2-Minuten-Regel, fällt es den meisten deutlich leichter, sich auf die Arbeit zu konzentrieren.

So setzen Sie die Salamitaktik um

Wichtige Projekte – und erst einmal ist alles, was Sie angehen wollen, ein Projekt – erfordern eine Planung. Sie meinen vielleicht, alles im Kopf zu haben. Manchmal vergisst man aber doch eine Kleinigkeit. Oder aber die fehlende Auseinandersetzung lässt es eben doch deutlich größer und unbezwingbarer erscheinen, als es eigentlich ist.

Angenommen, Sie möchten beruflich vorankommen. Damit Sie Ihr Ziel mit der Salamitaktik in Teilschritte herunterbrechen können, sollten Sie folgendermaßen vorgehen:

  • Formulieren Sie Ihr Ziel schriftlich.

    Entscheidend ist hierbei, dass Sie Ihr Ziel realistisch und möglichst konkret formulieren. Ziele wie „Ich will berühmt/reich werden“ sind zu unspezifisch. Besser wäre: „Ich besuche diese Fortbildung, um mir das erforderliche Wissen für die nächste Beförderung anzueignen.“ Beim Formulieren von Zielen hilft Ihnen beispielsweise die SMART-Methode.

  • Listen Sie auf, was es dafür braucht.

    Welcher Art soll die Fortbildung sein? Müssen Sie Literatur besorgen? Welche Bildungsträger bietet das Gewünschte an, welche Preise gibt es und zu welchen Zeiten finden die Seminare statt? Bei diesem Punkt sollte auch die Freizeitplanung bedacht werden. Eine eventuelle Betreuung für Kinder oder Verabredungen mit Freunden müssen möglicherweise neu organisiert werden.

  • Legen Sie Prioritäten fest.

    Für viele Dinge gibt es eine logische Reihenfolge. Bestes Beispiel: Sie bringen erst in Erfahrung, was eine Fortbildung kostet, bevor Sie sie buchen. Für solche Teilschritte, deren Priorität nicht sofort ersichtlich ist, arbeiten Sie am besten nach dem Eisenhower-Prinzip. Dafür müssen Sie nur zwei Fragen klären: Sind die Aufgaben wichtig oder unwichtig?
    Sind sie eilig oder nicht eilig? Alles was unwichtig und nicht eilig ist, legen Sie beiseite. Wichtig und eilig wäre beispielsweise, die Finanzen und freie Plätze zu klären, wenn der Kurs nächste Woche beginnen soll.

  • Erledigen Sie peu à peu die Teilschritte.

    Für viele hat sich beim Aufschreiben der Ziele die To-do-Liste bewährt. Das Schöne daran: Sie können mit jedem erreichten Teilziel einen Haken hinter die Aufgabe setzen. Das ist psychologisch sinnvoll, denn so sehen Sie bei jedem Blick auf Ihre Liste, was Sie bereits geschafft haben. Diesen Motivationskick nehmen Sie in die nächste Aufgabe.

Wichtig: Feiern Sie auch Teilerfolge. So bleiben Sie motiviert bis zum Schluss. Belohnen Sie sich, wenn Sie das Ziel erreicht haben.

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Wenig ist so frustrierend wie Ziele, die scheitern, obwohl das Potenzial vorhanden wäre. Aber manchmal ist das große Ganze furchteinflößend und führt dazu, dass wir Dinge erst gar nicht anpacken. Mit der Salamitaktik haben Sie die Methode unter den Zeitmanagementmethoden an der Hand, die immer klappt. Stück für Stück arbeiten Sie sich voran. Warum sie so erfolgreich ist und wie Sie mit der Salamitaktik Ihre Ziele umsetzen…

Was ist die Salamitaktik und woher kommt sie?

Salamitaktik Zeitmanagement Projektmanagement KommunikationDer Begriff Salamitaktik beschreibt bildlich das Vorgehen bei einer Sache: Statt alles auf einmal anzugehen, unterteilen Sie Ihr Vorhaben in lauter kleinere Teilschritte.

So wie man eben auch eine Salami essen würde. Niemand käme auf die Idee, die Wurst als Ganzes hinunterzuschlingen, sondern Scheibchen für Scheibchen wird sie verzehrt. Übernommen wurde dieser Begriff aus dem Ungarischen, wo er das Vorgehen der kommunistischen Partei nach den Wahlen von 1947 beschrieb. Diese eignete sich unter Zuhilfenahme diverser Tricks eben Stück für Stück immer mehr Macht an.

Die Salamitaktik findet in verschiedenen Bereichen Verwendung:

  • Projektmanagement

    Ganz gleich, welcher Art Ihr Projekt ist: Viele sehen zu Beginn nur das, was am Ende dabei herauskommen soll und den langen Weg dahin. Die Salamitaktik als Methode des Zeitmanagements hilft dabei, große Aufgaben in kleine, weniger anstrengende Tätigkeiten zu unterteilen.

  • Verhandlungen

    Ebenso ist von Salamitaktik die Rede, wenn bei Verhandlungen ein Verhandlungspartner dem anderen gegenüber immer nur minimale Zugeständnisse macht. Hierbei handelt es sich um eine Zermürbetaktik.

  • Kommunikation

    Salamitaktik kann auch eine Beschreibung für Krisen-PR sein. Ein Unternehmen will größeren Schaden – beispielsweise bei Bekanntgabe eines Produktfehlers – abwenden und kommuniziert nur das Nötigste, was ohnehin bereits durch Recherchen aufgedeckt wurde.

Gerade in der Krisenkommunikation oder wenn es um juristisch zu ahnende Sachverhalte geht, hat sich die Salamitaktik zumeist als schlechtes Vorgehen erwiesen. Transparenz im Umgang mit eigenen Fehlern wird allgemein hoch geschätzt, dennoch bauen viele Unternehmen auf Zeit und hoffen, dass ein Skandal sich nicht weiter auswächst – und handeln genau entgegengesetzt.

Uneingeschränkt vorteilhaft hingegen ist die Salamitaktik im erstgenannten Beispiel und genau darum soll es hier gehen.

Zeitmanagement versus Selbstmanagement

Wenngleich hier unter anderem von Zeitmanagement die Rede ist, sei auf einen Unterschied hingewiesen. Die Erwähnung ist der Tatsache geschuldet, dass in der Ratgeberliteratur häufig von Zeitmanagement gesprochen wird.

Strenggenommen handelt es sich um Selbstmanagement, denn meist geht es darum, die Zeit, die für eine Aufgabe zur Verfügung steht, sinnvoll einzuteilen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, damit die Erledigung realistisch ist.

Die Zeit vergeht für jeden Menschen gleich schnell, der Tag hat immer 24 Stunden, auch wenn der subjektive Eindruck etwas anderes vorgaukelt. Unbestritten ist hingegen, dass manche Menschen viel Arbeit haben und andere weniger. Ebenso ist zu beobachten, dass manche Menschen mit weniger Zeit für ein- und dieselbe Sache auskommen als andere.

Und genau hier setzt Selbstmanagement an: Wo kann ich etwas verändern? Ein erster Ansatz ist die Kenntnis verschiedener Tricks und Methoden, wie eben der Salamitaktik.

Salamitaktik hilft gegen die größten Probleme

Ob es um die eigene Fitness, Gewichtsverlust, das Examen oder die Entwicklung eines neuen Produktes geht, das große Ganze wirkt häufig kaum bewältigbar. Die Unterteilung in kleinere Ziele hilft dabei, dem großen Ziel seinen Schrecken zu nehmen. Es macht einfach einen Unterschied, ob Sie…

  • 15 statt 45 Minuten anfangen zu joggen,
  • fünf statt 15 Kilo Gewichtsverlust anpeilen,
  • für ein Klausurthema lernen statt für drei oder
  • sich erst einmal eine Schublade zum Aufräumen vornehmen, bevor Sie den ganzen Schrank ausräumen.

Warum macht das einen Unterschied? Weil die Salamitaktik Ihre größten Feinde im Kampf um das Ziel besiegt. Wenn es um unangenehme Aufgaben geht, sind wir häufig antriebslos. Wir neigen dazu, Aufgaben aufzuschieben. Das Ziel scheint kaum erreichbar, weil noch so viele Dinge auf dem Weg dorthin erledigt werden müssen.

Manche Menschen kostet allein der Anfang schon derartige Überwindung, dass sie bereits scheitern, bevor sie begonnen haben. Schnell wird auf die nötige Selbstdisziplin verwiesen, aber die ist nur die halbe Miete. Viele stellen sich unter Selbstdisziplin vor, dass man nur hart genug arbeiten müsse, um entsprechende Erfolge vorweisen zu können.

Demnach wären alle diejenigen, bei denen der Erfolg ausbleibt, nicht in der Lage, hart zu arbeiten, ergo: faul. So einfach ist es natürlich nicht. Fleiß ist zwar grundsätzlich förderlich. Das Wissen um Methoden wie die Salamitaktik trägt allerdings enorm zum Gelingen dabei.

Teilschritte bringen etliche Vorteile

Die Salamitaktik hat verschiedene Vorteile:

Wir können uns leichter zu einer Aufgabe motivieren, denn sie ist klein und überschaubar. So wird die Antriebsschwäche ausgetrickst. Meist nimmt sie deshalb nicht so viel Zeit in Anspruch und das Erledigen der einzelnen Aufgabe trägt bereits zur Zufriedenheit bei.

Das reduziert gleichzeitig den Stress und lässt uns leichter zum nächsten Teilschritt übergehen. Und schnell werden so mehrere kleine Aufgaben erledigt, die Sie Ihrem großen Ziel bereits ein gehöriges Stück näher gebracht haben, als Sie zuvor gedacht hätten.

Dasselbe Prinzip wie die Salamitaktik machen sich übrigens auch die Pomodoro-Technik und die 2-Minuten-Regel zunutze: Sie unterteilen die Stunde in mehrere „Zeithäppchen“ à 25 Minuten und arbeiten diese am Stück.

Angesichts derartig kurzer Zeitintervalle oder noch kürzerer wie bei der 2-Minuten-Regel, fällt es den meisten deutlich leichter, sich auf die Arbeit zu konzentrieren.

So setzen Sie die Salamitaktik um

Wichtige Projekte – und erst einmal ist alles, was Sie angehen wollen, ein Projekt – erfordern eine Planung. Sie meinen vielleicht, alles im Kopf zu haben. Manchmal vergisst man aber doch eine Kleinigkeit. Oder aber die fehlende Auseinandersetzung lässt es eben doch deutlich größer und unbezwingbarer erscheinen, als es eigentlich ist.

Angenommen, Sie möchten beruflich vorankommen. Damit Sie Ihr Ziel mit der Salamitaktik in Teilschritte herunterbrechen können, sollten Sie folgendermaßen vorgehen:

  • Formulieren Sie Ihr Ziel schriftlich.

    Entscheidend ist hierbei, dass Sie Ihr Ziel realistisch und möglichst konkret formulieren. Ziele wie „Ich will berühmt/reich werden“ sind zu unspezifisch. Besser wäre: „Ich besuche diese Fortbildung, um mir das erforderliche Wissen für die nächste Beförderung anzueignen.“ Beim Formulieren von Zielen hilft Ihnen beispielsweise die SMART-Methode.

  • Listen Sie auf, was es dafür braucht.

    Welcher Art soll die Fortbildung sein? Müssen Sie Literatur besorgen? Welche Bildungsträger bietet das Gewünschte an, welche Preise gibt es und zu welchen Zeiten finden die Seminare statt? Bei diesem Punkt sollte auch die Freizeitplanung bedacht werden. Eine eventuelle Betreuung für Kinder oder Verabredungen mit Freunden müssen möglicherweise neu organisiert werden.

  • Legen Sie Prioritäten fest.

    Für viele Dinge gibt es eine logische Reihenfolge. Bestes Beispiel: Sie bringen erst in Erfahrung, was eine Fortbildung kostet, bevor Sie sie buchen. Für solche Teilschritte, deren Priorität nicht sofort ersichtlich ist, arbeiten Sie am besten nach dem Eisenhower-Prinzip. Dafür müssen Sie nur zwei Fragen klären: Sind die Aufgaben wichtig oder unwichtig?
    Sind sie eilig oder nicht eilig? Alles was unwichtig und nicht eilig ist, legen Sie beiseite. Wichtig und eilig wäre beispielsweise, die Finanzen und freie Plätze zu klären, wenn der Kurs nächste Woche beginnen soll.

  • Erledigen Sie peu à peu die Teilschritte.

    Für viele hat sich beim Aufschreiben der Ziele die To-do-Liste bewährt. Das Schöne daran: Sie können mit jedem erreichten Teilziel einen Haken hinter die Aufgabe setzen. Das ist psychologisch sinnvoll, denn so sehen Sie bei jedem Blick auf Ihre Liste, was Sie bereits geschafft haben. Diesen Motivationskick nehmen Sie in die nächste Aufgabe.

Wichtig: Feiern Sie auch Teilerfolge. So bleiben Sie motiviert bis zum Schluss. Belohnen Sie sich, wenn Sie das Ziel erreicht haben.

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Bewerbungshomepage: Online zum Job https://karrierebibel.de/bewerbungshomepage/ Mon, 15 Jul 2019 07:00:14 +0000 Nils Warkentin http://karrierebibel.de/?p=59506 Das Internet ermöglicht eine Vielzahl an Bewerbungswegen, die so vor wenigen Jahrzehnten noch nicht denkbar waren, darunter die Bewerbungshomepage. Um das volle Potenzial einer solchen auszuschöpfen, muss sie jedoch richtig erstellt werden. Anderenfalls setzen Sie sich sogar dem Risiko aus, mit einer schlechten Website Ihre Chancen auf den Job zunichte zu machen. Anders ausgedrückt: Wird Ihre ganz persönliche Seite gefunden oder direkt aufgerufen, muss der Eindruck auch stimmen. Wir zeigen, warum sich eine Bewerbungshomepage auszahlen kann und worauf Sie achten müssen, wenn Sie Ihre eigene Bewerbungshomepage erstellen wollen…

Definition: Was ist eine Bewerbungshomepage?

Bewerbungshomepage WordPress über mich DefinitionEine Bewerbungshomepage ist Ihre persönliche Online-Präsenz, die Sie nutzen können, um Ihre Jobsuche zu optimieren und schneller eine passende Stelle zu finden.

Es ist eine Möglichkeit, um von Personalern online gefunden zu werden und diesen alle wichtigen Informationen zur eigenen Person und zum beruflichen Werdegang zur Verfügung zu stellen. Der Inhalt Ihrer Bewerbungshomepage ist deshalb auch an den klassischen Aufbau von Bewerbungsunterlagen angelehnt.

Diese Punkte sollten auf Ihrer Bewerbungshomepage zu finden sein:

  • Kontaktdaten

    Name, Anschrift, E-Mail Adresse. Diese Angaben sind für Ihre Bewerbungshomepage unerlässlich, damit interessierte Personaler oder Unternehmen sich auch wirklich bei Ihnen melden können. Sie können Ihre Kontaktdaten auch noch mit einem Hinweis versehen, dass Sie sich jederzeit über eine Kontaktaufnahme freuen oder eine Handynummer angeben, unter der Sie auf jeden Fall erreichbar sind.

  • Lebenslauf

    Wie in der eigentlichen Bewerbung ist der Lebenslauf auch ein wichtiger Teil der Bewerbungshomepage. Stellen Sie Ihren bisherigen beruflichen Werdegang dar und geben Sie zusätzliche Informationen zu den einzelnen Stationen. Auf einer Bewerbungshomepage empfiehlt sich auf jeden Fall auch ein aktuelles Bewerbungsfoto – entweder zusammen mit dem Lebenslauf oder direkt auf der Startseite.

  • Persönliches Profil

    Um ein besseres und möglichst vollständiges Bild von sich selbst zu präsentieren, empfiehlt sich eine Profilseite auf Ihrer Bewerbungshomepage. Diese wird meist Über mich benannt und beinhaltet eine kurze Selbstpräsentation:

    • Wer sind Sie?
    • Was bringen Sie mit?
    • Was macht Sie besonders aus?
    • Wonach suchen Sie?
  • Fort- und Weiterbildungen

    Sie sind auf der Suche nach einem neuen Job, da sollte es auf Ihrer Bewerbungshomepage um Ihre Qualifikationen gehen. Geben Sie Fort- und Weiterbildungen an, die für die Positionen, auf die Sie sich bewerben, relevant sind. So wissen Personaler gleich, welche Fähigkeiten Sie mitbringen.

  • Arbeitsproben

    Falls vorhanden, sollten Sie unbedingt auch Arbeitsproben auf Ihre Bewerbungshomepage laden. Wie in Ihren Bewerbungsunterlagen können Sie so gleich zu Beginn mit Leistung einen guten ersten Eindruck machen und interessierten Unternehmen zeigen, wie Sie arbeiten.

  • Downloadbereich

    Um es dem Leser Ihrer Bewerbungshomepage so einfach wie möglich zu machen, sollten Sie außerdem alle wichtigen Unterlagen und Dokumente als PDF Dateien zum Download bereit stellen.

Häufiges Missverständnis bei einer Bewerbungshomepage

Bewerbung Homepage gelesenMit einem großen Missverständnis muss aufgeräumt werden: Ihre persönliche Bewerbungshomepage kann Ihnen zum Job verhelfen, sie ersetzt jedoch nicht die eigentliche Bewerbung!

Sie ist ein Zusatz, mit dem Sie Ihre Chancen erhöhen können, ohne ein tatsächliches Anschreiben an ein Unternehmen funktioniert die Bewerbungshomepage jedoch nicht. Sie kommen also um ein individuell gestaltetes Anschreiben, das auf den jeweiligen Arbeitgeber ausgerichtet ist und Ihre Motivation darlegt, nicht herum.

Wie bei bei sonst üblichen Bewerbungen gilt auch hier, dass beim Personaler nicht der Eindruck entstehen darf, er würde eine vorgefertigte Standardbewerbung erhalten, mit der Sie sich bereits bei zahlreichen anderen Arbeitgebern beworben haben. Sie sollten sich immer daran erinnern, dass nicht jeder Personaler sich die Mühe machen wird, Ihre Bewerbungshomepage zu lesen.

Ihre Bewerbung sollte daher so gestaltet sein, dass diese trotzdem einen professionellen und überzeugenden Eindruck macht und Ihnen die Chance gibt, den Job zu bekommen.

Tipps: So erstellen Sie eine Bewerbungshomepage

Ob selbst programmiert oder nicht – wenn Sie eine Bewerbungshomepage aufbauen, müssen Sie auf einige Dinge achten:

  1. Wählen Sie ein passendes Design

    Ihre Bewerbungshomepage sollte gleich auf den ersten Blick einen professionellen Eindruck machen. Das Design spielt also eine große Rolle. Verzichten Sie auf eine zu bunte Darstellung oder viele auffällige Grafiken. Das wirkt meist wenig professionell. Für Ihre Bewerbungshomepage gilt in der Regel: Weniger ist mehr! Setzen Sie auf ein schlichtes Design, das Sie und Ihre Qualifikationen in den Vordergrund stellt.

  2. Erstellen Sie eine geeignete Startseite

    Die Startseite ist erster Eindruck, Navigationshilfe und Information in einem. Nehmen Sie sich entsprechend genügend Zeit, um diese zu gestalten und mit allen wichtigen Informationen zu versehen. Von hier aus sollten alle weiteren Bereiche Ihrer Bewerbungshomepage angesteuert werden können und es sollte klar sein, wer Sie sind und was das Ziel der Bewerbungshomepage ist.

  3. Sorgen Sie für Übersichtlichkeit

    Personaler haben grundsätzlich keine Zeit. Das gilt für postalische Unterlagen ebenso wie für Ihre Bewerbungshomepage. Er hat weder Zeit noch Lust, sich durch unzählige Seiten zu klicken, bis er endlich die Informationen gefunden hat, für die er sich interessiert. Ihre Seite sollte daher übersichtlich gestaltet sein und eine klare Struktur enthalten. So kann der Leser gezielt und schnell mehr über Ihre Person in Erfahrung bringen und sein Bild von Ihnen – hoffentlich positiv – erweitern.

  4. Achten Sie auf die Vollständigkeit

    Wie Ihre Bewerbungsunterlagen sollte auch Ihre Bewerbungshomepage immer vollständig und aktuell sein. Dies gilt sowohl für Ihre Dokumente als auch für Kontaktdaten. Nachdem der Personaler Ihre Seite verlassen hat, sollen keine Fragen mehr offen sein. Das bedeutet für Sie: Eine gute Bewerbungshomepage ist keine einmalige Sache, sondern erfordert immer wieder Arbeit und Aktualisierungen. Ebenfalls wichtig: Als Betreiber einer eigenen Website sind Sie nach § 5 des Telemediengesetzes verpflichtet, ein Impressum aufzuführen: Ihr Vor- und Nachname nebst vollständiger Adresse müssen angegeben werden.

  5. Schaffen Sie einen Mehrwert

    Ein wichtiger Punkt für eine Bewerbungshomepage ist der Mehrwert. Dieser sollte unbedingt vorhanden sein, um nicht die Zeit des Personalers zu verschwenden. Soll heißen: Die Homepage darf nicht einfach exakt die gleichen Unterlagen enthalten wie die Bewerbung, die Sie bereits an das Unternehmen geschickt haben. Warum soll dann jemand Ihre Bewerbungshomepage aufsuchen? Stattdessen sollte sie auch weitere Informationen enthalten, beispielsweise Nachweise über Sprachkenntnisse oder Arbeitsproben.

Die technische Seite: Baukastensysteme oder WordPress?

Bewerbungshomepage WordPressSie haben verschiedene Möglichkeiten, wenn Sie selbst eine Bewerbungshomepage erstellen wollen. Sollten Sie aus dem IT-Bereich kommen oder einfach wissen, wie man eine eigene Homepage erstellt, liegt eine eigene Website nahe. Wer sich sogar in einer passenden Branche bewirbt, kann an dieser Stelle gleich seine Fähigkeiten unter Beweis stellen.

Doch auch ohne die entsprechenden Kenntnisse brauchen Sie nicht den Kopf in den Sand stecken, denn es gibt verschiedene Anbieter, bei denen Sie sich eine eigene Homepage zusammenstellen können. Zunächst müssen Sie entscheiden, ob Sie alles auf einer Seite unterbringen wollen (One-Pager oder Single-Page-Webseite genannt) oder ob Sie eine Startseite mit diversen Unterseiten wählen.

Letzteres bietet sich vor allem für erfahrene Bewerber an, die in Unterseiten verschiedene Projekte oder Arbeitsproben darlegen wollen.

Für blutige Anfänger bieten sich sogenannte Baukastensysteme an, dort können Sie per Drag-and-Drop-Funktion die gewünschten Elemente auf Ihre Website packen. Bekannte Anbieter sind:

Eine Spur aufwendiger, dafür mit zahlreichen Plug-ins ist das Content-Management-System WordPress. Es ist nicht nur kostenlos, sondern bietet zahlreiche Themes zur individuellen Gestaltung an. Hier brauchen Sie für Ihre Bewerbungshomepage allerdings HTML- und CSS-Kenntnisse.

Eine wiederum kostenlose, in den Funktionen aber eingeschränkte Option bietet die Seite about.me. Hier können Sie ein Gratis-Profil mit Foto, etwas Text und weiterführenden Links zusammenstellen.

Welche Vor-und Nachteile hat die eigene Seite?

Neue Möglichkeiten der Bewerbung stoßen häufig erst einmal auf Kritik und Ablehnung. Die meisten Bewerber haben das klassische Verfahren so sehr verinnerlicht, dass sie gar nicht auf den Gedanken kommen, dass eine andere Option in Frage kommen könnte.

Eine solch limitierende Denkweise kann viele Chancen verbauen, denn die Bewerbungshomepage hat einige Vorteile, die für Bewerber den entscheidenden Unterschied ausmachen können.

Vorteile Bewerbungshomepage

  • Alleinstellungsmerkmal

    In einem Auswahlverfahren, bei dem Sie sich gegen unzählige andere Bewerber durchsetzen müssen, um die begehrte Stelle zu erhalten, ist es wichtig, sich von der Masse abzuheben. Genau dies können Sie mit einer Bewerbungshomepage erreichen.

  • Informationsplattform

    Eine Bewerbung bietet nur begrenzten Spielraum, um alle Punkte anzusprechen, mit denen Sie den Arbeitgeber gerne überzeugen würden. Ein Anschreiben ist in der Regel auf eine Seite, der Lebenslauf auf maximal zwei Seiten begrenzt. Auf Ihrer eigenen Bewerbungshomepage können Sie hingegen alle Informationen anbieten, die Ihnen wichtig erscheinen.

  • Kontaktmöglichkeit

    Durch Ihre Bewerbungshomepage eröffnen sich neue Möglichkeiten auch bei der passiven Jobsuche. Nicht nur Sie finden mögliche Arbeitgeber, sondern Unternehmen können auch auf Sie aufmerksam werden, wenn Ihre Homepage gefunden wird und mit Ihren anderen Profilen im Internet verlinkt ist.

  • Nachweis der Fähigkeiten

    In einigen Branchen und Berufen kann Ihre Bewerbungshomepage ein Zeichen Ihrer Qualifikation und Fähigkeit sein. Bewerben Sie sich für eine kreative Tätigkeit oder im digitalen und technischen Bereich, wo Sie mit Homepages arbeiten müssen, können Sie durch Ihre eigene Gestaltung bereits Ihre Kompetenzen unter Beweis stellen.

Es gibt allerdings auch Nachteile:

Bewerbungshomepage Nachteile

  • Aufwand

    Da die Bewerbungshomepage ohnehin nur das Sahnehäubchen auf Ihren Bewerbungsbemühungen ist, müssen Sie dennoch Bewerbungsunterlagen erstellen. Heißt: Für Ihre Bewerbungsunterlagen muss ein individuelles Anschreiben formuliert werden. Mit einer eigenen Website haben Sie also zusätzlichen Aufwand, erst recht, wenn die Routine beziehungsweise die technischen Fertigkeiten fehlen.

  • Fehlerquellen

    Wie bei einer normalen Bewerbung müssen Sie dafür Sorge tragen, dass die Inhalte aktualisiert werden. Zusätzlich müssen Sie bei externen Verlinkungen darauf achten, dass diese Links funktionieren. Eine schlecht gepflegte Website lässt eher Zweifel an Ihrer technischen Kompetenz aufkommen.

  • Relevanz

    Nicht direkt ein Nachteil, aber schon ein Punkt, der gegen eine Bewerbungshomepage sprechen kann, ist die Frage, welche Relevanz so eine Website für diese Stelle hat? Überspitzt formuliert: Wer sich auf einen Job als Berufskraftfahrer bewirbt, braucht keine Kompetenzen im IT-Bereich unter Beweis zu stellen. Andersherum werden die von einem Webdesigner eher erwartet werden. Die Frage nach der Relevanz führt letztlich wieder zum ersten Punkt, nämlich ob sie den Aufwand wert ist.

Denken Sie bei der Homepage an die Datensicherheit

Bewerbung Homepage gelesenDie Daten, die Sie auf Ihrer Bewerbungshomepage präsentieren, sind nicht für die große Öffentlichkeit, sondern lediglich für die Augen des entsprechenden Personalers gedacht. Denken Sie daher unbedingt an den nötigen Datenschutz.

Um zu verhindern, dass jemand zufällig auf Ihre Homepage stößt und alle Informationen darin vorfindet, sollten Sie diese unbedingt mit einem Passwort schützen, dass Sie nur dem Personaler mitteilen, an den sich Ihre Bewerbung richtet.

Sie wollen schließlich nicht, dass Ihre privaten Kontaktdaten, Ihr Lebenslauf oder Ihre Zeugnisse in die falschen Hände geraten.

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Das Internet ermöglicht eine Vielzahl an Bewerbungswegen, die so vor wenigen Jahrzehnten noch nicht denkbar waren, darunter die Bewerbungshomepage. Um das volle Potenzial einer solchen auszuschöpfen, muss sie jedoch richtig erstellt werden. Anderenfalls setzen Sie sich sogar dem Risiko aus, mit einer schlechten Website Ihre Chancen auf den Job zunichte zu machen. Anders ausgedrückt: Wird Ihre ganz persönliche Seite gefunden oder direkt aufgerufen, muss der Eindruck auch stimmen. Wir zeigen, warum sich eine Bewerbungshomepage auszahlen kann und worauf Sie achten müssen, wenn Sie Ihre eigene Bewerbungshomepage erstellen wollen…

Definition: Was ist eine Bewerbungshomepage?

Bewerbungshomepage WordPress über mich DefinitionEine Bewerbungshomepage ist Ihre persönliche Online-Präsenz, die Sie nutzen können, um Ihre Jobsuche zu optimieren und schneller eine passende Stelle zu finden.

Es ist eine Möglichkeit, um von Personalern online gefunden zu werden und diesen alle wichtigen Informationen zur eigenen Person und zum beruflichen Werdegang zur Verfügung zu stellen. Der Inhalt Ihrer Bewerbungshomepage ist deshalb auch an den klassischen Aufbau von Bewerbungsunterlagen angelehnt.

Diese Punkte sollten auf Ihrer Bewerbungshomepage zu finden sein:

  • Kontaktdaten

    Name, Anschrift, E-Mail Adresse. Diese Angaben sind für Ihre Bewerbungshomepage unerlässlich, damit interessierte Personaler oder Unternehmen sich auch wirklich bei Ihnen melden können. Sie können Ihre Kontaktdaten auch noch mit einem Hinweis versehen, dass Sie sich jederzeit über eine Kontaktaufnahme freuen oder eine Handynummer angeben, unter der Sie auf jeden Fall erreichbar sind.

  • Lebenslauf

    Wie in der eigentlichen Bewerbung ist der Lebenslauf auch ein wichtiger Teil der Bewerbungshomepage. Stellen Sie Ihren bisherigen beruflichen Werdegang dar und geben Sie zusätzliche Informationen zu den einzelnen Stationen. Auf einer Bewerbungshomepage empfiehlt sich auf jeden Fall auch ein aktuelles Bewerbungsfoto – entweder zusammen mit dem Lebenslauf oder direkt auf der Startseite.

  • Persönliches Profil

    Um ein besseres und möglichst vollständiges Bild von sich selbst zu präsentieren, empfiehlt sich eine Profilseite auf Ihrer Bewerbungshomepage. Diese wird meist Über mich benannt und beinhaltet eine kurze Selbstpräsentation:

    • Wer sind Sie?
    • Was bringen Sie mit?
    • Was macht Sie besonders aus?
    • Wonach suchen Sie?
  • Fort- und Weiterbildungen

    Sie sind auf der Suche nach einem neuen Job, da sollte es auf Ihrer Bewerbungshomepage um Ihre Qualifikationen gehen. Geben Sie Fort- und Weiterbildungen an, die für die Positionen, auf die Sie sich bewerben, relevant sind. So wissen Personaler gleich, welche Fähigkeiten Sie mitbringen.

  • Arbeitsproben

    Falls vorhanden, sollten Sie unbedingt auch Arbeitsproben auf Ihre Bewerbungshomepage laden. Wie in Ihren Bewerbungsunterlagen können Sie so gleich zu Beginn mit Leistung einen guten ersten Eindruck machen und interessierten Unternehmen zeigen, wie Sie arbeiten.

  • Downloadbereich

    Um es dem Leser Ihrer Bewerbungshomepage so einfach wie möglich zu machen, sollten Sie außerdem alle wichtigen Unterlagen und Dokumente als PDF Dateien zum Download bereit stellen.

Häufiges Missverständnis bei einer Bewerbungshomepage

Bewerbung Homepage gelesenMit einem großen Missverständnis muss aufgeräumt werden: Ihre persönliche Bewerbungshomepage kann Ihnen zum Job verhelfen, sie ersetzt jedoch nicht die eigentliche Bewerbung!

Sie ist ein Zusatz, mit dem Sie Ihre Chancen erhöhen können, ohne ein tatsächliches Anschreiben an ein Unternehmen funktioniert die Bewerbungshomepage jedoch nicht. Sie kommen also um ein individuell gestaltetes Anschreiben, das auf den jeweiligen Arbeitgeber ausgerichtet ist und Ihre Motivation darlegt, nicht herum.

Wie bei bei sonst üblichen Bewerbungen gilt auch hier, dass beim Personaler nicht der Eindruck entstehen darf, er würde eine vorgefertigte Standardbewerbung erhalten, mit der Sie sich bereits bei zahlreichen anderen Arbeitgebern beworben haben. Sie sollten sich immer daran erinnern, dass nicht jeder Personaler sich die Mühe machen wird, Ihre Bewerbungshomepage zu lesen.

Ihre Bewerbung sollte daher so gestaltet sein, dass diese trotzdem einen professionellen und überzeugenden Eindruck macht und Ihnen die Chance gibt, den Job zu bekommen.

Tipps: So erstellen Sie eine Bewerbungshomepage

Ob selbst programmiert oder nicht – wenn Sie eine Bewerbungshomepage aufbauen, müssen Sie auf einige Dinge achten:

  1. Wählen Sie ein passendes Design

    Ihre Bewerbungshomepage sollte gleich auf den ersten Blick einen professionellen Eindruck machen. Das Design spielt also eine große Rolle. Verzichten Sie auf eine zu bunte Darstellung oder viele auffällige Grafiken. Das wirkt meist wenig professionell. Für Ihre Bewerbungshomepage gilt in der Regel: Weniger ist mehr! Setzen Sie auf ein schlichtes Design, das Sie und Ihre Qualifikationen in den Vordergrund stellt.

  2. Erstellen Sie eine geeignete Startseite

    Die Startseite ist erster Eindruck, Navigationshilfe und Information in einem. Nehmen Sie sich entsprechend genügend Zeit, um diese zu gestalten und mit allen wichtigen Informationen zu versehen. Von hier aus sollten alle weiteren Bereiche Ihrer Bewerbungshomepage angesteuert werden können und es sollte klar sein, wer Sie sind und was das Ziel der Bewerbungshomepage ist.

  3. Sorgen Sie für Übersichtlichkeit

    Personaler haben grundsätzlich keine Zeit. Das gilt für postalische Unterlagen ebenso wie für Ihre Bewerbungshomepage. Er hat weder Zeit noch Lust, sich durch unzählige Seiten zu klicken, bis er endlich die Informationen gefunden hat, für die er sich interessiert. Ihre Seite sollte daher übersichtlich gestaltet sein und eine klare Struktur enthalten. So kann der Leser gezielt und schnell mehr über Ihre Person in Erfahrung bringen und sein Bild von Ihnen – hoffentlich positiv – erweitern.

  4. Achten Sie auf die Vollständigkeit

    Wie Ihre Bewerbungsunterlagen sollte auch Ihre Bewerbungshomepage immer vollständig und aktuell sein. Dies gilt sowohl für Ihre Dokumente als auch für Kontaktdaten. Nachdem der Personaler Ihre Seite verlassen hat, sollen keine Fragen mehr offen sein. Das bedeutet für Sie: Eine gute Bewerbungshomepage ist keine einmalige Sache, sondern erfordert immer wieder Arbeit und Aktualisierungen. Ebenfalls wichtig: Als Betreiber einer eigenen Website sind Sie nach § 5 des Telemediengesetzes verpflichtet, ein Impressum aufzuführen: Ihr Vor- und Nachname nebst vollständiger Adresse müssen angegeben werden.

  5. Schaffen Sie einen Mehrwert

    Ein wichtiger Punkt für eine Bewerbungshomepage ist der Mehrwert. Dieser sollte unbedingt vorhanden sein, um nicht die Zeit des Personalers zu verschwenden. Soll heißen: Die Homepage darf nicht einfach exakt die gleichen Unterlagen enthalten wie die Bewerbung, die Sie bereits an das Unternehmen geschickt haben. Warum soll dann jemand Ihre Bewerbungshomepage aufsuchen? Stattdessen sollte sie auch weitere Informationen enthalten, beispielsweise Nachweise über Sprachkenntnisse oder Arbeitsproben.

Die technische Seite: Baukastensysteme oder WordPress?

Bewerbungshomepage WordPressSie haben verschiedene Möglichkeiten, wenn Sie selbst eine Bewerbungshomepage erstellen wollen. Sollten Sie aus dem IT-Bereich kommen oder einfach wissen, wie man eine eigene Homepage erstellt, liegt eine eigene Website nahe. Wer sich sogar in einer passenden Branche bewirbt, kann an dieser Stelle gleich seine Fähigkeiten unter Beweis stellen.

Doch auch ohne die entsprechenden Kenntnisse brauchen Sie nicht den Kopf in den Sand stecken, denn es gibt verschiedene Anbieter, bei denen Sie sich eine eigene Homepage zusammenstellen können. Zunächst müssen Sie entscheiden, ob Sie alles auf einer Seite unterbringen wollen (One-Pager oder Single-Page-Webseite genannt) oder ob Sie eine Startseite mit diversen Unterseiten wählen.

Letzteres bietet sich vor allem für erfahrene Bewerber an, die in Unterseiten verschiedene Projekte oder Arbeitsproben darlegen wollen.

Für blutige Anfänger bieten sich sogenannte Baukastensysteme an, dort können Sie per Drag-and-Drop-Funktion die gewünschten Elemente auf Ihre Website packen. Bekannte Anbieter sind:

Eine Spur aufwendiger, dafür mit zahlreichen Plug-ins ist das Content-Management-System WordPress. Es ist nicht nur kostenlos, sondern bietet zahlreiche Themes zur individuellen Gestaltung an. Hier brauchen Sie für Ihre Bewerbungshomepage allerdings HTML- und CSS-Kenntnisse.

Eine wiederum kostenlose, in den Funktionen aber eingeschränkte Option bietet die Seite about.me. Hier können Sie ein Gratis-Profil mit Foto, etwas Text und weiterführenden Links zusammenstellen.

Welche Vor-und Nachteile hat die eigene Seite?

Neue Möglichkeiten der Bewerbung stoßen häufig erst einmal auf Kritik und Ablehnung. Die meisten Bewerber haben das klassische Verfahren so sehr verinnerlicht, dass sie gar nicht auf den Gedanken kommen, dass eine andere Option in Frage kommen könnte.

Eine solch limitierende Denkweise kann viele Chancen verbauen, denn die Bewerbungshomepage hat einige Vorteile, die für Bewerber den entscheidenden Unterschied ausmachen können.

Vorteile Bewerbungshomepage

  • Alleinstellungsmerkmal

    In einem Auswahlverfahren, bei dem Sie sich gegen unzählige andere Bewerber durchsetzen müssen, um die begehrte Stelle zu erhalten, ist es wichtig, sich von der Masse abzuheben. Genau dies können Sie mit einer Bewerbungshomepage erreichen.

  • Informationsplattform

    Eine Bewerbung bietet nur begrenzten Spielraum, um alle Punkte anzusprechen, mit denen Sie den Arbeitgeber gerne überzeugen würden. Ein Anschreiben ist in der Regel auf eine Seite, der Lebenslauf auf maximal zwei Seiten begrenzt. Auf Ihrer eigenen Bewerbungshomepage können Sie hingegen alle Informationen anbieten, die Ihnen wichtig erscheinen.

  • Kontaktmöglichkeit

    Durch Ihre Bewerbungshomepage eröffnen sich neue Möglichkeiten auch bei der passiven Jobsuche. Nicht nur Sie finden mögliche Arbeitgeber, sondern Unternehmen können auch auf Sie aufmerksam werden, wenn Ihre Homepage gefunden wird und mit Ihren anderen Profilen im Internet verlinkt ist.

  • Nachweis der Fähigkeiten

    In einigen Branchen und Berufen kann Ihre Bewerbungshomepage ein Zeichen Ihrer Qualifikation und Fähigkeit sein. Bewerben Sie sich für eine kreative Tätigkeit oder im digitalen und technischen Bereich, wo Sie mit Homepages arbeiten müssen, können Sie durch Ihre eigene Gestaltung bereits Ihre Kompetenzen unter Beweis stellen.

Es gibt allerdings auch Nachteile:

Bewerbungshomepage Nachteile

  • Aufwand

    Da die Bewerbungshomepage ohnehin nur das Sahnehäubchen auf Ihren Bewerbungsbemühungen ist, müssen Sie dennoch Bewerbungsunterlagen erstellen. Heißt: Für Ihre Bewerbungsunterlagen muss ein individuelles Anschreiben formuliert werden. Mit einer eigenen Website haben Sie also zusätzlichen Aufwand, erst recht, wenn die Routine beziehungsweise die technischen Fertigkeiten fehlen.

  • Fehlerquellen

    Wie bei einer normalen Bewerbung müssen Sie dafür Sorge tragen, dass die Inhalte aktualisiert werden. Zusätzlich müssen Sie bei externen Verlinkungen darauf achten, dass diese Links funktionieren. Eine schlecht gepflegte Website lässt eher Zweifel an Ihrer technischen Kompetenz aufkommen.

  • Relevanz

    Nicht direkt ein Nachteil, aber schon ein Punkt, der gegen eine Bewerbungshomepage sprechen kann, ist die Frage, welche Relevanz so eine Website für diese Stelle hat? Überspitzt formuliert: Wer sich auf einen Job als Berufskraftfahrer bewirbt, braucht keine Kompetenzen im IT-Bereich unter Beweis zu stellen. Andersherum werden die von einem Webdesigner eher erwartet werden. Die Frage nach der Relevanz führt letztlich wieder zum ersten Punkt, nämlich ob sie den Aufwand wert ist.

Denken Sie bei der Homepage an die Datensicherheit

Bewerbung Homepage gelesenDie Daten, die Sie auf Ihrer Bewerbungshomepage präsentieren, sind nicht für die große Öffentlichkeit, sondern lediglich für die Augen des entsprechenden Personalers gedacht. Denken Sie daher unbedingt an den nötigen Datenschutz.

Um zu verhindern, dass jemand zufällig auf Ihre Homepage stößt und alle Informationen darin vorfindet, sollten Sie diese unbedingt mit einem Passwort schützen, dass Sie nur dem Personaler mitteilen, an den sich Ihre Bewerbung richtet.

Sie wollen schließlich nicht, dass Ihre privaten Kontaktdaten, Ihr Lebenslauf oder Ihre Zeugnisse in die falschen Hände geraten.

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Selbstbeurteilung schreiben: Formulierungen und Tipps https://karrierebibel.de/selbstbeurteilung-schreiben/ Sun, 14 Jul 2019 09:00:20 +0000 Jochen Mai http://karrierebibel.de/?p=51419 Zum Jahresende hin oder vor einem umfangreichen Mitarbeitergespräch bitten Chefs gerne mal darum, eine Selbstbeurteilung zu schreiben. Ein gefährlicher Spagat: Einerseits sollen Fach- und Führungskräfte darin ihre Leistungen objektiv-analytisch präsentieren, andererseits allzu viel Eigenlob vermeiden. Die Formulierung einer überzeugenden Selbstbeurteilung ist eine Gratwanderung zwischen Substanz und Selbstmarketing. Mit den richtigen Formulierungen und den folgenden Tipps lässt sich die Selbstbeurteilung einfach verfassen und bietet so auch noch enorme Chancen…

Selbstbeurteilung: Vorbereitung und Grundlage des Mitarbeitergesprächs

So manchen Arbeitnehmer trifft die Aufforderung des Chefs, eine Selbstbeurteilung zu verfassen, unerwartet. Was auf den ersten Blick nach dem Delegieren lästiger Arbeit und Verantwortung aussieht, ist tatsächlich ein sinnvoller Management-Schritt: Die meisten Führungskräfte sind für mehrere Mitarbeiter verantwortlich und können schlicht nicht alle Entwicklungen und Leistungen im Auge behalten.

Eine vom Mitarbeiter verfasste Selbstbeurteilung dient ihnen daher als Grundlage für das Mitarbeitergespräch und zugleich als Ansatzpunkt für seine Analyse und Beurteilung.

Für Arbeitnehmer stellt die Selbstbeurteilung daher eine enorme Chance dar. Zum Beispiel, um…

  • die eigene Leistung im richtigen Licht darzustellen.
  • Stärken und Kompetenzen zu präsentieren.
  • Verbesserungsoptionen zu benennen.
  • Bedarf für Weiterbildung zu begründen.
  • Entwicklungschancen und Perspektiven vorzuschlagen.

Keine Frage, all diese Optionen brauchen beim Formulieren etwas Fingerspitzengefühl. Und sie wirken auch nur dann, wenn der Vorgesetzte die Selbstbeurteilung aktiv einfordert und deren Inhalt offen gegenübersteht.

Umgekehrt: Wer in ein solches Feedbackgespräch geht und unaufgefordert seine Selbstbeurteilung auf den Tisch legt U(Motto: „Ich hab da mal was vorbereitet…“), könnte die Atmosphäre kippen lassen. Schließlich ist die Leistungsbeurteilung zunächst die Ägide des Chefs.

In diesen Hoheitsbereich eindringen, sollten Sie nur aufgefordert. Eine Selbstbeurteilung schreiben und mitbringen, sollten Sie also nur, wenn Sie dazu aufgefordert werden. Erfolgt im Vorfeld keine Aufforderung zur Selbstbeurteilung, können Sie allenfalls – diplomatisch – anfragen, ob eine solche gewünscht wird. Vielleicht kennt Ihr Chefs das ja auch noch nicht.

Entscheidend sind dann Tonfall und Formulierung und natürlich gute Argumente: Machen Sie deutlich, dass…

  • die Selbstbeurteilung nur eine Ergänzung darstellt und die abschließende Beurteilung natürlich bei Ihrem Vorgesetzten liegt.
  • Sie damit eine Arbeitserleichterung liefern wollen.
  • der Vorschlag einer Selbstbeurteilung keinen Zweifel an den Fähigkeiten Ihres Chefs darstellt.

Tipps für das Mitarbeitergespräch

Tipps für das MitarbeitergesprächMitarbeitergespräche gehören für viele Arbeitnehmer in die Kategorie der notwendigen Übel. Die folgenden, vertiefenden Artikel können dabei helfen, das Gespräch optimal vorzubereiten und zu nutzen:

Bonus-Video: Feedback braucht Regeln!

Selbstbeurteilung schreiben: Strategie und Aufbau

Der wichtigste Grundsatz beim Schreiben der Selbstbeurteilung lautet:

Konzentrieren Sie sich auf konkrete Projekte und objektive Beispiele und vermeiden Sie allgemeine Aussagen.

Widerstehen Sie der Versuchung, eine Gesamtleistung zu beurteilen. Die kann niemand nachvollziehen, wenn Beispiele und konkrete Projekte fehlen.

Darüber hinaus wirkt es überzeugender, wenn Sie das Fazit Ihrem Leser überlassen. Kommt der selber (aufgrund der aufgelisteten Fakten) zu dem Schluss, dass Sie exzellente Leistungen bringen, war es seine Idee – und der glaubt der Chef mehr als Ihrer subjektiven Bilanz.

Versuchen Sie in der Selbstbeurteilung…

  • die wichtigsten Leistungen und Erfolge aufzulisten.
  • diese durch konkrete Beispiele zu belegen.
  • die Erfolge durch messbare Zahlen zu unterfüttern (Kosteneinsparungen, Umsatzsteigerungen, …).
  • Floskeln und Formulierungen wie „Ich bin teamfähig“ zu vermeiden. Ohne Beleg ist das keine Beurteilung, sondern eine Behauptung.
  • durchweg ehrlich zu bleiben. Analysieren Sie aufrichtig, was gelungen ist und was nicht.
  • Lernbereitschaft zu signalisieren. Insbesondere an den Stelle, wo es hätte besser laufen können.
  • Verantwortung zu übernehmen. Schuldzuweisungen, zum Beispiel auf Kollegen oder Umstände sind tabu. Es war Ihre Aufgabe, also auch Ihre Verantwortung.

Der letzte Punkt kann gar nicht stark genug betont werden: Verzichten Sie darauf, andere für Defizite oder Mängel verantwortlich zu machen. Das flüchten in die Opferrolle macht Sie klein und wirft ein schlechtes Licht auf einen selbst.

Als Hilfestellung zur Beurteilung können Sie auch sogenannte Selbsteinschätzungsfragen für die wichtigsten Bereiche nutzen:

    Funktionale Kompetenz

  • Welche Projekte habe ich unterstützt/geleitet?
  • Welche Probleme habe ich gelöst?
  • Welche Ziele habe ich erreicht?
  • Konnte ich mich gegenüber dem Vorjahr steigern?
  • Wie konnte ich damit quantitativ zur Wertschöpfung beitragen?

  • Soziale Kompetenz

  • Wie trage ich zum positiven Arbeitsklima bei?
  • Kommuniziere ich klar und konstruktiv?
  • Welche Konflikte konnte ich lösen (wie)?
  • Wie kooperiere ich mit anderen?
  • Wie engagiere ich mich?

  • Entwicklungskompetenz

  • Welche Stärken sollte ich weiterentwickeln?
  • Was habe ich aus Fehlern gelernt?
  • Woran muss ich noch arbeiten?
  • Welchen Teil kann ich selber zu meiner Entwicklung beitragen?
  • Was würde mir helfen, meine Leistungen weiter zu verbessern?


Neben den positiven Beispielen, Erfolgen und neuen Kompetenzen und Stärken, sollten auch die Schwächen Teil der Selbstbeurteilung sein. Wer diese aktiv und als Verbesserungspotenziale anspricht, sammelt Pluspunkte und erhöht zugleich die Glaubwürdigkeit seiner Selbstbeurteilung.

Im Anschluss dürfen Sie zudem und in moderater Form passende Unterstützung oder Fortbildungen einfordern. Das ist nicht nur legitim, sondern beweist auch Entwicklungswille und Wachstumspotenziale.

Selbstbeurteilung: Formulierung und Tipps

Bei der konkreten Formulierung der Selbstbeurteilung sollte der Grundton stets positiv und bestimmt sein. Vermeiden sollten Sie dagegen den Konjunktiv. Also zum Beispiel Formulierungen, wie…

  • könnte ich mir eventuell vorstellen…
  • wäre möglicherweise eine Option…

Der Konjunktiv schwächt die Aussage und Beurteilung und macht sie zu einer vagen Vermutung. Warum die Einschränkung? Die Selbstbeurteilung beruht schließlich auf nachvollziehbaren Fakten. Stehen Sie dazu!

Eine insgesamt positive Wirkung und Botschaft vermitteln Sie stattdessen durch den Einsatz aktiver Ich-Aussagen.

Manche Mitarbeiter verstecken sich in der Selbstbeurteilung hinter Phrasen, wie…

  • man sollte…
  • könnte man…

Nur: Wer ist dieser „man“?

Viel überzeugter und auch überzeugender wirken Aussagen, wie:

In den drei Monaten des Projektes XY konnte ich durch ________________ Kosten in Höhe von _____ Prozent einsparen und zugleich ________________ verbessern. Überdies ist es uns im Team gelungen…

Zugegeben, die Kunst besteht darin, einen selbstbewussten und aktiven, jedoch nicht arroganten oder gar überheblichen Ton zu treffen. Im Zweifel sollten Sie die Selbstbeurteilung von ein, zwei Freunden vorab gegenlesen lassen. Diese sollten Ihnen ehrlich sagen, wie die Beurteilung auf sie wirkt. Nutzen Sie das Feedback dazu, kritische Punkte zu identifizieren und ungünstige Formulierungen umzugestalten.

In der Regel werden Sie die Selbstbeurteilung einige Tage vor dem eigentlichen Mitarbeitergespräch beim Chef einreichen müssen, damit der sich entsprechend vorbereiten kann.

Stellen Sie sich bitte darauf ein, dass die Einschätzung Ihres Vorgesetzten in einigen Punkten von Ihrer Selbstbeurteilung abweicht. Das ist völlig normal. Die Differenzen dienen im Mitarbeitergespräch als Diskussionsgrundlage. Insgesamt aber können Sie so dessen Ergebnis maßgeblich beeinflussen – mit einer perfekten Selbstbeurteilung sogar zu Ihren Gunsten.

Der Begründungs-Effekt

Der Begründungs-EffektDen sogenannten Begründungs-Effekt haben die beiden Psychologen Ellen Langer und Robert Cialdini entdeckt. Offenbar reagieren Menschen enorm auf Begründungen, beziehungsweise auf das Wort „weil“. Selbst wenn eine Begründung fadenscheinig ist, machen die Leute, was von ihnen zuvor verlangt wurde.

Für Ihre Selbstbeurteilung können Sie diesen Effekt – dosiert – einsetzen. Streben Sie beispielsweise eine bestimmte Fortbildung an, könnten Sie diese durch den Begründungs-Effekt beziehungsweise ein „weil“ verstärken und ihre Notwendigkeit unterstreichen. Zum Beispiel so:

„Eine Fortbildung im Bereich _______________ schafft für unser Unternehmen deutlichen Mehrwert, weil…“

Was andere Leser noch gelesen haben

[Bildnachweis: Elnur by Shutterstock.com]
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Zum Jahresende hin oder vor einem umfangreichen Mitarbeitergespräch bitten Chefs gerne mal darum, eine Selbstbeurteilung zu schreiben. Ein gefährlicher Spagat: Einerseits sollen Fach- und Führungskräfte darin ihre Leistungen objektiv-analytisch präsentieren, andererseits allzu viel Eigenlob vermeiden. Die Formulierung einer überzeugenden Selbstbeurteilung ist eine Gratwanderung zwischen Substanz und Selbstmarketing. Mit den richtigen Formulierungen und den folgenden Tipps lässt sich die Selbstbeurteilung einfach verfassen und bietet so auch noch enorme Chancen…

Selbstbeurteilung: Vorbereitung und Grundlage des Mitarbeitergesprächs

So manchen Arbeitnehmer trifft die Aufforderung des Chefs, eine Selbstbeurteilung zu verfassen, unerwartet. Was auf den ersten Blick nach dem Delegieren lästiger Arbeit und Verantwortung aussieht, ist tatsächlich ein sinnvoller Management-Schritt: Die meisten Führungskräfte sind für mehrere Mitarbeiter verantwortlich und können schlicht nicht alle Entwicklungen und Leistungen im Auge behalten.

Eine vom Mitarbeiter verfasste Selbstbeurteilung dient ihnen daher als Grundlage für das Mitarbeitergespräch und zugleich als Ansatzpunkt für seine Analyse und Beurteilung.

Für Arbeitnehmer stellt die Selbstbeurteilung daher eine enorme Chance dar. Zum Beispiel, um…

  • die eigene Leistung im richtigen Licht darzustellen.
  • Stärken und Kompetenzen zu präsentieren.
  • Verbesserungsoptionen zu benennen.
  • Bedarf für Weiterbildung zu begründen.
  • Entwicklungschancen und Perspektiven vorzuschlagen.

Keine Frage, all diese Optionen brauchen beim Formulieren etwas Fingerspitzengefühl. Und sie wirken auch nur dann, wenn der Vorgesetzte die Selbstbeurteilung aktiv einfordert und deren Inhalt offen gegenübersteht.

Umgekehrt: Wer in ein solches Feedbackgespräch geht und unaufgefordert seine Selbstbeurteilung auf den Tisch legt U(Motto: „Ich hab da mal was vorbereitet…“), könnte die Atmosphäre kippen lassen. Schließlich ist die Leistungsbeurteilung zunächst die Ägide des Chefs.

In diesen Hoheitsbereich eindringen, sollten Sie nur aufgefordert. Eine Selbstbeurteilung schreiben und mitbringen, sollten Sie also nur, wenn Sie dazu aufgefordert werden. Erfolgt im Vorfeld keine Aufforderung zur Selbstbeurteilung, können Sie allenfalls – diplomatisch – anfragen, ob eine solche gewünscht wird. Vielleicht kennt Ihr Chefs das ja auch noch nicht.

Entscheidend sind dann Tonfall und Formulierung und natürlich gute Argumente: Machen Sie deutlich, dass…

  • die Selbstbeurteilung nur eine Ergänzung darstellt und die abschließende Beurteilung natürlich bei Ihrem Vorgesetzten liegt.
  • Sie damit eine Arbeitserleichterung liefern wollen.
  • der Vorschlag einer Selbstbeurteilung keinen Zweifel an den Fähigkeiten Ihres Chefs darstellt.

Tipps für das Mitarbeitergespräch

Tipps für das MitarbeitergesprächMitarbeitergespräche gehören für viele Arbeitnehmer in die Kategorie der notwendigen Übel. Die folgenden, vertiefenden Artikel können dabei helfen, das Gespräch optimal vorzubereiten und zu nutzen:

Bonus-Video: Feedback braucht Regeln!

Selbstbeurteilung schreiben: Strategie und Aufbau

Der wichtigste Grundsatz beim Schreiben der Selbstbeurteilung lautet:

Konzentrieren Sie sich auf konkrete Projekte und objektive Beispiele und vermeiden Sie allgemeine Aussagen.

Widerstehen Sie der Versuchung, eine Gesamtleistung zu beurteilen. Die kann niemand nachvollziehen, wenn Beispiele und konkrete Projekte fehlen.

Darüber hinaus wirkt es überzeugender, wenn Sie das Fazit Ihrem Leser überlassen. Kommt der selber (aufgrund der aufgelisteten Fakten) zu dem Schluss, dass Sie exzellente Leistungen bringen, war es seine Idee – und der glaubt der Chef mehr als Ihrer subjektiven Bilanz.

Versuchen Sie in der Selbstbeurteilung…

  • die wichtigsten Leistungen und Erfolge aufzulisten.
  • diese durch konkrete Beispiele zu belegen.
  • die Erfolge durch messbare Zahlen zu unterfüttern (Kosteneinsparungen, Umsatzsteigerungen, …).
  • Floskeln und Formulierungen wie „Ich bin teamfähig“ zu vermeiden. Ohne Beleg ist das keine Beurteilung, sondern eine Behauptung.
  • durchweg ehrlich zu bleiben. Analysieren Sie aufrichtig, was gelungen ist und was nicht.
  • Lernbereitschaft zu signalisieren. Insbesondere an den Stelle, wo es hätte besser laufen können.
  • Verantwortung zu übernehmen. Schuldzuweisungen, zum Beispiel auf Kollegen oder Umstände sind tabu. Es war Ihre Aufgabe, also auch Ihre Verantwortung.

Der letzte Punkt kann gar nicht stark genug betont werden: Verzichten Sie darauf, andere für Defizite oder Mängel verantwortlich zu machen. Das flüchten in die Opferrolle macht Sie klein und wirft ein schlechtes Licht auf einen selbst.

Als Hilfestellung zur Beurteilung können Sie auch sogenannte Selbsteinschätzungsfragen für die wichtigsten Bereiche nutzen:

    Funktionale Kompetenz

  • Welche Projekte habe ich unterstützt/geleitet?
  • Welche Probleme habe ich gelöst?
  • Welche Ziele habe ich erreicht?
  • Konnte ich mich gegenüber dem Vorjahr steigern?
  • Wie konnte ich damit quantitativ zur Wertschöpfung beitragen?

  • Soziale Kompetenz

  • Wie trage ich zum positiven Arbeitsklima bei?
  • Kommuniziere ich klar und konstruktiv?
  • Welche Konflikte konnte ich lösen (wie)?
  • Wie kooperiere ich mit anderen?
  • Wie engagiere ich mich?

  • Entwicklungskompetenz

  • Welche Stärken sollte ich weiterentwickeln?
  • Was habe ich aus Fehlern gelernt?
  • Woran muss ich noch arbeiten?
  • Welchen Teil kann ich selber zu meiner Entwicklung beitragen?
  • Was würde mir helfen, meine Leistungen weiter zu verbessern?


Neben den positiven Beispielen, Erfolgen und neuen Kompetenzen und Stärken, sollten auch die Schwächen Teil der Selbstbeurteilung sein. Wer diese aktiv und als Verbesserungspotenziale anspricht, sammelt Pluspunkte und erhöht zugleich die Glaubwürdigkeit seiner Selbstbeurteilung.

Im Anschluss dürfen Sie zudem und in moderater Form passende Unterstützung oder Fortbildungen einfordern. Das ist nicht nur legitim, sondern beweist auch Entwicklungswille und Wachstumspotenziale.

Selbstbeurteilung: Formulierung und Tipps

Bei der konkreten Formulierung der Selbstbeurteilung sollte der Grundton stets positiv und bestimmt sein. Vermeiden sollten Sie dagegen den Konjunktiv. Also zum Beispiel Formulierungen, wie…

  • könnte ich mir eventuell vorstellen…
  • wäre möglicherweise eine Option…

Der Konjunktiv schwächt die Aussage und Beurteilung und macht sie zu einer vagen Vermutung. Warum die Einschränkung? Die Selbstbeurteilung beruht schließlich auf nachvollziehbaren Fakten. Stehen Sie dazu!

Eine insgesamt positive Wirkung und Botschaft vermitteln Sie stattdessen durch den Einsatz aktiver Ich-Aussagen.

Manche Mitarbeiter verstecken sich in der Selbstbeurteilung hinter Phrasen, wie…

  • man sollte…
  • könnte man…

Nur: Wer ist dieser „man“?

Viel überzeugter und auch überzeugender wirken Aussagen, wie:

In den drei Monaten des Projektes XY konnte ich durch ________________ Kosten in Höhe von _____ Prozent einsparen und zugleich ________________ verbessern. Überdies ist es uns im Team gelungen…

Zugegeben, die Kunst besteht darin, einen selbstbewussten und aktiven, jedoch nicht arroganten oder gar überheblichen Ton zu treffen. Im Zweifel sollten Sie die Selbstbeurteilung von ein, zwei Freunden vorab gegenlesen lassen. Diese sollten Ihnen ehrlich sagen, wie die Beurteilung auf sie wirkt. Nutzen Sie das Feedback dazu, kritische Punkte zu identifizieren und ungünstige Formulierungen umzugestalten.

In der Regel werden Sie die Selbstbeurteilung einige Tage vor dem eigentlichen Mitarbeitergespräch beim Chef einreichen müssen, damit der sich entsprechend vorbereiten kann.

Stellen Sie sich bitte darauf ein, dass die Einschätzung Ihres Vorgesetzten in einigen Punkten von Ihrer Selbstbeurteilung abweicht. Das ist völlig normal. Die Differenzen dienen im Mitarbeitergespräch als Diskussionsgrundlage. Insgesamt aber können Sie so dessen Ergebnis maßgeblich beeinflussen – mit einer perfekten Selbstbeurteilung sogar zu Ihren Gunsten.

Der Begründungs-Effekt

Der Begründungs-EffektDen sogenannten Begründungs-Effekt haben die beiden Psychologen Ellen Langer und Robert Cialdini entdeckt. Offenbar reagieren Menschen enorm auf Begründungen, beziehungsweise auf das Wort „weil“. Selbst wenn eine Begründung fadenscheinig ist, machen die Leute, was von ihnen zuvor verlangt wurde.

Für Ihre Selbstbeurteilung können Sie diesen Effekt – dosiert – einsetzen. Streben Sie beispielsweise eine bestimmte Fortbildung an, könnten Sie diese durch den Begründungs-Effekt beziehungsweise ein „weil“ verstärken und ihre Notwendigkeit unterstreichen. Zum Beispiel so:

„Eine Fortbildung im Bereich _______________ schafft für unser Unternehmen deutlichen Mehrwert, weil…“

Was andere Leser noch gelesen haben

[Bildnachweis: Elnur by Shutterstock.com]
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Precrastination: Dinge sofort erledigen müssen https://karrierebibel.de/precrastination/ Sun, 14 Jul 2019 06:00:16 +0000 Jochen Mai http://karrierebibel.de/?p=48169 Das Phänomen der Procrastination (vulgo Aufschieberitis) kennen Sie schon: die Neigung, Dinge aufzuschieben, die eigentlich dringend erledigt werden müssten. Schätzungen zufolge ist etwa jeder 5. Deutsche davon betroffen. Es gibt aber auch ein namensverwandtes Phänomen, das nicht minder verbreitet ist: die sogenannte Precrastination (eingedeutscht: Prekrastination). Dahinter verbirgt sich das genaue Gegenteil: der Zwang, jedwede Aufgabe so schnell wie möglich zu erledigen, Hauptsache weg damit. Oder wie es im Büroslang heißt: asap – as soon as possible…

ASAP: Precrastination ist vor allem selbstgemachter Stress

Typisch für diese Soforterlediger ist der zunehmende Stress, der mit jedem neuen Punkt auf ihrer (imaginären) To-Do-Liste wächst: So viele Dinge, die noch geregelt werden müssen – und so wenig Zeit!!!

Also versuchen sie, diese so schnell wie möglich abzuarbeiten.

Auch dann, wenn dies zu noch mehr (selbstgemachtem) Stress oder gar unnötiger Arbeit führt. Manche Dinge erledigen sich schließlich ganz von alleine.

Nicht so bei den Soforterledigern, für sie gilt: Nix wie weg von der Liste, abgearbeitet, aus den Augen, aus dem Sinn! Deadlines sind für Sie eher Bedrohung als Richtwert; Leistungsdruck und Optimierungswahn sind ihre Attitüde.

So allerdings werden manche Aufgaben viel zu früh und mit einem potenzierten Stressfaktor erledigt, der im Grunde gar nicht nötig wäre. Hinter dem scheinbaren Engagement und Fleiß steckt also gar keine Arbeitstugend, sondern ein innerer Zwang.

David Rosenbaum, Psychologe an der Pennsylvania State Universität, hat das Phänomen Precrastination zusammen mit Kollegen näher erforscht und dazu eine Reihe von Experimenten initiiert.

Dabei zeigte sich immer wieder: Egal, welche Aufgaben den betroffenen Probanden gestellt wurden – hatten sie die Auswahl zwischen zwei Lösungsalternativen, entschieden sie sich immer für die erstbeste Lösung.

Hauptsache Aufgabe erledigt, selbst wenn das mehr physische Anstrengung erforderte. Das gaben die Probanden sogar in den Interviews hinterher exakt so zu Protokoll.

Offenbar wiegt bei den Prekrastinierern der mentale Druck der unerledigten Aufgabe so schwer, dass sie alles tun würden, um diese umgehend abzuschließen und so von der mentalen To-Do-Liste streichen zu können. Also das genaue Gegenteil eines typischen Aufschiebers.

Oder anders formuliert:

  • Wenn das Mantra der Procrastination lautet: Nicht jetzt, später!
  • Heißt das Mantra der Precrastination: Jetzt sofort, nicht gleich!

Ob der (zu) frühe Vogel auch den Wurm fängt, ist allerdings unklar.

Sicher, für Arbeitgeber mag der Prekrastinierer der beliebtere Mitarbeiter sein. Der Soforterlediger schafft schließlich was weg – und das ohne Aufschub. Sein Verhalten muss deswegen aber nicht effizient sein, nicht einmal produktiv. Schließlich erhöhen sich unter enormem Druck auch gerne mal die Fehler.

Überdies liegt der Verdacht nahe, dass dieses Phänomen zugleich die Vorstufe von Workaholismus und Burnout ist.

Lässt sich etwas gegen Prekrastination tun?

De facto haben wir es hier mit zwei Extremen – Pro- und Prekrastination – zu tun. Beide können zu deutlich erhöhtem Stress bei den Betroffenen führen und damit zu langfristigen gesundheitlichen Schäden.

Falls auch Sie davon betroffen sind (und das sind laut unserer Leserumfrage unten die meisten), haben Sie den ersten Schritt dagegen schon getan: Sie haben diesen Artikel gelesen.

Tatsächlich hilft es den meisten Soforterledigern schon, sich das Problem bewusst zu machen und so den Druck rauszunehmen.

Was ebenfalls gegen das Soforterledigen hilft:

  • Gehen Sie Ihre To-Do-Liste noch einmal durch: Was davon muss wirklich sofort erledigt werden?
  • Verschaffen Sie sich einen Überblick der wirklich dringenden Aufgaben.
  • Suchen Sie die goldene Mitte: Was steht an, was geht auch nachher noch?
  • Machen Sie nicht alles auf einmal. Multitasking ist eine gefährliche Illusion. Versuchen Sie sich stattdessen zu fokussieren.
  • Und ganz simpel: Nehmen Sie den Druck raus! Sie werden sehen: Sie schaffen Ihr Pensum auch so.

Machen Sie sich bewusst, dass der Stress im Kopf beginnt. Wie Optimierungswahn und Precrastinantion auch. Ob die Aufgabe wirklich sofort erledigt werden muss oder warten kann, ist reine Entscheidungssache. Und Geduld eine Tugend. Machen Sie also Ihren Geist frei und geben Sie sich die Zeit, die Sie haben. Oft ist das mehr, als Prekrastinierer glauben…

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
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Das Phänomen der Procrastination (vulgo Aufschieberitis) kennen Sie schon: die Neigung, Dinge aufzuschieben, die eigentlich dringend erledigt werden müssten. Schätzungen zufolge ist etwa jeder 5. Deutsche davon betroffen. Es gibt aber auch ein namensverwandtes Phänomen, das nicht minder verbreitet ist: die sogenannte Precrastination (eingedeutscht: Prekrastination). Dahinter verbirgt sich das genaue Gegenteil: der Zwang, jedwede Aufgabe so schnell wie möglich zu erledigen, Hauptsache weg damit. Oder wie es im Büroslang heißt: asap – as soon as possible…

ASAP: Precrastination ist vor allem selbstgemachter Stress

Typisch für diese Soforterlediger ist der zunehmende Stress, der mit jedem neuen Punkt auf ihrer (imaginären) To-Do-Liste wächst: So viele Dinge, die noch geregelt werden müssen – und so wenig Zeit!!!

Also versuchen sie, diese so schnell wie möglich abzuarbeiten.

Auch dann, wenn dies zu noch mehr (selbstgemachtem) Stress oder gar unnötiger Arbeit führt. Manche Dinge erledigen sich schließlich ganz von alleine.

Nicht so bei den Soforterledigern, für sie gilt: Nix wie weg von der Liste, abgearbeitet, aus den Augen, aus dem Sinn! Deadlines sind für Sie eher Bedrohung als Richtwert; Leistungsdruck und Optimierungswahn sind ihre Attitüde.

So allerdings werden manche Aufgaben viel zu früh und mit einem potenzierten Stressfaktor erledigt, der im Grunde gar nicht nötig wäre. Hinter dem scheinbaren Engagement und Fleiß steckt also gar keine Arbeitstugend, sondern ein innerer Zwang.

David Rosenbaum, Psychologe an der Pennsylvania State Universität, hat das Phänomen Precrastination zusammen mit Kollegen näher erforscht und dazu eine Reihe von Experimenten initiiert.

Dabei zeigte sich immer wieder: Egal, welche Aufgaben den betroffenen Probanden gestellt wurden – hatten sie die Auswahl zwischen zwei Lösungsalternativen, entschieden sie sich immer für die erstbeste Lösung.

Hauptsache Aufgabe erledigt, selbst wenn das mehr physische Anstrengung erforderte. Das gaben die Probanden sogar in den Interviews hinterher exakt so zu Protokoll.

Offenbar wiegt bei den Prekrastinierern der mentale Druck der unerledigten Aufgabe so schwer, dass sie alles tun würden, um diese umgehend abzuschließen und so von der mentalen To-Do-Liste streichen zu können. Also das genaue Gegenteil eines typischen Aufschiebers.

Oder anders formuliert:

  • Wenn das Mantra der Procrastination lautet: Nicht jetzt, später!
  • Heißt das Mantra der Precrastination: Jetzt sofort, nicht gleich!

Ob der (zu) frühe Vogel auch den Wurm fängt, ist allerdings unklar.

Sicher, für Arbeitgeber mag der Prekrastinierer der beliebtere Mitarbeiter sein. Der Soforterlediger schafft schließlich was weg – und das ohne Aufschub. Sein Verhalten muss deswegen aber nicht effizient sein, nicht einmal produktiv. Schließlich erhöhen sich unter enormem Druck auch gerne mal die Fehler.

Überdies liegt der Verdacht nahe, dass dieses Phänomen zugleich die Vorstufe von Workaholismus und Burnout ist.

Lässt sich etwas gegen Prekrastination tun?

De facto haben wir es hier mit zwei Extremen – Pro- und Prekrastination – zu tun. Beide können zu deutlich erhöhtem Stress bei den Betroffenen führen und damit zu langfristigen gesundheitlichen Schäden.

Falls auch Sie davon betroffen sind (und das sind laut unserer Leserumfrage unten die meisten), haben Sie den ersten Schritt dagegen schon getan: Sie haben diesen Artikel gelesen.

Tatsächlich hilft es den meisten Soforterledigern schon, sich das Problem bewusst zu machen und so den Druck rauszunehmen.

Was ebenfalls gegen das Soforterledigen hilft:

  • Gehen Sie Ihre To-Do-Liste noch einmal durch: Was davon muss wirklich sofort erledigt werden?
  • Verschaffen Sie sich einen Überblick der wirklich dringenden Aufgaben.
  • Suchen Sie die goldene Mitte: Was steht an, was geht auch nachher noch?
  • Machen Sie nicht alles auf einmal. Multitasking ist eine gefährliche Illusion. Versuchen Sie sich stattdessen zu fokussieren.
  • Und ganz simpel: Nehmen Sie den Druck raus! Sie werden sehen: Sie schaffen Ihr Pensum auch so.

Machen Sie sich bewusst, dass der Stress im Kopf beginnt. Wie Optimierungswahn und Precrastinantion auch. Ob die Aufgabe wirklich sofort erledigt werden muss oder warten kann, ist reine Entscheidungssache. Und Geduld eine Tugend. Machen Sie also Ihren Geist frei und geben Sie sich die Zeit, die Sie haben. Oft ist das mehr, als Prekrastinierer glauben…

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
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Follow-up nach dem Vorstellungsgespräch: Das lohnt sich! https://karrierebibel.de/follow-up-vorstellungsgespraech/ Sat, 13 Jul 2019 07:00:36 +0000 Jochen Mai http://karrierebibel.de/?p=60619 Geschafft! Das Vorstellungsgespräch ist beendet. Sie haben alles gegeben, und es bleibt nichts weiter zu tun, als abzuwarten, zu hoffen, dass Sie den Job bekommen… Falsch! Dass Sie das Gespräch beendet und das Gebäude des potenziellen Arbeitgebers verlassen haben, heißt nicht, dass Sie nichts mehr tun können. Im Gegenteil: Ein sogenanntes Follow-up im Anschluss an das Vorstellungsgespräch kann Ihre Chancen durchaus erhöhen. Vorausgesetzt, Sie machen es richtig…

Follow-up: Trauen Sie sich!

Was ist überhaupt ein Follow-up?

Gute Frage. Zunächst einmal handelt es sich dabei um einen typischen Anglizismus, der in einem Wort mehrere Optionen zusammenfasst.

Kurz gesagt geht es dabei um strategisches Nachfassen, nachhaken, in Erinnerung bleiben beziehungsweise einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen und sich so von Mitbewerbern abzusetzen.

Beim Follow-up geht es also um alles andere als abwarten und aussitzen. Vielmehr bleiben Sie auch nach dem Vorstellungsgespräch als Bewerber aktiv und verlängern so den Bewerbungsprozess – natürlich mit dem Ziel, diesen zu Ihren Gunsten zu beeinflussen.

Leider ist das vielen Bewerbern irgendwie unangenehm, vielleicht sogar peinlich. Sie assoziieren das Follow-up mit Aufdringlichkeit oder nervenden Anrufen. Fehler!

Wer so denkt, fällt lediglich auf der anderen Seite vom Pferd. Natürlich können und sollen Sie dabei nicht aufdringlich und nervig sein. Das wäre kontraproduktiv. Aber wie immer gibt es hierbei nicht nur Schwarz oder Weiß, sondern eine breite Grauzone, die sich geschickt nutzen lässt.

Aus Umfragen wissen wir, dass es meist dieselben zwei Gründe sind, die Kandidaten nennen und die sie immer wieder dazu verleiten, die Vorteile des Follow-ups ungenutzt zu lassen:

  • Die Angst, seine Chancen zu senken.

    Wer glaubt, sich bei Bewerbung und Vorstellungsgespräch gut geschlagen zu haben, hofft zurecht auf den ersehnten Job. Der Hauptgrund, warum viele Bewerber dann auf ein Follow-up verzichten, ist die Angst, einen vorher guten Eindruck zu verschlechtern und sich selbst die Chancen auf die Stelle zu nehmen.

    Die Sorge ist aber in der Regel unbegründet. Personaler haben nichts gegen ein professionelles Nachfassen. Es kann sogar die Jobchancen erhöhen, wenn es eben professionell umgesetzt wird.

  • Die Unsicherheit, was zu tun ist.

    Genau dieses „professionell umsetzen“ ist das zweite Hindernis. Oft wissen Bewerber schlichtweg nicht, was Sie nach einem Vorstellungsgespräch noch tun können. In der Folge verzichten sie auf das Follow-up, um bloß nichts falsch zu machen. Schade.

Follow-up: Was können Sie nach dem Vorstellungsgespräch tun?

Im Grunde ist es ganz leicht, nicht aufdringlich zu sein und sich trotzdem in Erinnerung zu bringen. Tatsächlich ist ein gelungenes Follow-up alles andere als eine Raketenwissenschaft.

Wir haben drei Möglichkeiten aufgelistet, die zu verschiedenen Stadien nach dem Bewerbungsgespräch ein sinnvolles Follow-up darstellen:

  1. Schicken Sie ein Dankschreiben.

    Der wahrscheinlich meist gewählte Weg für ein Follow-up ist das sogenannte Dankschreiben. Hier können Sie sich für die Zeit und die Chance bedanken, die das Unternehmen Ihnen gegeben hat und betonen, dass Ihr Wunsch, für den Arbeitgeber tätig zu sein, nach dem persönlichen Gespräch noch gewachsen ist. Zum Beispiel so:

    Dankschreiben Vorstellungsgespraech Beispiel Formulierung Mustervorlage

    Falls während des Gesprächs wichtige Punkte oder Fragen aufgekommen sind, können diese im Dankschreiben ebenfalls aufgegriffen oder richtig gestellt werden. In erster Linie sollte das Dankschreiben aber freundlich formuliert sein und betonen, warum Sie die Stelle nun umso mehr wollen.

    Allzu lang sollte man damit nach dem Vorstellungsgespräch aber nicht warten. Faustregel: Eine Woche nach dem Interview sollte Ihr Gegenüber den Brief auf dem Schreibtisch haben. So sind Sie dem Gesprächspartner noch gut in Erinnerung und können den positiven Eindruck noch verstärken.

  2. Fragen Sie nach.

    Die Wochen ziehen ins Land, doch es fehlt an jeglicher Rückmeldung nach dem Vorstellungsgespräch? Nach rund drei bis vier Wochen ist es völlig legitim, sich beim Personaler telefonisch zu melden und nach dem aktuellen Stand zu fragen. Dabei sollten Sie aber bitte nie vorwurfsvoll klingen, sondern offen und charmant um aktuelle Informationen bitten. Zum Beispiel, indem Sie clever fragen: „Benötigen Sie von mir noch Informationen, die Ihren Entscheidungsprozess beschleunigen helfen?“

    Sollte der Auswahlprozess länger gedauert haben als erwartet, zeigen Sie mit Ihrem telefonischen Nachfassen, dass Sie weiterhin großes Interesse haben. Echte Jobnot sollten Sie aber trotzdem nie durchblicken lassen.

    Überhaupt: Verzichten sollten Sie auf jede Form von Druck. Es ist gut, mehrere Optionen zu haben, doch macht es keinen guten Eindruck, einen möglichen Arbeitgeber damit zu erpressen, um eine schnellere Antwort zu erhalten.

  3. Bitten Sie um eine Erklärung.

    Im schlimmsten Fall erhalten Sie auf Ihre Nachfrage die Auskunft, dass man Sie leider nicht mehr in Betracht zieht. Ernüchternd, aber nach einer kurzen Phase des Frusts, geht die Jobsuche weiter. Ein Teil des Follow-ups kann daher auch auf dieses künftige Vorgehen ausgerichtet sein: Bitten Sie um Feedback!

    Wer könnte Ihnen besser erklären, woran Sie gescheitert sind, als der Personaler, mit dem Sie das Vorstellungsgespräch geführt haben? Lag es an fehlenden Qualifikationen, die Sie nachbessern können? Oder war es Ihr Auftreten im Vorstellungsgespräch?

    Schriftlich werden Sie hierbei nur Floskeln zu lesen bekommen – schon aus Angst vor dem AGG. So mancher Bewerber versucht, sich aufgrund fadenscheiniger Gründe einzuklagen. Also sagen Personaler lieber nichts. Am Telefon aber stünde Aussage gegen Aussage. Da lässt mancher Personaler vielleicht mehr durchblicken. Oder sie können zumindest zwischen den Zeilen lesen. So oder so: Wer hier professionell agiert, zeigt mindestens guten Willen, sich zu verbessern und bleibt ebenfalls in positiver Erinnerung. Wer weiß, wann man sich noch einmal begegnet…

Bleiben Sie also auch nach dem Vorstellungsgespräch nie untätig. Egal, wie gut Ihr Eindruck war. Bewerben Sie sich weiter – solange bis die Tinte unter Ihrem neuen Arbeitsvertrag trocken ist. Sie verlieren sonst nur kostbare Zeit.

Überdies behalten Sie mit dem Follow-Up nach dem Vorstellungsgespräch die Zügel in der Hand. Ja, das macht vielleicht zusätzliche Arbeit. Aber es geht ja auch nicht um irgendwas, sondern um Ihre berufliche Zukunft (und ein Einkommen).

[Bildnachweis: Roman Samborskyi by Shutterstock.com]

Weitere Tipps zum Vorstellungsgespräch

Vorstellungsgespräch Ablauf

Vorstellungsgespräch Tipps
5 typische Gesprächsphasen
Vorstellungsgespräch vorbereiten
Vorstellungsgespräch Checkliste
Dresscode
Begrüßungstipps
Selbstpräsentation
Soft Skills
Authentisch sein
Gesprächsführung
Vorstellungsgespräch beenden

Interview Arten

Assessment Center
Stressinterview
Vorstellungsgespräch auf Englisch
Strukturiertes Interview
Bewerbungsgespräch per Video
Telefoninterview Tipps
Zweites Vorstellungsgespräch
Anruf vom Headhunter
Outplacement Beratung

Typische Fragen

100 Fragen an Bewerber
25 Fangfragen
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Geschafft! Das Vorstellungsgespräch ist beendet. Sie haben alles gegeben, und es bleibt nichts weiter zu tun, als abzuwarten, zu hoffen, dass Sie den Job bekommen… Falsch! Dass Sie das Gespräch beendet und das Gebäude des potenziellen Arbeitgebers verlassen haben, heißt nicht, dass Sie nichts mehr tun können. Im Gegenteil: Ein sogenanntes Follow-up im Anschluss an das Vorstellungsgespräch kann Ihre Chancen durchaus erhöhen. Vorausgesetzt, Sie machen es richtig…

Follow-up: Trauen Sie sich!

Was ist überhaupt ein Follow-up?

Gute Frage. Zunächst einmal handelt es sich dabei um einen typischen Anglizismus, der in einem Wort mehrere Optionen zusammenfasst.

Kurz gesagt geht es dabei um strategisches Nachfassen, nachhaken, in Erinnerung bleiben beziehungsweise einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen und sich so von Mitbewerbern abzusetzen.

Beim Follow-up geht es also um alles andere als abwarten und aussitzen. Vielmehr bleiben Sie auch nach dem Vorstellungsgespräch als Bewerber aktiv und verlängern so den Bewerbungsprozess – natürlich mit dem Ziel, diesen zu Ihren Gunsten zu beeinflussen.

Leider ist das vielen Bewerbern irgendwie unangenehm, vielleicht sogar peinlich. Sie assoziieren das Follow-up mit Aufdringlichkeit oder nervenden Anrufen. Fehler!

Wer so denkt, fällt lediglich auf der anderen Seite vom Pferd. Natürlich können und sollen Sie dabei nicht aufdringlich und nervig sein. Das wäre kontraproduktiv. Aber wie immer gibt es hierbei nicht nur Schwarz oder Weiß, sondern eine breite Grauzone, die sich geschickt nutzen lässt.

Aus Umfragen wissen wir, dass es meist dieselben zwei Gründe sind, die Kandidaten nennen und die sie immer wieder dazu verleiten, die Vorteile des Follow-ups ungenutzt zu lassen:

  • Die Angst, seine Chancen zu senken.

    Wer glaubt, sich bei Bewerbung und Vorstellungsgespräch gut geschlagen zu haben, hofft zurecht auf den ersehnten Job. Der Hauptgrund, warum viele Bewerber dann auf ein Follow-up verzichten, ist die Angst, einen vorher guten Eindruck zu verschlechtern und sich selbst die Chancen auf die Stelle zu nehmen.

    Die Sorge ist aber in der Regel unbegründet. Personaler haben nichts gegen ein professionelles Nachfassen. Es kann sogar die Jobchancen erhöhen, wenn es eben professionell umgesetzt wird.

  • Die Unsicherheit, was zu tun ist.

    Genau dieses „professionell umsetzen“ ist das zweite Hindernis. Oft wissen Bewerber schlichtweg nicht, was Sie nach einem Vorstellungsgespräch noch tun können. In der Folge verzichten sie auf das Follow-up, um bloß nichts falsch zu machen. Schade.

Follow-up: Was können Sie nach dem Vorstellungsgespräch tun?

Im Grunde ist es ganz leicht, nicht aufdringlich zu sein und sich trotzdem in Erinnerung zu bringen. Tatsächlich ist ein gelungenes Follow-up alles andere als eine Raketenwissenschaft.

Wir haben drei Möglichkeiten aufgelistet, die zu verschiedenen Stadien nach dem Bewerbungsgespräch ein sinnvolles Follow-up darstellen:

  1. Schicken Sie ein Dankschreiben.

    Der wahrscheinlich meist gewählte Weg für ein Follow-up ist das sogenannte Dankschreiben. Hier können Sie sich für die Zeit und die Chance bedanken, die das Unternehmen Ihnen gegeben hat und betonen, dass Ihr Wunsch, für den Arbeitgeber tätig zu sein, nach dem persönlichen Gespräch noch gewachsen ist. Zum Beispiel so:

    Dankschreiben Vorstellungsgespraech Beispiel Formulierung Mustervorlage

    Falls während des Gesprächs wichtige Punkte oder Fragen aufgekommen sind, können diese im Dankschreiben ebenfalls aufgegriffen oder richtig gestellt werden. In erster Linie sollte das Dankschreiben aber freundlich formuliert sein und betonen, warum Sie die Stelle nun umso mehr wollen.

    Allzu lang sollte man damit nach dem Vorstellungsgespräch aber nicht warten. Faustregel: Eine Woche nach dem Interview sollte Ihr Gegenüber den Brief auf dem Schreibtisch haben. So sind Sie dem Gesprächspartner noch gut in Erinnerung und können den positiven Eindruck noch verstärken.

  2. Fragen Sie nach.

    Die Wochen ziehen ins Land, doch es fehlt an jeglicher Rückmeldung nach dem Vorstellungsgespräch? Nach rund drei bis vier Wochen ist es völlig legitim, sich beim Personaler telefonisch zu melden und nach dem aktuellen Stand zu fragen. Dabei sollten Sie aber bitte nie vorwurfsvoll klingen, sondern offen und charmant um aktuelle Informationen bitten. Zum Beispiel, indem Sie clever fragen: „Benötigen Sie von mir noch Informationen, die Ihren Entscheidungsprozess beschleunigen helfen?“

    Sollte der Auswahlprozess länger gedauert haben als erwartet, zeigen Sie mit Ihrem telefonischen Nachfassen, dass Sie weiterhin großes Interesse haben. Echte Jobnot sollten Sie aber trotzdem nie durchblicken lassen.

    Überhaupt: Verzichten sollten Sie auf jede Form von Druck. Es ist gut, mehrere Optionen zu haben, doch macht es keinen guten Eindruck, einen möglichen Arbeitgeber damit zu erpressen, um eine schnellere Antwort zu erhalten.

  3. Bitten Sie um eine Erklärung.

    Im schlimmsten Fall erhalten Sie auf Ihre Nachfrage die Auskunft, dass man Sie leider nicht mehr in Betracht zieht. Ernüchternd, aber nach einer kurzen Phase des Frusts, geht die Jobsuche weiter. Ein Teil des Follow-ups kann daher auch auf dieses künftige Vorgehen ausgerichtet sein: Bitten Sie um Feedback!

    Wer könnte Ihnen besser erklären, woran Sie gescheitert sind, als der Personaler, mit dem Sie das Vorstellungsgespräch geführt haben? Lag es an fehlenden Qualifikationen, die Sie nachbessern können? Oder war es Ihr Auftreten im Vorstellungsgespräch?

    Schriftlich werden Sie hierbei nur Floskeln zu lesen bekommen – schon aus Angst vor dem AGG. So mancher Bewerber versucht, sich aufgrund fadenscheiniger Gründe einzuklagen. Also sagen Personaler lieber nichts. Am Telefon aber stünde Aussage gegen Aussage. Da lässt mancher Personaler vielleicht mehr durchblicken. Oder sie können zumindest zwischen den Zeilen lesen. So oder so: Wer hier professionell agiert, zeigt mindestens guten Willen, sich zu verbessern und bleibt ebenfalls in positiver Erinnerung. Wer weiß, wann man sich noch einmal begegnet…

Bleiben Sie also auch nach dem Vorstellungsgespräch nie untätig. Egal, wie gut Ihr Eindruck war. Bewerben Sie sich weiter – solange bis die Tinte unter Ihrem neuen Arbeitsvertrag trocken ist. Sie verlieren sonst nur kostbare Zeit.

Überdies behalten Sie mit dem Follow-Up nach dem Vorstellungsgespräch die Zügel in der Hand. Ja, das macht vielleicht zusätzliche Arbeit. Aber es geht ja auch nicht um irgendwas, sondern um Ihre berufliche Zukunft (und ein Einkommen).

[Bildnachweis: Roman Samborskyi by Shutterstock.com]

Weitere Tipps zum Vorstellungsgespräch

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Typische Fragen

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5 Zeichen, dass es Zeit für eine Gehaltserhöhung ist https://karrierebibel.de/zeichen-fuer-gehaltserhoehung/ Fri, 12 Jul 2019 15:00:04 +0000 Jochen Mai http://karrierebibel.de/?p=57273 Wer viel arbeitet, sollte auch viel verdienen. Die Realität ist leider oft eine andere. Es wäre aber naiv, andere dafür verantwortlich zu machen. Den Gegenwert Ihrer Arbeit – sprich: das Gehalt – verhandeln Sie in erster Linie selbst. Das ist kein Almosen oder Geschenk, sondern das Ergebnis kluger Verhandlungen. Und des richtigen Zeitpunkts. Hier und heute zeigen wir Ihnen ein paar gute Zeitpunkte, die die Frage nach einer Gehaltserhöhung rechtfertigen. Ein paar schlechte Zeitpunkte für das Gehaltsgespräch gibt es allerdings auch…

Wann Sie besser nicht fragen sollten

Wenn Sie planen, Ihren Chef auf eine Gehaltserhöhung anzusprechen, sollten Sie durchaus etwas Fingerspitzengefühl beweisen. Nicht jeder Zeitpunkt ist dafür geeignet. Dabei sollten Sie zunächst beachten, dass der Zeitraum seit Ihrer letzten Gehaltserhöhung ausreichend groß ist. Ihre Leistungen, die Verantwortung sollten deutlich gestiegen sein oder es ist etwas Außergewöhnliches passiert, was die erneute Gehaltsverhandlung binnen kurzer Zeit rechtfertigt.

Auch andere Entwicklungen sprechen tendenziell dagegen, dass Sie nach mehr Geld fragen:

  • Sie haben kürzlich Mist gebaut. Egal, wie groß der Wunsch nach einer höheren Bezahlung ist: Sollte Ihnen vor kurzem eine Aufgabe missglückt oder ein größerer Fehler unterlaufen sein, sollten Sie erstmal warten, bis Gras über die Sache gewachsen ist. Die negativen Eindrücke sollten deutlich verblasst und der Schaden reguliert sein, bevor Sie nach einer Gehaltserhöhung fragen. Alles andere wäre ziemlich unsensibel und offenbart einen tumben Opptunisten.
  • Sie haben keine besonderen Leistungen erbracht. Ihr Ziel in der Gehaltsverhandlung ist es, Ihren Chef davon zu überzeugen, dass Sie und Ihre Arbeit eine höhere Entlohnung verdienen. Sie können sich leicht vorstellen, dass das Argument – Ich sitze hier täglich meine Zeit ab und leiste Dienst nach Vorschrift – keines ist. Trotzdem versuchen es manche Zeitgenossen genauso: Sie haben nichts zu bieten, wollen aber trotzdem mehr Geld… Sinnlos! Warten Sie lieber, bis Sie beispielsweise ein erfolgreiches Projekt abgeschlossen haben.

Beim Timing für die Gehaltserhöhung kommt es darauf an, den Chef gleich auf dem richtigen Fuß zu erwischen. Beginnt das Gespräch mit schlechter Stimmung, können Sie sich den Versuch in der Regel schenken: Wir haben zwar gerade einen großen Kunden verloren, aber ich würde trotzdem gerne mit Ihnen über mein Gehalt sprechen… – Sie können sich leicht vorstellen, wo das hinführt.

Es geht aber auch anders. Wenn Sie sich ein paar Gedanken über den richtigen Zeitpunkt machen und bereits ein paar gute Argumente gesammelt haben, spricht nichts gegen ein Gehaltsgespräch…

Was bleibt Netto vom Brutto?

Extra-Tipp-IconFalls Sie herausfinden wollen, was von Ihrem nächsten Bruttogehalt netto übrig bleibt, haben wir für Sie einen kostenlosen Brutto-Netto-Gehaltsrechner. So können Sie zum Beispiel feststellen, wie viel von der angepeilten Bruttoerhöhung nach dem Abzug von Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträgen auf dem Bankkonto netto ankommt. Einfach Ihren aktuellen Bruttolohn eingeben, Lohnsteuerklasse, Kirchensteuer und weitere Angaben machen. Schon berechnet das kostenlose Tool Ihr Nettogehalt.

Anzeichen, dass es ein guter Zeitpunkt für eine Gehaltserhöhung ist

Keine falsche Scheu vor einem Gehaltsgespräch! Wenn Sie gute Argumente, messbare Erfolge und ansehnliche Leistungen vorweisen können, dürfen Sie ruhig selbstbewusst auftreten und mehr Gehalt fordern.

Idealerweise verhandeln Sie allerdings keine Gehaltserhöhung – das klingt für jeden Chef sofort nach höheren Kosten. Sondern eine Gehaltsanpassung.

Das mag semantisch feinsinnig klingen, macht psychologisch aber einen Unterschied: Anpassung klingt zugleich nach einer Korrektur – etwas muss an neue Bedingungen angepasst werden. Und das ist ja eigentlich nur fair…

Überdies gibt es noch ein paar gute Hinweise dafür, dass der richtige Zeitpunkt für eine Gehaltserhöhung gekommen ist. Diese…

  1. Sie haben sich weiterentwickelt

    Seit der letzten Gehaltsverhandlung haben Sie viele neue Fähigkeiten erworben (Zertifikat?), leisten mehr und bessere Arbeit und haben vielleicht sogar größere Verantwortung im Team übernommen? Dann ist eine Gehaltserhöhung nicht nur angebracht, sondern überfällig. Erinnern Sie daran, dass Ihr Gehalt zuletzt mit Ihren Fähigkeiten und Aufgaben des vergangenen Standes berechnet wurde. Soll heißen: Wenn sich Ihr Know-how und Mehrwert für die Firma verbessert hat, sollte sich das im Gehalt spiegeln.

  2. Sie haben bessere Angebote erhalten

    Ein anderes Unternehmen ist bereit, Sie einzustellen – verbunden mit einem höheren Gehalt. Wenn Sie nicht unbedingt den Job wechseln wollen, sollten Sie den Anlass nutzen, um mit Ihrem Arbeitgeber neu zu verhandeln. Aber Achtung: Bitte keine Erpressung oder Nötigung. Verhandeln Sie in erster Linie ein höheres Gehalt und erwähnen Sie das andere Angebot nur nebenbei. Die Haltung sollte sein: Sie geben Ihrem Chef – für den Sie am liebsten weiter arbeiten wollen – die Chance, Sie zu halten und einen neuen Wert für Sie zu beziffern.

    Rechnen Sie aber auch damit, dass er nicht mitgeht. In dem Fall müssen Sie den Job wechseln – sonst stehen Sie da wie ein Bluffer.

  3. Ihre Kollegen verdienen alle mehr als Sie

    Zugegeben, Gehälter werden immer individuell verhandelt und nicht relativ. Soll heißen: „Kollege X verdient aber mehr“ ist kein Argument. Vielleicht leistet er/sie auch mehr, ist schneller fertig oder besser qualifiziert. Oder der Kollege hat einfach besser verhandelt. Wer jammert und die Ungerechtigkeit der Welt als Argument missbraucht, macht sich nicht nur klein und zum neidischen Opfer, sondern zeigt auch, dass er selbst keine Leistungsargumente für mehr Geld hat.

    Aber: Wenn Sie feststellen, dass andere Kollegen aufgrund gestiegener Leistungen oder verantwortungsvoller Projekte einen Gehaltszuschlag heraushandeln konnten, dann können Sie das natürlich auch – vorausgesetzt, Sie können vergleichbare Veränderungen oder Qualifikationen verweisen.

  4. Die Auftragslage Ihres Unternehmens ist positiv

    Selbst wenn der Chef Ihnen gerne mehr bezahlen würde, kann die Auftragslage des Unternehmens dagegen sprechen. Das gilt aber in beide Richtungen: Steigen die Aufträge und Umsätze, dürfen Mitarbeiter (im Wortsinn) daran ebenfalls teilhaben. Schließlich ist es auch ihr Verdienst. Wenn es also gerade und auf absehbare Zeit gut läuft, ist das ein guter Zeitpunkt, um nach einer Gehaltserhöhung zu fragen.

  5. Sie bieten Mehrwert

    Und zwar buchstäblich. Wer mehr Wert schafft, hat auch mehr verdient. Wie schon mehrfach angesprochen, ist Leistung das wichtigste Argument für mehr Geld. Denn das Gehalt ist ja nichts anderes als die Bezahlung für Ihre Arbeit. Wird die mehr oder werden Sie in derselben Zeit produktiver, effektiver… ist eine Gehaltserhöhung selbstverständlich. Also keine Scheu: Treten Sie für Ihre Interessen selbstbewusst ein.

Gratis-Gehaltscheck: Verdienen Sie, was Sie verdienen?

Profitieren Sie außerdem noch von unserem neuen kostenlosen Service: Ihrem persönlichen Gehaltsreport.

Die Karrierebibel liefert Ihnen in einer individuell für Sie erstellten Studie alle wichtigen Fakten zu Ihrem aktuellen Gehalt. Geordnet nach Branchen, Regionen und Berufserfahrungen erfahren Sie so in Ihrem persönlichen Gehaltsreport wo die Durchschnittsgehälter Ihrer Branche, in Ihrem Bundesland oder Ihrer Region liegen und was Sie verdienen sollten – alles auf Sie und Ihre Angaben zugeschnitten und trotzdem anonym und absolut kostenlos.

Gehaltscheck Beispiel CoverFalls Sie sich noch unsicher sind, was Sie bei dem Gehaltsreport erwartet: kein Problem. Hier finden Sie ein Beispiel-Report als PDF, den Sie sich vorab gerne herunterladen können, um sich ein Bild zu machen. Es ist aber wirklich nur ein Beispiel mit fiktiven Zahlen. Und wie schon gesagt: Der Gehaltscheck beziehungsweise Gehaltsreport kostet Sie gar nichts und ist völlig unverbindlich. Wir bieten diesen vor allem als Leser-Service an – einfach, weil wir die beste Seite für Ihren beruflichen (und finanziellen) Erfolg sein wollen. In dem Fall dürfen Sie uns natürlich gerne weiterempfehlen…

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
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Wer viel arbeitet, sollte auch viel verdienen. Die Realität ist leider oft eine andere. Es wäre aber naiv, andere dafür verantwortlich zu machen. Den Gegenwert Ihrer Arbeit – sprich: das Gehalt – verhandeln Sie in erster Linie selbst. Das ist kein Almosen oder Geschenk, sondern das Ergebnis kluger Verhandlungen. Und des richtigen Zeitpunkts. Hier und heute zeigen wir Ihnen ein paar gute Zeitpunkte, die die Frage nach einer Gehaltserhöhung rechtfertigen. Ein paar schlechte Zeitpunkte für das Gehaltsgespräch gibt es allerdings auch…

Wann Sie besser nicht fragen sollten

Wenn Sie planen, Ihren Chef auf eine Gehaltserhöhung anzusprechen, sollten Sie durchaus etwas Fingerspitzengefühl beweisen. Nicht jeder Zeitpunkt ist dafür geeignet. Dabei sollten Sie zunächst beachten, dass der Zeitraum seit Ihrer letzten Gehaltserhöhung ausreichend groß ist. Ihre Leistungen, die Verantwortung sollten deutlich gestiegen sein oder es ist etwas Außergewöhnliches passiert, was die erneute Gehaltsverhandlung binnen kurzer Zeit rechtfertigt.

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Überdies gibt es noch ein paar gute Hinweise dafür, dass der richtige Zeitpunkt für eine Gehaltserhöhung gekommen ist. Diese…

  1. Sie haben sich weiterentwickelt

    Seit der letzten Gehaltsverhandlung haben Sie viele neue Fähigkeiten erworben (Zertifikat?), leisten mehr und bessere Arbeit und haben vielleicht sogar größere Verantwortung im Team übernommen? Dann ist eine Gehaltserhöhung nicht nur angebracht, sondern überfällig. Erinnern Sie daran, dass Ihr Gehalt zuletzt mit Ihren Fähigkeiten und Aufgaben des vergangenen Standes berechnet wurde. Soll heißen: Wenn sich Ihr Know-how und Mehrwert für die Firma verbessert hat, sollte sich das im Gehalt spiegeln.

  2. Sie haben bessere Angebote erhalten

    Ein anderes Unternehmen ist bereit, Sie einzustellen – verbunden mit einem höheren Gehalt. Wenn Sie nicht unbedingt den Job wechseln wollen, sollten Sie den Anlass nutzen, um mit Ihrem Arbeitgeber neu zu verhandeln. Aber Achtung: Bitte keine Erpressung oder Nötigung. Verhandeln Sie in erster Linie ein höheres Gehalt und erwähnen Sie das andere Angebot nur nebenbei. Die Haltung sollte sein: Sie geben Ihrem Chef – für den Sie am liebsten weiter arbeiten wollen – die Chance, Sie zu halten und einen neuen Wert für Sie zu beziffern.

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  3. Ihre Kollegen verdienen alle mehr als Sie

    Zugegeben, Gehälter werden immer individuell verhandelt und nicht relativ. Soll heißen: „Kollege X verdient aber mehr“ ist kein Argument. Vielleicht leistet er/sie auch mehr, ist schneller fertig oder besser qualifiziert. Oder der Kollege hat einfach besser verhandelt. Wer jammert und die Ungerechtigkeit der Welt als Argument missbraucht, macht sich nicht nur klein und zum neidischen Opfer, sondern zeigt auch, dass er selbst keine Leistungsargumente für mehr Geld hat.

    Aber: Wenn Sie feststellen, dass andere Kollegen aufgrund gestiegener Leistungen oder verantwortungsvoller Projekte einen Gehaltszuschlag heraushandeln konnten, dann können Sie das natürlich auch – vorausgesetzt, Sie können vergleichbare Veränderungen oder Qualifikationen verweisen.

  4. Die Auftragslage Ihres Unternehmens ist positiv

    Selbst wenn der Chef Ihnen gerne mehr bezahlen würde, kann die Auftragslage des Unternehmens dagegen sprechen. Das gilt aber in beide Richtungen: Steigen die Aufträge und Umsätze, dürfen Mitarbeiter (im Wortsinn) daran ebenfalls teilhaben. Schließlich ist es auch ihr Verdienst. Wenn es also gerade und auf absehbare Zeit gut läuft, ist das ein guter Zeitpunkt, um nach einer Gehaltserhöhung zu fragen.

  5. Sie bieten Mehrwert

    Und zwar buchstäblich. Wer mehr Wert schafft, hat auch mehr verdient. Wie schon mehrfach angesprochen, ist Leistung das wichtigste Argument für mehr Geld. Denn das Gehalt ist ja nichts anderes als die Bezahlung für Ihre Arbeit. Wird die mehr oder werden Sie in derselben Zeit produktiver, effektiver… ist eine Gehaltserhöhung selbstverständlich. Also keine Scheu: Treten Sie für Ihre Interessen selbstbewusst ein.

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Schüleraustausch: Organisationen und Finanzierung https://karrierebibel.de/schueleraustausch/ Fri, 12 Jul 2019 11:00:38 +0000 Anja Rassek http://karrierebibel.de/?p=59048 Einen Schüleraustausch in den USA zu machen – das ist wohl der Traum und gleichzeitige Höhepunkt vieler Schüler der gesamten Schulzeit. Ganz gleich, ob es tatsächlich die Vereinigten Staaten werden oder ein anderes Gastland: Solche Erfahrungen sind es, von denen Schüler auch Jahre später noch gerne erzählen und ihr ganzes Leben lang profitieren. Eine fremde Kultur kennenzulernen, Sprachkenntnisse anzuwenden und sich mit neuen Begebenheiten zurechtzufinden sind Erfahrungen und Fähigkeiten, die Arbeitgeber gerne im Lebenslauf sehen. Das wissen auch immer mehr Eltern und Schüler. Die Schwierigkeit ist einzig, durch den Dschungel der Organisationen zu finden. Welche es gibt und welche Finanzierungsmöglichkeiten Sie haben…

Was ist ein Schüleraustausch?

Definition SchüleraustauschBei einem Schüleraustausch verbringen Schüler – in der Regel im Alter zwischen 14 und 18 Jahren – eine bestimmte Zeit im Ausland, besuchen die dortige Schule und leben in einer Gastfamilie.

Der Zeitraum während des Aufenthalts kann alles zwischen drei Monaten und einem Jahr dauern. Üblicherweise wird für diesen Abschnitt der Übergang von der Mittel- zur Oberstufe gewählt, je nach Anzahl der Schuljahre also die 9., 10. oder 11. Klasse.

Das Hauptziel dabei: den Alltag in einem fremden Kulturkreis kennenzulernen. Der Zeitraum von einem Jahr gilt dabei als optimal, weil innerhalb dieses Zyklus auch Geburtstage sowie landestypische Feiertage miterlebt werden können.

Ursprünglich diente der wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene Schüleraustausch der Völkerverständigung und war als direkter gegenseitiger Austausch angelegt. Da so der Auslandsaufenthalt von Schülern kaum noch stattfindet, wird er stattdessen auch als Auslandsjahr oder High-School-Jahr bezeichnet.

Die Vorteile von Schüleraustauschprogrammen

So ein internationales Austauschjahr hat seine Herausforderungen: Freunde und Familie sind weit weg und allenfalls per E-Mail oder Skype erreichbar; zugleich müssen sich die Schüler in einer neuen, fremden Kultur zurecht finden, meist noch in eine neue Familie eingliedern. Das ist prägend und kann auch gewaltig in die Hose gehen.

Auf der anderen Seite bietet so ein Schüleraustausch wertvolle Erfahrungen:

  • Den Einblick in eine andere Kultur.
  • Verbesserte Sprachkenntnisse.
  • Neue Freunde und Kontakte, die womöglich ein Leben lang bestehen bleiben.
  • Selbstständigkeit und gestärktes Selbstbewusstsein.

Nicht jeder Schüler ist entschlossen genug und bereut diesen Entschluss, wenn die Schule erst einmal vorbei ist. Denn es gibt im Leben nur wenige Zeitfenster, in denen sich ein Auslandsjahr so bequem unterbringen lässt, wie bei einem Schüleraustausch.

Als Alternativen bleiben da fast nur noch die Zeit direkt nach dem Abi, ein Auslandssemester während des Studiums oder die Zeit unmittelbar nach Abschluss des Studiums, das sogenannte Gap Year.

Mit dem Einstieg ins Berufsleben gibt es dann allenfalls noch die Chance per Sabbatical oder Versetzung längere Zeit ins Ausland zu gehen, doch die Erfahrungen eines Schüleraustausches kann das kaum ersetzen.

Organisationen und Kosten für Schüleraustausch

In einigen Fällen haben die Schulen bereits Kooperationspartner für den Schüleraustausch, in anderen nicht. Wer nicht darauf verzichten will, bereits in der Schulzeit Erfahrungen im Ausland zu sammeln, muss also selbst tätigt werden.

Damit aus dem Schüleraustauschjahr kein Himmelfahrtskommando wird, empfehlen wir, den Schüleraustausch mit ausreichender Vorlaufzeit zu planen. Im Internet finden sich dazu für Schüler (und deren Eltern) eine ganze Reihe an Infos, besonders interessant für die sorgfältige Recherche vorab:

Im Video auf der Seite der JUBI erhalten Interessierte Informationen und Tipps rund um das Auslandsjahr – insbesondere für das mit Abstand beliebteste Zielland für einen Schüleraustausch oder besser gesagt ein High-School-Year: die USA.

Drei Organisationen wollen wir hier kurz vorstellen. Die Auswahl ist absolut beliebig und erfolgt ohne persönlichen Bezug:

  • AFS Interkulturelle Begegnungen e.V.

    Die gemeinnützige Organisation existiert bereits seit 70 Jahren und sieht sich als Mittler zwischen den Kulturen. Als eine der – nach eigenen Angaben – ältesten, erfahrensten und größten Organisationen bietet AFS Schüleraustausch auf fünf Kontinenten in über 60 Ländern. Da möglichst vielen reisewilligen Schülern die Gelegenheit zu einem Auslandsaufenthalt gegeben werden soll, werden aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen Schülerstipendien finanziert. Die werden notenunabhängig nach verschiedenen Kriterien gewährt – das Gastland kann ebenso ausschlaggebend sein wie ein Migrationshintergrund des Bewerbers oder eine bestimmte Herkunftsregion.

    • Kosten für Schüleraustausch USA

      AFS bietet je nach Aufenthaltsdauer zwei Zeiträume zur Ausreise an, jeweils Sommer und Winter. Wer für ein Schulhalbjahr, also etwa vier bis fünf Monate, in die USA gehen möchte, kann sowohl im Sommer als auch im Winter ausreisen. Die Kosten für diesen Schüleraustausch liegen bei 11.490 Euro. Wer ein ganzes Schuljahr in den USA verbringen möchte, ist neun bis zehn Monate – also doppelt so lange – vor Ort, zahlt aber mit 11.990 Euro nur 500 Euro mehr. Anreise ist hier nur im Winter möglich.

    • Kosten für Schüleraustausch England

      Für den Schüleraustausch sind wie bei den USA zwei Zeiträume zur Ausreise möglich. Vergleichsweise teurer kommt das Vereinigte Königreich daher: Nur knapp zwei Stunden Flugzeit von Deutschland entfernt, aber kostentechnisch können die Briten es mit den Amerikanern aufnehmen. Mit 11.990 Euro für das Schuljahr und 10.490 Euro für das Schulhalbjahr gibt es preislich keine Unterschiede, allerdings ist im Preis eine Aufwandsentschädigung für die Gastfamilien enthalten.

    • Kosten für Schüleraustausch Frankreich

      Auch hier werden im Sommer und Winter Ausreisetermine fürs Schulhalbjahr geboten, fürs ganze Schuljahr ist eine Ausreise nur im Sommer möglich. Deutlich günstiger liegt ein Schüleraustausch in Frankreich. Hier müssen Eltern lediglich 7.790 Euro fürs Schulhalbjahr und 8.290 Euro fürs ganze Schuljahr berappen.

  • EF Education First

    Das schwedische Unternehmen EF (ursprünglich: Europäische Ferienschule) besteht seit 1965 und ist aus den ureigensten Erfahrungen seines Gründers entstanden. Der stellte fest, dass er – obwohl Legastheniker – keinerlei Schwierigkeiten mit der englischen Sprache hatte. Diesem Umstand ist auch die Tatsache zu verdanken, dass die Länder zum Schüleraustausch sich auf den englischsprachigen Bereich konzentrieren, konkret: USA, Großbritannien und Irland.

    • Kosten für Schüleraustausch USA

      Das Schuljahr ab August kostet 12.450 Euro. Für ein Schulhalbjahr in den USA ist mit 10.950 Euro zu rechnen, Ausreise ist im August oder Januar möglich. Dazu können noch weitere Kosten kommen, wenn beispielsweise eine Reiserücktrittsversicherung (weitere 285 Euro) abgeschlossen wird oder Wert auf einen bestimmten Staat (weitere 895 Euro) oder Region (weitere 630 Euro) gelegt wird. Ein zusätzliches Gesamtpaket mit Sightseeingtour und diversen Aktivitäten kostet 1.375 Euro. Alle diese Leistungen sind optional.

    • Kosten für Schüleraustausch England

      Ein Schüleraustausch in Großbritannien ist ab 10.950 Euro zu haben, für das gesamte Schuljahr müssen 1.000 Euro mehr veranschlagt werden. Ausreise ist in beiden Fällen im August. Wie für die USA können hier zusätzlich gegen Aufpreis eine Reiserücktrittsversicherung und ein 13-tägiges Aktivitätenprogramm gebucht werden.

    • Kosten für Schüleraustausch Irland

      Ausreisetermine für Irland liegen jeweils im August. In Irland ist nur ein ganzes Schuljahr möglich, die Kosten liegen bei 11.450 Euro. Wie für Großbritannien können hier zusätzlich gegen Aufpreis eine Reiserücktrittsversicherung und ein 13-tägiges Aktivitätenprogramm gebucht werden.

  • Intrax

    Hinter Intrax beziehungsweise Ayusa-Intrax steckt eine seit mehr als 25 Jahren tätige amerikanische Organisation, die verschiedene Auslandsprogramme in 26 Ländern anbietet. Neben Schüleraustausch gehören Au-Pair-Aufenthalte in den USA, Work and Travel und diverse andere Programme zu ihrem Portfolio.

    • Kosten für Schüleraustausch USA

      Für das Schulhalbjahr werden zwei Ausreisezeiträume angeboten, wahlweise zwischen Juli und September und im Dezember oder Januar. Hier sind verschiedene Pakete möglich: 7.890 Euro fürs Halbjahr, gegen 2.000 Euro Aufpreis sind im Sommer die Flüge und drei Nächte in New York City wählbar. Das gesamte Schuljahr kostet 8.490 Euro, für eine bestimmte Region kommen weitere 990 bis 1.290 Euro hinzu.

    • Kosten für Schüleraustausch England

      Recht unübersichtlich und erklärungswürdig die Preise für einen Schüleraustausch in England: Hier können Interessierte zwischen Paketen wie „England Landesweit classic“ und „England flex“ sowie „England Schulwahl“ wählen. Die Aufenthaltsdauer bemisst sich in „Terms“, wobei ein Term in etwa drei Monaten zu entsprechen scheint. Demnach haben Eltern für einen etwa 9-monatigen Schüleraustausch in der Mittelstufe mit 10.990 Euro zu rechnen, hingegen fallen in der Oberstufe nur 10.490 Euro an. Ein Term in der Mittelstufe ist bereits ab 6.290 Euro (Ausreise Januar) zu haben.

    • Kosten für Schüleraustausch Frankreich

      Gestaffelte Preise je nachdem, wo es hingehen soll, gibt es ebenfalls für Frankreich. Wenig überraschend ist die Region um die Hauptstadt am teuersten. Das Schulhalbjahr ist ab Januar oder August bereits für 5.990 Euro zu haben – mit entsprechenden Präferenzen sind 8.490 Euro (Regionswahl) oder 8.990 Euro (Regionswahl Paris) fällig. Das gesamte Schuljahr wird ab August gebucht und kostet 7.290 beziehungsweise 11.490 Euro (Regionswahl) oder 12.490 Euro (Regionswahl Paris).

Finanzierungstipps: Auslandsbafög und PPP

Schüleraustausch Kosten FinanzierungFalls Sie sich jetzt noch fragen: Wer soll das am Ende bezahlen? Auch hierzu gibt es Tipps. Je nachdem, wie viel die Eltern verdienen, besteht die Chance, für den Schüleraustauch Auslandsbafög zu beantragen.

Das sollte jedoch mindestens sechs Monate im Voraus geschehen. Folgende Bedingungen müssen außerdem erfüllt sein:

  • Die deutsche Staatsbürgerschaft
  • Ein ständiger Wohnsitz in Deutschland
  • Eine Bestätigung der Gastschule über den Antritt des Aufenthalts
  • Die Bestätigung der Schulleitung, dass das Auslandsjahr anerkannt wird und kein Schuljahr wiederholt werden muss
  • Ausreichende Fremdsprachenkenntnisse

Eine Finanzierungsalternative ist das sogenannte Parlamentarische Patenschaftsprogramm (PPP) des Deutschen Bundestages. Das ermöglicht ausgewählten Teilnehmern ein Vollstipendium für die Zeit des Schüleraustausches in den USA und deckt so ziemlich alle relevanten Kosten ab.

Auch hier gibt es entsprechende Bedingungen. Die Bewerber müssen…

  • die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen.
  • zwischen 15 und 17 Jahre alt sein.
  • gute Englischkenntnisse und Schulleistungen nachweisen.

Checklisten fürs Auslandsjahr

Da es inzwischen eine ganze Reihe von Anbietern gibt, die den Schüleraustausch organisieren, haben Interessierte die Qual der Wahl. Die schlechte Nachricht: Glasklare Indizien, woran man miese Anbieter erkennt, gibt es nicht.

Aber glücklicherweise ein paar Indizien für seriöse Anbieter:

  • Der Veranstalter sollte umfänglich helfen, eine geeignete Gastfamilie zu finden sowie bei allen Ausreiseformalia zur Seite stehen.
  • Ebenso sollte der Kontakt zur ausgesuchten Gastfamilie einige Wochen vor der Abreise hergestellt werden.
  • Die Organisation sollte eine Notfallnummer haben, die rund um die Uhr im jeweiligen Zielland erreichbar ist.
  • Zudem sollte jeweils ein Betreuer vor Ort sein, wenn die Schüler irgendwo im Ausland umsteigen müssen – etwa an Flughäfen oder (Bus-)Bahnhöfen.
  • Es empfiehlt sich, einen deutschen Vertragspartner zu wählen. Dann gilt bei etwaigem juristischem Ärger das deutsche Recht und Sie müssen nicht im Ausland um Ihr Recht kämpfen.
  • Seriöse Anbieter bieten außerdem immer ein persönliches Beratungsgespräch an – nicht nur E-Mail-Korrespondenz oder Telefon.
Weitere Checklisten

Wie sich die Schüler vorbereiten können

Aber auch die Schüler selbst können einiges dafür tun, damit das Auslandsjahr ein voller Erfolg wird, an den man sich gerne zurück erinnert. Und das Wichtigste dabei ist: offen zu sein und sich ganz auf Land und Leute einzulassen.

Auch wenn die Sprache fremd, die Gepflogenheiten in der Familie befemdlich sind und das Essen anfangs ungewohnt schmeckt: Um zügig und möglichst schnell im Ausland anzukommen, sollten Schüler von Anfang an neugierig und aufgeschlossen sein, Fragen stellen – mehr aber noch: Initiative zeigen und einfach mitmachen.

Darüber hinaus hilft:

  • Reden

    Den anderen ist der deutsche Schüler genauso fremd. Damit alle schneller auftauen, hilft es ungemein, erst mal von sich und dem eigenen Leben zu erzählen, Fotos zu zeigen, und vor allem Gemeinsamkeiten zu finden (Unterschiede entzweien). Nebenbei lernt man auch noch die Fremdsprache schneller.

  • Mithelfen

    Klingt altbacken, ist aber ein Eisbrecher par excellence – und ein Akt der Höflichkeit: Wer Gast in einer neuen Familie ist, sollte sich aktiv einbringen und etwa beim Abwasch Hilfe anbieten, beim Putzen, Autowaschen oder Rasenmähen. Was besonders gut ankommt (vorausgesetzt man kann es): mal einen „deutschen Abend“ vorbereiten und etwas kochen oder Spezialitäten einkaufen. Und klar: die üblichen Benimm-Regeln – Bitte-Danke-sagen – gelten auch im Ausland.

  • Durchhalten

    Heimweh, Missverständnisse, vielleicht auch mal Knatsch mit den Gastgeschwistern und -eltern – all das kann in dem Jahr auch vorkommen. Und ist normal. Deswegen sollte aber keiner die Flinte ins Korn werfen, sondern zunächst mal versuchen, die Konflikte vor Ort und mit den Gasteltern zu klären. Erst wenn das nichts hilft, sollten die eigenen Eltern informiert und eingeschaltet werden. Denn auch darum geht es beim Schüleraustausch: selbstständiger zu werden.

[Bildnachweis: ESB Professional by Shutterstock.com]
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Einen Schüleraustausch in den USA zu machen – das ist wohl der Traum und gleichzeitige Höhepunkt vieler Schüler der gesamten Schulzeit. Ganz gleich, ob es tatsächlich die Vereinigten Staaten werden oder ein anderes Gastland: Solche Erfahrungen sind es, von denen Schüler auch Jahre später noch gerne erzählen und ihr ganzes Leben lang profitieren. Eine fremde Kultur kennenzulernen, Sprachkenntnisse anzuwenden und sich mit neuen Begebenheiten zurechtzufinden sind Erfahrungen und Fähigkeiten, die Arbeitgeber gerne im Lebenslauf sehen. Das wissen auch immer mehr Eltern und Schüler. Die Schwierigkeit ist einzig, durch den Dschungel der Organisationen zu finden. Welche es gibt und welche Finanzierungsmöglichkeiten Sie haben…

Was ist ein Schüleraustausch?

Definition SchüleraustauschBei einem Schüleraustausch verbringen Schüler – in der Regel im Alter zwischen 14 und 18 Jahren – eine bestimmte Zeit im Ausland, besuchen die dortige Schule und leben in einer Gastfamilie.

Der Zeitraum während des Aufenthalts kann alles zwischen drei Monaten und einem Jahr dauern. Üblicherweise wird für diesen Abschnitt der Übergang von der Mittel- zur Oberstufe gewählt, je nach Anzahl der Schuljahre also die 9., 10. oder 11. Klasse.

Das Hauptziel dabei: den Alltag in einem fremden Kulturkreis kennenzulernen. Der Zeitraum von einem Jahr gilt dabei als optimal, weil innerhalb dieses Zyklus auch Geburtstage sowie landestypische Feiertage miterlebt werden können.

Ursprünglich diente der wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene Schüleraustausch der Völkerverständigung und war als direkter gegenseitiger Austausch angelegt. Da so der Auslandsaufenthalt von Schülern kaum noch stattfindet, wird er stattdessen auch als Auslandsjahr oder High-School-Jahr bezeichnet.

Die Vorteile von Schüleraustauschprogrammen

So ein internationales Austauschjahr hat seine Herausforderungen: Freunde und Familie sind weit weg und allenfalls per E-Mail oder Skype erreichbar; zugleich müssen sich die Schüler in einer neuen, fremden Kultur zurecht finden, meist noch in eine neue Familie eingliedern. Das ist prägend und kann auch gewaltig in die Hose gehen.

Auf der anderen Seite bietet so ein Schüleraustausch wertvolle Erfahrungen:

  • Den Einblick in eine andere Kultur.
  • Verbesserte Sprachkenntnisse.
  • Neue Freunde und Kontakte, die womöglich ein Leben lang bestehen bleiben.
  • Selbstständigkeit und gestärktes Selbstbewusstsein.

Nicht jeder Schüler ist entschlossen genug und bereut diesen Entschluss, wenn die Schule erst einmal vorbei ist. Denn es gibt im Leben nur wenige Zeitfenster, in denen sich ein Auslandsjahr so bequem unterbringen lässt, wie bei einem Schüleraustausch.

Als Alternativen bleiben da fast nur noch die Zeit direkt nach dem Abi, ein Auslandssemester während des Studiums oder die Zeit unmittelbar nach Abschluss des Studiums, das sogenannte Gap Year.

Mit dem Einstieg ins Berufsleben gibt es dann allenfalls noch die Chance per Sabbatical oder Versetzung längere Zeit ins Ausland zu gehen, doch die Erfahrungen eines Schüleraustausches kann das kaum ersetzen.

Organisationen und Kosten für Schüleraustausch

In einigen Fällen haben die Schulen bereits Kooperationspartner für den Schüleraustausch, in anderen nicht. Wer nicht darauf verzichten will, bereits in der Schulzeit Erfahrungen im Ausland zu sammeln, muss also selbst tätigt werden.

Damit aus dem Schüleraustauschjahr kein Himmelfahrtskommando wird, empfehlen wir, den Schüleraustausch mit ausreichender Vorlaufzeit zu planen. Im Internet finden sich dazu für Schüler (und deren Eltern) eine ganze Reihe an Infos, besonders interessant für die sorgfältige Recherche vorab:

Im Video auf der Seite der JUBI erhalten Interessierte Informationen und Tipps rund um das Auslandsjahr – insbesondere für das mit Abstand beliebteste Zielland für einen Schüleraustausch oder besser gesagt ein High-School-Year: die USA.

Drei Organisationen wollen wir hier kurz vorstellen. Die Auswahl ist absolut beliebig und erfolgt ohne persönlichen Bezug:

  • AFS Interkulturelle Begegnungen e.V.

    Die gemeinnützige Organisation existiert bereits seit 70 Jahren und sieht sich als Mittler zwischen den Kulturen. Als eine der – nach eigenen Angaben – ältesten, erfahrensten und größten Organisationen bietet AFS Schüleraustausch auf fünf Kontinenten in über 60 Ländern. Da möglichst vielen reisewilligen Schülern die Gelegenheit zu einem Auslandsaufenthalt gegeben werden soll, werden aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen Schülerstipendien finanziert. Die werden notenunabhängig nach verschiedenen Kriterien gewährt – das Gastland kann ebenso ausschlaggebend sein wie ein Migrationshintergrund des Bewerbers oder eine bestimmte Herkunftsregion.

    • Kosten für Schüleraustausch USA

      AFS bietet je nach Aufenthaltsdauer zwei Zeiträume zur Ausreise an, jeweils Sommer und Winter. Wer für ein Schulhalbjahr, also etwa vier bis fünf Monate, in die USA gehen möchte, kann sowohl im Sommer als auch im Winter ausreisen. Die Kosten für diesen Schüleraustausch liegen bei 11.490 Euro. Wer ein ganzes Schuljahr in den USA verbringen möchte, ist neun bis zehn Monate – also doppelt so lange – vor Ort, zahlt aber mit 11.990 Euro nur 500 Euro mehr. Anreise ist hier nur im Winter möglich.

    • Kosten für Schüleraustausch England

      Für den Schüleraustausch sind wie bei den USA zwei Zeiträume zur Ausreise möglich. Vergleichsweise teurer kommt das Vereinigte Königreich daher: Nur knapp zwei Stunden Flugzeit von Deutschland entfernt, aber kostentechnisch können die Briten es mit den Amerikanern aufnehmen. Mit 11.990 Euro für das Schuljahr und 10.490 Euro für das Schulhalbjahr gibt es preislich keine Unterschiede, allerdings ist im Preis eine Aufwandsentschädigung für die Gastfamilien enthalten.

    • Kosten für Schüleraustausch Frankreich

      Auch hier werden im Sommer und Winter Ausreisetermine fürs Schulhalbjahr geboten, fürs ganze Schuljahr ist eine Ausreise nur im Sommer möglich. Deutlich günstiger liegt ein Schüleraustausch in Frankreich. Hier müssen Eltern lediglich 7.790 Euro fürs Schulhalbjahr und 8.290 Euro fürs ganze Schuljahr berappen.

  • EF Education First

    Das schwedische Unternehmen EF (ursprünglich: Europäische Ferienschule) besteht seit 1965 und ist aus den ureigensten Erfahrungen seines Gründers entstanden. Der stellte fest, dass er – obwohl Legastheniker – keinerlei Schwierigkeiten mit der englischen Sprache hatte. Diesem Umstand ist auch die Tatsache zu verdanken, dass die Länder zum Schüleraustausch sich auf den englischsprachigen Bereich konzentrieren, konkret: USA, Großbritannien und Irland.

    • Kosten für Schüleraustausch USA

      Das Schuljahr ab August kostet 12.450 Euro. Für ein Schulhalbjahr in den USA ist mit 10.950 Euro zu rechnen, Ausreise ist im August oder Januar möglich. Dazu können noch weitere Kosten kommen, wenn beispielsweise eine Reiserücktrittsversicherung (weitere 285 Euro) abgeschlossen wird oder Wert auf einen bestimmten Staat (weitere 895 Euro) oder Region (weitere 630 Euro) gelegt wird. Ein zusätzliches Gesamtpaket mit Sightseeingtour und diversen Aktivitäten kostet 1.375 Euro. Alle diese Leistungen sind optional.

    • Kosten für Schüleraustausch England

      Ein Schüleraustausch in Großbritannien ist ab 10.950 Euro zu haben, für das gesamte Schuljahr müssen 1.000 Euro mehr veranschlagt werden. Ausreise ist in beiden Fällen im August. Wie für die USA können hier zusätzlich gegen Aufpreis eine Reiserücktrittsversicherung und ein 13-tägiges Aktivitätenprogramm gebucht werden.

    • Kosten für Schüleraustausch Irland

      Ausreisetermine für Irland liegen jeweils im August. In Irland ist nur ein ganzes Schuljahr möglich, die Kosten liegen bei 11.450 Euro. Wie für Großbritannien können hier zusätzlich gegen Aufpreis eine Reiserücktrittsversicherung und ein 13-tägiges Aktivitätenprogramm gebucht werden.

  • Intrax

    Hinter Intrax beziehungsweise Ayusa-Intrax steckt eine seit mehr als 25 Jahren tätige amerikanische Organisation, die verschiedene Auslandsprogramme in 26 Ländern anbietet. Neben Schüleraustausch gehören Au-Pair-Aufenthalte in den USA, Work and Travel und diverse andere Programme zu ihrem Portfolio.

    • Kosten für Schüleraustausch USA

      Für das Schulhalbjahr werden zwei Ausreisezeiträume angeboten, wahlweise zwischen Juli und September und im Dezember oder Januar. Hier sind verschiedene Pakete möglich: 7.890 Euro fürs Halbjahr, gegen 2.000 Euro Aufpreis sind im Sommer die Flüge und drei Nächte in New York City wählbar. Das gesamte Schuljahr kostet 8.490 Euro, für eine bestimmte Region kommen weitere 990 bis 1.290 Euro hinzu.

    • Kosten für Schüleraustausch England

      Recht unübersichtlich und erklärungswürdig die Preise für einen Schüleraustausch in England: Hier können Interessierte zwischen Paketen wie „England Landesweit classic“ und „England flex“ sowie „England Schulwahl“ wählen. Die Aufenthaltsdauer bemisst sich in „Terms“, wobei ein Term in etwa drei Monaten zu entsprechen scheint. Demnach haben Eltern für einen etwa 9-monatigen Schüleraustausch in der Mittelstufe mit 10.990 Euro zu rechnen, hingegen fallen in der Oberstufe nur 10.490 Euro an. Ein Term in der Mittelstufe ist bereits ab 6.290 Euro (Ausreise Januar) zu haben.

    • Kosten für Schüleraustausch Frankreich

      Gestaffelte Preise je nachdem, wo es hingehen soll, gibt es ebenfalls für Frankreich. Wenig überraschend ist die Region um die Hauptstadt am teuersten. Das Schulhalbjahr ist ab Januar oder August bereits für 5.990 Euro zu haben – mit entsprechenden Präferenzen sind 8.490 Euro (Regionswahl) oder 8.990 Euro (Regionswahl Paris) fällig. Das gesamte Schuljahr wird ab August gebucht und kostet 7.290 beziehungsweise 11.490 Euro (Regionswahl) oder 12.490 Euro (Regionswahl Paris).

Finanzierungstipps: Auslandsbafög und PPP

Schüleraustausch Kosten FinanzierungFalls Sie sich jetzt noch fragen: Wer soll das am Ende bezahlen? Auch hierzu gibt es Tipps. Je nachdem, wie viel die Eltern verdienen, besteht die Chance, für den Schüleraustauch Auslandsbafög zu beantragen.

Das sollte jedoch mindestens sechs Monate im Voraus geschehen. Folgende Bedingungen müssen außerdem erfüllt sein:

  • Die deutsche Staatsbürgerschaft
  • Ein ständiger Wohnsitz in Deutschland
  • Eine Bestätigung der Gastschule über den Antritt des Aufenthalts
  • Die Bestätigung der Schulleitung, dass das Auslandsjahr anerkannt wird und kein Schuljahr wiederholt werden muss
  • Ausreichende Fremdsprachenkenntnisse

Eine Finanzierungsalternative ist das sogenannte Parlamentarische Patenschaftsprogramm (PPP) des Deutschen Bundestages. Das ermöglicht ausgewählten Teilnehmern ein Vollstipendium für die Zeit des Schüleraustausches in den USA und deckt so ziemlich alle relevanten Kosten ab.

Auch hier gibt es entsprechende Bedingungen. Die Bewerber müssen…

  • die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen.
  • zwischen 15 und 17 Jahre alt sein.
  • gute Englischkenntnisse und Schulleistungen nachweisen.

Checklisten fürs Auslandsjahr

Da es inzwischen eine ganze Reihe von Anbietern gibt, die den Schüleraustausch organisieren, haben Interessierte die Qual der Wahl. Die schlechte Nachricht: Glasklare Indizien, woran man miese Anbieter erkennt, gibt es nicht.

Aber glücklicherweise ein paar Indizien für seriöse Anbieter:

  • Der Veranstalter sollte umfänglich helfen, eine geeignete Gastfamilie zu finden sowie bei allen Ausreiseformalia zur Seite stehen.
  • Ebenso sollte der Kontakt zur ausgesuchten Gastfamilie einige Wochen vor der Abreise hergestellt werden.
  • Die Organisation sollte eine Notfallnummer haben, die rund um die Uhr im jeweiligen Zielland erreichbar ist.
  • Zudem sollte jeweils ein Betreuer vor Ort sein, wenn die Schüler irgendwo im Ausland umsteigen müssen – etwa an Flughäfen oder (Bus-)Bahnhöfen.
  • Es empfiehlt sich, einen deutschen Vertragspartner zu wählen. Dann gilt bei etwaigem juristischem Ärger das deutsche Recht und Sie müssen nicht im Ausland um Ihr Recht kämpfen.
  • Seriöse Anbieter bieten außerdem immer ein persönliches Beratungsgespräch an – nicht nur E-Mail-Korrespondenz oder Telefon.
Weitere Checklisten

Wie sich die Schüler vorbereiten können

Aber auch die Schüler selbst können einiges dafür tun, damit das Auslandsjahr ein voller Erfolg wird, an den man sich gerne zurück erinnert. Und das Wichtigste dabei ist: offen zu sein und sich ganz auf Land und Leute einzulassen.

Auch wenn die Sprache fremd, die Gepflogenheiten in der Familie befemdlich sind und das Essen anfangs ungewohnt schmeckt: Um zügig und möglichst schnell im Ausland anzukommen, sollten Schüler von Anfang an neugierig und aufgeschlossen sein, Fragen stellen – mehr aber noch: Initiative zeigen und einfach mitmachen.

Darüber hinaus hilft:

  • Reden

    Den anderen ist der deutsche Schüler genauso fremd. Damit alle schneller auftauen, hilft es ungemein, erst mal von sich und dem eigenen Leben zu erzählen, Fotos zu zeigen, und vor allem Gemeinsamkeiten zu finden (Unterschiede entzweien). Nebenbei lernt man auch noch die Fremdsprache schneller.

  • Mithelfen

    Klingt altbacken, ist aber ein Eisbrecher par excellence – und ein Akt der Höflichkeit: Wer Gast in einer neuen Familie ist, sollte sich aktiv einbringen und etwa beim Abwasch Hilfe anbieten, beim Putzen, Autowaschen oder Rasenmähen. Was besonders gut ankommt (vorausgesetzt man kann es): mal einen „deutschen Abend“ vorbereiten und etwas kochen oder Spezialitäten einkaufen. Und klar: die üblichen Benimm-Regeln – Bitte-Danke-sagen – gelten auch im Ausland.

  • Durchhalten

    Heimweh, Missverständnisse, vielleicht auch mal Knatsch mit den Gastgeschwistern und -eltern – all das kann in dem Jahr auch vorkommen. Und ist normal. Deswegen sollte aber keiner die Flinte ins Korn werfen, sondern zunächst mal versuchen, die Konflikte vor Ort und mit den Gasteltern zu klären. Erst wenn das nichts hilft, sollten die eigenen Eltern informiert und eingeschaltet werden. Denn auch darum geht es beim Schüleraustausch: selbstständiger zu werden.

[Bildnachweis: ESB Professional by Shutterstock.com]
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Rückdelegation: Diese Fragen verhindern das Aufgaben-Pingpong https://karrierebibel.de/rueckdelegation/ Fri, 12 Jul 2019 09:00:03 +0000 Jochen Mai http://karrierebibel.de/?p=60828 Ganz klassisch delegiert der Chef die Aufgabe an den Mitarbeiter. Der erledigt den Job – hoffentlich gut – und meldet Vollzug. In der Theorie. In der Praxis aber kommt es gar nicht so selten vor, dass der Job zum Vorgesetzten (halbfertig) wieder zurück kommt und der sich selbst darum kümmern muss. Rückdelegation heißt das Phänomen in der Fachsprache. Das führt nicht nur zu Unmut und zusätzlicher Belastung bei den Chefs. Diese können sich so auch irgendwann nicht mehr ihren eigentlichen Aufgaben widmen. Doch wie lässt sich die Rückdelegation von Aufgaben verhindern? Wir zeigen Ihnen hierzu einige Strategien…

Rückdelegation Definition: Die Geschichte vom Monkey Business

Rückdelegation Definition Monkey BusinessWie schon erwähnt, bezeichnet der Begriff Rückdelegation das Phönomen, wenn sich Vorgesetzte um eine Aufgabe kümmern müssen, die sie eigentlich schon an Mitarbeiter oder ein Team übergeben haben. Kurz: Es findet eine Umkehrung der ursprünglichen Delegation statt. Der Mitarbeiter leitet die Aufgabe, für die er eigentlich Verantwortung übernehmen sollte, wieder an seinen Vorgesetzten zurück:

  • Entweder, weil er oder sie mit der Aufgabe überfordert ist.
  • Oder weil er oder sie sich absichtlich dumm anstellt, um den (ungeliebten) Job nicht machen zu müssen (Motto: Sei schlau, stell dich dumm!).

(Zu den Gründen und Ursachen mehr im Kasten weiter unten.)

Der Effekt: Der Chef hat so noch mehr zu tun und bekommt eine Portion Stress dazu. Zudem entsteht eine Art Teufelskreis: Das Team lernt, dass der Chef immer einspringt, wenn die Mitarbeiter selbst nicht weiterkommen. Entsprechend schnell sinkt die Motivation zu eigenverantwortlichem Handeln. Es ist ja immer ein Notfallhelfer da.

Tatsächlich kommt das in vielen Betrieben häufiger vor, als man meint. Dabei ist die Rückdelegation nicht einmal ein neues Phänomen.

Schon vor rund 40 Jahren haben William Oncken Jr. und Donald L. Wass einen Artikel mit dem schönen Titel Who’s got the monkey? veröffentlicht. Darin beschreiben sie eindrücklich die Folgen von Rückdelegation am Arbeitsplatz – und prägten zugleich den Begriff vom Monkey Business oder Monkey Management.

Wie das Monkey Business und die Rückdelegation funktionieren, beschreibt zum Beispiel der Führungskräfte-Coach Stefan Mantel so:

Stellen Sie sich jede Aufgabe, die Chefs an ihre Mitarbeiter delegieren, als einen Affen vor. Der Mitarbeiter soll sich um diesen Affen kümmern, sprich: Er soll die ihm übertragene Aufgabe erledigen. Nun gibt es Mitarbeiter, die versuchen, diese Aufgabe zurückzugeben. Um im Bild zu bleiben: Mitarbeiter, die ihren Affen nicht selbst versorgen wollen oder können, probieren, der Führungskraft den Affen wieder auf den Schreibtisch zu setzen.

Kurz: Es geht zu wie im Zoo. Der Effekt ist letztlich Chaos pur und ein einziges Aufgaben-Pingpong. Vor allem beim Chef. Der kann seinen eigentlichen Job nicht mehr machen, weil er sich nur noch um die Aufgaben anderer (seiner Mitarbeiter) kümmern muss. Man könnte auch sagen: Er macht den Job seiner Mitarbeiter gleich mal mit. Schön für die Mitarbeiter. Aber schlecht für Chef und Firma.

Derart eingespannt Führungskräfte werden über kurz oder lang zum Flaschenhals der Unternehmensentwicklung.

Gründe und Ursachen für die Rückdelegation

Gründe und Ursachen für die RückdelegationWenn Mitarbeiter Ihre Aufgaben an den Chef zurückdelegieren liegt der Verdacht natürlich nahe, dass dahinter pure Faulheit steckt. Manchmal ist das auch so. Doch die Schuld einfach den faulen Kollegen zu geben, ist zu einfach und auch zu kurz gesprungen.

Tatsächlich kann die Rückdelegation viele Ursachen, Auslöser und Gründe haben. Zu den häufigsten gehören:

  1. Überforderung

    Der Mitarbeiter ist mit der Aufgabe hoffnungslos überfordert und besitzt überhaupt nicht die erforderlichen Qualifikationen, das Problem selbstständig zu lösen. Die Aufgabe ist zu komplex oder es fehlen die erforderlichen Ressourcen zur Erledigung. Das ist aber nicht unbedingt dessen Schuld, sondern vielmehr ein Delegationsfehler: Die Aufgabe hätte einem dafür kompetenten Mitarbeiter übertragen werden müssen.

  2. Unfähigkeit

    Und zwar nicht, weil der Mitarbeiter „zu doof“ wäre, sondern weil im die erforderlichen Befugnisse und Vollmachten fehlen. Er ist nicht de facto, sondern de jure unfähig, die Aufgabe zu erledigen und muss ständig seinen Chef um neue Erlaubnis fragen oder sich rückversichern, ob er dieses oder jenes überhaupt darf.

  3. Unklarheit

    Die Führungskraft hat die Aufgabe nicht angemessen und klar delegiert. Dem Mitarbeiter ist daher unklar, was genau bis wann erledigt sein soll. Auch hier muss sich der Mitarbeiter wiederholt rückversichern, absprechen oder erledigt eben nur jene Zwischenschritte und Teilaufgaben, die er als seine Aufgabe verstanden hat.

  4. Helfersyndrom

    Die Führungskraft sieht, dass es erste Schwierigkeiten gibt und möchte helfen und unterstützen. Der Impuls zu unterstützen und die Hilfsbereitschaft können aber Mitarbeiter zur Unselbstständigkeit konditionieren. Wenn der Chef sowieso alles vormacht, lernt keiner mehr selbst zu denken oder zu handeln. Das Helfersyndrom wird zum Delegations-Bumerang. Nicht selten steckt dahinter auch die Unfähigkeit des Chefs, „Nein“ zu sagen (siehe weiterführende Artikel am Ende).

  5. Eitelkeit

    Die Präsentation ist fast fertig. Morgen kommt der Kunde. Also fragt der Mitarbeiter: „Chef, Sie sind doch der erfahrenste und kompetenteste dafür. Können Sie die Präsentation nochmal durchgehen?“ Klar, fühlt sich das Chef-Ego jetzt geschmeichelt, schließlich ist er DER Experte. Der Wunsch nach Bestätigung für aber auch wieder nur in die Rückdelegations-Falle.

  6. Kontrollwut

    Hier befinden wir uns schon im Bereich des Mikromanagements (oder einer veritablen Profilneurose). Weil der Chef davon überzeugt ist, dass sowieso nur er die Aufgabe korrekt lösen kann, mischt er sich permanent ein, gibt ebenso strenge wie enge Vorgabe – und macht den Job de facto so selbst. Alles andere kann (aus seiner Sicht) ja nur unzureichend sein.

  7. Unsicherheit

    Der Mitarbeiter möchte keine Verantwortung übernehmen. Oder es fehlt ihm das dazu nötige Selbstvertrauen. Die Ursachen dafür können ebenfalls wieder ganz unterschiedlich sein, etwa erlernte Hilflosigkeit. Es kann aber eben auch das fehlende Vertrauen der Führungskraft sein. Wer delegiert, muss schließlich auch Verantwortung übertragen und wirklich abgeben (können).

Machen Sie sich klar: Ziel der Delegation ist, sich Zeit zu verschaffen – für die eigenen (wichtigen und dringenden) Aufgaben. Ganz im Sinne der Eisenhower-Matrix. Landen diese am Ende halb fertig auf dem eigenen Schreibtisch zurück, ist gar nichts gewonnen.

So jemand versinkt irgendwann im Klein-Klein des Alltags, verzettelt sich in Kleinstaufgaben, reibt sich auf, brennt aus. Und hat keine Zeit mehr fürs Wesentliche. Vorgesetzte müssen also abgeben – ob sie wollen, können oder nicht.

Rückdelegation umkehren: Stellen Sie die richtigen Fragen

Vorgesetzte haben es allerdings selbst in der Hand, wie sie auf Rückdelegationen reagieren. Sie sind der Situation alles andere als hilflos ausgeliefert, sondern entscheiden selbst darüber, ob die den (zurückgespielten) Ball (oder Affen) behalten wollen oder ihrerseits wieder zurück geben.

Oder anders formuliert: Ob Sie die Rückdelegation akzeptieren (und damit für die Zukunft adeln und verstärken), ist reine Entscheidungssache.

Für eine erfolgreiche Rück-Rückdelegation braucht es allerdings eine professionelle Kommunikation. Bestehend vor allem aus klugen Fragen und entsprechenden Fragetechniken.

Führungskräfte-Coach Mantel hat dafür eine spezielle Matrix entwickelt – bestehend aus einem Koordinatensystem mit einer X-Achse und einer Y-Achse: Auf der X-Achse ist die Zeit abgetragen, auf der Y-Achse der Problem- beziehungsweise der Lösungsbereich. Siehe Grafik:

Rueckdelegation Grafik Vergangenheit Zukunft

Aus dieser Einteilung ergeben sich sechs verschiedene Punkte, auf die Vorgesetzte eingehen sollten, um die Rückdelegation zu unterbinden. Diese können wie folgt aussehen:

Fragen in Richtung des Problems

Wird in Richtung des Problems gefragt (untere Hälfte), geht es darum, zusätzliche Informationen zu sammeln, Unklarheiten zu überwinden und sich so eine Meinung bilden zu können. Am Ende dieser Fragetechnik steht im besten Fall ein konkretes und detailliertes Bild des Problems.

Fragen Richtung Problem und Vergangenheit

  • Wie genau ist das Problem entstanden?
  • Was sind die Ursachen für das Problem?
  • An welchem Punkt ist das Projekt in eine Schieflage geraten?

Hier sollen die Ursachen und Auslöser hinterfragt werden, warum der Mitarbeiter zum Vorgesetzten zurück gekommen ist und wie das Problem überhaupt erst entstanden ist. Allerdings sollte hierbei immer beachten, dass diese Fragen lediglich kurz behandelt werden sollten. Es bringt in der Regel gar nichts, sich endlos mit Ursachen aufzuhalten. Die genaue Kenntnis der Auslöser vermeidet vielleicht künftige Problem, ist akut aber nur bedingt lösungsrelevant.

Fragen Richtung Problem und Gegenwart

  • Wo genau liegt das Problem?
  • Was genau ist Ihrer Ansicht nach die Schwierigkeit?
  • Was konkret funktioniert nicht wie geplant?

Der Mitarbeiter soll hierbei genauer beschreiben, mit welchen Problemen er zu kämpfen hat, wie schlimm die Herausforderung ist und wo es bei der Lösung hakt.

Fragen Richtung Problem und Zukunft

  • Was wird passieren, wenn wir nicht intervenieren?
  • Was ist Ihre Befürchtung?
  • Was bedeutet das konkret für die Zukunft des Projekts?

Hier geht es um die möglichen Folgen und drohende Konsequenzen. In diese Richtung sollte vor allem dann gefragt werden, wenn bisher nur schwer absehbar ist, wie sich das Problem in Zukunft bemerkbar machen könnte.

Fragen in Richtung der Lösung

Dieser Bereich (obere Hälfte der Grafik) ist der zielführende Bereich, der zugleich hilft, die Rückdelegation künftig zu vermeiden…

Fragen Richtung Lösung und Vergangenheit

  • Was haben Sie bisher getan, um das Problem zu lösen?
  • Welche Maßnahmen haben Sie bereits in die Wege geleitet?
  • Was haben Sie bereits unternommen, was eventuell auch nicht funktioniert hat?

Diese Fragerichtung sollte auf keinen Fall unterschätzt werden. Sie ist essenziell dafür, die Rückdelegation zu überwinden sowie weitere Rückdelegationen zu vermeiden. Hierbei können Vorgesetzte deutlich machen, dass sie erwarten, dass Mitarbeiter zunächst einmal selbst versuchen, eine Lösung zu finden und auch umzusetzen. Die Fragen stärken so auch die Eigenverantwortung und führen dazu, dass künftig häufiger selbst nachgedacht wird.

Fragen Richtung Lösung und Gegenwart

  • Wie sollte ich Sie jetzt unterstützen?
  • Was benötigen Sie konkret von mir?
  • Was genau kann ich für Sie tun?

Einfach nur dem Chef den Scherbenhaufen vor die Füße legen, bringt eben nichts. Auch an dieser Stelle muss der Appell an den Mitarbeiter gehen, sich zunächst selbst Gedanken zur Lösung zu machen. Manche Mitarbeiter suchen an diesem Punkt vielleicht auch nur Bestätigung oder einen Impuls, ihre eigene Idee umzusetzen. Wenn Vorgesetzte die Erwartungen ihrer Mitarbeiter erfragen, statt die Rückdelegation einfach zu akzeptieren, werden die Arbeitnehmer tatsächlich gefördert und die Führungskraft entlastet.

Fragen Richtung Lösung und Zukunft

  • Was schlagen Sie also vor?
  • Welche Vorschläge und Ideen haben Sie dazu?
  • Wie würden Sie das Problem lösen, wenn ich nicht da wäre?

Das Fragen Richtung Lösung und Zukunft ist natürlich absolute Pflicht. Mitarbeiter werden so erst in die Verantwortung genommen. Statt also sofort selbst den Lösungsvorschlag zu liefern (auch wenn Sie ihn schon sehen), sollten Chefs ihren Mitarbeitern die Chance geben, selbst darauf zu kommen. Das ist nicht nur Hilfe zur Selbsthilfe, sondern dient letztlich der Konditionierung. Die Subbotschaft:

Rückdelegation funktioniert nicht, so oder so musst DU eine Lösung finden. Es ist schließlich auch DEINE Aufgabe.

Die Kunst der Rück-Rückdelegation liegt darin, wiederkehrende Aufgaben eben nicht selbst zu erledigen. Anstehende (und berechtigte) Rückfragen aber auch nicht abzublocken, sondern klarer (und konsequenter) zu delegieren und besser zu kommunizieren.

Auch wenn es ein bisschen autoritär klingt: Ziel muss sein, die eigenen Mitarbeiter zur Selbstständigkeit zu erziehen.

[Bildnachweis: GaudiLab by Shutterstock.com]
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Ganz klassisch delegiert der Chef die Aufgabe an den Mitarbeiter. Der erledigt den Job – hoffentlich gut – und meldet Vollzug. In der Theorie. In der Praxis aber kommt es gar nicht so selten vor, dass der Job zum Vorgesetzten (halbfertig) wieder zurück kommt und der sich selbst darum kümmern muss. Rückdelegation heißt das Phänomen in der Fachsprache. Das führt nicht nur zu Unmut und zusätzlicher Belastung bei den Chefs. Diese können sich so auch irgendwann nicht mehr ihren eigentlichen Aufgaben widmen. Doch wie lässt sich die Rückdelegation von Aufgaben verhindern? Wir zeigen Ihnen hierzu einige Strategien…

Rückdelegation Definition: Die Geschichte vom Monkey Business

Rückdelegation Definition Monkey BusinessWie schon erwähnt, bezeichnet der Begriff Rückdelegation das Phönomen, wenn sich Vorgesetzte um eine Aufgabe kümmern müssen, die sie eigentlich schon an Mitarbeiter oder ein Team übergeben haben. Kurz: Es findet eine Umkehrung der ursprünglichen Delegation statt. Der Mitarbeiter leitet die Aufgabe, für die er eigentlich Verantwortung übernehmen sollte, wieder an seinen Vorgesetzten zurück:

  • Entweder, weil er oder sie mit der Aufgabe überfordert ist.
  • Oder weil er oder sie sich absichtlich dumm anstellt, um den (ungeliebten) Job nicht machen zu müssen (Motto: Sei schlau, stell dich dumm!).

(Zu den Gründen und Ursachen mehr im Kasten weiter unten.)

Der Effekt: Der Chef hat so noch mehr zu tun und bekommt eine Portion Stress dazu. Zudem entsteht eine Art Teufelskreis: Das Team lernt, dass der Chef immer einspringt, wenn die Mitarbeiter selbst nicht weiterkommen. Entsprechend schnell sinkt die Motivation zu eigenverantwortlichem Handeln. Es ist ja immer ein Notfallhelfer da.

Tatsächlich kommt das in vielen Betrieben häufiger vor, als man meint. Dabei ist die Rückdelegation nicht einmal ein neues Phänomen.

Schon vor rund 40 Jahren haben William Oncken Jr. und Donald L. Wass einen Artikel mit dem schönen Titel Who’s got the monkey? veröffentlicht. Darin beschreiben sie eindrücklich die Folgen von Rückdelegation am Arbeitsplatz – und prägten zugleich den Begriff vom Monkey Business oder Monkey Management.

Wie das Monkey Business und die Rückdelegation funktionieren, beschreibt zum Beispiel der Führungskräfte-Coach Stefan Mantel so:

Stellen Sie sich jede Aufgabe, die Chefs an ihre Mitarbeiter delegieren, als einen Affen vor. Der Mitarbeiter soll sich um diesen Affen kümmern, sprich: Er soll die ihm übertragene Aufgabe erledigen. Nun gibt es Mitarbeiter, die versuchen, diese Aufgabe zurückzugeben. Um im Bild zu bleiben: Mitarbeiter, die ihren Affen nicht selbst versorgen wollen oder können, probieren, der Führungskraft den Affen wieder auf den Schreibtisch zu setzen.

Kurz: Es geht zu wie im Zoo. Der Effekt ist letztlich Chaos pur und ein einziges Aufgaben-Pingpong. Vor allem beim Chef. Der kann seinen eigentlichen Job nicht mehr machen, weil er sich nur noch um die Aufgaben anderer (seiner Mitarbeiter) kümmern muss. Man könnte auch sagen: Er macht den Job seiner Mitarbeiter gleich mal mit. Schön für die Mitarbeiter. Aber schlecht für Chef und Firma.

Derart eingespannt Führungskräfte werden über kurz oder lang zum Flaschenhals der Unternehmensentwicklung.

Gründe und Ursachen für die Rückdelegation

Gründe und Ursachen für die RückdelegationWenn Mitarbeiter Ihre Aufgaben an den Chef zurückdelegieren liegt der Verdacht natürlich nahe, dass dahinter pure Faulheit steckt. Manchmal ist das auch so. Doch die Schuld einfach den faulen Kollegen zu geben, ist zu einfach und auch zu kurz gesprungen.

Tatsächlich kann die Rückdelegation viele Ursachen, Auslöser und Gründe haben. Zu den häufigsten gehören:

  1. Überforderung

    Der Mitarbeiter ist mit der Aufgabe hoffnungslos überfordert und besitzt überhaupt nicht die erforderlichen Qualifikationen, das Problem selbstständig zu lösen. Die Aufgabe ist zu komplex oder es fehlen die erforderlichen Ressourcen zur Erledigung. Das ist aber nicht unbedingt dessen Schuld, sondern vielmehr ein Delegationsfehler: Die Aufgabe hätte einem dafür kompetenten Mitarbeiter übertragen werden müssen.

  2. Unfähigkeit

    Und zwar nicht, weil der Mitarbeiter „zu doof“ wäre, sondern weil im die erforderlichen Befugnisse und Vollmachten fehlen. Er ist nicht de facto, sondern de jure unfähig, die Aufgabe zu erledigen und muss ständig seinen Chef um neue Erlaubnis fragen oder sich rückversichern, ob er dieses oder jenes überhaupt darf.

  3. Unklarheit

    Die Führungskraft hat die Aufgabe nicht angemessen und klar delegiert. Dem Mitarbeiter ist daher unklar, was genau bis wann erledigt sein soll. Auch hier muss sich der Mitarbeiter wiederholt rückversichern, absprechen oder erledigt eben nur jene Zwischenschritte und Teilaufgaben, die er als seine Aufgabe verstanden hat.

  4. Helfersyndrom

    Die Führungskraft sieht, dass es erste Schwierigkeiten gibt und möchte helfen und unterstützen. Der Impuls zu unterstützen und die Hilfsbereitschaft können aber Mitarbeiter zur Unselbstständigkeit konditionieren. Wenn der Chef sowieso alles vormacht, lernt keiner mehr selbst zu denken oder zu handeln. Das Helfersyndrom wird zum Delegations-Bumerang. Nicht selten steckt dahinter auch die Unfähigkeit des Chefs, „Nein“ zu sagen (siehe weiterführende Artikel am Ende).

  5. Eitelkeit

    Die Präsentation ist fast fertig. Morgen kommt der Kunde. Also fragt der Mitarbeiter: „Chef, Sie sind doch der erfahrenste und kompetenteste dafür. Können Sie die Präsentation nochmal durchgehen?“ Klar, fühlt sich das Chef-Ego jetzt geschmeichelt, schließlich ist er DER Experte. Der Wunsch nach Bestätigung für aber auch wieder nur in die Rückdelegations-Falle.

  6. Kontrollwut

    Hier befinden wir uns schon im Bereich des Mikromanagements (oder einer veritablen Profilneurose). Weil der Chef davon überzeugt ist, dass sowieso nur er die Aufgabe korrekt lösen kann, mischt er sich permanent ein, gibt ebenso strenge wie enge Vorgabe – und macht den Job de facto so selbst. Alles andere kann (aus seiner Sicht) ja nur unzureichend sein.

  7. Unsicherheit

    Der Mitarbeiter möchte keine Verantwortung übernehmen. Oder es fehlt ihm das dazu nötige Selbstvertrauen. Die Ursachen dafür können ebenfalls wieder ganz unterschiedlich sein, etwa erlernte Hilflosigkeit. Es kann aber eben auch das fehlende Vertrauen der Führungskraft sein. Wer delegiert, muss schließlich auch Verantwortung übertragen und wirklich abgeben (können).

Machen Sie sich klar: Ziel der Delegation ist, sich Zeit zu verschaffen – für die eigenen (wichtigen und dringenden) Aufgaben. Ganz im Sinne der Eisenhower-Matrix. Landen diese am Ende halb fertig auf dem eigenen Schreibtisch zurück, ist gar nichts gewonnen.

So jemand versinkt irgendwann im Klein-Klein des Alltags, verzettelt sich in Kleinstaufgaben, reibt sich auf, brennt aus. Und hat keine Zeit mehr fürs Wesentliche. Vorgesetzte müssen also abgeben – ob sie wollen, können oder nicht.

Rückdelegation umkehren: Stellen Sie die richtigen Fragen

Vorgesetzte haben es allerdings selbst in der Hand, wie sie auf Rückdelegationen reagieren. Sie sind der Situation alles andere als hilflos ausgeliefert, sondern entscheiden selbst darüber, ob die den (zurückgespielten) Ball (oder Affen) behalten wollen oder ihrerseits wieder zurück geben.

Oder anders formuliert: Ob Sie die Rückdelegation akzeptieren (und damit für die Zukunft adeln und verstärken), ist reine Entscheidungssache.

Für eine erfolgreiche Rück-Rückdelegation braucht es allerdings eine professionelle Kommunikation. Bestehend vor allem aus klugen Fragen und entsprechenden Fragetechniken.

Führungskräfte-Coach Mantel hat dafür eine spezielle Matrix entwickelt – bestehend aus einem Koordinatensystem mit einer X-Achse und einer Y-Achse: Auf der X-Achse ist die Zeit abgetragen, auf der Y-Achse der Problem- beziehungsweise der Lösungsbereich. Siehe Grafik:

Rueckdelegation Grafik Vergangenheit Zukunft

Aus dieser Einteilung ergeben sich sechs verschiedene Punkte, auf die Vorgesetzte eingehen sollten, um die Rückdelegation zu unterbinden. Diese können wie folgt aussehen:

Fragen in Richtung des Problems

Wird in Richtung des Problems gefragt (untere Hälfte), geht es darum, zusätzliche Informationen zu sammeln, Unklarheiten zu überwinden und sich so eine Meinung bilden zu können. Am Ende dieser Fragetechnik steht im besten Fall ein konkretes und detailliertes Bild des Problems.

Fragen Richtung Problem und Vergangenheit

  • Wie genau ist das Problem entstanden?
  • Was sind die Ursachen für das Problem?
  • An welchem Punkt ist das Projekt in eine Schieflage geraten?

Hier sollen die Ursachen und Auslöser hinterfragt werden, warum der Mitarbeiter zum Vorgesetzten zurück gekommen ist und wie das Problem überhaupt erst entstanden ist. Allerdings sollte hierbei immer beachten, dass diese Fragen lediglich kurz behandelt werden sollten. Es bringt in der Regel gar nichts, sich endlos mit Ursachen aufzuhalten. Die genaue Kenntnis der Auslöser vermeidet vielleicht künftige Problem, ist akut aber nur bedingt lösungsrelevant.

Fragen Richtung Problem und Gegenwart

  • Wo genau liegt das Problem?
  • Was genau ist Ihrer Ansicht nach die Schwierigkeit?
  • Was konkret funktioniert nicht wie geplant?

Der Mitarbeiter soll hierbei genauer beschreiben, mit welchen Problemen er zu kämpfen hat, wie schlimm die Herausforderung ist und wo es bei der Lösung hakt.

Fragen Richtung Problem und Zukunft

  • Was wird passieren, wenn wir nicht intervenieren?
  • Was ist Ihre Befürchtung?
  • Was bedeutet das konkret für die Zukunft des Projekts?

Hier geht es um die möglichen Folgen und drohende Konsequenzen. In diese Richtung sollte vor allem dann gefragt werden, wenn bisher nur schwer absehbar ist, wie sich das Problem in Zukunft bemerkbar machen könnte.

Fragen in Richtung der Lösung

Dieser Bereich (obere Hälfte der Grafik) ist der zielführende Bereich, der zugleich hilft, die Rückdelegation künftig zu vermeiden…

Fragen Richtung Lösung und Vergangenheit

  • Was haben Sie bisher getan, um das Problem zu lösen?
  • Welche Maßnahmen haben Sie bereits in die Wege geleitet?
  • Was haben Sie bereits unternommen, was eventuell auch nicht funktioniert hat?

Diese Fragerichtung sollte auf keinen Fall unterschätzt werden. Sie ist essenziell dafür, die Rückdelegation zu überwinden sowie weitere Rückdelegationen zu vermeiden. Hierbei können Vorgesetzte deutlich machen, dass sie erwarten, dass Mitarbeiter zunächst einmal selbst versuchen, eine Lösung zu finden und auch umzusetzen. Die Fragen stärken so auch die Eigenverantwortung und führen dazu, dass künftig häufiger selbst nachgedacht wird.

Fragen Richtung Lösung und Gegenwart

  • Wie sollte ich Sie jetzt unterstützen?
  • Was benötigen Sie konkret von mir?
  • Was genau kann ich für Sie tun?

Einfach nur dem Chef den Scherbenhaufen vor die Füße legen, bringt eben nichts. Auch an dieser Stelle muss der Appell an den Mitarbeiter gehen, sich zunächst selbst Gedanken zur Lösung zu machen. Manche Mitarbeiter suchen an diesem Punkt vielleicht auch nur Bestätigung oder einen Impuls, ihre eigene Idee umzusetzen. Wenn Vorgesetzte die Erwartungen ihrer Mitarbeiter erfragen, statt die Rückdelegation einfach zu akzeptieren, werden die Arbeitnehmer tatsächlich gefördert und die Führungskraft entlastet.

Fragen Richtung Lösung und Zukunft

  • Was schlagen Sie also vor?
  • Welche Vorschläge und Ideen haben Sie dazu?
  • Wie würden Sie das Problem lösen, wenn ich nicht da wäre?

Das Fragen Richtung Lösung und Zukunft ist natürlich absolute Pflicht. Mitarbeiter werden so erst in die Verantwortung genommen. Statt also sofort selbst den Lösungsvorschlag zu liefern (auch wenn Sie ihn schon sehen), sollten Chefs ihren Mitarbeitern die Chance geben, selbst darauf zu kommen. Das ist nicht nur Hilfe zur Selbsthilfe, sondern dient letztlich der Konditionierung. Die Subbotschaft:

Rückdelegation funktioniert nicht, so oder so musst DU eine Lösung finden. Es ist schließlich auch DEINE Aufgabe.

Die Kunst der Rück-Rückdelegation liegt darin, wiederkehrende Aufgaben eben nicht selbst zu erledigen. Anstehende (und berechtigte) Rückfragen aber auch nicht abzublocken, sondern klarer (und konsequenter) zu delegieren und besser zu kommunizieren.

Auch wenn es ein bisschen autoritär klingt: Ziel muss sein, die eigenen Mitarbeiter zur Selbstständigkeit zu erziehen.

[Bildnachweis: GaudiLab by Shutterstock.com]
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Probearbeit: Das müssen Sie beachten! https://karrierebibel.de/probearbeit/ Fri, 12 Jul 2019 06:00:51 +0000 Jochen Mai http://karrierebibel.de/?p=45480 Schriftliche Bewerbung und Vorstellungsgespräch haben Sie erfolgreich gemeistert, jetzt steht zwischen Ihnen und Ihrem neuen Job nur noch ein Schritt: die Probearbeit beziehungsweise ein sogenannter Probearbeitstag. Auch wenn der Probearbeitstag nicht in allen Unternehmen zum Standard gehört, sollten sich Bewerber auf eine solche Generalprobe einstellen – und diese zu schätzen wissen. Denn der Probearbeitstag bietet nicht nur dem Unternehmen, sondern auch Ihnen die Möglichkeit, die Chancen der Zusammenarbeit zu beurteilen und sich einen Praxiseindruck zu verschaffen. Daher sollten Sie die Probearbeit nicht als Ausbeutung – was leider nach wie vor manche Bewerber tun -, sondern als Chance sehen und diese optimal für sich nutzen…

Probearbeit: Sichern Sie sich den Job

Als Bewerber stehen für Sie am Probearbeitstag zwei Aspekte im Zentrum:

  1. Erstens sollten Sie Ihren künftigen Arbeitgeber endgültig von Ihren Qualitäten und Fähigkeiten überzeugen.
  2. Zweitens für sich selbst herausfinden, ob sich das Unternehmen tatsächlich als Arbeitgeber für Sie eignet.

Eine entscheidende Komponente für den Erfolg Ihres Probearbeitstages ist dabei die passende Vorbereitung.

Es mag seltsam klingen, doch wer unausgeschlafen, gestresst oder kränklich zum Probearbeitstag erscheint, beraubt sich selbst zahlreicher Chancen und Möglichkeiten. Der erste Eindruck des Personalers steht zwar spätestens seit dem Vorstellungsgespräch fest, doch bei der Probearbeit treffen Sie das erste Mal auf Ihre künftigen Kollegen und Ihren direkten Vorgesetzten. Diese bilden sich ihren ersten Eindruck von Ihnen daher an diesem Tag. Es liegt zumindest teilweise an Ihnen, wie dieser Eindruck ausfällt.

Allerdings ist das Angebot zu einem Probearbeitstag immer auch ein zwiespältiges Signal: Natürlich offenbart der Arbeitgeber damit zunächst das generelle Interesse an Ihnen und Ihrer Qualifikation. Gleichzeitig sagt das Unternehmen damit aber auch, dass es Ihnen noch nicht so richtig über den Weg traut und an manchen Fähigkeiten vielleicht noch zweifelt.

Im schlimmsten Fall – das gibt es leider auch – versucht man Sie, für die Dauer der Probearbeit als Kostenlos-Kraft auszunutzen.

So oder so: Quer durch viele Branchen ist diese Form der Vorarbeit auf dem Vormarsch und eben nicht nur auf Handwerk, Hotellerie oder Gastronomie beschränkt. Und sie ist mit ein paar Stolpersteinen behaftet, die wir Ihnen gerne helfen, aus dem Weg zu räumen.

Probearbeit und Probezeit: Nicht verwechseln!

Probearbeit Probezeit UnterschiedMitunter kommt es vor, dass die Begriffe Probearbeit und Probezeit synonym verwendet werden, allerdings handelt es sich hier um zwei unterschiedliche Dinge. Der Hauptunterschied:

  • Die Probearbeit geschieht bevor ein Arbeitsverhältnis zustande gekommen ist.
  • Die Probezeit beginnt nachdem ein Arbeitsverhältnis geschlossen wurde.

Überspitzt ausgedrückt, handelt es sich bei der Probearbeit um eine Testphase vor der Testphase, denn es geht wie in der Probezeit ebenfalls darum zu überprüfen, ob Unternehmen und neuer Mitarbeiter so harmonieren, wie sich beide das im Vorstellungsgespräch (und möglicherweise am nachfolgenden Probearbeitstag) vorgestellt haben.

Sollte sich allerdings das Gegenteil herausstellen, muss ein Arbeitsverhältnis in der Probezeit ordentlich gekündigt werden. Hier gilt eine verkürzte Kündigungsfrist von zwei Wochen; die Kündigung kann ohne Angabe von Gründen erfolgen.

Ein Probearbeitstag oder Probearbeit hingegen bedarf keiner formalen Kündigung.

Probearbeitstag meistern: Selbstbewusstsein, Neugier, Lernbereitschaft

Ihr eigenes Bild von den Arbeitsbedingungen im Unternehmen werden Sie sich im Lauf des Tages vermutlich weitgehend problemlos machen können. Dafür reicht bereits die aufmerksame Beobachtung Ihrer künftigen Kollegen und deren Arbeitsweise. Um sich den Arbeitsplatz zu sichern, müssen Sie jedoch eine Gratwanderung zwischen selbstbewusstem Auftreten, Lernbereitschaft und Kollegialität meistern.

Begehen Sie bitte nicht den Fehler, sich am Probearbeitstag deutlich zurückzuhalten und nicht zu widersprechen. Die Versuchung, potenzielle Konflikte zu vermeiden, ist in der Regel groß, doch damit vermitteln Sie auch ein falsches Bild:

Verhalten Sie sich am Probearbeitstag beispielsweise deutlich ruhiger als gewöhnlich, werden sowohl Kollegen als auch Chef bei der späteren Zusammenarbeit irritiert sein. Aus dieser Irritation können oft Konflikte und Probleme entstehen.

Treten Sie jedoch selbstbewusst auf und machen gleichzeitig deutlich, dass Sie lernbereit sind und die Erfahrung Ihrer künftigen Kollegen respektieren, vermitteln Sie einen völlig anderen Eindruck: Dann zeigen Sie Ihre Stärken und Kompetenzen, wirken dabei jedoch nicht arrogant oder überheblich.

Durch diesen Ansatz – der in den meisten Fällen Ihrem natürlichen Verhalten am Arbeitsplatz entsprechen dürfte – können Sie sich sowohl als Fachkraft als auch als Teamplayer positionieren und Ihrem künftigen Arbeitgeber erneut zeigen, warum er sich für Sie entscheiden sollte.

Arbeitsrecht: Probearbeiten ohne Bezahlung?

Arbeitsrecht: Probearbeiten ohne BezahlungProbearbeitsverhältnisse können zu einem dauerhaften Arbeitsvertrag führen – müssen aber nicht. So mancher Arbeitgeber nutzt das Verhältnis daher, um sich unentgeltliche Arbeit zu erschleichen.

Entscheidend ist, ob es sich dabei um Probearbeit oder sogenannte Schnuppertage handelt. Bei Schnuppertagen (auch Einfühlungsverhältnisse genannt) werden dem Kandidaten keine (!) betrieblichen Arbeiten zugewiesen.

Er muss weder Arbeitszeiten einhalten, noch muss er konkrete Aufgaben erledigen. Dies geschieht rein freiwillig. In dem Fall muss der „Arbeitgeber“ also nichts zahlen – es besteht schließlich kein Arbeitsverhältnis, sondern nur eine unverbindliche Kennenlernphase und damit auch keine Sozialversicherungspflicht.

Der Arbeitgeber hat somit kein Direktionsrecht, wohl aber Hausrecht. Kulanterweise kann das Unternehmen anbieten, die Fahrtkosten oder eine Entschädigung für den Zeitaufwand zu übernehmen.

Allerdings sollte dann unbedingt schriftlich festgehalten werden, dass es sich hierbei um keine Vergütung im Gegenzug von Arbeitsleistung handelt.

Anders, wenn ein Bewerber auf Anweisung des Chefs

  • bestimmte betriebliche Arbeiten übernimmt,
  • zu festen Zeiten erscheinen und bestimmte Pausenregelungen einhalten muss,
  • verpflichtet ist, Berufsbekleidung zu tragen.

In diesem Fall muss er dafür bezahlt werden – selbst dann, wenn bei der Vereinbarung über die Probearbeit nicht über die Vergütung gesprochen wird. In dem Fall nehmen Arbeitsrichter in der Regel entsprechend der Regelung des § 612 BGB „eine den Umständen nach angemessene Vergütung“ als vereinbart an.

Wer hingegen bei der Arbeitsagentur offiziell als arbeitssuchend gemeldet ist, kann zwar jederzeit mit einem potenziellen Arbeitgeber eine Probearbeit vereinbaren, sollte dies aber unbedingt seinem Sachbearbeiter melden, insbesondere dann, wenn während der Probearbeitszeit ein regulärer Lohn bezogen wird.

Dauer der Probearbeit

Im Gegensatz zur Probezeit gibt es keine exakten gesetzlichen Vorgaben, wie lange die Probearbeit höchstens dauern darf. Die Probezeit darf beispielsweise maximal auf sechs Monate ausgelegt sein. Danach folgt entweder Festanstellung (oder befristetes Arbeitsverhältnis) und damit auch andere Kündigungsfristen, sofern das Unternehmen sich für den Mitarbeiter entscheidet.

Trotz fehlender Vorgaben hat sich eine „Höchstarbeitszeit“ bei der Probezeit eingebürgert. Der Probearbeitstag dauert – der Name sagt es bereits – einen Tag. Ein großes Unternehmen beziehungsweise eins mit mehreren Niederlassungen kann innerhalb nur eines Tages schwerlich die gesamte Bandbreite abdecken, weshalb mehrere Tage Probearbeit sinnvoll sein können.

Diese sollten nach Möglichkeit eine Woche nicht überschreiten. Anderenfalls könnte leicht der Verdacht entstehen, dass der Arbeitgeber die ursprünglich unbezahlten Schnuppertage zu seinem Vorteil ausnutzt. In dem Moment, in dem ein Mehrwert erkennbar ist, sollte auf jeden Fall vertraglich eine Vergütung für die Probearbeit festgehalten werden.

Art der Aufgaben für Probearbeitnehmer

Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Arbeitgeber vermeiden, dem potenziellen Mitarbeiter Aufgaben zu übertragen, die tatsächlich seinem späteren Aufgabenspektrum entsprechen. Dann könnte es nämlich passieren, dass aus dem Einfühlungsverhältnis plötzlich doch ein Arbeitsverhältnis wird – auch wenn es zuvor anders benannt wurde.

Arbeitgeber sollten daher darauf achten, dass die Aufgaben…

  • zeitlich begrenzt sind,
  • unter Beobachtung/Mithilfe anderer Kollegen erledigt werden,
  • maximal Teilaufgaben dessen sind, wofür der Arbeitnehmer sonst entlohnt würde.

Beispiel

Wer einen Berufskraftfahrer einstellen will und zur Probearbeit bittet, darf nicht erwarten, dass dieser eigenständig ein Fahrzeug lenkt und Ware belädt beziehungsweise entlädt. Stattdessen darf er als Beifahrer das Geschehen beobachten, Fragen stellen, sich Notizen machen.

Eine aktivere Variante wäre, dass der potenzielle Mitarbeiter zeitlich begrenzt (beispielsweise für eine Stunde) mithilft – aber eben nicht ganztägig eigenverantwortlich allein.

Checkliste zum Probearbeitstag

Die folgende Checkliste hilft Ihnen bei Vorbereitung und Bestehen des Probearbeitstages…

    Vorher: Wie bereite ich mich auf den Probearbeitstag am besten vor?

  • Wissen einholen.

    Werfen Sie einen Blick auf die Homepage Ihres vermeintlichen Bald-Brötchengebers: Historie, Firmenphilosophie, Kerninfos – ein Mindestmaß an Hintergrundwissen verschafft Ihnen Sicherheit und kann in den ersten Gesprächen mit Chef und Kollegen entscheidende Pluspunkte bringen.

  • Druck simulieren.

    Behält der Neue auch in Stresssituationen die Kontrolle? Wie belastbar ist er? Wie spontan? Bereiten Sie sich mental auf unerwartete Szenarien und unkonventionelle Testaufgaben vor. So sind Sie weniger anfällig für Panikreaktionen und bleiben souverän.

  • Termine verschieben.

    Sie wollen am frühen Abend unbedingt noch Blut spenden oder haben der Patentante versprochen, ihr ein Stück Butterkuchen vorbeizubringen? Verschieben Sie derartige Termine auf ein anderes Mal, um möglichst ohne Termindruck in den Probetag starten und im Zweifel auch etwas länger bleiben zu können.

  • Risiko abwägen.

    Sollten Sie so verwegen sein, in einem bestehenden Arbeitsverhältnis einen externen Probetag einlegen zu wollen, dann seien Sie sich im Klaren: Solch ein Seitensprung verstößt gegen das Arbeitsrecht und ist selbstverständlich ein Kündigungsgrund.

  • Wecker vorstellen.

    Eine Tugend, die keiner weiteren Erklärung bedarf. Aktivieren Sie Ihre Weckfunktion im Handy und stehen Sie pünktlich vor dem Pförtner. Autopanne, Zugverspätung, Rohrbruch – solche Ausreden besitzen keinerlei Gültigkeit. Die erste Arbeitsprobe wäre mit Unpünktlichkeit schon mal ungenügend.

  • Erscheinungsbild optimieren.

    Machen Sie sich Ihren Probetag nicht durch ästhetische Flüchtigkeitsfehler selbst kaputt. Daher: Zähne putzen, Schuhe wienern, Haare waschen, Hemd bügeln, Fingernägel schneiden, angemessene Kleidung auswählen. Solche Sachen.

  • Behördengänge absolvieren.

    Melden Sie Ihre Probearbeit zunächst bei der Arbeitsagentur an, sofern Sie arbeitslos gemeldet sind. Dies erspart Ihnen Ärger um eine mögliche Rückzahlung erhaltener Leistungen und aktiviert Ihren Unfallversicherungsschutz. Klären Sie mit der Arbeitsagentur vorab auch die Übernahme der Fahrtkosten.

  • Verhältnis klären.

    Handelt es sich offiziell um eine „Probearbeit“ oder um ein „Einfühlungsverhältnis“? Das ist wichtig und regelmäßig Gegenstand gerichtlicher Streitigkeiten. Im Falle einer Probearbeit haben Sie grundsätzlich Anspruch auf Vergütung und sind gesetzlich unfallversichert, bei einem Einfühlungsverhältnis (auch als „Schnuppertage“ bekannt) hingegen nicht. Ungeachtet der offiziellen Bezeichnung meinen die Arbeitgeber in der Regel einen unvergüteten Schnuppertag, wenn sie Sie zur Probearbeit einladen. Was in den meisten Fällen ein verhältnismäßig akzeptabler Deal ist. Soll das Kennenlernen jedoch länger als einen Tag dauern, lassen Sie dies besser per Probearbeitsvertrag schriftlich festhalten, um am Ende nicht gänzlich ausgebeutet zu werden.

  • Mittendrin: Was muss ich während der Probearbeit beachten?

  • Engagement.

    Einerseits erwartet man von Ihnen einen vulkanischen Ausbruch an Arbeitseifer, andererseits aber gerade nicht die Show eines eitlen Besserwissers, der sich bei jeder Gelegenheit in den Vordergrund drängt. So gelingt die Gratwanderung: Bieten Sie den neuen Kollegen proaktiv Hilfe an, machen Sie mehr als unbedingt nötig, stellen Sie Fragen und äußern Sie ebenso konkrete wie konstruktive Vorschläge – und verdeutlichen Sie, dass in Ihnen geballte Kompetenz, aber auch ein guter Teamplayer steckt, mit dem man gerne zusammenarbeitet.

    Mehr dazu hier:

  • Respekt.

    Ihre Wertschätzung für Firma und Mitarbeiter sollte erkennbar sein. Versuchen Sie nicht, sich zu profilieren, indem Sie andere (respektive deren Ideen) abwerten. Kurz: Zeigen Sie sich stets freundlich, höflich, und respektvoll.

    Mehr dazu hier:

  • Interesse.

    Wenn Sie die ganze Zeit sehnsüchtig aus dem Fenster starren oder auf die Uhr sehen, haben Sie bestimmt großen Spaß an dem Job… nicht. Zeigen Sie also zu jedem Zeitpunkt, dass Sie ein genuines Interesse an Ihrem Fach, Ihrer Branche, Ihrem Beruf haben. Seien Sie stets präsent – im doppelten Wortsinn – und stellen Sie ruhig Fragen. Niemand erwartet, dass Sie am Probearbeitstag jede Aufgabe meistern. Was die Kollegen aber sehen wollen, sind Motivation und Eigeninitiative.

    Mehr dazu hier:

Bitte Smartphone ausschalten

Probearbeitstag: Bitte Smartphone ausschaltenBitte schalten Sie Ihr Smartphone während des Probearbeitstages aus. Private Anrufe entgegen nehmen oder gar auf Facebook oder Twitter über die Arbeit und Eindrücke plaudern – fatal! Man hat Sie ja nicht als Beobachter eingestellt, sondern will wissen, wie engagiert Sie arbeiten. Und das tun Sie ganz offensichtlich nicht, wenn Sie sich mit dem Handy beschäftigen.

Probearbeit – Umfassende Nachbereitung

Das Feedback zu Ihrem Probearbeitstag oder den entsprechenden Arbeitsvertrag erhalten Sie in der Regel erst einige Tage später. Diese Zeit gibt Ihnen die Möglichkeit, das Erlebte auch für sich selbst nachzubereiten und zu analysieren. Bei dieser Nachbereitung sollten Sie auf einige Aspekte achten:

  • Wie war Ihr Bauchgefühl am Probearbeitstag?
  • Machen Ihnen die Arbeitsinhalte Spaß – auch dauerhaft?
  • Welchen Eindruck haben Ihre Kollegen und Ihr Chef auf Sie gemacht?
  • Welche Aspekte sind Ihnen besonders positiv in Erinnerung geblieben?
  • Welche Faktoren haben Sie gestört oder sind Ihnen negativ aufgefallen?
  • Welche Umgangsformen, welcher Umgangston gehört zur Unternehmenskultur?
  • Haben Sie sich dabei wohlgefühlt?
  • Sehen Sie schon im Ansatz Probleme oder spätere Konfliktfelder?
  • Ist Ihnen der Chef sympathisch?
  • Spricht aus Ihrer Sicht etwas gegen die Arbeit im Unternehmen?
  • Welche Fragen oder Punkte wollen Sie in einem Folgegespräch noch ansprechen/klären?

Die beiden letztgenannten Punkte sind dafür ausschlaggebend, ob Sie einen Arbeitsvertrag annehmen oder nicht. Bei dieser Entscheidung sollten Sie jedoch auch bedenken, dass der Eindruck des Probearbeitstages zwar wichtig, jedoch nicht umfassend ist: Manches Problem löst sich im Lauf der Zusammenarbeit vielleicht von selbst und manche Frage können Sie nach einige Wochen selbst beantworten.

Darüber hinaus können Sie noch Bewertungen über den Arbeitgeber in spe im Internet einholen – auf Arbeitgeberbewertungsportalen oder in Fachforen. Decken sich Ihre taufrischen Erfahrungen mit dem Gelesenen, hilft Ihnen das bei Ihrer eigenen Entscheidungsfindung.

Ansonsten gilt nach dem Probearbeitstag:

  • Absage.

    Sie sind sich sicher, das der Job nicht der richtige für Sie ist, nachdem Sie einen ganzen Tag mit den drei Miesmuscheln im Büro verbracht haben? Dann danken Sie dem Unternehmen für sein Interesse und sagen höflich ab – aber erst, nachdem Sie mindestens eine Nacht darüber geschlafen haben.

  • Oder:

  • Einstieg.

    Interessante Aufgaben, nette Kollegen, gute Rahmenbedingungen, ein durch und durch gelungener Probetag? Herzlichen Glückwunsch zum neuen Job!

  • Wie immer Sie sich entscheiden, wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei der Probearbeit.

    [Bildnachweis: racorn by Shutterstock.com]

    ]]> Schriftliche Bewerbung und Vorstellungsgespräch haben Sie erfolgreich gemeistert, jetzt steht zwischen Ihnen und Ihrem neuen Job nur noch ein Schritt: die Probearbeit beziehungsweise ein sogenannter Probearbeitstag. Auch wenn der Probearbeitstag nicht in allen Unternehmen zum Standard gehört, sollten sich Bewerber auf eine solche Generalprobe einstellen – und diese zu schätzen wissen. Denn der Probearbeitstag bietet nicht nur dem Unternehmen, sondern auch Ihnen die Möglichkeit, die Chancen der Zusammenarbeit zu beurteilen und sich einen Praxiseindruck zu verschaffen. Daher sollten Sie die Probearbeit nicht als Ausbeutung – was leider nach wie vor manche Bewerber tun -, sondern als Chance sehen und diese optimal für sich nutzen…

    Probearbeit: Sichern Sie sich den Job

    Als Bewerber stehen für Sie am Probearbeitstag zwei Aspekte im Zentrum:

    1. Erstens sollten Sie Ihren künftigen Arbeitgeber endgültig von Ihren Qualitäten und Fähigkeiten überzeugen.
    2. Zweitens für sich selbst herausfinden, ob sich das Unternehmen tatsächlich als Arbeitgeber für Sie eignet.

    Eine entscheidende Komponente für den Erfolg Ihres Probearbeitstages ist dabei die passende Vorbereitung.

    Es mag seltsam klingen, doch wer unausgeschlafen, gestresst oder kränklich zum Probearbeitstag erscheint, beraubt sich selbst zahlreicher Chancen und Möglichkeiten. Der erste Eindruck des Personalers steht zwar spätestens seit dem Vorstellungsgespräch fest, doch bei der Probearbeit treffen Sie das erste Mal auf Ihre künftigen Kollegen und Ihren direkten Vorgesetzten. Diese bilden sich ihren ersten Eindruck von Ihnen daher an diesem Tag. Es liegt zumindest teilweise an Ihnen, wie dieser Eindruck ausfällt.

    Allerdings ist das Angebot zu einem Probearbeitstag immer auch ein zwiespältiges Signal: Natürlich offenbart der Arbeitgeber damit zunächst das generelle Interesse an Ihnen und Ihrer Qualifikation. Gleichzeitig sagt das Unternehmen damit aber auch, dass es Ihnen noch nicht so richtig über den Weg traut und an manchen Fähigkeiten vielleicht noch zweifelt.

    Im schlimmsten Fall – das gibt es leider auch – versucht man Sie, für die Dauer der Probearbeit als Kostenlos-Kraft auszunutzen.

    So oder so: Quer durch viele Branchen ist diese Form der Vorarbeit auf dem Vormarsch und eben nicht nur auf Handwerk, Hotellerie oder Gastronomie beschränkt. Und sie ist mit ein paar Stolpersteinen behaftet, die wir Ihnen gerne helfen, aus dem Weg zu räumen.

    Probearbeit und Probezeit: Nicht verwechseln!

    Probearbeit Probezeit UnterschiedMitunter kommt es vor, dass die Begriffe Probearbeit und Probezeit synonym verwendet werden, allerdings handelt es sich hier um zwei unterschiedliche Dinge. Der Hauptunterschied:

    • Die Probearbeit geschieht bevor ein Arbeitsverhältnis zustande gekommen ist.
    • Die Probezeit beginnt nachdem ein Arbeitsverhältnis geschlossen wurde.

    Überspitzt ausgedrückt, handelt es sich bei der Probearbeit um eine Testphase vor der Testphase, denn es geht wie in der Probezeit ebenfalls darum zu überprüfen, ob Unternehmen und neuer Mitarbeiter so harmonieren, wie sich beide das im Vorstellungsgespräch (und möglicherweise am nachfolgenden Probearbeitstag) vorgestellt haben.

    Sollte sich allerdings das Gegenteil herausstellen, muss ein Arbeitsverhältnis in der Probezeit ordentlich gekündigt werden. Hier gilt eine verkürzte Kündigungsfrist von zwei Wochen; die Kündigung kann ohne Angabe von Gründen erfolgen.

    Ein Probearbeitstag oder Probearbeit hingegen bedarf keiner formalen Kündigung.

    Probearbeitstag meistern: Selbstbewusstsein, Neugier, Lernbereitschaft

    Ihr eigenes Bild von den Arbeitsbedingungen im Unternehmen werden Sie sich im Lauf des Tages vermutlich weitgehend problemlos machen können. Dafür reicht bereits die aufmerksame Beobachtung Ihrer künftigen Kollegen und deren Arbeitsweise. Um sich den Arbeitsplatz zu sichern, müssen Sie jedoch eine Gratwanderung zwischen selbstbewusstem Auftreten, Lernbereitschaft und Kollegialität meistern.

    Begehen Sie bitte nicht den Fehler, sich am Probearbeitstag deutlich zurückzuhalten und nicht zu widersprechen. Die Versuchung, potenzielle Konflikte zu vermeiden, ist in der Regel groß, doch damit vermitteln Sie auch ein falsches Bild:

    Verhalten Sie sich am Probearbeitstag beispielsweise deutlich ruhiger als gewöhnlich, werden sowohl Kollegen als auch Chef bei der späteren Zusammenarbeit irritiert sein. Aus dieser Irritation können oft Konflikte und Probleme entstehen.

    Treten Sie jedoch selbstbewusst auf und machen gleichzeitig deutlich, dass Sie lernbereit sind und die Erfahrung Ihrer künftigen Kollegen respektieren, vermitteln Sie einen völlig anderen Eindruck: Dann zeigen Sie Ihre Stärken und Kompetenzen, wirken dabei jedoch nicht arrogant oder überheblich.

    Durch diesen Ansatz – der in den meisten Fällen Ihrem natürlichen Verhalten am Arbeitsplatz entsprechen dürfte – können Sie sich sowohl als Fachkraft als auch als Teamplayer positionieren und Ihrem künftigen Arbeitgeber erneut zeigen, warum er sich für Sie entscheiden sollte.

    Arbeitsrecht: Probearbeiten ohne Bezahlung?

    Arbeitsrecht: Probearbeiten ohne BezahlungProbearbeitsverhältnisse können zu einem dauerhaften Arbeitsvertrag führen – müssen aber nicht. So mancher Arbeitgeber nutzt das Verhältnis daher, um sich unentgeltliche Arbeit zu erschleichen.

    Entscheidend ist, ob es sich dabei um Probearbeit oder sogenannte Schnuppertage handelt. Bei Schnuppertagen (auch Einfühlungsverhältnisse genannt) werden dem Kandidaten keine (!) betrieblichen Arbeiten zugewiesen.

    Er muss weder Arbeitszeiten einhalten, noch muss er konkrete Aufgaben erledigen. Dies geschieht rein freiwillig. In dem Fall muss der „Arbeitgeber“ also nichts zahlen – es besteht schließlich kein Arbeitsverhältnis, sondern nur eine unverbindliche Kennenlernphase und damit auch keine Sozialversicherungspflicht.

    Der Arbeitgeber hat somit kein Direktionsrecht, wohl aber Hausrecht. Kulanterweise kann das Unternehmen anbieten, die Fahrtkosten oder eine Entschädigung für den Zeitaufwand zu übernehmen.

    Allerdings sollte dann unbedingt schriftlich festgehalten werden, dass es sich hierbei um keine Vergütung im Gegenzug von Arbeitsleistung handelt.

    Anders, wenn ein Bewerber auf Anweisung des Chefs

    • bestimmte betriebliche Arbeiten übernimmt,
    • zu festen Zeiten erscheinen und bestimmte Pausenregelungen einhalten muss,
    • verpflichtet ist, Berufsbekleidung zu tragen.

    In diesem Fall muss er dafür bezahlt werden – selbst dann, wenn bei der Vereinbarung über die Probearbeit nicht über die Vergütung gesprochen wird. In dem Fall nehmen Arbeitsrichter in der Regel entsprechend der Regelung des § 612 BGB „eine den Umständen nach angemessene Vergütung“ als vereinbart an.

    Wer hingegen bei der Arbeitsagentur offiziell als arbeitssuchend gemeldet ist, kann zwar jederzeit mit einem potenziellen Arbeitgeber eine Probearbeit vereinbaren, sollte dies aber unbedingt seinem Sachbearbeiter melden, insbesondere dann, wenn während der Probearbeitszeit ein regulärer Lohn bezogen wird.

    Dauer der Probearbeit

    Im Gegensatz zur Probezeit gibt es keine exakten gesetzlichen Vorgaben, wie lange die Probearbeit höchstens dauern darf. Die Probezeit darf beispielsweise maximal auf sechs Monate ausgelegt sein. Danach folgt entweder Festanstellung (oder befristetes Arbeitsverhältnis) und damit auch andere Kündigungsfristen, sofern das Unternehmen sich für den Mitarbeiter entscheidet.

    Trotz fehlender Vorgaben hat sich eine „Höchstarbeitszeit“ bei der Probezeit eingebürgert. Der Probearbeitstag dauert – der Name sagt es bereits – einen Tag. Ein großes Unternehmen beziehungsweise eins mit mehreren Niederlassungen kann innerhalb nur eines Tages schwerlich die gesamte Bandbreite abdecken, weshalb mehrere Tage Probearbeit sinnvoll sein können.

    Diese sollten nach Möglichkeit eine Woche nicht überschreiten. Anderenfalls könnte leicht der Verdacht entstehen, dass der Arbeitgeber die ursprünglich unbezahlten Schnuppertage zu seinem Vorteil ausnutzt. In dem Moment, in dem ein Mehrwert erkennbar ist, sollte auf jeden Fall vertraglich eine Vergütung für die Probearbeit festgehalten werden.

    Art der Aufgaben für Probearbeitnehmer

    Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Arbeitgeber vermeiden, dem potenziellen Mitarbeiter Aufgaben zu übertragen, die tatsächlich seinem späteren Aufgabenspektrum entsprechen. Dann könnte es nämlich passieren, dass aus dem Einfühlungsverhältnis plötzlich doch ein Arbeitsverhältnis wird – auch wenn es zuvor anders benannt wurde.

    Arbeitgeber sollten daher darauf achten, dass die Aufgaben…

    • zeitlich begrenzt sind,
    • unter Beobachtung/Mithilfe anderer Kollegen erledigt werden,
    • maximal Teilaufgaben dessen sind, wofür der Arbeitnehmer sonst entlohnt würde.

    Beispiel

    Wer einen Berufskraftfahrer einstellen will und zur Probearbeit bittet, darf nicht erwarten, dass dieser eigenständig ein Fahrzeug lenkt und Ware belädt beziehungsweise entlädt. Stattdessen darf er als Beifahrer das Geschehen beobachten, Fragen stellen, sich Notizen machen.

    Eine aktivere Variante wäre, dass der potenzielle Mitarbeiter zeitlich begrenzt (beispielsweise für eine Stunde) mithilft – aber eben nicht ganztägig eigenverantwortlich allein.

    Checkliste zum Probearbeitstag

    Die folgende Checkliste hilft Ihnen bei Vorbereitung und Bestehen des Probearbeitstages…

      Vorher: Wie bereite ich mich auf den Probearbeitstag am besten vor?

    • Wissen einholen.

      Werfen Sie einen Blick auf die Homepage Ihres vermeintlichen Bald-Brötchengebers: Historie, Firmenphilosophie, Kerninfos – ein Mindestmaß an Hintergrundwissen verschafft Ihnen Sicherheit und kann in den ersten Gesprächen mit Chef und Kollegen entscheidende Pluspunkte bringen.

    • Druck simulieren.

      Behält der Neue auch in Stresssituationen die Kontrolle? Wie belastbar ist er? Wie spontan? Bereiten Sie sich mental auf unerwartete Szenarien und unkonventionelle Testaufgaben vor. So sind Sie weniger anfällig für Panikreaktionen und bleiben souverän.

    • Termine verschieben.

      Sie wollen am frühen Abend unbedingt noch Blut spenden oder haben der Patentante versprochen, ihr ein Stück Butterkuchen vorbeizubringen? Verschieben Sie derartige Termine auf ein anderes Mal, um möglichst ohne Termindruck in den Probetag starten und im Zweifel auch etwas länger bleiben zu können.

    • Risiko abwägen.

      Sollten Sie so verwegen sein, in einem bestehenden Arbeitsverhältnis einen externen Probetag einlegen zu wollen, dann seien Sie sich im Klaren: Solch ein Seitensprung verstößt gegen das Arbeitsrecht und ist selbstverständlich ein Kündigungsgrund.

    • Wecker vorstellen.

      Eine Tugend, die keiner weiteren Erklärung bedarf. Aktivieren Sie Ihre Weckfunktion im Handy und stehen Sie pünktlich vor dem Pförtner. Autopanne, Zugverspätung, Rohrbruch – solche Ausreden besitzen keinerlei Gültigkeit. Die erste Arbeitsprobe wäre mit Unpünktlichkeit schon mal ungenügend.

    • Erscheinungsbild optimieren.

      Machen Sie sich Ihren Probetag nicht durch ästhetische Flüchtigkeitsfehler selbst kaputt. Daher: Zähne putzen, Schuhe wienern, Haare waschen, Hemd bügeln, Fingernägel schneiden, angemessene Kleidung auswählen. Solche Sachen.

    • Behördengänge absolvieren.

      Melden Sie Ihre Probearbeit zunächst bei der Arbeitsagentur an, sofern Sie arbeitslos gemeldet sind. Dies erspart Ihnen Ärger um eine mögliche Rückzahlung erhaltener Leistungen und aktiviert Ihren Unfallversicherungsschutz. Klären Sie mit der Arbeitsagentur vorab auch die Übernahme der Fahrtkosten.

    • Verhältnis klären.

      Handelt es sich offiziell um eine „Probearbeit“ oder um ein „Einfühlungsverhältnis“? Das ist wichtig und regelmäßig Gegenstand gerichtlicher Streitigkeiten. Im Falle einer Probearbeit haben Sie grundsätzlich Anspruch auf Vergütung und sind gesetzlich unfallversichert, bei einem Einfühlungsverhältnis (auch als „Schnuppertage“ bekannt) hingegen nicht. Ungeachtet der offiziellen Bezeichnung meinen die Arbeitgeber in der Regel einen unvergüteten Schnuppertag, wenn sie Sie zur Probearbeit einladen. Was in den meisten Fällen ein verhältnismäßig akzeptabler Deal ist. Soll das Kennenlernen jedoch länger als einen Tag dauern, lassen Sie dies besser per Probearbeitsvertrag schriftlich festhalten, um am Ende nicht gänzlich ausgebeutet zu werden.

    • Mittendrin: Was muss ich während der Probearbeit beachten?

    • Engagement.

      Einerseits erwartet man von Ihnen einen vulkanischen Ausbruch an Arbeitseifer, andererseits aber gerade nicht die Show eines eitlen Besserwissers, der sich bei jeder Gelegenheit in den Vordergrund drängt. So gelingt die Gratwanderung: Bieten Sie den neuen Kollegen proaktiv Hilfe an, machen Sie mehr als unbedingt nötig, stellen Sie Fragen und äußern Sie ebenso konkrete wie konstruktive Vorschläge – und verdeutlichen Sie, dass in Ihnen geballte Kompetenz, aber auch ein guter Teamplayer steckt, mit dem man gerne zusammenarbeitet.

      Mehr dazu hier:

    • Respekt.

      Ihre Wertschätzung für Firma und Mitarbeiter sollte erkennbar sein. Versuchen Sie nicht, sich zu profilieren, indem Sie andere (respektive deren Ideen) abwerten. Kurz: Zeigen Sie sich stets freundlich, höflich, und respektvoll.

      Mehr dazu hier:

    • Interesse.

      Wenn Sie die ganze Zeit sehnsüchtig aus dem Fenster starren oder auf die Uhr sehen, haben Sie bestimmt großen Spaß an dem Job… nicht. Zeigen Sie also zu jedem Zeitpunkt, dass Sie ein genuines Interesse an Ihrem Fach, Ihrer Branche, Ihrem Beruf haben. Seien Sie stets präsent – im doppelten Wortsinn – und stellen Sie ruhig Fragen. Niemand erwartet, dass Sie am Probearbeitstag jede Aufgabe meistern. Was die Kollegen aber sehen wollen, sind Motivation und Eigeninitiative.

      Mehr dazu hier:

    Bitte Smartphone ausschalten

    Probearbeitstag: Bitte Smartphone ausschaltenBitte schalten Sie Ihr Smartphone während des Probearbeitstages aus. Private Anrufe entgegen nehmen oder gar auf Facebook oder Twitter über die Arbeit und Eindrücke plaudern – fatal! Man hat Sie ja nicht als Beobachter eingestellt, sondern will wissen, wie engagiert Sie arbeiten. Und das tun Sie ganz offensichtlich nicht, wenn Sie sich mit dem Handy beschäftigen.

    Probearbeit – Umfassende Nachbereitung

    Das Feedback zu Ihrem Probearbeitstag oder den entsprechenden Arbeitsvertrag erhalten Sie in der Regel erst einige Tage später. Diese Zeit gibt Ihnen die Möglichkeit, das Erlebte auch für sich selbst nachzubereiten und zu analysieren. Bei dieser Nachbereitung sollten Sie auf einige Aspekte achten:

    • Wie war Ihr Bauchgefühl am Probearbeitstag?
    • Machen Ihnen die Arbeitsinhalte Spaß – auch dauerhaft?
    • Welchen Eindruck haben Ihre Kollegen und Ihr Chef auf Sie gemacht?
    • Welche Aspekte sind Ihnen besonders positiv in Erinnerung geblieben?
    • Welche Faktoren haben Sie gestört oder sind Ihnen negativ aufgefallen?
    • Welche Umgangsformen, welcher Umgangston gehört zur Unternehmenskultur?
    • Haben Sie sich dabei wohlgefühlt?
    • Sehen Sie schon im Ansatz Probleme oder spätere Konfliktfelder?
    • Ist Ihnen der Chef sympathisch?
    • Spricht aus Ihrer Sicht etwas gegen die Arbeit im Unternehmen?
    • Welche Fragen oder Punkte wollen Sie in einem Folgegespräch noch ansprechen/klären?

    Die beiden letztgenannten Punkte sind dafür ausschlaggebend, ob Sie einen Arbeitsvertrag annehmen oder nicht. Bei dieser Entscheidung sollten Sie jedoch auch bedenken, dass der Eindruck des Probearbeitstages zwar wichtig, jedoch nicht umfassend ist: Manches Problem löst sich im Lauf der Zusammenarbeit vielleicht von selbst und manche Frage können Sie nach einige Wochen selbst beantworten.

    Darüber hinaus können Sie noch Bewertungen über den Arbeitgeber in spe im Internet einholen – auf Arbeitgeberbewertungsportalen oder in Fachforen. Decken sich Ihre taufrischen Erfahrungen mit dem Gelesenen, hilft Ihnen das bei Ihrer eigenen Entscheidungsfindung.

    Ansonsten gilt nach dem Probearbeitstag:

    • Absage.

      Sie sind sich sicher, das der Job nicht der richtige für Sie ist, nachdem Sie einen ganzen Tag mit den drei Miesmuscheln im Büro verbracht haben? Dann danken Sie dem Unternehmen für sein Interesse und sagen höflich ab – aber erst, nachdem Sie mindestens eine Nacht darüber geschlafen haben.

    • Oder:

    • Einstieg.

      Interessante Aufgaben, nette Kollegen, gute Rahmenbedingungen, ein durch und durch gelungener Probetag? Herzlichen Glückwunsch zum neuen Job!

    • Wie immer Sie sich entscheiden, wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei der Probearbeit.

      [Bildnachweis: racorn by Shutterstock.com]

      ]]> Entlassungswelle: 4 Strategien, wie Sie den Job behalten https://karrierebibel.de/entlassungswelle/ Thu, 11 Jul 2019 13:00:54 +0000 Jochen Mai http://karrierebibel.de/wertverlust-wie-sie-in-der-krise-den-job-behalten/ Wenn die Konjunktur flaut und die Wirtschaft schwächelt, ist es nicht mehr weithin, bis die ersten Unternehmen Stellen streichen und abbauen. Dann drohen Entlassungswellen – und immer mehr Menschen bangen um ihren Job. Eines sollte jedem Arbeitnehmer heute klar sein: Sicher ist kein Arbeitsplatz. Eine Jobgarantie ist Illusion, treffen kann es jeden einmal. Das Gute daran: Der Jobverlust ist deshalb auch keine Schande. Das Schlechte: Sie müssen rechtzeitig gegensteuern, um Ihren Arbeitsplatz zu erhalten und der Entlassungswelle vorzubeugen. Zum Beispiel so…

      Wie Sie in der Entlassungswelle den Job behalten

      In Krisenzeiten fragen sich viele: Wie sicher ist mein Job eigentlich? Die Standard-Antwort darauf lautet: So sicher, wie Sie ihn gestalten!

      Natürlich kann der Einzelne wenig ausrichten, wenn ein ganzes Werk geschlossen wird oder ein Betrieb Pleite macht. Dann ist der Job weg. Das ist Pech.

      Etwas anderes aber gilt, wenn Unternehmen abspecken und sich von einzelnen Mitarbeitern trennen, also eine Auswahl treffen müssen und Kündigungen aussprechen.

      Personalumbau bedeutet zwar oft auch Personalabbau. Hierbei gibt es aber durchaus Verhaltensweisen und Strategien, die den eigenen Arbeitsplatz sicherer oder zumindest weniger unsicher machen.

      Die vier wichtigsten Empfehlungen dazu lauten:

      • Zusatzaufgaben übernehmen

        Die Rechnung ist simpel: Je mehr Sie sich engagieren, desto schmerzlicher der Verlust für das Unternehmen, sollte es sich von Ihnen trennen. Sind es obendrein verantwortungsvolle oder für die Zukunft relevante Projekte, die Sie betreuen, steigt Ihr interner Marktwert automatisch – erst recht, wenn Sie sich dafür freiwillig gemeldet haben. Sie signalisieren so, dass man selbst in der Krise auf Sie zählen kann.

        Umgekehrt: Wer sich vor Mehrarbeit drückt, beweist geringe Solidarität, dokumentiert seine Entbehrlichkeit und steht bald ganz oben auf der Abschussliste. Sie möchten nicht, dass man Ihnen nachsagt: Er/Sie hinterlässt eine Lücke, die ihn/sie vollständig ersetzt.

      • Früh netzwerken

        Idealerweise knüpft man Beziehungen nicht erst in der Krise, sondern vorher – intern wie extern. Das Netzwerken hilft einem dann, etwa über Jobalternativen informiert zu bleiben.

        Es fungiert aber auch als kollektiver Mentor sowie als Referenz und Botschafter, wenn es darum geht, die eigenen Qualitäten im Haus oder bei potenziellen Arbeitgebern bekannt zu machen.

      • Intern umorientieren

        Wenn die eigene Abteilung zunehmend unter Druck gerät, kann man abwarten und hoffen – oder sich rechtzeitig nach Alternativen umsehen, zunächst intern. Womöglich werden die eigenen Fertigkeiten gerade woanders im Konzern händeringend gesucht. Womöglich sogar in einem florierenden Bereich. Gut, wenn man dort schon bekannt ist und einen guten Ruf besitzt.

      • Auf Gehalt verzichten

        Wenn es ganz übel kommt, setzen Manager als Erstes den Rotstift an: Kosten killen. Um jeden Preis. Je teurer ein Mitarbeiter ist, desto gefährdeter ist auch seine Position. Deshalb sind zum Beispiel auch Gehaltserhöhungen in guten Zeiten immer ein zweischneidiges Schwert: Sie erhöhen zugleich den Rechtfertigungsdruck in der Krise, ob man auch verdient, was man verdient.

      In den genannten Strategien steckt allerdings eine defensive Grundhaltung, die letztlich auf geringem Selbstwert und Angst basiert: Mach deinem Arbeitgeber wenig Mühe, arbeite mehr, koste weniger, dann behältst du deinen Job – so die Maxime.

      Das Ergebnis sind Arbeitnehmer, die Bittsteller, Opfer und Abhängige bleiben, auch wenn sie bei diesen Strategien die Zügel zunächst in die Hand nehmen.

      Die Unabhängigen werden aber häufig mehr respektiert.

      Trotz Entlassungswelle: Behalten Sie Ihren Selbstwert

      Auch müssen sich Leistungsträger seltener anpassen, weil sie einen hohen (Selbst-)Wert ausstrahlen. Es gibt eben auch Grenzen: Jede Zusatzaufgabe zu schultern, Gehaltseinbußen hinzunehmen oder gar anzubieten, mag kurzfristig attraktiver machen. Es entwertet aber auch.

      Und wird der Job trotzdem gestrichen, ist man erst recht angeschmiert.

      Wenn überhaupt sollten Sie es mit der Maxime jeder Verhandlung halten: Gib nie etwas ohne dafür auch etwas zu nehmen!

      Oder anders formuliert: Mehrarbeit und Lohnverzicht sind in der Krise solidarische Signale – falsch sind sie also nicht.

      Ihnen sollte am Krisenende aber eine Gegenleistung gegenüberstehen, die mehr beinhaltet als Joberhalt. Tatsächlich verhandeln Sie in einer solchen Situation über mehr als Ihren Arbeitsplatz:

      Sie verhandeln über Ihren Wert.

      Es hat daher nur Vorteil, wenn Sie sich zunächst einmal einen Überblick über den aktuellen Arbeitsmarkt verschaffen – zum Beispiel in unserer Jobbörse Karrieresprung.de:



      Zielfragen sollten dabei sein:

      • Welcher Arbeitgeber in meiner Branche sucht aktuell welche Arbeitnehmer?
      • Welche Fachkräfte werden in meiner Region gesucht?
      • Was wird – durchschnittlich – für Fachkräfte meiner Qualifikation bezahlt?
      • Wie viele Jobangebote gibt es überhaupt für Menschen mit meiner Qualifikation?

      Mithilfe dieser ersten Recherche lässt bereits ein erster (grober) Marktwert ermitteln. Dieser stärkt entweder Ihr Selbstvertrauen und Ihre Verhandlungsposition. Oder aber Sie wissen frühzeitig umso besser, ob Sie um den aktuellen Job kämpfen sollten beziehungsweise, was Sie tun müssen, um für den Arbeitsmarkt wieder attraktiver zu werden.

      Der beste Tipp ist allerdings: Tun Sie dies regelmäßig – und nicht erst, wenn die Entlassungswelle schon über Deutschland rollt. Egal, wie gut oder schlecht es im Job läuft: Es ist gut, immer seinen Fallschirm gepackt und einen Plan B in der Tasche zu haben…

      [Bildnachweis: Gutesa by Shutterstock.com]
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      Wenn die Konjunktur flaut und die Wirtschaft schwächelt, ist es nicht mehr weithin, bis die ersten Unternehmen Stellen streichen und abbauen. Dann drohen Entlassungswellen – und immer mehr Menschen bangen um ihren Job. Eines sollte jedem Arbeitnehmer heute klar sein: Sicher ist kein Arbeitsplatz. Eine Jobgarantie ist Illusion, treffen kann es jeden einmal. Das Gute daran: Der Jobverlust ist deshalb auch keine Schande. Das Schlechte: Sie müssen rechtzeitig gegensteuern, um Ihren Arbeitsplatz zu erhalten und der Entlassungswelle vorzubeugen. Zum Beispiel so…

      Wie Sie in der Entlassungswelle den Job behalten

      In Krisenzeiten fragen sich viele: Wie sicher ist mein Job eigentlich? Die Standard-Antwort darauf lautet: So sicher, wie Sie ihn gestalten!

      Natürlich kann der Einzelne wenig ausrichten, wenn ein ganzes Werk geschlossen wird oder ein Betrieb Pleite macht. Dann ist der Job weg. Das ist Pech.

      Etwas anderes aber gilt, wenn Unternehmen abspecken und sich von einzelnen Mitarbeitern trennen, also eine Auswahl treffen müssen und Kündigungen aussprechen.

      Personalumbau bedeutet zwar oft auch Personalabbau. Hierbei gibt es aber durchaus Verhaltensweisen und Strategien, die den eigenen Arbeitsplatz sicherer oder zumindest weniger unsicher machen.

      Die vier wichtigsten Empfehlungen dazu lauten:

      • Zusatzaufgaben übernehmen

        Die Rechnung ist simpel: Je mehr Sie sich engagieren, desto schmerzlicher der Verlust für das Unternehmen, sollte es sich von Ihnen trennen. Sind es obendrein verantwortungsvolle oder für die Zukunft relevante Projekte, die Sie betreuen, steigt Ihr interner Marktwert automatisch – erst recht, wenn Sie sich dafür freiwillig gemeldet haben. Sie signalisieren so, dass man selbst in der Krise auf Sie zählen kann.

        Umgekehrt: Wer sich vor Mehrarbeit drückt, beweist geringe Solidarität, dokumentiert seine Entbehrlichkeit und steht bald ganz oben auf der Abschussliste. Sie möchten nicht, dass man Ihnen nachsagt: Er/Sie hinterlässt eine Lücke, die ihn/sie vollständig ersetzt.

      • Früh netzwerken

        Idealerweise knüpft man Beziehungen nicht erst in der Krise, sondern vorher – intern wie extern. Das Netzwerken hilft einem dann, etwa über Jobalternativen informiert zu bleiben.

        Es fungiert aber auch als kollektiver Mentor sowie als Referenz und Botschafter, wenn es darum geht, die eigenen Qualitäten im Haus oder bei potenziellen Arbeitgebern bekannt zu machen.

      • Intern umorientieren

        Wenn die eigene Abteilung zunehmend unter Druck gerät, kann man abwarten und hoffen – oder sich rechtzeitig nach Alternativen umsehen, zunächst intern. Womöglich werden die eigenen Fertigkeiten gerade woanders im Konzern händeringend gesucht. Womöglich sogar in einem florierenden Bereich. Gut, wenn man dort schon bekannt ist und einen guten Ruf besitzt.

      • Auf Gehalt verzichten

        Wenn es ganz übel kommt, setzen Manager als Erstes den Rotstift an: Kosten killen. Um jeden Preis. Je teurer ein Mitarbeiter ist, desto gefährdeter ist auch seine Position. Deshalb sind zum Beispiel auch Gehaltserhöhungen in guten Zeiten immer ein zweischneidiges Schwert: Sie erhöhen zugleich den Rechtfertigungsdruck in der Krise, ob man auch verdient, was man verdient.

      In den genannten Strategien steckt allerdings eine defensive Grundhaltung, die letztlich auf geringem Selbstwert und Angst basiert: Mach deinem Arbeitgeber wenig Mühe, arbeite mehr, koste weniger, dann behältst du deinen Job – so die Maxime.

      Das Ergebnis sind Arbeitnehmer, die Bittsteller, Opfer und Abhängige bleiben, auch wenn sie bei diesen Strategien die Zügel zunächst in die Hand nehmen.

      Die Unabhängigen werden aber häufig mehr respektiert.

      Trotz Entlassungswelle: Behalten Sie Ihren Selbstwert

      Auch müssen sich Leistungsträger seltener anpassen, weil sie einen hohen (Selbst-)Wert ausstrahlen. Es gibt eben auch Grenzen: Jede Zusatzaufgabe zu schultern, Gehaltseinbußen hinzunehmen oder gar anzubieten, mag kurzfristig attraktiver machen. Es entwertet aber auch.

      Und wird der Job trotzdem gestrichen, ist man erst recht angeschmiert.

      Wenn überhaupt sollten Sie es mit der Maxime jeder Verhandlung halten: Gib nie etwas ohne dafür auch etwas zu nehmen!

      Oder anders formuliert: Mehrarbeit und Lohnverzicht sind in der Krise solidarische Signale – falsch sind sie also nicht.

      Ihnen sollte am Krisenende aber eine Gegenleistung gegenüberstehen, die mehr beinhaltet als Joberhalt. Tatsächlich verhandeln Sie in einer solchen Situation über mehr als Ihren Arbeitsplatz:

      Sie verhandeln über Ihren Wert.

      Es hat daher nur Vorteil, wenn Sie sich zunächst einmal einen Überblick über den aktuellen Arbeitsmarkt verschaffen – zum Beispiel in unserer Jobbörse Karrieresprung.de:



      Zielfragen sollten dabei sein:

      • Welcher Arbeitgeber in meiner Branche sucht aktuell welche Arbeitnehmer?
      • Welche Fachkräfte werden in meiner Region gesucht?
      • Was wird – durchschnittlich – für Fachkräfte meiner Qualifikation bezahlt?
      • Wie viele Jobangebote gibt es überhaupt für Menschen mit meiner Qualifikation?

      Mithilfe dieser ersten Recherche lässt bereits ein erster (grober) Marktwert ermitteln. Dieser stärkt entweder Ihr Selbstvertrauen und Ihre Verhandlungsposition. Oder aber Sie wissen frühzeitig umso besser, ob Sie um den aktuellen Job kämpfen sollten beziehungsweise, was Sie tun müssen, um für den Arbeitsmarkt wieder attraktiver zu werden.

      Der beste Tipp ist allerdings: Tun Sie dies regelmäßig – und nicht erst, wenn die Entlassungswelle schon über Deutschland rollt. Egal, wie gut oder schlecht es im Job läuft: Es ist gut, immer seinen Fallschirm gepackt und einen Plan B in der Tasche zu haben…

      [Bildnachweis: Gutesa by Shutterstock.com]
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      Medizinstudium: Diese Note brauchen Sie https://karrierebibel.de/medizinstudium/ Thu, 11 Jul 2019 11:00:30 +0000 Anja Rassek http://karrierebibel.de/?p=56691 Jahr für Jahr entscheiden sich tausende von Schulabgängern für ein Medizinstudium. Der Großteil derer, die Mediziner werden wollen, braucht einen langen Atem. Eine richtige Pferdelunge benötigt sogar, wer ohne hervorragenden Schnitt auf dem Abiturzeugnis in den Arztkittel schlüpfen will. Neue Zahlen zeigen, welche Abiturnote Bewerber brauchen, um sich für Medizin, Pharmazie, Tier- und Zahnmedizin einschreiben zu können – und mit welchen Wartezeiten sie rechnen müssen, wenn die Bewerbung nicht direkt angeschlagen hat. So viel vorweg: Die Wartezeiten für angehende Mediziner erreichen regelmäßig Höchststände…

      Voraussetzungen für ein Medizinstudium

      Trotz zahlloser Überstunden, Dauerstress und Doppelschichten am Wochenende – vom Leben im Arztkittel träumen noch immer Heerscharen von Abiturienten. Die Folge: Es gibt deutlich mehr Bewerber als Studienplätze, weshalb das Studium der Medizin zu den bundesweit zulassungsbeschränkten Fächern gehört.

      Im Schnitt gibt es nach Zahlen der Stiftung für Hochschulzulassung allein für das Fach Humanmedizin deutschlandweit über 43.000 Bewerber – für gerade einmal 9.176 Studienplätze. Damit kommen 4,7 Bewerber auf einen Platz.

      Ob Sie einen Studienplatz bekommen oder nicht, hängt grundsätzlich von mehreren Faktoren ab. Sie haben gute Chancen, wenn…

      1. Sie einen sehr guten Notenschnitt im Abitur vorweisen können. 20 Prozent der Mediziner-Studienplätze werden über die Abiturnote vergeben. Dabei dient der Landesdurchschnitt als Referenzpunkt, Sie müssen sich also nur mit denen messen lassen, die im gleichen Bundesland ihr Abitur gemacht haben. Die häufige Wehklage, dass das Abi von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich schwer ist, wird also in diesem System schon berücksichtigt.
      2. Sie schon eine gewisse Anzahl an Wartesemestern abgeleistet haben. Denn weitere 20 Prozent der Plätze werden über diesen Faktor entschieden. Damit haben auch Abiturienten ohne brillante Note Chancen auf die Mediziner-Laufbahn.

        Semester aber, die man an der Uni womöglich schon in ein anderes Fach investiert hat, fließen nicht in die Wartezeit mit ein. Und noch ein Problem: Die Wartezeit verlängert sich stetig, mittlerweile übersteigt sie sogar schon die Regelstudienzeit (siehe Tabelle unten). Wer 15 Semester warten muss, fängt mit Mitte 20 sein Studium an – ziemlich spät.

      3. Sie die örtlichen Aufnahmekriterien erfüllen. Sie machen 60 Prozent aus. Die Hochschulen haben dabei die Möglichkeit, ihre eigenen, individuellen Kriterien heranzuziehen. Das können auch außerschulische Leistungen sein, eine berufliche Ausbildung im medizinischen Bereich, zum Beispiel als Altenpfleger, Logopäde oder Rettungsassistent, ein freiwilliges soziales Jahr, gute Ergebnisse beim medizinischen Auswahltest (TMS) oder ein guter Auftritt beim Auswahlgespräch. Aber: In den allermeisten Fällen ist auch hier die Abiturnote das ausschlaggebende Kriterium.

      Das soll sich beim Medizinstudium ändern

      Medizinstudium VergabequoteBei der Auswahl der Medizinstudenten sollen nach dem Willen von Bund und Ländern bald auch andere Kriterien eine Rolle spielen. Das besagt der Masterplan Medizinstudium 2020. Zum Beispiel:

      • Soziale und kommunikative Fähigkeiten
      • Leistungsbereitschaft
      • Ausbildung oder Tätigkeit in einem medizinischen Beruf

      Auch wird derzeit in den Ländern eifrig die Möglichkeit von Landarztquoten diskutiert. Das heißt: Wer sich vorab verpflichtet, in einer (bestimmten) ländlichen Region zu praktizieren, bekommt den Studienplatz.

      NC fürs Medizinstudium: Diese Noten brauchen Sie

      Klar ist: Die Abiturnoten spielen eine herausragende Rolle. Das gilt nicht nur fürs Medizinstudium, mit dem häufig die Humanmedizin gemeint ist, sondern ebenfalls für andere medizinische Fächer wie Zahnmedizin, Pharmazie und Tiermedizin.

      Die Abiturbestenquoten für das Medizinstudium, für Zahnmedizin und Pharmazie beziehen sich auf das aktuelle Semester. Das Studium der Tiermedizin kann nur jeweils zum Wintersemester begonnen werden. Da die zukünftigen Auswahlgrenzen dafür erst im August bekannt gegeben werden, wurde für Tiermedizin auf die Abiturbestenquoten des letzten Wintersemesters zurückgegriffen.

      Unmittelbar Aufnahme in die Hörsäle finden Sie bei diesen Noten…

      Abitur erworben in Medizin Zahnmedizin Pharmazie Tiermedizin
      Baden-Württemberg 1,1 1,2 1,7 1,2
      Bayern 1,1 1,2 1,7 1,2
      Berlin 1,0 1,5 1,3 1,4
      Brandenburg 1,0 1,2 1,6 1,2
      Bremen 1,0 1,2 1,5 1,6
      Hamburg 1,1 1,6 1,6 1,3
      Hessen 1,0 1,3 1,5 1,3
      Mecklenburg-Vorpommern 1,1 1,3 1,6 1,4
      Niedersachsen 1,1 1,6 1,7 1,4
      Nordrhein-Westfalen 1,0 1,3 1,6 1,3
      Rheinland-Pfalz 1,0 1,1 1,7 1,3
      Saarland 1,3 1,6 1,8 1,3
      Sachsen 1,2 1,5 1,8 1,1
      Sachsen-Anhalt 1,2 1,5 1,8 1,2
      Schleswig-Holstein 1,2 1,5 1,6 1,4
      Thüringen 1,1 1,4 1,3 1,0

      [Quelle: Stiftung für Hochschulzulassung]

      Abiturbestenquote: Trends

      Gegenwärtige und vergangene Abiturbestenquote lassen folgende Rückschlüsse zu:

      • Ohne Top-Note haben Sie weiterhin kaum eine Chance, direkt in den Hörsaal hineinzurutschen. Schon ein Abi-Schnitt im hohen Einser-Bereich bedeutet: Bitte warten!
      • Die Abiturbestenquote hat in den vergangenen Jahren einen (leichten) Sprung gemacht. In sechs Bundesländern liegt sie bei exakt 1,0, in sechs bei 1,1 und nur vier haben geringere Abiturbestenquoten. Zum Vergleich: Für ein Pharmaziestudium in Sachsen-Anhalt reicht 1,9.

      Aktuelle Wartezeitquote: So lange müssen Sie warten

      Wer die erforderliche Note nicht vorweisen kann, muss aber nicht gleich die Flinte ins Korn werfen. Nach Verstreichen der Wartezeit können Studienwillige doch noch ihr Medizinstudium aufnehmen. Entscheidend dafür, dass ihr Wartesemester angerechnet wird, ist die jeweilige Überbrückung:

      Wer sich für ein bundesweit zulassungsbeschränktes Fach interessiert, darf zeitgleich an keiner deutschen Universität immatrikuliert sein. Die Rechnung „Medizin dauert, da studiere ich in der Zwischenzeit ein bisschen Sport“ geht also nicht auf, da diese Zeit als Parkstudium bewertet wird.

      Medizin Zahnmedizin Pharmazie Tiermedizin
      Wartezeit in Halbjahren 15 13 5 10

      [Quelle: Stiftung für Hochschulzulassung]

      Anmerkung: Das Studium der Tiermedizin kann nur jeweils zum Wintersemester begonnen werden. Da die zukünftigen Auswahlgrenzen dafür erst im August bekannt gegeben werden, wurde für Tiermedizin auf die Wartezeitquote des vorherigen Semesters zurückgegriffen.

      Wartezeitequote: Trends

      Die Wartezeiten in allen Fächern haben sich erhöht.

      • Die Wartezeit hat einen neuen Höchststand erreicht. 15 Semester müssen sich Anwärter auf Humanmedizin jetzt gedulden, das ist länger als die Regelstudienzeit.
      • Deutlich besser sieht es in Pharmazie aus, aber auch hier hat eine Steigerung von ehemals zwei zu fünf Semestern stattgefunden. In Tiermedizin ist der Trend sogar leicht rückläufig. Betrug die Wartezeitquote zum Wintersemester 2012/13 noch elf Halbjahre, sind es aktuell nur noch zehn.

      Was können Sie in 15 Semestern Wartezeit fürs Medizinstudium machen? Im Prinzip alles, außer sich zu immatrikulieren, zum Beispiel:

      • Sie können ein Praktikum machen, gerne in einem verwandten Bereich.
      • Oder Sie gehen das Ganze eine Nummer größer an und machen gleich eine Ausbildung im medizinischen Bereich.
      • Sie können nebenbei jobben und Geld fürs Studium beiseite legen.
      • Sie nutzen die Zeit für Work and Travel – so viel Zeit am Stück werden Sie so schnell nie wieder haben.

      Medizinstudium: Dauer, Ablauf und Inhalt

      Ein Medizinstudium befähigt die Absolventen zum Praktizieren als Arzt. Im Gegensatz zu einem Großteil der Studiengänge ist dieses Studium nicht in Bachelor und Master unterteilt, sondern schließt nach wie vor mit dem Staatsexamen ab. Medizin gehört zu den zeit- und lernintensivsten Studienfächern.

      Wer Humanmedizin in Deutschland studiert, muss sich auf eine Studiendauer von mindestens sechs Jahren und drei Monaten einstellen. Inhaltlich geht es längst nicht nur um Krankheiten oder deren Behandlung. Im Gegenteil: Wer sich für ein medizinisches Studium entschließt, bekommt die geballte Ladung an Naturwissenschaften, zumindest zu Beginn.

      Aufgebaut ist das Medizinstudium folgendermaßen:

      • Grundstudium

        Es wird als „Vorklinik“ bezeichnet und nach vier Semestern mit dem Physikum (erste ärztliche Prüfung) abgeschlossen. Hier werden naturwissenschaftliche und medizinische Grundlagen vermittelt. Studierende müssen sich auf Inhalte folgender Fachgebiete einstellen:

        • Biologie
        • Chemie
        • Biochemie
        • Physik
        • Anatomie
        • Physiologie
        • medizinische Psychologie
        • Soziologie
      • Hauptstudium

        Dieser Teil wird als „Klinik“ bezeichnet und umfasst sechs Semester. Hier stehen die mit dem Arztberuf assoziierten Inhalte wie Krankheiten und deren Behandlung im Vordergrund. Es werden Vorlesungen, Praktika, Blockpraktika und Seminare absolviert, nach dem zehnten Semester folgt mit dem Hammerexamen die zweite ärztliche Prüfung.

      • Praktisches Jahr

        Im letzten Jahr des Medizinstudiums wird die Berufspraxis intensiviert. Das PJ ist in drei Fächer unterteilt: Chirurgie, Innere Medizin und ein Wahlfach. Das praktische Jahr stellt die Voraussetzungen für die letzte, dritte ärztliche Prüfung, die aus einem mündlichen und einem praktischen Teil besteht.

      Diese Teile des Medizinstudiums bilden das dreiteilige Staatsexamen, auf das die Approbation erfolgt. Nun dürfen sich erfolgreich Studierte als Arzt bezeichnen. Viele Studierende schließen daran noch eine medizinische Dissertation an, um den Doktortitel zu erwerben.

      Medizinstudium ohne Abitur: Voraussetzungen für beruflich Qualifizierte

      Medizinstudium Voraussetzungen ohne AbiturEs gibt neben dem klassischen Studium mit Abitur seit 2009 in Deutschland die Möglichkeit, ohne allgemeine Hochschulreife oder Fachabitur zu studieren. Hierfür müssen bestimmte Voraussetzungen gegeben sein, die auf Länderebene geregelt werden.

      Grundsätzlich existieren drei Möglichkeiten für das Studium ohne Abitur:

      • Meisterprüfung oder gleichwertige Aufstiegsfortbildung: Eine erfolgreich abgeschlossene Meisterprüfung oder eine Aufstiegsfortbildung wird mit der allgemeinen Hochschulreife auf eine Stufe gestellt. Damit haben Meister, Fachwirte und Techniker Zugang zu allen Studiengängen an jeder Hochschule.
      • Berufsausbildung und Berufserfahrung mit fachlicher Nähe zum Studienfach: Nach einer erfolgreichen, mindestens zweijährigen Berufsausbildung und dreijähriger Berufserfahrung kann der Zugang zu einem themenverwandten Studiengang gewährt werden. Zuvor muss jedoch in der Regel ein Eignungstest absolviert werden. Als Berufe mit fachlicher Nähe gelten beispielsweise:
        • Arzthelfer
        • Ergotherapeut
        • Krankenpfleger
        • Medizinischer Fachangestellter
        • Notfallsanitäter
        • Pflegekraft
        • Physiotherapeut
        • Rettungsassistent
      • Berufsausbildung und Berufserfahrung ohne fachliche Nähe zum Studienfach: Stellen Sie nach Ihrer Ausbildung fest, dass Sie ein völlig fachfremdes Studium anstreben, besteht auch hier eine Möglichkeit. Jedoch müssen Sie dafür durch eine Prüfung die fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung erwerben. Interessenten sollten beachten, dass wichtige Biologie- und Chemikenntnisse aufgeholt werden müssen, die üblicherweise im Rahmen des Abiturs vermittelt werden.

      Medizinstudium Bewerbung: Vergabe über SfH

      Für das Medizinstudium bewerben Sie sich NICHT direkt bei den Hochschulen, sondern bei der Stiftung für Hochschulzulassung (SfH). Deren Plattform Hochschulstart koordiniert das Bewerbungsverfahren.

      Ausnahme: die privaten Hochschulen. Wer sich an einer Privatuni zum Mediziner ausbilden lassen will, bewirbt sich auch unmittelbar dort – muss aber Studiengebühren zahlen.

      Für alle anderen gilt: Den Antrag stellen sie online bei der Stiftung für Hochschulzulassung und fügen die erforderlichen Unterlagen bei (zum Beispiel Abiturzeugnis). Im Erfolgsfall wird Ihnen ein (einziger) Studienplatz zugeteilt.

      Ihre Ortspräferenzen können Sie vorab in einer Liste angeben – bis zu sechs Hochschulen. Tipp: Sie können Ihr Risiko gewissermaßen streuen, wenn Sie auch Standorte auswählen, die weniger stark überlaufen sind.

      Und: Wenn die Sozialkriterien für Sie sprechen, erhöhen sich ebenfalls die Chancen auf ein Medizinstudium am Wunschort. Das ist etwa der Fall, wenn Sie verheiratet oder schwerbehindert sind, Kinder haben oder einen nahen Angehörigen pflegen.

      NC fürs Medizinstudium vom Bundesland abhängig

      Für die Zulassung zum Studium ist der Numerus Clausus, abgekürzt: NC, eine weitere Zitterpartie für angehende Medizinstudenten. Seit Jahren wird über Ärztemangel geklagt, an den Zulassungsbeschränkungen hat das jedoch wenig geändert: Der NC ist nämlich ein weiteres Auswahlkriterium, das vom Bundesland geregelt wird.

      Grund dafür ist die große Beliebtheit der NC-Fächer im Vergleich zu den geringen Kapazitäten an den Universitäten. Üblicherweise müssen Interessierte einen bestimmten Notendurchschnitt nachweisen, um das Medizinstudium aufnehmen zu können. Auch hier gilt: Je beliebter ein Fach und ein Studienort respektive Bundesland, desto höher der NC.

      Sie brauchen einen Numerus Clausus von…

      • 1,0 in folgenden Bundesländern: Berlin, Brandenburg, Bremen, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz
      • 1,1 in folgenden Bundesländern: Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Thüringen
      • 1,2 in folgenden Bundesländern: Sachsen und Schleswig-Holstein
      • 1,3 in folgenden Bundesländern: Saarland und Sachsen-Anhalt

      Wer diesen Notendurchschnitt nicht vorweisen kann, muss in der Regel einige Wartesemester einlegen.

      Medizinstudium ohne NC: Alternative Wege

      Medizinstudium ohne NCFalls Sie keine ausreichende Abiturnote haben, aber dennoch einen Medizinstudienplatz bekommen möchten, gibt es noch ein paar (wenige) Alternativen:

      • Auslandsstudium

        Da Medizin eine internationale Disziplin ist, können Sie das Fach natürlich auch im Ausland studieren, wo die Zulassungsbeschränkungen lockerer sind. Beliebt sind derzeit vor allem die Plätze in Österreich und Ungarn – hier gibt es deutschsprachige Medizinstudiengänge. In England, Lettland, Polen und Tschechien können Sie hingegen auf Englisch studieren. Wichtig: Wer innerhalb der Europäischen Union Medizin studiert, dessen Abschluss wird später laut Bundesärztekammer anerkannt.

      • Studienplatzklage

        Das deutsche System versucht, es allen recht zu machen. Weil es gleichzeitig so komplex ist, besteht die Möglichkeit einer Studienplatzklage. Heißt, es wird gegen das Vergabeverfahren geklagt und der Weg in die Uni erstritten. Die Strategie zielt dann meist auf sogenannte außerkapazitäre Studienplätze: Sie werden nicht offiziell ausgeschrieben, sind aber vorhanden. Nachteil: Eine Studienplatzklage kann mehrere tausend Euro kosten – bei ungewissem Ausgang.

      • Bundeswehr

        Auch die Bundeswehr verfügt über ein Reservekontingent von 2,2 Prozent der Medizinstudienplätze. Allerdings muss man sich für ein Bundeswehrstudium auf 17 Jahre bei der Bundeswehr verpflichten und beim Eignungsfeststellungsverfahren für Offiziersanwärter besonders gut abschneiden.

      • Privathochschule

        Seit 1983 gibt es die private Universität Witten/Herdecke (UHW) und seit 2015 eine weitere Privatuni, nämlich die Medizinische Hochschule Brandenburg (MHB). Hier ist ein Medizinstudium ohne NC möglich. Die Kosten für das Medizinstudium an der UHW belaufen sich auf etwa 50.000 Euro. Die UHW wählt einen Generationenvertrag zur Finanzierung des Medizinstudiums, das heißt, Studierende können zwischen drei Möglichkeiten entscheiden:

        Der Studienbeitrag wird sofort, während des Studiums in festgelegten Raten oder nach Abschluss des Studiums gezahlt, sofern eine Mindesteinkommensgrenze von 21.000 Euro jährlich nicht unterschritten wird. An der MHB setzt man hingegen auf Bindung der Studierenden vor Ort, um den Ärztemangel im ländlichen Bereich auszugleichen. Hier läuft die Finanzierung des Medizinstudiums über Stipendien.

      • Losverfahren

        Die letzte Chance bietet das sogenannte Losverfahren – die Note zählt dabei nichts, nur Glück. Dazu muss man sich direkt bei der Hochschule einschreiben und jeweilige Fristen beachten.

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      [Bildnachweis: ESB Professional by shutterstock]

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      Jahr für Jahr entscheiden sich tausende von Schulabgängern für ein Medizinstudium. Der Großteil derer, die Mediziner werden wollen, braucht einen langen Atem. Eine richtige Pferdelunge benötigt sogar, wer ohne hervorragenden Schnitt auf dem Abiturzeugnis in den Arztkittel schlüpfen will. Neue Zahlen zeigen, welche Abiturnote Bewerber brauchen, um sich für Medizin, Pharmazie, Tier- und Zahnmedizin einschreiben zu können – und mit welchen Wartezeiten sie rechnen müssen, wenn die Bewerbung nicht direkt angeschlagen hat. So viel vorweg: Die Wartezeiten für angehende Mediziner erreichen regelmäßig Höchststände…

      Voraussetzungen für ein Medizinstudium

      Trotz zahlloser Überstunden, Dauerstress und Doppelschichten am Wochenende – vom Leben im Arztkittel träumen noch immer Heerscharen von Abiturienten. Die Folge: Es gibt deutlich mehr Bewerber als Studienplätze, weshalb das Studium der Medizin zu den bundesweit zulassungsbeschränkten Fächern gehört.

      Im Schnitt gibt es nach Zahlen der Stiftung für Hochschulzulassung allein für das Fach Humanmedizin deutschlandweit über 43.000 Bewerber – für gerade einmal 9.176 Studienplätze. Damit kommen 4,7 Bewerber auf einen Platz.

      Ob Sie einen Studienplatz bekommen oder nicht, hängt grundsätzlich von mehreren Faktoren ab. Sie haben gute Chancen, wenn…

      1. Sie einen sehr guten Notenschnitt im Abitur vorweisen können. 20 Prozent der Mediziner-Studienplätze werden über die Abiturnote vergeben. Dabei dient der Landesdurchschnitt als Referenzpunkt, Sie müssen sich also nur mit denen messen lassen, die im gleichen Bundesland ihr Abitur gemacht haben. Die häufige Wehklage, dass das Abi von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich schwer ist, wird also in diesem System schon berücksichtigt.
      2. Sie schon eine gewisse Anzahl an Wartesemestern abgeleistet haben. Denn weitere 20 Prozent der Plätze werden über diesen Faktor entschieden. Damit haben auch Abiturienten ohne brillante Note Chancen auf die Mediziner-Laufbahn.

        Semester aber, die man an der Uni womöglich schon in ein anderes Fach investiert hat, fließen nicht in die Wartezeit mit ein. Und noch ein Problem: Die Wartezeit verlängert sich stetig, mittlerweile übersteigt sie sogar schon die Regelstudienzeit (siehe Tabelle unten). Wer 15 Semester warten muss, fängt mit Mitte 20 sein Studium an – ziemlich spät.

      3. Sie die örtlichen Aufnahmekriterien erfüllen. Sie machen 60 Prozent aus. Die Hochschulen haben dabei die Möglichkeit, ihre eigenen, individuellen Kriterien heranzuziehen. Das können auch außerschulische Leistungen sein, eine berufliche Ausbildung im medizinischen Bereich, zum Beispiel als Altenpfleger, Logopäde oder Rettungsassistent, ein freiwilliges soziales Jahr, gute Ergebnisse beim medizinischen Auswahltest (TMS) oder ein guter Auftritt beim Auswahlgespräch. Aber: In den allermeisten Fällen ist auch hier die Abiturnote das ausschlaggebende Kriterium.

      Das soll sich beim Medizinstudium ändern

      Medizinstudium VergabequoteBei der Auswahl der Medizinstudenten sollen nach dem Willen von Bund und Ländern bald auch andere Kriterien eine Rolle spielen. Das besagt der Masterplan Medizinstudium 2020. Zum Beispiel:

      • Soziale und kommunikative Fähigkeiten
      • Leistungsbereitschaft
      • Ausbildung oder Tätigkeit in einem medizinischen Beruf

      Auch wird derzeit in den Ländern eifrig die Möglichkeit von Landarztquoten diskutiert. Das heißt: Wer sich vorab verpflichtet, in einer (bestimmten) ländlichen Region zu praktizieren, bekommt den Studienplatz.

      NC fürs Medizinstudium: Diese Noten brauchen Sie

      Klar ist: Die Abiturnoten spielen eine herausragende Rolle. Das gilt nicht nur fürs Medizinstudium, mit dem häufig die Humanmedizin gemeint ist, sondern ebenfalls für andere medizinische Fächer wie Zahnmedizin, Pharmazie und Tiermedizin.

      Die Abiturbestenquoten für das Medizinstudium, für Zahnmedizin und Pharmazie beziehen sich auf das aktuelle Semester. Das Studium der Tiermedizin kann nur jeweils zum Wintersemester begonnen werden. Da die zukünftigen Auswahlgrenzen dafür erst im August bekannt gegeben werden, wurde für Tiermedizin auf die Abiturbestenquoten des letzten Wintersemesters zurückgegriffen.

      Unmittelbar Aufnahme in die Hörsäle finden Sie bei diesen Noten…

      Abitur erworben in Medizin Zahnmedizin Pharmazie Tiermedizin
      Baden-Württemberg 1,1 1,2 1,7 1,2
      Bayern 1,1 1,2 1,7 1,2
      Berlin 1,0 1,5 1,3 1,4
      Brandenburg 1,0 1,2 1,6 1,2
      Bremen 1,0 1,2 1,5 1,6
      Hamburg 1,1 1,6 1,6 1,3
      Hessen 1,0 1,3 1,5 1,3
      Mecklenburg-Vorpommern 1,1 1,3 1,6 1,4
      Niedersachsen 1,1 1,6 1,7 1,4
      Nordrhein-Westfalen 1,0 1,3 1,6 1,3
      Rheinland-Pfalz 1,0 1,1 1,7 1,3
      Saarland 1,3 1,6 1,8 1,3
      Sachsen 1,2 1,5 1,8 1,1
      Sachsen-Anhalt 1,2 1,5 1,8 1,2
      Schleswig-Holstein 1,2 1,5 1,6 1,4
      Thüringen 1,1 1,4 1,3 1,0

      [Quelle: Stiftung für Hochschulzulassung]

      Abiturbestenquote: Trends

      Gegenwärtige und vergangene Abiturbestenquote lassen folgende Rückschlüsse zu:

      • Ohne Top-Note haben Sie weiterhin kaum eine Chance, direkt in den Hörsaal hineinzurutschen. Schon ein Abi-Schnitt im hohen Einser-Bereich bedeutet: Bitte warten!
      • Die Abiturbestenquote hat in den vergangenen Jahren einen (leichten) Sprung gemacht. In sechs Bundesländern liegt sie bei exakt 1,0, in sechs bei 1,1 und nur vier haben geringere Abiturbestenquoten. Zum Vergleich: Für ein Pharmaziestudium in Sachsen-Anhalt reicht 1,9.

      Aktuelle Wartezeitquote: So lange müssen Sie warten

      Wer die erforderliche Note nicht vorweisen kann, muss aber nicht gleich die Flinte ins Korn werfen. Nach Verstreichen der Wartezeit können Studienwillige doch noch ihr Medizinstudium aufnehmen. Entscheidend dafür, dass ihr Wartesemester angerechnet wird, ist die jeweilige Überbrückung:

      Wer sich für ein bundesweit zulassungsbeschränktes Fach interessiert, darf zeitgleich an keiner deutschen Universität immatrikuliert sein. Die Rechnung „Medizin dauert, da studiere ich in der Zwischenzeit ein bisschen Sport“ geht also nicht auf, da diese Zeit als Parkstudium bewertet wird.

      Medizin Zahnmedizin Pharmazie Tiermedizin
      Wartezeit in Halbjahren 15 13 5 10

      [Quelle: Stiftung für Hochschulzulassung]

      Anmerkung: Das Studium der Tiermedizin kann nur jeweils zum Wintersemester begonnen werden. Da die zukünftigen Auswahlgrenzen dafür erst im August bekannt gegeben werden, wurde für Tiermedizin auf die Wartezeitquote des vorherigen Semesters zurückgegriffen.

      Wartezeitequote: Trends

      Die Wartezeiten in allen Fächern haben sich erhöht.

      • Die Wartezeit hat einen neuen Höchststand erreicht. 15 Semester müssen sich Anwärter auf Humanmedizin jetzt gedulden, das ist länger als die Regelstudienzeit.
      • Deutlich besser sieht es in Pharmazie aus, aber auch hier hat eine Steigerung von ehemals zwei zu fünf Semestern stattgefunden. In Tiermedizin ist der Trend sogar leicht rückläufig. Betrug die Wartezeitquote zum Wintersemester 2012/13 noch elf Halbjahre, sind es aktuell nur noch zehn.

      Was können Sie in 15 Semestern Wartezeit fürs Medizinstudium machen? Im Prinzip alles, außer sich zu immatrikulieren, zum Beispiel:

      • Sie können ein Praktikum machen, gerne in einem verwandten Bereich.
      • Oder Sie gehen das Ganze eine Nummer größer an und machen gleich eine Ausbildung im medizinischen Bereich.
      • Sie können nebenbei jobben und Geld fürs Studium beiseite legen.
      • Sie nutzen die Zeit für Work and Travel – so viel Zeit am Stück werden Sie so schnell nie wieder haben.

      Medizinstudium: Dauer, Ablauf und Inhalt

      Ein Medizinstudium befähigt die Absolventen zum Praktizieren als Arzt. Im Gegensatz zu einem Großteil der Studiengänge ist dieses Studium nicht in Bachelor und Master unterteilt, sondern schließt nach wie vor mit dem Staatsexamen ab. Medizin gehört zu den zeit- und lernintensivsten Studienfächern.

      Wer Humanmedizin in Deutschland studiert, muss sich auf eine Studiendauer von mindestens sechs Jahren und drei Monaten einstellen. Inhaltlich geht es längst nicht nur um Krankheiten oder deren Behandlung. Im Gegenteil: Wer sich für ein medizinisches Studium entschließt, bekommt die geballte Ladung an Naturwissenschaften, zumindest zu Beginn.

      Aufgebaut ist das Medizinstudium folgendermaßen:

      • Grundstudium

        Es wird als „Vorklinik“ bezeichnet und nach vier Semestern mit dem Physikum (erste ärztliche Prüfung) abgeschlossen. Hier werden naturwissenschaftliche und medizinische Grundlagen vermittelt. Studierende müssen sich auf Inhalte folgender Fachgebiete einstellen:

        • Biologie
        • Chemie
        • Biochemie
        • Physik
        • Anatomie
        • Physiologie
        • medizinische Psychologie
        • Soziologie
      • Hauptstudium

        Dieser Teil wird als „Klinik“ bezeichnet und umfasst sechs Semester. Hier stehen die mit dem Arztberuf assoziierten Inhalte wie Krankheiten und deren Behandlung im Vordergrund. Es werden Vorlesungen, Praktika, Blockpraktika und Seminare absolviert, nach dem zehnten Semester folgt mit dem Hammerexamen die zweite ärztliche Prüfung.

      • Praktisches Jahr

        Im letzten Jahr des Medizinstudiums wird die Berufspraxis intensiviert. Das PJ ist in drei Fächer unterteilt: Chirurgie, Innere Medizin und ein Wahlfach. Das praktische Jahr stellt die Voraussetzungen für die letzte, dritte ärztliche Prüfung, die aus einem mündlichen und einem praktischen Teil besteht.

      Diese Teile des Medizinstudiums bilden das dreiteilige Staatsexamen, auf das die Approbation erfolgt. Nun dürfen sich erfolgreich Studierte als Arzt bezeichnen. Viele Studierende schließen daran noch eine medizinische Dissertation an, um den Doktortitel zu erwerben.

      Medizinstudium ohne Abitur: Voraussetzungen für beruflich Qualifizierte

      Medizinstudium Voraussetzungen ohne AbiturEs gibt neben dem klassischen Studium mit Abitur seit 2009 in Deutschland die Möglichkeit, ohne allgemeine Hochschulreife oder Fachabitur zu studieren. Hierfür müssen bestimmte Voraussetzungen gegeben sein, die auf Länderebene geregelt werden.

      Grundsätzlich existieren drei Möglichkeiten für das Studium ohne Abitur:

      • Meisterprüfung oder gleichwertige Aufstiegsfortbildung: Eine erfolgreich abgeschlossene Meisterprüfung oder eine Aufstiegsfortbildung wird mit der allgemeinen Hochschulreife auf eine Stufe gestellt. Damit haben Meister, Fachwirte und Techniker Zugang zu allen Studiengängen an jeder Hochschule.
      • Berufsausbildung und Berufserfahrung mit fachlicher Nähe zum Studienfach: Nach einer erfolgreichen, mindestens zweijährigen Berufsausbildung und dreijähriger Berufserfahrung kann der Zugang zu einem themenverwandten Studiengang gewährt werden. Zuvor muss jedoch in der Regel ein Eignungstest absolviert werden. Als Berufe mit fachlicher Nähe gelten beispielsweise:
        • Arzthelfer
        • Ergotherapeut
        • Krankenpfleger
        • Medizinischer Fachangestellter
        • Notfallsanitäter
        • Pflegekraft
        • Physiotherapeut
        • Rettungsassistent
      • Berufsausbildung und Berufserfahrung ohne fachliche Nähe zum Studienfach: Stellen Sie nach Ihrer Ausbildung fest, dass Sie ein völlig fachfremdes Studium anstreben, besteht auch hier eine Möglichkeit. Jedoch müssen Sie dafür durch eine Prüfung die fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung erwerben. Interessenten sollten beachten, dass wichtige Biologie- und Chemikenntnisse aufgeholt werden müssen, die üblicherweise im Rahmen des Abiturs vermittelt werden.

      Medizinstudium Bewerbung: Vergabe über SfH

      Für das Medizinstudium bewerben Sie sich NICHT direkt bei den Hochschulen, sondern bei der Stiftung für Hochschulzulassung (SfH). Deren Plattform Hochschulstart koordiniert das Bewerbungsverfahren.

      Ausnahme: die privaten Hochschulen. Wer sich an einer Privatuni zum Mediziner ausbilden lassen will, bewirbt sich auch unmittelbar dort – muss aber Studiengebühren zahlen.

      Für alle anderen gilt: Den Antrag stellen sie online bei der Stiftung für Hochschulzulassung und fügen die erforderlichen Unterlagen bei (zum Beispiel Abiturzeugnis). Im Erfolgsfall wird Ihnen ein (einziger) Studienplatz zugeteilt.

      Ihre Ortspräferenzen können Sie vorab in einer Liste angeben – bis zu sechs Hochschulen. Tipp: Sie können Ihr Risiko gewissermaßen streuen, wenn Sie auch Standorte auswählen, die weniger stark überlaufen sind.

      Und: Wenn die Sozialkriterien für Sie sprechen, erhöhen sich ebenfalls die Chancen auf ein Medizinstudium am Wunschort. Das ist etwa der Fall, wenn Sie verheiratet oder schwerbehindert sind, Kinder haben oder einen nahen Angehörigen pflegen.

      NC fürs Medizinstudium vom Bundesland abhängig

      Für die Zulassung zum Studium ist der Numerus Clausus, abgekürzt: NC, eine weitere Zitterpartie für angehende Medizinstudenten. Seit Jahren wird über Ärztemangel geklagt, an den Zulassungsbeschränkungen hat das jedoch wenig geändert: Der NC ist nämlich ein weiteres Auswahlkriterium, das vom Bundesland geregelt wird.

      Grund dafür ist die große Beliebtheit der NC-Fächer im Vergleich zu den geringen Kapazitäten an den Universitäten. Üblicherweise müssen Interessierte einen bestimmten Notendurchschnitt nachweisen, um das Medizinstudium aufnehmen zu können. Auch hier gilt: Je beliebter ein Fach und ein Studienort respektive Bundesland, desto höher der NC.

      Sie brauchen einen Numerus Clausus von…

      • 1,0 in folgenden Bundesländern: Berlin, Brandenburg, Bremen, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz
      • 1,1 in folgenden Bundesländern: Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Thüringen
      • 1,2 in folgenden Bundesländern: Sachsen und Schleswig-Holstein
      • 1,3 in folgenden Bundesländern: Saarland und Sachsen-Anhalt

      Wer diesen Notendurchschnitt nicht vorweisen kann, muss in der Regel einige Wartesemester einlegen.

      Medizinstudium ohne NC: Alternative Wege

      Medizinstudium ohne NCFalls Sie keine ausreichende Abiturnote haben, aber dennoch einen Medizinstudienplatz bekommen möchten, gibt es noch ein paar (wenige) Alternativen:

      • Auslandsstudium

        Da Medizin eine internationale Disziplin ist, können Sie das Fach natürlich auch im Ausland studieren, wo die Zulassungsbeschränkungen lockerer sind. Beliebt sind derzeit vor allem die Plätze in Österreich und Ungarn – hier gibt es deutschsprachige Medizinstudiengänge. In England, Lettland, Polen und Tschechien können Sie hingegen auf Englisch studieren. Wichtig: Wer innerhalb der Europäischen Union Medizin studiert, dessen Abschluss wird später laut Bundesärztekammer anerkannt.

      • Studienplatzklage

        Das deutsche System versucht, es allen recht zu machen. Weil es gleichzeitig so komplex ist, besteht die Möglichkeit einer Studienplatzklage. Heißt, es wird gegen das Vergabeverfahren geklagt und der Weg in die Uni erstritten. Die Strategie zielt dann meist auf sogenannte außerkapazitäre Studienplätze: Sie werden nicht offiziell ausgeschrieben, sind aber vorhanden. Nachteil: Eine Studienplatzklage kann mehrere tausend Euro kosten – bei ungewissem Ausgang.

      • Bundeswehr

        Auch die Bundeswehr verfügt über ein Reservekontingent von 2,2 Prozent der Medizinstudienplätze. Allerdings muss man sich für ein Bundeswehrstudium auf 17 Jahre bei der Bundeswehr verpflichten und beim Eignungsfeststellungsverfahren für Offiziersanwärter besonders gut abschneiden.

      • Privathochschule

        Seit 1983 gibt es die private Universität Witten/Herdecke (UHW) und seit 2015 eine weitere Privatuni, nämlich die Medizinische Hochschule Brandenburg (MHB). Hier ist ein Medizinstudium ohne NC möglich. Die Kosten für das Medizinstudium an der UHW belaufen sich auf etwa 50.000 Euro. Die UHW wählt einen Generationenvertrag zur Finanzierung des Medizinstudiums, das heißt, Studierende können zwischen drei Möglichkeiten entscheiden:

        Der Studienbeitrag wird sofort, während des Studiums in festgelegten Raten oder nach Abschluss des Studiums gezahlt, sofern eine Mindesteinkommensgrenze von 21.000 Euro jährlich nicht unterschritten wird. An der MHB setzt man hingegen auf Bindung der Studierenden vor Ort, um den Ärztemangel im ländlichen Bereich auszugleichen. Hier läuft die Finanzierung des Medizinstudiums über Stipendien.

      • Losverfahren

        Die letzte Chance bietet das sogenannte Losverfahren – die Note zählt dabei nichts, nur Glück. Dazu muss man sich direkt bei der Hochschule einschreiben und jeweilige Fristen beachten.

      Was andere Leser noch gelesen haben

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      Wie schreibt man eine Bewerbung? https://karrierebibel.de/wie-schreibt-man-eine-bewerbung/ Thu, 11 Jul 2019 08:00:20 +0000 Jochen Mai https://karrierebibel.de/?p=77930 Nach der Schule, nach Ausbildung oder Studium folgt der Eintritt ins Berufsleben. Und damit die erste professionelle Bewerbung. Vielen Berufseinsteigern fällt dies jedoch schwer: Wie schreibt man eine Bewerbung – eigentlich? Was gehört rein? Wie wird sie aufgebaut, formatiert, strukturiert? Und wie überzeugt man letztlich Personaler damit? Vor solchen Fragen stehen allerdings nicht nur Berufsanfänger. Auch wer schon lange Zeit in einem festen Job arbeitet, weiß womöglich gar nicht mehr wie so ein Bewerbungsprozess funktioniert und wie man eine aussagekräftige Bewerbung schreibt. Kein Problem! In der folgenden Anleitung zeigen wir Ihnen – Schritt für Schritt – wie man eine Bewerbung schreibt. So können Sie ganz systematisch und mühelos Ihre Bewerbungsunterlagen erstellen, ohne wichtige Details zu vergessen…

      Wie schreibt man eine Bewerbung: Suchen, sammeln, sortieren

      Der Bewerbungsprozess beginnt mit der Suche nach einer passenden Stelle. Diese können Sie zum Beispiel direkt in unserer eigenen Jobbörse Karrieresprung.de finden. Einfach Jobbezeichnung oder Wunscharbeitgeber sowie Wunschort oder Postleitzahl eingeben und nach passenden Stellenangeboten suchen – ganz unverbindlich und kostenlos…


      Falls Sie auf Anhieb nichts finden, aber schon ein Zielunternehmen im Auge haben, für das Sie gerne arbeiten würden, können Sie sich dort auch initiativ bewerben. Wie das geht erfahren Sie in unseren ausführlichen Ratgebern dazu:

      Gehen wir aber mal davon aus, dass Sie eine passende Stelleanzeige gefunden haben. In diesem Fall gilt es, das systematisch auszuwerten:

      • Was wird von einem Bewerber erwartet?
      • Welche Anforderungen und Qualifikationen müssen Sie mitbringen?
      • Welche Unterlagen müssen in die Bewerbung?
      • Gibt es einen Ansprechpartner (Vor- und Nachname?)?
      • Wohin soll die Bewerbung geschickt werden, wie und bis wann?

      All diese Informationen sollten Sie zunächst sammeln und sich herausschreiben. Sie brauchen Sie später noch.

      Vor allem bei den geforderten Qualifikationen sollten Sie besonders aufmerksam sein. Grundsätzlich wird hierbei zwischen sogenannten Muss- und Kann-Anforderungen unterschieden:

      • Muss-Anforderungen

        Das sind die unverzichtbaren Bestandteile einer Stellenausschreibung, die Sie in der Regel mit Zeugnissen oder Zertifikaten belegen. Erkennbar sind diese Muss-Qualifikationen beispielsweise an Formulierungen wie:

        • Voraussetzungen sind…
        • Erwarten wir…
        • Sie bringen mit…
        • …setzen wir voraus
        • …sollten Sie erfüllen
        • …sind erforderlich
      • Kann-Anforderungen

        Deutlich weicher formuliert sind die sogenannten Kann-Anforderungen. Diese sind aus Unternehmenssicht wünschenswert, jedoch nicht zwingende Voraussetzung für die Bewerbung. Heißt: Sie werden nicht gleich aussortiert, falls Sie diese nicht erfüllen. Erkennbar ist das an Formulierungen wie:

        • Idealerweise…
        • Wünschenswert sind zudem…
        • Gerne gesehen sind…
        • Ausbaufähige Kenntnisse in…
        • Hinreichende Erfahrungen in…
        • Wenn Sie außerdem mitbringen…
        • Zusätzlich freuen würden wir uns…
        • Hilfreich wäre zudem…

      Drucken Sie sich am besten die Stellenbeschreibung aus, dann können Sie sich Ihre Notizen direkt neben die jeweiligen Anforderungen schreiben. Zum Beispiel so:

      • Entwicklungsingenieur in der Fahrzeugtechnik gesucht –> Hochschulzeugnis über ein erfolgreich abgeschlossenes Studium im Bereich Maschinenbau, Fahrzeugtechnik, Mechatronik oder einer vergleichbaren Qualifikation
      • Mehrjährige Erfahrung im Projektmanagement –> Arbeitszeugnis, beispielsweise im Bereich Exterieur
      • Kenntnisse über bestimmte Tools –> Zertifikate von Fortbildungen über Tools wie M−gAMS, PQM, TAIS, CATIA
      • Soft Skills wie Team− und Kommunikationsfähigkeit, Durchsetzungsvermögen –> hier dienen von Ihnen geschilderte Situationen als Beleg, etwa im Praktikum oder in bisherigen Projekten.

      Unterschätzen Sie bitte nie den Vorteil von Notizen: So stellen Sie sicher, dass später alle relevanten Anforderungen aus der Anzeige im Anschreiben eingearbeitet wurden. Streichen Sie sich zudem die Bewerbungsfrist fett an, um die Unterlagen rechtzeitig zu verschicken.

      Bewerbungsunterlagen: So wird die Bewerbungsmappe aufgebaut

      Jede Bewerbung ist nicht nur eine Art übergroße Visitenkarte – sie ist zugleich Ihre erste Arbeitsprobe. Schon an den Bewerbungsunterlagen lesen Personaler ab, ob Sie zum Unternehmen passen, ob Sie sorgfältig und gewissenhaft arbeiten, auf Details achten und insgesamt einen guten Eindruck machen.

      Als Faustregel können Sie sich merken:

      • Je anspruchsvoller der Job und je höher dotiert die Stelle ist, desto hochwertiger sollte die Bewerbungsmappe sein.
      • Karton ist für die meisten Menschen angenehmer anzufassen als Kunststoff.

      Sogenannte vollständige Bewerbungsunterlagen – mit Ausnahme einer sogenannten Kurzbewerbung – bestehen aus folgenden Bestandteilen:

      • Bewerbungsschreiben (maximal 2 Seiten)
      • Deckblatt (optional, zur Übersicht)
      • Lebenslauf (maximal 3 Seiten)
      • Bewerbungsfoto (im Lebenslauf, aber nicht Pflicht)
      • Ausbildungszeugnisse (Kopien, nie Originale!)
      • Arbeitszeugnis(se) (ebenfalls nur Kopien)
      • Nachweise über Fortbildungen (nur falls für den Job relevant)
      • Kopie des Führerscheins (falls verlangt)
      • Kopie des Führungszeugnisses (falls verlangt)

      Für die Ausbildungsnachweise gilt: Wer mehr als fünf Jahre Berufserfahrung hat, braucht seiner Bewerbung keine Schulzeugnisse mehr beifügen. Hier ist allenfalls noch das Hochschulzeugnis oder der Ausbildungsabschluss per Kopie nachzuweisen.

      Korrekt aufgebaute und sortierte vollständige Bewerbungsunterlagen sehen dann zum Beispiel so aus:

      Vollständige Bewerbungsunterlagen Muster

      Das Musterbeispiel für den Aufbau einer vollständigen Bewerbungsmappe können Sie sich übrigens als Merkhilfe oder Checkliste gerne auch HIER als PDF kostenlos herunterladen.

      Bewerbungsvorlagen: Über 80 Muster für Anschreiben & Lebenslauf

      Bewerbungsvorlagen: Über 80 Muster für Anschreiben & LebenslaufUm Ihnen das Schreiben Ihrer Bewerbung zu erleichtern, haben wir für Sie mehr als 80 kostenlose und professionelle Bewerbungsvorlagen erstellen lassen, die Sie sich jederzeit kostenlos als WORD-Datei oder PDF herunterladen und privat nutzen können.

      Wichtig bei all diesen Mustern ist, dass Sie diese jedes Mal individuell anpassen und etwas umgestalten. Es sähe sicher nicht gut aus, wenn eine(r) Ihrer Mitbewerber(innen) zufällig exakt dieselbe Vorlage verwendet.

      Beispielhaft finden Sie hier die ersten zwölf Vorlagen für Anschreiben beziehungsweise Lebenslauf:

      Vorlagen und Muster für das Bewerbungsschreiben

      Zum Herunterladen einfach auf das Vorschaubild klicken

      Bewerbungsschreiben Duale Ausbildung Vorlage Cover Bewerbungsschreiben Vorlage Werkstudent Cover Bewerbungsschreiben Vorlage Masterarbeit Cover
      PDF Vorschau PDF Vorschau PDF Vorschau
      Bewerbungsschreiben Vorlage Kostenlos Key Account Manager Muster Cover Bewerbungsschreiben Vorlage Kostenlos Projektmanager Muster Cover Bewerbungsschreiben Krankenschwester Vorlage Kostenlos Muster Cover
      PDF Vorschau PDF Vorschau PDF Vorschau


      Vorlagen und Muster für den tabellarischen Lebenslauf

      Zum Herunterladen einfach auf das Vorschaubild klicken

      Lebenslauf Vorlagen Word Kostenlos Tabellarisch 19 Cover Lebenslauf Vorlagen Word Kostenlos Tabellarisch 20 Cover Lebenslauf Vorlagen Word Kostenlos Tabellarisch 21 Cover
      PDF Vorschau PDF Vorschau PDF Vorschau
      Lebenslauf Vorlagen Word Kostenlos Tabellarisch 16 Cover Lebenslauf Vorlagen Word Kostenlos Tabellarisch 17 Cover Lebenslauf Vorlagen Word Kostenlos Tabellarisch 18 Cover
      PDF Vorschau PDF Vorschau PDF Vorschau


      Optional: Motivationsschreiben und Deckblatt

      Sowohl das Motivationsschreiben als auch das Deckblatt sind optionale Bestandteile einer Bewerbung. In einigen Fällen kann ein Motivationsschreiben (auch Dritte Seite genannt) gefordert sein, zum Beispiel wenn Sie sich auf einen Studienplatz oder um ein Stipendium bewerben.

      Mehr dazu finden Sie hier:

      Ähnlich sieht es mit dem Deckblatt aus. Diese bietet sich an, wenn Sie Platz im Lebenslauf benötigen und das Bewerbungsfoto beispielsweise herausnehmen. Das wird dann nebst persönlichen Daten und der Anschrift des Unternehmens auf einer gesonderten Seite untergebracht – dem Deckblatt.

      Wenn Sie sich für ein Deckblatt entscheiden, beachten Sie bitte, dass es in der Bewerbungsmappe Ihren Unterlagen vorangestellt wird. AUF der Bewerbungsmappe an erster Stelle liegt aber weiterhin lose das Anschreiben auf.

      Diese Reihenfolge gilt übrigens auch für virtuelle Bewerbungen.

      Mehr zum Deckblatt sowie viele kostenlose Muster finden Sie hier:

      Bewerbung schreiben: Das Anschreiben

      Auch wenn das Anschreiben bei Bewerbern nicht sonderlich beliebt ist: Seine Bedeutung ist nicht zu unterschätzen.

      Das Anschreiben ist eine enorme Chance, sich von der Masse abzusetzen. Oder seine Motivation zu begründen. Das gilt erst recht für Berufseinsteiger, deren Lebensläufe sich meist kaum unterscheiden.

      Die wichtigste Voraussetzung für ein professionelles Anschreiben ist, dass Sie die Stellenanzeige gründlich lesen, analysieren und verstehen. Bevor Sie loslegen, sollten Sie also nochmal Ihre Notizen durchgehen und die folgenden Fragen beantworten können:

      • Was ist die Zielsetzung der ausgeschriebenen Position?
      • Welche Aufgaben muss der zukünftige Mitarbeiter erfüllen?
      • Welche Voraussetzungen muss er/sie dafür zwingend mitbringen (Muss-Qualifikationen)?
      • Welche Qualifikationen kann er/sie dafür mitbringen (Kann-Qualifikationen)?
      • Auf was legt das Unternehmen besonderen Wert?

      Veruschen Sie jetzt beim Formulieren des Anschreibens nicht einfach nur den Lebenslauf zu wiederholen. Das wäre redundant. Versuchen Sie vielmehr hier in ausformulierten Sätzen Ihre Motivation, Leidenschaft und Ihr Interesse bei DIESEM Unternehmen arbeiten zu wollen herauszustreichen. Das Anschreiben schafft so einen Spagat zwischen klarer Bezugnahme auf die Stellenbeschreibung und Einblicken in Ihre Persönlichkeit.

      Anschreiben Beispiel: Tipps zu Form und Aufbau

      Typischerweise wird das Anschreiben nach diesem 9-stufigen Muster aufgebaut:

      Anschreiben Aufbau und Inhalt Beispiel

      Nehmen Sie im Anschreiben möglichst auch Bezug auf Ihren Wunscharbeitgeber. Jeder Arbeitgeber ist geschmeichelt, wenn der Bewerber signalisiert, dass er sich mit dem Unternehmen intensiv beschäftigt hat. Es gehört daher zu Ihren Hausaufgaben, sich über Ihren potenziellen Arbeitgeber zu informieren:

      • Wie groß ist das Unternehmen, welche Zahlen können Sie in Erfahrung bringen (zum Beispiel Umsatz, Gründungsjahr, Marktanteile)?
      • Welche Produkte oder Dienstleistungen bietet das Unternehmen an?
      • Welche Standorte existieren, sind womöglich Expansionen geplant?
      • Welche Werte vertritt das Unternehmen, wird auf der Unternehmenswebsite eine bestimmte Unternehmenskultur deutlich?

      Hierbei geht es nicht darum, sich anzubiedern, sondern abzugleichen, ob das Unternehmen und die ausgeschriebene Stelle zu Ihnen passt. Manch ein Bewerber möchte unbedingt in einem internationalen Großkonzern unterkommen. Andere wiederum fürchten womöglich die Anonymität und ziehen einen familiär geführten Betrieb vor.

      Formalia, Vorschriften, Normen für das Anschreiben

      Anschreiben: Formalia, Vorschriften, NormenSo ganz ohne ein paar Formalitäten geht es leider auch beim Anschreiben nicht. An die folgenden Grundregeln sollten sich Bewerber halten.

      Auch wenn das nach öder Bürokratie klingt: Betrachten Sie es aus der Perspektive des Personalers. Der muss oft mehrere Bewerbungsschreiben lesen, vergleichen, auswählen. Standards erhöhen die Übersichtlichkeit und helfen ihm, die wichtigsten Informationen schnell zu finden. Je einfacher und übersichtlicher Sie es ihm also machen, desto sympathischer ist ihm Ihre Bewerbung.

      Keine Frage, das alles erfordert etwas Aufwand – aber der lohnt sich. Wenn Sie mit derselben Sorgfalt und demselben Engagement Ihr Anschreiben formulieren wie Ihren Lebenslauf, wird sich die Resonanz auf Ihre Bewerbungen verbessern.

      Die Erfahrung zeigt: Man kann sich nicht zu viel Mühe mit der Bewerbung geben. Es geht schließlich um Ihre berufliche Zukunft und künftige Einkommen.

      Diese Grundregeln können Ihre Bewerbungschancen indirekt steigern:

      • Berufseinsteiger sollten nicht mehr als eine Seite schreiben. Ältere, erfahrene Bewerber dürfen auch ein zweiseitiges Anschreiben verfassen. Trotzdem sollte es kompakt bleiben.
      • Das Papier (Standard: DIN A4) ist idealerweise nicht nur einfaches Kopierpapier, sondern besseres. Die Blätter haben keine Flecken, Knicke, Eselsohren. Der Druck ist scharf und verwischt nicht (Laserdruck ist am besten).
      • Verwenden Sie keine ausgefallenen Schnörkelschriften, um sich abzuheben. Das wirkt affektiert. Was zählt, ist der Inhalt. Also lieber auf Schriftarten wie Helvetica, Verdana, Times oder Georgia zurückgreifen.
      • Die Schriftgröße sollte lesefreundlich sein. Orientieren Sie sich hierbei an der sogenannten 11-13-15-Regel: In 11-Punkt sollte der Fließtext stehen, also alle längeren Textpassagen im Anschreiben. Die 13-Punkt-Schrift sollte Datum, Adressen, Zwischenüberschriften (im Lebenslauf) vorbehalten bleiben. Gerne auch in Fettschrift. Die Schriftgröße von 15-Punkt wiederum verwenden Sie ausschließlich für Ihren Namen im Kopf jeder Seite. Er soll am meisten herausstechen. Und warum diese krummen Größen? Weil die meisten anderen Bewerber 12-14-16-Schriftgrößen verwenden – 12-Punkt ist die Standardeinstellung bei Word.
      • Einzüge, Linien und Abstände sollten auf sämtlichen Seiten einheitlich sein. Die Bewerbung bekommt sonst einen Patchwork-Charakter. Ein eineinhalbzeiliger Zeilenabstand hat sich bewährt – wirkt luftig.
      • Hauptsachen in Hauptsätze lautet eine alte Journalistenregel. Vermeiden Sie deshalb Schachtelsätze und zu viele Relativsätze. Kurze Hauptsätze wirken stärker. Ebenso Verben statt Adjektive. Und vermeiden Sie verquaste Hauptwörter, die auf -ung, -heit oder -keit enden. Die lassen sich immer durch entsprechende Verben ersetzen.
      • Schreiben Sie jede Bewerbung individuell und nie aus Ratgebern einfach ab. Die lesen auch Personaler – und erkennen darin geistige Faulheit. Das Anschreiben ist Ihre erste Arbeitsprobe. So sollte es auch aussehen.

      Wer es klassisch mag, kann sich bei der formalen Gestaltung des Anschreibens auch nach der sogenannten DIN 5008 für Geschäftsbriefe richten. Bewerbungsschreiben gelten als Geschäftsbriefe.

      Bewerbung schreiben: Der Lebenslauf

      Ein professioneller Lebenslauf ist wirklich keine Raketenwissenschaft. Mit der folgenden Anleitung lässt sich der Lebenslauf ganz einfach aufbauen und schreiben.

      Der (tabellarische) Lebenslauf besteht grob aus diesen 5 Blöcken:

      • Persönliche Angaben (Vorname Nachname, Geburtstag und Geburtsort, vollständige Anschrift, Telefonnummer, E-Mail-Adresse, (Bewerbungsfoto))
      • Beruflicher Werdegang (Beruf, Jobs, Erfahrungen, Positionen, Ausbildung, Praktika)
      • Besondere Kenntnisse (Weiterbildungen, Zertifikate, Fremdsprachen, EDV, PC-Kenntnisse, Führerschein, Auszeichnungen, etc.)
      • Interessen (Hobbys, Ehrenämter, Projekte)
      • Datum, Unterschrift

      Das Ergebnis könnte dann zum Beispiel so aussehen:

      Lebenslauf Aufbau Beispiel Grafik

      In jeder Bewerbung wird zwar ein lückenloser Lebenslauf erwartet. Das heißt aber nicht, dass Sie wirklich alles aufführen müssen, was Ihnen im Leben schon alles passiert ist. „Lückenlos“ meint, dass alle beruflichen Stationen möglichst nahtlos und ohne Unterbrechung aneinander anschließen (erst nach drei Monaten spricht man von einer „Lücke“). Für besondere Kenntnisse, Ehrenämter oder Praktika gilt das aber nicht.

      Diese Informationen gehören nur in den Lebenslauf, wenn diese für die ausgeschriebene Stelle relevant sind.

      Relevanz ist überhaupt das Geheimnis jedes professionellen Lebenslaufs: Der Lebenslauf soll dem Leser (Personaler) einen schnellen Überblick geben, ob Sie für die Position qualifiziert sind und welche besonderen Kenntnisse oder Erfahrungen Sie noch mitbringen. Aber eben nur jene, die dazu dienen können, den Job noch besser machen zu können.

      Ihre ehrenamtliche Tätigkeit im Fußballverein gehört also nur dann in den Lebenslauf, wenn Sie sich auf eine Stelle bewerben, in der Sie mit Sport zu tun haben. Oder wenn Sie dort Kassenwart waren und sich auf einen Job in der Finanzbranche bewerben.

      Dasselbe gilt für Hobbys oder Zusatzqualifikationen: Diese bitte nur erwähnen, wenn sie für den Job von Bedeutung sind.

      Es ist also sinnvoll, auch beim Lebenslauf, nochmal seine Notizen zu Rate zu ziehen und zu überprüfen, ob Sie damit alle Anforderungen aus dem Stellenprofil erfüllen. Gerade wer über umfangreiche Berufserfahrungen verfügt oder im Laufe seines Lebens vielen verschiedenen Tätigkeiten nachgegangen ist, kann so vielleicht Stationen erinnern, die für den Lebenslauf von besonderer Bedeutung sind.


      Legen Sie zuerst einen Master-Lebenslauf an

      Legen Sie zuerst einen Master-Lebenslauf anWenn Sie Ihre erste Bewerbung schreiben, empfehlen wir, zunächst einen sogenannten Master-Lebenslauf anzulegen. In diesen schreiben Sie wirklich ALLES hinein, was Sie jemals beruflich, ehrenamtlich oder auch in Ihrer Freizeit getan und erreicht haben und was beruflich irgendwo und irgendwann von Nutzen sein könnte: Jeder Fußballverein, jeder Sprachkurs wird dort aufgeführt…

      Das sprengt natürlich jeden Rahmen, ist an dieser Stelle aber egal. Je nach Stellenprofil dient dieser Master-Lebenslauf Ihnen als Vorlage. Ihre Ausbildung, Ihre persönlichen Daten werden sich nicht mehr ändern. Gleichzeitig können Sie aber – je nach Bewerbung – einzelne Bestandteile streichen, falls diese zur anvisierten Stelle nicht passen oder eben irrelevant sind.

      Ein solcher Master-Lebenslauf sorgt dafür, dass Sie nichts vergessen und sich künftig viel Arbeit sparen. Denn streichen und löschen geht leichter, als jedes Mal neu formulieren und neu schreiben.

      Professioneller Lebenslauf Checkliste Tipps Gestaltung Grafik

      Ein weiterer Trick für den Lebenslauf ist übrigens, die angestrebte Position zu nennen. Dieser kleine Lebenslauf-Trick hat schon vielen Bewerbern geholfen, aus der Masse hervorzustechen (siehe Video-Tipp):

      Sie betonen so subtil Ihre Entschlossenheit und Ihr Engagement und dokumentieren zugleich, dass dieser Lebenslauf nur für diesen Arbeitgeber und nur für diese Stelle geschrieben wurde. Also keine Massenware!


      Lesen Sie Ihre Bewerbung immer Korrektur

      Lesen Sie Ihre Bewerbung immer KorrekturFür einen ersten Eindruck gibt es nur eine Chance. Wer bei seiner Bewerbung schlampig arbeitet, kann diesen Eindruck oft nicht mehr korrigieren. Tipp- oder Flüchtigkeitsfehler können zwar jedem passieren. Sollten sie aber nicht. Deshalb, daher und darum: Bevor Sie irgendwas verschicken, lesen Sie Ihre Bewerbung immer Korrektur. Noch besser: Arbeiten Sie nach dem Vier-Augen-Prinzip und lassen Sie Ihre Unterlagen von einem anderen korrekturlesen.

      Die Bewerbung sollte nicht nur auf Rechtschreibfehler, auf korrekte Namen und Anschriften überprüft werden, sondern auch auf inhaltliche oder formale Ungereimtheiten.

      Gehen Sie die Unterlagen Punkt für Punkt durch. Das können Tätigkeitsbeschreibungen im Anschreiben sein, deren Erwähnung im Lebenslauf fehlt. Oder Sie haben mit zu vielen verschiedenen Schriftarten gearbeitet. Die Bewerbung sollte formal wie aus einem Guss wirken und fehlerfrei sein.

      Für jeden Korrekturgang – ganz gleich, ob SIE Ihre Bewerbung lesen oder eine andere Person – empfiehlt es sich, die Bewerbung auszudrucken. Fehler werden am Bildschirm leichter übersehen.

      Nach der endgültigen Korrektur sollten Sie die Bewerbung final abspeichern und mit einem eindeutigen Dateinamen benennen, beispielsweise „Jonas-Mustermann-Bewerbung.pdf“. Für eine postalische Bewerbung haben Sie nun die richtige Version zum Ausdruck parat.

      Bewerbung verschicken: So werden klassische Unterlagen versandt

      Wer seine Bewerbung per Post zuschickt, sollte genügend Zeit für den Postweg einplanen, um die Bewerbungsfrist einzuhalten. Ebenfalls ist es notwendig, den Versandumschlag ausreichend zu frankieren. Im Regelfall reichen innerhalb Deutschlands für die Zusendung zwei Werktage.

      Deutlich bequemer ist die Bewerbung per E-Mail, da Sie Kosten spart und einen deutlich geringeren Zeitaufwand hat. In das Textfeld der Mail können Sie einen höflichen, kurzen Text mit Hinweis auf Ihre Bewerbung im Anhang schreiben. Zum Beispiel so:

      Sehr geehrte Frau __________________,

      ich bedanke mich für das freundliche und informative Gespräch heute Morgen. Wie besprochen, lasse ich Ihnen hiermit meine Bewerbung auf die Stelle als _______________ zukommen. Meine vollständigen Bewerbungsunterlagen finden Sie als PDF-Datei im Anhang.

      Mit freundlichen Grüßen

      Alternativ können Sie auch das Anschreiben selbst zur E-Mail machen.

      Sollten Sie wiederum eine Online-Bewerbung verfassen, fällt in der Regel ein vergleichbarer Text weg. Hierbei müssen Sie lediglich die jeweiligen Pflichtfelder ausfüllen und entsprechende Dokumente an vorgesehener Stelle hochladen.

      Bewerbungsumschlag beschriften und versenden

      Bewerbungsumschlag beschriften und versendenKlassisch werden Bewerbungsunterlagen NICHT gefaltet, sondern kommen in einen sogenannten C4 Umschlag mit Sichtfenster (ohne Sichtfenster geht auch). Praktisch: Weil das Anschreiben immer auf der Bewerbungsmappe obenauf liegt, sitzt dort die Zieladresse bereits an der richtigen Stelle (jedenfalls wenn Sie Ihr Anschreiben nach DIN 5008 für Geschäftsbriefe gestaltet haben). In dem Fall schieben Sie die Bewerbungsunterlagen nur noch in den C4 Umschlag und die Firmenanschrift erscheint im Sichtfenster.

      Bewerbung Umschlag C4 Beschriften Anleitung 01 Grafik

      Wer mag, kann auf den C4 Umschlag auch nochmal groß das Wort „Bewerbung“ drucken. So mancher Zusteller behandelt die Unterlagen dann vielleicht etwas vorsichtiger. Und auch die Poststelle des Empfängers weiß den Brief sofort besser zuzuordnen.

      Damit dort auch Ihre Absender-Adresse zu lesen ist (falls die Unterlagen aus irgendeinem Grund nicht zustellbar sein sollten), empfiehlt es sich, diese in kleinerer und grauer Schrift über die Firmenanschrift beziehungsweise Empfänger-Adresse zu positionieren. Das sieht zudem professionell aus.

      Bewerbung Umschlag C4 Beschriften Anleitung 02 Grafik

      Falls ein Ansprechpartner genannt wurde oder Sie diesen kennen, sollten Sie diesen unbedingt in der Anschrift nennen und angeben.

      Vergessen Sie bitte nicht, den Umschlag ausreichend zu frankieren. Die Briefmarken kommen übrigens rechts oben auf den Umschlag. Das Porto für den Versand und C4 Umschlag können Sie bei der Post online ermitteln.

      PS: Bewerbungsunterlagen bitte nicht als Einschreiben versenden. Das wirkt immer etwas aufdringlich.

      [Bildnachweis: Dmitry A by Shutterstock.com]

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      Nach der Schule, nach Ausbildung oder Studium folgt der Eintritt ins Berufsleben. Und damit die erste professionelle Bewerbung. Vielen Berufseinsteigern fällt dies jedoch schwer: Wie schreibt man eine Bewerbung – eigentlich? Was gehört rein? Wie wird sie aufgebaut, formatiert, strukturiert? Und wie überzeugt man letztlich Personaler damit? Vor solchen Fragen stehen allerdings nicht nur Berufsanfänger. Auch wer schon lange Zeit in einem festen Job arbeitet, weiß womöglich gar nicht mehr wie so ein Bewerbungsprozess funktioniert und wie man eine aussagekräftige Bewerbung schreibt. Kein Problem! In der folgenden Anleitung zeigen wir Ihnen – Schritt für Schritt – wie man eine Bewerbung schreibt. So können Sie ganz systematisch und mühelos Ihre Bewerbungsunterlagen erstellen, ohne wichtige Details zu vergessen…

      Wie schreibt man eine Bewerbung: Suchen, sammeln, sortieren

      Der Bewerbungsprozess beginnt mit der Suche nach einer passenden Stelle. Diese können Sie zum Beispiel direkt in unserer eigenen Jobbörse Karrieresprung.de finden. Einfach Jobbezeichnung oder Wunscharbeitgeber sowie Wunschort oder Postleitzahl eingeben und nach passenden Stellenangeboten suchen – ganz unverbindlich und kostenlos…


      Falls Sie auf Anhieb nichts finden, aber schon ein Zielunternehmen im Auge haben, für das Sie gerne arbeiten würden, können Sie sich dort auch initiativ bewerben. Wie das geht erfahren Sie in unseren ausführlichen Ratgebern dazu:

      Gehen wir aber mal davon aus, dass Sie eine passende Stelleanzeige gefunden haben. In diesem Fall gilt es, das systematisch auszuwerten:

      • Was wird von einem Bewerber erwartet?
      • Welche Anforderungen und Qualifikationen müssen Sie mitbringen?
      • Welche Unterlagen müssen in die Bewerbung?
      • Gibt es einen Ansprechpartner (Vor- und Nachname?)?
      • Wohin soll die Bewerbung geschickt werden, wie und bis wann?

      All diese Informationen sollten Sie zunächst sammeln und sich herausschreiben. Sie brauchen Sie später noch.

      Vor allem bei den geforderten Qualifikationen sollten Sie besonders aufmerksam sein. Grundsätzlich wird hierbei zwischen sogenannten Muss- und Kann-Anforderungen unterschieden:

      • Muss-Anforderungen

        Das sind die unverzichtbaren Bestandteile einer Stellenausschreibung, die Sie in der Regel mit Zeugnissen oder Zertifikaten belegen. Erkennbar sind diese Muss-Qualifikationen beispielsweise an Formulierungen wie:

        • Voraussetzungen sind…
        • Erwarten wir…
        • Sie bringen mit…
        • …setzen wir voraus
        • …sollten Sie erfüllen
        • …sind erforderlich
      • Kann-Anforderungen

        Deutlich weicher formuliert sind die sogenannten Kann-Anforderungen. Diese sind aus Unternehmenssicht wünschenswert, jedoch nicht zwingende Voraussetzung für die Bewerbung. Heißt: Sie werden nicht gleich aussortiert, falls Sie diese nicht erfüllen. Erkennbar ist das an Formulierungen wie:

        • Idealerweise…
        • Wünschenswert sind zudem…
        • Gerne gesehen sind…
        • Ausbaufähige Kenntnisse in…
        • Hinreichende Erfahrungen in…
        • Wenn Sie außerdem mitbringen…
        • Zusätzlich freuen würden wir uns…
        • Hilfreich wäre zudem…

      Drucken Sie sich am besten die Stellenbeschreibung aus, dann können Sie sich Ihre Notizen direkt neben die jeweiligen Anforderungen schreiben. Zum Beispiel so:

      • Entwicklungsingenieur in der Fahrzeugtechnik gesucht –> Hochschulzeugnis über ein erfolgreich abgeschlossenes Studium im Bereich Maschinenbau, Fahrzeugtechnik, Mechatronik oder einer vergleichbaren Qualifikation
      • Mehrjährige Erfahrung im Projektmanagement –> Arbeitszeugnis, beispielsweise im Bereich Exterieur
      • Kenntnisse über bestimmte Tools –> Zertifikate von Fortbildungen über Tools wie M−gAMS, PQM, TAIS, CATIA
      • Soft Skills wie Team− und Kommunikationsfähigkeit, Durchsetzungsvermögen –> hier dienen von Ihnen geschilderte Situationen als Beleg, etwa im Praktikum oder in bisherigen Projekten.

      Unterschätzen Sie bitte nie den Vorteil von Notizen: So stellen Sie sicher, dass später alle relevanten Anforderungen aus der Anzeige im Anschreiben eingearbeitet wurden. Streichen Sie sich zudem die Bewerbungsfrist fett an, um die Unterlagen rechtzeitig zu verschicken.

      Bewerbungsunterlagen: So wird die Bewerbungsmappe aufgebaut

      Jede Bewerbung ist nicht nur eine Art übergroße Visitenkarte – sie ist zugleich Ihre erste Arbeitsprobe. Schon an den Bewerbungsunterlagen lesen Personaler ab, ob Sie zum Unternehmen passen, ob Sie sorgfältig und gewissenhaft arbeiten, auf Details achten und insgesamt einen guten Eindruck machen.

      Als Faustregel können Sie sich merken:

      • Je anspruchsvoller der Job und je höher dotiert die Stelle ist, desto hochwertiger sollte die Bewerbungsmappe sein.
      • Karton ist für die meisten Menschen angenehmer anzufassen als Kunststoff.

      Sogenannte vollständige Bewerbungsunterlagen – mit Ausnahme einer sogenannten Kurzbewerbung – bestehen aus folgenden Bestandteilen:

      • Bewerbungsschreiben (maximal 2 Seiten)
      • Deckblatt (optional, zur Übersicht)
      • Lebenslauf (maximal 3 Seiten)
      • Bewerbungsfoto (im Lebenslauf, aber nicht Pflicht)
      • Ausbildungszeugnisse (Kopien, nie Originale!)
      • Arbeitszeugnis(se) (ebenfalls nur Kopien)
      • Nachweise über Fortbildungen (nur falls für den Job relevant)
      • Kopie des Führerscheins (falls verlangt)
      • Kopie des Führungszeugnisses (falls verlangt)

      Für die Ausbildungsnachweise gilt: Wer mehr als fünf Jahre Berufserfahrung hat, braucht seiner Bewerbung keine Schulzeugnisse mehr beifügen. Hier ist allenfalls noch das Hochschulzeugnis oder der Ausbildungsabschluss per Kopie nachzuweisen.

      Korrekt aufgebaute und sortierte vollständige Bewerbungsunterlagen sehen dann zum Beispiel so aus:

      Vollständige Bewerbungsunterlagen Muster

      Das Musterbeispiel für den Aufbau einer vollständigen Bewerbungsmappe können Sie sich übrigens als Merkhilfe oder Checkliste gerne auch HIER als PDF kostenlos herunterladen.

      Bewerbungsvorlagen: Über 80 Muster für Anschreiben & Lebenslauf

      Bewerbungsvorlagen: Über 80 Muster für Anschreiben & LebenslaufUm Ihnen das Schreiben Ihrer Bewerbung zu erleichtern, haben wir für Sie mehr als 80 kostenlose und professionelle Bewerbungsvorlagen erstellen lassen, die Sie sich jederzeit kostenlos als WORD-Datei oder PDF herunterladen und privat nutzen können.

      Wichtig bei all diesen Mustern ist, dass Sie diese jedes Mal individuell anpassen und etwas umgestalten. Es sähe sicher nicht gut aus, wenn eine(r) Ihrer Mitbewerber(innen) zufällig exakt dieselbe Vorlage verwendet.

      Beispielhaft finden Sie hier die ersten zwölf Vorlagen für Anschreiben beziehungsweise Lebenslauf:

      Vorlagen und Muster für das Bewerbungsschreiben

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      Bewerbungsschreiben Duale Ausbildung Vorlage Cover Bewerbungsschreiben Vorlage Werkstudent Cover Bewerbungsschreiben Vorlage Masterarbeit Cover
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      Bewerbungsschreiben Vorlage Kostenlos Key Account Manager Muster Cover Bewerbungsschreiben Vorlage Kostenlos Projektmanager Muster Cover Bewerbungsschreiben Krankenschwester Vorlage Kostenlos Muster Cover
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      Vorlagen und Muster für den tabellarischen Lebenslauf

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      Lebenslauf Vorlagen Word Kostenlos Tabellarisch 19 Cover Lebenslauf Vorlagen Word Kostenlos Tabellarisch 20 Cover Lebenslauf Vorlagen Word Kostenlos Tabellarisch 21 Cover
      PDF Vorschau PDF Vorschau PDF Vorschau
      Lebenslauf Vorlagen Word Kostenlos Tabellarisch 16 Cover Lebenslauf Vorlagen Word Kostenlos Tabellarisch 17 Cover Lebenslauf Vorlagen Word Kostenlos Tabellarisch 18 Cover
      PDF Vorschau PDF Vorschau PDF Vorschau


      Optional: Motivationsschreiben und Deckblatt

      Sowohl das Motivationsschreiben als auch das Deckblatt sind optionale Bestandteile einer Bewerbung. In einigen Fällen kann ein Motivationsschreiben (auch Dritte Seite genannt) gefordert sein, zum Beispiel wenn Sie sich auf einen Studienplatz oder um ein Stipendium bewerben.

      Mehr dazu finden Sie hier:

      Ähnlich sieht es mit dem Deckblatt aus. Diese bietet sich an, wenn Sie Platz im Lebenslauf benötigen und das Bewerbungsfoto beispielsweise herausnehmen. Das wird dann nebst persönlichen Daten und der Anschrift des Unternehmens auf einer gesonderten Seite untergebracht – dem Deckblatt.

      Wenn Sie sich für ein Deckblatt entscheiden, beachten Sie bitte, dass es in der Bewerbungsmappe Ihren Unterlagen vorangestellt wird. AUF der Bewerbungsmappe an erster Stelle liegt aber weiterhin lose das Anschreiben auf.

      Diese Reihenfolge gilt übrigens auch für virtuelle Bewerbungen.

      Mehr zum Deckblatt sowie viele kostenlose Muster finden Sie hier:

      Bewerbung schreiben: Das Anschreiben

      Auch wenn das Anschreiben bei Bewerbern nicht sonderlich beliebt ist: Seine Bedeutung ist nicht zu unterschätzen.

      Das Anschreiben ist eine enorme Chance, sich von der Masse abzusetzen. Oder seine Motivation zu begründen. Das gilt erst recht für Berufseinsteiger, deren Lebensläufe sich meist kaum unterscheiden.

      Die wichtigste Voraussetzung für ein professionelles Anschreiben ist, dass Sie die Stellenanzeige gründlich lesen, analysieren und verstehen. Bevor Sie loslegen, sollten Sie also nochmal Ihre Notizen durchgehen und die folgenden Fragen beantworten können:

      • Was ist die Zielsetzung der ausgeschriebenen Position?
      • Welche Aufgaben muss der zukünftige Mitarbeiter erfüllen?
      • Welche Voraussetzungen muss er/sie dafür zwingend mitbringen (Muss-Qualifikationen)?
      • Welche Qualifikationen kann er/sie dafür mitbringen (Kann-Qualifikationen)?
      • Auf was legt das Unternehmen besonderen Wert?

      Veruschen Sie jetzt beim Formulieren des Anschreibens nicht einfach nur den Lebenslauf zu wiederholen. Das wäre redundant. Versuchen Sie vielmehr hier in ausformulierten Sätzen Ihre Motivation, Leidenschaft und Ihr Interesse bei DIESEM Unternehmen arbeiten zu wollen herauszustreichen. Das Anschreiben schafft so einen Spagat zwischen klarer Bezugnahme auf die Stellenbeschreibung und Einblicken in Ihre Persönlichkeit.

      Anschreiben Beispiel: Tipps zu Form und Aufbau

      Typischerweise wird das Anschreiben nach diesem 9-stufigen Muster aufgebaut:

      Anschreiben Aufbau und Inhalt Beispiel

      Nehmen Sie im Anschreiben möglichst auch Bezug auf Ihren Wunscharbeitgeber. Jeder Arbeitgeber ist geschmeichelt, wenn der Bewerber signalisiert, dass er sich mit dem Unternehmen intensiv beschäftigt hat. Es gehört daher zu Ihren Hausaufgaben, sich über Ihren potenziellen Arbeitgeber zu informieren:

      • Wie groß ist das Unternehmen, welche Zahlen können Sie in Erfahrung bringen (zum Beispiel Umsatz, Gründungsjahr, Marktanteile)?
      • Welche Produkte oder Dienstleistungen bietet das Unternehmen an?
      • Welche Standorte existieren, sind womöglich Expansionen geplant?
      • Welche Werte vertritt das Unternehmen, wird auf der Unternehmenswebsite eine bestimmte Unternehmenskultur deutlich?

      Hierbei geht es nicht darum, sich anzubiedern, sondern abzugleichen, ob das Unternehmen und die ausgeschriebene Stelle zu Ihnen passt. Manch ein Bewerber möchte unbedingt in einem internationalen Großkonzern unterkommen. Andere wiederum fürchten womöglich die Anonymität und ziehen einen familiär geführten Betrieb vor.

      Formalia, Vorschriften, Normen für das Anschreiben

      Anschreiben: Formalia, Vorschriften, NormenSo ganz ohne ein paar Formalitäten geht es leider auch beim Anschreiben nicht. An die folgenden Grundregeln sollten sich Bewerber halten.

      Auch wenn das nach öder Bürokratie klingt: Betrachten Sie es aus der Perspektive des Personalers. Der muss oft mehrere Bewerbungsschreiben lesen, vergleichen, auswählen. Standards erhöhen die Übersichtlichkeit und helfen ihm, die wichtigsten Informationen schnell zu finden. Je einfacher und übersichtlicher Sie es ihm also machen, desto sympathischer ist ihm Ihre Bewerbung.

      Keine Frage, das alles erfordert etwas Aufwand – aber der lohnt sich. Wenn Sie mit derselben Sorgfalt und demselben Engagement Ihr Anschreiben formulieren wie Ihren Lebenslauf, wird sich die Resonanz auf Ihre Bewerbungen verbessern.

      Die Erfahrung zeigt: Man kann sich nicht zu viel Mühe mit der Bewerbung geben. Es geht schließlich um Ihre berufliche Zukunft und künftige Einkommen.

      Diese Grundregeln können Ihre Bewerbungschancen indirekt steigern:

      • Berufseinsteiger sollten nicht mehr als eine Seite schreiben. Ältere, erfahrene Bewerber dürfen auch ein zweiseitiges Anschreiben verfassen. Trotzdem sollte es kompakt bleiben.
      • Das Papier (Standard: DIN A4) ist idealerweise nicht nur einfaches Kopierpapier, sondern besseres. Die Blätter haben keine Flecken, Knicke, Eselsohren. Der Druck ist scharf und verwischt nicht (Laserdruck ist am besten).
      • Verwenden Sie keine ausgefallenen Schnörkelschriften, um sich abzuheben. Das wirkt affektiert. Was zählt, ist der Inhalt. Also lieber auf Schriftarten wie Helvetica, Verdana, Times oder Georgia zurückgreifen.
      • Die Schriftgröße sollte lesefreundlich sein. Orientieren Sie sich hierbei an der sogenannten 11-13-15-Regel: In 11-Punkt sollte der Fließtext stehen, also alle längeren Textpassagen im Anschreiben. Die 13-Punkt-Schrift sollte Datum, Adressen, Zwischenüberschriften (im Lebenslauf) vorbehalten bleiben. Gerne auch in Fettschrift. Die Schriftgröße von 15-Punkt wiederum verwenden Sie ausschließlich für Ihren Namen im Kopf jeder Seite. Er soll am meisten herausstechen. Und warum diese krummen Größen? Weil die meisten anderen Bewerber 12-14-16-Schriftgrößen verwenden – 12-Punkt ist die Standardeinstellung bei Word.
      • Einzüge, Linien und Abstände sollten auf sämtlichen Seiten einheitlich sein. Die Bewerbung bekommt sonst einen Patchwork-Charakter. Ein eineinhalbzeiliger Zeilenabstand hat sich bewährt – wirkt luftig.
      • Hauptsachen in Hauptsätze lautet eine alte Journalistenregel. Vermeiden Sie deshalb Schachtelsätze und zu viele Relativsätze. Kurze Hauptsätze wirken stärker. Ebenso Verben statt Adjektive. Und vermeiden Sie verquaste Hauptwörter, die auf -ung, -heit oder -keit enden. Die lassen sich immer durch entsprechende Verben ersetzen.
      • Schreiben Sie jede Bewerbung individuell und nie aus Ratgebern einfach ab. Die lesen auch Personaler – und erkennen darin geistige Faulheit. Das Anschreiben ist Ihre erste Arbeitsprobe. So sollte es auch aussehen.

      Wer es klassisch mag, kann sich bei der formalen Gestaltung des Anschreibens auch nach der sogenannten DIN 5008 für Geschäftsbriefe richten. Bewerbungsschreiben gelten als Geschäftsbriefe.

      Bewerbung schreiben: Der Lebenslauf

      Ein professioneller Lebenslauf ist wirklich keine Raketenwissenschaft. Mit der folgenden Anleitung lässt sich der Lebenslauf ganz einfach aufbauen und schreiben.

      Der (tabellarische) Lebenslauf besteht grob aus diesen 5 Blöcken:

      • Persönliche Angaben (Vorname Nachname, Geburtstag und Geburtsort, vollständige Anschrift, Telefonnummer, E-Mail-Adresse, (Bewerbungsfoto))
      • Beruflicher Werdegang (Beruf, Jobs, Erfahrungen, Positionen, Ausbildung, Praktika)
      • Besondere Kenntnisse (Weiterbildungen, Zertifikate, Fremdsprachen, EDV, PC-Kenntnisse, Führerschein, Auszeichnungen, etc.)
      • Interessen (Hobbys, Ehrenämter, Projekte)
      • Datum, Unterschrift

      Das Ergebnis könnte dann zum Beispiel so aussehen:

      Lebenslauf Aufbau Beispiel Grafik

      In jeder Bewerbung wird zwar ein lückenloser Lebenslauf erwartet. Das heißt aber nicht, dass Sie wirklich alles aufführen müssen, was Ihnen im Leben schon alles passiert ist. „Lückenlos“ meint, dass alle beruflichen Stationen möglichst nahtlos und ohne Unterbrechung aneinander anschließen (erst nach drei Monaten spricht man von einer „Lücke“). Für besondere Kenntnisse, Ehrenämter oder Praktika gilt das aber nicht.

      Diese Informationen gehören nur in den Lebenslauf, wenn diese für die ausgeschriebene Stelle relevant sind.

      Relevanz ist überhaupt das Geheimnis jedes professionellen Lebenslaufs: Der Lebenslauf soll dem Leser (Personaler) einen schnellen Überblick geben, ob Sie für die Position qualifiziert sind und welche besonderen Kenntnisse oder Erfahrungen Sie noch mitbringen. Aber eben nur jene, die dazu dienen können, den Job noch besser machen zu können.

      Ihre ehrenamtliche Tätigkeit im Fußballverein gehört also nur dann in den Lebenslauf, wenn Sie sich auf eine Stelle bewerben, in der Sie mit Sport zu tun haben. Oder wenn Sie dort Kassenwart waren und sich auf einen Job in der Finanzbranche bewerben.

      Dasselbe gilt für Hobbys oder Zusatzqualifikationen: Diese bitte nur erwähnen, wenn sie für den Job von Bedeutung sind.

      Es ist also sinnvoll, auch beim Lebenslauf, nochmal seine Notizen zu Rate zu ziehen und zu überprüfen, ob Sie damit alle Anforderungen aus dem Stellenprofil erfüllen. Gerade wer über umfangreiche Berufserfahrungen verfügt oder im Laufe seines Lebens vielen verschiedenen Tätigkeiten nachgegangen ist, kann so vielleicht Stationen erinnern, die für den Lebenslauf von besonderer Bedeutung sind.


      Legen Sie zuerst einen Master-Lebenslauf an

      Legen Sie zuerst einen Master-Lebenslauf anWenn Sie Ihre erste Bewerbung schreiben, empfehlen wir, zunächst einen sogenannten Master-Lebenslauf anzulegen. In diesen schreiben Sie wirklich ALLES hinein, was Sie jemals beruflich, ehrenamtlich oder auch in Ihrer Freizeit getan und erreicht haben und was beruflich irgendwo und irgendwann von Nutzen sein könnte: Jeder Fußballverein, jeder Sprachkurs wird dort aufgeführt…

      Das sprengt natürlich jeden Rahmen, ist an dieser Stelle aber egal. Je nach Stellenprofil dient dieser Master-Lebenslauf Ihnen als Vorlage. Ihre Ausbildung, Ihre persönlichen Daten werden sich nicht mehr ändern. Gleichzeitig können Sie aber – je nach Bewerbung – einzelne Bestandteile streichen, falls diese zur anvisierten Stelle nicht passen oder eben irrelevant sind.

      Ein solcher Master-Lebenslauf sorgt dafür, dass Sie nichts vergessen und sich künftig viel Arbeit sparen. Denn streichen und löschen geht leichter, als jedes Mal neu formulieren und neu schreiben.

      Professioneller Lebenslauf Checkliste Tipps Gestaltung Grafik

      Ein weiterer Trick für den Lebenslauf ist übrigens, die angestrebte Position zu nennen. Dieser kleine Lebenslauf-Trick hat schon vielen Bewerbern geholfen, aus der Masse hervorzustechen (siehe Video-Tipp):

      Sie betonen so subtil Ihre Entschlossenheit und Ihr Engagement und dokumentieren zugleich, dass dieser Lebenslauf nur für diesen Arbeitgeber und nur für diese Stelle geschrieben wurde. Also keine Massenware!


      Lesen Sie Ihre Bewerbung immer Korrektur

      Lesen Sie Ihre Bewerbung immer KorrekturFür einen ersten Eindruck gibt es nur eine Chance. Wer bei seiner Bewerbung schlampig arbeitet, kann diesen Eindruck oft nicht mehr korrigieren. Tipp- oder Flüchtigkeitsfehler können zwar jedem passieren. Sollten sie aber nicht. Deshalb, daher und darum: Bevor Sie irgendwas verschicken, lesen Sie Ihre Bewerbung immer Korrektur. Noch besser: Arbeiten Sie nach dem Vier-Augen-Prinzip und lassen Sie Ihre Unterlagen von einem anderen korrekturlesen.

      Die Bewerbung sollte nicht nur auf Rechtschreibfehler, auf korrekte Namen und Anschriften überprüft werden, sondern auch auf inhaltliche oder formale Ungereimtheiten.

      Gehen Sie die Unterlagen Punkt für Punkt durch. Das können Tätigkeitsbeschreibungen im Anschreiben sein, deren Erwähnung im Lebenslauf fehlt. Oder Sie haben mit zu vielen verschiedenen Schriftarten gearbeitet. Die Bewerbung sollte formal wie aus einem Guss wirken und fehlerfrei sein.

      Für jeden Korrekturgang – ganz gleich, ob SIE Ihre Bewerbung lesen oder eine andere Person – empfiehlt es sich, die Bewerbung auszudrucken. Fehler werden am Bildschirm leichter übersehen.

      Nach der endgültigen Korrektur sollten Sie die Bewerbung final abspeichern und mit einem eindeutigen Dateinamen benennen, beispielsweise „Jonas-Mustermann-Bewerbung.pdf“. Für eine postalische Bewerbung haben Sie nun die richtige Version zum Ausdruck parat.

      Bewerbung verschicken: So werden klassische Unterlagen versandt

      Wer seine Bewerbung per Post zuschickt, sollte genügend Zeit für den Postweg einplanen, um die Bewerbungsfrist einzuhalten. Ebenfalls ist es notwendig, den Versandumschlag ausreichend zu frankieren. Im Regelfall reichen innerhalb Deutschlands für die Zusendung zwei Werktage.

      Deutlich bequemer ist die Bewerbung per E-Mail, da Sie Kosten spart und einen deutlich geringeren Zeitaufwand hat. In das Textfeld der Mail können Sie einen höflichen, kurzen Text mit Hinweis auf Ihre Bewerbung im Anhang schreiben. Zum Beispiel so:

      Sehr geehrte Frau __________________,

      ich bedanke mich für das freundliche und informative Gespräch heute Morgen. Wie besprochen, lasse ich Ihnen hiermit meine Bewerbung auf die Stelle als _______________ zukommen. Meine vollständigen Bewerbungsunterlagen finden Sie als PDF-Datei im Anhang.

      Mit freundlichen Grüßen

      Alternativ können Sie auch das Anschreiben selbst zur E-Mail machen.

      Sollten Sie wiederum eine Online-Bewerbung verfassen, fällt in der Regel ein vergleichbarer Text weg. Hierbei müssen Sie lediglich die jeweiligen Pflichtfelder ausfüllen und entsprechende Dokumente an vorgesehener Stelle hochladen.

      Bewerbungsumschlag beschriften und versenden

      Bewerbungsumschlag beschriften und versendenKlassisch werden Bewerbungsunterlagen NICHT gefaltet, sondern kommen in einen sogenannten C4 Umschlag mit Sichtfenster (ohne Sichtfenster geht auch). Praktisch: Weil das Anschreiben immer auf der Bewerbungsmappe obenauf liegt, sitzt dort die Zieladresse bereits an der richtigen Stelle (jedenfalls wenn Sie Ihr Anschreiben nach DIN 5008 für Geschäftsbriefe gestaltet haben). In dem Fall schieben Sie die Bewerbungsunterlagen nur noch in den C4 Umschlag und die Firmenanschrift erscheint im Sichtfenster.

      Bewerbung Umschlag C4 Beschriften Anleitung 01 Grafik

      Wer mag, kann auf den C4 Umschlag auch nochmal groß das Wort „Bewerbung“ drucken. So mancher Zusteller behandelt die Unterlagen dann vielleicht etwas vorsichtiger. Und auch die Poststelle des Empfängers weiß den Brief sofort besser zuzuordnen.

      Damit dort auch Ihre Absender-Adresse zu lesen ist (falls die Unterlagen aus irgendeinem Grund nicht zustellbar sein sollten), empfiehlt es sich, diese in kleinerer und grauer Schrift über die Firmenanschrift beziehungsweise Empfänger-Adresse zu positionieren. Das sieht zudem professionell aus.

      Bewerbung Umschlag C4 Beschriften Anleitung 02 Grafik

      Falls ein Ansprechpartner genannt wurde oder Sie diesen kennen, sollten Sie diesen unbedingt in der Anschrift nennen und angeben.

      Vergessen Sie bitte nicht, den Umschlag ausreichend zu frankieren. Die Briefmarken kommen übrigens rechts oben auf den Umschlag. Das Porto für den Versand und C4 Umschlag können Sie bei der Post online ermitteln.

      PS: Bewerbungsunterlagen bitte nicht als Einschreiben versenden. Das wirkt immer etwas aufdringlich.

      [Bildnachweis: Dmitry A by Shutterstock.com]

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      Sonderurlaub: Anspruch bei Hochzeit, Todesfall & Umzug https://karrierebibel.de/sonderurlaub/ Thu, 11 Jul 2019 07:00:25 +0000 Jochen Mai http://karrierebibel.de/?p=59429 Neben dem gesetzlich garantierten Erholungsurlaub haben Arbeitnehmer die Möglichkeit, Sonderurlaub von ihrem Arbeitgeber zu erhalten. Je nach Grund kann dieser sowohl bezahlt als auch unbezahlt gewährt werden. Genau diese Gründe sind es, die immer wieder zu Unsicherheit und Verwirrung führen: In welchen Fällen kann Sonderurlaub beantragt werden und wie lange können Sie sich von der Arbeit freistellen lassen? Wir zeigen, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um Sonderurlaub zu rechtfertigen, welche Gründe anerkannt werden und worauf Sie achten sollten, wenn Sie einmal in die Situation kommen…

      Sonderurlaub oder Freistellung?

      Sonderurlaub gesetzlich Sonderurlaub Todesfall Sonderurlaub HochzeitJedem Arbeitgeber steht abhängig von der Art des Beschäftigungsverhältnisses und der Branche eine bestimmte Anzahl an Tagen als Erholungsurlaub zu.

      Beschäftigte im öffentlichen Dienst haben wie die meisten Arbeitnehmer mit tariflich geregelten Arbeitsverträgen 30 Tage Urlaubsanspruch, allgemein gilt ein gesetzlicher Urlaubsanspruch von 24 Tagen bei einer 6-Tage-Woche und 20 Tagen bei einer 5-Tage-Woche.

      Es gibt Ausnahmesituationen wie beispielsweise die eines Todesfalles, da ist keinerlei Erholung abzusehen und an Arbeit ist schon gar nicht zu denken. Der Mitarbeiter ist emotional viel zu involviert und/oder es kommen Unmengen organisatorischer Arbeit im Privaten auf ihn zu, so dass seine Erwerbsarbeit darunter leiden würde.

      Der Gesetzgeber gesteht dem Arbeitnehmer zu, dass er in solchen Fällen seiner Arbeit nicht normal nachgehen und unter bestimmten Voraussetzungen der Arbeit fernbleiben kann. Es handelt sich mit dem Sonderurlaub um eine Ausnahme von der sonstigen Regel, für das regelmäßige Gehalt einer vereinbarten Leistung nachzugehen.

      Der Begriff Sonderurlaub wird hier nicht ganz trennscharf verwendet. Strenggenommen ist damit zunächst die unbezahlte Freistellung von der Arbeitspflicht zu verstehen.

      Im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich diese Bezeichnung jedoch für sämtliche Freistellungen durchgesetzt, die außerordentlich sind und sich als Sonderfall nicht tagtäglich ereignen. Darunter auch viele Fälle, in denen nach § 616 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) Anspruch auf Lohnfortzahlung besteht. Ferner existieren mehrere gesetzliche Vorschriften, die eine unbezahlte Freistellung von der Arbeit ermöglichen.

      Übrigens: Haben die Parteien unbezahlten Sonderurlaub vereinbart, darf der Arbeitgeber später nicht einfach den gesetzlichen Urlaubsanspruch kürzen. Der entsteht nämlich unabhängig davon, ob der Beschäftigte gearbeitet hat oder nicht (BAG, Urteil vom 06.05.2014, Aktenzeichen: 9 AZR 678/12).

      Sonderurlaub Anspruch Gruende Arbeitsrecht Grafik

      Sonderurlaub: Der rechtliche Anspruch

      Bei Sonderurlaub handelt es sich nicht um eine Gefälligkeit oder großzügige Geste des Arbeitgebers. Arbeitnehmer haben laut § 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches einen rechtlichen Anspruch auf die vorübergehende bezahlte Freistellung von seiner Tätigkeit.

      Genauer heißt es dort, dass ein Arbeitnehmer seinen Anspruch auf Vergütung nicht verliert, wenn er…

      für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit durch einen in seiner Person liegenden Grund ohne sein Verschulden an der Dienstleistung verhindert wird

      Die Formulierung zeigt aber auch, dass der Anspruch auf Sonderurlaub an drei Bedingungen gekoppelt ist, die in der Situation erfüllt sein müssen.

      • Die Dauer der Verhinderung ist nicht erheblich.
      • Der Grund liegt in der Person des Arbeitnehmers.
      • Die Situation wurde nicht selbst verschuldet.

      Nicht erheblich heißt hier, dass maximal fünf Tage in Anspruch genommen werden können, je nach Fall auch nur wenige Stunden.

      Bezahlter Sonderurlaub kommt beispielsweise nicht in Betracht, wenn äußere Umstände dazu führen, dass ein Arbeitnehmer seiner Tätigkeit nicht nachgehen kann. So stellt etwa eine Naturkatastrophe oder ein Stau keine vorübergehende Verhinderung dar.

      Anders kann es aussehen, wenn ein Arbeitnehmer durch eine Naturkatastrophe direkt betroffen ist, dann steht ihm in manchen Fällen ebenfalls Sonderurlaub zu (BAG, Urteil vom 24.03.1982, Aktenzeichen: 5 AZR 1209/79). Hinzu kommt, dass es Aufgabe des Arbeitnehmers ist zu versuchen, den Arbeitsausfall zu vermeiden.

      Wer dringende Erledigungen hat, darf sich nicht einfach selbst beurlauben, den Sonderurlaub muss der Arbeitgeber zuvor ausdrücklich gewähren. Dem Arbeitnehmer kommt hier die Nachweispflicht zu. Wer beispielsweise für seine Hochzeit Sonderurlaub beantragt, muss durch ein Schreiben des Standesamtes nachweisen können, dass dieser Antrag auf Sonderurlaub berechtigt ist.

      TVÖD: Sonderurlaub in Tarifverträgen

      Sonderurlaub TVÖD Todesfall GeburtEine Pflicht zu Sonderurlaub kann sich aus einem Tarifvertrag, einer Betriebsvereinbarung oder einer vertraglichen Vereinbarung zwischen einem Angestellten und seinem Chef ergeben.

      Der Arbeitgeber kann arbeits- oder tarifvertraglich die Lohnfortzahlung beim Sonderurlaub ausschließen. Ebenso ist es ihm möglich, den Umfang auf Freistellung in bestimmten Fällen zu reduzieren. Teilweise abweichende Bestimmungen ergeben sich für den öffentlichen Dienst.

      Welche Gründe können geltend gemacht werden?

      Die Bedingungen, an die der Anspruch auf Sonderurlaub gekoppelt ist, sind wenig konkret gehalten. Für das Verständnis ist es einfacher, anhand klarer Beispiele zu sehen, welche Gründe für einen Sonderurlaub in Betracht kommen.

      Welche Gründe auf Ihr persönliches Arbeitsverhältnis anwendbar sind, kann sich durch Arbeitsverträge, Betriebsvereinbarungen oder Tarifverträge ändern. Dennoch gibt es eine Reihe von Anlässen, die allgemein als Grund für Sonderurlaub akzeptiert werden.

      Zu finden ist diese in § 29 des Tarifvertrages für den öffentlichen Dienst. Für Arbeitnehmer, die nicht unter den TVÖD fallen, kann § 616 BGB gelten. Folgende Anlässe können zu einer bezahlten Freistellung von der Arbeit führen:

      • Eheschließung und Lebenspartnerschaft

        Bei der eigenen Hochzeit kann man sich nun wirklich nicht vertreten lassen. Dennoch besteht nach § 29 TVÖD kein Anspruch auf Sonderurlaub für Beschäftigte des öffentlichen Dienstes, da die Eheschließung nicht ausdrücklich erwähnt wird. Allerdings gehen Arbeitsgerichte davon aus, dass Absatz drei dahingehend interpretiert werden kann: „In sonstigen dringenden Fällen“ ist Arbeitsbefreiung für drei Tage möglich. Für Arbeitnehmer, die keine spezielle Regelung in ihrem Arbeits- oder Tarifvertrag haben, gilt nach § 616 BGB ein Tag Sonderurlaub. Die gleichen Regelungen bestehen auch für die eingetragene Lebenspartnerschaft.

      • Geburt eines Kindes

        Die Niederkunft der Ehefrau oder der Lebenspartnerin im Sinne des Lebenspartnerschaftsgesetzes: ein Arbeitstag Sonderurlaub. Für Frauen gilt in diesem Fall das Mutterschutzgesetz. Sollte im Tarifvertrag aber ausdrücklich Sonderurlaub nur für Verheiratete gelten, kann es sein, dass der Vater bei der Geburt seines nichtehelichen Kindes leer ausgeht (BAG, Urteil vom 18.01.2001, Aktenzeichen: 6 AZR 492/99, zu § 52 BAT-TgRV-O). Ebenso kann der Sonderurlaub verwehrt werden, wenn sich die Geburt an einem freien Tag ereignet, etwa einem Sonntag.

      • Tod eines nahen Familienangehörigen

        Als nahe Familienangehörige zählen beispielsweise der Ehepartner und Verwandte ersten Grades, also Eltern und eigene Kinder, sowie Stief- und Adoptivkinder. Der Umfang der freien Arbeitstage kann bis zu drei Tage Sonderurlaub betragen. Abhängig ist das davon, in welcher Beziehung der Verstorbene zum Beschäftigten stand und ob der Verstorbene im gleichen Haushalt lebte.

        Beispiel: Stirbt der Schwiegervater, wird nur ein Tag Sonderurlaub gewährt werden, hingegen beim Ehepartner hätte der Arbeitnehmer Anspruch auf drei Tage Sonderurlaub. Auch beim Tod der eigenen Großeltern muss kein Sonderurlaub gewährt werden. Für den öffentlichen Dienst gibt es nach § 29 TVöD generell zwei Tage Arbeitsbefreiung bei Todesfällen innerhalb des engsten Familienkreises.

      • Umzug aus dienstlichem oder betrieblichem Grund

        Für Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst: ein Arbeitstag. Inwieweit Beschäftigte aus der Privatwirtschaft Sonderurlaub für einen Umzug geltend machen können, hängt vor allem von der Entfernung zum neuen Wohnort ab. Je höher der zu bewerkstelligende Aufwand, desto größer die Wahrscheinlichkeit.

      • 25- und 40-jähriges Arbeitsjubiläum

        Für Arbeitnehmer im Allgemeinen gibt es nach § 616 BGB keinen bezahlten Sonderurlaub, es sei denn, er ist im Arbeits- oder Tarifvertrag festgelegt. Anders für den öffentlichen Dienst. Das eigene Arbeitsjubiläum will entsprechend aufwendig gefeiert werden: ein Arbeitstag. Auch eine ähnliche Feierlichkeit wie Ihre Silberhochzeit oder die Goldene Hochzeit der eigenen Eltern kann Ihnen Sonderurlaub einbringen (Aktenzeichen: 5 AZR 156/73).

      • Erkrankung eines Angehörigen

        Sollte ein Angehöriger, der im gleichen Haushalt wohnt, schwer erkrankt sein und Ihrer Pflege bedürfen gibt es einen Arbeitstag Sonderurlaub. Bei kurzzeitiger Arbeitsverhinderung haben Sie Anspruch auf bis zu zehn Tage Sonderurlaub – eine Lohnfortzahlung ist allerdings nicht zwingend. Unbezahlte Freistellung ist bis zu sechs Monate möglich.

      • Erkrankung des Kindes

        Für Privatversicherte, deren Kind das 12. Lebensjahr noch nicht vollendet hat: vier Arbeitstage. Dies gilt jedoch nur, wenn kein Anspruch auf Freistellung und Krankengeld gemäß § 45 Fünftes Sozialgesetzbuch vorliegt. Gesetzlich Versicherte hingegen bekommen keinen Sonderurlaub, sondern eine unbezahlte Freistellung gegen Vorlage eines Attestes (eine genauere Erklärung finden Sie unten im Kasten).

      • Ärztliche Behandlungen

        In der Regel wird dem Arbeitnehmer für Arztbesuche kein Sonderurlaub gewährt werden, wenn diese im Rahmen flexibler Arbeitszeiten erledigt werden können. Dazu können auch Operationen zählen. Anders sieht es aus, wenn diese nicht auf einen Termin außerhalb der Arbeitszeit gelegt werden können, dann können Sie für die Dauer der Behandlung eine bezahlte Freistellung bekommen (Aktenzeichen: 5 Sa 340/09).

      Was Sie sonst noch zu Sonderurlaub wissen sollten

      Sonderurlaub Geburt Sonderurlaub UmzugDie exakte Dauer des Sonderurlaubs ist im Gesetz wie gesagt nicht festgelegt. Abhängig ist dies von der Kulanz Ihres Arbeitgebers, aber natürlich auch von der Dauer Ihres Arbeitsverhältnisses:

      Je länger Sie im Betrieb beschäftigt sind, desto größer die Wahrscheinlichkeit, Sonderurlaub zu bekommen. Es gibt einige weitere Sonderfälle, die wir hier erläutern wollen:

      • Freistellung zur Stellensuche

        Ist das Arbeitsverhältnis gekündigt worden, kann ein Beschäftigter nach § 629 BGB bezahlte Freistellung verlangen, um bei der Arbeitsagentur vorstellig zu werden, Bewerbungen zu schreiben oder Vorstellungsgespräche wahrzunehmen. Gleiches gilt, wenn ein befristeter Arbeitsvertrag ausläuft – sofern die Beschäftigung nicht nur kurzfristig angedauert hat. Gemäß § 616 BGB wird dieser Sonderurlaub nur vergütet, wenn es sich um kurze Arbeitsausfälle handelt.

      • Freistellung aus religiösen Gründen

        Arbeitnehmer haben Anspruch auf Sonderurlaub, um beispielsweise an religiösen Feierlichkeiten wie der Konfirmation oder Kommunion teilnehmen zu können. Ebenso können religiöse Arbeitnehmer den Arbeitsplatz kurz verlassen, um zu beten. Bedingung ist hier wie in allen übrigen Fällen, dass der Arbeitnehmer zuvor mit dem Arbeitgeber dies vereinbart hat und das Gebet nicht außerhalb der Arbeitszeiten möglich ist.

      • Freistellung zur Kinderbetreuung

        Sollte ein Kind erkranken und es besteht nicht die Möglichkeit, dass es von einer anderen Person betreut wird, können sich Angestellte unbezahlt von der Arbeit freistellen lassen. Nach § 45 des Fünften Sozialgesetzbuches haben Sie dann jedoch Anspruch auf Krankengeld, das 90 Prozent des ausgefallenen Nettoverdienstes beträgt.

        Die Anzahl der maximalen Tage des Krankengeldes hängt davon ab, ob ein oder mehrere Kinder im Haushalt leben und ob der Arbeitnehmer alleinerziehend ist. Bei einem Kind gibt es 10 Tage Krankengeld, bei mehr Kindern werden 25 Tage gewährt. Für alleinerziehende Eltern werden die Tage jeweils verdoppelt, also 20 Tage für ein Kind und 50 Tage bei mehreren Kindern.

      • Freistellung für Gerichtstermine

        Bezahlte Freistellung kann ein Beschäftigter ferner verlangen, wenn er in eigener Sache vor Gericht muss und sein persönliches Erscheinen angeordnet wurde (LAG Hamm, Urteil v. 02.12.2009, Az.: 5 Sa 710/09). Gleiches gilt, wenn er als Zeuge aussagen soll (BAG, Urteil v. 13.12.2001, Aktenzeichen: 6 AZR 30/01). Allerdings entfällt ein Anspruch auf Lohn, wenn er eine Zeugenentschädigung erhält.

      • Erfüllung staatsbürgerlicher Pflichten

        Bestimmte Ehrenämter erlauben ebenfalls Sonderurlaub mit Lohnfortzahlung. Dazu gehören beispielsweise Tätigkeiten als ehrenamtlicher Richter, Schöffe, im Katastrophenschutz oder bei der freiwilligen Feuerwehr. Nicht zu den staatsbürgerlichen Pflichten hingegen gehören Tätigkeiten als Ratsherr oder Mitglied eines Kreistages, daher wird hier kein Sonderurlaub gewährt werden. Im Übrigen muss der Arbeitnehmer auch hier bei den oben genannten Ehrenämtern prüfen, ob nach Möglichkeit Zeiten außerhalb der Arbeitszeit möglich sind.

      Sonderurlaub: Die Regelungen für Beamte

      Auch als Beamter haben Sie die Möglichkeit, Sonderurlaub gewährt zu bekommen und sich für einige Tage – bezahlt oder unbezahlt – freistellen zu lassen. Die entsprechenden Regelungen dazu finden sich in der Sonderurlaubsverordnung (SUrlV). Diese legt genau fest, welche Anlässe einen Sonderurlaub für Beamte rechtfertigen. Laut der Verordnung kann Sonderurlaub…

      • zur Ableistung eines freiwilligen sozialen oder ökologischen Jahres,
      • für die Ausbildung als Schwesternhelferin,
      • für Zwecke der militärischen und zivilen Verteidigung und entsprechender Einrichtungen,
      • für gewerkschaftliche Zwecke,
      • für fachliche, staatspolitische, kirchliche und sportliche Zwecke,
      • für eine fremdsprachliche Aus- oder Fortbildung,
      • für Familienheimfahrten und
      • aus persönlichen Anlässen

      gewährt werden. Für wie lange die Freistellung gilt, hängt dann vom jeweilig angeführten Grund ab. So werden beispielsweise für Familienheimfahrten bis zu sechs Tage, für Tätigkeiten bei der Feuerwehr oder als Sanitäter bis zu 10 Tage und für eine Fremdsprachen-Ausbildung im Ausland sogar bis zu drei Monaten Sonderurlaub gewährt.

      [Bildnachweis: Stokkete by Shutterstock.com]

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      Neben dem gesetzlich garantierten Erholungsurlaub haben Arbeitnehmer die Möglichkeit, Sonderurlaub von ihrem Arbeitgeber zu erhalten. Je nach Grund kann dieser sowohl bezahlt als auch unbezahlt gewährt werden. Genau diese Gründe sind es, die immer wieder zu Unsicherheit und Verwirrung führen: In welchen Fällen kann Sonderurlaub beantragt werden und wie lange können Sie sich von der Arbeit freistellen lassen? Wir zeigen, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um Sonderurlaub zu rechtfertigen, welche Gründe anerkannt werden und worauf Sie achten sollten, wenn Sie einmal in die Situation kommen…

      Sonderurlaub oder Freistellung?

      Sonderurlaub gesetzlich Sonderurlaub Todesfall Sonderurlaub HochzeitJedem Arbeitgeber steht abhängig von der Art des Beschäftigungsverhältnisses und der Branche eine bestimmte Anzahl an Tagen als Erholungsurlaub zu.

      Beschäftigte im öffentlichen Dienst haben wie die meisten Arbeitnehmer mit tariflich geregelten Arbeitsverträgen 30 Tage Urlaubsanspruch, allgemein gilt ein gesetzlicher Urlaubsanspruch von 24 Tagen bei einer 6-Tage-Woche und 20 Tagen bei einer 5-Tage-Woche.

      Es gibt Ausnahmesituationen wie beispielsweise die eines Todesfalles, da ist keinerlei Erholung abzusehen und an Arbeit ist schon gar nicht zu denken. Der Mitarbeiter ist emotional viel zu involviert und/oder es kommen Unmengen organisatorischer Arbeit im Privaten auf ihn zu, so dass seine Erwerbsarbeit darunter leiden würde.

      Der Gesetzgeber gesteht dem Arbeitnehmer zu, dass er in solchen Fällen seiner Arbeit nicht normal nachgehen und unter bestimmten Voraussetzungen der Arbeit fernbleiben kann. Es handelt sich mit dem Sonderurlaub um eine Ausnahme von der sonstigen Regel, für das regelmäßige Gehalt einer vereinbarten Leistung nachzugehen.

      Der Begriff Sonderurlaub wird hier nicht ganz trennscharf verwendet. Strenggenommen ist damit zunächst die unbezahlte Freistellung von der Arbeitspflicht zu verstehen.

      Im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich diese Bezeichnung jedoch für sämtliche Freistellungen durchgesetzt, die außerordentlich sind und sich als Sonderfall nicht tagtäglich ereignen. Darunter auch viele Fälle, in denen nach § 616 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) Anspruch auf Lohnfortzahlung besteht. Ferner existieren mehrere gesetzliche Vorschriften, die eine unbezahlte Freistellung von der Arbeit ermöglichen.

      Übrigens: Haben die Parteien unbezahlten Sonderurlaub vereinbart, darf der Arbeitgeber später nicht einfach den gesetzlichen Urlaubsanspruch kürzen. Der entsteht nämlich unabhängig davon, ob der Beschäftigte gearbeitet hat oder nicht (BAG, Urteil vom 06.05.2014, Aktenzeichen: 9 AZR 678/12).

      Sonderurlaub Anspruch Gruende Arbeitsrecht Grafik

      Sonderurlaub: Der rechtliche Anspruch

      Bei Sonderurlaub handelt es sich nicht um eine Gefälligkeit oder großzügige Geste des Arbeitgebers. Arbeitnehmer haben laut § 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches einen rechtlichen Anspruch auf die vorübergehende bezahlte Freistellung von seiner Tätigkeit.

      Genauer heißt es dort, dass ein Arbeitnehmer seinen Anspruch auf Vergütung nicht verliert, wenn er…

      für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit durch einen in seiner Person liegenden Grund ohne sein Verschulden an der Dienstleistung verhindert wird

      Die Formulierung zeigt aber auch, dass der Anspruch auf Sonderurlaub an drei Bedingungen gekoppelt ist, die in der Situation erfüllt sein müssen.

      • Die Dauer der Verhinderung ist nicht erheblich.
      • Der Grund liegt in der Person des Arbeitnehmers.
      • Die Situation wurde nicht selbst verschuldet.

      Nicht erheblich heißt hier, dass maximal fünf Tage in Anspruch genommen werden können, je nach Fall auch nur wenige Stunden.

      Bezahlter Sonderurlaub kommt beispielsweise nicht in Betracht, wenn äußere Umstände dazu führen, dass ein Arbeitnehmer seiner Tätigkeit nicht nachgehen kann. So stellt etwa eine Naturkatastrophe oder ein Stau keine vorübergehende Verhinderung dar.

      Anders kann es aussehen, wenn ein Arbeitnehmer durch eine Naturkatastrophe direkt betroffen ist, dann steht ihm in manchen Fällen ebenfalls Sonderurlaub zu (BAG, Urteil vom 24.03.1982, Aktenzeichen: 5 AZR 1209/79). Hinzu kommt, dass es Aufgabe des Arbeitnehmers ist zu versuchen, den Arbeitsausfall zu vermeiden.

      Wer dringende Erledigungen hat, darf sich nicht einfach selbst beurlauben, den Sonderurlaub muss der Arbeitgeber zuvor ausdrücklich gewähren. Dem Arbeitnehmer kommt hier die Nachweispflicht zu. Wer beispielsweise für seine Hochzeit Sonderurlaub beantragt, muss durch ein Schreiben des Standesamtes nachweisen können, dass dieser Antrag auf Sonderurlaub berechtigt ist.

      TVÖD: Sonderurlaub in Tarifverträgen

      Sonderurlaub TVÖD Todesfall GeburtEine Pflicht zu Sonderurlaub kann sich aus einem Tarifvertrag, einer Betriebsvereinbarung oder einer vertraglichen Vereinbarung zwischen einem Angestellten und seinem Chef ergeben.

      Der Arbeitgeber kann arbeits- oder tarifvertraglich die Lohnfortzahlung beim Sonderurlaub ausschließen. Ebenso ist es ihm möglich, den Umfang auf Freistellung in bestimmten Fällen zu reduzieren. Teilweise abweichende Bestimmungen ergeben sich für den öffentlichen Dienst.

      Welche Gründe können geltend gemacht werden?

      Die Bedingungen, an die der Anspruch auf Sonderurlaub gekoppelt ist, sind wenig konkret gehalten. Für das Verständnis ist es einfacher, anhand klarer Beispiele zu sehen, welche Gründe für einen Sonderurlaub in Betracht kommen.

      Welche Gründe auf Ihr persönliches Arbeitsverhältnis anwendbar sind, kann sich durch Arbeitsverträge, Betriebsvereinbarungen oder Tarifverträge ändern. Dennoch gibt es eine Reihe von Anlässen, die allgemein als Grund für Sonderurlaub akzeptiert werden.

      Zu finden ist diese in § 29 des Tarifvertrages für den öffentlichen Dienst. Für Arbeitnehmer, die nicht unter den TVÖD fallen, kann § 616 BGB gelten. Folgende Anlässe können zu einer bezahlten Freistellung von der Arbeit führen:

      • Eheschließung und Lebenspartnerschaft

        Bei der eigenen Hochzeit kann man sich nun wirklich nicht vertreten lassen. Dennoch besteht nach § 29 TVÖD kein Anspruch auf Sonderurlaub für Beschäftigte des öffentlichen Dienstes, da die Eheschließung nicht ausdrücklich erwähnt wird. Allerdings gehen Arbeitsgerichte davon aus, dass Absatz drei dahingehend interpretiert werden kann: „In sonstigen dringenden Fällen“ ist Arbeitsbefreiung für drei Tage möglich. Für Arbeitnehmer, die keine spezielle Regelung in ihrem Arbeits- oder Tarifvertrag haben, gilt nach § 616 BGB ein Tag Sonderurlaub. Die gleichen Regelungen bestehen auch für die eingetragene Lebenspartnerschaft.

      • Geburt eines Kindes

        Die Niederkunft der Ehefrau oder der Lebenspartnerin im Sinne des Lebenspartnerschaftsgesetzes: ein Arbeitstag Sonderurlaub. Für Frauen gilt in diesem Fall das Mutterschutzgesetz. Sollte im Tarifvertrag aber ausdrücklich Sonderurlaub nur für Verheiratete gelten, kann es sein, dass der Vater bei der Geburt seines nichtehelichen Kindes leer ausgeht (BAG, Urteil vom 18.01.2001, Aktenzeichen: 6 AZR 492/99, zu § 52 BAT-TgRV-O). Ebenso kann der Sonderurlaub verwehrt werden, wenn sich die Geburt an einem freien Tag ereignet, etwa einem Sonntag.

      • Tod eines nahen Familienangehörigen

        Als nahe Familienangehörige zählen beispielsweise der Ehepartner und Verwandte ersten Grades, also Eltern und eigene Kinder, sowie Stief- und Adoptivkinder. Der Umfang der freien Arbeitstage kann bis zu drei Tage Sonderurlaub betragen. Abhängig ist das davon, in welcher Beziehung der Verstorbene zum Beschäftigten stand und ob der Verstorbene im gleichen Haushalt lebte.

        Beispiel: Stirbt der Schwiegervater, wird nur ein Tag Sonderurlaub gewährt werden, hingegen beim Ehepartner hätte der Arbeitnehmer Anspruch auf drei Tage Sonderurlaub. Auch beim Tod der eigenen Großeltern muss kein Sonderurlaub gewährt werden. Für den öffentlichen Dienst gibt es nach § 29 TVöD generell zwei Tage Arbeitsbefreiung bei Todesfällen innerhalb des engsten Familienkreises.

      • Umzug aus dienstlichem oder betrieblichem Grund

        Für Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst: ein Arbeitstag. Inwieweit Beschäftigte aus der Privatwirtschaft Sonderurlaub für einen Umzug geltend machen können, hängt vor allem von der Entfernung zum neuen Wohnort ab. Je höher der zu bewerkstelligende Aufwand, desto größer die Wahrscheinlichkeit.

      • 25- und 40-jähriges Arbeitsjubiläum

        Für Arbeitnehmer im Allgemeinen gibt es nach § 616 BGB keinen bezahlten Sonderurlaub, es sei denn, er ist im Arbeits- oder Tarifvertrag festgelegt. Anders für den öffentlichen Dienst. Das eigene Arbeitsjubiläum will entsprechend aufwendig gefeiert werden: ein Arbeitstag. Auch eine ähnliche Feierlichkeit wie Ihre Silberhochzeit oder die Goldene Hochzeit der eigenen Eltern kann Ihnen Sonderurlaub einbringen (Aktenzeichen: 5 AZR 156/73).

      • Erkrankung eines Angehörigen

        Sollte ein Angehöriger, der im gleichen Haushalt wohnt, schwer erkrankt sein und Ihrer Pflege bedürfen gibt es einen Arbeitstag Sonderurlaub. Bei kurzzeitiger Arbeitsverhinderung haben Sie Anspruch auf bis zu zehn Tage Sonderurlaub – eine Lohnfortzahlung ist allerdings nicht zwingend. Unbezahlte Freistellung ist bis zu sechs Monate möglich.

      • Erkrankung des Kindes

        Für Privatversicherte, deren Kind das 12. Lebensjahr noch nicht vollendet hat: vier Arbeitstage. Dies gilt jedoch nur, wenn kein Anspruch auf Freistellung und Krankengeld gemäß § 45 Fünftes Sozialgesetzbuch vorliegt. Gesetzlich Versicherte hingegen bekommen keinen Sonderurlaub, sondern eine unbezahlte Freistellung gegen Vorlage eines Attestes (eine genauere Erklärung finden Sie unten im Kasten).

      • Ärztliche Behandlungen

        In der Regel wird dem Arbeitnehmer für Arztbesuche kein Sonderurlaub gewährt werden, wenn diese im Rahmen flexibler Arbeitszeiten erledigt werden können. Dazu können auch Operationen zählen. Anders sieht es aus, wenn diese nicht auf einen Termin außerhalb der Arbeitszeit gelegt werden können, dann können Sie für die Dauer der Behandlung eine bezahlte Freistellung bekommen (Aktenzeichen: 5 Sa 340/09).

      Was Sie sonst noch zu Sonderurlaub wissen sollten

      Sonderurlaub Geburt Sonderurlaub UmzugDie exakte Dauer des Sonderurlaubs ist im Gesetz wie gesagt nicht festgelegt. Abhängig ist dies von der Kulanz Ihres Arbeitgebers, aber natürlich auch von der Dauer Ihres Arbeitsverhältnisses:

      Je länger Sie im Betrieb beschäftigt sind, desto größer die Wahrscheinlichkeit, Sonderurlaub zu bekommen. Es gibt einige weitere Sonderfälle, die wir hier erläutern wollen:

      • Freistellung zur Stellensuche

        Ist das Arbeitsverhältnis gekündigt worden, kann ein Beschäftigter nach § 629 BGB bezahlte Freistellung verlangen, um bei der Arbeitsagentur vorstellig zu werden, Bewerbungen zu schreiben oder Vorstellungsgespräche wahrzunehmen. Gleiches gilt, wenn ein befristeter Arbeitsvertrag ausläuft – sofern die Beschäftigung nicht nur kurzfristig angedauert hat. Gemäß § 616 BGB wird dieser Sonderurlaub nur vergütet, wenn es sich um kurze Arbeitsausfälle handelt.

      • Freistellung aus religiösen Gründen

        Arbeitnehmer haben Anspruch auf Sonderurlaub, um beispielsweise an religiösen Feierlichkeiten wie der Konfirmation oder Kommunion teilnehmen zu können. Ebenso können religiöse Arbeitnehmer den Arbeitsplatz kurz verlassen, um zu beten. Bedingung ist hier wie in allen übrigen Fällen, dass der Arbeitnehmer zuvor mit dem Arbeitgeber dies vereinbart hat und das Gebet nicht außerhalb der Arbeitszeiten möglich ist.

      • Freistellung zur Kinderbetreuung

        Sollte ein Kind erkranken und es besteht nicht die Möglichkeit, dass es von einer anderen Person betreut wird, können sich Angestellte unbezahlt von der Arbeit freistellen lassen. Nach § 45 des Fünften Sozialgesetzbuches haben Sie dann jedoch Anspruch auf Krankengeld, das 90 Prozent des ausgefallenen Nettoverdienstes beträgt.

        Die Anzahl der maximalen Tage des Krankengeldes hängt davon ab, ob ein oder mehrere Kinder im Haushalt leben und ob der Arbeitnehmer alleinerziehend ist. Bei einem Kind gibt es 10 Tage Krankengeld, bei mehr Kindern werden 25 Tage gewährt. Für alleinerziehende Eltern werden die Tage jeweils verdoppelt, also 20 Tage für ein Kind und 50 Tage bei mehreren Kindern.

      • Freistellung für Gerichtstermine

        Bezahlte Freistellung kann ein Beschäftigter ferner verlangen, wenn er in eigener Sache vor Gericht muss und sein persönliches Erscheinen angeordnet wurde (LAG Hamm, Urteil v. 02.12.2009, Az.: 5 Sa 710/09). Gleiches gilt, wenn er als Zeuge aussagen soll (BAG, Urteil v. 13.12.2001, Aktenzeichen: 6 AZR 30/01). Allerdings entfällt ein Anspruch auf Lohn, wenn er eine Zeugenentschädigung erhält.

      • Erfüllung staatsbürgerlicher Pflichten

        Bestimmte Ehrenämter erlauben ebenfalls Sonderurlaub mit Lohnfortzahlung. Dazu gehören beispielsweise Tätigkeiten als ehrenamtlicher Richter, Schöffe, im Katastrophenschutz oder bei der freiwilligen Feuerwehr. Nicht zu den staatsbürgerlichen Pflichten hingegen gehören Tätigkeiten als Ratsherr oder Mitglied eines Kreistages, daher wird hier kein Sonderurlaub gewährt werden. Im Übrigen muss der Arbeitnehmer auch hier bei den oben genannten Ehrenämtern prüfen, ob nach Möglichkeit Zeiten außerhalb der Arbeitszeit möglich sind.

      Sonderurlaub: Die Regelungen für Beamte

      Auch als Beamter haben Sie die Möglichkeit, Sonderurlaub gewährt zu bekommen und sich für einige Tage – bezahlt oder unbezahlt – freistellen zu lassen. Die entsprechenden Regelungen dazu finden sich in der Sonderurlaubsverordnung (SUrlV). Diese legt genau fest, welche Anlässe einen Sonderurlaub für Beamte rechtfertigen. Laut der Verordnung kann Sonderurlaub…

      • zur Ableistung eines freiwilligen sozialen oder ökologischen Jahres,
      • für die Ausbildung als Schwesternhelferin,
      • für Zwecke der militärischen und zivilen Verteidigung und entsprechender Einrichtungen,
      • für gewerkschaftliche Zwecke,
      • für fachliche, staatspolitische, kirchliche und sportliche Zwecke,
      • für eine fremdsprachliche Aus- oder Fortbildung,
      • für Familienheimfahrten und
      • aus persönlichen Anlässen

      gewährt werden. Für wie lange die Freistellung gilt, hängt dann vom jeweilig angeführten Grund ab. So werden beispielsweise für Familienheimfahrten bis zu sechs Tage, für Tätigkeiten bei der Feuerwehr oder als Sanitäter bis zu 10 Tage und für eine Fremdsprachen-Ausbildung im Ausland sogar bis zu drei Monaten Sonderurlaub gewährt.

      [Bildnachweis: Stokkete by Shutterstock.com]

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      Vertrauen aufbauen: Die 5 Grundregeln des Vertrauens https://karrierebibel.de/vertrauen/ Wed, 10 Jul 2019 12:00:08 +0000 Jochen Mai http://karrierebibel.de/?p=52660 Vertrauen ist der Anfang von allem. So lautete mal der Slogan, mit dem die Deutsche Bank in den Neunzigerjahren ihre Finanzprodukte bewarb – und damit den Tenor der gesamten Branche traf: Sein sauer verdientes Geld gibt man eben nicht irgendwem, man vertraut es allenfalls einem Menschen mit seriösem Leumund an. In der Theorie jedenfalls. Jeder weiß, was in der Praxis geschah: Eine Dekade später folgte die große Finanzkrise und erschütterte das Vertrauen der Menschen in einem bis dato unbekannten Ausmaß. Weltweit fühlten sich die Menschen durch diese Finanzexperten verraten und verkauft. Das Vertrauen – es war in diesem Fall der Anfang vom Ende…

      Psychologie: Vertrauen ist ein erlerntes Verhalten

      Dabei ist Vertrauen enorm wichtig für jede Gesellschaft. Es ist der Kitt, der (vertrauensvolle) Beziehungen erst ermöglicht. Private genauso wie berufliche.

      Laut Definition ist Vertrauen „die subjektive Überzeugung (oder auch das Gefühl) von der Redlichkeit einer anderen Person“. Wer vertraut, glaubt, dass die Aussagen oder Handlungen des anderen wahr und aufrichtig sind.

      Das reduziert Kontrollkosten und macht gelassen – bis das Vertrauen enttäuscht wird. „Kann man denn niemandem mehr trauen?“, fragen sich folgerichtig all jene, deren Grundvertrauen zu oft von anderen Menschen enttäuscht wurde.

      Die Konsequenzen daraus…

      • Die einen werden daraufhin misstrauischer, andere regelrecht feindselig. Sie bauen sich eine Art psychosozialen Panzer aus Skepsis und Argwohn auf, um ja nicht noch einmal hinters Licht geführt zu werden, nach dem Motto: Wer mit der Niedertracht der anderen rechnet, kann nicht mehr böse überrascht werden. Das stimmt zweifellos, macht aber einsam.
      • Obwohl vermutlich jeder schon einmal übers Ohr gehauen wurde oder erlebt hat, dass sein Vertrauen ausgenutzt worden ist, hält die Mehrheit von uns an dem Konzept fest, anderen eine Art sozialen Kredit zu geben. Wir werden sprichwörtlich enttäuscht, ärgern uns, ziehen daraus Konsequenzen, aber vertrauen doch weiterhin – nur vielleicht nicht mehr diesem speziellen Menschen.

      Warum ist das so?

      Letztlich ist Vertrauen ein erlerntes Verhalten, das bis in die Kindheit zurückreichen kann. Unsere Vertrauensseligkeit entstammt im Kern zwei Komponenten:

      • dem Selbstvertrauen, also der Zuversicht in die eigenen Fähigkeiten;
      • und dem Fremdvertrauen gegenüber anderen Menschen.

      Beides sind dem Wesen nach Erfahrungswerte: Wer früh gelernt hat, dass er Erfolge aufgrund seines Könnens wiederholen kann und dass die Mehrheit der Menschen Vertrauen belohnt, bleibt auch später vertrauensvoll bis vertrauensselig.

      Man könnte auch sagen: Vertrauen ist eine erlernte Entscheidung.

      Wer vertraut, geht willentlich und zuversichtlich davon aus, dass sich eine Sache so entwickelt, wie versprochen oder erhofft. Ob das dann tatsächlich eintritt, steht freilich auf einem anderen Blatt.

      Bemerkenswert daran ist:

      Je höher der Intelligenzquotient eines Menschen ist, desto vertrauensseliger ist er oder sie auch.

      Das ist das Ergebnis einer Studie der Oxford Universität. Natürlich ist damit nicht blindes Vertrauen gemeint. Vielmehr vermuten die Wissenschaftler, dass hohe Intelligenz mit besserer Menschenkenntnis korreliert.

      Oder anders gesagt: Smarte Menschen wissen andere besser einzuschätzen und damit auch eher, wem sie vertrauen können und wem nicht.

      Das hat sogar finanzielle Auswirkungen! Als Jeffrey Butler, Paola Giuliano und Luigi Guiso von der Universität von Kalifornien in Los Angeles über Vertrauen forschten, stellten sie fest: Wer viel vertraut, verdient bis zu 20 Prozent mehr als jene mit großem Misstrauen.

      Zuviel (blindes) Vertrauen war aber auch nicht gut fürs Portemonnaie: Als die Probanden Ihr Vertrauen auf einer Skala von 0 bis 10 (= Höchstwert) einschätzen sollten, waren die Bestverdiener auf Level 8 zu finden. Wer darüber lag, verdiente im Schnitt 7 Prozent weniger.

      Vertrauen zu können, hilft unseren Beziehungen

      Ein Grund für die anhaltende Zuversicht ist deren positive Wirkung – auf uns und andere.

      Schon 1968 führten die Psychologen Robert Rosenthal und Lenore Jacobson ein Experiment an amerikanischen Schulen durch, das in die Literatur als Rosenthal- oder Pygmalion-Effekt einging.

      Dazu teilten sie einigen Lehrern mit, dass sie aufgrund bisheriger Leistungen im kommenden Schuljahr eine Klasse übernehmen dürften, die sich aus den intelligentesten und besten Schülern zusammensetze. Nach Ablauf des Schuljahres waren diese Klassen deutlich besser als die anderen, ihre Noten, selbst der IQ der Schüler lag rund 20 Punkte höher als beim Durchschnitt.

      Nur hatten die Psychologen gelogen: Die Klassen setzten sich gar nicht aus den Besten zusammen, sondern aus einer Zufallsauswahl. Weil aber die Schüler selbst glaubten, zu den Besten zu gehören, und auch die Lehrer ihnen mehr zutrauten, stieg die Leistungs- und Lernkurve.

      Der zweite Grund:

      Vertrauen vollbringt ein kleines kognitives Wunder – es minimiert Komplexität.

      Wir alle würden wohl früher oder später verrückt werden, wenn wir allem Neuen oder jedem fremden Menschen mit Angst, Abwehr und Misstrauen begegnen würden.

      Das gilt noch mehr im Berufsleben: Hier kommt hinzu, dass kaum einer von uns einen vollständigen Überblick über das Geschehen in seinem Unternehmen haben dürfte, nicht einmal die Chefs. Deshalb müssen wir uns schlicht auf manche Aussagen von Kollegen, Zulieferern und Kunden verlassen.

      Als der Professor für Managementlehre an der McGill Universität in Montreal, Henry Mintzberg, einmal die Tagesabläufe von Managern untersuchte, stellte er überrascht fest, dass kaum einer länger als eine Stunde an einer Sache arbeitete. Weit über 50 Prozent der Tätigkeiten nahmen weniger als neun Minuten in Anspruch.

      Es lässt sich leicht vorhersagen, dass solche Manager ihre Entscheidungen kaum von ausgiebigen Recherchen oder umsichtigen Planungen abhängig machen. Sie werden sich vielmehr auf die wenigen Informationen verlassen, die ihnen gerade zur Verfügung stehen:

      • Erfahrungen
      • Referenzen
      • Hörensagen

      Kurzum: Weil ihnen der vollständige Überblick fehlt, müssen sie den wenigen Indizien vertrauen.

      Das Paradoxon des Vertrauens

      Das Paradoxon des VertrauensLetztlich wünschen sich alle ein Betriebsklima, das von Vertrauen und gegenseitigem Respekt geprägt ist. Aber ist das auch realistisch?

      Spätestens an dieser Stelle wird das sogenannte Paradoxon des Vertrauens offenbar: Trotz der oben aufgeführten Vorzüge, werden einige völlig zu Recht einwerfen, dass es in ihrem Betrieb ganz anders zugeht. Gewiss, man vertraut seinem Büronachbarn, vielleicht noch den Kollegen aus der eigenen Abteilung. Aber dann hört es auch schon auf.

      Mehrheitlich ist das Unternehmensklima geprägt von

      • Machtspielen
      • Konkurrenzdenken
      • Schuldzuweisungen
      • mal mehr, mal weniger versteckten Anfeindungen

      Oder anders gesagt: Je lauter der Wunsch nach einem vertrauensvollen Umfeld formuliert wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass dieser Idealzustand real gar nicht existiert (sonst müsste man ihn wohl auch nicht ständig einfordern).

      Vertrauen und Vertrautheit: Die Unterscheidung ist wichtig

      Eine recht spannende Studie der Universität von Kalifornien in Berkeley kam vor einiger Zeit zu dem Ergebnis, dass wir schon nach 20 Sekunden instinktiv entscheiden, wem wir vertrauen können – und wem nicht. Das gilt vor allem für Menschen mit hoher Empathie.

      Allerdings – und das muss man auch sagen – ist dies zu dem Zeitpunkt nur ein Bauchgefühl. Ein Restmisstrauen bleibt immer.

      Nur: Warum ist das so? Warum vertrauen und misstrauen wir gleichermaßen, obwohl ersteres doch eigentlich die größeren Vorteile hat?

      Nur allzu oft wird Vertrauen mit Vertrautheit verwechselt. Ein Fehler. Beide Begriffe klingen zwar ähnlich, sind aber allenfalls verwandt:

      • Vertrautheit entsteht, wenn man sich besser kennenlernt, eine Weile zusammenarbeitet oder miteinander Geschäfte macht.
      • Die jedoch dem Vertrauen innewohnende Gewissheit, sich auf den anderen wirklich verlassen zu können, entsteht erst unter Krisenbedingungen.

      Es sind allein solche Schlechtwetterphasen, die den Rahmen für die anschließende Metamorphose bilden, in der sich die Vertrautheit bewährt und in Vertrauen verwandelt. Oder eben auch nicht.

      Lenin wird der Ausspruch in den Mund gelegt „Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser„. So erstrebenswert Vertrauen auch ist: In seiner Absolutheit wird Vertrauen zu Recht als blind und naiv geächtet und muss zwangsläufig enttäuscht werden. Oder kurz:

      Gesundes Vertrauen kennt Grenzen

      Eines dieser Limits steckt schon in jedem Einzelnen von uns: Weil sich Vertrauen bewähren, sprich wachsen muss, lässt es sich nicht erzwingen oder gar beschleunigen. Es ist kein Instantprodukt, sondern ein Reifungsprozess.

      Das bedeutet, dass es Konsequenzen hat, wenn wir einander vertrauen (wollen). Dazu gehört der Verzicht auf kurzfristige Vorteile, auf all die kleinen fiesen Tricks und Winkelzüge, mit denen man zwar Karriere machen, aber kein Vertrauen bilden kann:

      • das Profilieren auf Kosten anderer
      • das Verschweigen eigener Unzulänglichkeiten
      • Aufgaben schönreden
      • Allianzen schmieden
      • das Ausnutzen von Schwächen bei Kollegen wie Untergebenen

      Damit ist es dann vorbei. Der Glaube daran, dass dies gelingen kann, ist bereits der erste Vertrauensakt.

      Menschen mit braunen Augen wirken vertrauenswürdiger

      Menschen mit braunen Augen wirken vertrauenswürdigerGar nicht blauäugig: Menschen mit braunen Augen schenken wir mehr Vertrauen als jenen mit blauen Augen – es sei denn die Blauäugigen haben breite Gesichter. So lässt sich das Ergebnis einer tschechischen Studie von Karel Kleisner von der Charles Universität zusammenfassen. Hinter dem skurrilen Resultat steckt die Frage, woran wir die Vertrauenswürdigkeit einer Person festmachen, der wir zum ersten Mal ins Gesicht sehen. An der Gesichtsform? An der Mundpartie? An der Augenfarbe?

      Laut Studie scheint vor allem die Augenfarbe ausschlaggebend: So fand eine signifikante Zahl der Probanden braune Augen vertrauenswürdiger als blaue – unabhängig davon, ob sie dabei Männern oder Frauen ins Gesicht blickten. Einzig wenn die Gesichter runder beziehungsweise breiter und der Mund größer waren, gewannen die Blauäugigen an Vertrauenswürdigkeit hinzu.

      Vertrauen aufbauen: So lässt sich Vertrauen gewinnen

      Wenn Vertrauen so wichtig ist, wie lässt es sich dann gewinnen? Wie kann man Vertrauen aufbauen? Oder reicht es schon aus, selbiges einfach zu verschenken, Motto: Ich vertraue dir, also kannst du auch mir vertrauen…

      Letzteres klingt ziemlich naiv. Fahrlässig könnte es dazu sein.

      Oftmals ist das Fordern von Vertrauen im Job auch nur eine hohle Phrase, die zwar gut klingt und sympathisch macht, in der Realität aber nie umgesetzt wird.

      Fakt ist: Vertrauen ist Ausdruck einer intakten Beziehung – im Privaten wie im Job.

      Deshalb gelten auch hier wie dort dieselben Regeln, wie sich Vertrauen aufbauen und gewinnen lässt. An der Passiv-Formulierung merken Sie aber schon: Vertrauen kann man nicht befehlen, es wird gegeben. Und dafür benötigt es die folgenden fünf Grundregeln…

      Die 5 Grundregeln des Vertrauens

      1. Kommunizieren Sie.

        Nichts schafft und erhält Vertrauen so sehr, wie regelmäßig und offen miteinander zu reden.

      2. Bleiben Sie authentisch.

        Sagen Sie, was Sie meinen, glauben, fühlen und tun Sie, was Sie sagen. Das ist das Grundprinzip der Authentizität – oder: Vertrauenswürdigkeit. Freilich sollten Sie nicht immer alles sofort und ungefiltert ausplaudern. Takt und Timing dürfen Sie dabei schon noch beachten.

      3. Seien Sie ehrlich.

        Im Job kann man nicht alles sagen. Mancher Chef weiß um Betriebsgeheimnisse, die eben nicht jeder im Betrieb wissen muss. Doch bevor Sie lügen: Schweigen Sie lieber. Oder sagen Sie ganz ehrlich: „Darüber kann ich nicht sprechen. Noch nicht.“

      4. Gehen Sie offen mit Fehlern um.

        Diese Punkt verdient eine Extra-Erwähnung, weil er im Job so oft unterschlagen wird. Gerade Chefs, Vorbilder eben, sollten beweisen, dass Fehler machen, keine Schande ist – nur nichts daraus zu lernen. Lassen Sie die Kollegen also an Ihren Lern-Erfolgen teilhaben!

      5. Lassen Sie sich Zeit.

        Weder Rom noch Vertrauen lassen sich in einem Tag aufbauen. Nicht zuletzt braucht es irgendwann auch eine Bewährungsprobe, um das Band zu festigen. Vertrauen ist zwar gut – ein Beweis zu gegebener Zeit aber besser.

      Darüber hinaus gibt es weitere Verhaltensweisen, die gegenseitiges Vertrauen (im Beruf) stärken und fördern:

      • Offenheit gegenüber Vorschlägen und abweichenden Meinungen.
      • Ehrlichkeit in Bezug auf eigene Intentionen.
      • Interesse an den Mitarbeitern/Kollegen und ihren beruflichen wie persönlichen Problemen.
      • Eine Einladung an die Kollegen, ebenfalls Entscheidungen zu treffen.
      • Eine offene und angstfreie Gesprächskultur in Meetings.
      • Großzügigkeit bei der Weitergabe von Wissen und Kontakten.
      • Versprechen geben – und diese halten.
      • Eine Kritikkultur, die Ideen jeder Art in Lernprozesse transformiert.
      • Gerechte und transparente Leistungsbeurteilung – und entsprechende Bezahlung.

      PS: Die Grundregeln des Vertrauens können Sie hier auch als PDF kostenlos herunterladen.

      Vertrauen gewinnen? Entschuldigen Sie sich für den Regen!

      Vertrauen gewinnen? Entschuldigen Sie sich für den Regen!Wenn Sie möchten, dass Menschen Ihnen vertrauen, entschuldigen Sie sich für Dinge, für die Sie gar nichts können. Am besten sogar für höhere Gewalt oder andere Ereignisse, die außerhalb Ihrer Kontrolle sind. Zum Beispiel den Regen. Kein Scherz!

      Die Erkenntnis basiert auf einer Studie um Alison Brooks von der Harvard Business School. Bei den Experimenten dazu wurde unter anderem ein Schauspieler gebeten, Fremde an einem Bahnsteig anzusprechen und zu fragen, ob er sich kurz deren Handy ausleihen kann. Mal sprach der Schauspieler die Passanten mit der allgemeinen Abbitte an: Entschuldigung, könnte ich mir gerade mal Ihr Handy ausleihen? Mal mit der aberwitzigen Formel: Entschuldigen Sie bitte den schlimmen Regen, aber könnte ich mir gerade mal Ihr Handy ausleihen?

      Natürlich hat das Eine mit dem Anderen so viel zu tun wie Bikinis mit Weihnachten. Dennoch hatte die Schlechtwetter-Entschuldigung massiven Einfluss auf das Ergebnis: 47 Prozent der so Angesprochenen gaben dem Mimen ihr Smartphone – im Gegensatz zu 9 Prozent, wenn er einfach so um das Geräte fragte.

      „Entschuldigungen haben signifikanten Einfluss auf unser Vertrauen“, sagt Studienleiterin Alison Brooks, „selbst bei völliger Abwesenheit eines Exculpationsgrunds.“ Es wirke wie ein Eisbrecher – sogar wenn die Entschuldigung für das Regenwetter ganz offensichtlich sinnlos ist.

      Vertrauenskrise: Wie Sie Vertrauen verspielen

      Natürlich gibt es auch den umgekehrten Weg: Vertrauen zu verspielen. Denn Worte sind billig, wer sie zu oft verwendet ohne Taten folgen zu lassen, schürt nur den Verdacht eine Nebelkerzenwerfer zu sein, jemand, der das eine sagt, um zu verschleiern, dass er das andere tut.

      Deshalb finden Sie hier noch eine Liste, wie sich das Vertrauen anderer erschüttern, wenn nicht gar zerstören lässt. Verstehen Sie diese Aufzählung ruhig als Checkliste: Wer mehr als fünf Punkte ankreuzen könnte, ist auf dem besten Weg Vertrauen zu verspielen:

      • Sie halten sich nicht an Abmachungen, Arrangements, Versprechen.
      • Sie kümmern sich zuerst um den eigenen Vorteil.
      • Sie vermeiden Kompromisse und maximieren nur den eigenen Profit.
      • Sie wollen alles und immer kontrollieren statt zu delegieren.
      • Ihre Worte und Taten widersprechen sich offensichtlich.
      • Sie verschweigen wichtige Informationen gegenüber Kollegen.
      • Sie belügen Ihr Umfeld.
      • Sie suchen die Schuld vornehmlich bei anderen – und bezichtigen sie öffentlich.
      • Sie kritisieren öfter als Sie loben. Konstruktives Feedback ist bei Ihnen rar.
      • Sie setzen sich über Vertraulichkeiten hinweg und beteiligen sich am Flurfunk.
      • Sie treffen einsame Entscheidungen und erlauben niemand Ihnen dabei zu helfen.
      • Sie spielen die Stärken und Talente andere herunter (um selber besser dazustehen).
      • Sie versäumen es, andere zu fördern oder bei ihrer Entwicklung zu unterstützen.
      • Sie fragen nie um Rat oder Hilfe.
      • Sie sind eine Maschine, Privates im Job klammern Sie völlig aus (auch Humor).
      • Sie empfinden jede Form von Kritik als persönlichen Angriff (und schlagen entsprechend zurück).
      • Sie versuchen Diskussionen, die Ihr Image schädigen könnten, im Keim zu ersticken.
      • Sie versuchen Konflikte aller Art zu vermeiden oder herunterzuspielen.
      • Sie nutzen Meetings vor allem als Bühne zur Selbstdarstellung.
      • Sie schmieden hinterrücks Allianzen und Intrigen.
      • Sie entschuldigen sich nie für Fehler, Missverständnisse oder schlechtes Benehmen.

      Alles gefährlich, denn…

      Vertrauen Sprüche Zitat Beziehung Psychologie

      Berufe-Ranking: Wem vertrauen die Leute am meisten

      Berufe-Ranking: Wem vertrauen die Leute am meistenWürden Sie sich einem Arzt anvertrauen? Klar. Einem Pastor? Sicher. Einem Anwalt? Ebenso. Sind ja alle an die Schweigepflicht gebunden. Außerdem können die nur für einen arbeiten, wenn es eine gemeinsame Vertrauensbasis gibt. Aber wie sieht es aus, bei anderen Berufen – da, wo es diese Basis nicht zwangsläufig gibt?

      Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK Custom Research, 20 000 Befragte in 19 Ländern) hat das mal untersucht – und in ein Berufe-Ranking gegossen: Jobs, die das höchste Ansehen beziehungsweise Vertrauen in Deutschland genießen:

      • Feuerwehrleute: 94 Prozent
      • Piloten: 93 Prozent
      • Krankenschwestern: 91 Prozent
      • Apotheker: 86 Prozent
      • Ärzte: 86 Prozent
      • Polizisten: 73 Prozent
      • Landwirte: 69 Prozent
      • Lehrer: 60 Prozent
      • Richter: 59 Prozent
      • Meteorologen: 57 Prozent
      • Priester/Pfarrer: 55 Prozent
      • Taxifahrer: 55 Prozent
      • Rechtsanwälte: 50 Prozent
      • Journalisten: 27 Prozent
      • Reiseveranstalter: 27 Prozent
      • Finanzberater: 20 Prozent
      • Fußballspieler: 17 Prozent
      • Gewerkschaftsführer: 17 Prozent
      • Autoverkäufer: 11 Prozent
      • Politiker: 6 Prozent

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      [Bildnachweis: Jacob Lund by Shutterstock.com]

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      Vertrauen ist der Anfang von allem. So lautete mal der Slogan, mit dem die Deutsche Bank in den Neunzigerjahren ihre Finanzprodukte bewarb – und damit den Tenor der gesamten Branche traf: Sein sauer verdientes Geld gibt man eben nicht irgendwem, man vertraut es allenfalls einem Menschen mit seriösem Leumund an. In der Theorie jedenfalls. Jeder weiß, was in der Praxis geschah: Eine Dekade später folgte die große Finanzkrise und erschütterte das Vertrauen der Menschen in einem bis dato unbekannten Ausmaß. Weltweit fühlten sich die Menschen durch diese Finanzexperten verraten und verkauft. Das Vertrauen – es war in diesem Fall der Anfang vom Ende…

      Psychologie: Vertrauen ist ein erlerntes Verhalten

      Dabei ist Vertrauen enorm wichtig für jede Gesellschaft. Es ist der Kitt, der (vertrauensvolle) Beziehungen erst ermöglicht. Private genauso wie berufliche.

      Laut Definition ist Vertrauen „die subjektive Überzeugung (oder auch das Gefühl) von der Redlichkeit einer anderen Person“. Wer vertraut, glaubt, dass die Aussagen oder Handlungen des anderen wahr und aufrichtig sind.

      Das reduziert Kontrollkosten und macht gelassen – bis das Vertrauen enttäuscht wird. „Kann man denn niemandem mehr trauen?“, fragen sich folgerichtig all jene, deren Grundvertrauen zu oft von anderen Menschen enttäuscht wurde.

      Die Konsequenzen daraus…

      • Die einen werden daraufhin misstrauischer, andere regelrecht feindselig. Sie bauen sich eine Art psychosozialen Panzer aus Skepsis und Argwohn auf, um ja nicht noch einmal hinters Licht geführt zu werden, nach dem Motto: Wer mit der Niedertracht der anderen rechnet, kann nicht mehr böse überrascht werden. Das stimmt zweifellos, macht aber einsam.
      • Obwohl vermutlich jeder schon einmal übers Ohr gehauen wurde oder erlebt hat, dass sein Vertrauen ausgenutzt worden ist, hält die Mehrheit von uns an dem Konzept fest, anderen eine Art sozialen Kredit zu geben. Wir werden sprichwörtlich enttäuscht, ärgern uns, ziehen daraus Konsequenzen, aber vertrauen doch weiterhin – nur vielleicht nicht mehr diesem speziellen Menschen.

      Warum ist das so?

      Letztlich ist Vertrauen ein erlerntes Verhalten, das bis in die Kindheit zurückreichen kann. Unsere Vertrauensseligkeit entstammt im Kern zwei Komponenten:

      • dem Selbstvertrauen, also der Zuversicht in die eigenen Fähigkeiten;
      • und dem Fremdvertrauen gegenüber anderen Menschen.

      Beides sind dem Wesen nach Erfahrungswerte: Wer früh gelernt hat, dass er Erfolge aufgrund seines Könnens wiederholen kann und dass die Mehrheit der Menschen Vertrauen belohnt, bleibt auch später vertrauensvoll bis vertrauensselig.

      Man könnte auch sagen: Vertrauen ist eine erlernte Entscheidung.

      Wer vertraut, geht willentlich und zuversichtlich davon aus, dass sich eine Sache so entwickelt, wie versprochen oder erhofft. Ob das dann tatsächlich eintritt, steht freilich auf einem anderen Blatt.

      Bemerkenswert daran ist:

      Je höher der Intelligenzquotient eines Menschen ist, desto vertrauensseliger ist er oder sie auch.

      Das ist das Ergebnis einer Studie der Oxford Universität. Natürlich ist damit nicht blindes Vertrauen gemeint. Vielmehr vermuten die Wissenschaftler, dass hohe Intelligenz mit besserer Menschenkenntnis korreliert.

      Oder anders gesagt: Smarte Menschen wissen andere besser einzuschätzen und damit auch eher, wem sie vertrauen können und wem nicht.

      Das hat sogar finanzielle Auswirkungen! Als Jeffrey Butler, Paola Giuliano und Luigi Guiso von der Universität von Kalifornien in Los Angeles über Vertrauen forschten, stellten sie fest: Wer viel vertraut, verdient bis zu 20 Prozent mehr als jene mit großem Misstrauen.

      Zuviel (blindes) Vertrauen war aber auch nicht gut fürs Portemonnaie: Als die Probanden Ihr Vertrauen auf einer Skala von 0 bis 10 (= Höchstwert) einschätzen sollten, waren die Bestverdiener auf Level 8 zu finden. Wer darüber lag, verdiente im Schnitt 7 Prozent weniger.

      Vertrauen zu können, hilft unseren Beziehungen

      Ein Grund für die anhaltende Zuversicht ist deren positive Wirkung – auf uns und andere.

      Schon 1968 führten die Psychologen Robert Rosenthal und Lenore Jacobson ein Experiment an amerikanischen Schulen durch, das in die Literatur als Rosenthal- oder Pygmalion-Effekt einging.

      Dazu teilten sie einigen Lehrern mit, dass sie aufgrund bisheriger Leistungen im kommenden Schuljahr eine Klasse übernehmen dürften, die sich aus den intelligentesten und besten Schülern zusammensetze. Nach Ablauf des Schuljahres waren diese Klassen deutlich besser als die anderen, ihre Noten, selbst der IQ der Schüler lag rund 20 Punkte höher als beim Durchschnitt.

      Nur hatten die Psychologen gelogen: Die Klassen setzten sich gar nicht aus den Besten zusammen, sondern aus einer Zufallsauswahl. Weil aber die Schüler selbst glaubten, zu den Besten zu gehören, und auch die Lehrer ihnen mehr zutrauten, stieg die Leistungs- und Lernkurve.

      Der zweite Grund:

      Vertrauen vollbringt ein kleines kognitives Wunder – es minimiert Komplexität.

      Wir alle würden wohl früher oder später verrückt werden, wenn wir allem Neuen oder jedem fremden Menschen mit Angst, Abwehr und Misstrauen begegnen würden.

      Das gilt noch mehr im Berufsleben: Hier kommt hinzu, dass kaum einer von uns einen vollständigen Überblick über das Geschehen in seinem Unternehmen haben dürfte, nicht einmal die Chefs. Deshalb müssen wir uns schlicht auf manche Aussagen von Kollegen, Zulieferern und Kunden verlassen.

      Als der Professor für Managementlehre an der McGill Universität in Montreal, Henry Mintzberg, einmal die Tagesabläufe von Managern untersuchte, stellte er überrascht fest, dass kaum einer länger als eine Stunde an einer Sache arbeitete. Weit über 50 Prozent der Tätigkeiten nahmen weniger als neun Minuten in Anspruch.

      Es lässt sich leicht vorhersagen, dass solche Manager ihre Entscheidungen kaum von ausgiebigen Recherchen oder umsichtigen Planungen abhängig machen. Sie werden sich vielmehr auf die wenigen Informationen verlassen, die ihnen gerade zur Verfügung stehen:

      • Erfahrungen
      • Referenzen
      • Hörensagen

      Kurzum: Weil ihnen der vollständige Überblick fehlt, müssen sie den wenigen Indizien vertrauen.

      Das Paradoxon des Vertrauens

      Das Paradoxon des VertrauensLetztlich wünschen sich alle ein Betriebsklima, das von Vertrauen und gegenseitigem Respekt geprägt ist. Aber ist das auch realistisch?

      Spätestens an dieser Stelle wird das sogenannte Paradoxon des Vertrauens offenbar: Trotz der oben aufgeführten Vorzüge, werden einige völlig zu Recht einwerfen, dass es in ihrem Betrieb ganz anders zugeht. Gewiss, man vertraut seinem Büronachbarn, vielleicht noch den Kollegen aus der eigenen Abteilung. Aber dann hört es auch schon auf.

      Mehrheitlich ist das Unternehmensklima geprägt von

      • Machtspielen
      • Konkurrenzdenken
      • Schuldzuweisungen
      • mal mehr, mal weniger versteckten Anfeindungen

      Oder anders gesagt: Je lauter der Wunsch nach einem vertrauensvollen Umfeld formuliert wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass dieser Idealzustand real gar nicht existiert (sonst müsste man ihn wohl auch nicht ständig einfordern).

      Vertrauen und Vertrautheit: Die Unterscheidung ist wichtig

      Eine recht spannende Studie der Universität von Kalifornien in Berkeley kam vor einiger Zeit zu dem Ergebnis, dass wir schon nach 20 Sekunden instinktiv entscheiden, wem wir vertrauen können – und wem nicht. Das gilt vor allem für Menschen mit hoher Empathie.

      Allerdings – und das muss man auch sagen – ist dies zu dem Zeitpunkt nur ein Bauchgefühl. Ein Restmisstrauen bleibt immer.

      Nur: Warum ist das so? Warum vertrauen und misstrauen wir gleichermaßen, obwohl ersteres doch eigentlich die größeren Vorteile hat?

      Nur allzu oft wird Vertrauen mit Vertrautheit verwechselt. Ein Fehler. Beide Begriffe klingen zwar ähnlich, sind aber allenfalls verwandt:

      • Vertrautheit entsteht, wenn man sich besser kennenlernt, eine Weile zusammenarbeitet oder miteinander Geschäfte macht.
      • Die jedoch dem Vertrauen innewohnende Gewissheit, sich auf den anderen wirklich verlassen zu können, entsteht erst unter Krisenbedingungen.

      Es sind allein solche Schlechtwetterphasen, die den Rahmen für die anschließende Metamorphose bilden, in der sich die Vertrautheit bewährt und in Vertrauen verwandelt. Oder eben auch nicht.

      Lenin wird der Ausspruch in den Mund gelegt „Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser„. So erstrebenswert Vertrauen auch ist: In seiner Absolutheit wird Vertrauen zu Recht als blind und naiv geächtet und muss zwangsläufig enttäuscht werden. Oder kurz:

      Gesundes Vertrauen kennt Grenzen

      Eines dieser Limits steckt schon in jedem Einzelnen von uns: Weil sich Vertrauen bewähren, sprich wachsen muss, lässt es sich nicht erzwingen oder gar beschleunigen. Es ist kein Instantprodukt, sondern ein Reifungsprozess.

      Das bedeutet, dass es Konsequenzen hat, wenn wir einander vertrauen (wollen). Dazu gehört der Verzicht auf kurzfristige Vorteile, auf all die kleinen fiesen Tricks und Winkelzüge, mit denen man zwar Karriere machen, aber kein Vertrauen bilden kann:

      • das Profilieren auf Kosten anderer
      • das Verschweigen eigener Unzulänglichkeiten
      • Aufgaben schönreden
      • Allianzen schmieden
      • das Ausnutzen von Schwächen bei Kollegen wie Untergebenen

      Damit ist es dann vorbei. Der Glaube daran, dass dies gelingen kann, ist bereits der erste Vertrauensakt.

      Menschen mit braunen Augen wirken vertrauenswürdiger

      Menschen mit braunen Augen wirken vertrauenswürdigerGar nicht blauäugig: Menschen mit braunen Augen schenken wir mehr Vertrauen als jenen mit blauen Augen – es sei denn die Blauäugigen haben breite Gesichter. So lässt sich das Ergebnis einer tschechischen Studie von Karel Kleisner von der Charles Universität zusammenfassen. Hinter dem skurrilen Resultat steckt die Frage, woran wir die Vertrauenswürdigkeit einer Person festmachen, der wir zum ersten Mal ins Gesicht sehen. An der Gesichtsform? An der Mundpartie? An der Augenfarbe?

      Laut Studie scheint vor allem die Augenfarbe ausschlaggebend: So fand eine signifikante Zahl der Probanden braune Augen vertrauenswürdiger als blaue – unabhängig davon, ob sie dabei Männern oder Frauen ins Gesicht blickten. Einzig wenn die Gesichter runder beziehungsweise breiter und der Mund größer waren, gewannen die Blauäugigen an Vertrauenswürdigkeit hinzu.

      Vertrauen aufbauen: So lässt sich Vertrauen gewinnen

      Wenn Vertrauen so wichtig ist, wie lässt es sich dann gewinnen? Wie kann man Vertrauen aufbauen? Oder reicht es schon aus, selbiges einfach zu verschenken, Motto: Ich vertraue dir, also kannst du auch mir vertrauen…

      Letzteres klingt ziemlich naiv. Fahrlässig könnte es dazu sein.

      Oftmals ist das Fordern von Vertrauen im Job auch nur eine hohle Phrase, die zwar gut klingt und sympathisch macht, in der Realität aber nie umgesetzt wird.

      Fakt ist: Vertrauen ist Ausdruck einer intakten Beziehung – im Privaten wie im Job.

      Deshalb gelten auch hier wie dort dieselben Regeln, wie sich Vertrauen aufbauen und gewinnen lässt. An der Passiv-Formulierung merken Sie aber schon: Vertrauen kann man nicht befehlen, es wird gegeben. Und dafür benötigt es die folgenden fünf Grundregeln…

      Die 5 Grundregeln des Vertrauens

      1. Kommunizieren Sie.

        Nichts schafft und erhält Vertrauen so sehr, wie regelmäßig und offen miteinander zu reden.

      2. Bleiben Sie authentisch.

        Sagen Sie, was Sie meinen, glauben, fühlen und tun Sie, was Sie sagen. Das ist das Grundprinzip der Authentizität – oder: Vertrauenswürdigkeit. Freilich sollten Sie nicht immer alles sofort und ungefiltert ausplaudern. Takt und Timing dürfen Sie dabei schon noch beachten.

      3. Seien Sie ehrlich.

        Im Job kann man nicht alles sagen. Mancher Chef weiß um Betriebsgeheimnisse, die eben nicht jeder im Betrieb wissen muss. Doch bevor Sie lügen: Schweigen Sie lieber. Oder sagen Sie ganz ehrlich: „Darüber kann ich nicht sprechen. Noch nicht.“

      4. Gehen Sie offen mit Fehlern um.

        Diese Punkt verdient eine Extra-Erwähnung, weil er im Job so oft unterschlagen wird. Gerade Chefs, Vorbilder eben, sollten beweisen, dass Fehler machen, keine Schande ist – nur nichts daraus zu lernen. Lassen Sie die Kollegen also an Ihren Lern-Erfolgen teilhaben!

      5. Lassen Sie sich Zeit.

        Weder Rom noch Vertrauen lassen sich in einem Tag aufbauen. Nicht zuletzt braucht es irgendwann auch eine Bewährungsprobe, um das Band zu festigen. Vertrauen ist zwar gut – ein Beweis zu gegebener Zeit aber besser.

      Darüber hinaus gibt es weitere Verhaltensweisen, die gegenseitiges Vertrauen (im Beruf) stärken und fördern:

      • Offenheit gegenüber Vorschlägen und abweichenden Meinungen.
      • Ehrlichkeit in Bezug auf eigene Intentionen.
      • Interesse an den Mitarbeitern/Kollegen und ihren beruflichen wie persönlichen Problemen.
      • Eine Einladung an die Kollegen, ebenfalls Entscheidungen zu treffen.
      • Eine offene und angstfreie Gesprächskultur in Meetings.
      • Großzügigkeit bei der Weitergabe von Wissen und Kontakten.
      • Versprechen geben – und diese halten.
      • Eine Kritikkultur, die Ideen jeder Art in Lernprozesse transformiert.
      • Gerechte und transparente Leistungsbeurteilung – und entsprechende Bezahlung.

      PS: Die Grundregeln des Vertrauens können Sie hier auch als PDF kostenlos herunterladen.

      Vertrauen gewinnen? Entschuldigen Sie sich für den Regen!

      Vertrauen gewinnen? Entschuldigen Sie sich für den Regen!Wenn Sie möchten, dass Menschen Ihnen vertrauen, entschuldigen Sie sich für Dinge, für die Sie gar nichts können. Am besten sogar für höhere Gewalt oder andere Ereignisse, die außerhalb Ihrer Kontrolle sind. Zum Beispiel den Regen. Kein Scherz!

      Die Erkenntnis basiert auf einer Studie um Alison Brooks von der Harvard Business School. Bei den Experimenten dazu wurde unter anderem ein Schauspieler gebeten, Fremde an einem Bahnsteig anzusprechen und zu fragen, ob er sich kurz deren Handy ausleihen kann. Mal sprach der Schauspieler die Passanten mit der allgemeinen Abbitte an: Entschuldigung, könnte ich mir gerade mal Ihr Handy ausleihen? Mal mit der aberwitzigen Formel: Entschuldigen Sie bitte den schlimmen Regen, aber könnte ich mir gerade mal Ihr Handy ausleihen?

      Natürlich hat das Eine mit dem Anderen so viel zu tun wie Bikinis mit Weihnachten. Dennoch hatte die Schlechtwetter-Entschuldigung massiven Einfluss auf das Ergebnis: 47 Prozent der so Angesprochenen gaben dem Mimen ihr Smartphone – im Gegensatz zu 9 Prozent, wenn er einfach so um das Geräte fragte.

      „Entschuldigungen haben signifikanten Einfluss auf unser Vertrauen“, sagt Studienleiterin Alison Brooks, „selbst bei völliger Abwesenheit eines Exculpationsgrunds.“ Es wirke wie ein Eisbrecher – sogar wenn die Entschuldigung für das Regenwetter ganz offensichtlich sinnlos ist.

      Vertrauenskrise: Wie Sie Vertrauen verspielen

      Natürlich gibt es auch den umgekehrten Weg: Vertrauen zu verspielen. Denn Worte sind billig, wer sie zu oft verwendet ohne Taten folgen zu lassen, schürt nur den Verdacht eine Nebelkerzenwerfer zu sein, jemand, der das eine sagt, um zu verschleiern, dass er das andere tut.

      Deshalb finden Sie hier noch eine Liste, wie sich das Vertrauen anderer erschüttern, wenn nicht gar zerstören lässt. Verstehen Sie diese Aufzählung ruhig als Checkliste: Wer mehr als fünf Punkte ankreuzen könnte, ist auf dem besten Weg Vertrauen zu verspielen:

      • Sie halten sich nicht an Abmachungen, Arrangements, Versprechen.
      • Sie kümmern sich zuerst um den eigenen Vorteil.
      • Sie vermeiden Kompromisse und maximieren nur den eigenen Profit.
      • Sie wollen alles und immer kontrollieren statt zu delegieren.
      • Ihre Worte und Taten widersprechen sich offensichtlich.
      • Sie verschweigen wichtige Informationen gegenüber Kollegen.
      • Sie belügen Ihr Umfeld.
      • Sie suchen die Schuld vornehmlich bei anderen – und bezichtigen sie öffentlich.
      • Sie kritisieren öfter als Sie loben. Konstruktives Feedback ist bei Ihnen rar.
      • Sie setzen sich über Vertraulichkeiten hinweg und beteiligen sich am Flurfunk.
      • Sie treffen einsame Entscheidungen und erlauben niemand Ihnen dabei zu helfen.
      • Sie spielen die Stärken und Talente andere herunter (um selber besser dazustehen).
      • Sie versäumen es, andere zu fördern oder bei ihrer Entwicklung zu unterstützen.
      • Sie fragen nie um Rat oder Hilfe.
      • Sie sind eine Maschine, Privates im Job klammern Sie völlig aus (auch Humor).
      • Sie empfinden jede Form von Kritik als persönlichen Angriff (und schlagen entsprechend zurück).
      • Sie versuchen Diskussionen, die Ihr Image schädigen könnten, im Keim zu ersticken.
      • Sie versuchen Konflikte aller Art zu vermeiden oder herunterzuspielen.
      • Sie nutzen Meetings vor allem als Bühne zur Selbstdarstellung.
      • Sie schmieden hinterrücks Allianzen und Intrigen.
      • Sie entschuldigen sich nie für Fehler, Missverständnisse oder schlechtes Benehmen.

      Alles gefährlich, denn…

      Vertrauen Sprüche Zitat Beziehung Psychologie

      Berufe-Ranking: Wem vertrauen die Leute am meisten

      Berufe-Ranking: Wem vertrauen die Leute am meistenWürden Sie sich einem Arzt anvertrauen? Klar. Einem Pastor? Sicher. Einem Anwalt? Ebenso. Sind ja alle an die Schweigepflicht gebunden. Außerdem können die nur für einen arbeiten, wenn es eine gemeinsame Vertrauensbasis gibt. Aber wie sieht es aus, bei anderen Berufen – da, wo es diese Basis nicht zwangsläufig gibt?

      Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK Custom Research, 20 000 Befragte in 19 Ländern) hat das mal untersucht – und in ein Berufe-Ranking gegossen: Jobs, die das höchste Ansehen beziehungsweise Vertrauen in Deutschland genießen:

      • Feuerwehrleute: 94 Prozent
      • Piloten: 93 Prozent
      • Krankenschwestern: 91 Prozent
      • Apotheker: 86 Prozent
      • Ärzte: 86 Prozent
      • Polizisten: 73 Prozent
      • Landwirte: 69 Prozent
      • Lehrer: 60 Prozent
      • Richter: 59 Prozent
      • Meteorologen: 57 Prozent
      • Priester/Pfarrer: 55 Prozent
      • Taxifahrer: 55 Prozent
      • Rechtsanwälte: 50 Prozent
      • Journalisten: 27 Prozent
      • Reiseveranstalter: 27 Prozent
      • Finanzberater: 20 Prozent
      • Fußballspieler: 17 Prozent
      • Gewerkschaftsführer: 17 Prozent
      • Autoverkäufer: 11 Prozent
      • Politiker: 6 Prozent

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      [Bildnachweis: Jacob Lund by Shutterstock.com]

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      Zweites Vorstellungsgespräch: Tipps zum Recall https://karrierebibel.de/zweites-vorstellungsgespraech/ Wed, 10 Jul 2019 11:00:01 +0000 Jochen Mai http://karrierebibel.de/?p=56639 Ein zweites Vorstellungsgespräch ist so etwas wie ein Sieb, durch das nur noch die feinsten Bewerber passen. Vor allem in größeren Unternehmen ist der Recall üblich, um aus dem riesigen Fangnetz mit Bewerbern den vermeintlich perfekten Kandidaten herauszufischen. Doch ganz leicht ist die zweite Runde nicht zu überstehen, denn jetzt geht es ans Eingemachte. Worauf müssen sich Bewerber einstellen? Wie können Sie sich vorbereiten? Wie punkten Sie im zweiten Vorstellungsgespräch? Hier die wichtigsten Tipps und Empfehlungen…

      Zweites Vorstellungsgespräch: Fragen und Ablauf

      Der erste Eindruck zählt, der zweite Eindruck ist aber oft noch wichtiger, denn er hallt nach. So ist es auch im zweiten Vorstellungsgespräch:

      • Die gute Nachricht

        Sie haben die erste Hürde genommen, sind eine Runde weiter und damit im Kreis der Finalisten. Klasse! Bis hierhin haben Ihre Bewerbungsunterlagen und die bisherige Selbstpräsentation überzeugt…

      • Die schlechte Nachricht

        Trotz des Erfolgserlebnisses – so richtig überzeugt haben Sie noch nicht. Es bestehen ganz offenbar noch Zweifel und Unsicherheiten. Sonst wären Sie nicht im Recall, sondern würden bereits den Arbeitsvertrag unterschreiben. Eine Garantie für den Job ist das zweite Vorstellungsgespräch daher nicht, im Gegenteil: Viele Personaler sagten uns, dass die Chancen auf den Job auch jetzt noch bei nur 50 Prozent liegen. Maximal.

      Sie sollten das Zweitgespräch daher unbedingt ernst nehmen und sich optimal darauf vorbereiten – was Sie offenbar gerade tun (sonst würden Sie nicht weiterlesen). Gut: Wir sagen Ihnen, was auf Sie potenziell zukommt und wie Sie Ihre Jobchancen im zweiten Vorstellungsgespräch erhöhen und die zweite Runde meistern

      Extra-Tipp: Vorher nach dem Ablauf erkundigen

      Extra-Tipp: Vorher nach dem Ablauf erkundigenSobald Sie eine Einladung zum zweiten Vorstellungsgespräch erhalten, können Sie sich auch telefonisch und vorab erkundigen, was Sie dabei erwartet oder auf wen Sie dabei treffen werden. Eine solche Nachfrage ist völlig legitim und zeigt nur, wie ernst Sie den Termin nehmen und wie gründlich Sie sich darauf vorbereiten. Womöglich erfahren Sie so auch ein paar Themen, die dabei vertieft werden sollen.

      Tipps zur Vorbereitung des Recalls

      • Frischen Sie Informationen auf

        Je nachdem, wie lange das Erstgespräch her ist, sind Namen und Zahlen nicht unbedingt in Erinnerung. Stellen Sie sicher, dass Sie nicht aus anderen Jobinterviews womöglich Fakten durcheinanderbringen. Gehen Sie vorab Ihre Rechercheergebnisse zum Unternehmen durch und nehmen Sie für die zweite Runde einen Notizblock mit, um wichtige Fragen oder Informationen während des Gesprächs notieren zu können. So können Sie auf diese Punkte zurückgreifen, wenn Sie das Wort haben. Das Auffrischen von Informationen gilt auch für Ihre Gesprächspartner: Bringen Sie Ihre Bewerbungsunterlagen in mehrfacher Ausfertigung mit. Falls anwesende Entscheidungsträger Ihre Unterlagen nicht bereits in Kopie vorliegen haben, können Sie sie so mit allen wichtigen Informationen über Ihre Person ausstatten.

      • Analysieren Sie Ihre Notizen

        Gehen Sie noch mal alle Notizen aus dem ersten Interview durch und analysieren Sie diese ehrlich: Was lief gut im ersten Vorstellungsgespräch? Was hätte besser sein können? Welche Punkte waren den Personalern besonders wichtig? Gehen Sie Gespräch Eins noch einmal gedanklich durch, um Doppelfehler zu vermeiden und nun die richtigen Akzente zu setzen. Stellen Sie sich aber auch darauf ein, dass Ihnen dieselben Fragen wieder gestellt werden: Hier wird Ihre Glaubwürdigkeit auf die Probe gestellt, Personaler wollen meist sehen, ob Sie sich in Widersprüche verstricken. Erzählen Sie also möglichst dieselbe Geschichte.

      • Halten Sie eine Generalprobe ab

        Erfahrungsgemäß schleifen sich Dinge mit der Routine ein – eine gelungene Selbstpräsentation sollten Sie daher erneut üben. Bitten Sie Freunde oder Verwandte, mit Ihnen die notwendigen Punkte durchzugehen und mit Ihren Unterlagen zu vergleichen. Besonders wertvoll sind hier ehrliche Feedbacks: Gibt es Ungereimtheiten? Bleiben Fragen offen? Wenn Sie die richtigen Antworten darauf wissen, können Sie sicher sein, auch im zweiten Vorstellungsgespräch diese beantworten zu können. Wichtig ist in diesem Zusammenhang Ihre Körpersprache, weshalb Sie vor dem Spiegel trainieren oder Ihre Freunde und Verwandten darum bitten sollten, ein Augenmerk darauf zu haben.

      Darüber hinaus gelten alle klassischen Empfehlungen für das erste Vorstellungsgespräch natürlich auch für die zweite Runde, das heißt: Seien Sie pünktlich und ausgeruht. Des Weiteren:

      • Kleiden Sie sich angemessen (Mehr dazu)
      • Begrüßen Sie alle formell und höflich (Mehr dazu)
      • Halten Sie stets Blickkontakt (Mehr dazu)
      • Achten Sie auf die Hände und lächeln Sie viel (Mehr dazu)
      • Seien Sie auf mögliche Fangfragen gefasst (Mehr dazu)
      • Bereiten Sie selbst ein paar Rückfragen vor (Mehr dazu)

      Extra-Tipp: Kleidung im zweiten Gespräch

      Hier ist nur folgender Merksatz wichtig: Bleiben Sie Ihrem Stil treu, aber ziehen Sie nicht dasselbe an wie beim ersten Mal.

      Tipps im zweiten Vorstellungsgespräch

      Natürlich betonen Sie im Bewerbungsgespräch noch einmal Ihre Qualifikationen und Kernkompetenzen und warum Sie perfekt auf die Stelle passen, Motto: Steter Tropfen höhlt den Stein… Die Besonderheiten des Recalls liegen eher in einer etwas anderen Situation und inhaltlich anderen Schwerpunkten.

      Während das Erstgespräch oftmals eine grobe Vorauswahl mit den direkten Vorgesetzten und einem Verantwortlichen der HR-Abteilung darstellt, wird es jetzt ernst:

      Machen Sie sich also auf neue Gesichter gefasst, im zweiten Vorstellungsgespräch sitzen meist hochrangige Entscheidungsträger, die sich selbst ein Bild vom Kandidaten machen wollen. Das gilt umso mehr, wenn es um wichtige Managerposten geht.

      Der simple Grund: Eine Fehlentscheidung bei der Bewerberauswahl kommt Unternehmen teuer zu stehen, gerade bei hochkarätig besetzten Stellen. Bewerber für Führungspositionen sollten daher nicht nur mit einem Assessment Center, sondern mit Einzelassessment rechnen.

      Im Folgenden unsere Tipps, wie Sie sich im zweiten Vorstellungsgespräch verhalten sollten:

      1. Stellen Sie einen Bezug zum Erstgespräch her

        Neu ist, dass das Jobinterview eben nicht neu ist. Auch wenn Ihnen jetzt vielleicht überwiegend andere Personen gegenüber sitzen: Man kennt Sie schon ein bisschen, hat einen Eindruck – aber auch noch Vorbehalte. Stellen Sie daher einen Bezug zum ersten Jobinterview her, indem Sie offene Fragen beantworten oder Schiefgelaufenes gerade rücken (erklären, nicht rechtfertigen!).

        Eventuell können Sie auch schon Lösungen für Probleme präsentieren, die im ersten Interview aufgetaucht sind. In etwa so: „Weil Ihr Unternehmen das Analyse-Tool XY nutzt, wie ich im ersten Gespräch erfahren habe, könnte man auch darüber nachdenken, das so und so einzusetzen…“

        Themen vertiefen, neue Aspekte hinzufügen oder auf unbeantwortete Fragen zurückkommen — spulen Sie nicht einfach Ihr Programm von der ersten Vorstellung noch mal ab, sondern nehmen Sie Bezug auf die Premiere und machen eine gelungene Fortsetzung daraus. Das zeigt, dass Sie aufmerksam zugehört und reflektiert haben.

      2. Bleiben Sie authentisch

        Verhalten Sie sich im Prinzip genauso so wie im ersten Gespräch, denn das ist ja offensichtlich gut angekommen. Nur eines sollten Sie anders machen: Sie sollten sich NOCH professioneller vorbereiten: mehr Faktenwissen über das Unternehmen, mehr Einzelheiten aus Ihrer bisherigen Laufbahn, mehr Details insgesamt. Plakativ ausgedrückt, muss Ihnen gelingen, was in der Filmwelt nur selten hinhaut: Dass Teil 2 noch besser wird als Teil 1. Und falls Ihnen neue, unbekannten Menschen gegenüberzusitzen, müssen Sie diese natürlich auch von Neuem von sich überzeugen.

      3. Rechnen Sie mit hohen Anforderungen

        Rollenspiele, Dialoge in einer Fremdsprache, Fangfragen – rechnen Sie damit. Das zweite Gespräch ist dafür gemacht, um die Messlatte noch mal ein gutes Stück höher zu hängen. Stellen Sie sich daher auf unangenehme Fragen und Aufgaben ein. Dann bringen Sie auch happige Brainteaser oder persönliche Fragen (obwohl teilweise unzulässig) nicht aus der Ruhe.

      4. Punkten Sie mit Details

        Rechnen Sie damit, dass das zweite Gespräch noch mehr in die Tiefe und ins Detail geht als das erste. Womöglich wird man Sie bitten, einzelne Abschnitte Ihres Lebenslaufs noch eingehender zu erläutern, Ihre Jobwechselmotive detaillierter zu begründen oder zum künftigen Job genauer Stellung zu nehmen. Eine klassische Frage dazu wäre: „Wenn Sie den Job bekommen, was würden Sie dann in den ersten drei Monaten machen?“ Seien Sie aber auch auf kritische Fragen vorbereitet.

      5. Kalkulieren Sie ein Mittagessen ein

        Nicht selten ist das zweite Vorstellungsgespräch mit einem gemeinsamen Mittagessen verbunden. Das ist kein Zufall: Die Persönlichkeit des Bewerbers spielt bei der Einstellungs-Entscheidung schließlich eine große Rolle. Um Sie noch persönlicher kennenzulernen, ist das gemeinsame Mittagessen eine beliebte Variante – nicht zuletzt, um Ihre guten Manieren zu sehen. Mit dem Geschäftsessen-Knigge im Hinterkopf passiert Ihnen kein peinliches Malheur.

      6. Formulieren Sie Ihre Gehaltsvorstellungen

        Sofern die Vertragskonditionen im ersten Gespräch noch nicht auf den Tisch kamen, kommen sie spätestens jetzt: Wie viele Urlaubstage räumt man Ihnen ein? Wie sehen die (Kern-)Arbeitszeiten aus? Wie werden Überstunden abgegolten? (Mehr dazu auch auf Karrierefragen.de) Vor allem aber: Welches Gehalt stellen Sie sich vor? Falls diese Themen nicht von Ihren Gesprächspartnern angesprochen werden, können Sie das auch während Ihrer Rückfragen tun. Wichtig nur: Legen Sie sich eine stimmige Verhandlungstaktik und gute Argumente für Ihre Gehaltsvorstellungen zurecht: Was zahlt die Branche üblicherweise in der Region, in der Position? Wie berechnen Sie Ihren Marktwert?

      Gratis-Download: Checkliste für Vorbereitung

      Zweites Vorstellungsgespräch VertragNachfolgend haben wir die wichtigsten Punkte für Sie in einem PDF-Dokument zusammengefasst, dass Sie bei uns als Gratis-Download erhalten. Hier können Sie für Ihre Vorbereitungen das abhaken, was für das zweite Vorstellungsgespräch relevant ist:

      Zweites Vorstellungsgespräch: Diese Fehler bitte vermeiden

      Wie oben schon erwähnt, ist das zweite Interview kein Selbstläufer. Noch gibt es Mitbewerber und damit auch das Risiko, doch noch auszuscheiden. Nicht wenige Kandidaten scheitern dabei an klassischen Fehlern, die sich allerdings leicht vermeiden lassen – diesen:

      1. Vergessene Fragen

        Was am häufigsten als Desinteresse ausgelegt wird: Wenn der Bewerber keine Fragen stellt, nicht nachhakt. Dieser Aspekt wird leicht unterschätzt, schließlich wurden im ersten Gespräch zumeist wichtige Fragen geklärt, weshalb Sie keinesfalls dieselben erneut stellen sollten. Es wird erwartet, dass Sie sich brennend für die Stelle interessieren und jedes Detail wissen wollen. Nicht zuletzt ist es auch ein Zeichen von Aufmerksamkeit, dass Sie auf neue Inhalte im zweiten Vorstellungsgespräch eingehen und daraus Fragen formulieren können.

      2. Gezeigte Selbstüberschätzung

        Die Versuchung ist groß, sich nach der Einladung zum Recall selbst kräftig auf die Schulter zu klopfen und zu glauben, die Bude mit links rocken zu können… Denkste! Übersteigerte Siegessicherheit hat schon viele Bewerber in der zweiten Runde aus dem Rennen geworfen.

      3. Fehlende Motivation

        Das Unternehmen will Sie – aber wollen Sie den Job auch genauso? Wenn ja, sollten Sie im zweiten Gespräch keinesfalls den Eindruck erwecken, einen Pflichttermin zu absolvieren. Ihr Wille, den Job nun wirklich bekommen zu wollen, sollte ebenso erkennbar sein wie die Begeisterung für das Unternehmen, dessen Produkte und Herausforderungen.

      4. Erkennbare Widersprüche

        Es ist so ähnlich wie auf dem Polizeirevier: Wer sich in Widersprüche verstrickt, kommt selten heil aus der Sache raus. Auch in der zweiten Bewerbungsrunde sollten Ihre Aussagen hohe Übereinstimmungen mit der ersten aufweisen. Aber auch dieser Hinweis könnte entscheidend sein: Haben Sie in Termin 1 bereits Ihre Gehaltsvorstellungen genannt, packen Sie jetzt bitte nicht vor lauter Siegestrunkenheit noch ein paar Prozent drauf. Bleiben Sie bei Ihren Aus- und Zusagen.

      5. Beleidigte Trotzreaktionen

        Tatsächlich kommt es im zweiten Gespräch schon mal zu Stressfragen oder ein paar Provokationen, um Sie aus der Ruhe zu bringen. Klar, ist das ein frecher Test. Trotzdem sollten Sie unbedingt souverän bleiben und bloß nicht patzig reagieren. Das macht Sie nicht nur klein, sondern war im Zweifel genau die Reaktion, die man sehen wollte, um sich für den anderen Kandidaten zu entscheiden.

      Zweites Vorstellungsgespräch beenden: Auf Wiedersehen!

      Das Beste kommt zum Schluss – oder auch nicht. Nicht wenige Bewerber reden sich bei der Verabschiedung vom Vorstellungsgespräch um Kopf und Karriere. Fatal! Auch wenn das Herz am Ende des Jobinterviews immer noch bis zum Hals pocht und Sie am liebsten losplaudern wollen: Tun Sie es nicht. Bleiben Sie bis zur letzten Minute Profi und halten Sie die Zunge im Zaum. De facto endet das Bewerbungsgespräch erst, wenn Sie durch die Tür und nicht mehr in Sichtweite und auf dem Firmengelände sind.

      Bekräftigen Sie solange lieber noch einmal Ihren Wunsch, für das Unternehmen arbeiten zu wollen. Oder bedanken Sie sich für das gute Gespräch und die angenehme Atmosphäre. Fragen, die Sie bei der Verabschiedung ebenfalls stellen können und sollten, sind:

      Was wären die nächsten Schritte in Ihrem Bewerbungsprozess?

      Wann darf ich frühestens mit einer Antwort von Ihnen rechnen?

      Mit wem von Ihnen kann ich in Kontakt bleiben oder bei eventuellen Rückfragen auf Sie zukommen?

      Setzen Sie Ihre Gesprächspartner dabei aber bitte nie unter Druck. Als Faustregel gilt: Frühestens zwei Wochen nach dem Jobinterview dürfen Sie sich gerne wieder telefonisch erkundigen, ob es schon eine Entscheidung gibt. Mancher Ausleseprozess dauert allerdings länger.

      Abschied-Bewerbungsgespräch-Regeln-Grafik

      Was Sie in der Zwischenzeit auch tun können

      Was Sie in der Zwischenzeit auch tun könnenSchicken Sie ein Dankschreiben. In Deutschland ist das zwar noch die Ausnahme, umso mehr hebt Sie ein solcher Brief oder auch eine E-Mail aber von der Masse ab und bietet die Chance, Schiefgelaufenes gerade zu rücken.

      • Betonen Sie darin, dass Sie das Gespräch positiv fanden und es Ihren Wunsch verstärkt hat, für dieses Unternehmen zu arbeiten.
      • Wiederholen Sie maximal zwei Erkenntnisse des Jobinterviews und beantworten Sie offen gebliebene Fragen.
      • Danken Sie für die Zeit und Aufmerksamkeit (falls Sie gemeinsam essen waren auch dafür), und freuen Sie sich auf eine baldige Antwort. Das alles sollte nicht länger als eine halbe Seite sein.
      [Bildnachweis: fokusgood by Shutterstock.com]

      Weitere Tipps zum Vorstellungsgespräch

      Vorstellungsgespräch Ablauf

      Vorstellungsgespräch Tipps
      5 typische Gesprächsphasen
      Vorstellungsgespräch vorbereiten
      Vorstellungsgespräch Checkliste
      Dresscode
      Begrüßungstipps
      Selbstpräsentation
      Soft Skills
      Authentisch sein
      Gesprächsführung
      Vorstellungsgespräch beenden

      Interview Arten

      Assessment Center
      Stressinterview
      Vorstellungsgespräch auf Englisch
      Strukturiertes Interview
      Bewerbungsgespräch per Video
      Telefoninterview Tipps
      Zweites Vorstellungsgespräch
      Anruf vom Headhunter
      Outplacement Beratung

      Typische Fragen

      100 Fragen an Bewerber
      25 Fangfragen
      Stressfragen
      Wie hoch war Ihr letztes Gehalt?
      Wo sehen Sie sich in 5 Jahren?
      Warum haben Sie gekündigt?
      Haben Sie sich woanders beworben?
      Was wären Sie für ein Tier?
      Warum sollten wir Sie einstellen?
      Wie stehen Sie zu Überstunden?
      Was sind Ihre Schwächen?
      Unzulässige Fragen
      Rückfragen an Personaler

      Tipps & Tricks

      Bewerbungsgespräch Tipps
      Vorstellungsgespräch trainieren
      Bewerbungsgespräch Fehler
      Notlügen im Vorstellungsgespräch
      Körpersprache Tipps
      Nervosität überwinden
      Wohin mit den Händen?
      Tipps gegen Prüfungsangst

      Organisation

      Gesprächstermin verschieben
      Vorstellungsgespräch absagen
      Vorstellungsgespräch abbrechen
      Reisekosten: Wer zahlt?
      Vorstellungsgespräch gut gelaufen?
      Nachfassen
      Vorstellungsgespräch Nachbereitung
      Achten Sie aufs Umfeld

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      Ein zweites Vorstellungsgespräch ist so etwas wie ein Sieb, durch das nur noch die feinsten Bewerber passen. Vor allem in größeren Unternehmen ist der Recall üblich, um aus dem riesigen Fangnetz mit Bewerbern den vermeintlich perfekten Kandidaten herauszufischen. Doch ganz leicht ist die zweite Runde nicht zu überstehen, denn jetzt geht es ans Eingemachte. Worauf müssen sich Bewerber einstellen? Wie können Sie sich vorbereiten? Wie punkten Sie im zweiten Vorstellungsgespräch? Hier die wichtigsten Tipps und Empfehlungen…

      Zweites Vorstellungsgespräch: Fragen und Ablauf

      Der erste Eindruck zählt, der zweite Eindruck ist aber oft noch wichtiger, denn er hallt nach. So ist es auch im zweiten Vorstellungsgespräch:

      • Die gute Nachricht

        Sie haben die erste Hürde genommen, sind eine Runde weiter und damit im Kreis der Finalisten. Klasse! Bis hierhin haben Ihre Bewerbungsunterlagen und die bisherige Selbstpräsentation überzeugt…

      • Die schlechte Nachricht

        Trotz des Erfolgserlebnisses – so richtig überzeugt haben Sie noch nicht. Es bestehen ganz offenbar noch Zweifel und Unsicherheiten. Sonst wären Sie nicht im Recall, sondern würden bereits den Arbeitsvertrag unterschreiben. Eine Garantie für den Job ist das zweite Vorstellungsgespräch daher nicht, im Gegenteil: Viele Personaler sagten uns, dass die Chancen auf den Job auch jetzt noch bei nur 50 Prozent liegen. Maximal.

      Sie sollten das Zweitgespräch daher unbedingt ernst nehmen und sich optimal darauf vorbereiten – was Sie offenbar gerade tun (sonst würden Sie nicht weiterlesen). Gut: Wir sagen Ihnen, was auf Sie potenziell zukommt und wie Sie Ihre Jobchancen im zweiten Vorstellungsgespräch erhöhen und die zweite Runde meistern

      Extra-Tipp: Vorher nach dem Ablauf erkundigen

      Extra-Tipp: Vorher nach dem Ablauf erkundigenSobald Sie eine Einladung zum zweiten Vorstellungsgespräch erhalten, können Sie sich auch telefonisch und vorab erkundigen, was Sie dabei erwartet oder auf wen Sie dabei treffen werden. Eine solche Nachfrage ist völlig legitim und zeigt nur, wie ernst Sie den Termin nehmen und wie gründlich Sie sich darauf vorbereiten. Womöglich erfahren Sie so auch ein paar Themen, die dabei vertieft werden sollen.

      Tipps zur Vorbereitung des Recalls

      • Frischen Sie Informationen auf

        Je nachdem, wie lange das Erstgespräch her ist, sind Namen und Zahlen nicht unbedingt in Erinnerung. Stellen Sie sicher, dass Sie nicht aus anderen Jobinterviews womöglich Fakten durcheinanderbringen. Gehen Sie vorab Ihre Rechercheergebnisse zum Unternehmen durch und nehmen Sie für die zweite Runde einen Notizblock mit, um wichtige Fragen oder Informationen während des Gesprächs notieren zu können. So können Sie auf diese Punkte zurückgreifen, wenn Sie das Wort haben. Das Auffrischen von Informationen gilt auch für Ihre Gesprächspartner: Bringen Sie Ihre Bewerbungsunterlagen in mehrfacher Ausfertigung mit. Falls anwesende Entscheidungsträger Ihre Unterlagen nicht bereits in Kopie vorliegen haben, können Sie sie so mit allen wichtigen Informationen über Ihre Person ausstatten.

      • Analysieren Sie Ihre Notizen

        Gehen Sie noch mal alle Notizen aus dem ersten Interview durch und analysieren Sie diese ehrlich: Was lief gut im ersten Vorstellungsgespräch? Was hätte besser sein können? Welche Punkte waren den Personalern besonders wichtig? Gehen Sie Gespräch Eins noch einmal gedanklich durch, um Doppelfehler zu vermeiden und nun die richtigen Akzente zu setzen. Stellen Sie sich aber auch darauf ein, dass Ihnen dieselben Fragen wieder gestellt werden: Hier wird Ihre Glaubwürdigkeit auf die Probe gestellt, Personaler wollen meist sehen, ob Sie sich in Widersprüche verstricken. Erzählen Sie also möglichst dieselbe Geschichte.

      • Halten Sie eine Generalprobe ab

        Erfahrungsgemäß schleifen sich Dinge mit der Routine ein – eine gelungene Selbstpräsentation sollten Sie daher erneut üben. Bitten Sie Freunde oder Verwandte, mit Ihnen die notwendigen Punkte durchzugehen und mit Ihren Unterlagen zu vergleichen. Besonders wertvoll sind hier ehrliche Feedbacks: Gibt es Ungereimtheiten? Bleiben Fragen offen? Wenn Sie die richtigen Antworten darauf wissen, können Sie sicher sein, auch im zweiten Vorstellungsgespräch diese beantworten zu können. Wichtig ist in diesem Zusammenhang Ihre Körpersprache, weshalb Sie vor dem Spiegel trainieren oder Ihre Freunde und Verwandten darum bitten sollten, ein Augenmerk darauf zu haben.

      Darüber hinaus gelten alle klassischen Empfehlungen für das erste Vorstellungsgespräch natürlich auch für die zweite Runde, das heißt: Seien Sie pünktlich und ausgeruht. Des Weiteren:

      • Kleiden Sie sich angemessen (Mehr dazu)
      • Begrüßen Sie alle formell und höflich (Mehr dazu)
      • Halten Sie stets Blickkontakt (Mehr dazu)
      • Achten Sie auf die Hände und lächeln Sie viel (Mehr dazu)
      • Seien Sie auf mögliche Fangfragen gefasst (Mehr dazu)
      • Bereiten Sie selbst ein paar Rückfragen vor (Mehr dazu)

      Extra-Tipp: Kleidung im zweiten Gespräch

      Hier ist nur folgender Merksatz wichtig: Bleiben Sie Ihrem Stil treu, aber ziehen Sie nicht dasselbe an wie beim ersten Mal.

      Tipps im zweiten Vorstellungsgespräch

      Natürlich betonen Sie im Bewerbungsgespräch noch einmal Ihre Qualifikationen und Kernkompetenzen und warum Sie perfekt auf die Stelle passen, Motto: Steter Tropfen höhlt den Stein… Die Besonderheiten des Recalls liegen eher in einer etwas anderen Situation und inhaltlich anderen Schwerpunkten.

      Während das Erstgespräch oftmals eine grobe Vorauswahl mit den direkten Vorgesetzten und einem Verantwortlichen der HR-Abteilung darstellt, wird es jetzt ernst:

      Machen Sie sich also auf neue Gesichter gefasst, im zweiten Vorstellungsgespräch sitzen meist hochrangige Entscheidungsträger, die sich selbst ein Bild vom Kandidaten machen wollen. Das gilt umso mehr, wenn es um wichtige Managerposten geht.

      Der simple Grund: Eine Fehlentscheidung bei der Bewerberauswahl kommt Unternehmen teuer zu stehen, gerade bei hochkarätig besetzten Stellen. Bewerber für Führungspositionen sollten daher nicht nur mit einem Assessment Center, sondern mit Einzelassessment rechnen.

      Im Folgenden unsere Tipps, wie Sie sich im zweiten Vorstellungsgespräch verhalten sollten:

      1. Stellen Sie einen Bezug zum Erstgespräch her

        Neu ist, dass das Jobinterview eben nicht neu ist. Auch wenn Ihnen jetzt vielleicht überwiegend andere Personen gegenüber sitzen: Man kennt Sie schon ein bisschen, hat einen Eindruck – aber auch noch Vorbehalte. Stellen Sie daher einen Bezug zum ersten Jobinterview her, indem Sie offene Fragen beantworten oder Schiefgelaufenes gerade rücken (erklären, nicht rechtfertigen!).

        Eventuell können Sie auch schon Lösungen für Probleme präsentieren, die im ersten Interview aufgetaucht sind. In etwa so: „Weil Ihr Unternehmen das Analyse-Tool XY nutzt, wie ich im ersten Gespräch erfahren habe, könnte man auch darüber nachdenken, das so und so einzusetzen…“

        Themen vertiefen, neue Aspekte hinzufügen oder auf unbeantwortete Fragen zurückkommen — spulen Sie nicht einfach Ihr Programm von der ersten Vorstellung noch mal ab, sondern nehmen Sie Bezug auf die Premiere und machen eine gelungene Fortsetzung daraus. Das zeigt, dass Sie aufmerksam zugehört und reflektiert haben.

      2. Bleiben Sie authentisch

        Verhalten Sie sich im Prinzip genauso so wie im ersten Gespräch, denn das ist ja offensichtlich gut angekommen. Nur eines sollten Sie anders machen: Sie sollten sich NOCH professioneller vorbereiten: mehr Faktenwissen über das Unternehmen, mehr Einzelheiten aus Ihrer bisherigen Laufbahn, mehr Details insgesamt. Plakativ ausgedrückt, muss Ihnen gelingen, was in der Filmwelt nur selten hinhaut: Dass Teil 2 noch besser wird als Teil 1. Und falls Ihnen neue, unbekannten Menschen gegenüberzusitzen, müssen Sie diese natürlich auch von Neuem von sich überzeugen.

      3. Rechnen Sie mit hohen Anforderungen

        Rollenspiele, Dialoge in einer Fremdsprache, Fangfragen – rechnen Sie damit. Das zweite Gespräch ist dafür gemacht, um die Messlatte noch mal ein gutes Stück höher zu hängen. Stellen Sie sich daher auf unangenehme Fragen und Aufgaben ein. Dann bringen Sie auch happige Brainteaser oder persönliche Fragen (obwohl teilweise unzulässig) nicht aus der Ruhe.

      4. Punkten Sie mit Details

        Rechnen Sie damit, dass das zweite Gespräch noch mehr in die Tiefe und ins Detail geht als das erste. Womöglich wird man Sie bitten, einzelne Abschnitte Ihres Lebenslaufs noch eingehender zu erläutern, Ihre Jobwechselmotive detaillierter zu begründen oder zum künftigen Job genauer Stellung zu nehmen. Eine klassische Frage dazu wäre: „Wenn Sie den Job bekommen, was würden Sie dann in den ersten drei Monaten machen?“ Seien Sie aber auch auf kritische Fragen vorbereitet.

      5. Kalkulieren Sie ein Mittagessen ein

        Nicht selten ist das zweite Vorstellungsgespräch mit einem gemeinsamen Mittagessen verbunden. Das ist kein Zufall: Die Persönlichkeit des Bewerbers spielt bei der Einstellungs-Entscheidung schließlich eine große Rolle. Um Sie noch persönlicher kennenzulernen, ist das gemeinsame Mittagessen eine beliebte Variante – nicht zuletzt, um Ihre guten Manieren zu sehen. Mit dem Geschäftsessen-Knigge im Hinterkopf passiert Ihnen kein peinliches Malheur.

      6. Formulieren Sie Ihre Gehaltsvorstellungen

        Sofern die Vertragskonditionen im ersten Gespräch noch nicht auf den Tisch kamen, kommen sie spätestens jetzt: Wie viele Urlaubstage räumt man Ihnen ein? Wie sehen die (Kern-)Arbeitszeiten aus? Wie werden Überstunden abgegolten? (Mehr dazu auch auf Karrierefragen.de) Vor allem aber: Welches Gehalt stellen Sie sich vor? Falls diese Themen nicht von Ihren Gesprächspartnern angesprochen werden, können Sie das auch während Ihrer Rückfragen tun. Wichtig nur: Legen Sie sich eine stimmige Verhandlungstaktik und gute Argumente für Ihre Gehaltsvorstellungen zurecht: Was zahlt die Branche üblicherweise in der Region, in der Position? Wie berechnen Sie Ihren Marktwert?

      Gratis-Download: Checkliste für Vorbereitung

      Zweites Vorstellungsgespräch VertragNachfolgend haben wir die wichtigsten Punkte für Sie in einem PDF-Dokument zusammengefasst, dass Sie bei uns als Gratis-Download erhalten. Hier können Sie für Ihre Vorbereitungen das abhaken, was für das zweite Vorstellungsgespräch relevant ist:

      Zweites Vorstellungsgespräch: Diese Fehler bitte vermeiden

      Wie oben schon erwähnt, ist das zweite Interview kein Selbstläufer. Noch gibt es Mitbewerber und damit auch das Risiko, doch noch auszuscheiden. Nicht wenige Kandidaten scheitern dabei an klassischen Fehlern, die sich allerdings leicht vermeiden lassen – diesen:

      1. Vergessene Fragen

        Was am häufigsten als Desinteresse ausgelegt wird: Wenn der Bewerber keine Fragen stellt, nicht nachhakt. Dieser Aspekt wird leicht unterschätzt, schließlich wurden im ersten Gespräch zumeist wichtige Fragen geklärt, weshalb Sie keinesfalls dieselben erneut stellen sollten. Es wird erwartet, dass Sie sich brennend für die Stelle interessieren und jedes Detail wissen wollen. Nicht zuletzt ist es auch ein Zeichen von Aufmerksamkeit, dass Sie auf neue Inhalte im zweiten Vorstellungsgespräch eingehen und daraus Fragen formulieren können.

      2. Gezeigte Selbstüberschätzung

        Die Versuchung ist groß, sich nach der Einladung zum Recall selbst kräftig auf die Schulter zu klopfen und zu glauben, die Bude mit links rocken zu können… Denkste! Übersteigerte Siegessicherheit hat schon viele Bewerber in der zweiten Runde aus dem Rennen geworfen.

      3. Fehlende Motivation

        Das Unternehmen will Sie – aber wollen Sie den Job auch genauso? Wenn ja, sollten Sie im zweiten Gespräch keinesfalls den Eindruck erwecken, einen Pflichttermin zu absolvieren. Ihr Wille, den Job nun wirklich bekommen zu wollen, sollte ebenso erkennbar sein wie die Begeisterung für das Unternehmen, dessen Produkte und Herausforderungen.

      4. Erkennbare Widersprüche

        Es ist so ähnlich wie auf dem Polizeirevier: Wer sich in Widersprüche verstrickt, kommt selten heil aus der Sache raus. Auch in der zweiten Bewerbungsrunde sollten Ihre Aussagen hohe Übereinstimmungen mit der ersten aufweisen. Aber auch dieser Hinweis könnte entscheidend sein: Haben Sie in Termin 1 bereits Ihre Gehaltsvorstellungen genannt, packen Sie jetzt bitte nicht vor lauter Siegestrunkenheit noch ein paar Prozent drauf. Bleiben Sie bei Ihren Aus- und Zusagen.

      5. Beleidigte Trotzreaktionen

        Tatsächlich kommt es im zweiten Gespräch schon mal zu Stressfragen oder ein paar Provokationen, um Sie aus der Ruhe zu bringen. Klar, ist das ein frecher Test. Trotzdem sollten Sie unbedingt souverän bleiben und bloß nicht patzig reagieren. Das macht Sie nicht nur klein, sondern war im Zweifel genau die Reaktion, die man sehen wollte, um sich für den anderen Kandidaten zu entscheiden.

      Zweites Vorstellungsgespräch beenden: Auf Wiedersehen!

      Das Beste kommt zum Schluss – oder auch nicht. Nicht wenige Bewerber reden sich bei der Verabschiedung vom Vorstellungsgespräch um Kopf und Karriere. Fatal! Auch wenn das Herz am Ende des Jobinterviews immer noch bis zum Hals pocht und Sie am liebsten losplaudern wollen: Tun Sie es nicht. Bleiben Sie bis zur letzten Minute Profi und halten Sie die Zunge im Zaum. De facto endet das Bewerbungsgespräch erst, wenn Sie durch die Tür und nicht mehr in Sichtweite und auf dem Firmengelände sind.

      Bekräftigen Sie solange lieber noch einmal Ihren Wunsch, für das Unternehmen arbeiten zu wollen. Oder bedanken Sie sich für das gute Gespräch und die angenehme Atmosphäre. Fragen, die Sie bei der Verabschiedung ebenfalls stellen können und sollten, sind:

      Was wären die nächsten Schritte in Ihrem Bewerbungsprozess?

      Wann darf ich frühestens mit einer Antwort von Ihnen rechnen?

      Mit wem von Ihnen kann ich in Kontakt bleiben oder bei eventuellen Rückfragen auf Sie zukommen?

      Setzen Sie Ihre Gesprächspartner dabei aber bitte nie unter Druck. Als Faustregel gilt: Frühestens zwei Wochen nach dem Jobinterview dürfen Sie sich gerne wieder telefonisch erkundigen, ob es schon eine Entscheidung gibt. Mancher Ausleseprozess dauert allerdings länger.

      Abschied-Bewerbungsgespräch-Regeln-Grafik

      Was Sie in der Zwischenzeit auch tun können

      Was Sie in der Zwischenzeit auch tun könnenSchicken Sie ein Dankschreiben. In Deutschland ist das zwar noch die Ausnahme, umso mehr hebt Sie ein solcher Brief oder auch eine E-Mail aber von der Masse ab und bietet die Chance, Schiefgelaufenes gerade zu rücken.

      • Betonen Sie darin, dass Sie das Gespräch positiv fanden und es Ihren Wunsch verstärkt hat, für dieses Unternehmen zu arbeiten.
      • Wiederholen Sie maximal zwei Erkenntnisse des Jobinterviews und beantworten Sie offen gebliebene Fragen.
      • Danken Sie für die Zeit und Aufmerksamkeit (falls Sie gemeinsam essen waren auch dafür), und freuen Sie sich auf eine baldige Antwort. Das alles sollte nicht länger als eine halbe Seite sein.
      [Bildnachweis: fokusgood by Shutterstock.com]

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      Soft Skills
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      Vorstellungsgespräch beenden

      Interview Arten

      Assessment Center
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      25 Fangfragen
      Stressfragen
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      Tipps & Tricks

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      Tipps gegen Prüfungsangst

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      Gesprächstermin verschieben
      Vorstellungsgespräch absagen
      Vorstellungsgespräch abbrechen
      Reisekosten: Wer zahlt?
      Vorstellungsgespräch gut gelaufen?
      Nachfassen
      Vorstellungsgespräch Nachbereitung
      Achten Sie aufs Umfeld

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