Ideenklau: Vor Kollegendiebstahl schützen

Teamarbeit gilt in den meisten Unternehmen als Idealtypus der kollegialen Zusammenarbeit. Doch Teams haben auch Tücken: So beklagt derzeit knapp jeder Zweite (44 Prozent) deutsche Arbeitnehmer Ideenklau durch Kollegen oder den Chef. Das ist das Ergebnis einer Umfrage unter mehr als 1000 deutschen Arbeitnehmer. Interdisziplinäre Projektteams sind zwar heute eine Notwendigkeit, aber nicht jeder Kollege ist eben auch ein guter Teamplayer, sonst heimst erst die Ideen anderer und kassiert dann auch noch den fremden Lorbeer. Aber kann man sich davor überhaupt schützen?

Ideenklau: Vor Kollegendiebstahl schützen

Ideenklau im Büro: Achtung vor Ideendieben

Ideenklau-Faelschung-Diebstahl

Das Phänomen Ideenklau ist im Job leider weit verbreitet. Vor allem in kreativen Berufen und intellektuellen Dienstleistungsbranchen wie etwa der Beratung kommt es immer wieder vor, dass sich Kollegen mit fremden Federn schmücken. Schließlich kann man sich im Job und in Meetings vor allem durch gute und innovative Ideen positiv positionieren und für die nächste Beförderung empfehlen. Blöd nur, wenn einem keine eigenen Ideen einfallen…

So mancher Kollege fragt vielleicht unschuldig: „Was würdest du in der oder der Lage machen?“ oder er oder sie bittet um Rat – nur um anschließend zum Chef zu rennen und das Ganze als seine Lösung auszugeben. Noch ärgerlicher, wenn Sie selbst einem Kollegen Ihre noch nicht ganz ausgereifte Idee anvertrauen – und der dann im nächsten Meeting damit auftrumpft. Das ist mehr als unkollegial und dreist.

Nicht wenige entschuldigen sich für den Klau auch noch mit dem Argument, es bräuchte eben immer einen Mutigen, der die Wahrheit ausspricht – und Sie seien eben zu schüchtern, zu langsam, zu skeptisch, … gewesen. Klar, bei einem solch frechen Ideendieb und Selbstdarsteller pocht einem die Schlagader bis zum Hals. Davon zu irgendetwas hinreißen lassen, sollten Sie sich aber bitte trotzdem nicht (siehe Kasten „Ruhig Blut“).

Rein juristisch ist eine Idee allein kaum zu schützen. Das Urheberrecht bietet hierzu wenig Schutz. Zwar soll es „persönliche geistige Schöpfungen“ vor Nachahmern bewahren. Doch das Problem ist, die Urheberschaft erst einmal nachzuweisen sowie zugleich die sogenannte Schöpfungshöhe zu erreichen. Ein Buch, ein Song, ein Artikel hat diese allemal. Aber eine einzelne Idee, ein einziges Wort… schwer.

Verstehen Sie uns bitte nicht falsch: Das ist kein Plädoyer zum Silodenken und zur anschließenden Abschottung. Teamarbeit lebt davon, dass Mitarbeiter ihr Wissen teilen, Ideen austauschen und diskutieren. Nur so entsteht ein kreativer Prozess. Sich im Nachhinein gegen angebliche Kollegenschweine zur Wehr zu setzen, wirkt deshalb immer auch latent teamunfähig: Einerseits will man kooperieren, aber das Lob möge doch bitte nur einem allein gebühren. Einzelkämpfer denken so. Echte Teamarbeit führt aber immer auch zu Teamerfolg.

Ruhig Blut! Wie Sie auf Ideenklau NICHT reagieren sollten?

Daumenrunter_tWie groß der Ärger über so viel Unverschämtheit auch ist, lassen Sie sich bitte trotzdem zu keiner Kurzschlusshandlung hinreißen. Die Folgen können schlimmer sein, als der Diebstahl selbst. Die folgenden Reaktion daher bitte vermeiden:

  • Rache nehmen.

    Rache hat noch nie ein Unrecht gut gemacht – und Rachsucht rächt sich vor allem an uns selbst. Wer zur Wiedergutmachung selbst Ideen beim vermeintlichen Dieb klaut, könnte ebenso auffliegen – und danach glaubt man Ihnen kein Wort, dass das nur Selbstschutz oder Notwehr gewesen sei. Dass sich ebenso Mobbing verbietet, ist klar.

  • Petzen gehen.

    Die Versuchung ist natürlich groß, sofort zum Chef zu laufen und den Ideendieb dort anzuschwärzen. Aber das macht Sie auch klein und letztlich zum Opfer, dass sich nicht anders zu helfen weiß. Souveräner wirkt, erst einmal Beweise zu sammeln, die auch einer Prüfung standhalten. Machen Sie beispielsweise lieber Screenshots von E-Mails oder drucken Sie diese aus. Sammeln Sie Belege – je mehr, desto besser. Gerade chronische Diebe überführt man am besten, indem man lange Zeit im Verborgenen Belege sammelt und sie dann mit erdrückenden Beweisen überführt.

  • Beleidigt sein.

    Auch macht Sie klein. Wer nach dem Diebstahl schmollt, sich trotzig zurückzieht und beleidigt verkriecht, sieht nicht gerade wie ein kreativer Ideengeber aus. Das Büro ist kein Kindergarten. Ihre Rhetorik und erste äußere Reaktion sollte daher eine andere sein: nicht lästern, nicht nachtragend schmollen, sondern souverän lächeln. Das war schließlich nicht Ihr einziger Geistesblitz! Für einen Kollegen, der so wenig zu bieten hat, dass er schon andere beklauen muss, haben Sie nur mildes Mitleid.

Tipps, wie Sie sich vor Ideenklau schützen

Im Nachhinein ist oft nicht viel zu machen. Aber das, was Sie machen, sollte unbedingt souverän und sachlich bleiben. Ein Wüterich gibt dabei immer eine schlechte Figur ab. Die folgenden Empfehlungen haben sich dagegen schon oft bewährt:

  • Genau prüfen.

    Der Vorwurf „Ideenklau“ ist schnell formuliert. Aber trifft er auch zu? So manches Ergebnis basiert darauf, dass alle im kreativen Prozess mitgewirkt haben – ein Gedanke gab den anderen. Sicher, war es vielleicht Ihr Einfall, der alles ins Rollen brachte. Aber zu dem jetzigen Ergebnis sind auch Sie erst durch die Diskussion mit den Kollegen gelangt. Der Lorbeer gehört deshalb auch allen, die mitgewirkt haben. So fair muss man im Team schon sein.

  • Nicht jammern.

    Ja, andere Kollegen zu bestehlen, ist rücksichtslos und gemein. Doch weder Ärgern noch Jammern ändert etwas daran, im Gegenteil: Wer jetzt beim Chef den Ideendieb anschwärzt, steht nicht nur in der Beweispflicht (was immer schwer ist), sondern im Zweifel auch schnell als Heulsuse da. Im schlimmsten Fall sehen Sie am Ende noch so aus, als wollten Sie sich mit fremden Lorbeer schmücken. Deshalb: Erst mal nur die Faust in der Tasche ballen, professionell bleiben und kühl analysieren, was Sie selbst falsch gemacht haben und wo Sie dem diebischen Egomanen auf den Leim gegangen sind.

  • Kollegen ansprechen.

    Das Beste ist immer noch das 4-Augen-Gespräch. Der Kollege hat Ihre Idee geklaut – es weiß das, und Sie wissen das. Damit fällt die lästige Beweispflicht schon mal weg. Stellen Sie ihn also zur Rede und fragen Sie ihn, warum er sich auf Ihre Kosten profiliert. Ganz wichtig: Jederzeit sachlich und objektiv bleiben. Dann machen Sie ihm selbstbewusst klar, dass Sie sein Verhalten nicht tolerieren und falls er oder sie noch mal zum Ideendieb wird, dies das Ende der Zusammenarbeit ist. Kurz: Weisen Sie ihn in die Schranken. Die meisten Menschen verstehen die Botschaft und können – gerade unter vier Augen – auch den Fehler zugeben.

  • Verhalten ändern.

    Was haben Sie aus dem Ideenklau gelernt? Sitzt Ihr Herz vielleicht zu locker auf der Zunge? Sind Sie zu mitteilsam oder zu gutgläubig? Gerade gegenüber entlarvten und bekannten Ideendieben sollten Sie Ihr Verhalten ändern und Skizzen oder Innovationen nur vor weiteren Zeugen präsentieren und preisgeben. So kann kein anderer den Einfall für sich reklamieren. Auch sollten Sie vorsichtiger mit solchen Lösungen umgehen und diese zum Beispiel nicht offen auf dem Schreibtisch liegen lassen. Darüber hinaus könnte auch eine Lösung sein, künftig mutiger mit den eigenen Ideen umzugehen und diese im Meeting einfach an- und auszusprechen.

  • Akzeptieren lernen.

    Auch wenn Sie das jetzt nicht gerne hören werden: Manchmal lässt sich eine Idee einfach nicht schützen. Trotz aller Frustration und Kollegen ohne Schamgrenzen bleiben Sie machtlos. Da hilft dann nur: Ärger runterschlucken und sich bewusst machen: Letztlich sind Sie der Urheber gewesen. Und wenn andere Sie bestehlen, müssen die Ideen richtig gut sein. Also: Weitermachen! Wo es eine Idee gab, sprudeln auch noch weitere. Und eine Idee ist noch keine Umsetzung. Da können Sie womöglich noch mal viel mehr glänzen.

Wie Führungskräfte auf Ideenklau reagieren sollten

Die Kurzfassung: nicht tolerant. Ideenklau untergräbt jede Form von Zusammenarbeit und ist der Humus auf dem Misstrauen und Missgunst gedeihen. Kommunizieren Sie stattdessen – vorbeugend – klare Werte, wie Ehrlichkeit, Fairness und Teamplay. Fördern Sie die Teamarbeit, indem Sie nicht Einzelkämpfer belohnen, sondern stets die gesamte Gruppe, die an einem Projekt mitgewirkt hat. Zeigen Sie, dass Sie Einzelmeinungen schätzen und ermutigen Sie auch jene Kollegen, sich in Meetings und Diskussionen einzubringen, die dazu vielleicht zu schüchtern oder zu bescheiden sind. Wer weiß, welche Ideen hier noch schlummern…

Für den Fall, dass Sie einer Windmaschine und einem Ideendieb auf den Leim gegangen sind: Korrigieren Sie Ihre Bewertung umgehend – Ehre, wem Ehre gebührt. Und sprechen Sie den Mitarbeiter – unter vier Augen – auf sein Verhalten an beziehungsweise, dass Sie selbiges nicht tolerieren. Insbesondere bei Wiederholungstätern, sollten Sie ein ernstes Mitarbeitergespräch führen.

Und für die Zukunft: Bei begründetem Verdacht sollten Führungskräfte stets nachfragen, wie die Idee oder Innovation entstanden ist – erst recht, wenn ein Kollege die besonders enthusiastisch als seine eigene verkauft. Der Fisch stinkt nun mal vom Kopf: Nur wenn Führungskräfte hier mit gutem Beispiel vorangehen und zeigen, dass Ideenklau kein erwünschter Teil der Unternehmenskultur ist, lässt sich das Phänomen eindämmen.

Sonderfall Chef: Was, wenn der Vorgesetzte meine Ideen klaut?

Extra-Tipp-IconDeutlich schwieriger wird die Situation, wenn es sich bei dem chronischen Ideendieb um den Chef handelt. Dem Vorgesetzten vorzuwerfen, er habe Ihre Gedanken gestohlen, ist starker Tobak. Dafür braucht man belastbare Beweise – und sollte obendrein mit viel Fingerspitzengefühl agieren. Wer will sich schon von Subordinierten einen Dieb nennen lassen?

Besser ist hier die (möglichst vorwurfsfreie) Fragetechnik: „Ich freue mich jedes Mal, dass Ihnen meine Vorschläge offenbar so gut gefallen, dass Sie diese gleich umsetzen. Aber warum erwähnen Sie mich nie dabei? Bin ich Ihnen zu peinlich?“ Den Wink wird jeder Vorgesetzte verstehen. Und anhand der Reaktion müssen Sie entscheiden, ob Sie für so einen Typen künftig weiterarbeiten wollen.

Am Ende ist es innerhalb einer Organisation aber auch immer so: Sie werden dafür bezahlt, Lösungen zu entwickeln und das Unternehmen insgesamt nach vorne zu bringen. Wer lieber der Star sein möchte, sollte Künstler werden.

[Bildnachweis: LoloStock, chuhail by Shutterstock.com]
18. Mai 2015 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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