IT-Fachkräfte: Das verdienen sie
Die Gehälter in der IT-Wirtschaft steigen - aber nicht so rasant, wie man vielleicht vermuten könnte. Eine neue Erhebung zeigt, dass Berufseinsteiger auf 3.000 Euro brutto pro Monat kommen, mit zunehmender Erfahrung fällt auch der Gehaltsscheck immer üppiger aus. Und es kommt darauf an, ob man im Süden oder Norden wohnt, in der Bank oder im Call Center angestellt ist. Vor allem ein IT-Bereich zählt zu den großen finanziellen Gewinnern...

IT-Fachkräfte: Gehälter, Berufe, Perspektiven

IT-Fachkräfte gelten als besonders leicht vermittelbar - und die Daten untermauern das.

So steigt laut Auswertung der Bundesagentur für Arbeit aus dem April 2017 die Zahl der erwerbstätigen IT-Fachleute in Deutschland immer weiter an - auf nunmehr 716.000 sozialversicherungspflichtige IT-Fachkräfte im Juni 2016. Im Vergleich zum Vorjahr waren das vier Prozent mehr.

Insgesamt gibt es bereits 932.000 erwerbstätige IT-Fachleute, darunter 90.000 Selbstständige. Folgerichtig sinkt auch die Arbeitslosigkeit für Menschen mit IT-Background. 26.300 Personen suchen in diesem Bereich nach Arbeit, 2006 waren es mit 48.800 annähernd doppelt so viele. Damit liegt die Arbeitslosenquote für IT-Fachkräfte aktuell bei drei Prozent.

Die Nachfrage nach IT-Fachpersonal schnellt parallel nach oben. Laut BA gab es 2016 im Jahresdurchschnitt 13.500 entsprechende Jobangebote - 19 Prozent mehr als im Vorjahr. Summa summarum wurden 2016 fast 42.000 offene Stellen gemeldet, 2015 waren es nur 34.700.

Unterfüttert werden die offiziellen Zahlen der Bundesagentur auch vom Personaldienstleister Hays. Laut Hays-Fachkräfteindex befand sich die Nachfrage nach IT-Fachkräften im ersten Quartal 2017 auf einem Allzeithoch. Seit dem ersten Hays-Index 2011 suchten die Unternehmen noch nie so viele IT-Leute wie jetzt.

Vor allem in der Automobilbranche, im Maschinenbau, in der Medizintechnik und im Handel wächst die Nachfrage. Weniger stark war das Nachfrageplus bei Personaldiensleistern.

Netzwerkadministratoren und IT-Projektleiter sind die Gewinner der jüngsten Hays-Erhebung, SAP-Berater die Verlierer - die Nachfrage nach SAP-Erklärern sank im Vergleich zum Vorquartal sogar leicht.

IT-Fachkräfte: Wer verdient was?

Als Berufseinsteiger verdienen IT-Fachkräfte im Schnitt 36.278 Euro. Das zeigt eine Erhebung der Gehaltsspezialisten von Compensation Partner in Kooperation mit der Computerwoche, die von Mai bis August 2016 Daten von 15.579 Beschäftigten erhoben hatten.

Mit drei bis sechs Jahren Berufserfahrung geht’s für IT-Fachkräfte rauf auf 49.991 Euro. Bis zu zehn Jahre Erfahrung werden mit 56.252 Euro entlohnt und erfahrene IT-Fachkräfte mit über zehn Jahren Berufserfahrung kassieren richtig ab: 63.820 Euro. Damit verdienen langgediente IT’ler annähernd doppelt so viel wie Frischlinge.

Insgesamt stiegen die IT-Gehälter 2016 um 2,2 Prozent - das ist vergleichsweise wenig. Ist der von Verbänden wie der Bitkom ausgerufene Fachkräftemangel doch nicht so groß - oder haben wir es vielmehr mit einem Skills Mismatch zu tun?

Denn nicht jeder IT-Bereich hat Hochkonjunktur ...

IT-Gehälter: Welcher Abschluss bringt am meisten?

Der Arbeitsmarkt kennt dieses Naturgesetz: Je besser der Abschluss, desto höher das Gehalt.

Für Informatiker gilt das prinzipiell auch, aber mit Einschränkungen. So steigen IT’ler mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung laut Compensation Partner mit durchschnittlich 48.170 Euro brutto pro Jahr ein, mit Meistertitel oder einer Weiterbildung zum Fachwirt steigern sie sich auf 57.000 Euro und liegen damit schon über den Bachelorabsolventen.

Denn für die Bacheloren stehen im Schnitt "nur" 50.000 Euro zu Buche, Master-Absolventen wiederum bringen 60.151 Euro mit nach Hause. Die finanzielle Lücke zwischen Bachelor und Master ist also beträchtlich.

Aus rein finanziellen Erwägungen ist ein Bachelor-Titel ohne zusätzlichen Master also eher nicht erstrebenswert, liegt er doch sehr ungünstig in der Sandwich-Position zwischen Ausbildung und Master.

Das Diplom wiederum erhöht die Gehaltsaussichten noch einmal um ein gutes Stück. Ein FH-Diplom bringt 68.392 Euro im Schnitt, ein Uni-Diplom 70.410 Euro. IT-Experten mit Doktortitel stehen erwartungsgemäß an der Spitze der Pyramide - mit 73.749 Euro. Aber: Der Abstand zu Diplomern und Mastern ist nicht so groß, als dass sich die aufwändige Doktorarbeit definitiv lohnen würde.

IT-Gehälter: So groß sind die Unterschiede

Generell hängt es auch von der Spezialisierung ab, wie weit die Gehaltsschere zwischen Akademikern und Nicht-Akademikern auseinanderklafft.

So verdienen Fach- und Führungskräfte mit mehr als zehn Jahren Erfahrung laut Stepstone-Gehaltsreport 2017 (PDF) in der Anwendungsadministration rund 62.000 bis 63.000 Euro im Schnitt - egal, ob sie zuvor an der Uni waren oder nicht.

Wesentlich größer sind die Unterschiede im Bereich Business Intelligence, Datenanalyse und Software-Entwicklung. Ein Software-Entwickler mit zehnjähriger Berufserfahrung und Uni-Abschluss kommt auf durchschnittlich 73.000 Euro im Jahr, ein Entwickler mit schulischem Abschluss dagegen nur auf 59.000 Euro.

Anderes Beispiel: Ein IT-Projektmanager steigt - akademische Meriten vorausgesetzt - laut Stepstone mit durchschnittlich über 49.000 Euro in den Job ein. Mit Schulabschluss kommen frischgebackene IT-Projektmanager dagegen nur auf 27.000 Euro.

Dennoch wird der deutsche IT-Arbeitsmarkt keinesfalls von Akademikern dominiert - jedenfalls noch nicht. Von den sozialversicherungspflichtig beschäftigten IT-Fachleuten haben nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit nur 44 Prozent einen akademischen Abschluss. Über einen anerkannten Berufsabschluss - zum Beispiel als Systeminformatiker - verfügen 40 Prozent. Sieben Prozent haben gar keine Ausbildung in der Tasche, bei weiteren neun Prozent ist die Vorbildung unbekannt.

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IT-Wirtschaft: In welchem Bereich verdiene ich am meisten?

Das Buzzword Industrie 4.0 steht für Vernetzung, Automatisierung, technischen Fortschritt - aber eben auch für anfälligere Produktionsketten und eine verwundbare IT-Infrastruktur. Für IT-Security nehmen die Unternehmen folgerichtig mehr Geld in die Hand.

IT-Sicherheitsleute zählen zu den großen Gewinnern der Erhebung von Compensation Partner. Ihr Gehalt stieg binnen zwei Jahren von 63.000 auf jetzt 71.070 Euro brutto jährlich - das ist Platz eins.

Über die 70.000-Euro-Schwelle hüpfen sonst nur IT-Projektleiter, IT-Leiter bleiben knapp darunter. Dabei handelt es sich im Übrigen nicht zwangsläufig um Stellen mit Personalverantwortung, gerade kleinere Unternehmen beschäftigen oft nur einen IT-Leiter als One-Man-Show. SAP-Berater und IT-Berater folgen auf den Plätzen vier und fünf.

Am unteren Ende der Rangliste liegen IT-Fachkräfte im Anwender-Support (43.000 Euro) und Web-Entwickler (37.000 Euro). Und der Druck wächst vor allem für Mitarbeiter in Support und Administration weiter, das Gespenst namens Outsourcing ist noch längst nicht von der Bildfläche verschwunden.

  1. IT-Sicherheit: 71.070 Euro
  2. IT-Projektleitung: 70.267 Euro
  3. IT-Leitung: 69.492 Euro
  4. SAP-Beratung: 68.552 Euro
  5. IT-Beratung: 67.005 Euro
[Quelle: Vergütungsstudie IT-Funktionen 2016/2017 (Compensation Partner/Computerwoche)]

IT-Wirtschaft: In welcher Stadt zahlt sie am besten?

In Frankfurt wachsen die IT-Gehälter in den Himmel. Um 20,7 Prozent liegen sie in der Bankenmetropole laut Compensation Partner über dem Bundesschnitt. Auch in München (+19,4 Prozent) und Stuttgart (+14,3 Prozent) wird überdurchschnittlich gut gezahlt.

Am geringsten sind die Gehälter in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und - trotz positiver Tendenz - Thüringen. Auch in Dresden liegen sie deutlich unter dem Schnitt.

Aber: Es gibt nicht nur ein Ost-West-, sondern auch ein Nord-Süd-Gefälle. So verdienen IT-Fachkräfte in Niedersachsen und Schleswig-Holstein zehn bis 15 Prozent weniger als der Bundesdurchschnitt.

Die Zahlen von Compensation Partner decken sich mit denen von Stepstone. Laut Stepstone verdienen IT-Fachkräfte in Hessen mit durchschnittlich 68.184 Euro pro Jahr mit Abstand am meisten. Dahinter folgen Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Hamburg.

Auch ist der Stellenzuwachs in den Metropolen erwartungsgemäß am größten. Neue IT-Arbeitsplätze gibt es vorrangig in München, Hamburg, Stuttgart, Berlin und Frankfurt. Von den kleineren Städten hat es nach BA-Angaben in den vergangenen Jahren unter anderem in Ludwigsburg, Flensburg, Fürth und Greifswald einen bemerkenswerten Zuwachs an IT-Stellen gegeben.

Hier sind die IT-Durchschnittsgehälter am größten:

  1. Hessen: 68.184 Euro
  2. Bayern: 66.378 Euro
  3. Baden-Württemberg: 64.740 Euro
  4. Nordrhein-Westfalen: 63.725 Euro
  5. Hamburg: 61.811 Euro
  6. Niedersachsen: 60.458 Euro
  7. Rheinland-Pfalz: 58.995 Euro
  8. Berlin: 55.728 Euro
  9. Schleswig-Holstein: 55.039 Euro
  10. Bremen: 52.875 Euro
  11. Saarland: 51.633 Euro
  12. Brandenburg: 50.580 Euro
  13. Thüringen: 49.586 Euro
  14. Sachsen: 48.556 Euro
  15. Mecklenburg-Vorpommern: 47.125 Euro
  16. Sachsen-Anhalt: 41.284 Euro
[Quelle: Stepstone-Gehaltsreport 2017]

IT-Fachkräfte: Welche Branchen lohnen sich?

Auch innerhalb der Wirtschaftszweige sind die Gehälter ungleich verteilt. Unternehmen aus der Konsumgüterbranche zahlen nach Angaben von Compensation Partner am meisten, dahinter folgen Chemie, Medizintechnik, Halbleiter und Pharma. Auf Platz neun im Ranking - und damit erstaunlich weit hinten - befinden sich die Banken. Allerdings ist der Abstand zu den Top-Plätzen sehr gering.

Weniger gut zahlen Krankenhäuser, Einzelhändler und Autohäuser. Am schlechtesten sind die Verdienstmöglichkeiten für IT-Fachkräfte in Call Centern, Hotels, Gaststätten und im Handwerk. In der Zeitarbeit kommen Informatiker auf fast 64.000 Euro - das ist immerhin mehr als in einem halben Dutzend anderer untersuchter Branchen.

  • Konsum- und Gebrauchsgüter: 84.930 Euro
  • Chemie, Verfahrenstechnik: 84.650 Euro
  • Medizintechnik: 84.553 Euro
  • Halbleiter: 84.101 Euro
  • Pharma: 83.981 Euro
  • Feinmechanik, Optik: 83.397 Euro
  • Maschinenbau: 83.261 Euro
  • Anlagenbau: 82.505 Euro
  • Banken: 82.232 Euro
  • Software: 74.827 Euro
  • Krankenhäuser: 68.981 Euro
  • Einzelhandel: 66.974 Euro
  • Öffentliche Verwaltung, Behörden: 66.387 Euro
  • Zeitarbeit: 63.932 Euro
  • Soziale Einrichtungen: 62.958 Euro
  • Gesundheitswesen: 62.817 Euro
  • Autohäuser: 62.473 Euro
  • Call Center: 61.804 Euro
  • Hotels und Gaststätten: 61.292 Euro
  • Handwerk: 60.545 Euro
[Quelle: Vergütungsstudie IT-Funktionen 2016/2017 (Compensation Partner/Computerwoche)]

Hier gibt es erstmals deutliche Abweichungen von den Stepstone-Daten. Denn denen zufolge ist die Idealkombination noch immer die: IT-Fachkraft in Frankfurt bei einer Bank. Banken zahlen demnach im Branchenvergleich das höchste Durchschnittseinkommen. Dahinter folgen Chemie und Öl-Industrie, Finanzdienstleister, Maschinen- und Anlagebau.

Das sind laut Stepstone die Top-Branchen für IT-Fach- und Führungskräfte:

  1. Banken: 73.434 Euro
  2. Chemie und erdölverarbeitende Industrie: 72.735 Euro
  3. Finanzdienstleister: 71.364 Euro
  4. Maschinen- und Anlagenbau: 70.951 Euro
  5. Versicherungen: 70.156 Euro
  6. Unternehmensberatung, Wirtschaftsprüfung, Recht: 69.810 Euro
  7. Metallindustrie: 69.184 Euro
  8. Energie- und Wasserversorgung und Entsorgung: 68.630 Euro
  9. Telekommunikation: 68.492 Euro
  10. Automotive: 68.012 Euro
[Quelle: Stepstone-Gehaltsreport 2017]
[Bildnachweise: dotshock by Shutterstock.com ]

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