Wie Kinder die Karriere beflügeln

Kinder oder Karriere, Karriere oder Kinder? Die Zeiten, in denen Kinder ein Hemmklotz für Karriereristen waren, sind offenbar vorbei. Gerade für Führungskräfte ist der Nachwuchs ein Quell der Freude, das zeigt eine neue Untersuchung aus Frankfurt. Die Botschaft für Arbeitgeber: Kinder machen nicht nur glücklich, sondern sogar produktiver. Und: Dass Führungskräfte nicht auf Familie verzichten müssen, zeigen sogar einige Beispiel aus den Vorstandsetagen der DAX-Konzerne…

Wie Kinder die Karriere beflügeln

Bestätigt: Kinder beflügeln die Karriere

Kinder sind ein Karrierehindernis – dieses Gleichnis hat sich in viele Köpfe eingebrannt.

Verzweifelt veruscht die Politik gegenzusteuern – mit neuen Kitas oder Transferleistungen wie dem Elterngeld Plus. Bisher mit mäßigem Erfolg, die deutsche Geburtenrate ist – um es im Wirtschaftsjargon zu sagen – international nicht konkurrenzfähig.

Gerade für Führungskräfte ist Familienzeit – so scheint es – ein Luxusgut. Das Arbeitspensum in den Top-Etagen nimmt beständig zu, die Freizeit immer mehr ab. Und auch die digitalen Helferlein nötigen Führungskräfte zu ständiger Erreichbarkeit. Work-Life-Blending boomt – mit der Betonung auf Work.

Wissenschaftler der Frankfurt University of Applied Sciences (UAS) haben sich dem Thema nun aus einer anderen Perspektive genähert. Ihr Urteil klingt gar nicht mehr so negativ: Kinder behindern nicht die Karriere, Kinder beflügeln sie!

Das gelte zumindest – trotz ihres notorischen Zeitmangels – für Führungskräfte.

Wirtschaftswissenschaftlerin Regine Graml von der UAS hatte insgesamt 177 Führungskräfte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt. Von ihnen stimmten 73 Prozent der Aussage zu, dass „Familienleben mich in meiner Arbeit beflügelt.“ Umgekehrt sagten nur 46 Prozent, dass die „Arbeit mein Familienleben bereichert.“

Umfrage: So zufrieden sind Führungskräfte mit Kindern

Und auch um die Work-Life-Balance scheint es gar nicht so schlecht bestellt zu sein. Zwei Drittel der befragten Führungskräfte sind mit ihrer Lebensbalance zufrieden – oder sogar sehr zufrieden.

Allerdings sagten 76 Prozent auch, dass die „Arbeit mein Privatleben beeinträchtigt.“ Als Gründe wurden insbesondere ein hohes Arbeitspensum und Geschäftsreisen genannt. 19 Prozent bejahten wiederum die Aussage, dass das „Familienleben meine Arbeitstätigkeit beeinträchtigt.“

So zufrieden sind Führungskräfte mit Kindern mit ihrer Lebensbalance:

  • Sehr zufrieden: 7 Prozent
  • Zufrieden: 59 Prozent
  • Weniger zufrieden: 27 Prozent
  • Unzufrieden: 7 Prozent

Auffällig: Sogar die Top-Manager der „obersten Leitungsebene“ – die in der Regel sehr beschäftigt sein dürften – sind mit ihrer Work-Life-Balance happy. 74 Prozent von ihnen gaben an, zufrieden oder sogar sehr zufrieden zu sein.

Von den Abteilungsleitern sind es sogar noch mehr: 76 Prozent. 15 Prozent der Abteilungsleiter sind sogar sehr zufrieden – der Bestwert.

Nur die Bereichsleiter, die sich in der Sandwichposition zwischen oberster Führungsebene und Abteilungsleitung befinden, fallen im direkten Vergleich ab. Von ihnen ist mit 50 Prozent gerade einmal die Hälfte zufrieden, neun Prozent sind sogar ausdrücklich unzufrieden – der schlechteste Wert.

Der Grad der Zufriedenheit ist im Übrigen laut Studie von anderen Variablen unabhängig – also von Alter, Qualifikation, Geschlecht, Unternehmensgröße und der Anzahl der Kinder.

Die Top-Gründe für die hohe Zufriedenheit: Manager können in weiten Teilen selbstbestimmt arbeiten – und sie verfügen sehr häufig über einen flexiblen Partner.

So viel Zeit verbringen Führungskräfte mit ihren Kindern

Viel Zeit für ihre Kinder hat unter der Woche – also von Montag bis Freitag – kaum eine Führungskraft. Nur elf Prozent kommen auf zehn Stunden oder mehr.

  • Weniger als 5 Stunden: 42 Prozent
  • 5 bis 10 Stunden: 47 Prozent
  • 10 bis 15 Stunden: 8 Prozent
  • 15 bis Stunden: 3 Prozent

An den Wochenenden drehen sich die Werte dafür um. 44 Prozent der befragten Manager verbringen 20 Stunden und mehr mit dem Nachwuchs, nur sieben Prozent weniger als fünf Stunden.

„Obwohl die Führungskräfte wenig Zeit mit ihren Kindern an Wochentagen verbringen, empfinden sie, dass sie egalitär Verantwortung in der Kindererziehung übernehmen. Dies weist auf ein starkes familiäres Involvement, also eine empfundene Beteiligung der Führungskräfte, hin“, so Graml.

Meist männlich: Führungskräfte mit Kindern

Es gibt an der ganzen Sache nur leider einen klitzekleinen Haken: Denn bei den befragten Führungskräften handelte es sich in der großen Mehrheit um Männer.

Die Betreuung der Kinder übernimmt in der Regel der Partner, also die Frau, die meist ebenfalls gut qualifiziert und erwerbstätig ist. 69 Prozent der Partner arbeiten in Teilzeit. Es herrscht also die modifizierte Form des klassischen Rollenmodells („Der Mann arbeitet, die Frau bleibt zuhause“)vor: Der Mann arbeitet voll, die Frau in Teilzeit.

Die Studie besagt: Die typische Führungskraft mit Kind…

  • hat zwei Kinder
  • ist männlich
  • ist 40 bis 49 Jahre alt
  • verfügt über Hochschulabschluss oder weiterführenden Abschluss
  • arbeitet 50 bis 59 Stunden pro Woche
  • ist verheiratet oder lebt mit Partner zusammen
  • hat einen berufstätigen Partner

Allerdings kam eine Studie der TU Darmstadt schon vor mehreren Jahren zu dem Ergebnis, dass „bei Müttern die Beeinträchtigung der Arbeit durch die Familie zwar stärker ist, dafür tragen Kinder aber auch zum psychischen Gleichgewicht bei – zum Beispiel indem sie den Managerinnen das Abschalten zu Hause erleichtern.“

Es sind also keineswegs nur die Männer, denen das Berufsleben von Kindern versüßt wird.

Möglicher Wink auch an Arbeitgeber: Eltern mögen manchmal gestresst, erschöpft, geschlaucht sein, aber sie sind auch besonders motiviert bei der Sache – wegen ihrer Kinder.

Karriere mit Kindern: Diese DAX-Vorstände machen’s vor

wie Kinder die Karriere beflügelnDer Aufstieg bis ganz hinauf in die Vorstandsetage – ohne Kinder nur halb so schön?

Ein kurzer Blick ins DAX-Familienalbum: Daimler-Boss Dieter Zetsche von Daimler beispielsweise hat drei Kinder. BASF-Vorstandsvorsitzender Kurt Bock hat ebenfalls drei Kinder, Ex-Allianz-Chef Michael Diekmann sogar vier.

Timotheus Höttges von der Telekom hat zweimal Nachwuchs gezeugt, genauso wie Post-Chef Frank Appel, Siemens-Boss Joe Kaeser und VW-Chef Matthias Müller. Männliche Führungskräfte mit Kindern – nichts Besonderes also.

Die interessantere Botschaft aber lautet: Auch für Mütter ist der Aufstieg in den DAX-Vorstand sehr wohl zu bewerkstelligen. Beispiele gibt es mittlerweile zur Genüge. Sylvie Matherat von der Deutschen Bank etwa ist dreifache Mutter. Karen Parkin, Neu-Vorstand von Adidas, hat eine Tochter. Erica Mann, seit 2016 im Vorstand von Bayer, hat zwei erwachsene Kinder.

Bettina Orlopp, bis 2016 Commerzbank-Vorstand und seitdem Generalbevollmächtigte, ist zweifache Mama, genauso wie Lufthansa-Personalvorstand Bettina Volkens. Siemens-Frau Janina Kugel ist Mutter von Zwillingen.

Weibliche Top-Managerinnen mit Kindern – auch in Deutschland keine Rarität mehr.

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24. Juni 2017 Autor: Sebastian Wolking

Sebastian Wolking ist Redakteur der Karrierebibel. Er hat Geschichte, Politikwissenschaften und Germanistik studiert und als Online-Redakteur gearbeitet. Sein Interesse gilt den Veränderungen des Arbeitsmarktes durch die digitale Revolution.

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