Krankschreibung: Sollte man sich selbst krankschreiben können?

Die Winterzeit hat begonnen, die vermutlich letzten wärmeren Tage des Jahres neigen sich dem Ende entgegen und damit rückt für Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen die Krankheitssaison in greifbare Nähe. Je kälter und nasser das Wetter vor der Tür, desto voller sind viele Wartezimmer in Arztpraxen, oft zum Leidwesen der Unternehmen, die mit einer stark reduzierten Belegschaft die anfallenden Aufgaben stemmen müssen. Für Mitarbeiter ist es auf der anderen Seite Pflicht, sich eine vom Arzt bescheinigen zu lassen, dass wirklich eine Krankheit vorliegt. Aber nehmen wir einmal an, Mitarbeiter könnten sich selbst krankschreiben. Das klingt zunächst einmal absurd, bietet aber eine ganze Reihe an Vorteilen für verschiedene Parteien. Wir haben uns die Pros und Contras einmal genauer angesehen…

Krankschreibung: Sollte man sich selbst krankschreiben können?

Selbst krankschreiben: Die Risiken

Bei Arbeitgebern schrillen bei einem solchen Vorschlag natürlich erst einmal alle Alarmglocken. Mitarbeiter, die sich selbst krankschreiben können? Das klingt für viele nach einem Freifahrtschein für Urlaub, wann immer er benötigt wird.

Personalverantwortliche sind nicht umsonst sehr darauf bedacht, gerade in der Urlaubszeit dafür zu sorgen, dass immer genügend Mitarbeiter im Betrieb sind, um die täglich anfallenden Aufgaben bewältigen zu können. Die Möglichkeit, sich selbst krank zu schreiben, könnte beispielsweise dazu führen, dass der ein oder andere Mitarbeiter, der sich bei der Genehmigung des Urlaubs benachteiligt fühlt, sich selbst gestattet, in der gewünschten Zeit nicht arbeiten zu müssen.

Für Unternehmen könnte die daraus resultierende Personalknappheit gerade in der Hochsaison sehr gefährlich werden, wenn viele Arbeitnehmer regular beurlaubt sind und andere eine Krankmeldung einreichen.

Auf der anderen Seite könnten auch medizinische Risiken bestehen: Niemand geht gerne zum Arzt und so kann es passieren, dass Krankheiten verschleppt werden und entweder gar nicht oder wenigstens zu spät behandelt werden. Normalerweise müssen Arbeitnehmer spätestens nach drei Tagen ein Attest ihres Arztes beim Arbeitgeber vorlegen. Das macht es notwendig, in dieser Zeit beim Arzt vorstellig zu werden und sich gegebenenfalls behandeln zu lassen. Schreiben sich die Mitarbeiter hingegen selbst krank, besteht die Gefahr, dass diese ihren eigenen gesundheitlichen Zustand unterschätzen und eine Krankheit verschlimmern, indem sie erst spät einen Arzt aufsuchen.

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Selbst krankschreiben: Die Vorteile

Aus guten Gründen konzentrieren sich Arbeitgeber bei einem solchen Vorschlag auf die Risiken. Schließlich müssen sie dafür Sorge tragen, dass die Geschäfte weiter laufen und Gewinne erwirtschaftet werden. Es gibt aber nicht nur Risiken, sondern auch einige mögliche Vorteile, wenn Arbeitnehmer sich selbst krank schreiben könnten. Dabei handelt es sich nicht um den Punkt, dass Mitarbeiter die neue Regelung ausnutzen und sich so einen Sonderurlaub erschwindeln. Vielmehr sind es Argumente, die nicht nur positiv für die Mitarbeiter selbst sind:

  1. Weniger Andrang bei Ärzten

    Der erste Vorteil wäre für alle spürbar, die schon einmal lange in einem überfüllten Wartezimmer gesessen haben. Arbeitnehmer kommen nicht drum herum, sich eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bei ihrem Hausarzt zu holen, wenn sie für mehr als drei Tage ausfallen. Nicht in jeden Fall ist der Arztbesuch aber wirklich nötig. Manchmal würde bereits die ein oder andere Tasse Tee und ein wenig Erholung ausreichen. Könnten man sich selbst krankschreiben, herrschte möglicherweise weniger Andrang in den Wartezimmern und es wäre mehr Zeit für andere Patienten.

  2. Weniger Druck für Arbeitnehmer

    Nicht selten melden sich Arbeitnehmer nur für drei Tage krank, um sich selbst den Gang zum Arzt zu ersparen. Ob die Krankheit zu diesem Zeitpunkt schon vollkommen überstanden ist, spielt dabei nur selten eine Rolle. Anstatt sich noch ein oder zwei Tage Ruhe zu gönnen, wird die Arbeit wieder aufgenommen. Dies erhöht nicht nur das Risiko eines Rückfalls, sondern bringt auch die Kollegen in die Gefahr einer Ansteckung.

  3. Weniger Fehltage für Unternehmen

    Es klingt widersprüchlich, doch in der Tat scheinen Mitarbeiter, denen die Möglichkeit gegeben wird, sich ohne Arztbesuch krank zu schreiben, insgesamt seltener krankheitsbedingt zu fehlen. Das zeigen Studien aus Norwegen, wo Mitarbeiter vieler Unternehmen sich nicht nur die üblichen drei Tage, sondern bis zu acht Tage hintereinander selbst krankschreiben können. Der erwartete Anstieg der Krankheitsfälle blieb aus, stattdessen gingen die Krankmeldungen sogar zurück.

Fazit

Ob Arbeitgeber ihren Mitarbeitern die Freiheit einräumen, sich selbst über eine längere Zeit krank zu melden, ohne dabei einen Arzt konsultieren zu müssen, bleibt abzuwarten. Aus Angst vor den möglichen Risiken werden viele jedoch von dieser Option Abstand halten wollen. Und dies ist durchaus verständlich.

Sollte eine solche Regelung in Betracht gezogen werden, ist sie vermutlich ohnehin nur mit Einschränkungen umsetzbar, wie es sie etwa in Norwegen bereits gibt. Es handelt sich dabei also eher um eine Verlängerung der Frist, bis eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung eingereicht werden muss, als um eine wirklich selbstständige Krankschreibung.

Und was denken Sie? Sollte man sich selbst krankmelden können? Wir freuen uns auf Ihre Meinungen und Kommentare!

[Bildnachweis: Estrada Anton by Shutterstock.com]
27. Oktober 2015 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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