Lebenslauf-Händler: Vorsicht bei Personalberatern

Personalberater können für Ihre Jobsuche sehr nützlich sein. Klassischerweise suchen diese ausschließlich im Auftrag eines Unternehmens Kandidaten für eine spezielle Vakanz. Inzwischen gibt es jedoch eine neue Form der Kandidatenvermittlung: So genannte Lebenslauf-Händler sammeln Kandidatenprofile und schlagen sie dann solchen Unternehmen vor, von denen sie wissen oder glauben, dass dort Bedarf besteht. Dabei geht es oft mehr um Quantität als um Qualität, der Abgleich zwischen Kandidat und offener Stelle bleibt oft auf der Strecke. Woran Sie Lebenslauf-Händler erkennen und was Sie im Umgang mit ihnen beachten sollten…

Lebenslauf-Händler: Vorsicht bei Personalberatern

Wie arbeiten Lebenslauf-Händler?

Als Lebenslauf-Händler oder Lebenslauf-Verkäufer werden solche Marktteilnehmer bezeichnet, die ohne Auftrag des Arbeitgebers Lebensläufe von Kandidaten – anonymisiert oder auch mit vollständigen persönlichen Daten – an Unternehmen versenden. Dies geschieht manchmal sogar ohne Vorwissen über eventuell offene Positionen.

In anderen Fällen nehmen die Anbieter im Vorfeld Kontakt zu suchenden Arbeitgebern auf und bieten die kostenlose Übersendung von Lebensläufen an. Falls ein Arbeitgeber Interesse zeigt und einen der vorgeschlagenen Kandidaten einstellt, verlangt der Lebenslauf-Händler eine Provision.

Das klappt aber nicht immer: Laut Urteil des OLG Frankfurt vom Oktober 2013 (Az. 5 U 245/12) reicht die bloße Übersendung von anonymisierten Kandidatenprofilen an ein Unternehmen nicht aus, um einen Honoraranspruch zu begründen.

Wie kommen Lebenslauf-Händler an Ihr Profil?

Um an möglichst viele Kandidatenprofile zu gelangen, nutzen Lebenslauf-Händler verschiedene Wege:

  • Die telefonische Direktansprache
  • E-Mail
  • Kontaktaufnahme über Business-Netzwerke wie Xing und Linkedin
  • Job-Datenbanken wie Placement24 oder Experteer.

Für Sie als Kandidat ist also nicht immer offensichtlich, dass der Personalberater ohne Suchauftrag des Arbeitgebers handelt. Manche erwecken sogar bewusst den Anschein, als ob sie einen Auftrag hätten.

Auch wird nicht immer genau hingeschaut, was Sie als Kandidat eigentlich suchen. Manche Lebenslauf-Händler schreiben vollkommen unspezifisch möglichst viele Zielkandidaten an, so dass Sie unter Umständen mit unpassenden Angeboten oder Anfragen überflutet werden.

Lebenslauf-Händler: Wo liegen die Unterschiede?

Es muss jedoch nicht immer schlecht sein, wenn ein Personalberater ohne spezifischen Arbeitgeberauftrag Kandidaten sucht. Heutzutage gehen viele Berater nicht mehr den klassischen Weg. Große Personalberatungsketten beispielsweise bieten Ihnen allein durch die große Anzahl der vorhandenen Firmenkontakte eine gewisse Erfolgschance. Und dann gibt es spezialisierte Anbieter mit langjährigen Kontakten zu den Firmen, die sie mit Kandidatenprofilen beliefern. Diese legen Wert auf einen Abgleich des Kandidatenprofils mit der Vakanz, schon allein um den Kunden nicht zu verlieren.

Astrid Krum (Name geändert) ist eine dieser Lebenslauf-Händler. Sie informiert beispielsweise Arbeitgeber über Qualifikation und Werdegang ihrer Kandidaten durch ein differenziertes anonymes Profil, das in Zusammenarbeit mit dem Kandidaten entsteht. Der Kandidat erhält im Gegenzug detaillierte Informationen zur Arbeitswelt des suchenden Unternehmens und kann so entscheiden, ob er die zunächst anonyme Vorstellung wünscht.

Für den Arbeitgeber fällt erst ein Honorar an, sobald er einen Kandidaten namentlich kennen lernen möchte. Weil bei dieser Vorgehensweise das Zusammenbringen von Kandidaten und potenziellen Arbeitgebern im Mittelpunkt steht, beschreibt Krum ihre Firma als „Mediator in einem Netzwerk“.

Mit welchem Personalberater sollten Sie sich einlassen?

Prüfen Sie unbedingt zuerst, was der Berater genau macht:

  • Interessiert er sich für Sie und Ihre (Karriere-)Wünsche?
  • Kümmert er sich um Sie oder sammelt er nur möglichst viele Profile, mit denen er bei potenziellen Arbeitgebern glänzen kann?

Um reine Lebenslauf-Händler, die Ihr Profil wahllos und oft auch ohne Ihr Wissen an Hunderte von Unternehmen verschicken, sollten Sie einen großen Bogen machen. Den angesprochenen Personalabteilungen ist dieses Vorgehen oft unangenehm; auf gut Glück zugesandte Profile können leicht als Spam empfunden werden. Der Absender ist dann häufig verbrannt.

Und wenn Ihr Profil im Zusammenhang mit so einem gebrandmarkten Berater auftaucht, wird es abgelehnt, auch wenn es noch so gut passen würde.

Falls Sie über Ihre Social-Media-Profile zu viele unqualifizierte Angebote und Anfragen erhalten, können Sie gut sichtbar eine Anmerkung platzieren, dass Sie dies nicht wünschen – bei Xing beispielsweise im Profilspruch.

In anderen Fällen kann es aber durchaus sinnvoll sein, Ihre Bewerbung einem Personalberater ohne Suchauftrag zugänglich zu machen – beispielsweise bei den großen Personalberatungsketten oder bei seriösen Anbietern. Die erkennen Sie mitunter an der folgenden Checkliste…

Personalberater-Checkliste für Kandidaten

Bevor Sie Ihre Bewerbungsunterlagen einem Berater zusenden, sollten Sie einige Vorsichtsmaßnahmen treffen:

  • Fragen Sie, ob der Berater einen Suchauftrag des Arbeitgebers hat.
  • Erfragen Sie möglichst viele Details des suchenden Unternehmens – ein Lebenslauf-Händler wird diese meist nicht beantworten können. Ein klassischer Berater hingegen gibt Ihnen – jedenfalls wenn Sie in die engere Auswahl kommen – eine detaillierte Beschreibung des Unternehmens sowie der Vakanz, häufig in Form eines Dossiers.
  • Prüfen Sie, ob es sich um einen Exklusivauftrag handelt – dann darf die Stelle nur unter dem Namen dieses Beraters ausgeschrieben sein.
  • Seien Sie vorsichtig in Fällen, in denen kein Suchauftrag oder kein Exklusivauftrag vorliegt.
  • Fragen Sie, was mit Ihren Bewerberdaten geschieht und an wen diese versendet werden.
  • Fragen Sie, ob im Vorfeld ein Abgleich zwischen Ihrem Profil und der zu besetzenden Stelle stattfindet.

Lassen Sie sich zudem schriftlich zusichern, dass…

  • … Ihre Daten und Unterlagen nur mit Ihrer Zustimmung an potenzielle Arbeitgeber versendet und Sperrvermerke sorgfältig beachtet werden, damit nicht die falschen Unternehmen Ihre Bewerbung erhalten.
  • … Sie über den gesamten Prozess informiert werden, also den Versand der Bewerbung und die Reaktion des Arbeitgebers.

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[Bildnachweis: Bacho by Shutterstock.com]
31. Mai 2015 Autor: Dr. Cornelia Riechers

Dr. Cornelia Riechers ist Inhaberin und Gründerin des Unternehmens Quality Outplacement mit den Schwerpunkten Outplacement und Karriereberatung sowie Personalentwicklung.

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