Liebe unter Kollegen: Risiken der Beziehung im Büro

Ein Großteil der Deutschen lernt den Partner bei der Arbeit kennen. Neben Ausbildung und Freundeskreis zählt der Job als die dritte große Partnerbörse. Kein Wunder, denn nirgendwo sonst verbringt man so viel Zeit wie bei der Arbeit. Paare, die zusammenarbeiten, teilen Berufs- und Privatleben miteinander. Die Liebe unter Kollegen kann also schön sein und bringt auch zahlreiche Vorteile mit sich. Gleichzeitig birgt die Beziehung im Büro großes Konfliktpotenzial: Jeden Tag stehen diese Paare vor der Herausforderung, Karriere und Partnerschaft unter einen Hut zu bekommen. Tipps, wie Sie diesen Balanceakt meistern…

Liebe unter Kollegen: Risiken der Beziehung im Büro

Partner und Kollege: Die Schönen Seiten daran, zusammenzuarbeiten

Daumenhoch_tDen gleichen Job zu haben, wirkt auf viele Menschen sehr anziehend. Gemeinsamkeiten verbinden eben. Oftmals haben Menschen mit dem gleichen Job auch die gleichen oder ähnliche Charaktereigenschaften. Sie passen dann gut zusammen.

Welche Vorteile der gemeinsame Job noch mit sich bringt:

  • Verständnis füreinander

    Beide kennen den Berufsalltag des anderen. Sie wissen um die Probleme und Herausforderungen und können diese besser nachvollziehen.

  • Zusammengehörigkeitsgefühl

    Paare, die zusammenarbeiten, teilen einen großen und wichtigen Teil ihres Lebens miteinander. Sie tragen gemeinsam Verantwortung und teilen berufliche Erfolge miteinander. Das schweißt zusammen.

  • Andere Perspektive

    Viele Menschen sind im Job anders als im Privatleben. Arbeitet man mit seinem Partner zusammen, lernt man auch dessen kreative und professionellen Seite kennen.

  • Bessere Abstimmung

    Sie haben den gleichen Weg zur Arbeit und oftmals auch die gleichen Arbeitszeiten. Das erleichtert es, das Privatleben abzustimmen.

Doch wo Licht ist, da ist auch Schatten. So schön es ist, dass der Partner versteht, was man im Job durchmacht, so groß sind die Probleme, die damit einhergehen.

Beziehung im Büro: Geht das – Partner und Kollegen?

Daumenrunter_tSolange keine Probleme auftauchen, genießt man die enge Verbundenheit. Doch wenn es kracht, dann richtig, denn dann wird schnell aus einem privaten Problem ein Berufliches. Spannungen, gereizte Stimmung, sich anschweigen, sich aus dem Weg gehen, sich in der Arbeit zu verkriechen – das alles sind Warnsignale dafür, dass unterschwellig ein Konflikt brodelt.

Welche Probleme entstehen können:

  • Grenzziehung

    Privat- und Berufsleben vermischen sich miteinander. Vielen Paaren, die zusammenarbeiten, fällt es schwer abzuschalten und sich sich zuhause nicht mit der Arbeit zu beschäftigen.

  • Dauernähe

    Wer praktisch 24 Stunden miteinander verbringt, Beruf und Privatleben teilt, kann sich auch schnell gegenseitig nerven. Wenn die Nähe einem zu viel wird, fehlt der persönliche Freiraum.

  • Konkurrenzdenken

    Meistens ist solange alles gut, bis einer von beiden erfolgreicher im Job ist als der andere. Dann vergiften Neid und Eifersucht nicht nur die berufliche Zusammenarbeit, sondern auch die Beziehung.

  • Arbeitsfähigkeit

    Die Möglichkeit dem anderen aus dem Weg zu gehen, gibt es im Grunde nicht. Denn man sieht sich im Büro und auch nach Feierabend. Das bedeutet, dass negative Gefühle wie Enttäuschung, Wut und Schmerz mit zur Arbeit gebracht werden und die Arbeitsfähigkeit darunter leidet.

  • Betriebsklima

    Nicht nur die Arbeitsfähigkeit leidet, sondern auch die Stimmung im Job. Bringt man Streitigkeiten mit ins Büro, sind davon auch die anderen Kollegen betroffen.

Tipps: Wie Sie den Balanceakt zwischen Job und Beziehung meistern

Wer sich dafür entschieden hat, nicht nur das Privatleben, sondern auch den Job miteinander zu teilen, macht es sich nicht leicht. Um die Herausforderungen, die damit einhergehen, zu meistern, braucht es Selbstdisziplin und die Bereitschaft an der Beziehung zu arbeiten. Doch auch wenn es viel Arbeit ist, ist es machbar. Was Ihnen dabei helfen kann:

  • Entwickeln Sie ein gemeinsames Ziel. Damit das Zusammenleben funktioniert, müssen beide sich in die gleiche Richtung entwickeln wollen, sowohl privat als auch beruflich. Nur so ziehen Sie an einem Strang und unterstützen einander.
  • Treffen Sie klare Absprachen. Die Grenzziehung zwischen Arbeit und Privatleben ist schwierig, wenn man beides miteinander teilt. Eine klare Trennung ist oft unmöglich. Passiert es doch, dass man abends am Essenstisch sitzt und über Ideen und Probleme im Job spricht. Gegen eine Vermischung spricht auch nichts, solange sich beide damit wohlfühlen. Doch man sollte auch Rücksicht darauf nehmen, wenn der Partner gerade keine Lust hat über den Job zu sprechen. Bei diesem Wechsel zwischen den Bereichen, braucht es klare Absprache.
  • Sorgen Sie dafür, dass jeder seinen Wirkungsbereich hat. Auch wenn die Zusammenarbeit bereichernd sein kann, braucht es dennoch Selbstständigkeit und Freiräume. Das ist vor allem für Paare, die gemeinsam eine Firma leiten eine Herausforderung. Hier ist es umso wichtiger, dass Kompetenzen und Zuständigkeiten klar aufgeteilt sind.
  • Seien Sie loyal dem Partner gegenüber. Die Zusammenarbeit wird nur funktionieren, wenn ihr Partner sich sicher sein kann, dass das intime Details des Privatlebens nicht in den Job finden. Hier ist besonders Fingerspitzengefühl gefragt.
  • Grenzen Sie sich nicht vom Team ab. Zwischen Ihnen herrscht eine enge Verbundenheit. Doch was Sie als positiv erleben, kann für Ihre Kollegen ausgrenzend sein. Gehen Sie beispielsweise nicht immer zusammen Mittagessen, sondern auch mit Kollegen. Sprechen Sie in der Anwesenheit von Kollegen nicht über private Themen, die andere von der Konversation ausschließen. Achten Sie darauf, gut ins Team integriert zu sein und nicht nur den Partner als Bezugsperson zu haben.
  • Entwickeln Sie eine konstruktive Konfliktkultur. Wie Sie mit Konflikten umgehen ist besonders wichtig, denn diese wirken sich auch auf Ihren Job und auf Ihre Kollegen aus. Achten Sie vor allem darauf Streitigkeiten nicht im Büro auszutragen. Diese wirken sich negativ auf die Arbeitsatmosphäre aus und nötigen Ihre Kollegen dazu Partei zu ergreifen. Um zu verhindern, dass Konflikte ausarten, sollten Sie besonderen Wert darauf legen, offen und ehrlich über alles, was Sie stört, zu sprechen. Denken Sie daran, dass Sie sich nicht aus dem Weg gehen können, weswegen ein offensiver Umgang mit Problemen ratsam ist.
  • Freuen Sie sich für Ihren Partner. Gönnen Sie Ihrem Partner den beruflichen Erfolg und unterstützen Sie ihn bei der Erreichung beruflicher Ziele. Konkurrenz kann stimulierend sein, wenn Sie dazu führt, dass man über sich selbst hinauswächst und gefordert wird. Führt diese allerdings zu Neid, zerstört sie damit das Vertrauen und die Verbundenheit.
  • Investieren Sie in Ihre Beziehung. Ihre Partnerschaft wird oftmals durch die Doppelbelastung auf eine harte Probe gestellt. Umso wichtiger ist es, sich Zeit füreinander zu nehmen. Zeit, um zusammen etwas zu unternehmen und kontinuierlich dafür zu sorgen, dass die schönen Seiten überwiegen.
[Bildnachweis: bikeriderlondon by Shutterstock.com]
21. Juni 2016 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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