Studie enthüllt: Darum lügen wir im Team leichter

Der Dieselskandal, das Thema Korruption oder Bilanzbetrug beweisen es immer wieder: Gemeinsam lügen wir leichter. Das gilt vor allem in Teams. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der LMU München um die Verhaltensökonomen Martin G. Kocher, Simeon Schudy und Lisa Spantig. Zwar währt Ehrlichkeit am längsten, sobald Menschen aber in einer Gruppe gemeinsam Entscheidungen fällen, werden sie unehrlicher. Das aber liegt gar nicht mal so sehr an einem kulturellen oder strukturellen Problem des Unternehmens. Der Grund für die Teamlüge ist ein ganz anderer – und der ist in uns selbst verwurzelt…

Studie enthüllt: Darum lügen wir im Team leichter

Dishonesty Shift: Feedback begünstigt Lügen

Tatsächlich lügen Menschen seltener, „wenn sie alleine entscheiden“, sagt Martin Kocher, Inhaber des Lehrstuhls für Verhaltensökonomik an der LMU sowie Leiter des Instituts für Höhere Studien in Wien. Sobald sie sich aber in einer Gruppe abstimmen müssen, Argumente austauschen, Feedback geben, entwickeln sie zugleich Normvorstellungen.

Oder anders formuliert: Sie stimmen sich im und für das Team darüber ab, was richtig oder falsch ist und orientieren daran. Die Folge: Auch wenn man später selbst anderer Meinung ist oder eine Entscheidung für falsch hält, passen sich die meisten dem Gruppenkonsens an.

Mehr noch: Die Studie zeigt zudem, dass die meisten Teammitglieder sogar davon ausgehen, dass auch andere lügen und ihr Verhalten an die Gruppe anpassen. Die Forscher nennen dieses Phänomen auch „Dishonesty Shift„.

Lügen im Team: Erosion der Normvorstellungen

Bei den entsprechenden Experimenten dazu, baten die Wissenschaftler insgesamt 273 Studienteilnehmer, ein Video eines Würfelwurfs zu beobachten und anschließend die Würfelzahl zu nennen. Je höher die genannte Augenzahl, desto höher war eine dafür versprochene Belohnung. Es gab also einen veritablen Anreiz, die Unwahrheit zu sagen.

Die Aufgabe wurde den Probanden sowohl einzeln als auch als Gruppe gestellt. Und siehe da:

  • Von den Einzelteilnehmern logen zwar schon 61,5 Prozent der Teilnehmer.
  • Als Team aber sagten ganze 89,7 Prozent die Unwahrheit – insbesondere, wenn sie hierfür einen Konsens finden mussten, um die Belohnung zu maximieren.

Oder wie die Forscher es nennen: In der Gruppe kommt es zu einer „Erosion wesentlicher Normvorstellungen, die ehrliches Verhalten in Gruppen verhindern“. Stattdessen wird Unehrlichkeit zur Norm und als völlig normal angesehen.

„Es ist auffallend, dass in den großen Wirtschaftsskandalen meist Gruppen unrecht gehandelt haben“, sagt etwa Lisa Spantig, Laborleiterin und Doktorandin am Lehrstuhl in München. So sei etwa von einem Analysten des US-Energieriesen Enron, der durch Bilanzbetrug seiner Manager pleite ging, das Zitat überliefert: „It was no great secret what we were doing“.

Die Moral der Geschichte ist mehr als offensichtlich: Das Ergebnis der Untersuchung ist zwar eine Erklärung, jedoch keine Entschuldigung. Letztlich liegt es an uns, ob wir den Mut und die Courage besitzen, die Wahrheit auszusprechen – wider den Mainstream und Gruppenkonsens.

[Bildnachweis: YAKOBCHUK VIACHESLAV by Shutterstock.com]
11. April 2018 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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