Man sieht sich: Wen wir wann wiedersehen, ist berechenbar
Statistisch haben wir am Tag mit durchschnittlich acht Menschen intensiveren Kontakt. Sei es durch persönliche Treffen, per E-Mail oder am Telefon. Erstaunlicherweise ist das nicht nur purer Zufall. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir eine bestimmte Person wiedersehen, lässt sich berechnen. Zumindest kamen Forscher des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und der Universität von Nebraska in Lincoln zu diesem Ergebnis, als sie unser Kontaktverhalten auf Gesetzmäßigkeiten hin untersuchten. Und tatsächlich: Wiedersehen macht nicht nur Freude - es lässt sich vorhersagen...

Wiedersehen lässt sich berechnen

Für die Studie ließen die Wissenschaftler 40 Probanden über einen Zeitraum von 100 Tagen alle Kontakte mit einer Dauer von mindestens fünf Minuten in einem Tagebuch dokumentieren. Ebenso wurde aufgezeichnet, mit wem der Kontakt bestand und wie er stattfand – ob per Telefon, E-Mail oder durch ein Treffen. Außerdem notierten die Probanden, wer den Kontakt initiierte.

Bei der Auswertung der Daten staunten die Wissenschaftler dann nicht schlecht: Unsere soziale Welt aus Freunden, Partnern, Familie, Nachbarn und Kollegen hat systematischere Strukturen als gedacht. Sie unterliegt sogar gewissen Regelmäßigkeiten.

Und die lassen sich mathematisch berechnen. So konnten die Forscher anhand des Musters vergangener Kontakte recht gut vorhersagen, wie wahrscheinlich es ist, mit einer bestimmten Person aus dem sozialen Netzwerk an einem bestimmten Tag wieder in Kontakt zu treten.

Demnach steigt die Wiedersehens-Wahrscheinlichkeit, wenn...

  • man jemanden häufig sieht.
  • man die Person erst vor kurzem gesehen hat.

Es ist also nicht so, dass unsere sozialen Begegnungen besonders abwechslungsreich wären. Das Gegenteil ist der Fall: Wen wir kürzlich (und regelmäßig) schon getroffen haben, den sehen wir bald wieder. Da bekommt die Aussage Man sieht sich immer zwei Mal im Leben eine ganz neue Dimension.

Die Chance auf ein Wiedersehen sinkt allerdings, wenn...

  • die Abstände zu vergangenen Treffen immer größer werden.
  • die vorherigen Kontakte nicht regelmäßig waren.
  • die vorherigen Kontakte eher gehäuft innerhalb eines kurzen Zeitraums stattfanden (Stichwort: Weihnachten oder Familientreffen).

Oder wie es die Forscher formulieren: Ist eine Person sehr präsent in unserem Gedächtnis, ist ein baldiger erneuter Kontakt wahrscheinlich.

Mal sehen, wie präsent Ihnen das hier bleibt und was das morgen für Auswirkungen hat: Man sieht sich!

[Bildnachweis: Maridav by Shutterstock.com]

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