Der Wohnungsmarkt ist hart umkämpft. Gerade in Uni-Städten bedeutet die Wohnungssuche für viele Studenten eine nervenaufreibende Aufgabe, bezahlbare Wohnungen oder WG-Zimmer sind kaum zu finden. Umso höher die Summen, die dafür auf den Tisch gelegt werden müssen. Wo sind die Mietpreise besonders hoch? Wo wohnen Studenten günstig? Alle Antworten für wohnungssuchende Akademiker...

Mietpreise Wohnung Uni Stadt

Mietpreise in Uni-Städten: Darum steigen sie

Die Mieten in Deutschland steigen. Leidtragende sind insbesondere Studenten.

Denn: Ihr Einkommen ist von der allgemeinen Einkommensentwicklung weitgehend abgekoppelt. Steigende Mieten treffen Studenten härter als Berufstätige, Letztere können sie mit ihrem ebenfalls wachsenden Einkommen - oft - kompensieren.

Ein simpler Grund für die Studenten-Not: Zu wenige Wohnungen treffen in Uni-Städten auf zu viele Menschen.

  • Konkurrent 1: Der Trend zur Akademisierung hält an. Immer mehr Menschen wollen studieren - und produzieren so Zulauf in Uni-Städten. Mittlerweile gibt es in Deutschland 2,8 Millionen Studierende.
  • Konkurrent 2: Die Nachfrage nach kleinen Wohnungen wird auch durch andere Bevölkerungsgruppen angeheizt: Senioren, Singles, Azubis und Fernpendler - Berufstätige also, die eine Zweitwohnung haben.
  • Konkurrent 3: Natürlich wirkt sich der starke Zuzug aus dem Ausland ebenfalls auf den Wohnungsmarkt aus - nicht nur durch Asylsuchende, auch durch immer mehr EU-Ausländer.

Beispiel Berlin: In der Hauptstadt sind die Mietpreise laut Studentenwohnpreisindex des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zwischen 2010 und 2017 um satte 42 Prozent gestiegen.

Extrem schnell klettern die Mieten auch in Stuttgart, München und Bremen. Prognose der Forscher: Wenn der aktuelle Trend anhält, müssen Studenten in München bald mehr als 20 Euro pro Quadratmeter zahlen.

Allerdings liegt das offenbar nicht nur am Wohnungsmangel. Vermehrt werden möblierte Wohnungen angeboten - und die sind teurer. So stieg der Anteil der möbliert angebotenen Wohnungen in Berlin seit 2010 um sieben Prozent - auf jetzt 8,5 Prozent.

Auch in München gibt es sieben Prozent mehr möblierte Wohnungen. 18,2 Prozent der Neu-Angebote, also fast jedes fünfte, ist in München anno 2017 möbliert. In Stuttgart stieg ihr Anteil gar zweistellig - um zehn Prozent auf jetzt 17,4 Prozent.

Investoren füllen dabei in immer mehr Uni-Städten die Angebotslücke. Sie stampfen Apartment-Anlagen für Studenten aus dem Boden - mit Fitnessraum, Waschsalon, Sonnenterrasse und Tiefgarage.

Laut Immobilienportal Immowelt muss man in Deutschlands Mietpreis-Metropole München zwischen 21,40 und 31,70 Euro pro Quadratmeter für ein derart schicke Studentenbude hinlegen. In Frankfurt beginnen die Preise für ein vollmöbliertes Studentenapartment bei 30 Euro pro Quadratmeter.

Positiv: Oft richten sich die Angebote ausschließlich an Studenten. Mieter müssen also eine Immatrikulationsbescheinigung vorlegen - und konkurrieren in diesem Segment eben nicht mit Senioren, Singles oder Pendlern. Und: Viele Einrichtungen bieten Nebenkosten-Flatrates für Strom, Heizung und Internet.

Ein grundsätzlicher Hinweis des IW: Die Preisentwicklung auf Immobilienportalen kann häufig überschätzt werden. Schließlich ist eine Inserierung von günstigen Wohnungen im aktuellen Marktumfeld kaum notwendig, da sich schnell neue Mieter finden. Die günstigen Wohnungen fallen also aus der Statistik heraus, die teuren treiben sie nach oben.

Mietpreise in Uni-Städten: So entwickeln sie sich

Welche Uni-Städte werden teurer, welche nicht? Hier der Blick auf einige Hot Spots:

  • Berlin

    Seit 2010 ist die Nettokaltmiete in Berlin um durchschnittlich 70 Prozent gestiegen. Erstmals müssen Mieter jetzt mehr als zehn Euro pro Quadratmeter zahlen.

    Auch Immowelt weist für Berlin einen Durchschnittswert im zweistelligen Bereich aus - exakt elf Euro müssen demnach für den Quadratmeter auf den Tisch gelegt werden.

  • Stuttgart

    In der Schwabenmetropole ist die Belastung im gleichen Zeitraum um 62,2 Prozent gewachsen. Während Immowelt im März 2017 noch 12,50 Euro für den Quadratmeter berechnet, nähert sich der Wert beim IW schon der 15-Euro-Marke.

  • München

    In der bayerischen Landeshauptstadt hat sich der Wert "nur" um 53,1 Prozent erhöht - wohlweislich ausgehend von einem sehr hohen Niveau. Momentan werden in München laut IW 18,40 Euro pro Quadratmeter fällig. Tendenz: In naher Zukunft fallen vermutlich die 20 Euro.

    Auch hier der Vergleich mit Immowelt: Das Immobilienportal spricht von 19,70 Euro pro Quadratmeter - und liegt damit noch näher an der magischen Horror-Marke.

  • Köln

    Die Domstadt könnte man in diesem Zusammenhang glatt als Geheimtipp bezeichnen. Im IW-Vergleichszeitraum betrug der Mietzuwachs vergleichsweise schlappe 22,3 Prozent. Das ist deutlich weniger als in anderen Metropolen - obwohl Kölns Bevölkerung in den letzten Jahren kräftig gewachsen ist.

    Der Quadratmeterpreis in Köln liegt dennoch deutlich über der Zehn-Euro-Marke. Auch bei Immowelt, das den Quadratmeterpreis bei 11,90 Euro sieht. Aber: Setzt sich der Trend fort, wohnt man in Köln bald billiger als in Berlin.

  • Frankfurt

    Wer mit einem Studium in Mainhattan liebäugelt, sollte den Brexit im Hinterkopf haben. Der vermehrte Banker-Zuzug aus London - von insgesamt 10.000 Jobs ist gemeinhin die Rede - dürfte den Mietspiegel in Frankfurt nochmal kräftig nach oben schieben.

    Viele Besserverdiener könnten sich eine kleine, möblierte Zweitwohnung in Frankfurt nehmen. Sie stehen damit in direkter Konkurrenz zu den Studenten der Stadt.

    Tatsächlich ist dieser Trend laut IW ansatzweise schon zu beobachten. Laut Immowelt zahlt man in Frankfurt momentan 14,10 Euro pro Quadratmeter - ein Wert, der deutschlandweit nur von München und Ingolstadt getoppt wird.

  • Chemnitz

    Wem nur ein Mini-Budget zur Verfügung steht, sollte einen Bogen um die Großstädte machen. Ausnahmen: Essen, Duisburg und Dresden. In diesem Städte-Trio kostet der Quadratmeter weniger als acht Euro - für Städte mit mehr als 500.000 Einwohnern ein sehr niedriger Wert.

    Am billigsten wohnt man in Chemnitz. Hier kostet der Quadratmeter laut Immowelt nur 5,20 Euro.

    Weitere Tipps für den schmalen Geldbeutel: Gelsenkirchen (sechs Euro), Cottbus, Magdeburg (je 6,20 Euro), Rostock und Iserlohn (je 6,40 Euro).

    Grundsätzlich lässt sich festhalten: Im Osten wohnen Mieter günstiger als im Westen, im Norden günstiger als im Süden.

Uni-Städte: So teuer ist der Quadratmeter

Hier zum Vergleich die Quadratmeterpreise in ausgewählten Uni-Städten:

  • Aachen: 10,30 Euro
  • Bielefeld: 8,50 Euro
  • Darmstadt: 12,00 Euro
  • Erlangen: 13,50 Euro
  • Freiburg: 13,00 Euro
  • Gießen: 11,20 Euro
  • Göttingen: 10,90 Euro
  • Heidelberg: 12,20 Euro
  • Jena: 9,30 Euro
  • Karlsruhe: 13,00 Euro
  • Kiel: 8,50 Euro
  • Mannheim: 10,70 Euro
  • Marburg: 11,80 Euro
  • Münster: 11,50 Euro
  • Oldenburg: 9,50 Euro
  • Regensburg: 12,30 Euro
  • Siegen: 9,90 Euro
  • Trier: 10,80 Euro
  • Tübingen: 12,20 Euro
  • Würzburg: 10,60 Euro
[Quelle: Immowelt]

[Quelle: IW Köln]


Wohnungssuche für Studenten: 4 Tipps

  1. Netzwerke

    Das ist der vielleicht wichtigste Hinweis: Aktivieren Sie Ihre Kontakte! Das können Kommilitonen, Sportkameraden, Dozenten, Freunde, flüchtige Bekannte sein. "Gerade günstige Wohnungen werden zunehmend weniger inseriert, weil es genug Interessenten im Bekanntenkreis oder auf Wartelisten gibt", schreibt das IW in seiner Analyse.

  2. Untermiete

    Zur Untermiete bei einem Rentner wohnen und ihm dafür bei der Haus- oder Gartenarbeit helfen - das ist der Deal, den man bei "Wohnen für Hilfe" eingeht. Auch Tier- oder Kinderbetreuung kann die Gegenleistung sein, für die man als Untermieter einziehen darf. Ein harmonisches Geben und Nehmen zum Wohle aller - das ist die Idealvorstellung. Klar ist aber auch: Hier kommt Mehrarbeit auf Studenten zu.

  3. Tricks

    Verzweifelte Studenten auf Wohnungssuche - manche von ihnen sind auch für Nepper, Schlepper, Bauernfänger leichte Beute. Darum bitte im Hinterkopf verankern: Egal, wie groß die Verzweiflung auch sein mag - niemals auf dubiose Deals eingehen! Beispiel: Überweisen Sie never ever vorab einen Betrag auf das Konto eines potenziellen Vermieters - schon gar nicht auf ein ausländisches Konto.

  4. Eltern

    Von zuhause abkapseln - das kann ein Teilziel im ersten Semester sein. Bei der Wohnungssuche sollten Sie aber die helfende Hand von Mama und Papa annehmen. Es kann beispielsweise clever sein, die Eltern mit zur Wohnungsbesichtigung zu nehmen. Sie treten quasi als Bürgen auf, vermitteln Seriosität, Integrität, Glaubwürdigkeit - und verbessern die Chancen auf den Zuschlag.

[Bildnachweis: HomeArt by Shutterstock.com]

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