Mitarbeiter als Marke: Beispiel Maria Pettersson?

Mehr als 309.000 Fans mit nur 234 Beiträgen. Der Ryanair-Pilotin Maria Pettersson ist dieses Kunststück auf Instagram (Ihr Profil) gelungen. Die 32-jährige Schwedin lebt eigentlich auf Sizilien, liebt Yoga und postet regelmäßig Impressionen aus dem Cockpit und von den Destinationen, die sie anfliegt – auch in ihrem Blog mit dem hübschen Titel „Happylandings„. Zahlreiche Medien – darunter „Focus“ und „Spiegel“ – berichteten schon über die „schöne Kopilotin“. Manche halten Sie gar für ein Paradebeispiel für gelungenes Employer Branding. Doch das geht vielleicht etwas zu weit…

Mitarbeiter als Marke: Beispiel Maria Pettersson?

Pilotin Pettersson: Die Karriere hart erkämpft

Seit inzwischen rund zwei Jahren arbeitet Pettersson als Koilotin auf einer Boeing 737-800 für RyanAir. Leicht war es aber nicht, dorthin zu kommen. Die Schwedin musste insgesamt rund 65.000 Euro für ihre Pilotenlizenz investieren. Das Geld musste sie sich mühsam zusammensparen. Nach der Ausbildung aber ging es nicht sofort ins Cockpit – Pettersson war erst einmal zwei Jahre lang arbeitslos.

Es folgte ein veritabler Bewerbungsmarathon. Bei nahezu jeder Fluglinie auf der Welt habe sie sich beworben. Im Jahr 2014 landete schließlich ihren Traumjob beim Billigflieger Ryanair. Im November 2015 startete sie – angeblich aus eigener Motivation – ihre Selfie-Serie auf Instagram.

Und die zeigt vor allem eines: Jede Menge Spaß im Cockpit: Mal posiert Maria mit Selfie-Stick am Cockpitfenster; mal beim Instrumenten-Check; mal gibt’s Maria mit Crew beim Grimassen schneiden; mal Maria in Siegerpose über den Wolken…

Für Ryanair ist die blonde Schwedin ein Glücksfall. Nicht nur weil die Pilotin – trotz Niedriglöhnen bei Ryanair – scheinbar immer noch im Job viel Lächeln kann, sondern auch weil sie mit ihren Bildern mehr als dreimal so erfolgreich ist wie ihr Arbeitgeber: Ryanair schafft es auf Instagram gerade mal auf knapp 87.000 Follower. Und sie schafft es damit in zahlreiche Medien – weltweit.

Erfolgsrezept: Attraktivität und Authentizität

Ein klassischer Fall von Viralmarketing und gelungenem Content Marketing wie es zurzeit alle versuchen?

Ja und Nein. Sicher enthält die Erfolgsgeschichte zahlreiche Ingredienzien für eine erfolgreiche Kampagne im Internet. Nicht zuletzt, weil die attraktive Blondine eben nicht nur Bilder aus dem Cockpit sendet, sondern ihre Selfies mit dem garniert, was bei Instagram generell gut läuft: Urlaubsstimmung und viel nackte Haut:

Woop Woop pull up,  island life is calling ?☀️?

Ein von Maria (@pilotmaria) gepostetes Foto am

So verwundert es auch nicht, dass ausgerechnet die Bikini-Yoga-Bilder regelmäßig die meisten Klicks und Herzchen kassieren.

Hinzu kommt, dass Maria Pettersson – angeblich – aus eigenem Antrieb heraus handelt. In einem Interview erzählte sie dem Magazin „Industry Rules“, das Projekt sei aus ehrlicher Begeisterung für ihren Beruf entstanden. In ihrem Blog schreibt Sie selbst: „Sei der allerbeste Co-Pilot und genieße jeden Arbeitstag.“

Und beides lässt sich schlecht kopieren: Attraktivität und Authentizität.

Da können sich die Marketing-Strategen noch so schönen Content und coole Clickbaits ausdenken – man spürt stets die Absicht und ist verstimmt. Zumal es ohnehin immer mehr Unternehmen versuchen und so nur eine Content-Inflation schaffen – ein Rattenrennen um Relevanz, Interessanz und Autorität.

Content-Inflation-Schock

Verstehen Sie den Hinweis aber bitte nicht falsch. Aus dem Beispiel der Pilotin lässt sich für das Employer Branding (und Personal Branding) immer noch genug lernen:

  • Authentischer und positiver Content schlägt jede Marketing-Botschaft.
  • Statt Storys zu kreieren, finde die Mitarbeiter (Botschafter), die echte, begeisternde Geschichten haben.
  • Fokussiere dich weniger auf die Marke, sondern vielmehr die Mitarbeiter als Marke.
  • Werde selbst zur Marke.
[Bildnachweis: Instagram]
16. September 2016 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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