Die Pendlerpauschale gehört zu den Oldtimern der deutschen Steuergesetzgebung. Jeder Arbeitnehmer darf pauschal 30 Cent pro Kilometer für die Fahrt zwischen Wohnung und Arbeitsstätte absetzen. Die Subvention wird immer relevanter, weil die Zahl der Pendler in Deutschland kontinuierlich steigt. Doch sollten Sie bei der Berechnung der Entfernungspauschale die eine oder andere Kleinigkeit beachten...

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Pendlerpauschale: Was ist das?

Die Pendlerpauschale heißt offiziell Entfernungspauschale. Im Grunde handelt es sich dabei um eine steuerliche Subvention für Erwerbstätige, die zu ihrer Arbeitsstätte pendeln.

Konkret ist es so: Je weiter Ihr Arbeitsplatz von der heimischen Wohnung entfernt ist, desto höher ist Ihre Pendlerpauschale und desto mehr Steuern sparen Sie.

Die Pendlerpauschale ist wohlgemerkt keine Gutschrift, die Ihnen das Finanzamt aufs Konto überweist. Sie mindert das von Ihnen zu versteuernde Einkommen. Mit der logischen Konsequenz, dass Sie letztlich weniger Einkommensteuer entrichten müssen.

Das bedeutet auch: Wer keine Steuererklärung abgibt, kommt auch nicht in den Genuss der Pendlerpauschale.

Die Entfernungspauschale zählt zu den Werbungskosten. Sie ist im Einkommensteuergesetz geregelt.

Pendlerpauschale: Wer kann sie in Anspruch nehmen?

Die Zahl der potenziellen Steuersparer ist riesig - und sie wächst scheinbar unaufhörlich. Schon 18,4 Millionen Erwerbstätige in Deutschland pendeln nach Berechnungen des Bonner Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Das sind 59,4 Prozent aller Beschäftigten - ein historischer Höchstwert.

Die meisten Pendler gibt es in München: 365.000 Menschen arbeiten in der bayerischen Landeshauptstadt, aber wohnen nicht dort. Das größte Wachstum verzeichnet Berlin. Seit der Jahrtausendwende wuchs die Zahl der Pendler in der Hauptstadt um weit über 50 Prozent auf zuletzt fast 300.000. Ihnen allen kann die Pendlerpauschale den Weg zur Arbeit versüßen.

Prinzipiell hat jeder Arbeitnehmer Anspruch auf die Entfernungspauschale - auch Selbstständige.

Die Wahl des Verkehrsmittels spielt keine Rolle. Es ist unerheblich, ob Sie mit dem Auto, Zug, Taxi Fahrrad oder zu Fuß kommen. Sie könnten theoretisch also jeden Tag zehn Kilometer zur Arbeit wandern, um die Kosten für Benzin oder Zugticket zu sparen. Die Pendlerpauschale würden Sie trotzdem erhalten.

Aber keine Regel ohne Ausnahme: Arbeitnehmer, die die Wegstrecke per Flugzeug oder (steuerfreier) Sammelbeförderung des Arbeitgebers zurücklegen, können die Entfernungspauschale nicht ansetzen.

Pendlerpauschale: Wie wird sie berechnet?

Die Entfernungspauschale greift nur für die einfache Fahrt zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte.

"Zur Abgeltung dieser Aufwendungen ist für jeden Arbeitstag, an dem der Arbeitnehmer die erste Tätigkeitsstätte aufsucht eine Entfernungspauschale für jeden vollen Kilometer der Entfernung zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte von 0,30 Euro anzusetzen", heißt es im Einkommensteuergesetz.

Beispiel: Zwischen Ihrer Wohnung und dem Arbeitsplatz liegen 30 Kilometer. Sie pendeln somit täglich insgesamt 60 Kilometer mit dem Auto. Die Pendlerpauschale von 30 Cent je Kilometer können Sie nur für die einfache Fahrt ansetzen. Also: 30 Kilometer x 0,30 Euro = 9 Euro. So hoch ist Ihre Pendlerpauschale für einen Werktag.

Diese multiplizieren Sie mit den Arbeitstagen im Jahr. Sie erhalten die Pauschale nur für die Tage, an denen Sie auch wirklich im Büro tätig sind. Als Richtwert gelten 220 Arbeitstage im Jahr. So geht das Rechenbeispiel weiter: 220 Tage x 9 Euro = 1.980 Euro.

Das Finanzamt zieht 1.980 Euro von Ihrem zu versteuernden Einkommen ab - sofern Sie den Betrag in Ihrer Steuererklärung geltend gemacht haben.

Was aber, wenn ein Arbeitnehmer an mehreren oder wechselnden Arbeitsstätten tätig ist? Antwort: Dann legt der Arbeitgeber die erste Arbeitsstätte fest.

Fahrten zu den anderen Arbeitsstätten können Sie steuerlich dennoch geltend machen. Diese firmieren dann als Dienstreisen. Und bei Dienstreisen können Sie sogar 30 Cent pro Kilometer für die Hin- und Rückfahrt absetzen.

Pendlerpauschale oder Dienstreise?

Pendlerpauschale oder Dienstreise?Naheliegend, dass die Regelungen zur Pendlerpauschale oft zu Unklarheiten führen. Beispiel Flugbegleiter: Bei ihnen ist der Werbungskostenabzug für Fahrten zwischen Wohnung und Einsatzflughafen NICHT auf die Entfernungspauschale von 0,30 Euro pro Kilometer begrenzt. Flugbegleiter können die Fahrtkosten in tatsächlicher Höhe absetzen. Warum?

Der Arbeitnehmer muss die Arbeitsstätte nicht nur nachhaltig aufsuchen, auch der qualitative Schwerpunkt seiner Arbeit muss dort liegen. Flugbegleiter arbeiten schwerpunktmäßig aber gar nicht am Flughafen, sondern im Flugzeug. Das entspreche einer Auswärtstätigkeit. Und die Fahrt dorthin ist eine Dienstreise. So argumentierte und entschied der Bundesfinanzhof in einem Urteil aus dem Jahr 2013.

Und noch ein leicht skurriler Fall: Ein Kläger wollte 2015 die Fahrtkosten ebenfalls in voller Höhe absetzen, weil sein Vertrag im Unternehmen auf ein Jahr befristet war. Seine Begründung: Er sei einer Arbeitsstätte nicht dauerhaft zugeordnet, habe deshalb keine regelmäßige Arbeitsstätte. In dem Fall sagte der Bundesfinanzhof: Nein.

Weitere wichtige Aspekte:

  • Höchstgrenze

    Für die Pendlerpauschale wurde eine Maximalgrenze von 4.500 Euro im Kalenderjahr festgelegt. Für Extrempendler ist das ein Nachteil. Aber auch hier die Ausnahme: Wenn Sie Ihren eigenen Pkw oder einen Firmenwagen benutzen, gilt die Höchstgrenze nicht. Falls Sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit kommen, können Sie ebenfalls die tatsächlich angefallenen Kosten absetzen - auch jenseits der Höchstgrenze. Dann aber unbedingt Belege sammeln.

  • Entfernung

    Um Ihre Pendlerpauschale beziffern zu können, müssen Sie zunächst die Distanz zwischen Wohnung und Arbeitsstätte ausrechnen. Dabei ist stets die kürzeste Straßenverbindung maßgebend. "Eine andere als die kürzeste Straßenverbindung kann zugrunde gelegt werden, wenn diese offensichtlich verkehrsgünstiger ist und vom Arbeitnehmer regelmäßig für die Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte benutzt wird", so das Einkommensteuergesetz. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn die kürzeste Strecke durch eine Baustelle versperrt ist. Dann legen Sie Ihrer Steuererklärung eine kleine Notiz mitsamt Erklärung bei, die die längere Strecke rechtfertigt.

  • Wohnung

    "Hat ein Arbeitnehmer mehrere Wohnungen, so sind die Wege von einer Wohnung, die nicht der ersten Tätigkeitsstätte am nächsten liegt, nur zu berücksichtigen, wenn sie den Mittelpunkt der Lebensinteressen des Arbeitnehmers bildet und nicht nur gelegentlich aufgesucht wird", sagt das Einkommensteuergesetz relativ deutlich. Darüber hinaus können Sie auch die Kosten für Familienheimfahrten im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung geltend machen - über die Höchstgrenze von 4.500 Euro hinaus.


Pendlerpauschale: Wo trage ich sie in der Steuererklärung ein?

Für die Pendlerpauschale müssen Sie keine Belege sammeln. Das ist komfortabel.

Sie rechnen lediglich die Distanz zwischen Wohnung und Büro aus - zum Beispiel via Google Maps - und tragen die Angaben in der Steuererklärung in Anlage N ein.

Bedenken Sie: Die Entfernungspauschale zählt zu den Werbungskosten. Darunter fallen alle Kosten, die im Zusammenhang mit Ihrem Job anfallen. Eine Werbungskostenpauschale von 1.000 Euro gewährt Ihnen das Finanzamt ohnehin. Es ist also möglich, dass sich die Entfernungspauschale für Sie gar nicht lohnt, weil sie an den abzugsfähigen Werbungskosten nichts ändert.

Beispiel: Sie pendeln an 220 Arbeitstagen im Jahr acht Kilometer zur Arbeit (einfache Fahrt). Dafür fällt eine Entferungspauschale von insgesamt 528 Euro an. Wenn sie jetzt keine anderen Werbungskosten haben - für Fachbücher, Weiterbildungen oder Arbeitskleidung zum Beispiel - dann kommen Sie erst gar nicht auf 1.000 Euro. Pendlerpauschale überflüssig.

Oft aber lohnt sie sich sehr wohl. Tipp: Stellen Sie beim Finanzamt einen Antrag auf Lohnsteuerermäßigung, sofern Ihre Werbungskosten über 1.000 Euro liegen. Dann müssen Sie schon im Laufe des Jahres weniger Lohnsteuer zahlen. Ihre Werbungskosten werden als Freibetrag schon jeden Monat beim Lohnsteuerabzug berücksichtigt.

[Bildnachweis: XiXinXing by Shutterstock.com]

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