Diese Persönlichkeitsmerkmale machen einen Karrierewechsel wahrscheinlich

Ein Karrierewechsel ist ein großer Schritt: ein Ingenieur wird Unternehmer, ein Polizist wird Coach, ein Verkäufer wird Vollzeit-Blogger. Keine Frage, der Wechsel in einen ganz neuen Beruf, ein völlig anderes Fachgebiet, erfordert Mut und die Bereitschaft, sein Leben komplett neu zu denken. Nicht wenige Menschen träumen davon – vom Aussteigen oder Auswandern und neu Anfangen. Aber nur wenige setzen es auch um. Eine Studie sagt: Das liegt vor allem an der Persönlichkeit. Bestimmte Eigenschaften können sogar voraussagen, ob es mal zu einem Karrierewechsel kommt…

Diese Persönlichkeitsmerkmale machen einen Karrierewechsel wahrscheinlich

Einflussfaktoren für einen Karrierewechsel

Die Idee, sich nach der ersten Karriere beruflich noch einmal völlig neu zu orientieren, ist hierzulande eher die Ausnahme. Zwar bescheinigen diverse Umfragen immer wieder eine hohe Arbeitsunzufriedenheit, nicht weniger Beschäftigte seien im Zustand der inneren Kündigung. Allerdings wechseln im Schnitt nur 36 Prozent der Unglücklichen früher oder später ihren Job oder Beruf.

Es ist ja auch nicht leicht: Wer den radikalen Neuanfang wagt, mutiert vom Profi zum Anfänger. Neben zahlreichen Unsicherheiten kann man dabei auch nicht unbedingt von seinem bisherigen Netzwerk oder Branchenkenntnissen profitieren. Und die meisten müssen erst einmal Abstriche machen – beim Einkommen, bei den Wohnverhältnissen, beim Urlaub.

Sally Carless und Jessica Arnupa von der Monash University in Australien wollten daher genauer wissen, ob es irgendwelche Faktoren gibt, die einen Karrierewechsel voraussagen lassen. Für ihre Studien werteten sie die Daten von insgesamt mehr als 4500 Personen aus, die im Zeitraum von 2001 bis 2006 jährlich einen Fragebogen zur beruflichen Situation und ihrer Persönlichkeitsstruktur ausfüllen mussten.

Bei einer zweiten Erhebung analysierten sie zusätzlich die Daten von rund 1500 Personen, die einen Berufswechsel vollzogen hatten. Auch sie wurden einige Jahre danach noch befragt, was sich bei ihnen geändert hatte und wie es ihnen persönlich ging.

Insbesondere die unterschiedlichen Ausprägungen der sogenannten Big Five interessierten die Wissenschaftlerinnen dabei.

Big Five - OCEAN-Modell Persönlichkeitsstruktur

Und siehe da: Es gab ein paar auffällige Gemeinsamkeiten

Offenheit und Extraversion fördern Jobwechsel

Um es kurz zu machen: Die Wahrscheinlichkeit für einen Karrierewechsel stiegt vor allem bei Menschen, wenn diese…

  • gesellig, gesprächig und tatkräftig waren (Extraversion).
  • neugierig und kreativ waren (Offenheit).
  • einen höheren Bildungsabschluss besaßen.
  • jünger waren und noch wenige Berufsjahre vorweisen konnten.
  • einen unsicheren Job hatten.
  • männlich sind.

Die Arbeitszufriedenheit und das aktuelle Einkommen hatten hingegen keinen messbaren Einfluss auf die Berufswechselwahrscheinlichkeit.

Fast noch bemerkenswerter aber sind die Folgen des Karrierewechsels bei den untersuchten Probanden:

Ein Jahr nach dem radikalen Wechsel berichteten die Betroffenen durchweg von…

  • größerer Arbeitszufriedenheit und
  • einem sichereren Job und mit weniger Wochenarbeitsstunden.

Oder anders formuliert: Aussteigen, Umsteigen und sich neu zu erfinden, machte fast immer glücklicher. Vermutlich auch, weil man so das Gefühl und die Gewissheit hat, eben nicht ausgeliefert zu sein, sondern sein Leben selbst in der Hand zu haben und die eigene Zukunft gestalten zu können.

Risikobereitschaft fördert Jobwechsel in jungen Jahren

Risikobereitschaft fördert JobwechselDie obigen Ergebnisse decken sich – zum Teil – auch mit einer aktuellen Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. Die Kernaussage:

Je risikoscheuer Beschäftigte sind, desto seltener entscheiden sie sich für einen Jobwechsel in den ersten Jahren des Berufslebens. Allerdings hat das auch Konsequenzen: So erzielen die Risikobereiten ein deutlich höheres Gehalt nach den ersten Berufsjahren als die Zauderer, die sich gegen Jobwechsel entscheiden.

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[Bildnachweis: Minerva Studio by Shutterstock.com]
23. Juli 2017 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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