Personal Eater: essen oder essen lassen?

Zum Beispiel Andy. Andy ist ein sogenannter Beiteiligungsmanager, er investiert Geld in junge Unternehmen, die sich hoffentlich später einmal auszahlen. Andy macht Deals, vor allem viele internationale. Als ich ihn kürzlich in München traf, erzählte er mir eine Anekdote, die nicht nur wahr ist (einige am Tisch konnten sie bestätigen), sondern auch so amüsant, dass ich sie Ihnen weitererzählen muss. Die Geschichte geht so:

Personal Eater: essen oder essen lassen?

Personal Eater: essen oder essen lassen?

Andy macht unter anderem viele Geschäfte mit Amerikanern. Man muss dazu sagen, dass seine Amerikaner in der Regel ein „Special Treatment“ erwarten. Das klingt seriös, bedeutet aber: Erst erwarten Sie, dass man mit ihnen in den besten Restaurants der Stadt dinniert, sieben Gänge mindestens, danach gibt’s Lapdance für alle in dem angesagtesten Stripclub der Stadt, eventuell folgt noch ein very spezial treatment, Sie verstehen…

Dieser Deal aber war schwierig und trotz prickelndem Programm zog er sich über Monate. Schon nach acht Wochen war Andy fix und fertig. Sieben Kilo hatte er in der Zeit zugelegt, die Leberwerte erinnerten an die Aktienkurse in New Economy Ära. Nicht gut, das.

Also erfand Andy den Job des Personal Eaters. So nannte er ihn jedenfalls.

Konkret handelte es sich dabei um einen durchtrainierten Kickboxer, einen Sportstudenten, den er aus seinem Fitnessstudio kannte, eigens dazu anwarb und nun zu sämtlichen Terminen mit den Amerikanern einfliegen ließ, um ihn als eben das auszugeben, was er war: sein persönlicher Aufesser. Kein Witz. Beim nächsten Geschäftsessen mit den Amerikanern platzierte er den Kickboxer gleich neben sich. Andy aß den Salat – die restlichen sechs Gänge durfte der Personal Eater verspeisen. Ebenso die harten Drinks, die dabei jedes Mal in Strömen flossen.

Die Amerikaner staunten nicht schlecht. So was hatten sie noch nie gesehen. Da es in den USA aber eine ausgeprägte Dienstleistungskultur gibt, waren sie von einem solch neuen Job geradezu begeistert. Es schien fast, als sei hier ein äußerst praktisches Gewerbe geboren worden, das zudem ein altes Geschäftsmotto neu interpretiert: essen oder essen lassen.

Sie denken jetzt vielleicht, das hört sich nach einem Traumjob an? Eingeflogen werden, eingeladen werden, Essen vom Feinsten, inklusive Freidrinks und Freitanz? Sie liegen falsch.

Nach vier Wochen kündigte der Kickboxer. Er hatte drei Kilo zugenommen. Seine Leberwerte… na, Sie wissen schon. Einen zweiten Personal Eater konnte Andy nicht finden.

[Bildnachweis: stockyimages by Shutterstock.com]
23. September 2009 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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