Das Bewerbungsanschreiben zu verfassen gehört für viele Bewerber zu den ungeliebten Aufgaben im Bewerbungsprozess. Ein Grund dafür: Geschäftskorrespondenz ist immer etwas förmlicher als die Alltagssprache und letztlich gehören auch Bewerbungsschreiben dazu. Der dort verwendete Sprachstil kommt im Arbeitsalltag seltener vor, jedoch wird für das Anschreiben erwartet, dass man sich einer gehobeneren Sprache bedienen kann. Das stellt so manchen Bewerber vor enorme Probleme. Die Gefahr ist groß, dass der förmliche Sprachstil zu Phrasen im Anschreiben verführt. Ein Fehler, der die Bewerbungschancen nachhaltig reduzieren kann...

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Formulierung im Anschreiben: Nie auf Kosten des Inhalts!

Verstehen Sie uns bitte nicht falsch: Klassische Formulierungen wie "Ich freue mich auf die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch" oder "...werde ich meine Kompetenzen voll in Ihr Unternehmen einbringen" sind mit Phrasen dreschen explizit nicht gemeint. Solche Sätze sind zwar nicht neu oder kreativ, haben jedoch ihre Berechtigung im Anschreiben.

Unter Phrasen dreschen verstehen wir viel eher Sätze, die zwar im ersten Augenblick gut klingen, jedoch keine konkrete Aussage haben oder einfach nur leere Worthülsen darstellen, ohne die das Anschreiben kein Stück ärmer wäre. Haben Sie primär solche Phrasen im Anschreiben, ist die Aussage- und Überzeugungskraft gleich null - genau wie Ihre Chancen auf den Job.

Bevor wir zu den dreizehn konkreten Fehlern kommen, die Sie in Ihrem Anschreiben vermeiden sollten, haben wir daher eine Bitte an Sie: Legen Sie in Ihrem Anschreiben den Fokus immer auf den Inhalt!

Geschliffene und formal saubere Formulierungen sind nicht unwichtig, doch sie dürfen nie auf Kosten der Aussage und des Informationsgehalts gehen und/oder das Anschreiben in seiner Wirkung einschränken. Die folgenden dreizehn Fehler sind klassische Beispiele des Formulierung-vor-Inhalt-Syndroms, mit dem Sie Ihre Bewerbungs- und Jobchancen selbst sabotieren können.

Phrasen im Anschreiben: Diese sollten Bewerber vermeiden

  • Unspezifischer Einstieg

    Formulierungen wie "Ihre Stelle hat mich sofort angesprochen" oder "ich wusste sofort, dass diese Stelle zu mir passt" sind grundsätzlich kein Problem - wenn Sie danach erklären, warum es so war oder ist. Doch viele Bewerber führen diese Gedanken leider nicht aus, sondern gehen nach einem solchen Einleitungssatz einfach im Text weiter. Dann wirkt der Satz jedoch beliebig und wenig überzeugend, da Sie keinerlei Gründe und Argumente dafür nennen. Entweder sie unterfüttern diesen Einstieg mit konkreten Punkten oder Sie verzichten darauf.

  • Pauschale Aussagen

    Ähnliches gilt für Sätze wie "Ihr Unternehmen bietet mir hervorragende Chance" oder "Ihre Stelle ist für mich optimal". Solche Aussagen klingen gut, wirken jedoch nur dann überzeugend, wenn Sie davor oder danach erklären, warum das der Fall ist und was genau das Unternehmen für Sie so attraktiv macht. Die genannten Punkte sollten dann allerdings auch wirklich zum spezifischen Unternehmen passen und sich ganz konkret in der Stellenausschreibung oder dem Auftreten des Unternehmens wiederfinden lassen. Weitere allgemeine und austauschbare Formulierungen machen Ihr Anschreiben nicht überzeugender.

  • Unspezifische Beispiele

    Wir empfehlen Ihnen grundsätzlich, Ihre Kompetenzen und Stärken im Anschreiben durch Beispiele zu belegen und nicht unbedingt explizit zu nennen. Dieser Ansatz ist jedoch nur dann effektiv und sinnvoll, wenn Sie Ihre Beispiele erstens belegen und untermauern können und diese zweitens wirklich zur konkreten Stelle passen. Es ist wenig hilfreich, wenn Sie Ihre Teamfähigkeit an Ihrer Arbeit in großen Teams und Abteilungen fest machen, es sich bei der konkreten Stelle jedoch um einen Job mit viel eigenständiger Arbeit und ohne großen Kollegenkontakt handelt.

  • Vergleichende Beispiele

    Gezielt eingesetzte Beispiele sind sinnvoll und wichtig, bergen jedoch auch die Gefahr des Vergleichs. Formulierungen wie "im Gegensatz zu meinen Kollegen" oder "als einer der wenigen Mitarbeiter" sind manchmal sehr verlockend und einfach, um eigene Kompetenzen zu präsentieren. Doch solche vergleichenden Beispiele und Formulierungen werfen ein schlechtes Licht auf Sie und lassen Sie alles andere als kollegial wirken. Diese Phrasen sollten Sie sich daher unbedingt verkneifen.

  • Irreführende Formulierungen

    Der Spruch: "Ich bin nur für das verantwortlich, was ich sage, nicht dafür, was andere verstehen" gilt bei Anschreiben definitiv nicht. Daher ist die Strategie mancher Bewerber, bewusst viel Interpretationsspielraum im Anschreiben zu lassen, aus unserer Sicht kein sinnvoller Ansatz. Denn wenn Sie bewusst unsauber oder zweideutig formulieren, können Sie dadurch übertriebene und unrealistische Erwartungen wecken. Diese führen spätestens im Vorstellungsgespräch zu einer herben Enttäuschung - und kosten Sie damit alle Chancen auf den Job.

  • Implizite Kritik

    "Gerne bringe ich meine Kompetenz in Ihrem Unternehmen ein, um die notwendigen Verbesserungen und Fortschritte voranzubringen." Dieser Satz stammt aus einem realen Anschreiben und spiegelt einen Ansatz wider, der recht häufig vorkommt. Sicher können Sie Ihrem künftigen Arbeitgeber zeigen, dass Sie sich mit dem Unternehmen befasst haben und bereits Ideen mitbringen. Doch implizite Kritik - und nichts anderes ist der gerade erwähnte Satz - sollten Sie unbedingt vermeiden. Es ist kein guter Start, wenn Sie erst mal durch die Blume sagen, dass die bisher geleistete Arbeit im Unternehmen mangelhaft ist.

  • Superlative und Übertreibungen

    Formulierungen wie "der beste Mitarbeiter" oder "hervorragende Leistungen" sind im Anschreiben durchaus kritisch. Selbst wenn Sie diese belegen können schwingt hier doch immer ein Hauch Arroganz und Überheblichkeit mit. Außerdem lassen solche Aussagen möglicherweise Zweifel an Ihrer Kritikfähigkeit und Selbstreflexion aufkommen oder - noch schlimmer - wecken viel zu hohe Erwartungen. In jedem Fall sind die potenziellen Konsequenzen nicht positiv für Sie und schmälern Ihre Chancen. Schalten Sie lieber einen Gang runter.

  • Ausschweifende Erklärungen

    Beispiele sind eine gute Möglichkeit, um Ihre Kompetenzen und Stärken darzustellen, ohne diese explizit nennen zu müssen. Das funktioniert jedoch nur, wenn Sie Ihre Beispiele kurz und knackig halten und Ihre Kompetenzen daraus eindeutig hervorgehen. Verlieren Sie sich dagegen in ausschweifenden Erklärungen, schläft dem Personaler dabei nicht nur das Gesicht ein, Sie haben auch keinen Platz mehr für andere wichtige Aspekte. Kommen Sie im Anschreiben daher idealerweise zügig auf den Punkt.

  • Rhetorische Fragen

    Dieser Punkt bedarf wohl keiner Erklärung, oder? Bereits diese rhetorische Frage macht deutlich, wie unangenehm das Stilmittel wirken kann. Denn die implizite Botschaft der rhetorischen Frage ist fast immer: Das ist jetzt so klar und eindeutig, dass wirklich jeder es wissen und verstehen müsste. Doch was, wenn dem Personaler nicht sofort klar ist, worauf Sie hinauswollen? Genau, dann vermitteln Sie ihm mit Ihrer rhetorischen Frage das Gefühl, etwas beschränkt oder unwissend zu sein. Wollen Sie das wirklich sagen?

  • Unbelegtes Eigenlob

    Ihr Anschreiben und Ihre gesamte Bewerbung sind natürlich die Gelegenheit, um sich optimal in Szene zu setzen und sich selbst auch ein wenig zu loben. Achten Sie jedoch unbedingt darauf, jegliches Eigenlob erstens mit konkreten Beispiele zu verbinden und es zweitens auch durch Zeugnisse und andere Referenzen zu belegen. Unbelegtes Eigenlob riecht sehr schnell etwas komisch und hinterlässt oft einen alles andere als guten Nachgeschmack.

  • Austauschbare Phrasen

    Zu guter Letzt sollten Sie in Ihrem Anschreiben auf allzu austauschbare und allgemeine Formulierungen verzichten. Sprechen Sie beispielsweise die guten Arbeitsbedingungen und die gute Arbeitsatmosphäre im Unternehmen an, sollten Sie diese auch konkret benennen und an Beispielen oder Aussagen des Unternehmens fest machen können. Einfach nur allgemeine und unspezifische Aussagen in den Raum zu stellen verschwendet nicht nur wertvollen Platz, es macht Ihr Anschreiben auch wenig überzeugend und glaubwürdig.

  • Selbstverständliche Allgemeinplätze

    Nahezu jeder Arbeitsplatz erfordert Kommunikationsfähigkeit, Belastbarkeit, engagiertes und eigenverantwortliches Arbeiten - schließlich werden Sie dafür bezahlt, sich und Ihr Wissen einzubringen und nicht nur die Zeit abzusitzen. Formulierungen wie "ich bin eigenverantwortliches Arbeiten gewohnt", "ich bin kommunikativ und belastbar" oder auch "mit mir gewinnen Sie einen engagierten Mitarbeiter" sind Allgemeinplätze, die vorausgesetzt werden. Besser ist es auch hier mit konkreten Beispielen diese Eigenschaften zu belegen - etwa "während der Umbauphase organisierte ich in Absprache mit dem Vorgesetzten Ausweichmöglichkeiten für das gesamte Team".

  • Abschwächende Formulierungen

    Relativ häufig findet sich unter den Phrasen im Anschreiben auch diese Formulierung: "Ich würde mich über ein Vorstellungsgespräch freuen." Der Sinn dahinter ist klar, im Deutschen wird mit Konjunktivformulierungen Höflichkeit signalisiert. Und der Bewerber möchte natürlich nicht als vermessen, sondern als höflich wahrgenommen werden. Leider bergen Konjunktive immer die Gefahr, dass Sie wenig selbstbewusst wirken, denn er nimmt die Stärke und Bestimmtheit aus einer Formulierung. Dabei ist doch klar: Wenn Sie eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erhalten, dann freuen Sie sich ganz bestimmt sogar! Eine ganz ähnliche Wirkung haben daher auch Adverbien und Formulierungen wie eigentlich, eventuell, möglicherweise, vielleicht, unter Umständen, ziemlich.

Ohne Phrasen im Anschreiben: So funktioniert's

Phrasen im Anschreiben persönliche Stärken Bewerbung formulieren mit mir gewinnen Sie einen engagierten MitarbeiterInhaltsleere Aussagen sind nie von Vorteil, egal ob es um Phrasen im Anschreiben, im Lebenslauf oder im Vorstellungsgespräch geht. Aufmerksame Leser oder Zuhörer werden sie immer als das entlarven, was sie sind: Blabla. Personaler sind darin geübt, Worthülsen zu erkennen.

Um eine Topbewerbung zu verfassen, sollten Sie inhaltlich diese Punkte beachten:

  • Individualität

    Überzeugen Sie den Arbeitgeber von Ihrer Persönlichkeit. Werden Sie kreativ und trauen Sie sich, selbstbewusst zu formulieren, ein wenig aufpolieren ist immer erlaubt, solange Sie bei der Wahrheit bleiben. Wer seine Stärken und Schwächen gut analysiert hat, kann umso überzeugender den eigenen Beitrag für das Unternehmen herausstellen. Denn darum geht es: Ihre Bewerbung muss auf das Unternehmen zugeschnitten sein.

  • Recherche

    Individualität gilt bitte nicht nur für das maßgeschneiderte Anschreiben, sondern auch im Hinblick auf den Adressaten. Vermeiden Sie unbedingt ein unpersönliches Anschreiben mit "sehr geehrte Damen und Herren". Geben Sie sich stattdessen Mühe mit der Recherche, sollte der Ansprechpartner nicht in der Stellenanzeige direkt genannt sein. Das gilt umso mehr, wenn Sie eine Initiativbewerbung verfassen. Hier empfiehlt es sich, die Bewerbung nicht einfach an die Personalabteilung zu schicken. Finden Sie stattdessen lieber den potenziellen Vorgesetzten des Fachbereichs heraus.

  • Synonyme

    Um Phrasen im Anschreiben zu vermeiden, sollten Sie Ihre Ausdrucksweise stärker variieren. Viele lieb gewonnenen Wörter haben Synonyme, mit denen Sie das Gleiche aussagen können ohne in typische Sprachmuster zu verfallen. Statt Teamfähigkeit könnten Sie beispielsweise Kooperationswillen, statt Engagement Einsatzbereitschaft sagen.

  • Arbeitgeberperspektive

    Ebenfalls unvorteilhaft sind Formulierungen, die eine egozentrische Perspektive haben: "Ich möchte mich gerne weiterentwickeln" - das ist schön für Sie, aber was hat der Arbeitgeber davon? Ihr Ziel muss es sein, das Anschreiben so zu formulieren, dass der Arbeitgeber den Eindruck einer Win-win-Situation hat.

  • Belege

    Was sich wie ein roter Faden bei allen unseren Ratschlägen gegen Phrasen im Anschreiben zieht: Sie brauchen Belege! Das Prinzip bei Stellenangeboten ist folgendes: Der Arbeitgeber schildert die Anforderungen des Jobs, der Bewerber liefert entsprechende Leistungsnachweise. Und die liefern Sie nicht, in dem Sie etwas behaupten. Denn Äußerungen bei Business Skills wie "ich bin sehr dynamisch, flexibel und motiviert" sind letztlich halt nur Behauptungen, wenn Sie Ihre Flexibilität und andere Eigenschaften nicht belegen können. Das ginge beispielsweise, indem Sie schreiben "im Laufe meiner mehrjährigen Tätigkeit habe ich an mehreren Standorten gearbeitet". Als weitere Belege können ebenso Referenzen früherer Arbeitgeber dienen oder messbare Ergebnisse wie "so konnte ich den Umsatz des Unternehmens um 20 Prozent steigern.

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