Streik: Was tun bei Flugausfall?

Wenn Piloten oder Bodenpersonal streiken, dann fallen zahlreiche Flüge aus. Ob nun Warnstreik oder regulärer Streik im öffentlichen Dienst: Betroffen sind oft Langstreckenflüge ebenso wie Reisen auf der Kurzstrecke. Für Vielflieger und reisende Passagiere ist dies trotz regelmäßiger Vorankündigungen mit Flugausfällen und erheblichen Verzögerungen im Flugverkehr und damit viel Ärger verbunden. Chaos ist also programmiert. Doch was passiert mit Arbeitnehmern, die sich deswegen verspäten oder von Dienstreisen oder dem Urlaub nicht rechtzeitig zurück kommen? Was Betroffene tun können – und welche arbeitsrechtlichen Ansprüche bestehen…

Streik: Was tun bei Flugausfall?

Streik am Flughafen: Die wichtigsten Fragen und Antworten bei Flugausfall

Pilotenstreik - Flugausfall - ArbeitsrechtWas tun, wenn man zum Beispiel noch im Urlaub ist und einen der Pilotenstreik, Lotsen- oder Bodenpersonalstreik am geplanten Rückflugtag kalt erwischt und man nicht mehr rechtzeitig zum ersten Arbeitstag nach dem Urlaub bei seinem Arbeitgeber erscheinen kann?

Über die wichtigsten Fragen im Zusammenhang von Pilotenstreiks, Flugausfällen und Arbeitsrecht geben wir Ihnen einen kurzen Überblick:

Was mache ich wenn mein Rückflug gestrichen wird und ich nicht rechtzeitig nach meinem Urlaub auf der Arbeit erscheinen kann?

Wenn der Rückflug gestrichen wird, ist der Arbeitgeber unverzüglich über die dadurch unmögliche Arbeitsaufnahme zu informieren. Wenn es absehbar ist, sollte der Arbeitgeber auch darüber informiert werden, wie lange man voraussichtlich der Arbeit fern bleiben wird, damit dieser den betrieblichen Ablauf planen kann.

Was passiert, wenn ich meinen Arbeitgeber nicht oder zu spät informiere?

Wer den Arbeitgeber nicht oder erst viel zu spät informiert, begeht einen vertraglichen Pflichtverstoß. Für die späte Unterrichtung und das damit verbundene unentschuldigte Fehlen könnte eine Abmahnung die Folge sein. Eine Kündigung dürfte jedoch regelmäßig ohne vorherige Abmahnung unwirksam sein. Ist man allerdings wegen eines vergleichbaren Pflichtverstoßes in der Vergangenheit bereits abgemahnt worden, ist auch eine Kündigung möglich.

Muss man sich nach anderen Rückreisemöglichkeiten erkundigen und zu diesen greifen?

Ja, grundsätzlich muss man sich um eine alternative und zumutbare Rückreisemöglichkeit bemühen. Was im konkreten Fall zumutbar ist, entscheidet sich dann nach Einzelfallkriterien. Wer zum Beispiel in Frankfurt arbeitet und sich in Hamburg in Urlaub befindet, dem ist auch eine Rückreise mit der Bahn oder einer anderen Fluggesellschaft zuzumuten. Aus Südamerika mit dem Schiff anzureisen, wenn es keine Flugmöglichkeit gibt, dürfte allerdings unverhältnismäßig und damit unzumutbar sein.

Muss ich als Arbeitnehmer das Risiko tragen, wenn ich nicht pünktlich zurück bin?

Das Wegerisiko und damit auch das Risiko am Urlaubsort festzusitzen, trägt man als Arbeitnehmer. Einen Anspruch auf Ersatz von zusätzlichen Reisekosten hat man gegen seinen Arbeitgeber nicht. Insoweit müsste sich der Reisende eher mit dem Reiseveranstalter oder der Fluggesellschaft in Verbindung setzen, um eine mögliche Kostenübernahme zu erlangen.

Bekomme ich trotz Nichterscheinen bei der Arbeit mein Gehalt?

Es ist nicht so, dass der Arbeitgeber in einer solchen Situation einfach unbegrenzt weiterzahlen muss, ohne dafür eine Gegenleistung von seinem Arbeitnehmer zu erhalten. Da die Verantwortung, seinen Arbeitsplatz zu erreichen, beim Arbeitnehmer liegt, gilt hier der einfache Grundsatz „ohne Arbeit kein Lohn“. Das Risiko, nicht rechtzeitig aus dem Urlaub zu kommen, liegt damit allein beim Arbeitnehmer. Der verlängerte Urlaub wird so für die Betroffenen nicht unbedingt zum Genuss.

Kann ich meinen Urlaub einfach verlängern?

Wenn noch Urlaubsansprüche bestehen und das Wetter sowie die Urlaubskasse es zulassen, könnte man auch den Arbeitgeber um eine kurzfristige Verlängerung des Urlaubs bitten. Der Vorteil wäre, dass man die freie Zeit noch genießen kann und sie darüber hinaus auch noch bezahlt bekommt.

[Bildnachweis: Fabien Monteil by Shutterstock.com]
10. April 2018 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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