Pokemon Go: Bei der Arbeit erlaubt?

Pokemon Go markiert eine Zeitenwende: Es ist das erste Smartphone-Spiel, das mittels Augmented Reality einen globalen Boom ausgelöst hat. Auch deutsche Büros werden von den putzigen Monstern – und ihren Jägern – heimgesucht. Aber darf ich eigentlich während der Arbeitszeit auf Pokemon-Jagd gehen? Worauf muss ich achten? Karrierebibel sagt’s Ihnen …

Pokemon Go: Bei der Arbeit erlaubt?

Pokemon Go: Urlaubsreif!

Jeden Morgen füllt sich Tom Currie seine Thermoskanne mit Kaffee, packt sich Regenmantel und geschmierte Brote in den Rucksack und geht raus ins Freie. Pokemons jagen! Der 24-Jährige hat seinen Job gekündigt, um eine zweimonatige Rundreise durch Neuseeland zu starten – nicht der natürlichen Schönheit seiner Heimat wegen, sondern um ALLE Pokemons abzufangen, die da draußen lauern.

Schon in der ersten Woche habe er 90 von 151 Pokemons gefunden, erzählte er stolz dem britischen Guardian. „Ich wollte Abenteuer“, sagt Currie. „Ich habe sechs Jahre am Stück gearbeitet und brauchte dringend eine Pause. Und Pokemon eröffnete mir die Chance, mir diesen Traum zu erfüllen.“ Mit dem Bus fährt er nun durchs Land, schläft in Backpacker-Buden oder bei Freunden auf der Couch. Einmal habe ihn das Jagdfieber so sehr gepackt, dass er bis 3 Uhr nachts Pokemons nachgestellt habe.

„Als ich gekündigt habe, habe ich meinem Vorgesetzten nicht gesagt, dass ich Pokemons jagen werde“, sagte Currie der BBC. „Aber als meine Geschichte öffentlich wurde, habe ich ihn aus Höflichkeit angerufen, um ihn auf den neuesten Stand zu bringen für den Fall, dass die Medien ihn kontaktieren würden. Er hat absolut liebenswürdig reagiert und gesagt ‚Gut gemacht, Tom. Das ist wirklich lustig. Ich hoffe, alles ist ok. Hab‘ Spaß auf deinem Pokemon-Trip.'“

Unsere klare Empfehlung: Nehmen Sie sich kein Vorbild an Tom Currie! Höchstens, wenn Sie 18 sind, gerade das Abitur gemacht und ohnehin eine Auszeit eingeplant haben.

Pokemon Go: Monsterjagd im Büro

Die Currie-Geschichte ist ein (amüsanter) Extremfall, der Normalfall sind aber eher Pokemon-Jäger AM Arbeitsplatz. Denn längst hat die Pokemon-Epidemie die Büros von Oakland bis Bangkok erfasst. Auch deutsche Büros sind zur Jagdzone umgewandelt worden, Twitter beweist es:

Das ist im besten Fall ein großer Spaß, eine Teambuilding-Maßnahme sogar. Aber kann ich am Arbeitsplatz einfach so drauflosdaddeln?

Pokemon Go: Was sagt das Arbeitsrecht?

Hat der Arbeitgeber das Spielen mit dem Smartphone am Arbeitsplatz ausdrücklich erlaubt, dann gibt es keine Probleme. Doch welcher Arbeitgeber erlaubt das schon? Unter normalen Umständen fallen virtuelle Spielereien in die Kategorie Privatvergnügen. „Grundsätzlich ist man bei Privatangelegenheiten in der Arbeitszeit auf die Kulanz des Arbeitgebers angewiesen“, erklärt Anja-Mareen Decker, Leiterin der Rechtsabteilung bei der Rechtsschutzversicherung Advocard.

„In einigen Fällen kann es richtig heikel werden. Nämlich dann, wenn Sie beispielsweise Bilder vom Monster auf Ihrer Tastatur machen und damit möglicherweise die Geheimhaltungspflicht gegenüber Ihrem Arbeitgeber verletzen“, so Decker weiter. „Oder wenn Sie das Firmenhandy mit sensiblen Informationen zur Monsterjagd nutzen – denn die Datenschutzbestimmungen der App sind sicher nicht im Sinne vieler Unternehmen.“

Pokemon für Pendler?

Im schlimmsten Fall kann die Smartphone-Spielerei sogar als Arbeitszeitbetrug ausgelegt werden. Das Risiko ist umso größer, wenn Ihre Arbeitszeit genau dokumentiert wird, mit Stechuhr beispielsweise. Auch Arbeitnehmern in Rufbereitschaft droht eine Abmahnung, wenn sie unerlaubterweise während der Wartezeit auf dem Smartphone spielen.

Noch schlimmere Konsequenzen kann die Pokemon-Jagd für Fluglotsen, Bahn- oder Busfahrer haben. Wer während der Fahrt auf Pokemon-Jagd geht – so etwas soll es geben – bringt sich und andere in Gefahr, geht das Risiko einer fristlosen Kündigung ein.

Ohenhin gilt für Pendler, die auf dem Weg zur Arbeit noch schnell ein Pokemon einsammeln wollen, erhöhte Vorsicht. “Während der Autofahrt ein Monster nach dem anderen zu fangen ist sehr verlockend“, so Decker. „Doch schon das bloße In-die-Hand-nehmen des Handys ist dem Fahrer verboten. Ein Bußgeld von 60 Euro und ein Punkt in Flensburg sind dann eine teure Investition für ein Pokémon. Auch Radfahrer sollten sich lieber auf den Verkehr konzentrieren, um Unfällen und Geldstrafen vorzubeugen. Selbst für Fußgänger können Bußgelder fällig werden, wenn diese durch Unachtsamkeit durch Handynutzung andere behindern.“

Tipp für Lehrer: Handys einsammeln

Und auch im Klassenzimmer sind die fernöstlichen Monster schon angekommen. Lehrer könnten aber aufatmen, so Decker, „denn es ist ihnen erlaubt, Handys im Unterricht einzusammeln – Handyjagd statt Monsterjagd sozusagen. Sie setzen damit lediglich die Hausordnung der Schule durch, in der heutzutage die Handynutzung während des Unterrichtes meist untersagt wird. Sie müssen die Geräte allerdings am Ende des Schultages zurückgeben.“

Grundsätzlich sollten sich Arbeitnehmer also an die Devise halten: Pokemon-Jagd nur mit Genehmigung des Arbeitgebers — andernfalls das Smartphone erst in der Pause oder nach Feierabend zücken.

[Bildnachweis: Randy Miramontez by Shutterstock.com]
27. Juli 2016 Autor: Sebastian Wolking

Sebastian Wolking ist Redakteur der Karrierebibel. Er hat Geschichte, Politikwissenschaften und Germanistik studiert und als Online-Redakteur gearbeitet. Sein Interesse gilt den Veränderungen des Arbeitsmarktes durch die digitale Revolution.

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