Praxisanteil im Studium: Tipps für Studenten

Der Ruf nach mehr Praxis im Studium wird in den letzten Monaten immer lauter. Studenten der verschiedensten Fachrichtungen fordern vor allem von Universitäten und Fachhochschulen höhere Praxisanteile, um so ihre Berufs- und Bewerbungschancen zu erhöhen. Doch Bildungseinrichtungen können – und wollen – auf diese Forderung nur langsam reagieren. Wer den Praxisanteil im Studium erhöhen will, sollte als Student selbst aktiv werden…

Praxisanteil im Studium: Tipps für Studenten

Praxisanteil im Studium: Wählen Sie Ihre Hochschulart

Die Forderung nach mehr Praxis stammt primär von Studenten an Universitäten und – in einem geringeren Umfang – an Fachhochschulen. Diese Verteilung ist bereits ein Hinweis auf einen wichtigen Faktor: Die Art der gewählten Hochschule. Den größten Praxisanteil bieten naturgemäß Duale Hochschulen, bei denen Praxisanteile gleichberechtigt zur Theorie sind.

Fachhochschulen kommen beim strukturell angelegten Praxisanteil im Studium auf Platz zwei, während Universitäten hier den letzten Platz belegen. Das klingt jedoch negativer, als es gemeint ist. Universitäre Studiengänge bieten den größten Theorieumfang aller Studienarten, werden von den Studenten jedoch deutlich selbstbestimmter gestaltet, als das bei Fachhochschulen oder gar Dualen Hochschulen der Fall ist.

Diese selbstbestimmte Organisation bietet Universitätsstudenten die Möglichkeit, sich einen höheren Praxisanteil durch Eigeninitiative zu erarbeiten. Das hier nötige Engagement sollten auch Studierende an Fachhochschulen aufbringen. Denn ein signifikant höherer Praxisanteil ist – zumindest in naher Zukunft – nur durch die Studenten selbst realisierbar.

Warum mehr Praxis?

Wie eingangs erwähnt wird die Diskussion um mehr Praxis im Studium in jüngster Zeit besonders intensiv geführt. Einen Eindruck der aktuellen Diskussion bietet die Sendung des Deutschlandfunks zu diesem Thema. Die Kritiker oder Gegner eines höheren Praxisanteils beziehen sich gerne auf das bekannte Zitat von Immanuel Kant: „Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie.“

Doch auch wenn eine theoretische Grundlage wichtig ist, ist Praxiserfahrung für Berufseinstieg und Bewerbungschancen essenziell. Ein hoher Praxisanteil im Studium…

  • … zeigt potenziellen Arbeitgebern, dass die Absolventen ihr Wissen auch anwenden und einsetzen können.
  • … bietet Studenten die Möglichkeiten, frühzeitig herauszufinden, wie ihre berufliche Richtung konkret aussehen soll.
  • … unterstützt auch die theoretisch erworbenen Kenntnisse, da diese durch die praktische Erfahrung untermauert werden.
  • … vermittelt Studenten einen klareren Sinn fürs Studium, da der Nutzen der theoretischen Inhalte in der Praxis deutlich wird.

7 Tipps für höheren Praxisanteil im Studium

Der eine oder andere Student mag sich jetzt fragen: „Wie soll ich denn bitte Zeit für einen höheren Praxisanteil finden?“ Die Frage ist durchaus nachvollziehbar, sind manche Vorlesungspläne doch recht voll gepackt. Studenten sollten den Praxisanteil im Studium daher intelligent erhöhen und nach Möglichkeiten suchen, die Praxiserfahrung mit anderen, ohnehin nötigen Elementen zu kombinieren.

Selbst die besten Planung und Organisation stößt jedoch irgendwann an ihre Grenzen. Wenn Sie als Student den Praxisanteil im Studium erhöhen wollen, sollten Sie sich daher darüber im Klaren sein, dass dafür Prioritäten und manche Einschränkung nötig sein können.

Es ist beispielsweise absolut denkbar, dass manches Hobby hinten anstehen muss oder dass Sie nicht jede Vertiefungsrichtung im Studium so verfolgen können, wie Sie vielleicht gerne würden. Im Folgenden finden Sie sieben Tipps, mit denen Sie den Praxisanteil im Studium signifikant erhöhen können.

  1. Wissenschaftliche Mitarbeit – Jobs als wissenschaftliche Mitarbeiter oder studentische Hilfskraft haben den Charme, dass Sie gleichzeitig Geld verdienen und Ihr Fachwissen anwenden und vertiefen können. Solche Jobs sind vor allem dann sinnvoll, wenn Sie später eine Karriere im wissenschaftlichen Bereich oder an der Hochschule anstreben.
  2. Passende Studentenjobs – Die naheliegendste Option für Praxiserfahrung ist die Wahl passender Studentenjobs. Diese zu finden ist – je nach Fachbereich – nicht immer einfach, doch die Suche lohnt sich. Im Gegensatz zu einem klassischen Studentenjob können Sie die hier gesammelte Erfahrung tatsächlich als Vorteil für Ihre Bewerbung nutzen und im Lebenslauf präsentieren.
  3. Universitäre Kooperationsprojekte – Viele Universitäten und Hochschulen bieten inzwischen Kooperationsprojekte mit Unternehmen an. Diese sind zwar nicht ganz auf dem Level eines Studentenjobs bei den Unternehmen, bieten jedoch einen höheren Praxisbezug als die normalen Vorlesungen. Ganz nebenbei können Sie hier auch erste Kontakte mit potenziellen Arbeitgebern knüpfen.
  4. Ehrenamtliches Engagement – Ja, dieser Ansatz kostet zusätzliche Zeit und ist daher nicht so elegant und effizient wie die bisher genannten Optionen. Dennoch kann sich ehrenamtliches Engagement – im richtigen Bereich (!) – auch für die Bewerbung als sinnvoll erweisen. Mit den passenden Aufgaben können Sie hier ebenfalls Praxiserfahrung sammeln.
  5. Freiberufliche Arbeit – In der Regel werden Sie als Student hier nicht sofort mit Aufgaben beginnen können, die direkt zu Ihrem Fachbereich gehören. Die Grundlage Ihrer freiberuflichen Arbeit dürfte meist aus Fähigkeiten bestehen, die sich vor oder begleitend zum Studium angeeignet haben. Dennoch können und sollten Sie die den Schwerpunkt nach und nach in Richtung Ihres künftigen Jobs verschieben und die Erfahrung so für Ihren Berufseinstieg relevant gestalten.
  6. Work and travel – Wollen Sie die Semesterferien sinnvoll nutzen und gleichzeitig die Welt sehen, sind Work and travel Angebote optimal. Wählen Sie Aufgaben und Arbeitgeber richtig aus, können Sie so auch fachlich relevanten Praxiserfahrung sammeln und Ihr theoretisches Wissen praktisch vertiefen.
  7. Fachliche Praktika – Die Betonung liegt hier ganz eindeutig auf fachlich. Praktika, bei denen Sie nur Kaffee kochen oder Kopierarbeiten übernehmen, bringen Sie exakt gar nicht weiter. Erfüllen Sie jedoch Aufgaben, bei denen Sie Ihr Fachwissen einbringen können und müssen, können Praktika ein wertvoller Teil Ihres Lebenslaufs werden.

Abschließend noch ein Kommentar: Unabhängig davon, wie Sie den Praxisanteil konkret gestalten, sollten Sie immer darauf achten, dass Spaß und Motivation im Studium nicht durch zu viel Arbeit verloren gehen. Auch die umfangreichste Praxiserfahrung ist wertlos, wenn Sie durch Überlastung ausbrennen. Den gesunden Mittelweg zu finden ist eine ständige Abwägung, die Sie unbedingt vornehmen sollten.

[Bildnachweis: panitanphoto by Shutterstock.com]
27. Februar 2015 Autor: Christian Mueller

Christian Müller ist Coach und freier Autor. Bei der Karrierebibel schreibt er vor allem über Themen zu Social Media, Studium und Ausbildung.

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