Mit 2000 Followern ist man vielleicht noch kein Star, aber mit 20.000 ist einer schon nicht mehr ganz unbekannt im Netz. Doch was passiert in den Unternehmen und in den Teams, wenn immer mehr der Mitarbeiter eine solche Eigenmarke aufbauen und besitzen? Sicher, nicht jeder hat die Ambitionen, prominent im Netz zu werden und es zum sogenannten O-Promi, dem Online-Prominenten, zu bringen. Aber immer mehr Mitarbeiter bringen es in den Social Media zu einem ansehnlichen Auditorium, zu Bekanntheit, Reichweite und einer treuen Fangemeinde. Weckt das nicht Neid und Begehrlichkeiten im Team? Oder vielleicht hält derjenige sich plötzlich für etwas Besseres, weil ihm die Prominenz im Netz zu Kopf steigt und er glaubt, den anderen etwas voraus zu haben...

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Prominent im Netz: Ein Problem für das Team?

Bei den steigenden Zahlen einiger Prominenten im Netz, die mehrere Millionen Menschen mit jedem einzelnen ihrer Postings und ihrer Beiträge erreichen, wird manchmal vergessen, dass auch schon Follower-Zahlen in einem deutlich kleineren Maßstab ausreichen, um einige Bekanntheit zu erreichen.

Das ändert allerdings nichts daran, dass die meisten dieser O-Promi-Mitarbeiter bisher eher unter dem Radar ihrer Chefs und Personalmanager surfen, twittern, posten oder auch bloggen. Nicht zuletzt, weil die sich mit dem ganzen Internetzdings noch nicht so richtig auskennen, zu selten online oder selbst einfach kaum aktiv in den entsprechenden Netzwerken sind. Dabei sollten sich Unternehmen häufiger und vor allem gezielter mit dem Thema beschäftigen: Was auch immer diese Web-Stars machen - es kann großen Einfluss auf das Unternehmen und dessen Image haben - im Guten wie im Schlechten.

Umkehren lässt sich dieser Trend ohnehin nicht. Die Arbeitswelt hat sich längst verändert. Junge Berufseinsteiger wissen, dass die Halbwertszeit ihrer Eigenmarke im Internet weiter reicht, als die ihrer Karriere in einem Unternehmen.

Mehr noch: Die Eigenmarke wird immer wichtiger für ihre Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt. Das Netzwerk hilft zudem, frühzeitig von Vakanzen zu erfahren. Also kurz: Es hat für den einzelnen Arbeitnehmer mehr Vorteile als Risiken seine Kompetenzen im Web auf professionelle Weise darzustellen und sein Profil dort zu etablieren.

Und je stärker Personaler bei der Auswahl von Bewerbern auf eben diese Online-Reputation achten, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass sie jemanden einstellen, der sein eigenes Publikum gleich mitbringt. Warum sollte er auch nicht? Die Leute können ja was...

Prominent im Netz: Ich bin ein Star - behandelt mich gut!

Doch genau das bringt auch Gefahren. So ein kleiner Youtube-Star, eine Twitter-Persönlichkeit oder eine Facebook-Bekanntheit will wahrscheinlich auch weiterhin das machen, was sie bisher schon gemacht hat - Menschen erreichen, Reichweite aufbauen, weiterhin über seine Themen bloggen, twittern oder instagrammen. Womöglich sogar zwischendurch auf der Arbeit. Wie aber geht man damit als Chef um? Und wie schafft man eine Balance zwischen den Promis und den Nicht-Promis - ohne das Neid oder Allüren das Klima vergiften?

Auf der anderen Seite lässt sich die hohe Aufmerksamkeit und Reputation ja auch für die Unternehmensmarke nutzen (ohne sie auszunutzen). Etwa, wenn das Unternehmen ein neues Produkt oder einen neuen Service etablieren will und der Mitarbeiter das in seinen Kreisen und Zirkeln thematisiert (Was freilich auch nicht leicht ist, wenn beide Marken wenig gemein haben).

Ein solches Beschäftigungsverhältnis kann überdies von anhaltenden Spannungen gekennzeichnet sein: Ein Mitarbeiter, der seinen Marktwert kennt und ständig unter Beweis stellt, hat andere und höhere Anforderungen an die Arbeitsbedingungen oder die Gehaltsentwicklung. Insbesondere dann, wenn das Unternehmen von seiner Marke erkennbar profitiert.

Hinzu kommt: So mancher Chef hat ein Problem damit, nicht selbst der Star im Laden zu sein. Wenn der Mitarbeiter öfter in den Medien zitiert, auf Firmenveranstaltungen lauter von den Kollegen beklatscht oder gar öfter von Headhuntern angerufen wird, kann das an manchem Manager-Ego nagen. Atmosphärische Störungen sind also programmiert.

Und was passiert, wenn man sich eines Tages trennt - nur nicht im Guten? So ein O-Promi-Ex-Kollege kann das Arbeitgeberimage massiv beschädigen, wenn er seinem Ärger später - sachlich begründet - Luft macht. Plötzlich bekommt ein großes Publikum von Tausenden oder gar mehr Menschen gleichzeitig mit, welche Missstände zur Trennung geführt haben, wie das Betriebsklima ist oder wie mit Mitarbeitern umgesprungen wird. Einmal losgetreten kann ein solcher Stein schnell zur viralen Lawine werden und einen Shitstorm hervorrufen.

Und behalten Sie im Hinterkopf: Solche Mitarbeiter sind vielleicht noch eher seltene Exoten, ihre Zahl aber steigt. Früher oder später muss sich also mit dem Thema auseinandergesetzt werden, um Lösungen zu finden und Konzepte oder Vorgehensweisen auszuarbeiten, wie reagiert werden soll, wenn ein Kollege prominent im Netz ist.

Online-Stars in der Belegschaft

Was für sich spricht:

Daumenhoch_t

  • Prestige. Ein echter Influencer kann die Unternehmensmarke aufwerten, wenn seine Reputation abstrahlt.
  • Media. Mitarbeiter mit großer Gefolgschaft erzeugen praktisch gratis mediale Aufmerksamkeit und damit Reichweite und Einfluss.
  • Kunden. Aus der Gefolgschaft des O-Promis können so neue Kundenbeziehungen entstehen.
  • Attraktivität. Zudem locken prominente Mitarbeiter immer auch weitere Talente an. Ein echtes Asset für das Recruiting.

Und was dagegen:

Daumen runter

  • Allüren. Manchem steigt der Ruhm zu Kopf. Aus kompetenten Kollegen können zickige Diven werden, die das Betriebsklima empfindlich stören.
  • Gerüchte. Was auch immer Internet-Zelebritäten öffentlich äußern - es könnte als offizielles Firmen-Statement missverstanden werden. Schlimmstenfalls hat es Börsenrelevanz.
  • Ungleichheiten. O-Promis stellen mehr Ansprüche, setzen womöglich auch höhere Gehälter durch. Auch das kann für Teams zur Zerreißprobe werden.
  • Leaks. Manche Mitarbeiter verbloggen - versehentlich oder willentlich - vertrauliche Informationen, um daraus Aufmerksamkeit für ihre Eigenmarke zu ziehen.

Prominent im Netz: Influcener inside

Den Unternehmen wird am Ende nichts anderes übrig bleiben, als solche Eigenmarken-Mitarbeiter in ihre Teams zu integrieren und sie eher noch als Vorbild für andere zu nutzen, um noch mehr Kollegen zu ermutigen, sich im Netz auf vielfältige Art und Weise zu engagieren. Davon profitiert das Unternehmen auf lange Sicht.

Wichtig ist aber auch: Ist ein Mitarbeiter prominent im Netz, sollte mit ihm zusammengearbeitet werden, eine bevorzugte Behandlung kann jedoch von anderen Kollegen alles andere als positiv aufgenommen werden. Die Zahl der Follower kann nützlich sein, am Ende stehen aber andere Mitarbeiter im Betrieb auf einer Stufe, sind für die Arbeit gleichermaßen qualifiziert und leisten im beruflichen Alltag die gleichen Leistungen.

Wird hier aufgrund der Internetprominenz mit zweierlei Maß gemessen und ein spürbarer Vorzug gewährt, braucht es gute Kommunikation und einen offenen Umgang mit der Situation, um ein Verständnis innerhalb des Teams zu schaffen.

Sicher braucht es dann immer feinere Social Media Richtlinien, die festlegen, wie sich die Mitarbeiter sowohl im eigenen als auch im Firmeninteresse online bewegen können - mit beiderseitigem Erfolg.

Und es braucht auch ein paar Regeln für den Umgang mit den Inhalten und beispielsweise der Frage, wem sie gehören.

Unsere Empfehlung wäre, sämtliche Inhalte, die Mitarbeiter auf Firmenseiten oder Social Media Kanälen erstellen, unter eine Creative Commons Lizenz zu stellen. So fällt die Frage - wem gehören der Text, der Tweet, das Video - automatisch weg. Und daraus kann sogar ein Viraleffekt entstehen, wenn umso mehr Leser und Freunde der O-Promis diese Inhalte teilen oder ebenfalls bloggen, facebooken, twittern, plussen...

Was tun, wenn ich prominent im Netz bin?

Prominent im Netz O-Promi Unternehmen Berühmt ReichweiteBleibt noch die andere Seite der Medaille: Wie können Sie als Mitarbeiter mit der Situation umgehen, wenn Sie sich eine gewisse Prominenz im Netz erarbeitet haben, jedoch nicht selbstständig oder freiberuflich arbeiten, sondern bei einem Arbeitgeber beschäftigt sind? Zu aller erst sollten Sie sich deshalb nicht für etwas Besseres halten. Das macht unsympathisch und wird auch im Job nicht sonderlich gut ankommen - weder bei den direkten Kollegen noch beim Chef.

Trotzdem müssen Sie Ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen und können durchaus von Ihrer Reichweite profitieren. Dies hilft beispielsweise bereits bei der Jobsuche, wenn es darum geht, Arbeitgeber auf sich selbst aufmerksam zu machen. Doch auch im späteren Beruf selbst können Sie Ihren Status nutzen.

Am besten sprechen Sie sich dabei mit Ihrem Chef oder dem entsprechenden Entscheidungsträger ab, um gemeinsam Strategien für das weitere Vorgehen zu erarbeiten. So zeigen Sie Eigeninitiative, gehen aber gleichzeitig auf Ihren Arbeitgeber zu, anstatt diesen einfach zu übergehen. So wird es den Unternehmen nahezu unmöglich, den Mehrwert zu übersehen, den Sie mitbringen.

[Bildnachweis: Roman Samborskyi by Shutterstock]

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