Doktor-Titel-Promotion-Studium
Die meisten Absolventen der Naturwissenschaften streben einen Doktortitel an. Nach Angaben der OECD ist die Zahl der Doktoranden in Deutschland vergleichsweise hoch. Mehr als zwei Prozent eines Jahrgangs schreiben nach ihrem Studium noch eine Doktorarbeit, im Schnitt der OECD-Länder sind es nur 1,5 Prozent. Doch wie sieht es mit der Karriere nach dem Doktortitel aus? Bringt die Dissertation was und wann lohnt sie sich wirklich? Hier die Antworten...

Dissertation schreiben: Der steinige Weg zum Doktortitel

Eine Dissertation zu verfassen, ist wahrlich kein Zuckerschlecken, sondern harte Arbeit. Eine Promotion kostest viel Zeit. Im Schnitt dauert sie zwei bis drei Jahre. Danach folgt die Zeit der Begutachtung durch die Prüfungskommission sowie die Vorbereitung auf die Verteidigung der Arbeit.

Erst mit der Veröffentlichung der Dissertation und der Aushändigung der Urkunde ist die Promotion erfolgreich abgeschlossen.

Für den Doktoranden ist es eine Zeit voller Entbehrungen: Finanziell können sich nur die wenigsten eine Vollzeitpromotion leisten. Dafür benötigt man entweder ein Stipendium oder verfügt über ausreichende finanzielle Rücklagen.

Bei einer Teilzeitpromotion steht einem nur ein geringer Teil der eigenen Arbeitszeit für die Promotion zur Verfügung. Den Rest der Zeit verbringt man damit, seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Entweder geschieht dies per Job in der Wirtschaft oder als Lehrkraft an der Universität. Selbst in der Lehre an der Universität hat man nicht immer das Glück, über das Thema der Dissertation zu dozieren, sondern ist häufig gezwungen, promotionsfremde Themengebiete zu behandeln.

Das eigentliche Problem, wenn man gezwungen ist, sich neben der Promotion seinen Lebensunterhalt zu verdienen, ist aber die Art der Stellen. Diese sind in der Regel befristet. Damit stehen Doktoranden stets vor dem Risiko, mitten im Promotionsverfahren die Finanzierung zu verlieren. Oft verlängert sich dadurch die Promotionszeit noch einmal deutlich.

Gründe für eine Promotion

Daumenhochrunter-BewertungAngesichts der Probleme drängt sich schon die Frage auf: Warum machen Absolventen das eigentlich? Lohnt sich der Doktortitel dann noch?

Wie so oft sind die Gründe vielfältig:

  • Promotion als Berufung

    Leidenschaft und Begeisterung für den Themenbereich, in dem man promoviert, sind oft treibende Faktoren für eine Promotion. Nur, wenn man diese verspürt, ist man auch bereit finanzielle Einschränkungen in Kauf zu nehmen und über Jahre an einer Fragestellung zu arbeiten.

  • Promotion als Eintrittskarte in Top-Positionen

    Auffallend viele Promovierte sitzen in den Vorständen der Dax-Unternehmen. Für bestimmte Positionen wird man mit einem Doktortitel eher in Betracht gezogen. Auch auf das Gehalt kann sich die Promotion positiv auswirken: Nach einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung aus dem Jahr 2012 verdienen promovierte Männer durchschnittlich 5.342 Euro brutto im Monat.

  • Promotion als Prestigenachweis

    Mit einem "Dr." vor dem Namen erhält man einen Kompetenzvorschuss. Der Doktortitel wird mit Glaubwürdigkeit, Expertise und Autorität assoziiert. Auf diesen Effekt setzen vor allem Unternehmensberatungen, Bilanzprüfer, Banken sowie Rechtsanwaltskanzleien. Vor allem für die Außenwirkung ist die Promotion ein wichtiger Repräsentativitätsfaktor. Allerdings haben die zahlreichen Plagiatsaffären der vergangenen Jahre an dem Image erheblich gekratzt.

Ist eine Promotion das Richtige für mich?

Ob Sie sich auf den langen Weg zur Promotion begeben, sollten Sie sich vorher genau überlegen. Folgende Fragen können Ihnen bei der Entscheidung als Orientierungshilfe dienen:

  • Warum will ich promovieren? Es ist eine der wichtigsten Fragen, die Sie sich im Vorfeld stellen sollten. Treten Sie die Promotion aus den falschen Gründen an, ist es wahrscheinlicher, dass Sie nicht bis zum Ende durchhalten und das Vorhaben vorzeitig abbrechen. Eine abgebrochene Promotion führt zu Lücken im Lebenslauf, für die Sie bei künftigen Bewerbungen eine plausible Erklärung haben müssen. Auch intrinsische Motive sollten hinter Ihrem Vorhaben stehen.
  • Können Sie sich auch über einen längeren Zeitraum für Ihre Thematik begeistern? Im ersten Moment fällt es Ihnen vielleicht leicht, sich für das Thema Ihrer Doktorarbeit zu begeistern, doch wie sieht es mit Ihrer Begeisterung in zwei, drei oder vier Jahren aus? Die Schwierigkeit besteht darin, sich dauerhaft für ein Thema begeistern zu können. Auch wenn Probleme und Hürden bei der Beantwortung der Forschungsfrage auftreten. Wer bereits nach Seite 30 der Masterarbeit keine Lust mehr auf das Thema hatte, sollte sich ernsthaft fragen, ob er eine Dissertation durchhält.
  • Wie selbstdiszipliniert arbeiten Sie? Bei einem Forschungsvorhaben über mehrere Jahre kommt es darauf an, sich selbst die Arbeit einzuteilen. Sie bestimmen das Tempo, doch Sie müssen sich auch selbst antreiben. Gutes Selbst- und Zeitmanagement sind nötig, um eine Dissertation nicht unnötig in die Länge zu ziehen.
  • Wie sieht Ihre finanzielle Lage aus? Eine Promotion ist auch eine Geldfrage: Haben Sie Chancen auf ein Stipendium? Planen Sie in Teilzeit zu promovieren und nebenher zu arbeiten? Bevor man sich dafür entscheidet, sollten solche Aspekte geklärt sein. Nur so können Sie sich auf das Vorhaben konzentrieren und laufen nicht Gefahr, aus finanziellen Gründen abbrechen zu müssen. Auch Studienschulden sollten bei diesen Überlegungen in Betracht gezogen werden.
  • Wo möchten Sie promovieren? Für die Promotion stehen drei Möglichkeiten zur Auswahl: die Universität, das Graduiertenkolleg oder in der Wirtschaft. Jede dieser Möglichkeiten bringt Vor- und Nachteile mit sich:
    • An der Universität gilt es den richtigen Doktorvater zu finden. In der Regel unterstützen Doktoranden den Lehrstuhl neben der Promotion in der Lehre.
    • In einem Graduiertenkolleg ermöglicht es ein Stipendium den Doktoranden sich vollständig auf ihre Dissertation zu konzentrieren. Doch die Plätze sind rar und sehr begehrt.
    • Eine Promotion in der Wirtschaft ist eine Kombination aus Theorie und Praxis. Doch je nachdem, wie spezifisch die Forschungsfrage ist, versperrt man sich zukünftige Jobchancen in anderen Unternehmen.

Wann ist die Promotion ein Sprungbrett für die Karriere?

Damit sich die Promotion auszahlt und zum beruflichen Türöffner wird, sollten folgende Voraussetzungen gegeben sein:

  1. Karriere mit Doktortitel: Die Branche

    Nicht in jeder Branche führt eine Promotion zum Boost der Karriere. Bevor Sie sich für eine Promotion entscheiden, sollten Sie sich vorher genau überlegen, in welcher Branche Sie danach arbeiten möchten.

    Notwendig ist sie für...

    • Chemiker, Biologen und andere Naturwissenschaftler. Hier ist es oft eine Einstellungsvoraussetzung - vor allem für diejenigen, die in der Forschung arbeiten wollen. Sie beweisen damit, dass sie selbstständig Versuche durchführen, diese dokumentieren und publizieren können sowie über internationale Erfahrungen verfügen.
    • Lehrende an der Universität. Wer eine universitäre Laufbahn anstrebt, wird um die Promotion nicht herumkommen. Es ist der Weg, um sich als Experte für ein bestimmtes Themengebiet auszuweisen, eine Forschungslücke zu schließen und sich einen Namen zu machen.

    Gerne gesehen ist die Promotion in...

    • Unternehmensberatungen und Steuerprüfungen
    • Banken und Versicherungen
    • Ministerien und Behörden

    Für Ingenieure und Betriebswirte ist die Promotion ein Plus, allerdings kein Muss. Hier zählt oft praktische Erfahrung. Eine Alternative, die ebenfalls großes Ansehen genießt und in vielen Unternehmen gleichwertig behandelt wird, ist der Master of Business Administration (MBA).

  2. Karriere mit Doktortitel: Der zukünftige Arbeitgeber

    Wie groß ist das angestrebte Unternehmen? Familienbetriebe und Mittelständler sind oft abgeschreckt vom Doktortitel, vor allem wenn der Inhaber kein Akademiker ist. Bewerber mit dem Doktortitel werden kritisch beäugt und als überqualifiziert angesehen. Ihnen wird unterstellt, realitätsferne Theoretiker zu sein und keinen Bezug zur Praxis zu haben. Hier hilft es, sich im Vorfeld zu überlegen, welche Unternehmen als potentielle Arbeitgeber in Betracht kämen.

    Auch sollten Sie sich darüber Gedanken machen, welche Position Sie anstreben. Für eine mittlere Position ist eine Promotion nicht unbedingt notwendig, hier zählen Praxiserfahrung in Form von Praktika und Auslandsaufenthalten deutlich mehr. Bedenken Sie, dass Ihnen diese fehlen wird, wenn Sie sich für eine Promotion entscheiden, da Sie in der Regel erst Ende 20 oder Anfang 30 ins Berufsleben starten.

  3. Karriere mit Doktortitel: Das Thema der Dissertation

    Das Thema Ihrer Doktorarbeit kann für Ihre späteren Jobchancen entscheidend sein. Praxisorientierte Dissertationen kommen in der freien Wirtschaft besser an, als sehr theoretische Arbeiten. Aus diesem Grund ist es wichtig, bereits im Vorfeld zu wissen, ob Sie lieber an der Universität bleiben oder planen für ein Unternehmen tätig zu sein.

    Hier ist es auch eine Frage, wie Sie Ihre Dissertation verkaufen. Stellen Sie sich als praxisorientierten Experten mit spezifischem Fachwissen oder als versierter Theoretiker dar? Entscheidend ist es, dass Sie Ihre Schlüsselqualifikationen in den Vordergrund stellen. Diese sind der Grund Sie einzustellen.

[Bildnachweis: Lightspring by Shutterstock.com]

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