Realschüler: Karriere auch ohne Studium

Die Schule mit dem Abitur abschließen, anschließend ein gutes Studium absolvieren und mit Mitte bis Ende Zwanzig als Akademiker ins Berufsleben starten. Für viele der scheinbar bestmögliche Einstieg, um mit guten Chancen auf den perfekten Job, einem riesigen Gehalt und unbegrenzten Aufstiegsmöglichkeiten die Karriereleiter geradezu heraufzufallen. Man hat schließlich studiert, wie könnte es da anders sein. Also wird munter drauf los studiert, während Ausbildungsplätze leer bleiben. Für Realschüler eine echte Chance, denn auch ohne Abitur und Studium kann man Karriere machen…

Realschüler: Karriere auch ohne Studium

Die Märchen von Abitur und Studium

Ohne Abitur und Studium gelten als die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Karriere. Natürlich stehen mit der Hochschulreife alle Türen offen, doch darf deshalb nicht automatisch jedem anderen Bildungsweg die Erfolgschance abgesprochen werden. Mach das Studium und der Erfolg kommt dann von alleine – so läuft es in den meisten Fällen gerade nicht.

So stellen Studenten immer wieder fest, dass die Welt gar nicht so rosig und perfekt ist, wie sie es sich bei der Immatrikulation vorgestellt haben. Mit dem Abschluss sind viele Erwartungen verbunden, werden diese von der Realität enttäuscht, ist die Ernüchterung groß.

  • Beste Einstiegschancen.

    Mit dem Studium in der Tasche ist der Berufseinstieg nur noch eine Formalität? Leider nein, denn viele Studenten machen die Erfahrung, dass es trotz guter Noten und einem passenden Abschluss zu Problemen bei der Jobsuche kommen kann. Grund ist auch die große Konkurrenz bei ständig steigenden Zahlen von Abiturienten und Immatrikulationen.

  • Sichere Arbeitsverhältnisse.

    Als gut ausgebildeter Akademiker sind viele der Meinung, einen langfristig sicheren Job garantiert zu bekommen. Auch hier staunen viele Uni-Absolventen, wenn ihnen nur ein befristeter Arbeitsvertrag angeboten wird.

  • Hohe Gehälter.

    Es ist naiv, aber dennoch ein weit verbreiteter Irrglaube. Natürlich kann man nach dem Studium ein gutes Gehalt erzielen, aber gleiches gilt auch für eine Berufsausbildung. Das Studium allein ist keine Garantie und so müssen sich viele Absolventen zu Beginn ihrer Karriere mit einem geringen Einstiegsgehalt zufrieden geben.

Ohne Studium keine Zukunft?

Jung, dynamisch, erfolgreich: Wenn Werbefilmchen Berufsanfänger inszenieren, dann im Anzug und am besten als Führungskraft von morgen. Das – so wird oftmals angenommen – geht aber nur über ein Studium der Betriebswissenschaften.

Diese Grundannahme ist nicht völlig falsch, aber eben nur ein Weg von vielen möglichen. Denn Fachleute werden auch im Mittelstand ausgebildet, der oftmals als das „Rückgrat der deutschen Volkswirtschaft“ bezeichnet wird. Immerhin erwirtschaftet er bis zu 500 Millionen Euro jährlich. Ein paar Zahlen gefällig?

  • Großkonzerne mögen mit ganzseitigen Werbekampagnen und Werbespots die größere Aufmerksamkeit auf sich ziehen, aber die Mehrzahl der Betriebe sind in Deutschland KMU, also kleine und mittelständische Unternehmen: 99,95 Prozent sind damit potenzielle Arbeitgeber.
  • Unter diesen KMU sind viele Familienbetriebe, beispielsweise Handwerksbetriebe, die sich vor allem durch flache Hierarchien auszeichnen – ein Aufstieg ist so oftmals unkomplizierter als in Großkonzernen mit entsprechender Konkurrenz und steilen Hierarchien.
  • KMU beschäftigen 29,1 Millionen Personen, das entspricht 68 Prozent aller Erwerbstätigen.
  • Sie bilden über 1,2 Millionen Schulabgänger aus, dies sind 89 Prozent aller Auszubildenden.
  • Unternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten, sogenannte Kleinstunternehmen, stellen ein gutes Drittel (34 Prozent) der Arbeitsplätze im Mittelstand zur Verfügung.

Realschüler: Die Vorteile einer Berufsausbildung

Seit Jahren gibt es an den Schulen den Trend, dass immer mehr Schüler das Abitur anstreben, um im Anschluss ein Studium beginnen zu können. Dies liegt unter anderem auch daran, dass andere Bildungswege häufig den Stempel einer unzureichenden schulischen Leistung aufgedrückt bekommen.

Getreu dem Motto ohne Abitur und Studium hätte man sich die Schule auch gleich sparen können wird vielen Schülern weisgemacht, es gäbe nur einen erstrebenswerten Abschluss. Dabei haben gerade Realschüler gute Chancen auf eine Karriere und sogar einige Vorteile gegenüber den Studenten und Abiturienten.

  1. Gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz

    Durch die ständig steigenden Zahlen der Abiturienten und Studenten bleiben Jahr für Jahr viele Lehrstellen unbesetzt, weil Betriebe keine passenden Bewerber finden. Viele Schüler zieht es eher an eine Universität als in eine Ausbildung. Für Realschüler die perfekte Chance, um in ihrem Wunschberuf eine passende Stelle zu finden und damit den wichtigen Einstieg in die Berufswelt zu schaffen.

  2. Möglichkeit der Übernahme

    Wer sich in einer Ausbildung gut schlägt, hat oftmals die Möglichkeit, im Anschluss im gleichen Betrieb zu bleiben und im besten Fall einen unbefristeten Vertrag zu bekommen. Diese Sicherheit nimmt nicht nur viele Sorgen, sondern ermöglicht auch eine langfristigere Planung – sowohl in beruflicher Hinsicht als auch im privaten Bereich.

  3. Praxisorientierte Ausbildung

    Was vielen Studenten fehlt – und Unternehmen immer wieder bemängeln – ist die Praxisorientierung. Selbst in Studiengängen, die diese explizit in den Fokus stellen, überwiegt doch immer wie Theorie und nach dem Abschluss wissen viele Studenten nicht, was sie in der täglichen Arbeit erwartet. Realschüler auf der anderen Seite haben von Beginn an eine praxisorientierte Ausbildung genossen und entwickeln sich mit ihrer Berufserfahrung zu gefragten Fachkräften.

Studium um jeden Preis: Problematik

Das Studium wird oftmals mit verlockenden Aussichten von Geld und anschließendem Arbeiten im Ausland gesehen. Dabei gibt es auch erfolgreiche Unternehmer ohne Studium.

Viel wichtiger ist allerdings, ob Sie als Realschüler sich Gedanken über Ihre persönlichen Fähigkeiten gemacht haben? Eine Stärken-Schwächen-Analyse sollte immer am Anfang einer beruflichen Orientierung stehen, damit Sie nicht nur realistisch das Berufsfeld einschätzen können, sondern auch mit den Herausforderungen umgehen können, die auf Sie zukommen.

Was viele Realschüler bei ihren Karriereplänen gerne übersehen: Ein Studium besteht nicht nur aus Partys. Das Leben in einer (womöglich) großen neuen Stadt, in einer WG, erstmals weg von Zuhause und auf eigenen Füßen stehen – all das wirkt verführerisch und kann zur Selbstüberschätzung führen.

Ungeachtet der kognitiven Fähigkeiten ist ein Studium allerdings noch lange nicht für jeden etwas:

  • Zum einen ist die scheinbare Freiheit und das endlose Partyleben durch die Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge deutlich eingeschränkt worden, da das Studium nun wesentlich verschulter ist.
  • Gestiegen sind damit auch Anwesenheitspflichten, die früher deutlich nachlässiger kontrolliert wurden.
  • Nichtsdestotrotz müssen Sie sich selbst organisieren, also einen Lernplan erstellen und die notwendige Disziplin aufbringen, sich ebenso daran zu halten.
  • Wer eine Prüfung nicht besteht, darf sich zumeist ein weiteres Mal versuchen. Wird die Prüfung erneut nicht bestanden, kann diese Hürde bereits das Ende der universitären Karriere – zumindest in diesem Fach – bedeuten.
  • Die Wissensaneignung von sehr viel Theorie – vor allem an Universitäten – kann eine Herausforderung sein. Viele Menschen brauchen praktische Anteile bei der Wissensvermittlung, arbeiten lieber mit ihren Händen.
  • Wer für ein Studium an einer Universität oder Fachhochschule eingeschrieben ist, verdient nichts, muss aber Studien- oder Semestergebühren zahlen. Ausnahme ist das sogenannte duale Studium oder wer eine Ausbildung bei der Bundeswehr macht.

Diese Punkte gilt es also zu beachten, wenn man sich für ein Studium entscheidet. Gerade der finanzielle Aspekt ist nicht zu unterschätzen: Wer sich für eine Ausbildung entscheidet, verdient bereits mit 16 Jahren sein eigenes Geld. Das eigene Geld, vor allem nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung, ermöglicht eine ganz andere Zukunftsplanung als ein Studium.

Erfolgreiche Menschen ohne Studium

Will man in Erfahrung bringen, ob es auch erfolgreiche Menschen ohne Studium gibt, so stolpert man gerne über die üblichen Verdächtigen: Steve Jobs, der Gründer von Apple, brach sein Studium ab. Mark Zuckerberg, Gründer von Facebook, ebenso. Und der reichste Mann der Welt, Bill Gates, vollendete sein Universitätsstudium ebenfalls nie.

Was Sie allerdings bei dieser Betrachtung nie vergessen sollten: Alle drei Personen sind oder waren in einer höchst innovativen Branche tätig, in der sich ständig Veränderungen ergeben. Und noch etwas fällt auf: Es handelt sich um Amerikaner. In Deutschland zählen Dokumente, die Ihre Ausbildung belegen, sehr viel.

Amerika hingegen kennt nicht das duale Ausbildungssystem, wie es hierzulande üblich ist. Dennoch gibt es mit René Obermann auch prominente Studienabbrecher in Deutschland: Allerdings hatte er zuvor eine Ausbildung zum Industriekaufmann absolviert.

Ein anderes Beispiel ist Günther Jauch, der für seine journalistische Karriere sein Studium abbrach – mit einer zweijährigen Journalistenausbildung als Sportmoderator in der Tasche.

Es gibt also genügend prominente Beispiele, die zeigen, dass Erfolg auch ohne Studium möglich ist.

Karrieremöglichkeiten mit Realschulabschluss

Zu behaupten, Abitur und Studium sei die einzig wahre schulische Ausbildung, ist daher schlichtweg falsch und lässt viele Faktoren außen vor. Realschülern steht der Weg zu einer erfolgreichen Karriere ebenso offen – ganz ohne langjähriges Studium und diverse Praktika zum Mindestlohn.

Ein Großteil der Berufe, die Ihnen zunächst mit Realschulabschluss offen stehen, sind betriebliche Ausbildungsberufe. Die Zugangsvoraussetzungen können intern durchaus von der Kammer abweichen. Neben guten Noten wird vor allem gewisse Eignung und entsprechendes Interesse an der Tätigkeit vorausgesetzt.

Typische Männerberufe mit Realabschluss sind oft im Handwerk. Dazu zählen traditionsreiche Handwerksberufe wie Schlosser und Schreiner, aber auch sehr moderne in der Industrie oder im KFZ-Gewerbe. Hier punkten Bewerber mit guten Mathematiknoten, die am besten bereits schulpraktische Erfahrungen erworben haben.

Aber auch im kaufmännischen Bereich haben Realschüler Karriere-Aussichten. Sie können dort beispielsweise im Rahmen der Berufsschule das Fachabitur machen, was im Anschluss daran ein Studium ermöglicht.

Als Realschüler sind Sie ebenfalls qualifiziert für eine Ausbildung im medizinisch-gesundheitlichen Bereich, beispielsweise als Krankenpfleger. Je nach Hochschule und Bundesland gäbe es nach einer mindestens zweijährigen Ausbildung mit anschließend dreijähriger Berufserfahrung die Möglichkeit, auch ohne Abitur zu studieren, beispielsweise Medizin.

So betrachtet können Realschüler Karriere mit oder ohne Studium machen, aber am besten immer mit Ausbildung.

[Bildnachweis: Syda Productions by Shutterstock.com]
13. November 2015 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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