Recht haben oder Recht bekommen: Durchsetzen im Job

Frustrierender kann eine Diskussion kaum sein: Sie sind absolut von Ihrem eigenen Standpunkt überzeugt, können gute Gründe vorbringen und Argumente nennen, die scheinbar eine eindeutige Sprache sprechen – und doch wird Ihnen nicht zugestimmt, obwohl Sie doch recht haben. Diese Situation kennen sehr viele Menschen, denn es zeigt sich leider gerade im Job immer wieder: Recht haben und Recht bekommen sind zwei vollkommen verschiedene Paar Schuhe. Ist es also überhaupt nichts wert, dass Sie recht haben, wenn am Ende ohnehin anders entschieden wird? Doch! Sie müssen nur lernen, sich durchzusetzen, wenn Sie richtig liegen. Doch dafür müssen Sie zunächst erkennen, dass die anderen genauso denken wie Sie…

Recht haben oder Recht bekommen: Durchsetzen im Job

Recht haben ist nicht immer gut genug

Hach, wie schön und vor allem einfach könnte es doch sein. Wenn jemand recht hat – einmal unabhängig davon betrachtet, ob es sich um Sie oder jemand anderen handelt – dann wird ihm auch einfach recht gegeben. Eine Aussage, die unglaublich trivial erscheint, aber doch gleichzeitig realitätsfern ist.

Stattdessen zeigt sich fast täglich, dass recht zu haben, erst einmal noch gar nichts bedeutet. Ein Chef hört noch lange nicht auf einen Mitarbeiter, nur weil dieser einen gut durchdachten und begründeten Vorschlag macht und auch Kollegen treten in vielen Fällen lieber in den offenen Konflikt miteinander, anstatt dem anderen zuzustimmen oder vielleicht sogar zuzugeben, dass sie selbst sich geirrt haben.

Doch woran liegt diese kollektive Unfähigkeit? Wie kann jemand, der aus Ihrer Sicht so eindeutig im Unrecht ist, tatsächlich eine Argumentation beginnen? Weil Ihr Gegenüber das Gleiche über Sie denkt.

Wer recht hat, lässt sich nicht immer objektiv beurteilen

Nur selten lässt sich eindeutig sagen, was genau richtig und falsch ist. So schwarz und weiß ist die Arbeitswelt nicht. Ein Vorschlag hat für Sie beispielsweise nur viele Vorteile, ist leicht sowie kostengünstig umzusetzen und verspricht darüberhinaus eine deutliche Verbesserung der aktuellen Situation. Für Sie ist die Sache klar: Sie haben recht, können das mit guten Argumenten belegen, die auch jeden anderen mitreißen sollten.

Dann kommt ein Kollege daher und behauptet doch glatt, Sie würden falsch liegen. Wie kann er es wagen, wo Sie doch so eindeutig im Recht sind? Das Problem: Er ist genau so stark davon überzeugt, selbst recht zu haben. Das kann an anderen Einstellungen, Denk- oder Arbeitsweisen und auch anderen Erfahrungen liegen.

Vielleicht hat genau dieser Kollege schon einmal bei der Umsetzung einer ähnlichen Idee mitgewirkt und deren Scheitern erlebt. Oder aus seiner Perspektive ist der Nutzen längst nicht so groß und die Mühe gar nicht wert. Entscheidend dabei ist: aus seiner Perspektive.

Es prallen nicht Recht und Unrecht aufeinander, sondern die jeweilige Überzeugung, recht zu haben. So betrachtet überrascht es schon weniger, dass keine der beiden Seiten nach- und dem anderen recht geben kann und will. Um am Ende auch recht zu bekommen, reicht es deshalb nicht aus, (nach eigener Ansicht) recht zu haben. Sie müssen sich wirklich durchsetzen, denn nur so können Sie die Sicht des anderen ändern.

Recht haben und Recht bekommen: Auch im Arbeitsrecht

Recht haben Recht bekommen durchsetzen ArbeitsrechtEin wenig anders ist die Situation, wenn es um das Arbeitsrecht im Job geht. Hier lässt sich eben doch ganz konkret sagen, ob Sie recht haben und es deshalb auch bekommen sollten, da es eine gesetzliche und allgemein gültige Grundlage für diese Entscheidung gibt.

Doch selbst hier klappt es in vielen Fällen nicht. Es werden endlose Überstunden ohne Gegenleistung eingefordert oder die Bestimmungen des Arbeitszeitgesetzes werden schlichtweg ignoriert. In einem solchen Fall haben Sie nicht nur recht, sondern wortwörtlich das Recht auf Ihrer Seite.

Erhalten können Sie es aber nur, wenn Sie erstes darüber informiert sind und sich zweitens auch dafür einsetzen. Wer nur darauf wartet, dass der Chef sich meldet und sagt Ach übrigens, Ihnen steht da noch mehr zu… muss oft eine Menge Geduld mitbringen und wir in der Regel enttäuscht.

Ganz so anders ist es im Arbeitsrecht also doch nicht und es bleibt festzuhalten: Wenn Sie recht bekommen wollen, liegt es in Ihrer eigenen Verantwortung.

Recht bekommen: So setzen Sie sich durch

Jemanden zu überzeugen, der ebenfalls glaubt, seinerseits recht zu haben, ist alles andere als eine leichte Aufgabe. Unmöglich ist es aber auch nicht. Wir haben einige Tipps und Vorschläge, mit denen es Ihnen leichter fällt, andere zu überzeugen und recht zu bekommen.

  • Reflektieren Sie Ihren Standpunkt

    Natürlich können Sie sich auch durchsetzen, wenn Sie eigentlich im Unrecht sind, doch wirklich hilfreich ist das kaum. Wenn Sie also recht bekommen wollen, sollten Sie zunächst Ihre eigene Sicht noch einmal möglichst ehrlich reflektieren und durchaus kritisch hinterfragen. Sind Sie wirklich aus den richtigen Gründen davon überzeugt? Haben Sie vielleicht etwas vergessen? Gibt es doch die ein oder andere Schwachstelle?

    Dabei sollen Sie den eigenen Standpunkt nicht klein oder schlecht reden, doch wenn Sie sich selbst schon einmal kritisch damit auseinandergesetzt haben, werden Sie auf mögliche Argumente von anderen besser vorbereitet sein.


  • Geben Sie nicht sofort nach

    Recht zu bekommen ist oftmals eine langwierige Angelegenheit. Rechnen Sie deshalb bitte nicht damit, dass Ihr Gegenüber spontan einfach von seiner Sicht der Dinge abweicht, sich geschlagen gibt und Ihnen zustimmt. Er wird wahrscheinlich große Beharrlichkeit zeigen – und deshalb müssen Sie einen mindestens genauso langen Atem haben, wenn Sie sich durchsetzen wollen.

    Das klingt jedoch leichter, als es ist. Es ist ungemein frustrierend, wenn es nicht klappen will, den anderen zu überzeugen. Da kommt einem der leichte Ausweg, sich einfach aus der Diskussion zurückzuziehen, sehr verlockend vor. Recht bekommen Sie so aber auf keinen Fall.


  • Treten Sie selbstbewusst auf

    Ich glaube, dass ich vielleicht recht haben könnte, also eventuell, unter bestimmten Umständen, wenn keiner was dagegen hat… Mit einem solch geringen Selbstbewusstsein, werden Sie sich nicht durchsetzen können. Auch andere bemerken ein solches Verhalten und sehen darin die Chance, sich selbst in den Mittelpunkt zu drängen und eigene Ansichten durchzusetzen.

    Recht bekommt der, der es selbstbewusst einfordert, seinen Standpunkt vertreten kann und sich nicht davon einschüchtern lässt, wenn ihm widersprochen wird.


  • Gehen Sie auf die Punkte Ihres Gegenübers ein

    Um recht zu bekommen, reden die meisten nur über die eigenen Ansichten. Das gehört sicherlich dazu, doch um sich durchzusetzen, sollten Sie immer auch auf das Gesagte Ihres Gesprächspartners reagieren. Hören Sie ihm deshalb genau zu, machen Sie sich Gedanken und gehen Sie besonders auf die wichtigsten Punkte ein.

    Wenn es Ihnen gelingt, diese aus der Welt zu schaffen, können Sie auch die gesamte Perspektive Ihres Gegenübers ändern, so dass dieser Ihnen recht gibt.

[Bildnachweis: Dmytro Zinkevych by Shutterstock.com]
26. Februar 2018 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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