Recruiting-Videos sind ein zweischneidiges Schwert. Einerseits kann ein gut gemachtes Video hochqualifizierte Bewerber und Talente anziehen, andererseits kann ein handwerklich oder inhaltlich schlechter Film die Reputation des Unternehmens nachhaltig schädigen. Mögliche Fehlerquellen gibt es viele: Ein eingesprochener Text kann zu hölzern, die Musik zu laut und die interviewten Mitarbeiter unsicher wirken. Die Fehler - und Erfolge - anderer Unternehmen können dabei hervorragende Lehrbeispiele sein. Wir haben uns daher einige Recruiting-Videos angeschaut und diese nach Inhalt, Ansatz und Umsetzung beurteilt...

Recruiting-Videos: Von genial bis grausam

Unsere Beurteilung ist natürlich rein subjektiv. Dennoch haben wir uns um größtmögliche Objektivität bemüht und die Videos nach entsprechenden Kriterien bewertet. Unter jedem der folgenden Recruiting-Videos finden Sie positive und negative Elemente und Hinweise, wie Sie die entsprechenden Fehler vermeiden können. Die Reihenfolge der Videos ist dabei keine Wertung, sondern alphabetisch.

Wenn Sie noch andere Beispiele für besonders gute oder schlechte Recruiting-Videos kennen, lassen Sie uns in den Kommentaren davon wissen...

  1. Bäckereihandwerk

    • Positiv Das Recruiting-Video des Bäckerei-Handwerks kann mit zwei überzeugenden Hauptdarstellern aufwarten. Viele der gezeigten Szenen bieten einen realistischen Einblick in den Berufsalltag und vermitteln die Aufgaben und Anforderungen der Branche. Auch die gewählte Musik ist klar auf potenzielle Auszubildende ausgerichtet und wirkt in weiten Teilen ansprechend.
    • Negativ Einige Elemente des Videos - wie beispielsweise die Breakdance-Szene in der Backstube - wirken unfreiwillig komisch und schmälern die ansonsten überzeugende Wirkung des Videos. Einige Sequenzen sind, in Kombination mit der Hintergrund-Musik, übertrieben episch, etwas weniger Pathos wäre hier besser gewesen. Insgesamt überzeugt das Video und schafft es, die gewünscht Zielgruppe jüngerer Menschen zu erreichen. Mit etwas mehr Fingerspitzengefühl wäre das Video noch besser geworden.
  2. BMW

    • Positiv BMW hat mit seinem Recruiting-Video klar die Zielgruppe der Trainees und Absolventen im Blick. Die Hauptdarsteller sind vom Alter her passend gewählt und decken eine große Bandbreite der bei BMW vorhandenen Abteilungen und Aufgabenfelder ab. Handwerklich ist das Video - wie zu erwarten war - hervorragend umgesetzt.
    • Negativ Sowohl der Text als auch die gewählte Musik und Gestik der Protagonisten wirkt übertrieben und teilweise - leider - lächerlich. Vor allem der Text zu Beginn des Videos bedient zahlreiche Klischees und betont - fast schon übertrieben - die Offenheit des Unternehmens für alle Bewerbergruppen. Die dafür notwendigen Voraussetzungen und die Anforderungen für ein Praktikum im Unternehmen werden im Video leider nicht thematisiert.
  3. Edeka

    • Positiv Der inzwischen zu zweifelhafter Bekanntheit gelangte EDEKA-Song mag für einige übertrieben erscheinen, für die vermutlich anvisierte Zielgruppe ist jedoch sowohl die Wahl der Musik als auch der Hauptdarsteller durchaus ansprechend. Technisch ist das Video gut gemacht und choreografiert, die Botschaft wird in jedem Fall deutlich vermittelt.
    • Negativ Die Kritik am EDEKA-Recruiting Video lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Übertrieben und dadurch ungewollt lächerlich. Sicherlich trifft der EDEKA-Rap nicht jedermanns Geschmack und einige der gewählten Szenen sind deutlich übertrieben, das größte Manko ist jedoch ein anderes: Im Video werden keinerlei Voraussetzungen für das Praktikum bei EDEKA und auch keine Einblicke in den Arbeitsalltag geboten.
  4. Twitter

    • Positiv Das legendäre Recruiting-Video von Twitter greift in hervorragender Art und Weise die klassischen Fehler anderer Recruiting-Videos auf. Das Video versteht sich sichtbar als Persiflage und hat durch die völlig übertriebene Machart einen ganz eigenen Charme.
    • Negativ Auch wenn es bei dieser eindeutigen Persiflage fast unmöglich scheint, gibt es dennoch Menschen, denen die offensichtliche Selbstironie des Videos nicht auffällt. Das größte Manko ist jedoch: Ein solches Recruiting-Video funktioniert genau einmal. Die Idee ist daher für die nächsten Jahre verbrannt. Videos in diesem Stil würden als billiger Abklatsch des Twitter-Videos wahrgenommen werden.
  5. Würth

    • Positiv Würth setzt bei seinem Recruiting-Video auf einen ähnliches Konzept wie s.Oliver. Grundsätzlich handelt es sich um ein Interview, bei dem eine junge Auszubildende von ihren Erfahrungen berichtet. Im Gegensatz zum Modelabel gibt es hier jedoch wechselnde Schauplätze, an denen die Mitarbeiterin jeweils die verschiedenen Aufgaben der Ausbildung vorstellt. Ein gutes Konzept.
    • Negativ Die Umsetzung ist leider nicht ganz so überzeugend. Die Auszubildende wirkt an manchen Stellen nervös - was einen authentischen Eindruck vermitteln kann - und setzt oft übertriebene Gesten ein. Ihre Aussagen klingen nur teilweise überzeugend, an manchen Stellen wirkt der Text fast abgelesen. Das gesamte Video macht einen leicht amateurhaften Eindruck und hinterlässt einen seltsamen Gesamteindruck, der nicht unbedingt zur Bewerbung motiviert. Etwas mehr Planung und Struktur wäre hier sinnvoll.
[Bildnachweis: Karrierebibel.de]

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