Coming-out im Job: Ich bin schwul

Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit hat das Coming-out salonfähig gemacht: „Ich bin schwul – und das ist auch gut so“, sagte er noch vor seiner Wahl, um das Thema für Kampagnen der Opposition zu beerdigen. Seitdem ist der Satz ein geflügeltes Wort und das Coming-out, das Bekenntnis zu seiner Homosexualität, kein Skandal mehr. Jedenfalls in der Politik. Aber gilt das auch im Job?

Coming-out im Job: Ich bin schwul

Coming-out im Job: Ein Killer für die Karriere?

„Ich bin schwul.“ – In vielen Unternehmen kann dieser Satz noch immer die Karriere kosten. Wer sich dazu bekennt, homosexuell zu sein, hat es in der deutschen Wirtschaft schwer.

Offene Bekenntnisse von Dax-Vorständen gibt es nicht – obwohl man davon ausgehen kann, dass es auch auf der Beletage Homosexuelle gibt: Manche Schätzungen gehen davon aus, dass jeder 20. Mann schwul ist oder zumindest homosexuelle Neigungen hat.

Auch im Völklinger Kreis, einer Art Rotary Club für Schwule, versammeln sich mittlerweile rund 700 Unternehmer und Führungskräfte in 20 Regional- und neun Fachgruppen.

Das Problem am Coming-Out sind die Klischees, die Schwulen anhaften: Sie gelten als weicher, toleranter, durchsetzungsschwächer, ja sogar labiler als Heterosexuelle. Natürlich ist das Quatsch.

Tatsächlich sind Schwule oft wesentlich flexibler, weil daheim keine Familie wartet; sie machen öfter Überstunden, sind zuweilen sogar ehrgeiziger. Aber auf dem Weg nach oben zählt eben nicht nur die Leistung, sondern auch Anpassung und das Erfüllen einschlägiger Rollenmuster.

Also bleibt vielen nur das Mimikry, das Versteckspiel und Verschanzen hinter einer Scheinwelt.

Homosexuell? Tipps für das Outing

Für nicht wenige ist das eine emotionale Zerreissprobe: Wer das nicht aushalten will oder kann, sollte mit seinem Outing allerdings behutsam vorgehen.

Optimal ist, dabei weder offensiv noch missionarisch vorzugehen. Schließlich würde auch kein heterosexueller Mann durch die Flure laufen, um jedem mitzuteilen, dass er auf asiatische Frauen steht. Subtile Signale reichen völlig aus:

  • Ein Foto vom Lebenspartner auf dem Schreibtisch,
  • beiläufige Beschreibungen aus dem letzten Urlaub mit dem Freund,
  • So was.

Der ein oder andere Kollege wird Sie daraufhin vielleicht ansprechen – und dann reicht ein simples, unverkrampftes und (im Wortsinn) unverschämtes Bekenntnis vollkommen aus (Das gilt natürlich auch für lesbische Beziehungen).

Umgekehrt kann das Coming-Out im Job durchaus Vorteile haben: Sie haben weniger Stress, weil Sie sich nicht mehr verstecken müssen und können künftig offener über Ihr Privatleben reden.

Zudem treffen Sie womöglich auf aufgeschlossene Kollegen und Kolleginnen, die Ihren Mut als vorbildlich schätzen und gewinnen mit dem Outing neue Freunde und Verbündete.

Nur drei Dinge sollten Sie dabei nie tun:

  1. Sich outen, weil Sie sich gerade über die Intoleranz eines Kollegen oder Chefs ärgern. In solchen Situationen ist man zu sehr Betroffener und findet selten die richtigen Worte. Zudem lassen Sie Ihr Gegenüber, das vielleicht gerade einen Schwulenwitz gemacht hat, das Gesicht verlieren. In Ihren Augen mag das gerecht sein, aber die künftige Zusammenarbeit belastet es sehr – nicht zuletzt, weil Sie unsouverän wirken und so womöglich Klischees verstärken. Besser Sie beziehen Stellung, wenn Sie einen klaren Kopf und weniger Wut im Bauch haben.
  2. Sich indirekt outen. Wenn Sie sich schon bekennen, dann bitte höchstpersönlich. Einen Mitwisser zu bitten, das Coming-out indirekt zu betreiben, lässt Sie nicht nur schwach aussehen. Sie sind dann auch nicht mehr der Herr über das Gerede. So entsteht leicht schädlicher Klatsch und Tratsch.
  3. Sich outen, obwohl Sie selbst noch nicht so weit sind. Das Coming-Out im Job sollte der letzte Schritt sein. Vorher sollten Sie Erfahrungen mit Reaktionen bei Freunden und der Familie gesammelt haben und sich mit Ihrer Sexualität sicher und komfortabel fühlen. Kurzum: Sie sollten dabei stets die Initiative behalten und sich zu nichts drängen lassen.

Nicht wenige Schwule haben mir übrigens schon erzählt, dass sie sich nach einem solchen Schritt besser und stärker gefühlt haben. Und das ist auch gut so.

[Bildnachweis: Syda Productions by Shutterstock.com]
2. Juni 2008 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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