Screencast Software: Tipps & Tools

Was ist ein Screencast? Bei einem Screencast wird der Bildschirm eines Computers aufgenommen, während ein oder mehrere Programme benutzt werden. Meistens wird diese Aufnahme mit Audiokommentaren unterlegt. Deswegen eigenen sich Screencasts hervorragend als multimediale Bedienungsanleitung und für Tutorials.

Screencast Software: Tipps & Tools

Screencast Software: Was muss ich beachten?

Gerade im Bildungsbereich als Ergänzung zu Hilfetexten, bei Online-Lehrgängen oder bei Produkt-Demonstrationen sind Screencasts praktisch und informativ. Bevor Sie einen Screencast aufnehmen, sollten Sie einige wichtige Tipps beachten.

  1. Planen

    Legen Sie die Themen im Vorfeld fest. Eine Liste mit den wichtigsten Stichworten reicht allerdings, ausformulierte Texte sind eher kontraproduktiv. Zum Einen hört der Zuschauer deutlich, dass der Text abgelesen wird. Das klingt nicht natürlich und kann stören. Zum Anderen neigen Sie bei vollständigen Texten dazu, am Text zu kleben und können spontane Einfälle und Gedanken nicht einbauen.

  2. Timen

    Wenn Ihre Themen stehen, sollten Sie den Ablauf, den Sie aufzeichnen wollen, einige Male als Trockenübung durchgehen. Achten Sie dabei auf die Zeit. Wie auch bei Web-Videos gilt eine Länge von zwei bis vier Minuten als ideal. Danach lässt die Konzentration Ihrer Zuschauer spürbar nach. Wenn ein Thema sich nicht in zwei bis vier Minuten darstellen lässt, macht es Sinn, die Erklärung auf meherer Screencasts aufzuteilen. Wenn Sie Ihren Audio-Kommentar erst im Nachhinein ergänzen, lassen Sie bei der Bedienung im Screencast ausreichend Zeit für die Sprechpassagen.

  3. Vorbereiten

    Bevor die Aufnahme beginnt, kontrollieren Sie bitte Folgendes:

    • Sind alle nicht benötigten Programme ausgeschaltet?
    • Sind im Browser – falls Sie ihn benötigen – alle Tabs und Seiten geschlossen, die nicht für andere Augen bestimmt sind?
    • Sind alle Fenster geschlossen, die Sie nicht brauchen?
    • Sind die Notifications aller Programme abgeschaltet?

Screencast und Text

Screencasts werden meistens zusammen mit einem Artikel oder längeren Texten bereit gestellt. Natürlich hat es keinen Sinn, wenn Sie im Screencast den Inhalt des Textes einfach nur wiederholen. Nutzen Sie Ihren Screencast stattdessen als multimediale Ergänzung zum Text. Der Screencast führt den Text also entweder weiter und vertieft ihn, oder er komprimiert die wichtigsten Informationen auf wenige Minuten, während der Text in die Tiefe geht.

Screencast Software: Welche Programme gibt es?

Wenn Ihr Konzept und Ihr Plan fertig sind, stellt sich die Frage, mit welchem Programm Sie Ihren Screencast aufnehmen. Im Folgenden haben wir für Sie zehn Programme für Windows und Mac zusammen gestellt:

  • Adobe Captivate

    Eine der umfangreichsten und mächtigsten Screencast-Anwendungen. Adobe Captivate ist eigentlich deutlich mehr als ein reines Screencasting-Tool. Adobe bewirbt es als „Elearning authoring software“. Schnittstellen zu bestehenden E-learning-Plattformen, ein Import bestehender Power Point-Folien in den Screencast, Funktionen für kollaboratives Arbeiten, eine Unzahl an Ausgabe-Formaten und viele weitere Funktionen machen Adobe Captivate zu einem Universal-Tool für Screencasts und die Erstellung von interaktiven Inhalten. Das hat allerdings auch seinen Preis, mindestens 149 US-Dollar müssen Sie für das Programm auf den Tisch legen. Adobe Captivate ist für Mac und Windows verfügbar.

  • All Capture

    Im Gegensatz zu Adobe Captivate zielt All Capture nicht so deutlich auf E-Learning ab, allerdings bietet das Programm fast ebenso viele Funktionen an. Unterstützt werden unter anderem das nachträgliche hinzufügen einer Audio-Spur, die Konvertierung von Power Point-Folien in Flash-Videos, die sich in den Screencast einbinden lassen, der Einsatz von Spezialeffekten und viele weitere Funktionen. All Capture bringt außerdem eine ganze Reihe von Exportmöglichkeiten mit. Alle Videos sind laut Herstellerangaben auf eine möglichst kleine Datei-Größe und damit auch den Online-Einsatz ausgelegt. Die Preise beginnen bei 169 Euro, eine kostenlose Testversion ist verfügbar. Die Software ist für das Windows-Betriebssystem ausgelegt.

  • Cam Studio

    Im Gegensatz zu den beiden zuvor besprochenen Programmen ist Cam Studio als Open Source Software kostenlos verfügbar. Natur gemäß ist der Funktionsumfang reduzierter als bei der kommerziellen Konkurrenz. Bildschirmaufnahme, Einstellungen für die Video-Kompression und die nachträgliche Verbesserung der Audio-Spur sind dennoch mit an Bord. Das Programm gibt alle aufgenommenen Videos grundsätzlich im AVI-Format aus, die Konvertierung in andere Video-Formate müssen Sie mit Dritt-Tools durchführen. Cam Studio ist nur für das Windows-Betriebssystem erhältlich.

  • Camtasia Studio

    Camtasia ist mehr oder weniger der Platzhirsch im Bereich Screencasting – zumindest was die Windows-Plattform betrifft. Umfangreiche Aufnahme-Optionen, die Integration externer Sound- und Video-Quellen, die nachträgliche, getrennte Bearbeitung von Audio- und Video-Spur sind nur einige Funktionen aus dem umfangreichen Arsenal der Software. Direkte Exportmöglichkeiten für Youtube, in Flash, Quicktime, Windows Media Player und andere sind ebenfalls mit von der Partie. Zusätzlich zur Windows-Version ist auch ein Programm für die Mac-Plattform verfügbar, der Hersteller selbst bewirbt die Windows-Version jedoch sehr viel stärker und hebt diese auch deutlich hervor. Das alles hat natürlich auch seinen – hohen – Preis: 295,50 Euro werden fällig, die Test-Version ist natürlich kostenlos.

  • Hyper Cam

    Hyper Cam ist ein kostenloses Tool mit einem sehr reduzierten Funktionsumfang. Der Hersteller selbst gibt an, dass die Software zwar für Screencasts, jedoch nicht für das abfilmen bereits vorhandener Video-Dateien geeignet ist. Das Programm nimmt im AVI-Format auf. Von Solveig Multimedia gibt es eine kommerzielle Version, Hyper Cam 3, die sozusagen der großer Bruder der kostenlose Version ist. Das kommerzielle Produkt bringt natürlich mehr Export-Formate und Funktionen mit, als das kostenlose Programm. Für Hyper Cam 3 werden 29,95 Euro fällig. Beide Programme laufen nur unter Windows.

  • iSHowU

    Die Mac-Software bietet im Hinblick auf Aufnahme und Bearbeitungsmöglichkeiten mehr oder weniger das Standardprogramm. Die Bearbeitungsmöglichkeiten für die Audio-Spur und eine direkte Exportmöglichkeit nach Youtube heben sich jedoch von der Masse der Screencast-Programme ab. Beim Export werden verschiedene Kompressionsstufen eingestellt werden. Im Mac-Appstore kostet iSHowU 17,99 Euro.

  • Screen Flow

    Screen Flow ist – ebenso wei Camtasia – ein Platzhirsch für Screencasts, jedoch auf der Mac-Plattform. Die Bewertungen im Mac-Appstore sind durchgehend sehr gut, was sicherlich auch an dem großen Funktionsumfang der Applikation liegt. Vor allem bei der Nachbearbeitung bietet Screen Flow sehr viele Optionen und wartet mit einem Interface auf, dass dem Apple eigenen iMovie nicht unähnlich ist. Tatsächlich bietet das Programm eine sehr angenehme Bedienung bei einem semi-professionellen Funktionsumfang. Wie bereits gewohnt hat so etwas seinen Preis, 79,99 Euro will Hersteller Telestream für das Programm von Ihnen haben.

  • Screenium

    Screenium bietet Ihnen viele Funktionen für einen anständigen Preis. Während der Aufnahme kann beispielsweise der Schreibtisch-Hintergrund ausgeblendet werden. Außerdem können Sie während Ihres Screencasts auch ein zweites Video mit Ihrer iSight – Entschuldigung, Face Time – Kamera oder einer externen Kamera aufnehmen und einbinden. Ein Video-in-Video-Screencast, in dem die Aufnahme der iSight zusätzlich als kleineres Bild eingeblendet wird, ist so beispielsweise möglich. Praktisch um zum Beispiel ein angeschlossenes Zubehör oder andere Hardware im Kontext aufzuzeichnen. Im Mac-Appstore kostet Screenium 23,99 Euro. Übrigens, unser Screencast von Google Takeout wurde mit Screenium erstellt.

  • Screeny

    Wie der Name schon vermuten lässt, ist Screeny eher die kleine Lösung für den „Screencast zwischen durch“. Das Programm nistet sich in der Menübar des Macs ein und kann von dort aus aktiviert werden. Screencasts aber auch Screenshots sind möglich. Die größten Pluspunkte sind sicherlich die narrensichere Bedienung und die Integration mit der kostenlosen Cloud App, über die sich die Aufnahmen direkt sharen und online bereit stellen lassen. Screeny kostet aktuell 2,39 Euro, dabei handelt es sich jedoch um ein Aktions-Angebot, wann dieses endet ist unklar.

Screencast Software: Welche Formate sind sinnvoll?

In welchem Format Sie Ihren Screencast am Schluss abspeichern hängt wesentlich davon ab, in welchem Programm oder auf welcher Plattform Sie das Video verwenden wollen.

Um ein Video bei Youtube zu veröffentlichen sind das H.264 und das MPEG-4 Format empfehlenswert. Das H.264-Format hat den Vorteil, dass es auch auf mobilen Geräten wie iPhone und iPad und auch auf der Video-Plattform Vimeo abspielbar ist.

Anders sieht es aus, wenn Sie Ihren Screencast in Apples Keynote-Programm innerhalb einer Präsentation verwenden wollen. Wenn Sie den Screencast wirklich nur in Keynote verwenden und sich keine Gedanken über die Kompatibilität mit Windows oder Power Point machen müssen, ist hier das native Quicktime-Format, – also eine .mov-Datei – zu empfehlen.

Setzen Sie den Screencast in einer Powerpoint-Präsentation ein, empfiehlt Microsoft die Verwendung des AVI-Videocontainers. Erfahrungsgemäß sind Videos im MPEG-1-Format ebenfalls problemlos kompatibel mit PowerPoint.

Screencast: Software-Empfehlungen als Screencast

Ein Tutorial zu Screencasts ohne einen eigenen Screencast wäre irgendwie unvollständig. Deshalb hier unsere Zusammenfassung, was Sie bei Ihrem Screencast beachten sollten.

Und wie immer interessieren uns Ihre Erfahrungen und Meinungen. Nutzen Sie selbst Screencasts? In welchem Kontext und zu welchem Zwecke setzen Sie diese ein? Welche Software verwenden Sie zur Erstellung? Wir freuen uns auf Ihr Feedback in den Kommentaren.

[Bildnachweis: guteksk7 by Shutterstock.com]
19. August 2011 Autor: Christian Mueller

Christian Müller ist Coach und freier Autor. Bei der Karrierebibel schreibt er vor allem über Themen zu Social Media, Studium und Ausbildung.

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