Smombies: Die neuen Smartphone-Zombies

In unzähligen Verfilmungen wurden Zombies thematisiert, die sich auf der Erde verbreiten und die Menschheit vor immer größere Probleme stellen. Ganz so dramatisch sind die Entwicklungen der letzten Jahre glücklicherweise nicht und auch muss sich niemand mit einer Armee von Wiederauferstandenen herumschlagen, wie man es aus einschlägigen Hollywood-Streifen kennt. Aber tatsächlich bevölkert eine moderne Version von Zombies den gesamten Globus. Auch Sie vermehren sich scheinbar täglich, sind in jeder Stadt, jeder Straße, jedem Restaurant und jedem Cafe anzutreffen. Und alle Neuzeit-Zombies haben ein Smartphone in der Hand…

Smombies: Die neuen Smartphone-Zombies

Smombies: Definition und Bedeutung

Der Begriff Smombie setzt sich aus den beiden Wörtern Smartphone und Zombie zusammen und hat es im Jahr 2015 sogar zum Jugendwort des Jahres geschafft. Gemeint sind damit aber nicht einfach nur Menschen, die ihr Smartphone benutzen. Vielmehr geht es um jene Zeitgenossen, die so sehr in den kleinen Bildschirm vertieft sind und konzentriert darauf starren, dass sie kaum noch etwas von dem mitbekommen, was um sie herum passiert.

Die reale Umwelt wird weniger interessant als das, was das Smartphone zu bieten hat. Was bereits durch Facebook, Twitter und Snapchat immer populärer wurde, hat seit Pokemon Go noch einmal eine neue Dimension erreicht. Immer mehr Menschen schlendern durch die Straßen, den Kopf immer gesenkt und den Blick unausweichlich auf ihr Smartphone gerichtet. Im schlimmsten Fall kann dies sogar zu Unfällen führen, wenn die Smombies so sehr abgelenkt sind, dass sie andere Verkehrsteilnehmer nicht oder zu spät wahrnehmen. Um solche Fälle zu verhindern, wurden in einigen Städten bereits spezielle Ampeln auf dem Boden installiert, um Smombies davor zu bewahren, unaufmerksam auf die Straße zu laufen.

Allerdings sollte man sich nicht nur auf eine negative Bedeutung des Begriffs beschränken. Er zeigt auch, wie sich das Verhältnis der Menschen zum Smartphone verändert hat, wie selbstverständlich die Benutzung für viele Anwender geworden ist und wie die dort präsentierten und erstellten Inhalte immer weiter beeinflussen können, mit welchen Augen die Welt gesehen wird.

Stehen Smombies der Kommunikation im Weg?

Der Gedanke ist so wunderschön paradox: Smartphones, die in erster Linie geschaffen wurden, um die Kommunikation zwischen den Menschen auf der gesamten Welt mobiler und einfacher zu machen, stehen immer wieder in der Kritik und sollen der Grund dafür sein, dass die direkte Kommunikation zwischen Menschen immer weiter verdrängt wird und stetig abnimmt. Man muss sich die Menschen nur genauer ansehen, um den Auslöser dieser These zu beobachten: Egal wo. Ob am Frühstückstisch, beim gemeinsamen Spaziergang, beim Genuss einer Tasse Kaffee und bei jeder anderen Gelegenheit. Immer das Smartphone vor der Nase, man betrachtet lieber die Timeline in sozialen Netzwerken, anstatt sich der wirklichen Umgebung zu widmen und schreibt Nachrichten und verfasst Statusmitteilungen für Facebook, selbst wenn ein Gesprächspartner direkt neben einem steht.

Was für die junge Generation fasst schon normal erscheint, ruft bei älteren Generationen oftmals nur ein Kopfschütteln hervor. Kaum nachvollziehbar scheint es, warum das Smartphone den ganzen Fokus einnimmt. Aber werden Gespräche tatsächlich mehr und mehr ein Relikt der Vergangenheit und von digitaler Kommunikation abgelöst, die sich in sozialen Netzwerken abspielt? Grundsätzlich lässt sich glücklicherweise sagen: Nein, auch weiterhin ist die Kommunikation ein zentrales Thema – auch bei Smombies.

Wahr ist jedoch, dass diese sich verändert und natürlich ist am Ende jeder selbst dafür verantwortlich, wie und in welchem Ausmaß er sein Smartphone nutzt und ob er sich dabei so sehr beeinflussen lässt, dass er an Konversationen nicht mehr teilnimmt oder sich sogar in Anwesenheit anderer abschottet und hinter dem Bildschirm versteckt.

Notwendig ist vor allem ein Umdenken in den Köpfen. Dies hilft nicht nur dabei, ein besseres Verständnis zu erreichen und nachvollziehen zu können, warum sich Begriffe wie Smombie durch ein verbreitetes Phänomen etablieren können. Besonders junge Menschen wollen immer auf dem aktuellen Stand sein – beruflich wie privat. Dabei ist in einer digital vernetzten Welt die Halbwertszeit von Informationen enorm kurz. Anders ausgedrückt: Was vor einer Stunde noch eine Neuigkeit war, ist jetzt bereits wieder veraltet, wurde verdrängt oder ist schlichtweg uninteressant geworden, weil es bereits jeder kennt.

Man starrt also nicht auf sein Smartphone und bekommt nichts mehr von der Außenwelt mit, sondern nimmt die Welt ganz bewusst durch das Smartphone wahr – in einem globalen Ausmaß und in Echtzeit, wie es kein anderes Medium ermöglicht.

[Bildnachweis: lassedesignen by Shutterstock.com]
3. August 2016 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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