So ruinieren Sie Ihre Karriere langsam, aber sicher

Viele Menschen suchen Bestätigung in dem Beruf, den sie ausüben. Daher ist es auch selbstverständlich für sie, ihren Job gut auszuüben. Dass zum Karriere machen viel mehr gehört als einfaches Erscheinen und Abarbeiten, sollte klar sein. Aber haben Sie sich umgekehrt einmal gefragt, womit Sie Ihr vorzeitiges Karriereaus fördern? Jeder hat vermutlich ein, zwei Dinge vor seinem geistigen Auge, wenn es ums berufliche Scheitern geht. Aber fernab von den offensichtlichen No-gos wie beispielsweise Diebstahl gibt es eine Reihe von Fallstricken. So ruinieren Sie Ihre Karriere langsam, aber sicher, wenn Sie diese Fehler nicht vermeiden…

So ruinieren Sie Ihre Karriere langsam, aber sicher

Karriere ruinieren: Auch ohne schwere Delikte möglich

Die Engländer haben eine schöne Redensart:

There is more to it than meets the eye.

Das heißt in etwa, dass es noch viel wichtigere oder zumindest andere Dinge gibt, die es zu berücksichtigen gilt als die offensichtlichen. Wie in dem eingangs genannten Beispiel: Natürlich ist ein Diebstahl in der Firma Ihrer Karriere alles andere als förderlich. Aber auch ohne solche Delikte sind es tatsächlich oftmals die kleinen Dinge, die Leute auf dem Weg nach „oben“ straucheln lassen.

Über soziale Kompetenzen wurde bereits viel geschrieben, allein: Nicht jeder verfügt darüber. Immer noch wird das Zusammenspiel von fachlicher Kompetenz einerseits und kollegialem Miteinander andererseits unterschätzt. Die folgenden zwanzig Beispiele zeigen Ihnen, was in Ihrer Karriere alles schief laufen kann, wenn Sie nicht aufpassen:

  • Mangelnde Anpassung

    Jedes Unternehmen hat eine eigene Unternehmenskultur. Das kann sich im Duzen auf allen Hierarchieebenen äußern, das kann die individuelle Gestaltungsmöglichkeit an den Arbeitsplätzen sein, in jedem Fall sind es gewisse Werte und Normen, die unsichtbar und sichtbar praktiziert werden.

    Gerade für Neulinge mag es mitunter schwer sein, diese Unternehmenskultur sofort zu erfassen. Da hilft nur eins: Zuhören, zuschauen und lernen. Wer sich allerdings für das Maß aller Dinge hält, unsichtbare Teamregeln nicht beachtet, wird schnell anecken.


  • Nachlässige Kleidung

    Kleider machen Leute. Diese alte Redensart hat sich bis auf den heutigen Tag bewährt. Fernab irgendwelcher Moden wird es immer Bereiche geben, in denen ein gewisser Dresscode herrscht. Das ist auch ganz normal; Kleidung, Frisur und andere Äußerlichkeiten sagen etwas darüber aus, wie jemand wahrgenommen werden möchte.

    Kreative Branchen wie beispielsweise Design und Werbung lassen da größere Interpretationsspielräume im Gegensatz zum Bankenwesen. Dennoch gilt es die feinen Unterschiede zwischen „individuell“ und „nachlässig“ zu beachten. Intakte, gepflegte Kleidung ist selbstverständlich, aber achten Sie eben auch darauf, wie Ihre Kollegen sich kleiden.

    Stehen da Turnschuhe und Jeans auf der Tagesordnung oder doch eher Anzug, Bluse und Blazer? Bedenken Sie, dass nachlässige Kleidung Ihre Glaubwürdigkeit und sogar Ihre Autorität untergraben kann: Eine Führungskraft, die salopper als ihre Angestellten gekleidet ist, wird von Außenstehenden schwerlich als solche erkannt werden.


  • Durchschaubare Entschuldigungen

    Zeitgenossen, die keine Verantwortung für ihr Tun übernehmen, sind äußerst lästig. Manche schaffen es immer wieder, sich irgendwie durchzumogeln, was nicht zuletzt auch daran liegt, dass sie von anderen gedeckt werden. Schlimmer jedoch sind diejenigen, die sämtliche Verantwortung von sich weisen, die Schuld auf andere schieben. So ein Verhalten fliegt erst auf, wenn sie mal alleinverantwortlich für ein Projekt sind. Wenn dann nicht fristgerecht geliefert wird, ist das Versagen offensichtlich.


  • Mäßiger Einsatz

    Sie werden für Ihre Arbeit bezahlt. Es ist selbstverständlich, dass Sie sie nach bestem Gewissen machen, sich einbringen und die Arbeit auch sehen: Dass Sie also an anderer Stelle einmal nachhaken, ob Sie weitere oder neue Aufgaben übernehmen können. Dass Sie Überstunden machen, wenn der Bär tobt oder einspringen, wenn durch Urlaub oder Krankheit die Besetzung entsprechend dürftig ist.

    Dienst nach Vorschrift hingegen ist ein Zeichen, dass Sie entweder innerlich gekündigt haben, oder sich anderweitig nicht mit dem Unternehmen und den gesteckten Zielen identifizieren können.


  • Leere Versprechungen

    Wenn Sie etwas versprechen, wecken Sie Erwartungen in anderen Leuten. Im Umkehrschluss enttäuschen Sie Ihre Kollegen oder Ihren Vorgesetzten in dem Moment, wo Sie nicht einlösen, was Sie getan haben. Selbst wenn es sich einmal um eine Lapalie handelt und Sie einmal vergessen haben, Druckerpapier wieder aufzufüllen:

    In der Summe macht es Sie zu einer unzuverlässigen Person. Wenn Sie mit leeren Versprechungen häufiger aufwarten, wird man Sie nicht ernst nehmen und Ihnen erst recht keine verantwortungsvolleren Aufgaben erteilen.


  • Negative Sichtweise

    Wenn es etwas gibt, was nicht nur unproduktiv und destruktiv ist, dann ist es wohl Pessimismus. Menschen, die eine konstant negative Nichtweise an den Tag legen, können sich vermutlich selbst nicht leiden. Das Problem ist allerdings, dass sie mit ihrem Verhalten auch andere Leute herunterziehen.

    Klar, das Gejammer am Montagmorgen – da stimmt vielleicht noch die Mehrzahl der Belegschaft mit ein. Aber in allem den Fehler oder Schwierigkeiten zu sehen, ist auf Dauer unglaublich demotivierend. Solche Menschen will niemand langfristig um sich herum haben. Und auch auf Arbeitgeberseite wird man Ihnen nichts zutrauen; Aufgaben, die vielleicht eine Herausforderung darstellen, wird man jemanden geben wollen, der sie sich zutraut.


  • Unkollegiales Benehmen

    Es ist äußerst unklug, es sich mit seinen Kollegen zu verderben. Dazu gehört auch mangelndes Engagement, was kollegiales Miteinander anbelangt. Es mag verständlich sein, sich aus Karriereperspektive vor allem an Leute zu halten, die einen Aufstieg versprechen.

    Im Alltag werden Sie jedoch häufig auch mit solchen Kollegen zu tun haben, auf die das nicht zutrifft. Dennoch ist es immer sinnvoll, sich auch mit diesen Leuten gut zu stellen. Jemand ist eher geneigt, wertvolle Informationen mit Ihnen zu teilen, wenn er sich akzeptiert und wertgeschätzt fühlt, als wenn er als nichtig eingestuft wird.


  • Mangelnde Kritikfähigkeit

    Jeder macht einmal Fehler. Umgekehrt erwartet auch niemand von Ihnen, dass Sie perfekt sind, auch nicht Ihr Vorgesetzter. Was allerdings von Ihnen erwartet wird: Dass Sie sich wie eine erwachsene Person verhalten. Dazu gehört auch, dass Sie Kritik annehmen können.

    Das bedeutet natürlich nicht, dass Sie endlose Beleidigungen oder fälschliche Schuldzuweisungen sich zu eigen machen müssen. Aber konstruktive Kritik fußt auf sachlichen Feststellungen und das Mindeste, was man von Ihnen erwarten kann, ist dass Sie zuhören und reflektieren. Stattdessen alles von sich zu weisen und nie etwas in Betracht zu ziehen, lässt Sie äußerst unprofessionell wirken.


  • Hohe Aufschieberitis

    Es gibt Tage, an denen funktioniert nichts so, wie es soll. Jeder hat mal einen Hänger oder kommt an einem Problem nicht weiter. Schwierig wird die ganze Sache, wenn Sie durch ständiges Aufschieben der Dinge, die erledigt werden müssen, unter Stress geraten. Prokrastination kann nicht nur Sie, sondern auch Ihre Kollegen in Bedrängnis bringen.

    Manche Projekte brauchen vielleicht einfach einen zeitlichen Puffer. Stellen Sie erst zur letzten Minute Ihren Anteil daran fertig, kann das eine Kettenreaktion nach sich ziehen. Wenn dann etwas schief geht und ein Termin letztlich nicht eingehalten wird, fällt das auf Sie zurück.


  • Wenig Taktgefühl

    Die schriftliche Kommunikation ist ein ewiger Quell für Missverständnisse. Nuancen gehen völlig unter, Ironie, aber auch Anteilnahme oder ähnliche Emotionen können oftmals nicht angemessen ausgedrückt werden. Mimik, Tonfall und Gestik fallen ebenfalls völlig heraus. Nun dürfte ausgerechnet Ironie in arbeitsrelevanten E-Mails wenig zu suchen haben.

    Aber auch so können Sie mit zu wenig Taktgefühl im Mailverkehr sehr viel unhöflicher wirken, als Sie beabsichtigt oder gar geahnt haben. Das kann dazu führen, dass man Sie meidet. Lieber ein wenig freundlicher in den Mails formulieren, als dass Sie in letzter Konsequenz einen Ruf als unhöflicher Misanthrop kassieren.


  • Substanzlose Beiträge

    Gerade unerfahrene Mitarbeiter neigen dazu, sich durch Wortmeldungen in Meetings hervorzutun, die nicht besonders viel zur Diskussion beitragen. Es ist verständlich, dass jemand engagiert erscheinen möchte. Leider ist es nicht immer mit schnellen Antworten getan, wenn der Überblick einfach fehlt.

    An dieser Stelle empfiehlt es sich, erfahreneren Kollegen einfach den Vorrang zu lassen. Als Neuling ist es sinnvoller, durch Aufmerksamkeit und Wissbegier hervorzutreten. Hierbei ist es natürlich wichtig, nicht einfach irgendwelche Banalitäten abzufragen, sondern durch gezieltes Nachfragen ernsthaftes Interesse und Kompetenz zu signalisieren.


  • Ständige Verspätungen

    Mangelnde Pünktlichkeit ist in vielerlei Hinsicht problematisch. Zum einen signalisiert es, dass Sie Ihr Zeitmanagement offenbar nicht im Griff haben. Zum anderen demonstrieren Sie damit aber auch – ob willentlich oder nicht – mangelnde Wertschätzung.

    Sie lassen andere Menschen spüren, dass etwas anderes Ihnen wichtiger ist. Sie rauben Ihren Kollegen wertvolle Zeit. Das ist nicht nur respektlos, sondern auch anmaßend, da Sie sich damit eine Wichtigkeit zugestehen, die Sie als Mitarbeiter nicht haben. Um diesen Eindruck zu vermeiden, sollte Pünktlichkeit auf Ihrer Prioritätenliste weit oben stehen.


  • Grenzenloses Quasseln

    Es ist wichtig, gut mit seinen Kollegen auszukommen. Zur Kontaktpflege gehört daher auch zweifelsfrei das Schwätzchen zwischendrin, wenn ein Kollege beispielsweise aus dem Urlaub zurückgekommen ist. Das Ganze sollte allerdings nicht ausarten; wenn Sie ständig nur mit anderen Menschen herumstehen, bekommen Sie Ihre Arbeit nicht erledigt, aber sie halten andere auch noch von der Arbeit ab. Sie sollten daher ein gesundes Mittelmaß finden und sich in Ihrer Mitteilungsfreude auf Pausen beschränken.


  • Anmaßende Arroganz

    Schlimmer, als E-Mails in einem unhöflichen Ton zu beantworten ist allerdings, sie gar nicht beziehungsweise deutlich verspätet zu beantworten. Es zeugt von einer maßlosen Arroganz zu denken, bestimmte Leute seien Ihre kostbare Zeit nicht wert, um darauf zu reagieren. Es wird einen Grund für die E-Mail geben, jemand ist abhängig in seinen Entscheidungen von Informationen, die er von Ihnen benötigt.

    Schlimmstenfalls führt dieses Verhalten dazu, dass Fristen nicht eingehalten werden. So oder so lässt es Sie unprofessionell erscheinen. Auch wenn es unbequem ist: Langfristig zahlt es sich aus, wenn Sie Mails umgehend beantworten.


  • Respektloses Verhalten

    Wie heißt es so schön? Höflichkeit ist eine Zier. Ihre fachliche Kompetenz wird auch hier in den Hintergrund treten, wenn Sie Ihre Kollegen durch Unhöflichkeit gegen sich aufbringen. Sie isolieren sich automatisch und schaden somit sich selbst. Es tut niemandem weh, wenn Sie sich nach den Kindern des Kollegen erkundigen oder Hobbys ansprechen. Solche Kleinigkeiten werden sich an anderer Stelle auszahlen, wenn Sie einmal Hilfe benötigen. Egal, ob Ihnen ein Kollege Arbeit abnehmen kann, ob Sie ein Feedback oder einen Lösungsansatz brauchen.


  • Einschmeichelndes Verhalten

    So wichtig es ist, gut mit seinen Kollegen auszukommen: Auch hier ist das richtige Maß entscheidend. Für Sie mag im Vordergrund stehen, mit jedem gut auszukommen. Und natürlich sollte Hilfsbereitschaft unter Kollegen selbstverständlich sein. Wenn Sie sich allerdings bei jedem lieb Kind machen, werden andere schnell merken, dass man Ihnen Aufgaben zuschustern kann.

    Sie müssen genauso gut auch lernen nein zu sagen und Entscheidungen zu treffen, ohne von der Meinung anderer abhängig zu sein. Wenn Sie das nicht tun, werden andere ständig Ihre Grenzen ausloten und sie überschreiten. Es ist an Ihnen, das zu verhindern. Anderenfalls werden Sie sich schnell erschöpft und gestresst fühlen und das wird sich in jedem Fall auf Ihre Karriere auswirken.


  • Widerrechtliches Aneignen

    Sich mit fremden Federn zu schmücken ist wohl so ziemlich das Letzte, was man sich auf der Arbeit leisten sollte. Nicht nur weil es unprofessionell und unmoralisch ist. Irgendwann wird es sich rächen – sei es, dass Sie auffliegen, weil sich herausstellt, dass Sie keine detaillierten Kenntnisse haben oder sei es, dass Sie sich derart unbeliebt durch dieses Vorgehen machen, dass andere Sie zu Fall bringen. In jedem Fall wird Ihre Reputation unter so einer Aktion stark leiden.


  • Schwaches Einbringen

    Leute, die in bester Egoistenmanier „ihr Ding durchziehen“ sind einfach nicht mehr zeitgemäß. Das andere Extrem ist allerdings genauso wenig erwünscht: Lethargische Eigenbrötler. Aktive Mitarbeit im Team ist gefragt, auch wenn Meetings vielleicht nicht jedermanns Sache sind. Zurücklehnen und die anderen mal machen lassen ist eine Form der Bequemlichkeit, die Sie langfristig teuer zu stehen kommt.


  • Ungenügende Selbstreflexion

    Sie sind ganz zufrieden mit dem, was Sie tun – das haben sie die letzten Jahre bereits so gemacht und es funktioniert. Blöderweise haben sich die Dinge geändert und Sie haben es nicht mitbekommen. Ständig gibt es Neuerungen, gerade im Bereich Digitalisierung. Wer da nicht am Ball bleibt, hat schnell das Nachsehen.

    Die Bereitschaft, sich weiterzubilden und zu lernen, auf dem Laufenden zu sein und sein Netzwerk zu pflegen sind Basics. Voraussetzung dafür, dass Sie das allerdings erkennen ist eben ein gewisses Maß an Selbstreflexion.


  • Maßlose Prahlerei

    Keiner mag Angeber. Ständiges sich selbst beweihräuchern ist auch ein Zeichen mangelnder Selbstreflexion: Die wenigsten Erfolge passieren aus dem Nichts; für gewöhnlich haben auch andere Leute in irgendeiner Form ihren Anteil daran. Sei es, dass sie durch Tipps und Inspiration dazu beigetragen haben oder Arbeit abgenommen haben.

    Aber selbst wenn es dieses eine Mal allein Ihr Verdienst war: Es unentwegt und ungefragt anderen aufs Brötchen zu schmieren ist eben nicht die feine Art. Einer Ihrer Kollegen wäre an dieser Stelle vielleicht auch gerne erfolgreicher gewesen, aber so wird er sich kaum trauen, Sie um Hilfe zu bitten. Andersherum wird er auch keine Hilfe anbieten, die zu einem anderen Zeitpunkt willkommen sein könnte.


[Bildnachweis: bomg by Shutterstock.com]
10. Juni 2017 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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