Social-Media-Reaktions-Flussdiagramm: Troll dich!

Gerade noch war die Welt in Ordnung: die Kommentare im Blog oder auf Facebook-Fanpage ermutigend, freundlich, konstruktiv. Doch dann, mit einem Mal tauchen eher zwielichtige Kommentare auf: wütende Wortmeldungen, Frust, Vorwürfe, Unterstellungen. Daraus kann sich schnell ein ausgewachsener Shitstorm entwickeln – mit Ihnen mittendrin. Wie gehen Sie damit um: einfach aussitzen, den Kopf in den Sand stecken, schweigen und warten bis sich die Wogen glätten? Oder lieber direkt reagieren – nur wie? Egal, was Ihre erste emotionale Reaktion ist: Tun Sie bitte nichts Unüberlegtes. Bleiben Sie ruhig, und gehen Sie systematisch vor, wie in dem folgenden Flussdiagramm

Social-Media-Reaktions-Flussdiagramm: Troll dich!

Shitstorm bändigen: Nur die Ruhe!

Das Social-Media-Flussdiagramm illustriert zwar nur ein grobes Muster möglicher Reaktionen auf das, was alles passieren kann. Durch die schematisch vereinfachte Darstellung sehen Sie aber auch: Mit Menschen im Social Web zu kommunizieren, ist keine Raketenwissenschaft. Im Grunde ist es sogar recht simpel, wenn man die grundsätzlichen Züge erst einmal erkannt hat:

Social-Media-Reaktions-Flussdiagramm: Troll dich!

Nörgler, Motzer, Trolle: Wie uns negative Kommentare beeinflussen

Das Gute an Social Media ist: alle können mitreden, Meinungen austauschen, kommentieren. Das Schlechte an Social Media ist: wirklich alle können mitreden, Meinungen austauschen, kommentieren. Und leider nutzen manche die Kommentarfunktion nicht konstruktiv, sondern vor allem zum Motzen, Meckern, Nörgeln und Trollen. Da werden Andersdenkende mal eben beleidigt und beschimpft, unsachlich argumentiert, trotzig rechtgehabt oder alles besser gewusst oder auch einfach nur Lebensfrust unreflektiert ventiliert.

Aber welche Wirkung hat das Gepöbel auf die Mitleser?

Dominique Brossard und Dietram Scheufele, beide Kommunikationswissenschaftler an der Universität von Wisconsin in Madison haben das genauer untersucht und festgestellt: Die Auswirkungen sind enorm – aber negativ.

Vor allem jene, die sich bisher noch keine Meinung gebildet haben und an einer konstruktiven Diskussion interessiert sind, beeinflusst das Kommentargenörgel erheblich. Oder kurz: es polarisiert.

Für die Studie sollten knapp 1200 Probanden einen neutralen Blogartikel über die Vor- und Nachteile der Nanotechnologie lesen. Alle Teilnehmer kannten sich mit der Technik nicht sonderlich aus, interessierten sich aber dafür. Der Text war verständlich geschrieben, ausgewogen gehalten und zeigte sowohl Chancen als auch Risiken.

Doch die Kommentare darunter hatten es in sich:

  • Während die eine Hälfte der Probanden auch hier nur sachliche Meinungen und einen konstruktiven Austausch anderer Leser zu sehen bekam,
  • las die zweite Gruppe das Gemotze von entschiedenen Nanotechnologie-Gegnern mit missionarischem Eifer. Wer anderer Meinung war, wurde nieder gemacht, beleidigt, beschimpft.

Die Diskussion in den Kommentaren war geprägt von unsachlichen Wortgefechten und vulgären Kraftausdrücken.

Die Kraftausdrücke blieben nicht ohne Wirkung: Die Mehrheit der Probanden sahen nun vor allem die negativen Seiten der Nanotechnik. Nicht die sachlichen Argumente blieben bei ihnen haften, sondern die stärksten Emotionen. In der ersten Gruppe, wo eine sachliche Auseinandersetzung stattfand, konnten sich die Teilnehmer indes leichter eine eigene Meinung bilden oder blieben bei ihrer. Insgesamt war dort die Stimmung besser, die Diskussionen gehaltvoller.

[Bildnachweis: gualtiero boffi by Shutterstock.com]
15. Juni 2015 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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