Sonnenbaden - dazu muss man nicht unbedingt in den Süden fahren. Ungefährlich ist es aber dennoch nicht. Bevor Sie jetzt über Lichtschutzfaktoren nachdenken, sollten wir kurz über den Sonnenbrand sprechen. Die Briten haben ihn übrigens nicht erfunden, auch wenn das vermehrte Erscheinen leuchtend roter Engländer an spanischen Stränden den Schluss nahelegt. Genau genommen ist der Sonnenbrand eine Erfindung der Wirtschaftswunderjahre: Um 1900 ging es an den Seebädern nämlich noch hochgeschlossen zu: Männer wie Frauen trugen Ganzkörperbadeanzüge und auf dem Kopf große Hüte, die gewaltige Schatten warfen. Die Reichen blieben lieber bleich, das war vornehmer...

Der Aging-Effekt der Sonne

So stammt denn auch eine der ersten Anzeigen für Sonnenbrandcreme angeblich aus dem Jahr 1925 und zeigt eine Frau im langen Kleid beim Tennis. Sport war schon immer der Anlass, zu dem sich Haute-Volée und Pöbel annäherten.

Mit dem Wirtschaftswunder kamen die Weltentdecker, und die bleichen Reichen zog es zur Sonne. Die Kleidung wurde knapper, die Hüllen fielen, Ende der Sechziger meist sogar ganz. Und es wurde gesonnt, gebräunt, gecremt. Anfangs jedenfalls, später – auch das sicher eine Reminiszenz an den Wirtschaftsmotor – wurde vorwiegend geölt.

Vielleicht liegt der Faible für die Sonnenstrahlen aber auch an einem anderen Grund: Licht tut uns gut. Es spendet nicht nur Leben, gute Laune und macht geil. Mithilfe des Sonnenlichts kann unser Körper auch das Vitamin D bilden, das etwa der Darm braucht, um Calcium zum Knochenaufbau zu resorbieren.

Das weiß man heute deshalb so genau, weil etwa zur Zeit der industriellen Revolution, wo rauchende Schlote den Himmel verdunkelten und die meisten Menschen von morgens bis abends in dunklen Fabriken schufteten, Krankheiten wie Rachitis oder Knochenverweichung in erhöhtem Umfang auftraten.

Inzwischen raten selbst die Experten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zur verstärkten Vitamin D Betankung. Zitat aus der Pressemitteilung (PDF):

In Deutschland reicht die Stärke der Sonnenbestrahlung in den Monaten März bis Oktober aus, um eine ausreichende Bildung des Vitamins D zu gewährleisten. Da die körpereigene Synthese individuell schwankt und vom Breitengrad und der Jahreszeit abhängig ist, gilt für Erwachsene als Faustregel, sich ca. 5 bis 25 Minuten pro Tag mit unbedecktem Gesicht, Händen und Teilen von Armen und Beinen der Sonne auszusetzen. Personen, die sich bei Sonnenschein kaum oder gar nicht bzw. nur vollständig bekleidet im Freien aufhalten sowie Menschen mit dunkler Hautfarbe und ältere Menschen ab 65 Jahren zählen zu den Risikogruppen, die gegebenenfalls ein Vitamin D-Präparat einnehmen müssen. [Denn] der Körper benötigt Vitamin D für den Aufbau und Erhalt der Knochen: Es reguliert den Calcium- und Phosphatstoffwechsel und sorgt für eine ausreichende Mineralisierung und Härtung der Knochen. Als Schätzwert für eine angemessene Zufuhr gibt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) für Kinder, Jugendliche und Erwachsene 20 Mikrogramm Vitamin D pro Tag an, aber nur, wenn keine körpereigene Bildung erfolgt.

Die Schattenseite des Sonnenlichts

Das Sonnenlicht hat allerdings auch so seine Schattenseiten. So reichen für einen ausreichenden Vitamin-D-Spiegel im Blut schon 10 bis 15 Minuten Sonnenbaden pro Tag. Parallel aber verursachen die ultravioletten Sonnenstrahlen, wenn man nicht aufpasst, Sonnenbrand, Faltenbildung und Hautkrebs. Selbst wenn es so aussieht, als würde sich die Haut nach übertriebener Bestrahlung wieder regenerieren, können DNS-Schädigungen in tieferen Hautschichten bestehen bleiben.

SonneneffektErst vor kurzem gab es den ultimativen und zugleich sehr plastischen Beweis: Der us-amerikanische Trucker William McElligott fährt seit 28 Jahren in seinen LKW von und nach Chicago - die linke Gesichtsseite dank des offenen Fensters stets der sengenden Sonne ausgesetzt, die rechte im Fahrerkabinenschatten. 28 Jahre lang...

Der Sonneneffekt, der es zur Nachricht brachte, ist unglaublich: Inzwischen sieht der 66-jährige McElligott aus wie Two-Face: links um Jahrzehnte älter als rechts.

Das Wissen hält uns jedoch auch weiterhin nicht davon ab, auf dem Teutonengrill zu brutzeln und sich mit Cremes und Ölen einzucremen, was die Drogerien hergeben. Wegen seines Drangs zur Pefektionierung spart sich der moderne Sonnenanbeter inzwischen gar das Eincremen und sprayt den Lichtschutz lieber mit einem schnippischen Pfft, pfft auf die bald bronzefarbene Haut – Mikropartikel für den perfekten Look in Mikrofasern und Mikrobikinis...

Sonnenbad: Die vier Hauttypen

Wie viel Sie in Sachen Lichtschutzfaktor und UV-Filter verwenden sollten, hängt indes stark mit den unterschiedlichen Hauttypen zusammen. Nicht zu verwechseln mit den von Felix von Luschan entwickelten Hautfarbentypen. Davon gibt es insgesamt 36, Hauttypen dagegen vor allem vier:

  1. Typ 1: helle Haut, rote Haare, blaue Augen, Sommersprossen (ca. 2 Prozent der Bevölkerung). Sonnenbrandgefahr: sehr hoch. Eigenschutz (ohne Sonnencremes): maximal 10 Minuten.
  2. Typ 2: helle Haut, blonde Haare, blaue, grüne oder graue Augen (ca. 12 Prozent der Bevölkerung). Sonnenbrandgefahr: hoch. Eigenschutz: maximal 20 Minuten.
  3. Typ 3: mittlerer Teint, dunkle oder dunkelblonde Haare, braune Augen (ca. 78 Prozent der Bevölkerung). Sonnenbrandgefahr: mittel. Eigenschutz: maximal 30 Minuten.
  4. Typ 4: dunkle Haut, dunkle Haare, dunkle Augen (ca. 8 Prozent der Bevölkerung). Sonnenbrandgefahr: gering. Eigenschutz: maximal 45 Minuten.

Der Lichtschutzfaktor (LSF) gibt dann an, wieviel länger Sie Sonne tanken können. Hat die Haut eine Eigenschutzzeit von 10 Minuten (Typ 1) und verwenden Sie eine Creme mit LSF 20, so können Sie 20 Mal länger in der Sonne bleiben, also knapp dreieinhalb Stunden. Schützen sollte sich aber jeder. Sonst sehen Sie bald aus wie die linke Hälfte von William McElligott...

Arbeiten im Freien: Schattenseite Hautkrebs

Arbeiten im Freien: Schattenseite HautkrebsWer längere Zeit im Freien arbeitet und dabei ungeschützt intensiver Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist, entwickelt mit höherer Wahrscheinlichkeit den hellen Hautkrebs im Vergleich zu Menschen, die nicht im Freien arbeiten. Davor warnt eine neue Studie von Hautexperten und -ärzten. Betroffen sind vor allem sogenannte Outdoor-Worker, wie Bauarbeiter, Gärtner, Polizisten oder Bademeister, sondern zunehmend auch Freiberufler und Wissensarbeiter, die es im Frühjahr und Sommer gerne ins "Freiluft Home-Office" zieht. Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 400.000 Menschen neu am hellen Hautkrebs. Er offenbart sich meist durch schuppende, verfärbte oder unebene Hautstellen. Der schwarze Hautkrebs fällt dagegen durch dunkle und unregelmäßig geformte Hautflecken auf, deren Farbe, Größe und Form sich verändern können.

Hautkrebs rechtzeitig erkennen - mit der ABCDE-Methode

Zur Selbstkontrolle empfiehlt die Deutsche Krebshilfe die sogenannte ABCDE-Methode. Danach sollten Sie verdächtige Leberflecken nach diesem Akronym beurteilen:

  • A wie Asymmetrie Hat der Hautfleck eine ungleichmäßige Form? Dann ist das ein erstes Warnsignal.
  • B wie Begrenzung Auch unscharfe, unebene und raue Ränder können Hautkrebs anzeigen.
  • C wie Color Sogenannte bunte Leberflecken, die verschiedene Farben wie rosa, grau oder schwarz enthalten, sollten sofort von einem Hautarzt unter die Lupe genommen werden.
  • D wie Durchmesser Ist das Muttermal größer als fünf Millimeter, kann das ebenfalls ein Indiz für Hautkrebs sein.
  • E wie Entwicklung Verändert sich der Hauptfleck? Vor allem wenn er Farbe und Form in den vergangenen drei Monaten verändert hat, sollten Sie zum Arzt gehen.

Sonnenschutz: Tipps zum Hautschutz

Darüber hinaus gibt es natürlich noch die klassischen Tipps, wie Sie sich vor der Sonne schützen können und trotzdem bronzebraun werden. Diese:

  1. Vorbeugen.

    Das oberste Gebot beim Bräunen ist der vernünftige Umgang mit der Sonne. Wie viel Sonnenlicht die Haut verträgt, ist bei jedem Menschen anders. Bevor Sie sich also für längere Zeit der Sonnenbestrahlung aussetzen, sollten Sie erst einmal vorbeugen: Die gefürchtete Sonnenallergie, auch Mallorca-Akne genannt, geht meist auf einen Calcium-Mangel zurück. Bauen Sie vorher ein kleines Depot auf: Zwei Wochen vor dem Urlaub eine Calcium-Tablette täglich soll angeblich reichen. Die wasserlöslichen Tabletten gibt es in jeder Apotheke. Die Einnahme von Calcium oder Beta-Carotin bietet allerdings keinen verlässlichen Schutz vor Sonnenbrand. Lassen Sie sich daher auch von Ihrem Apotheker oder Arzt beraten.

  2. Vorbräunen.

    Die Haut schützt sich zu einem gewissen Grad selbst: Sie wird braun. Treffen UV-Strahlen auf die Haut, bildet sich das Pigment Melanin. Bräunen Sie also zunächst zuhause sanft vor. Vorsicht nur mit Sonnenbankbräune: Die Röhrensonne enthält fast ausschließlich UVA-Strahlen. Die bewirken kaum Eigenschutz, das passiert erst durch UVB-Strahlen. Und bis der Selbstschutz vollständig ausgebildet ist, braucht die Haut bis zu drei Wochen.

  3. Eingewöhnen.

    Selbst wenn Sie vorgetoastet sind, entspricht die Bräune allenfalls dem Lichtschutzfaktor 4. Das schützt gerade mal vor der hiesigen Sonne. Am Mittelmeer ist die Dosis 20 Mal höher, das verträgt nicht einmal der dunkelste Hauttyp. Passen Sie die Dauer Ihres ersten Sonnenbades deshalb Ihrem Hauttyp an: Legen Sie nur wenige Minuten in das Sonnenlicht, vorzugsweise vormittags und nachmittags und meiden Sie das pralle Tageslicht in der Mittagszeit zwischen 11 und 15 Uhr. Erste Rötungen sind Alarmzeichen, sie sind der Beginn eines Sonnenbrandes. Und beginnen Sie mit einem hohen Lichtschutzfaktor, so 20 oder 30.

  4. Eincremen.

    Wichtig ist, dass Sie sich schon etwa 30 Minuten vor dem Sonnenbad eincremen. Jedenfalls gilt das für chemische Sonnencremes. In Sachen Sonnenschutz bieten die Hersteller inzwischen zwei alternative Substanzen: chemische und physikalische Filter. Die Chemischen absorbieren die UV-Strahlen und wandeln sie in Wärme um. Bei einigen Menschen können Sie jedoch Allergien auslösen. Die physikalischen Filter enthalten mikrofeine Partikel, die wie winzige Spiegel funktionieren. Sie reflektieren das UV-Licht und wehren so UVA wie UVB Strahlen ab, chemische Filter schützen dagegen oft nur vor UVB-Strahlen. Achten beim Kauf auf die entsprechenden Angaben auf den Flaschen und Tuben, ebenso auf die Wasserfestigkeit. Einige Sonnenschutzmittel waschen sich beim Baden ab und müssen danach neu aufgetragen werden. Zudem sollten die Mittel unbedingt kühl und schattig gelagert werden. Wer die Flaschen oder Sprays in den heißen Sand steckt und in der Sonne kochen lässt, kann sich das Eincremen genauso gut sparen.

  5. Verzichten.

    Kombinieren Sie Sonnenschutzmittel nicht mit Kosmetika. Deos und Parfüms können mit dem Sonnenlicht reagieren und die Haut verfärben oder reizen.

  6. Erneuern.

    Etwa alle zwei bis vier Stunden sollten Sie nachcremen. Schwitzen verringert den Hautschutz, Baden im Meerwasser sowie Abtrockenen aber auch. Achtung: Das Nachcremen erhöht den Lichtschutzfaktor nicht. Sobald Ihre Haut genug hat, sollten Sie den Schatten aufsuchen und dunkle Kleidung tragen, die lässt weniger Licht durch. Die Wirkung von UV-Strahlen wird übrigens durch die Reflexion im Wasser verstärkt. Zudem dringen die Strahlen auch unter die Wasseroberfläche, an der Oberfläche selbst werden nur bis zu 30 Prozent der Strahlen reflektiert.

  7. Pflegen.

    Schützen Sie Ihre Haut auch nach der Sonne. Sie trocknet beim Sonnenbad aus und braucht deshalb hinterher unbedingt eine After-Sun- oder Feuchtigkeitslotion. Damit die Bräune nach dem Urlaub länger hält, sollten Sie Ihre Haut zusätzlich mit einer fetthaltigen Creme versorgen.

  8. Sonnenbrand.

    Wer es mit der Bestrahlung dennoch übertrieben hat, sollte seine Haut unbedingt kühlen und ihr Feuchtigkeit zufügen. Umschläge mit Joghurt, Quark und Kamillentee lindern den Schmerz. Der Quark sollte aber nicht antrocknen: Rechtzeitig abwaschen! Noch besser wirkt frische Aloe Vera. Die kann man in Gärtnereien kaufen oder Zweige einige Zeit im Kühlschrank lagern. Zur Behandlung wird das Mark der Blätter herausgeschält, klein gehackt, püriert oder zerquetscht und das Gel anschließend auf die verbrannte Haut aufgetragen. Es riecht kaum, zieht schnell ein und wirkt Wunder. Bei schwerem Sonnenbrand sollten Sie jedoch den Arzt aufsuchen.

[Bildnachweis: haveseen, GaudiLab by Shutterstock.com]

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, erzählen Sie es weiter...